Donnerstag, 11. August 2011

Der Unterschied zwischen Experten und Beratern

Ihre Selbstsicherheit konnten sie nur aus ihrer Unwissenheit beziehen.
Franz Kafka, "Der Process"

In der Beziehung Kunde - Berater/Fachmann gibt es ein Paradoxon, das fast immer zu Konflikten führt. Der selbstsichere, Führungsstärke ausstrahlende Anbieter bekommt den Auftrag. Später entpuppt sich diese Stärke als Schwäche und sogar als Hindernis.

Der in der Ausschreibungsphase stark Auftretende vermittelt, dass er sein Metier versteht, sein Kunde also kein Risiko eingeht. Er vermittelt Selbstsicherheit, wird sich also auch gegen andere Mitspieler, wie Lieferanten oder andere Spezialisten durchsetzen können, wenn das Projekt unübersichtlich werden sollte.

Nach der Beauftragung legt er schon bald einen Plan fürs Projekt vor. Und verkündet, wen und was er dafür braucht. Führungsstärke, Sicherheit. Dann kommt die erste Bodenwelle. Der Kunde erinnert seinen Dienstleister an die Besonderheiten, die er in der Ausschreibung genannt und im Gespräch wiederholt hatte. Und damit bringt er den selbstischeren Dienstleister von seinem geplanten Weg ab. Das will dieser nicht und versucht er zu vermeiden: "Das geht nicht." Er sieht seine Planung, sein Budget, seinen Zeitplan in Frage gestellt. Und er weiß vor allem noch nicht die Methode wie er bei diesem für ihn unbekannten Ziel landen soll.

Genau diese Kompetenz aber, Führung durch ein noch unbekanntes Gelände, suchen viele Kunden. Einen Partner, der ihnen zuhört, ihre Wünsche versteht und auf Machbarkeit prüft, unter Aufbietung all seiner -möglichst mannigfaltigen- Erfahrung.

Handwerker z.B. sind ein sehr konservatives Metier. Gegen sie haben kreative Architekten, Ausstatter, Designer auf der Baustelle nur selten eine Chance. Der Handwerker scheut den Umgang mit unbekannten Mitteln und lehnt ab. In der ersten Welle des Internet war es ähnlich. Viele gute und keinesfalls unrealistische Ideen wurden nicht umgesetzt, weil sie für SAP-Berater, Middlewarehandwerker und ihre Sponsoren in den IT-Abteilungen das Risiko des Unbekannten bargen: "Das ist unrealistisch."

Diese Dienstleister sind sicher, aber nur auf ihrem schmalen, ausgetrampelten Pfad. Sie sind auch nicht kundenorientiert. Spätestens im dritten Kundengespräch entpuppt sich ihre "Selbstsicherheit" als Sturheit. Sie "korrigieren" Aussagen des Kunden, wenn diese nicht in das Schema des standardisierten Dienstleisters passen. Sie vergessen ganz und gar den Charakter der entstandenen Beziehung: Kunde und Auftragnehmer.

Der Unterschied zwischen Beraten und Dienstleisten ist die Unklarheit des Lösungsweges, manchmal sogar der Aufgabenstellung zu Beginn des Projektes. Der Berater legt Wert auf die Analyse und sagt zu, eine Lösung zu suchen, sobald die Aufgabenstellung klar ist. Der Dienstleister erwartet eine klare Aufgabenstellung. Der Berater muss sicher in der Beziehung sein. Ihm ist klar, dass bereits die Klärung der Aufgabenstellung eine Leistung ist. (Diesen Typus gibt es auch unter Dienstleistern, Handwerkern, Werkstätten, aber eher selten. Findet man einen solchen, ist er Gold wert. Übrigens kommen immer mehr Baumärkte auf die Idee über Video handwerkliche Anleitungen zu ihren Produkten anzubieten..)

Im Unterschied zum Berater legt sich der Experte die Aufgabenstellung so zurecht, dass sie in sein Erfahrungsschema passt. Was seine Erfahrungen angeht, sucht er immer nur mehr vom Gleichen. Das ist seine Art, dem Kunden Sicherheit zu vermitteln: Durch Unflexibilität. Weicht der Kunde davon ab, verunsichert er den Experten. Den empfundenen Druck versucht dieser mit Gegendruck abzuwehren: "Dann ist Ihr Termin gefährdet. Sie sind der Erste, der das so haben will. So sind wir alle nicht eingespielt. Am besten kaufen Sie bei meinem langjährigen Partner etwas aus dem Katalog, dann sind wir morgen fertig." Im schlimmsten Fall versucht der Experte, wenn er sich in Frage gestellt fühlt, seinen Kunden mit Fachwissen auszustechen, am besten noch vor anderen Projektteilnehmern, um deren Zustimmung einzuholen und sich endlich wieder stark zu fühlen.

Worauf ich hinaus will: Bei komplexen Projekten, in denen mehrere völlig unterschiedliche Kompetenzen zusammen spielen müssen, um herauszufinden, ob und wie nah an den Kundenvorstellungen man ein Projekt umsetzen kann, ist auffällige Selbstsicherheit zu Beginn ein Indiz für mangelnde Flexibilität und unter Stress vielleicht sogar auch für mangelnden Respekt (weil die Art der Beziehung vergessen wird) - im schlimmsten Fall muss man unterwegs diesen Experten gegen einen anderen auswechseln. Wer nur mit seinen Wettbewerbern gleichziehen will, braucht nur den Standardexperten. Wer sich differenzieren will, braucht einen guten Berater, der bei Bedarf einen Satz unterschiedlicher, aber guter Experten kennt. Zu erkennen am Feedback zur Aufgabenstellung und dem Fokus auf einer Vorgehensweise, in der man zwischendurch entscheiden kann, wie es weitergeht und ob es überhaupt weitergeht.

Für den Berater hingegen ist ein neues Projekt auch immer eine psychologische Hürde. In dem Sinne, dass man in der Frühphase, in der sich seine Beziehung zum Kunden erst bilden muss, gerne nur gute Nachrichten bringt. Er verwöhnt seinen Kunden damit allerdings. Es ist eine Hürde, erkannte Probleme sofort zu artikulieren. Aber das muss er tun, sofort nach der ersten Bodenwelle, die ihm die erste positive Annahme in Frage stellt.

Der Unterschied zwischen Experten und Beratern

Ihre Selbstsicherheit konnten sie nur aus ihrer Unwissenheit beziehen.
Franz Kafka, "Der Process"



In der Beziehung Kunde - Berater/Fachmann gibt es ein Paradoxon, das fast immer zu Konflikten führt. Der selbstsichere, Führungsstärke ausstrahlende Anbieter bekommt den Auftrag. Später entpuppt sich diese Stärke als Schwäche und sogar als Hindernis.



Der in der Ausschreibungsphase stark Auftretende vermittelt, dass er sein Metier versteht, sein Kunde also kein Risiko eingeht. Er vermittelt Selbstsicherheit, wird sich also auch gegen andere Mitspieler, wie Lieferanten oder andere Spezialisten durchsetzen können, wenn das Projekt unübersichtlich werden sollte.



Nach der Beauftragung legt er schon bald einen Plan fürs Projekt vor. Und verkündet, wen und was er dafür braucht. Führungsstärke, Sicherheit. Dann kommt die erste Bodenwelle. Der Kunde erinnert seinen Dienstleister an die Besonderheiten, die er in der Ausschreibung genannt und im Gespräch wiederholt hatte. Und damit bringt er den selbstischeren Dienstleister von seinem geplanten Weg ab. Das will dieser nicht und versucht er zu vermeiden: "Das geht nicht." Er sieht seine Planung, sein Budget, seinen Zeitplan in Frage gestellt. Und er weiß vor allem noch nicht die Methode wie er bei diesem für ihn unbekannten Ziel landen soll.



Genau diese Kompetenz aber, Führung durch ein noch unbekanntes Gelände, suchen viele Kunden. Einen Partner, der ihnen zuhört, ihre Wünsche versteht und auf Machbarkeit prüft, unter Aufbietung all seiner -möglichst mannigfaltigen- Erfahrung.



Handwerker z.B. sind ein sehr konservatives Metier. Gegen sie haben kreative Architekten, Ausstatter, Designer auf der Baustelle nur selten eine Chance. Der Handwerker scheut den Umgang mit unbekannten Mitteln und lehnt ab. In der ersten Welle des Internet war es ähnlich. Viele gute und keinesfalls unrealistische Ideen wurden nicht umgesetzt, weil sie für SAP-Berater, Middlewarehandwerker und ihre Sponsoren in den IT-Abteilungen das Risiko des Unbekannten bargen: "Das ist unrealistisch."



Diese Dienstleister sind sicher, aber nur auf ihrem schmalen, ausgetrampelten Pfad. Sie sind auch nicht kundenorientiert. Spätestens im dritten Kundengespräch entpuppt sich ihre "Selbstsicherheit" als Sturheit. Sie "korrigieren" Aussagen des Kunden, wenn diese nicht in das Schema des standardisierten Dienstleisters passen. Sie vergessen ganz und gar den Charakter der entstandenen Beziehung: Kunde und Auftragnehmer.



Der Unterschied zwischen Beraten und Dienstleisten ist die Unklarheit des Lösungsweges, manchmal sogar der Aufgabenstellung zu Beginn des Projektes. Der Berater legt Wert auf die Analyse und sagt zu, eine Lösung zu suchen, sobald die Aufgabenstellung klar ist. Der Dienstleister erwartet eine klare Aufgabenstellung. Der Berater muss sicher in der Beziehung sein. Ihm ist klar, dass bereits die Klärung der Aufgabenstellung eine Leistung ist. (Diesen Typus gibt es auch unter Dienstleistern, Handwerkern, Werkstätten, aber eher selten. Findet man einen solchen, ist er Gold wert. Übrigens kommen immer mehr Baumärkte auf die Idee über Video handwerkliche Anleitungen zu ihren Produkten anzubieten..)



