02 Dezember 2010

Liberale Lecks

Bin hin- und hergerissen. Um halb sechs simste mich ein Kumpel an, dass es Meldungen gebe, der Informant aus der FDP sei nun gefunden. Ein alter bekannter aus Charlottenburger FDP Zeiten: Helmut M.

Nein.. Auf den wäre ich nicht gekommen. Kein unangenehmer Zeitgenossen. Kein Verschwörertyp. Ein intelligenter, gewitzter Berufspolitiker, der sich -jedenfalls scheinbar- früher nicht in die Lagerkämpfe vor Kandidaturen einspannen ließ. Eher ein.. diplomatischer Typ.

Von ihm kenne ich den Satz genervter Parteitagsdelegierter wenn die Antragsberatung oder Kandidatenaufstellung für die Listenplätze 15-20 kein Ende nimmt: "Es ist zwar schon alles gesagt. Aber noch nicht von allen." Oft genug saßen wir nebeneinander und ein Kommentar gab den nächsten wie früher zu Schulzeiten..

Als wir die Kampagne für den Erhalt des Regionalbahnhofs Charlottenburg planten, war Helmut mit von der Partie im Ortsvorstand Charlottenburg City. Zu der Zeit waren wir beide Pendler Richtung Potsdam. Er zur Naumannstiftung, ich zur Patentagentur.

Auf Parteiveranstaltung haute Helmut auch gerne mal in die Tasten. Eine bürgerliche Stimmungskanone, wenn es das gibt ;-)

Und jetzt das. Kann ich mir nicht erklären. Sicher, in der Berliner FDP gibts den einen oder anderen "Transatlantiker". Gott sei Dank. Wenn die Berliner Parteilandesverbände schon keine Thinktanks auf die Beine kriegen, dann ist es schon was, wenn sich jemand zu irgendwas bekennt. Das gilt hier übrigens für alle Parteien.

Trotzdem ist das keine Petitesse, über die Außenminister Westerwelle einfach hinweg gehen kann. Es liegt nicht in seinem Ermessen, ob da wichtige oder irrelevante Dokumente über den Tisch gewandert sind oder nicht. Das müssen Ermittlungsbehörden beurteilen. Es ist schon dreist, wie er das -im wohl immer beliebter werdenden- Herrscherstil einfach glaubt, selbst entscheiden zu können. Anfang der Woche hatte er es noch als reinen Klatsch und Tratsch bezeichnet, was Wikileaks veröffentlicht habe. Jetzt, da brisante Vergehen seines eigenen Stabes ans Tageslicht kommen, meint er, das in Eigenregie regeln zu können? Nein, da kommt noch was...

1 Kommentar:

Tom hat gesagt…

Hallo lieber Frank,
Im ersten Moment dacht ich auch NEIN..
Beim genauen Nachdenken wurde mir zunehmend klarer das genau er es fast zwingend sein mußte.
Helmut war und ist ein excellenter Netzwerker mit umfassenden Kontakten in alle Bereiche innerhalb der politischen Szene und Parteien in Berlin.
Diese Netzwerke funktionieren nach einem recht einfachen Prinzip.
"Nutzt der Kontakt mir etwas oder nutzt er mir nichts."
Der Nutzen solcher Netzwerke liegt in den Informationen, die die ein oder andere Person hat oder nicht hat.
Und es ist es ein geben und nehmen.
Helmut war war nie so "blöd" und hat sich offen zu bestimmten Meinungen bekannt. Bekannt ist allerdings das er im Hintergrund Ritzmann unterstützte und auch sich für Martin Lindner stark gemacht hat.
Er hatte einen gewaltigen Einfluß innerhalb der Berliner FDP und er war einer der Meinungsführer innerhalb der Partei. Wenn er auch nie in Erscheinung getreten ist.
Im übrigen wiederholt sich das Spiel, nach der Wende kam so langsam raus wer bei der Stasi war und wer nicht..
Dieses AHA Erlebnis kenne ich noch sehr gut von damals.

Viele Grüße