28 September 2009

Totalschaden

Nicht einmal in Wolfsburg, wo es ohne Steinmeiers Abwrackprämie in diesem Jahr ziemlich dunkel geworden wäre, hat die SPD gezogen...



Die früheren Volksparteien haben nun das hinbekommen, was viele Autohersteller schon hinter sich haben: Die Aushöhlung oder Umwertung ihrer (Marken-) Kerne. Galoppierenden Profilverlust, betrieben von Politmanagern a la General Motors, mit nachfolgender Absatz- und Existenzkrise. Schröder biederte die SPD bei unseriösen Managern an, die heute vorbestraft sind. Merkel machte aus der CDU eine Seeheimer SPD und zog sich selbst aus der Politik zurück. Die Linke zog die enttäuschten SPD-Linken an sich. Und die FDP tat so, als habe ihre Ideologie nichts mit der Finanzkrise zu tun.

Schröder und Merkel haben aus ihren Parteien "Modulbaukästen" gemacht, aus denen man sich jedes beliebige Wahlprogramm zusammenzimmern kann. Das ist das Ergebnis, wenn man Marketingagenturen und Politanalysten, also Schreibtischarbeitern, die politische Arbeit machen lässt.

Ist Steinmeier nun Teil des Problems oder wird er Teil der Lösung sein? Seine Wandlung im Verlaufe des Wahlkampfes hat gezeigt, dass er auch Teil der Lösung sein kann. Er ist immer wieder herabgestiegen, um sich zu bekennen. Hat gelernt, dass es einfacher wird, wenn man es nicht mehr allen recht machen will, sondern weiß, wo man steht und für wen man kämpft. Ich nehme ihm den Sozialdemokraten ab. Aber da muss noch mehr kommen.

Wenn ein Auto bei einem Unfall mehr als die Hälfte seines Wertes verliert, nennt man das einen Totalschaden. So gesehen, hat die SPD inzwischen einen Totalschaden erlitten. Reparieren lohnt nicht mehr, sie muss sich erneuern. Rückbesinnen. Denn sie wird gebraucht.

Sie soll bloß nicht wieder zu einer Umverteilungspartei werden. Es geht nicht darum, ein Leben aus Transferzahlungen zu einer Perspektive zu machen. Das ist es, was Klaus Wowereit irgendwann mal einsehen muss. Es geht aber sehr wohl darum, dem Wohlstandsrisiko, dass überforderte, überschätzte und sozial unterentwickelte Manager inzwischen für unseren "Standort" darstellen, eine starke solidarische Gemeinschaft entgegen zu setzen. Mitbestimmung brauchen wir heute mehr denn je.

Die Mär, dass es der Wirtschaft gut gehen muss, und es dann auch "den Menschen" gut gehe, muss endlich mal als solche benannt werden. Jedenfalls was die Konzerne betrifft.

Wir brauchen mehr Unternehmensgründungen und weniger Hofierung des Establishments. Deutschland ist zu einer geschlossenen Gesellschaft geworden, an deren Spitze eine dümmlich-kichernde und überhebliche Erbengemeinschaft die Kuchenstücke unter sich verteilt und Einfluss auf die Politik nimmt. Und sich allen Ernstes von einer "liberalen" Partei als "Leistungsträger" auf dem Schild tragen lässt. Das geht nicht.

Die FDP ist unglaubwürdig. Westerwelle schloss eine rot-gelbe Koalition aus, weil Steinmeier angeblich morgens vor der FDP warnte und ihr abends Angebote machte. Na und? Das gleiche tat Merkel. Westerwelle warf ihr übrigens immer wieder vor, sie habe die CDU zu einer sozialdemokratischen Partei gemacht. Hat aber nun kein Problem, mit ihr eine Koaltion zu machen. Aus der CDU und ihr wohl gesonnen Medien hörte man Warnungen, die Piratenpartei sei eine Ein-Themen-Partei. Na und? Das ist die FDP inzwischen auch.

Was wir in diesen Zeiten eigentlich bräuchten, wären eine klar denkende sozialliberale Koalition. Mit einem inneren Kompass Richtung Fortschritt und Aufgeschlossenheit für unsere Chancen.

Die SPD wird sich in der Opposition erneuern müssen. Es ist mir auch gar nicht so unsympathisch, dass Schwarz-gelb nun die Scherben dieser Systemkrise wegkehren muss. Sie können die unangenehmen Ministerien nun nicht der SPD zuschanzen.



Übrigens, typisch deutsch ist: Die CDU hat sich nie für die Emanzipation eingesetzt, und stellt die Kanzlerin. Westerwelle weigerte sich stets, als Politiker eine Bresche für Toleranz gegenüber Homosexuellen zu schlagen. Er erklärte das zu seiner Privatangelegenheit. Beide lassen lieber andere für sich kämpfen, und räumen am Ende ab und nennen sich "bügerlich". Dieses Schicksal hat bisher jede Freiheitsbewegung in Deutschland ereilt.