Im Unterschied zum Berater legt sich der Experte die Aufgabenstellung so zurecht, dass sie in sein Erfahrungsschema passt. Was seine Erfahrungen angeht, sucht er immer nur mehr vom Gleichen. Das ist seine Art, dem Kunden Sicherheit zu vermitteln: Durch Unflexibilität. Weicht der Kunde davon ab, verunsichert er den Experten. Den empfundenen Druck versucht dieser mit Gegendruck abzuwehren: "Dann ist Ihr Termin gefährdet. Sie sind der Erste, der das so haben will. So sind wir alle nicht eingespielt. Am besten kaufen Sie bei meinem langjährigen Partner etwas aus dem Katalog, dann sind wir morgen fertig." Im schlimmsten Fall versucht der Experte, wenn er sich in Frage gestellt fühlt, seinen Kunden mit Fachwissen auszustechen, am besten noch vor anderen Projektteilnehmern, um deren Zustimmung einzuholen und sich endlich wieder stark zu fühlen.



Worauf ich hinaus will: Bei komplexen Projekten, in denen mehrere völlig unterschiedliche Kompetenzen zusammen spielen müssen, um herauszufinden, ob und wie nah an den Kundenvorstellungen man ein Projekt umsetzen kann, ist auffällige Selbstsicherheit zu Beginn ein Indiz für mangelnde Flexibilität und unter Stress vielleicht sogar auch für mangelnden Respekt (weil die Art der Beziehung vergessen wird) - im schlimmsten Fall muss man unterwegs diesen Experten gegen einen anderen auswechseln. Wer nur mit seinen Wettbewerbern gleichziehen will, braucht nur den Standardexperten. Wer sich differenzieren will, braucht einen guten Berater, der bei Bedarf einen Satz unterschiedlicher, aber guter Experten kennt. Zu erkennen am Feedback zur Aufgabenstellung und dem Fokus auf einer Vorgehensweise, in der man zwischendurch entscheiden kann, wie es weitergeht und ob es überhaupt weitergeht.



Für den Berater hingegen ist ein neues Projekt auch immer eine psychologische Hürde. In dem Sinne, dass man in der Frühphase, in der sich seine Beziehung zum Kunden erst bilden muss, gerne nur gute Nachrichten bringt. Er verwöhnt seinen Kunden damit allerdings. Es ist eine Hürde, erkannte Probleme sofort zu artikulieren. Aber das muss er tun, sofort nach der ersten Bodenwelle, die ihm die erste positive Annahme in Frage stellt.

Mittwoch, 10. August 2011

Dorfsaujournalisten an der Börse

Volkswirtschaft wurde doch nur erfunden, damit die Astrologie seriöser wirkt.
ARD-Börsenkorrespondent.





Tja, wer ist da unseröser: Volkswirte oder Börsenredakteure?



Beispiel Handelsblatt:



Am vorigen Freitagmorgen schrieb Chefredakteur Gabor Steingart in seinem Newsletter:

Es herrsche "die totale Angst" kommentierte gestern Abend der Chef-Anlageexperte des größten US-Geldverwalters Blackrock. Aus den Zutaten einer Schulden-, Währungs- und Vertrauenskrise ist ein giftiger Cocktail entstanden. Das Gegengift heißt Zuversicht. Die schwarzen Tage heißen schließlich auch deswegen so, weil sie so selten sind.


Also klare Analyse: Die Schulden sind das Problem.



Am Montagmorgen schrieb er:

An den New Yorker Börsen deutet sich nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit ebenfalls eine weitere Talfahrt an. Die Futures der führenden Indizes eröffneten den außerbörslichen Handel am Sonntagabend mit deutlichen Abschlägen. Die Aktienfutures für den Dow-Jones-Index der Standardwerte, für den breiter gefassten S&P-500 und für die Technologiebörse Nasdaq notierten in den ersten Minuten allesamt um mehr als zwei Prozent tiefer.


Und gestern, am Dienstag schrieb Gabor Steingart:

Unsere Titelgeschichte "Der Schwarze Montag" beschreibt die düstere Stimmung des gestrigen Börsentages - und wie man ihr in dieser Woche entkommen kann. Auch der einzige Lichtblick wird analysiert: Die Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) beruhigte immerhin den Anleihemarkt. Der Aufkauf italienischer und anderer südeuropäischer Staatsanleihen ist ordnungspolitisch falsch - weil eine Notenbank die Inflation bekämpfen soll, nicht die drohende Insolvenz von Staaten. Er ist zugleich europapolitisch richtig, weil alle anderen Akteure derzeit kopflos sind. Bundesbank-Chef Jens Weidmann kritisierte intern diese Staatsanleihen-Aufkäufe, freilich erst nachdem die Zustimmung durch die Mehrheit des EZB-Direktoriums gesichert war.


Und tatsächlich sanken die Börsenindizes heftig nach unten. Der DAX lag gestern bis zu 7% im Minus, nur um gegen Abend nach oben zu drehen. Als die FED eine mindestens zweijährige weitere Niedrigzinsphase in Aussicht stellte.



Ich will nicht unterschlagen, dass Steingart die positive "realwirtschaftliche" Lage schon vorher dagegen setzte:

Die Weltwirtschaft wird um rund vier Prozent wachsen, wenn jetzt nicht das Börsengewitter das Haus der Realwirtschaft in Brand steckt.


Zusammengefasst: Die Unternehmen stehen gut da, aber die Schuldenkrise könnte alles vermasseln. Das konnte man nachvollziehen. Das drückte sich in den Kursen der vorigen zwei Wochen auch aus. Obamas Spruch von den Märkten, die steigen und sinken aber der Kreditwürdigkeit der USA, die bleibe, wirkte in diesem Nachrichten- und Meinungsumfeld fast naiv.



Und heute Morgen? Nachdem die Börsen gestern ins Plus drehten, müssen die Propheten erneut die Richtung wechseln. Das Handelsblatt schreibt:





Verrückte Welt der Märkte: Als die Aktienbörsen nach der denkwürdigen Herabstufung der US-Bonität am Montag erstmals wieder öffneten, folgte weltweit der erwartete Kurseinbruch. Amerikas Staatsanleihen verbuchten hingegen satte Gewinne - obwohl Standard & Poor's doch gerade den Ratingdaumen gesenkt hatte. Klares Zeichen, dass die Welt auch weiterhin Amerika ihr Geld anvertraut.

..

„Wirkliche Sorge macht das Wachstum, nicht die US-Schulden“, meint Randall Forsyth, renommierter Kolumnist des US-Finanzmagazins „Barron's“. Kein Zweifel: Da steht es in den USA nicht zum besten, aber auch global verdüstert sich das Bild: China zieht die Zinsschraube an, Europa schnallt den Gürtel merklich enger. „Die US-Schuldensituation ist, so bedrohlich sie langfristig wirkt, das geringste der drängendsten Probleme der Weltwirtschaft“, so Forsyth.


Also: Zuerst hatten wir den Thriller um die Einigung von Demokraten, Reps und Tea Party mit der drehlehrbuchmäßigen Einigung um kurz vor Zwölf. Dann die fehlende Erleichterung an den Börsen, Unsicherheit. Hmm, warum atmet die Börse denn nicht auf..? Hm, komisch. Dann ein paar Tage hin und her und dann die Abstufung der US-Krediwürdigkeit von S&P mit der Begründung, man halte die Politik für künftig unfähig, ernste Angelegenheiten schnell zu regeln. Danach folgte der Börsenabsturz nach der Überlegung: "Jetzt werden alle Regierungen sparen und Steuern erhöhen müssen. Wichtige Konsumausgaben und Infrastrukturinvestitionen werden ausfallen. Hm, schlecht für die Unternehmen. Vielleicht drohen sogar Staatspleiten."



So weit, so logisch. Aber diese Story jetzt einfach ad acta zu legen mit Begründung "die Schulden sind gar nicht das Problem", ist schon dreist. Das kann man so auslegen, dass da die starken Hände die schwachen Hände in die Panik treiben wollten um glänzend da stehende Unternehmen billig einzusammeln.



Das ist Dorfsaujournalismus. An so etwas sollten sich Medien mit Anspruch auf Seriösität nicht beteiligen.

Montag, 8. August 2011

Die Erregermaschine läuft auf Hochtouren

In den Wirtschaftsredaktionen wimmelt es von nacheilenden Propheten. Volkswirte, Anlageberater, Professoren - sie sind alle hier. Und dozieren die Kurse von gestern und "prophezeien" die Fortschreibung des Trends. Geht es aufwärts (bis vor wenigen Tagen), so wird es noch lange aufwärts gehen. Geht es abwärts, wird es noch lange abwärts gehen. Deutsche Wirtschaftskompetenz? Fehlanzeige.

Den Vogel schießen mal wieder die ab, die in Lokführer- und Fluglotsenstreiks die größte Gefahr für unsere Konjunktur sehen.

Wohlgemerkt: Ich unterschätze die Krise nicht. Ich habe ein ganz ungutes Gefühl und deshalb suche ich fundierte Analysen und Erklärungen. Aber die finde ich in deutschen Zeitungen nicht. Da muss ich schweizerische, englische oder amerikanische Medien ausweichen.

Hier der Stand der "Nachrichten":






Sonntag, 7. August 2011

Bedeutung der Ratingstufen von S&P

Sie sind die Codes, nach denen inzwischen die Welt sortiert wird. Aber was bedeuten sie im Einzelnen? Wikipedia listet sie wie folgt:

Investmentwürdig (Investment Grade)
AAA Zuverlässige und stabile Schuldner, höchste Qualität
AA Gute Schuldner, etwas höheres Risiko als AAA
A Wirtschaftliche Gesamtlage ist zu beachten
BBB Schuldner mittlerer Güte, die momentan zufriedenstellend agieren

Nicht als Investment geeignet (Non-Investment Grade)
BB Sehr abhängig von wirtschaftlicher Gesamtlage
B Finanzielle Situation ist notorisch wechselhaft
CCC Spekulative Bonds, niedrige Einnahmen des Schuldners
CI ausstehende Zinszahlungen
SD Zahlungsausfall in einigen Bereichen
R unter regulatorischer Aufsicht, möglicherweise selektiver Zahlungsverzug/-ausfall in Zukunft
D in Zahlungsverzug
NR keine Bewertung (NR = Non Rated)


Die Ratings von AA bis CCC können durch + oder - modifiziert sein, um die relative Stellung innerhalb eines Ratings anzuzeigen.
Z. B. AA+, AA-, BBB+
Anleihen mit Ratings unterhalb von BBB werden als Junk-Bonds oder High-Yield-Bonds bezeichnet. Sie bieten einerseits sehr hohe Zinszahlungen, andererseits ist die Ausfallquote höher. Fällt eine Anleihe aus, ist ein Totalverlust des eingesetzten Geldes möglich.

Samstag, 6. August 2011

Eurokrise an der Supermarktkasse in Mitte

Soll das Globalisierung sein? Es gibt nur noch Pfandflaschen. Aber das System entpuppt sich als komplizierte Marktbarriere. "Sixpack Radeberger nehmen wa nich zurück, dit ist keen Fehler vom Automaten. Ansonsten Radeberger nur als Nullfünfer. Wir nehmen Hasseröder Sixpack, aber nur aus der Rabattaktion, sonst ham wa dit nich." Also leere Flaschen mal wieder heimtragen. Oder im Auto noch ne Woche spazieren fahren.

Noch sinnfreier ist das System bei den PE-Wasserflaschen. Auch hier wird peinlich geprüft. Aber nach der Annahme sofort zerquetscht. "Fürs Recycling spielt dit in der Tat keene Rolle, ob da Ja! oder Gerolsteiner druff steht." "???" - "Ja, nee, das muss ja in der Summe hinkommen: Ausgabe = Einnahme. Wir müssen da peinlich drauf achten. Steht auch im Kleingedruckten, da willijense ein, wense hier eenkoofen."

Heute vormittag reichte es mir mal wieder. Den leeren Kasten wurde ich im dritten Anlauf los. Die gleiche Marke in 0,33 nicht mehr. Ich sann auf Vergeltung für Merkels ökologisch-logistisch perfektioniertes Pfandsystem mit Zero Sinn. An der Kasse zahlte ich bar und bekam merkwürdig glänzende Euro- und Centstücke zurück. Die schaute ich mir -trotz langer Schlange hinter mir- genau an. Wusste ich's doch: Münzen aus unseren Problemländern Griechenland und Spanien. "Nee tut mir leid, EUROS aus GR und ESP nehme ich nicht an." gab ich dem Kassierer die Münzen zurück. "Wie bitte?" - "Nee, steht bei mir im Kleingedruckten: Seit Inkraftreten des Europäischen Stabilitätsmechanismus nehme ich keine Prägungen aus Risikoländern mehr an. Bitte geben sie mir deutsche EUROS." - "Ick hab nur die, junger Mann. Und jetze?" - "Fragense doch mal an der Nachbarkasse." - Da drohte die Schlange hinter mir, die sich bis jetzt amüsiert hatte, plötzlich ins Wutbürgertum umzukippen. "Nee, ist schon gut. Gebense her, ich nehm'se. Es war eh das letzte mal."

Freitag, 5. August 2011

Weg mit den Eurotechnokraten

In der Phantasie unserer Eurotechnokraten handelt es sich bei "den Märkten" oder "den Investoren" offenbar um eine Gruppe gesichtsloser, unbekannter Akteure, die in Absprache Welten bewegen, sich aber durch technokratische Worte beeindrucken und dirigieren lassen wie eine Seniorenreisegruppe aus Haltern Hullern in Berlin Friedrichshain.

Der konservative Kommissionspräsident Barroso z.B. scheint absolut nichts über die Psychologie von Anlegern zu wissen. Seine tapsige Panikmache muss gut gemeint gewesen sein, aber welcher -wenn auch verqueren- Logik folgte er dabei?

Und Währungskommissar Rehn glaubte gestern mit einer nichts sagenden technokratischen Rede die Anleger auf Spur bringen zu können. Ohne eine einzige inhaltliche Aussage wiederholte er: Wir haben einen Plan. Wir sind "zutiefst überzeugt" (also voller Zweifel), dass er funktioniert und wir werden die Ziele verfolgen und prüfen.
Allen Ernstes richtete er solche Worte an die in Panik ausgebrochenen Anleger, Investoren, Börsianer. Wie ein Feuerwehrfunktionär der den flüchtenden Bewohnern eines brennenden Straßenzuges zuruft, ihre Häuser seien - und davon sei er "überzeugt"- feuerfest.

Das erinnert an die Manager von TEPCO, die auch meinten, die Welt mit Technokratensprech zum Narren halten zu können. Technokraten beziehen sich bei ihrem Handeln und Argumentieren nur auf sich selbst. Und sie glauben auch, dass sich die Naturgesetze nach ihren Methoden und Prozessen richten. Aber, wie es ein FAZ-Leser neulich so schön formulierte: "Die Mathematik wird's schon richten."

Die Sache ist auch deshalb so aussichtslos, weil die Verantwortlichen nicht einmal zur Kenntnis nehmen, was vor sich geht. Sie erschlagen die Überbringer schlechter Nachrichten. Die italienische Justiz durchsucht jetzt schon die Büroräume von Ratingagenturen, wenn diese "unbegründet" negative Urteile über italienische Banken abgeben.

Dabei waren es doch die EURO-Funktionäre, die den Ratingagenturen so eine hohe Bedeutung zugewiesen haben. Kurz gesagt: Weil sie selbst vom Fach nicht so viel verstehen, wollten sie Kreditwürdigkeiten von Banken und Unternehmen gerne in eine einzige Zahl zusammengefasst haben. So wie das Prozess- und Methodenleute, die sich nicht um Inhalte und Bedeutungen kümmern, gerne so machen. Sie schauen nicht mehr in den Himmel um abzuschätzen wie das Wetter wird, sondern auf die Kennziffer. Auf diese Weise kann jeder zum Meteorologen werden..

Was gestern eigentlich nur noch fehlte, war eine europäische Gesetzesinitiative, die uns alle zu der Einsicht in die Notwendigkeit verdonnert, gefälligst zuversichtlich zu sein und den Weisheiten und Fähigkeiten der Verantwortlichen zu folgen. Davon blieben wir gestern noch verschont. Genauso wie vor den staatsmännischen Blut-, Schweiß- und Tränenworten eines Philip Rösler oder einer Angela Merkel (etwa: "Wir glauben, dass mehr Optimismus und Vertrauen in den EURO besser für die Menschen wäre und deshalb verpflichten wir die Märkte dazu jetzt per Gesetz.")

Die Akteure wissen NICHTS von der Funktionsweise von "Märkten". Sie sind ihnen fremd. Das muss man verblüfft zur Kenntnis nehmen. Sie, die Kanzlerin und der Wirtschaftsminister, die Physikerin und der Mediziner, haben noch nie einen Fonds, eine Rente oder eine Aktie gekauft und sich vorher in Analysen und Spekulationen begeben. Sie wissen vermutlich noch nicht mal, wie die Preisbewegungen auf ihrem Wochenmarkt um die Ecke zustande kommen. Deshalb fremdeln sie so mit Begriffen wie "Märkte" und "Investoren". Sie halten die für eine gesichtslose, nicht greifbare Gruppe von Hintermännern, die in Absprache alles tun, um die Politiker zu ärgern.

Weil wir kein fähiges politisches Personal mehr haben, bezieht sich dieses auch ständig auf die Größen, die wir mal hatten: Westerwelle auf Genscher, Merkel auf Erhard (obwohl sie ihn ja nie erlebt hat).

Ich verstehe längst nicht alles, was da vor sich geht. Mir kommen nur viele Verläufe reichlich bekannt vor. Ein nach innen gewandter Technokrat hält stur an seiner Sicht auf die Welt fest, bis man ihn stürzt oder alles um ihn zusammenbricht. Sie betonen in immer kürzeren Abständen, was nicht mehr der Fall ist, und dementieren gleichzeitig, was unübersehbares Faktum ist.

In der CDU darf man inzwischen offen sagen, dass die Einführung des EURO eine Bedingung der Franzosen zur Zustimmung zur deutschen Einheit war. Das war leicht zu verhandeln, denn auch Kohl hatte von Wirtschaft keine Ahnung. (Welche weiteren geheimen Staatsverträge oder direkten Absprachen zwischen Kohl und Mitterand bestanden, werden wir wohl erst nach Kohls Ableben erfahren..) Kohl führte ja auch in Deutschland eine Währungsunion ein ohne Rücksicht auf Verluste und Spekulationen. Vorbild muss ihm der deutsche Zollverein gewesen sein: Der einheitlichen Währung folgt die politische Einigung und Stärke. Und wenn Kohl immer von der deutschen Wiedervereinigung als Vorbote der europäischen Einigung sprach, meinte er damit den EURO - auf Biegen und Brechen.

Nach dem EURO kamen noch einige andere Technokratenprojekte, wie z.B. "einheitliche Bildungsstandards", eine Art Ratingsystem für Hochschulabschlüsse. Auch hier gilt: Die Sache muss nur formell vergleichbar sein, Inhalte und Qualitäten sind egal.

Unsere Regierungen reden vom EURO als Garant für Frieden in Europa. Das ist eine intellektuelle Geiselnahme. Sie wollen uns damit den Mund verbieten, weil auch sie selbst keine Erklärung dafür nachreichen können. Sie behaupten einfach und setzen darauf, dass wir uns beeindrucken lassen. Es ist eine Argumentation mit niederen Instinkten, die mehr über den Sprecher als über den so Angesprochenen aussagt. (Ähnlich wie das Dauerargument "Neid" der eitlen Marodeure in den Vorstandsetagen früherer Qualitätsunternehmen).