18 September 2009

17 September 2009

Archäologen ohne Finderlohn

Zufälliges Pausengespräch mit einem Archäologiestudenten heute Mittag in der Technischen Fachhochschule Berlin:

Er: "Ihr Erfinder habt es gut. Ihr bekommt was für Eure Erfindungen. Wir Archäologen sind nur Entdecker. Und bekommen keine Belohnung, wenn wir was finden."

Ich: "Wem gehören denn die Funde, wenn Sie beim Graben etwas finden?"

Er: "Dem Staat, bzw. den Bundesländern. Das Denkmalamt interessiert sich schnell für einen, wenn man auf der Baustelle etwas entdeckt hat."

Ich: "Und gibt es eine Art Urheberrecht an Fotos von Fundstücken?"

Er: "Nicht wirklich. Wenn die Funde freigelegt sind, dann verwertet sie der Staat. Auch die Fotos. An uns, bzw. wer auch immer einen Fund auf seinem Grundstück macht, bleiben nur die Kosten für die Freilegung hängen. In einigen Städten ist das ein hohes Risiko für Immobilienprojekte. In Köln z.B. findet man schnell alte Römer, sobald man anfängt zu graben."

Ich: "Erhalten Sie keinerlei Belohnung für Ihren Fund?"

Er: "Doch. Fundstücke aus Metall z.B. werden nach ihrem Materialwert entlohnt. Für eine alte Bronzevase aus der Römerzeit erhält man dann schon mal ein paar Euro Fünfzig."

Das wusste ich noch gar nicht. Ich finde das Verfahren ein bisschen ungerecht. Erfinder und Entdecker kennen ja zwei Arten von Entlohnung: Das Geld und den Ruhm. Es leuchtet mir ein, dass eine alte Stadtmauer nicht ihrem Finder gehören können. Aber man sollte ihm wenigstens einen Eintrag in der Hall of Fame gönnen, bevor man sie ihm aus der Hand nimmt. Vor allem, wenn ihm vorher noch die Arbeit obliegt, es auszugraben. Die Rechtsfigur, die das so regelt besteht aus den sog Regalien. Ein bisschen angestaubt sind sie schon:

Stichworte: Schatzregal, Bergregal

Der Witz ist, dass die Denkmalämter nicht mehr selber dort graben, wo sie Funde vermuten. Sondern darauf warten, dass ein Privater zufällig dort bauen will. Dann blockieren sie ihn, verpflichten ihn zur Finanzierung der Ausgrabung. Dann fotografieren sie den Fund und holen leicht bewegliche Stück heraus. Anschließend dürfen die Bagger ihres Amtes walten...

Warum Günter Oettinger für Porsche kein Gas gab

Während des Übernahmekonfliktes zwischen Volkswagen und Porsche setzte sich Niedersachsens Ministerpräsident Wulff vehement für VW ein. Immerhin ging es für ihn um die Frage, ob die Standorte in Niedersachsen noch sicher seien, wenn künftig die Stuttgarter den Konzern dominieren würden.

Sein Gegenspieler und Parteifreund Günter Oettinger verhielt sich ganz anders. Er ließ Porsche merken, dass ihm die Sache nicht genau so wichtig sei, wie Wulff.

Woran lag das? Eine Antwort gibt eine Geschichte, die viele vielleicht schon vergessen haben: Im Dezember 2007 wurde Oettinger von seiner Frau verlassen. Sie hat einen Neuen. Einen Porsche-Manager (Link zum SPIEGEL).

Wulff war darum nicht böse. Weder aus wirtschaftspolitischen Erwägungen noch aus christlichen. Er hatte schließlich selbst vor kurzer Zeit seiner Frau den Laufpass gegeben. Seine Neue ist übrigens auch wirtschaftspolitisch interessant. Sie war Pressereferentin bei Conti. Einem anderen Automobilkonzern in Niedersachsen, bei dem Wulff kräftig mitrührt.

16 September 2009

Wenn Du zur Arbeit fährst am frühen Morgen...

Seit acht Jahren geben Berliner Verkehrs- und Umweltsenatoren und Bahnmanager alles, wirklich alles, um uns den letzten Nerv zu rauben.

- Im Vorfeld der Einweihung des neuen Hauptbahnhofs trennten Bahnchef Mehdorn und die DBRegio den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf 2003 zuerst vom Regionalverkehr und später auch noch vom Fernverkehr der Bahn. Betroffen waren immerhin 300.000 Einwohner des Bezirkes. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) und die (Grüne!) Verkehrsstadträtin Martina Schmiedhofer unternahmen nichts dagegen. Ich pendelte beruflich damals nach Potsdam und war direkt betroffen von diesem Murks. Zusammen mit einer Bürgerinitiative organisierte ich eine Flugblattaktion mit Faxantwort an Herrn Strieder. Wir hatten viel Resonanz. Strieder brachte die DBRegio immerhin zu einigen Halten am Bhf. Charlottenburg. Aber im großen und ganzen blieb es Murks. (Link zum FDP-Forum Liberalis).