Der Anblick dieses Schauspiels macht sprach- und kraftlos. Wir stellen schnell Spontandemos gegen die Guttenbergs, Koch-Mehrins, die Mehdorns und Grubes und gegen Atomkraft auf die Beine. Gegen das klandestine EURO-System ist das schwieriger zu bewerkstelligen. Weil wir -außer der Abschaffung des EURO- kein konkretes Ziel benennen können. Aber vielleicht müssen wir auch da größer denken, so wie die Protestler des arabischen Frühlings.

Wir brauchen keinen EURO, um uns in Europa zusammengehörig zu fühlen. Billigflieger und Markenketten tun dafür viel mehr. Wir können uns günstig überall besuchen dank EasyJet, wir können billig telefonieren oder netzwerken, wir schauen auf Straßen und Plätzen gemeinsam Fussball, wir finden in allen Einkaufsstraßen die gleichen Marken. Wie leiden aufrichtig mit, wenn es irgendwo in Europa einen Amoklauf oder Anschlag gibt. Mehr muss man für die europäische Einigung nicht tun.

Wir müssen uns mit keinen neuen Fronten zwischen den Nationen drohen lassen. "Republiken führen gegeneinander keinen Krieg" (Kant). Die Front verläuft längst zwischen uns hier in der Mitte und denen da oben. Die kosten uns zuviel und bringen uns mehr Schaden als Nutzen. Weg mit ihnen.

Freitag, 29. Juli 2011

Der neue neue Käfer

Und jetzt: Werbung!

Da ich vom Käfer sprach: Auf dem Walk of Fame am Potsdamer Platz stehen gerade welche rum:

Denn: Im Oktober kommt ein neuer Beetle in die Läden. Er hat vom alten Käfer mehr als der sog. New Beetle, der in den Neunzigern raus kam. In Berlin sieht man einen roten Beetle Design (mit kleinem Heckspoiler) herumfahren. Der sieht gut aus und wird dem Mini sicher Konkurrenz machen.

Startpreis für das Basismodell (1,2 Liter, 77kW, 5,9 Liter Benzin/100km): 17.000 EUR. Die Rennversion RS (der Blaue auf dem Foto) kostet 135.000 EUR. Mehr Infos hier.







Donnerstag, 28. Juli 2011

Massenindividualisierung durch LED-Design

In der vorletzten Ausgabe nahm das brand eins Team die Frage unter die Lupe, ob es "intelligentes Leben im Konzern" gibt (Link). Wolf Lotter bringt darin einen interessanten Zusammenhang zur Sprache:

Es sind die Großunternehmen, gegen die der Einzelne keine Chance hat. Aber es sind die gleichen Unternehmen, die dem Einzelnen den Zugang zu Innovationen ermöglichen. Durch Standardisierung und Massenproduktion, die Preissenkungen ermöglicht.

Deshalb sei die Prozessinnovation mindestens genau so wichtig wie die Produktinnovation. Es wird erst zu einem Fortschritt für alle, wenn es nicht nur neu und nützlich ist, sondern auch günstig herstellbar durch standardisierte Arbeitsabläufe und Maschinen.

Das stimmt.

Heute geht man noch einen Schritt weiter. Der VW Käfer war ein Massenprodukt. Zum Kultobjekt der Amerikaner wurde er durch die richtige PR: Die "Herbie"- Filme gaben dem Auto die Hauptrolle und machten es populär. Das Produkt war die Marke.

Heute liegt die Herausforderung nicht darin, ein Produkt massenhaft herzustellen, sondern massenhaft variabel zu halten. Nicht das Produkt wird standardisiert, sondern seine sogenannten Module. Alles Unsichtbare wird gerastert und standardisiert. Alles Sichtbare individualisiert.

Dabei muss es weiterhin einzelne Elemente geben, an denen man die Marke wieder erkennt. Bei den iPods ist es das Click-Wheel. Bei Baukastenautos ist es die Front. (Im Rückspiegel des Vordermanns entscheidet sich, wie viel Respekt man auf der linken Spur hat. Meine persönliche Erfahrung ist, dass ohne eingeschaltete Beleuchtung ca. 1/4 rechtzeitig nach rechts rüberziehen, mit Beleuchtung 3/4.) Die Unterscheidung der Modellklassen erfolgt hier künftig hauptsächlich über die Anordnung der LED Beleuchtung. (Die derzeitige strasschmuckartige Gestaltung mancher Frontleuchten ist sicher Geschmackssache.) Die leuchtstarken LED brauchen nicht viel Platz und eignen sich hervorragend zum Design. Indem Tagfahrlicht in manchen Ländern zum Gesetz in anderen zur Gewohnheit wird, wirkt es wie früher die Neonlichter der Werbung. Auch bei Tag schon weitem zu sehen, nicht zu übersehen, etwas aufdringlich und eine Marke transportierend. LEDs sind der günstigste Weg, Baukastenprodukten eine Signatur zu geben.

Massenindividualisierung durch LED-Design

In der vorletzten Ausgabe nahm das brand eins Team die Frage unter die Lupe, ob es "intelligentes Leben im Konzern" gibt (Link). Wolf Lotter bringt darin einen interessanten Zusammenhang zur Sprache:

Es sind die Großunternehmen, gegen die der Einzelne keine Chance hat. Aber es sind die gleichen Unternehmen, die dem Einzelnen den Zugang zu Innovationen ermöglichen. Durch Standardisierung und Massenproduktion, die Preissenkungen ermöglicht.

Deshalb sei die Prozessinnovation mindestens genau so wichtig wie die Produktinnovation. Es wird erst zu einem Fortschritt für alle, wenn es nicht nur neu und nützlich ist, sondern auch günstig herstellbar durch standardisierte Arbeitsabläufe und Maschinen.

Das stimmt.

Heute geht man noch einen Schritt weiter. Der VW Käfer war ein Massenprodukt. Zum Kultobjekt der Amerikaner wurde er durch die richtige PR: Die "Herbie"- Filme gaben dem Auto die Hauptrolle und machten es populär. Das Produkt war die Marke.

Heute liegt die Herausforderung nicht darin, ein Produkt massenhaft herzustellen, sondern massenhaft variabel zu halten. Nicht das Produkt wird standardisiert, sondern seine sogenannten Module. Alles Unsichtbare wird gerastert und standardisiert. Alles Sichtbare individualisiert.

Dabei muss es weiterhin einzelne Elemente geben, an denen man die Marke wieder erkennt. Bei den iPods ist es das Click-Wheel. Bei Baukastenautos ist es die Front. (Im Rückspiegel des Vordermanns entscheidet sich, wie viel Respekt man auf der linken Spur hat. Meine persönliche Erfahrung ist, dass ohne eingeschaltete Beleuchtung ca. 1/4 rechtzeitig nach rechts rüberziehen, mit Beleuchtung 3/4.) Die Unterscheidung der Modellklassen erfolgt hier künftig hauptsächlich über die Anordnung der LED Beleuchtung. (Die derzeitige strasschmuckartige Gestaltung mancher Frontleuchten ist sicher Geschmackssache.) Die leuchtstarken LED brauchen nicht viel Platz und eignen sich hervorragend zum Design. Indem Tagfahrlicht in manchen Ländern zum Gesetz in anderen zur Gewohnheit wird, wirkt es wie früher die Neonlichter der Werbung. Auch bei Tag schon weitem zu sehen, nicht zu übersehen, etwas aufdringlich und eine Marke transportierend. LEDs sind der günstigste Weg, Baukastenprodukten eine Signatur zu geben.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Zitat der Woche (Larry Ellison)

Steve Jobs ist im Kopf ein Ingenieur und im Herzen ein Künstler. Das ist eine ganz seltene Mischung in unserer Industrie und begründet seinen großen Erfolg.
Larry Ellison

Zitat der Woche (Larry Ellison)

Steve Jobs ist im Kopf ein Ingenieur und im Herzen ein Künstler. Das ist eine ganz seltene Mischung in unserer Industrie und begründet seinen großen Erfolg.
Larry Ellison

Dienstag, 26. Juli 2011

Kein Innovationsmanagement ohne Redakteure

Die Empfehlungssysteme von amazon, iTunes und dem Apple Appstore entwickeln sich zur Käseglocke. Kurzfristig finde ich es gut, wenn ich zu einem Suchmuster weitere Angebote bekomme. Darunter Raritäten, die ich selbst nie finden würde.

Aber meine Suchprofile ändern sich. Bzw. sollen sich manchmal ändern, dann suche ich Inspiration. Dann weiß ich nur, dass ich nichts weiß. Genau da versagt das Profiling.

Aber auch manche realen Läden versagen. Wenn ich vor einem alphabetisch sortierten Bücherregal stehe, vergesse ich, was ich je gelesen habe. Ähnlich gehts mir bei Saturn und Mediamarkt, die ich nur noch in Ausnahmefällen besuche.

Ich brauche Tips, wie sie früher das Radio brachte. Einen Moderator. Einen Alan Bangs, Wolfgang Neumann und ihre Redakteure. (Ok, es gibt inzwischen immerhin einen Stefan Laurin, der Neuvorstellungen bloggt.)

Da ich selbst die Zeit nicht habe, mich durch alle Neuveröffentlichungen zu wühlen, brauche ich eine Vorsortierung, deren Qualitätskriterien ich teile. Die aus der langen Liste eine kurze macht, aus der dann ich auswählen kann.

Das ist übrigens im Innovationsmanagement nicht viel anders. Die Zulieferer sind die Kreativen und stellen ihren OEMs (Auto-, Geräteherstellern) Ideen und Produktprototypen vor. Oft sagen die zuerst: Och, nee. Zu innovativ. Das kauft keiner, das ist zu sperrig, wird nicht akzeptiert, erfordert zu viele Voraussetzungen. Ähnlich wie bei neuen Stilen in der Kunst.

Dann vergeht ein bisschen Zeit. Man sieht die Ideen plötzlich woanders und denkt: Muss wohl doch was dran sein. Spinnt die Sachen ein wenig selbst weiter. Und ist am Ende überzeugt, die Idee selbst gehabt zu haben. Und fragt dann seine Zulieferer, ob sie so etwas wohl realisieren könnten....

Die Marketingstrategen kennen das inzwischen. Die Kreativen schmerzt es immer wieder. Die Ideen, mit denen der OEM zu seinem Zulieferer zurück kommt, bilden die kurze Liste. Der OEM hat quasi Redaktionsarbeit gemacht. Die langen Ideenlisten abgeklopft auf Brauchbares. Es gibt auch externe Redaktionen, die ihm dabei behilflich sein können: Marktforschungsinstitute. Aber Vorsicht: Die fragen Kunden oft auch nur nach dem, was die schon kennen. Mehr vom Gleichen. Und auf eigene Ideen kommen Kunden nun mal nicht. Sie wollen inspiriert werden.

Aus dieser kurzen Liste entstehen später Produktinnovationen, die sich in Verkaufshitparaden bewähren müssen. Hit oder Niete?

Innovationsmanagement ist wie Redaktionsarbeit

Die Empfehlungssysteme von amazon, iTunes und dem Apple Appstore entwickeln sich zur Käseglocke. Kurzfristig finde ich es gut, wenn ich zu einem Suchmuster weitere Angebote bekomme. Darunter Raritäten, die ich selbst nie finden würde.

Aber meine Suchprofile ändern sich. Bzw. sollen sich manchmal ändern, dann suche ich Inspiration. Dann weiß ich nur, dass ich nichts weiß. Genau da versagt das Profiling.

Aber auch manche realen Läden versagen. Wenn ich vor einem alphabetisch sortierten Bücherregal stehe, vergesse ich, was ich je gelesen habe. Ähnlich gehts mir bei Saturn und Mediamarkt, die ich nur noch in Ausnahmefällen besuche.

Ich brauche Tips, wie sie früher das Radio brachte. Einen Moderator. Einen Alan Bangs, Wolfgang Neumann und ihre Redakteure. (Ok, es gibt inzwischen immerhin einen Stefan Laurin, der Neuvorstellungen bloggt.)

Da ich selbst die Zeit nicht habe, mich durch alle Neuveröffentlichungen zu wühlen, brauche ich eine Vorsortierung, deren Qualitätskriterien ich teile. Die aus der langen Liste eine kurze macht, aus der dann ich auswählen kann.

Das ist übrigens im Innovationsmanagement nicht viel anders. Die Zulieferer sind die Kreativen und stellen ihren OEMs (Auto-, Geräteherstellern) Ideen und Produktprototypen vor. Oft sagen die zuerst: Och, nee. Zu innovativ. Das kauft keiner, das ist zu sperrig, wird nicht akzeptiert, erfordert zu viele Voraussetzungen. Ähnlich wie bei neuen Stilen in der Kunst.

Dann vergeht ein bisschen Zeit. Man sieht die Ideen plötzlich woanders und denkt: Muss wohl doch was dran sein. Spinnt die Sachen ein wenig selbst weiter. Und ist am Ende überzeugt, die Idee selbst gehabt zu haben. Und fragt dann seine Zulieferer, ob sie so etwas wohl realisieren könnten....

Die Marketingstrategen kennen das inzwischen. Die Kreativen schmerzt es immer wieder. Die Ideen, mit denen der OEM zu seinem Zulieferer zurück kommt, bilden die kurze Liste. Der OEM hat quasi Redaktionsarbeit gemacht. Die langen Ideenlisten abgeklopft auf Brauchbares. Es gibt auch externe Redaktionen, die ihm dabei behilflich sein können: Marktforschungsinstitute. Aber Vorsicht: Die fragen Kunden oft auch nur nach dem, was die schon kennen. Mehr vom Gleichen. Und auf eigene Ideen kommen Kunden nun mal nicht. Sie wollen inspiriert werden.

Aus dieser kurzen Liste entstehen später Produktinnovationen, die sich in Verkaufshitparaden bewähren müssen. Hit oder Niete?

Ein paar Zahlen zum Stromliefervertrag zw. RWE und Deutsche Bahn

Welche Bedeutung hat der kürzlich veröffentlichte Stromliefervertrag zwischen RWE und Deutsche Bahn. der rein mit aus Wasserkraft erzeugtem Strom erfüllt werden soll?

Von RWE veröffentlichte Zahlen zum Liefervertrag mit der Deutschen Bahn und ihren Wasserkraftwerkskapazitäten:

RWE-DB Liefervertrag
Jährliche Energielieferung: 900 GWh (Gigawattstunden) = 900 Mio kWh
Quelle: RWE AG


RWE Wasserkraftkapazitäten
In Deutschland: 1,4 Mrd kWh
Davon Laufwasserkraftwerke an Flüssen:
Mosel: 800 Mio kWh (bei 200 MW Leistung)
Ruhr: 62 Mio kWh (bei 20 MW Leistung)
Rur (Eiffel): 58 Mio kWh (bei 30 MW Leistung)
Saar: 154 Mio kWh
Sieg: 5 Mio kWh
RADAG (Hochrhein):
180 Mio kWh (bei 24 MW Leistung)
Summe: 1259 Mio kWh (1259 GWh, Die Abweichung zu obiger Zahl entsteht durch Schwankungen)) bei 274 MW mittlerer Leistung
Quelle: RWE Innogy


Erzeugungsstruktur der Bahn heute:
Wasserkraft: 1,1 TWh (1100 GWh) bei 352 MW Leistung (entspricht 10% des Bedarfs der Bahn)
Gesamt: 11.000 GWh bei 3200 MW Leistung
Quelle: Wikipedia

Ergebnisse:
1. RWE kann den Vertrag mit seiner heutigen Erzeugungsstruktur erfüllen. Dieser Strom fehlt dann natürlich für andere Zuweisungen z.B. Elektroautos. (Aber vielleicht zählt die Bahn ja bald mit zur Elektromobilität.)
2. Die Bahn verdoppelt mit dem RWE-Vertrag ihren Anteil an Strom aus Wasserkraft fast, von 10 auf 20%.

Das ist kein Pappenstiel.

Montag, 25. Juli 2011

Die Vorläufer der Reichweitenangst

Interviewte Fahrer von Elektroautos sagen meist, dass die im Verhältnis zum Verbrennungsmotor geringere Reichweite des Elektroautos im wirklichen Leben nur selten eine Rolle spielt. Die meisten Fahrten seien Kurzstrecken und in 80% der Fälle reiche die vorhandene Batterie. Deshalb sei das Elektroauto für die Stadt auch kein Zweitwagen, sondern der Erstwagen (ZDF Frontal21).

Das klingt logisch und konsequent.

Trotzdem pflegen wir "Petrolheads" unsere Reichweitenangst. Das ist die Angst liegen zu bleiben. Allein auf der Landstraße, mit leerer Batterie. Diese Angst entspringt keiner Erfahrung, außer bei denen, die schon mal mit leerem Tank liegen geblieben sind. Diese Angst ist angelesen, wie die meisten Ängste, und von der eigenen Phantasie geschürt. Und sie ist nicht der erste Fall dieser Art.

Da gab es den Moment, wo wir zum ersten mal ein Auto ohne Reserverad probefuhren. "Der hat ein Kit zum Flicken, damit schaffen Sie es bis zur nächsten Werkstatt." Oder: "Dieses Notrad spart Platz und leistet dasselbe." Und da war sie, die Angst, mit einem Platten liegen zu bleiben, und mit dem Flickkit nicht zurecht zu kommen, oder mit einem hässlichen Notrad über die Autobahn zu hinken. Und wie oft haben wir im Leben schonmal ein Reserverad gebraucht?

Noch weiter zurück reicht die Angst, dass wir nicht mit leerem Tank dumm da stehen, sondern mit vollem Darm. Davon zeugen alte, kölsche Protestsongs über umhäkelte Klopapierrollen auf der Hutablagen. Übrigens fehlt mir bis heute eine psychologische Deutungsstudie darüber, warum diese ausgerechnet für jedermann sichtbar auf der Hutablage abgelegt werden musste..

Die Reichweite kann man selbst steuern: Über den Fahrstil. Nicht erst seit Elektroautos kennen wir die Anzeige des Bordcomputers über die Restreichweite. Es ist eines der mächtigsten Instrumente im Kampf ums Energiesparen: Zu sehen, wie man durch vorausschauende Fahrweise binnen zehn oder zwanzig Minuten zehn, im weiteren Verlauf bis zu hundert Kilometer extra herausfahren kann. Noch mehr wäre drin, wenn wir intelligente Verkehrslenkungen hätten, z.B. grüne Ampelwellen. Aber so weit sind die Verkehrslplaner z.B. in Berlin noch nicht.

Die erste Verkaufsrunde wird an die Hersteller gehen, deren Elektroautos eine Antwort auf die Reichweitenangst mit eingebaut haben. Und das ist der Reichweitenverlängerer (Rangeextender) in Form eines Notstromaggregates für die Traktionsbatterie.
Der zweite Reichweitenverlängerer sitzt aber -wie gesehen- hinterm Steuer.

Die zweite Verkaufsrunde wird an die Hersteller billiger Elektroautos gehen, denn dann werden die Käufer schon gelesen haben, dass die frühen Anwender nur selten liegen geblieben sind. Dann darf die Batteriekapazität etwas geringer sein, wenn nur die Batterie deutlich billiger ist.