- Der neue Hauptbahnhof ist eine Sehenswürdigkeit. Aber für Bahnbenutzer ist er eine Farce. Es ist nichts aufeinander abgestimmt. Wer vom unteren Bahnhof in den oberen umsteigen will, verpasst seinen Anschluss regelmäßig. Denn die Fahrstühle brauchen eine Ewigkeit, und die Rolltreppen bilden einen Riesenumweg und sind regelmäßig verstopft. Eine Frechheit ist die knausrige Informationspolitik. In dem Bahntempel Jerusalemer Ausmaße bietet uns Hartmut Mehdorn Schriftgröße 12 auf spärlich gesäten Fahrplänen. Das führt dazu, dass man entweder seinen Zug bekommt, oder weiß, wann er abfährt ("Du hasts gefunden / nur für Sekunden").


Bridges to Babylon: Mehdorns Bahntempel

- Das seit Januar diesen Jahres bestehende S-Bahn Chaos überbietet alle bisherigen Desaster und Missmanagementsdemonstrationen noch einmal um Größenordnungen. Die Bahnvorstände Mehdorn und Homburg beschlossen für die Konzerntochter S-Bahn Kostensenkungspläne, die diese nur mit dem gezielten Abbau von Wartung und damit Sicherheit erfüllen konnte. Die Substanz von Wagen und Schiene ist inzwischen so verschlissen, dass der S-Bahnverkehr um sage und schreibe 75% reduziert wurde. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Bahn kann sich dies leisten, weil der Berliner Senat immer zum Großarbeitgeber Deutsche Bahn gestanden hat. Im Glaspalast am Potsdamer Platz arbeiten immerhin Hunderte Bahnmanager und Steuerzahler. Wowereit und die Nachfolgerin von Peter Strieder, Ingeborg Junge-Reyer, waren für Mehdorn leichte Beute. Der Senat hält der Bahn lästige Konkurrenzu vom Leib, und das für viele Jahre. Dabei müsste man mit den Herren im Glasturm, die sich "nicht um jede Schraube in irgendeiner Werkstatt kümmern können", sondern weltweit Konzerne aufkaufen, ganz anders umspringen. Auf Personen wie Mehdorn, Homburg oder auch den völlig inkompetenten von der Schulenburg, gehören grobe Keile, weil sie grobe Klötze sind. Homburg genierte sich gestern nicht, in einem RBB-Abendschau Interview zu sagen, dass er noch gar nichts sagen könne: Wann die S-Bahn wieder fahre. Oder wie hoch der Schadenersatz für die Kunden ausfalle.

- Wer deshalb, so wie wir, vor einigen Jahren wieder aufs Auto umstieg, geriet unmittelbar in die Fänge der Umweltsenatorin Katrin Lompscher, PDS. Die denkt sich jede Woche etwas Neues aus, um Berlins genervte Autofahrer lahm zu legen: Die Umweltzone, 30-Zonen auf Hauptverkehrsachsen, rote Ampelwellen. Bereits angekündigt hat sie einen Lärmschutzplat für Berlin, der künftig vermutlich nur noch Fahrräder durch die Innenbezirke erlaubt.

- Wer das Pech hat, mit dem Auto täglich über die Stadtautobahn A100 zu müssen, dem zeigt die Stadt dann asphaltglatt auch hier eine lange Nase. Nachdem monatelang der Tunnel in Tegel restauriert und umgebaut wurde, ist jetzt die Spandauer Brücke dran. Jeden Tag Stau.

- Von den unsinnigen Absperrungen des 17. Juni und Brandenburger Tor für drittrangige Veranstaltungen wie Rollschuhlaufen, Frauen-Joggen-für-den-Frieden, Krankenkasseninfostände und sonstigen Bratwurstbuden etc. mal ganz zu schweigen. Sind wir hier nicht die Hauptstadt?

Ergebnis: Die wenigen Berliner, die sich morgens auf den Weg zu einer geregelten Arbeit machen, sind hochgradig genervt. Warum kapieren Verkehrspolitiker und -manager nicht, dass Verkehr nun wirklich ein Politikfeld ist, das alle betrifft? Selbst Leute, die sich überhaupt nicht (mehr) für Politik interessieren, haben eine Meinung zur Verkehrssituation, weil sie das jeden Tag erleben. Sie fragen sich: Wie kann man Infrastruktur so vernachlässigen?

Ich sage es offen: Die SPD hat sich hier nicht mit Ruhm bekleckert. Und die Linke und die Grünen in den Bezirken auch nicht. Leider gehört der verkehrspolitische Sprecher der FDP im Abgeordnetenhaus auch nicht zu den Aktivposten, weil er selbst nicht Bahn fährt. Die CDU Berlins ist seit Jahren mit sich selbst beschäftigt und hat seit Ewigkeiten keinen politischen Entwurf mehr hervorgebracht.

Die Berliner reagieren auf das S-Bahn-Desaster, in dem sie ihre Abos und Fahrkarten in den Müll schmeißen und zurück ins Auto steigen. Als Angestellter eines Automobilunternehmens freut mich das. Als Berliner verstehe ich das. Als Autofahrer befürchte ich, dass die Staus weiter wachsen.