Die Vorläufer der Reichweitenangst

Interviewte Fahrer von Elektroautos sagen meist, dass die im Verhältnis zum Verbrennungsmotor geringere Reichweite des Elektroautos im wirklichen Leben nur selten eine Rolle spielt. Die meisten Fahrten seien Kurzstrecken und in 80% der Fälle reiche die vorhandene Batterie. Deshalb sei das Elektroauto für die Stadt auch kein Zweitwagen, sondern der Erstwagen (ZDF Frontal21).

Das klingt logisch und konsequent.

Trotzdem pflegen wir "Petrolheads" unsere Reichweitenangst. Das ist die Angst liegen zu bleiben. Allein auf der Landstraße, mit leerer Batterie. Diese Angst entspringt keiner Erfahrung, außer bei denen, die schon mal mit leerem Tank liegen geblieben sind. Diese Angst ist angelesen, wie die meisten Ängste, und von der eigenen Phantasie geschürt. Und sie ist nicht der erste Fall dieser Art.

Da gab es den Moment, wo wir zum ersten mal ein Auto ohne Reserverad probefuhren. "Der hat ein Kit zum Flicken, damit schaffen Sie es bis zur nächsten Werkstatt." Oder: "Dieses Notrad spart Platz und leistet dasselbe." Und da war sie, die Angst, mit einem Platten liegen zu bleiben, und mit dem Flickkit nicht zurecht zu kommen, oder mit einem hässlichen Notrad über die Autobahn zu hinken. Und wie oft haben wir im Leben schonmal ein Reserverad gebraucht?

Noch weiter zurück reicht die Angst, dass wir nicht mit leerem Tank dumm da stehen, sondern mit vollem Darm. Davon zeugen alte, kölsche Protestsongs über umhäkelte Klopapierrollen auf der Hutablagen. Übrigens fehlt mir bis heute eine psychologische Deutungsstudie darüber, warum diese ausgerechnet für jedermann sichtbar auf der Hutablage abgelegt werden musste..

Die Reichweite kann man selbst steuern: Über den Fahrstil. Nicht erst seit Elektroautos kennen wir die Anzeige des Bordcomputers über die Restreichweite. Es ist eines der mächtigsten Instrumente im Kampf ums Energiesparen: Zu sehen, wie man durch vorausschauende Fahrweise binnen zehn oder zwanzig Minuten zehn, im weiteren Verlauf bis zu hundert Kilometer extra herausfahren kann. Noch mehr wäre drin, wenn wir intelligente Verkehrslenkungen hätten, z.B. grüne Ampelwellen. Aber so weit sind die Verkehrslplaner z.B. in Berlin noch nicht.

Die erste Verkaufsrunde wird an die Hersteller gehen, deren Elektroautos eine Antwort auf die Reichweitenangst mit eingebaut haben. Und das ist der Reichweitenverlängerer (Rangeextender) in Form eines Notstromaggregates für die Traktionsbatterie.
Der zweite Reichweitenverlängerer sitzt aber -wie gesehen- hinterm Steuer.

Die zweite Verkaufsrunde wird an die Hersteller billiger Elektroautos gehen, denn dann werden die Käufer schon gelesen haben, dass die frühen Anwender nur selten liegen geblieben sind. Dann darf die Batteriekapazität etwas geringer sein, wenn nur die Batterie deutlich billiger ist.

Samstag, 23. Juli 2011

Web 2.0 basierte Ansätze für das Patentmanagement

An welcher Stelle spielt das Wissen der Vielen eine Rolle im Patentmanagement? Antwort: Bei der Suche nach dem Stand der Technik, genauer: bei der Neuheitsprüfung.

Das amerikanische Patentamt USPTO hat zusammen mit Sponsoren aus der IT-Industrie seit 2005 die Idee der New Yorker Professorin Beth Noveck umgesetzt, die Öffentlichkeit direkt in den Patentprüfungsprozess mit einzubinden. Unter http://peertopatent.org/ kann sich jeder anmelden, um am Peer-to-Patent teilzunehmen. Die wichtigste Aufgabe ist das Review neu eingereichter Patente, insbesondere die Suche nach Entgegenhaltungen hinsichtlich Neuheit.

Die Idee ist: Man verbessert die Qualität eines Patentes, und damit die Beständigkeit gegen spätere Nichtigkeitsklagen, wenn man im Recherche- oder Prüfprozess alle relevanten Technikstände findet. Das ist ein Gewinn für beide Seiten: Der Anmelder weiß, wenn er diesen Prozess übersteht, dann sinkt das Risiko einer späteren Anfechtungsklage. Und die Reviewer passen auf, dass ihre Erfindungen nicht noch einmal eingereicht und womöglich patentiert werden.

Eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren des Projektes ist auch hier: Vertrauen. Der Erfinder braucht die Gewissheit, dass seine Idee nur geprüft, aber nicht gestohlen wird. Deshalb bedarf die Einbindung der Community in die Patentprüfung der Zustimmung des Anmelders.

Da das Projekt unmöglich alle Experten der abertausenden Technologiefelder kennen kann, aber die Anzahl der Experten in einem Gebiet wiederum überschaubar ist, ist seine Aufgabe, die Arbeit richtig zu organisieren. Erfindungen müssen Fachexperten finden. Dafür kann man auf das Klassifizierungssystem des geistigen Eigentums zurückgreifen.

Neue Mitglieder der Community ordnen sich also einem Fachgebiet zu und bekommen danach Offerten für die Durchsicht neuer Patentanmeldungen. Je mehr Experten mitmachen, desto eher wird der passende Experte dabei sein, der ohne langes Wühlen relevante Dokumente entgegenhalten kann.

Ein Nebenbei Effekt für die Teilnehmer ist es, stets auf dem Laufenden über Patentaktivitäten in ihrem Metier zu bleiben.

Eine gute Idee finde ich. Derzeit wird das Projekt im Rahmen eines Pilotversuchs auf Groß-Britannien ausgeweitet.

Inzwischen haben auch andere diese Idee aufgegriffen und für andere Zwecke weiterentwickelt. Article One setzt im Lebenszyklus der erteilten Patente später an: Sie begegnen Klägern auf Patentverletzung indem sie die Community aufrufen, denjenigen Stand der Technik zu suchen und einzureichen, die der Erteilung des verletzten Patentes schon bei dessen Erteilung hätten entgegen stehen müssen - aber vom Patentamt nicht recherchiert wurden. Aktuelles und prominentes Beisiel ist der Entwickler des Smartphonespiels Angry Birds. Er wird von dem Patentverwerter Lodsys der Patentverletzung angeklagt. Article One sucht nun "Munition" um die Patente des Verwerters zu Fall zu bringen. Wer etwas hat, kann sich hier melden: Link

Mitmachinternet basierte Ansätze im Patentmanagement

An welcher Stelle spielt das Wissen der Vielen eine Rolle im Patentmanagement? Antwort: Bei der Suche nach dem Stand der Technik, genauer: bei der Neuheitsprüfung.

Das amerikanische Patentamt USPTO hat zusammen mit Sponsoren aus der IT-Industrie seit 2005 die Idee der New Yorker Professorin Beth Noveck umgesetzt, die Öffentlichkeit direkt in den Patentprüfungsprozess mit einzubinden. Unter http://peertopatent.org/ kann sich jeder anmelden, um am Peer-to-Patent teilzunehmen. Die wichtigste Aufgabe ist das Review neu eingereichter Patente, insbesondere die Suche nach Entgegenhaltungen hinsichtlich Neuheit.

Die Idee ist: Man verbessert die Qualität eines Patentes, und damit die Beständigkeit gegen spätere Nichtigkeitsklagen, wenn man im Recherche- oder Prüfprozess alle relevanten Technikstände findet. Das ist ein Gewinn für beide Seiten: Der Anmelder weiß, wenn er diesen Prozess übersteht, dann sinkt das Risiko einer späteren Anfechtungsklage. Und die Reviewer passen auf, dass ihre Erfindungen nicht noch einmal eingereicht und womöglich patentiert werden.

Eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren des Projektes ist auch hier: Vertrauen. Der Erfinder braucht die Gewissheit, dass seine Idee nur geprüft, aber nicht gestohlen wird. Deshalb bedarf die Einbindung der Community in die Patentprüfung der Zustimmung des Anmelders.

Da das Projekt unmöglich alle Experten der abertausenden Technologiefelder kennen kann, aber die Anzahl der Experten in einem Gebiet wiederum überschaubar ist, ist seine Aufgabe, die Arbeit richtig zu organisieren. Erfindungen müssen Fachexperten finden. Dafür kann man auf das Klassifizierungssystem des geistigen Eigentums zurückgreifen.

Neue Mitglieder der Community ordnen sich also einem Fachgebiet zu und bekommen danach Offerten für die Durchsicht neuer Patentanmeldungen. Je mehr Experten mitmachen, desto eher wird der passende Experte dabei sein, der ohne langes Wühlen relevante Dokumente entgegenhalten kann.

Ein Nebenbei Effekt für die Teilnehmer ist es, stets auf dem Laufenden über Patentaktivitäten in ihrem Metier zu bleiben.

Eine gute Idee finde ich. Derzeit wird das Projekt im Rahmen eines Pilotversuchs auf Groß-Britannien ausgeweitet.


Inzwischen haben auch andere diese Idee aufgegriffen und für andere Zwecke weiterentwickelt. Article One setzt im Lebenszyklus der erteilten Patente später an: Sie begegnen Klägern auf Patentverletzung indem sie die Community aufrufen, denjenigen Stand der Technik zu suchen und einzureichen, die der Erteilung des verletzten Patentes schon bei dessen Erteilung hätten entgegen stehen müssen - aber vom Patentamt nicht recherchiert wurden. Aktuelles und prominentes Beisiel ist der Entwickler des Smartphonespiels Angry Birds. Er wird von dem Patentverwerter Lodsys der Patentverletzung angeklagt. Article One sucht nun "Munition" um die Patente des Verwerters zu Fall zu bringen. Wer etwas hat, kann sich hier melden: Link

Freitag, 22. Juli 2011

Haushaltssperre im Berliner Bezirk Mitte

Das flatterte heute morgen per Email rein:
Das Bezirksamt (alle Stadträte und Bezirksbürgermeister) haben am Dienstag eine Haushaltssperre beschlossen, die auch bis Ende des Jahres bestehen soll. Nach Aussage unserer Stadträtin für Finanzen Dagmar Hänisch (SPD) waren die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung nicht so hoch wie vorher angenommen und im Haushalt eingeplant. Weitere Ausgaben sind unter anderem die hohen Müllbeseitigungskosten und die Pflege der Grünflächen, sowie die Mindereinnahmen bei Grundstücksverkäufen.