15 September 2009

Der MotorAnalyser

Im Frühjahr hatte ich auf der Oldtimermesse Techno Classica in Essen ne interessante Erfindung kennen gelernt: Den Motor Analyser.

Das zu lösende Problem: Welche Diagnosemöglichkeiten hat man beim Verbrennungsmotor, ohne direkt in ihn reinzugucken?

Die Idee: Der Hausarzt nimmt uns Blut ab, wenn wir einen Checkup machen. Die Blutuntersuchung hat einen sehr guten Kosten-Nutzen-Effekt. Nur wenigen Mililiter Blut ermöglichen viele Aussagen über unsere Gesundheit. Jetzt die Analogie: Was beim Menschen das Blut, ist beim Auto das Motoröl.

Die italienische Firma Motoranalyser International mit Sitz in Verona hat eine Art Lakmustest entwickelt: Zwei präparierte Testfelder auf einem Karton können für Vorher-Nachher-Untersuchungen des Motoröls genutzt werden. Einmal direkt nach dem Ölwechsel mit frischem Öl als Referenz, und später, am besten kurz vor dem turnusmäßig nächsten Ölwechsel.

Die beiliegenden Grafiken helfen bei der Interpretation des Tropfenbildes:
Man erhält Informationen über den Gehalt von Schmutz, Russ, Ölzustand, Wasser und Treibstoff im Öl.

Einige Befunde deuten auf Justierungsbedarf in der Einspritzanlage hin. Andere können erste Anzeichen für Probleme mit der Zylinderkopfdichtung sein (Wasser im Öl!).

Das Produkt hat viele Vorteile:
- Man kann es als Fahrer selber nutzen - ohne Werkzeug und Fachkenntnisse.
- Man versteht das Ergebnis.
- Es hilft, teuere Motorschäden rechtzeitig zu erkennen.
- Es ist günstig. Ein Zweiertest kostet knapp 10 EUR.

Man kann es nicht nur für die Wartung des eigenen Autos nutzen. Sondern auch als eine einfache Möglichkeit, einen Gebrauchtwagen zu checken. Es ist auch für Youngtimer interessant.

Link zum Hersteller: MotorAnalyser

14 September 2009

Angie und Frank

Von wegen "Platzpatronenduell" (Westerwelle). Dieses Duell hat mich verblüfft.

Gestern abend hat es den Steinmeier-Effekt gegeben. Die Fernsehzuschauer haben Frank-Walter Steinmeier zum ersten mal länger beobachten können - und schon punktet er. Mir ging es Anfang Juli ähnlich. Der Außenminister ist in den 20s- Fernsehausschnitten immer der verschlossene, abweisende. Mit hängenden Mundwinkeln. Erlebt man ihn aber "live", ist er ein verbindlicher, zuhörender Anwalt. Im direkten Kontakt ein überraschend sympathischer Typ. Ansprechbar, lächelnd, auf den Gesprächspartner eingehend, keine hohlen Floskeln, sondern menschlich. Und er bezieht Stellung. Er ist zu sehr Diplomat, als dass er seine und unsere Gegner beim Namen nennen würde. Spricht nur "von denen, die das verursacht haben". Aber wir wissen ja, wer gemeint ist.

Aber auch Merkel hat mich positiv überrascht. Vor allem gleich zu Anfang. Völlig originell - im besten Sinne des Wortes. "Ich beantworte die Frage so, wie ich mir das vorgenommen habe." Und vertritt die eigene, gemeinsame Arbeit.

Merkel hat eine subtile Art des Wahl"kampfes". Kohl war immer belehrend, arrogant. Ihm folgte, wer sich schon in der Schule von autoritären Lehrern einschüchtern ließe. Merkel hingegen sendet die Botschaft: "Ich stehe hier, zwar mit begrenzten Mitteln - aber ich kann nicht anders." Das ist immerhin authentisch und entbehrt der kichernden Überheblichkeit der CDU-Gesellschaft, die Matthias Matussek vergangene Woche im SPIEGEL so treffend markiert hat.
Wenn ich mich so umhöre, Merkel kommt so bei vielen Leuten an. Überraschenderweise kreiden Merkels Anhänger ihr nicht ihre mangelnde Rhetorik oder politische Intellektualität an. Sondern sie identifizieren sich damit, dass sie sich auch nicht auskennt. Im Zweifel, müssen die Bauern zu ihren Fürsten stehen - in der Hoffnung, dass sich das später auszahlt. Das ist typisch deutsch.
Und solange sich Merkel nicht als bereits feststehende Siegerin gibt, sondern "um jeden Wähler kämpft", punktet sie bei vielen. Sie lehnt den Disput öffentlich ab, weil die Wähler keinen "Krawall" wollen. Das ist natürlich eine platte Art, den politischen Diskurs mangels Talent zu verweigern. Sie bezieht sich damit aber auch auf das gesunkene Niveau politischer Debatten in unserem Land. Anstatt nun selbst den Anspruch zu erheben, dieses Niveau wieder zu heben, lehnt sie gleich die gesamte Debatte ab. Da mit dem Verschwinden des politischen Diskurses bei vielen Wählern auch der Hunger nach selbigem verschwunden ist, verhält sich Merkel damit fatalerweise nur konsequent.

Merkel hat gestern auch deshalb zur großen Koalition gestanden, weil sie sich gerne mit den Federn der SPD schmückt. Merkel hat nie als erste Position bezogen, sondern die SPD einen Vorschlag machen lassen und dann erstmal geguckt, was die Medien sagen. Und ist dann auf fährende Züge aufgesprungen. Beispiele: OPEL, Endlager für Atommüll, Managergehälter, um nur die jüngsten Themen zu nennen. Und: Merkel ist im Herzen Sozialdemokratin. Das hat sie in den vergangen vier Jahren gelernt. Sie will eigentlich nicht mit Westerwelle regieren in diesen Zeiten. Sie weiß, dass sie mit der FDP in den nächsten vier Jahren oft unbequeme Maßnahmen verkünden müsste: Einschnitte im Sozialhaushalt. Sie müsste die eiserne Lady spielen, und das liegt ihr nicht. Wer dann noch Parties für Banker schmeisst, wird im Volke unten durch sein.

Wer Merkel wählt, spekuliert darauf, dass es den Fürsten gut gehen muss, damit es auch den Bauern gut geht. Wer Steinmeier wählt, hat verstanden, dass das immer nur ein Versprechen war. Wir haben im vergangenen Aufschwung Reallohneinbußen erlebt. Und im Abschwung wurden die Schäden von Missmanagement mit Steuermitteln reguliert. Steinbrück hat ihnen die Stirn geboten, während Merkel sie in ihrem Kanzleramt feiern ließ.

Wir müssen in der gegenwärtigen Lage zwei Dinge unterscheiden:
Was sind die Standpunkte der Parteien? Welche Lager vertreten sie, wessen Anwälte sind sie? Und erst danach: Mit welchen Mitteln streiten die Anwälte?

Die Jahre 1998 bis 2008 haben gezeigt: Es gibt -auch in dynamischen Aufschwungphasen- keinen Wohlstand für alle. Wohl aber gibt es zügellose Gier bei geborenen Fürsten. Der Versuch, sich mit denen zu arrangieren, ist vergeblich und naiv. Man muss Farbe bekennen und in Stellung gehen. Und Links wählen. Viele ganz Linke sind enttäuschte Sozialdemokraten. Und viele Sozialdemokraten sind enttäuschte Liberale. Ich gehöre zu letzteren.


PS:
Viel schlimmer als das "Duell" fand ich die mediale Vor- und Nachbesprechung. Insbesondere die für Burda'sche Banalisierung stehende "blond gelockte" Patricia Riekel war eine grandiose Fehlbesetzung. Riekel symbolisiert auf Medienseite das, was manche Medien gerne auf Politikseite kritisieren: Boulevardisierung und Amigowirtschaft. Aber gut, ihrem geplagten Burdavorstand Philipp Welte wird es recht gewesen sein. Und ihrem Lebenspartner Helmut Markwort auch.

12 September 2009

Zitate des Tages

Nicht die Regierung rettet Opel, sondern Opel soll die Regierungsparteien retten.
Guido Westerwelle

Peter Sloterdijk würde sagen: Der Mann leidet nicht unter Realitätsverlust. Er genießt ihn
Volker Pispers über Christoph Matschie, der mit 18% zum Ministerpräsident gewählt werden will

Geordnete Insolvenz. Nicht chaotisches Rausschmeissen. Geordnet in Zweierreihen zum Arbeitsamt gehen, das ist direkt was ganz anderes.
Christian Ehring über Theodor Guttenbergs Gelassenheit

Erinnern Sie sich noch an die Plakate "Stoppt Strauß"? Können Sie sich das gegen die Merkel vorstellen? "Stoppt Merkel". - Wobei denn?
Volker Pispers

Der Deutsche mag Kinder. Aber er liebt Autos.
Volker Pispers darüber, warum die "Akademikerinnen-Wurfprämie nicht so erfolgreich war wie die Abwrackprämie

Autostrom

Am Leipziger Platz steht jetzt auch eine Vattenfall Ladestation für Elektroautos. Zeit, mal die Angeboter der EVUs und Automobilhersteller zu vergleichen:

e-Mini / Vattenfall:
100% regenerativ ("ok-power" Gütesiegel)
Stromtarif (Tarifblatt):
Einheitlicher Verbrauchspreis an der Ladestation: 23 Cent/kWh (kein Grundpreis)
Zweitarifzäher zu Hause: HT: 23 Cent/kWh NT: 17 Ct/kWh (kein Grundpreis)
Ladekonzept zu Hause: Kunde stellt auf Website die Uhrzeit ein, zu der das Auto vollgeladen sein soll. Vattenfall steuert den Ladestrom und nutzt Schwankungen der Nachfrage und Windstromerzeugung für das Management der Batterie (Laden und Entladen)
Kontakt: Tel.: 01801-267 267


smart fortwo electric drive / RWE:
100% regenerativ ("Naturstrom")
Stromtarif (Tarifblatt):
Monatlicher Grundpreis: 69€ (weil der Ladestrom nicht gemanagt wird, und RWE teurer zu stehen kommt)
Verbrauchspreis: 18,49 Cent/kWh
Kontakt: autostrom@rwe.de


VW Golf Twindrive (Dieselhybrid) / Eon
Ist noch kein Kundenprojekt sondern ein Flottenversuch von Eon und Volkswagen.
Infos: Eon; Volkswagen

11 September 2009

Heute ist ...