Kurz gesagt: Schlecht gewirtschaftet. Oder widersprüchlich.

Typisch: Da wird eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt. Damit soll die Parkplatzknappheit gemanagt werden. Anwohner erwerben eine Berechtigung für ihre Parkzone, d.h. kein Ticket aus dem Automat ziehen zu müssen. Ziel ist es angeblich, die Nachfrage nach Parkplätzen -z.B. von Touristen oder Büropendlern- zu senken.
Aus der Email des Bezirksverordneten geht jedoch hervor, dass man diese in einer festen Höhe zur Finanzierung des Haushalts einplant. Wenn die Autofahrer dann dem kommunizierten politischen Zweck folgen, führt das zu Mindereinnahmen und zu einer Haushaltssperre...

Zweite Ursache für die Sperre sind die Müllberge im Tiergarten. Was kommunalpolitisch als kulturelle Bereicherung kommuniziert wird, löst horrende Kosten bei der Müllabfuhr aus: Inzwischen darf jeder im Tiergarten seinen Grill anzünden und den Park in dichte Rauch- und Fettschwaden hüllen. "Dit is Berlin, wa? Wo solln wa denn sonst grilln?!"

Übrigens, auch eine interessante Zahl: Eines der wenigen Wachstumsfelder in #Berlin sind die Bußgelder für falsches Parken. Dieser Geschäftsbereich hat seine Einnahmen um 4,6 auf 61 Mio EUR gesteigert. Die Kosten für das Aufschreiben und das Versenden der Briefe liegen bei 47 Mio EUR.

Die profitabelste Bußgeldstelle Deutschlands sitzt übrigens in Bielefeld. Die dreispurige Radarkamera auf der Abfahrt des Bielefelder Berges auf der A2 Richtung Berlin erzielt jährlich Einnahmen von mehr als 10 Mio EUR. Die Steuerung der Einnahmen erfolgt über die Regelung der variablen Tempolimits.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Die Freuden des Patentinhabers

Von mittelständischen Softwareentwicklern liest man oft Schmähungen gegen Patenttrolle: Die haben nur das Patent und hatten nie vor, es selbst umzusetzen.

So kann nur reden, wer die Freuden und den Stolz eines Erfinders nicht kennt, sondern seinen Job rein handwerklich versteht. Denn: es ist eine hohe Kunst, eine nützliche Erfindung zu ersinnen und diese auch noch in eine Patentschrift zu gießen. Allein hier steckt Arbeit drin. Und Kosten.

Hierzu gehören:
- Die genaue Beschreibung der Idee, so dass ein Fachmann sie umsetzen kann (sog. technische Lehre).
- Die Aufgabenstellung, die sie löst.
- Die Recherche und Wiedergabe des bisherigen Standes der Technik und die Argumentation, worin die eigene Erfindung besser ist.
- Die Formulierung der Patentansprüche.

Dazu kommen:
- Die Kosten für die Anmeldung und ggf. den Recherche- oder Prüfauftrag.

Kommt der Prüfbericht des Patentprüfers vom Patentamt, wird abermals Formulierungsarbeit nötig. Es müssen entgegengehaltene Patente erwidert werden. Worin unterscheidet sich meine Erfindung von den entgegengehaltenen?

Nicht alle Patentanmeldungen werden auch erteilt. Wer Glück hat, bekommt auf jede zweite Anmeldung ein Patent. Das ist schon eine große Leistung. Mit dem Patent liegt nun die Anleitung für die Erfindung jedermann offen, der eine Patentrecherche durchführen kann. Das ist der Zweck des Patentwesens.

Es ist egal, ob er es selbst umsetzt, oder an einen möglichst starken Partner lizenziert. Beides ist legitim.

Diesen Partner muss man aber erst mal finden. So wie ein Autor auf das Angebot eines Verlags wartet, und ein Musiker auf einen Vertrag mit einer "Plattenfirma".

Im Patent selbst steckt viel Arbeit

Von mittelständischen Softwareentwicklern liest man oft Schmähungen gegen Patenttrolle: Die haben nur das Patent und hatten nie vor, es selbst umzusetzen.

So kann nur reden, wer die Freuden und den Stolz eines Erfinders nicht kennt, sondern seinen Job rein handwerklich versteht. Denn: es ist eine hohe Kunst, eine nützliche Erfindung zu ersinnen und diese auch noch in eine Patentschrift zu gießen. Allein hier steckt Arbeit drin. Und Kosten.

Hierzu gehören:
- Die genaue Beschreibung der Idee, so dass ein Fachmann sie umsetzen kann (sog. technische Lehre).
- Die Aufgabenstellung, die sie löst.
- Die Recherche und Wiedergabe des bisherigen Standes der Technik und die Argumentation, worin die eigene Erfindung besser ist.
- Die Formulierung der Patentansprüche.

Dazu kommen:
- Die Kosten für die Anmeldung und ggf. den Recherche- oder Prüfauftrag.

Kommt der Prüfbericht des Patentprüfers vom Patentamt, wird abermals Formulierungsarbeit nötig. Es müssen entgegengehaltene Patente erwidert werden. Worin unterscheidet sich meine Erfindung von den entgegengehaltenen?

Nicht alle Patentanmeldungen werden auch erteilt. Wer Glück hat, bekommt auf jede zweite Anmeldung ein Patent. Das ist schon eine große Leistung. Mit dem Patent liegt nun die Anleitung für die Erfindung jedermann offen, der eine Patentrecherche durchführen kann. Das ist der Zweck des Patentwesens.

Es ist egal, ob er es selbst umsetzt, oder an einen möglichst starken Partner lizenziert. Beides ist legitim.

Diesen Partner muss man aber erst mal finden. So wie ein Autor auf das Angebot eines Verlags wartet, und ein Musiker auf einen Vertrag mit einer "Plattenfirma".

Donnerstag, 14. Juli 2011

Merkel und Westerwelle haben wichtigeres zu tun

Merkel und Westerwelle setzen noch einen drauf. Sie haben nicht nur nie den Beweis geführt, dass uns (dem Volk, den Angestellten und Freiberuflern) der EURO unterm Strich nutzt. Sie haben den EURO zum Schlüssel für Krieg oder Frieden hochstilisiert. Eine große Geschichte, es wäre Zeit sie zu erklären und danach zu handeln - fall sie selbst daran glauben.

Aber die Finanzkrise überlassen sie doch nur ihrem Finanzminister. So wie die anderen auch. Die sind aber immerhin zu Hause, sozusagen auf Abruf. Nur Merkel turnt in Afrika herum und Westerwelle in den USA. In Missionen, die derzeit zweit- oder drittrangig sind. Ist das kindischer Trotz oder bewusste Respektlosigkeit?

Sie sagen uns damit, dass sie Europa in der schwierigsten Stunde nicht sonderlich interessiert. Der eine realisiert seinen Jugendtraum mit der Glocke in der Hand, auf dem Chair des UN-Sicherheitsrates. Die andere will in Torschlusspanik versäumte Geostrategie nachholen.

Sie erkaufen mit den EURO-Rettungsmilliarden teure Zeit, die sie dann anschließend verplempern. Das Volk grübelt über Szenarien zur Rettung seiner Ersparnisse und die beiden tänzeln auf Nebenschauplätzen. Wenn man das Richtige zur falschen Zeit tut, hat man das Wichtige versäumt.

Die Linke wird vom Verfassungsschutz beobachtet. CDU und vor allem die FDP von den Fassungslosen. Kohl und Schmidt hätten wir damals vielleicht vertraut, wenn sie gesagt hätten, es bestehe kein Grund zur Sorge. Obwohl dieser Satz immer hellhörig macht. Es ist das Standarddementi derer, die mehr wissen als wir.

Der Satz klingt aber nach Kabarett, wenn ihn Philip Rösler über den Äther sendet. Das muss sich auch sein Parteifreund Frank Schäffler gedacht haben. Der brachte heute folgende Gegendarstellung im Handelsblatt:
Ohne harte Einschnitte für die überschuldeten Staaten, einer wirklichen Gläubigerbeteiligung jetzt und einer Ausstiegsmöglichkeit aus der Euro-Zone wird am Ende das Sparvermögen von vielen Menschen in Deutschland in Frage gestellt.
Madame Lagarde vom IWF brachte gestern ein ähnliches Statement, nur globaler, und verbunden mit einer heftigen Kritik an sich selbst in ihrer früheren Rolle als Finanzministerin - das hat sie anscheinend nur nicht bemerkt.

Ich blicke da selbst ja gar nicht durch und versuche halt so viel wie möglich zu lesen und zu verstehen, um mich irgendwie vorbereiten zu können, auf das was da kommen könnte. Mein Eindruck ist nur, Schäuble und Co. geht es nicht viel anders.

Die Diskussion, dass dies die schlechteste Regierung aller Zeiten ist, haben wir hinter uns. Aufregen kostet nur Nerven und bringt nichts. Im Moment können wir eigentlich nur hoffen, dass sich die Basis der Regierungsparteien bald mal erhebt. Für die steht doch auch viel auf dem Spiel. Da wirft man die jahrelang eingeübten unterwürfigen Gepflogenheiten doch irgendwann mal ab, wenn es um die Wurst geht, oder?