.. eine Runde Fremdschämen angesagt.

Von den möglichen Stoßrichtungen einer Beleidigung ist die Beleidigung des Intellekts die schlimmste, finde ich.

10 September 2009

2009

Deutsche Arbeitervereine träumten immer nur davon, alle Räder still stehen zu lassen.
Hartmut Mehdorn hat das 2009 geschafft.

Deutsche Terroristen zündeten in den Siebziger Jahren ein Kaufhaus an, als Protest gegen "Konsumterror".
Die Manager von Karstadt und Arcandor haben 2009 den gesamten Konzern abgeschafft.

Deutsche Alternative forderten in den Achtzigern den Abschied aus der Risiko- und Atomgesellschaft.
Manager und Politiker haben 2009 eindrucksvoll bewiesen, dass sie mit beidem schon immer überfordert waren .

Die Deutsche Linke verdächtigte den Kapitalismus stets, dass er Gewinne privatisere und Verluste sozialisiere.
Bankmanager haben 2009 eindrucksvoll den Beweis dafür geführt.

Linke Spontis versuchten 1968 die Auslieferung der BILD-Zeitung zu verhindern, weil die politisch agitiere.
2009 haben es Medienmanager geschafft, ihre Zeitung erst zu entpolitisieren und dann abzuschaffen.

Deutsche Liberale forderten jahrzehntelang, "Leistung" (nicht Arbeit) müsse sich wieder lohnen.
2009 sind es liberale Spitzenpolitiker(innen), die sich auf die faule Haut legen - bei vollem Lohnausgleich.

Deutsche Konservative warnten stets davor, dass Linke und Grüne "eine andere Republik wollten".
Bis Ende 2009 haben sie Maßnahmen zur Bespitzelung und Zensur sowie den Staatskapitalismus eingeführt.

08 September 2009

Zitate des Tages

"Wir müssen die moralische Dimension unseres Versagens anerkennen."
Stephen Green, CEO der HSBC Bank


„Wir hier im Bahntower können doch nicht wissen, wer wann irgendwelche Schrauben in Bremszylinder gedreht hat. Und wie das kontrolliert wurde“
Bahnmanager


"Es gibt kein staatliches Recht auf Faulheit."
Guido Westerwelle, FDP

"Das soll er mal seiner Silvana Koch-Mehrin sagen."
Antwort meines Kollegen

Affront von Bahnvorstand Ulrich Homburg

Ulrich Homburg ist bei der Bahn Vorstand für den Personenverkehr.

Er behindert seine Kunden wo er nur kann. Gerade erst hat er die Bundesregierung eingebremst, als diese die Fahrgastrechte bei den inzwischen zur Betriebsplanung gehörenden Verspätungen stärken wollte. Ergebnis: Eine Formulartapete, die unter dem Schalter versteckt gehalten wird. Und: Die Bahn erstattet Fahrgelder nur zurück, wenn sie die Ursache der Verspätung zu verantworten hat. Seitdem hören wir über die Bahnhofslautsprecher nur noch Phantasiebegründungen für Verspätungen. Schuld ist die Bahn fast nie mehr.

In Berlin hat sich Homburg gestern etwas ganz besonderes geleistet. Eindrucksvoll hat er seinen fehlenden Respekt gegenüber seinen S-Bahn Kunden und dem Land Berlin demonstriert. Nachmittags ließ er Verkehrssenatorin Junge-Reyer bei der Verhandlung um Entschädigungszahlungen an das Land auf Granit beißen. Entschädigungszahlungen für das S-Bahn Chaos im Sommer. Am Abend gab Homburg selbst eine Pressekonferenz. Botschaft: Ab morgen zieht er abermals ein Viertel aller S-Bahn Züge aus dem Verkehr. Zwischen Westkreuz und Alex werden heute wieder alle Räder still stehen. Diesmal hat die Bahnaufsicht Defekte an den Bremsen (!) festgestellt.

Er hielt es am Nachmittag nicht für nötig, dies der Verkehrssenatorin zu beichten. Anscheinend hat er vor der sowieso keinen Respekt mehr. Warum auch? Schließlich hat die bisher alles durchgehen lassen, was Homburg ihr zugemutet hat. Einen Grund für eine Kündigung und Neuausschreibung der Leistungen sahen bis jetzt weder sie noch Wowereit.

Doch jetzt ist das Maß voll. Das werden sich die Berliner sicher nicht noch einmal gefallen lassen.

Eine Demonstration vor der DB Hauptverwaltung ist fällig. Pro Bahn und IGEB, übernehmen Sie!

06 September 2009

Der neue Porsche Panamera

Plötzlich stand er da. Einfach so, am Straßenrand in der Ebertstrasse, nahe Potsdamer Platz: Der neue Porsche Panamera, in grün. Ich muss sagen: Er gefällt mir in natura viel besser, als auf den Fotos. Oder als getarnte Version letztes Jahr in Hamburg.



Auf den ersten Blick wirkt er ja wie ein langgezogener 911. Aber damit täte man ihm unrecht. Er wirkt einfach gefällig, wohl proportioniert.

Wie sich das nun mit Anti-AKW und Klimaschutz verträgt? Ganz einfach. Von diesen Autos werden im Verhältnis nie so viele gebaut werden, dass sie in der Klimabilanz ins Gewicht fallen. Porsche baut weniger als einhunderttausend Autos im Jahr. Toyota zehn Millionen. Volkswagen sechs Millionen. Und: Einmal gebaut, leben sie lange, bevor sie verschrottet und ersetzt werden. Dreiviertel aller jemals gebauten Porsches sind immer noch in Betrieb.

05 September 2009

"Einfach mal Abschalten"

Wohin mit abgebrannten Brennelementen aus Kernkraftwerken? Die Frage ist ein Dauerbrenner, immerhin gerichtlich eindeutig entschieden. Aber kann das nach Asse II so bleiben?

Über die Sicherheit moderner Atomkraftwerke will ich gar nicht streiten. Würden wir alle bestehenden Kraftwerke durch moderne Baureihen ersetzen, ich bin sicher, wir hätten ein Risiko weniger - sofern sie nicht von Vattenfall betrieben würden.

Aber was die Untersuchungen des Atommüllskandals Asse zutage gefördert haben, hat das Vertrauen in Landes- und Bundesregierungen, Kraftwerksbetreiber und Behörden verspielt. Wir wissen heute, dass die frühere niedersächsische CDU-Landesregierung Albrecht/Breuel und die spätere CDU Bundesumweltministerin Merkel Warnungen von Wissenschaftlern nicht nur ignoriert, sondern zusätzlich Druck auf sie ausgeübt haben. Asse 2 wurde "zu Versuchszwecken" als Endlager genutzt. In welchem Umfang, kann die Behörde "nicht mehr feststellen". Das Ergebnis ist eine unbekannte Menge verkappten Plutioniums und sonstigem "Restmüll" in Asse. Und mit den heute bekannten Risiken für die Stablität des Bergwerkes und damit die Unversehrtheit des Trinkwassers wäre die Asse nicht mehr genehmigungsfähig. Diese Erkenntnisse sind in den Gerichtsentscheidungen zugunsten von Schacht Konrad als Endlagerstätte für schwachradioaktiven Müll nicht reflektiert.

Das war für zigtausende Demonstranten heute Grund genug, vor dem Brandenburger Tor auf die Barrikaden zu gehen. Das Motto hieß: "Einfach mal abschalten." Es kam mir vor, wie ein Deja vu aus den Achtzigern.

Unter den Rednern u.a.: Der Vertrauensmann des Volkswagen Betriebsrates aus Salzgitter. Kein Wunder: Sein Werk liegt in unmittelbarer Nähe zum Schacht Konrad.





03 September 2009

"Doing nothing, everything gets done."

Einer meiner Favoritenblogs -"Slow Leadership" - wird leider eingestellt.

Der Blog handelte von den Auswüchsen "modernen" Managements und was man dagegen unternehmen kann.

Im Schlusswort heisst es sehr treffend:

My last word is this: the very best leadership, I am convinced, is engaging in as few “managerial” activities as possible. If you must do something, encourage and train your staff, talk with customers, monitor quality and spend as much time as you can with “non-managerial” actions like inventing new products and services and improving old ones.

Management has become a self-replicating and self-justifying process we would be better off without. People do managerial things, not because they are useful or even necessary, but because that is what they think managers are expected to do. When corporations cut payrolls to save money, they start at the bottom. That’s wrong. Begin at the top, where there are now large numbers of expensive people doing nothing useful or important to the real business, just managerial “stuff” that no one would notice missing if it went away.

Business schools need a belief in the vital importance of management to justify their own existence, so it’s no wonder they teach nothing else — although even their own data shows nearly all “managerial” activities like mergers, marketing initiatives and fancy financial engineering destroy value on a massive scale. Management today is more of a religion, based on unquestioning belief in semi-sacred texts and dead prophets, than a useful and practical way of spending time.
I think the Tao Te Ching had it right: “Doing nothing, everything gets done.” My ideal for each of you, as a manager and a leader, is that you never waste your time and talent again on any conventional “management” tasks.

Abwrackprämie

Hätte man mit einer Abwrackprämie in Milliardenhöhe nicht auch Trabi und Wartburg retten können? Man hätte. Denn Kleinwagen kommen in Mode. Ich wette, ein puristisch ausgestatteter Wagen mit einer modernen, aber kleinen Motorisierung a la 3 Zylinder Diesel könnte sich im Markt behaupten.

Immerhin werden wir auf der IAA einen Elektro-Trabi zu sehen bekommen. Investoren werden noch gesucht... Wenn Retro geht, geht der Trabi erst recht. Weil er sich im Design völlig vom Einheitsbrei unterscheidet. Für mich als Wessi ist der Trabi auch kein Symbol der DDR sondern des Mauerfalls. Und der jährt sich in diesem Jahr zum 20. mal.

02 September 2009

Birgit Breuel bot Asse als Atommüllkippe an

Es ist einer der schmutzigsten Skandale unseres Landes - aber das haben noch nicht alle verstanden:

Die CDU-Regierung unter Albrecht/Breuer legte sich in den achtziger Jahren fest, dass das westdeutsche Atommüllendlager möglichst nahe der innerdeutschen Grenze -mithin in Niedersachsen- anzusiedeln sei. Dies als Reaktion auf die DDR-Regierung, ihren Atomüll in Morsleben, Sachsen-Anhalt, abzuladen.

Birgit Breuel bot die Asse später als kostengünstigere Alternative zum Schacht Konrad an, als sich die Industrie über die gestiegenen Kosten beschwerte. (Frau Breuel hat also nicht nur die Treuhandanstalt und Expo 2000 schlecht gemanagt. Sie hat zuvor schon ihr Wirtschaftsministerium in verantwortungsloser Weise geführt. Geschadet hat das der Tochter des Privatbankiers Münchmeyer, die ihr Studium nicht zu Ende brachte, nicht.)

Dann kamen die Wende und die deutsche Einheit. Und es kam die Bundesumweltministerin Merkel. Unter ihrer Amtsführung kam das Bundesamt für Strahlenschutz zu dem Hinweis an Frau Merkel, dass Probleme im Versuchsendlager Asse das gesamt, auf Salzstöcken basierende Endlagerkonzept in Frage stellen könne. Frau Merkel ignorierte die Warnung und drang vielmehr darauf, dass die Warnungen zurückgenommen wurden.

In der Asse ist -wie wir heute wissen: in unbekannter Menge- Atommüll, auch kiloweise Plutonium- eingelagert worden. Inzwischen dringt Wasser ein. Das Grundwasser droht dort kontaminiert zu werden.

Das allein ist schon ein dickes Ding, das mich wundern lässt, warum Frau Merkel noch so in Ruhe gelassen wird.

Doch die CDU setzt noch einen drauf. Wohlwissend, dass die Festlegung auf Gorleben und Morsleben -mithin auf Salzstöcke allgemein- als Endlagerkonzept gescheitert sind, schiebt sie nun ausgerechnet Bundesumweltministe Gabriel den schwarzen Peter zu. Der solle doch bitte schnell ein Konzept vorlegen.

Die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Katharina Reiche warnt im "Spiegel", die von Gabriel verlangte Suche nach Alternativen zu Gorleben werde mindestens eine Milliarde Euro kosten. Sie befürchtet, die Energiekonzerne könnten Regressforderungen in Milliardenhöhe an den Bund stellen.

Ein solches Statement nenne ich menschenverachtend. Gerade jetzt wäre es endlich Zeit, die Lehre aus den Fehlern zu ziehen. Aus der Unverantwortlichkeit beider deutscher Regierungen, ihre Atommüllager allein aus politischen Gründen nahe der Grenze zum anderen deutschen Staat zu legen. Und entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen. Frau Reiche geht es nicht um die Frage, ob die beiden Endlager geeignet sind. Sie betätigt sich vielmehr als Lobbyistin reinsten Wassers und weist darauf hin, wenn jetzt dem Willen der Atomkraftwerksbetreiber nicht nachgegeben werden, könnten die mit Regress kommen. Dabei könnte man doch auch mal die Standorte der Lobby, die vom Bau und dem Betrieb dieser Kraftwerke profitiert, untersuchen: Z.B. Bayern und Baden-Württemberg.

Der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz sagte übrigens heute: Wieviel Plutonium Frau Breuel in der Asse tatsächlich abkippen ließ, sei heute nicht mehr feststellbar. (Link)

Ich finde den Begriff "Atommafia" für diesen Komplex inzwischen nicht mehr so unpassend.

01 September 2009

Steilkurve

Bin am Freitag zum ersten mal und heute wieder eine Steilkurve auf einer Versuchsstrecke gefahren. Das muss man erlebt haben: Man fährt einfach mit Vollgas rein. Die Krümmung der Steilkurve ist so ausgelegt, dass man die Hände vom Lenkrad nehmen kann und der Wagen findet abhängig von der Geschwindigkeit automatisch seine Bahn. Man spürt keine Fliehkraft sondern wird in den Sitz gedrückt. Aber jede Steilkurve hat ihre natürliche Geschwindigkeitsbegrenzung, ab der man aktiv "nach unten" lenken muss, um nicht rausgetragen zu werden.

Warum gibt es heute eigentlich keine Steilkurven mehr auf Rennstrecken? Wäre doch eine echte Attraktion...

Bahn vermietet Elektrofahrräder in Stuttgart

Danke an Sirko für den Hinweis, dass die Bahn zumindest in Stuttgart demnächst Elektrofahrräder ("Pedelecs") zur Miete anbietet.

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