Mittwoch, 13. Juli 2011

Soziale Netzwerke im Auto

BMW hat folgendes zum Patent angemeldet:
Die Erfindung betrifft insbesondere ein Verfahren zur Bereitstellung von Informationen über einen Nutzer eines sozialen Netzwerks in dem sozialen Netzwerk. Um dem Fahrer eines Fahrzeugs oder einem Mitfahrer die Kommunikation mit einem datentechnischen sozialen Netzwerk möglichst ablenkungsfrei zu ermöglichen, wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, dass die Informationen unter Verwendung mindestens einer Zustandserkennungsvorrichtung gewonnen werden, die in einem von dem Nutzer des sozialen Netzwerks genutzten Fahrzeugs vorgesehen ist. Die Zustandserkennungsvorrichtung gibt eine Zustandsinformation ab, die einen bestimmten Zustand des Fahrzeugs und/oder eine bestimmte Fahrsituation und/oder den Zustand von einem oder mehreren Nutzern des Fahrzeugs angibt.

Worum es konkret geht, ist hier noch schwer zu erkennen. Im Patentantrag sind aber interessante Beispiele aufgeführt:

Z.B. die Vernetzung eines sozialen Netzwerkes, bzw. seinen Kontakten darin, mit den Daten seines Navigationsgerätes. Z.B. die Nachricht an den Kontakt in Hamburg: Ich fahre in Richtung Hamburg, keine Staus, geschätzte Ankunftszeit 15.00h.

Die Funktion ersetzt einem also das Telefonieren.

Ein anderes Beispiel: Rückmeldung an die Kontakte, die das gleiche Modell oder die gleiche Marke fahren wie der Fahrer: "Die Tips von der xy-Website haben mir geholfen, meinen Verbrauch um 2 Liter zu senken."

Und schließlich die Nachricht an einen Kontakt in der Nähe: "Bin gerade an Deinem Haus vorbei gefahren." Unausgesprochen die Frage: Bist Du zu Hause?


Aktenzeichen: DE 102009042664A1

Dienstag, 12. Juli 2011

Social Networks im Auto

Ein Automobilhersteller hat folgendes zum Patent angemeldet:
Die Erfindung betrifft insbesondere ein Verfahren zur Bereitstellung von Informationen über einen Nutzer eines sozialen Netzwerks in dem sozialen Netzwerk. Um dem Fahrer eines Fahrzeugs oder einem Mitfahrer die Kommunikation mit einem datentechnischen sozialen Netzwerk möglichst ablenkungsfrei zu ermöglichen, wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, dass die Informationen unter Verwendung mindestens einer Zustandserkennungsvorrichtung gewonnen werden, die in einem von dem Nutzer des sozialen Netzwerks genutzten Fahrzeugs vorgesehen ist. Die Zustandserkennungsvorrichtung gibt eine Zustandsinformation ab, die einen bestimmten Zustand des Fahrzeugs und/oder eine bestimmte Fahrsituation und/oder den Zustand von einem oder mehreren Nutzern des Fahrzeugs angibt.

Worum es hier konkret geht, ist schwer zu erkennen. Im Patentantrag sind aber interessante Beispiele aufgeführt:

Z.B. die Vernetzung eines sozialen Netzwerkes, bzw. seinen Kontakten darin, mit den Daten seines Navigationsgerätes. Z.B. die Nachricht an den Kontakt in Hamburg: Ich fahre in Richtung Hamburg, keine Staus, geschätzte Ankunftszeit 15.00h.

Die Funktion ersetzt einem das Telefon.

Ein anderes Beispiel: Rückmeldung an die Kontakte, die das gleiche Modell oder die gleiche Marke fahren wie der Fahrer: "Die Tips von der xy-Website haben mir geholfen, meinen Verbrauch um 2 Liter zu senken."

Und schließlich die Nachricht an einen Kontakt in der Nähe: "Bin gerade an Deinem Haus vorbei gefahren." Unausgesprochen die Frage: Bist Du zu Hause?

Aktenzeichen: DE 102009042664A1

Mittwoch, 6. Juli 2011

Steuerung der Luftklappen eines Kühlergrill

In Schweden kann man seit langer Zeit Einsätze für den Kühlergrill seines Autos kaufen. BMW geht einen Schritt weiter und verbaut steuerbare Luftklappen in seinen Kühlergrills. Warum machen die das?

a) Damit im Winter der Kühler nicht mit Schnee verstopft wird.

b) Damit der Motor im Winter schneller warm wird.

c) Damit das Auto aerodynamischer wird.

Antwort: Für Schweden gilt a). Für BMW gilt b) - und c).

BMW schreibt auf seiner Website, dass der Motor schneller auf Betriebstemperatur kommt, wenn man die Luftklappen nach dem Start erst einmal schließt. Ist der Motor auf Betriebstemperatur werden die Klappen geöffnet. Einleuchtend. Doch -und das überrascht mich- auch danach kann es für eine optimale Betriebstemperatur wieder nötig werden, sie zu schließen. OK, vielleicht bei schneller Autobahnfahrt bei zweistelligen Minusgraden? Oder eher bei moderater Stadtfahrt?

Das Argument Aerodynamik leuchtet auch ein. Der Lüfter ist die einzige Partie der Autoform, die den Luftstrom nicht möglichst geschmeidigt vorbei lenkt, sondern gezielt nach innen - und dort für Verwirbelungen und Stauung sorgt. Schließt man diese Lücke, verbessert sich die Aerodynamik - was sich bei hohen Geschwindigkeiten in einer Verbrauchssenkung bemerkbar macht.

Die vergleichmäßigte Betriebstemperatur verlängert obendrein die Motorlebensdauer.

Montag, 4. Juli 2011

Power Quality steht vor einer Aufwertung

Für viele Branchen sind die nicht gelieferten Kilowattstunden Strom die teuersten. Wenn wegen Leistungsdefiziten, Unterfrequenzen oder Unterspannungen Produktionsstraßen, Kommunikationsnetze, Rechenzentren oder Fernsehsender ausfallen, entstehen schnell große Kosten und geraten Termine durcheinander.

Wenn regenerative Stromquellen künftig mehr Gewicht bekommen, steigt der Anteil von Wechselrichtern gegenüber Drehstromgeneratoren an den Einspeisesammelschienen.

Das Netz bekommt mehr Pulslast, mehr Oberschwingungen, und weniger "starke Hände", die als Frequenzreferenz für die Frequenzregelung dienen. Das wird eine Herausforderung für Elektroingenieure.

Und eine gute Konjunktur für die Hersteller von Mitteln, mit denen man sich gegen fehlende Power Quality schützen kann: Batteriepuffer, Netzfilter und bessere Wechselrichter.

Wenn Informationsverarbeitung die Mimik still legt

Wenn ein Körperteil überproportional gefordert wird, versorgt der Kreislauf es überproportional mit Blut. Wissen wir. U.a. fällt nach einem schweren Essen das Denken schwer, weil das Blut in den Verdauungstrakt gelenkt wird.

Doch nicht nur mit dem Blut muss gehaushaltet werden. Auch mit den Synapsen im Gehirn. Manchen Menschen kann man buchstäblich beim Denken zugucken. Bei Informationsüberfluss zeigen sie keine Regungen mehr, weil ihre Synapsen auf Hochtouren laufen. Manche starren mit offenem Mund auf den Tisch. Manche wirken cool - eine Fehldeutung. Manche fangen an, Mantras zu sprechen. Gewaltbereite Jugendliche auf der Straße kann man minutenlang stilllegen mit der Frage, was sie gestern Abend gemacht haben oder wo sie diese tolle Jacke gekauft haben (habe ich so erlebt). Sie schinden Zeit mit gelernten Mantras "Ey, Alder, willst Du mich verar***en.?", um Zeit fürs Denken und die Bewertung der Situation zu gewinnen.

Als George W. Bush vor zehn Jahren vom Anschlag auf das WTC erfuhr, zeigte auch er keine Regung. Das deuteten viele Menschen als Beleg dafür, er sei eingeweiht gewese, habe in dem Moment das Erwartete erfahren. Ich halte das nicht mehr für wahrscheinlich. Ich glaube, dass Bush's Synapsen mit der Informationsverarbeitung überfordert waren.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Wessis und Weimar

Europa ist ein Ideal einer Gemeinschaft friedlicher, Handel treibender und sich kulturell austauschender Völker. Dieses Ideal hängt nicht vom EURO ab.

Man erzählt uns, der EURO habe nur Vorteile gebracht. Als Beweis wird dann gebracht: Die wegfallenden Wechselgebühren und die aufgewerteten Schwachwährungen, die sich erst damit den Import deutscher Waren leisten können. Man muss kein Volkswirt sein, um das erste Argument als zu schwach und das zweite nicht nachhaltig zu finden.

Wer aber trotzdem noch Widerworte gibt, z.B. auf Parteitagen, der bekommt das Krieg-und-Frieden "Argument". Hat Deutschland in Europa etwa zwei Weltkriege wegen offener Währungsfragen angezettelt? Sind die Deutschen damals mit Bildern von Nachbarvölkern, die einen gemeinsamen Währungsraum verweigern, aufgestachelt worden? Nein. Regierungen stacheln ihre Völker mit simplerer Propaganda auf. (Oder ging es im Hintergrund um Währungsfragen?) Aber davor muss es ihnen schlecht gehen. Siehe Weimar.

Die Redaktion Focus z.B. zeigt in Richtung Akropolis den Stinkefinger. Die BILD-"Zeitung" listet die Privilegien auf, die sich "die" Griechen gönnen. Merkel forderte erst von den Griechen und dann von uns mehr Fleiß, um all die Staatsschulden stemmen zu können. Das reizt uns umso mehr, als wir ja ein Jahrzehnt Reallohnverluste hinter uns haben. Ich frage mich auch wie es zusammenpasst, vor Krieg zu warnen aber Stimmung gegen einzelne Völker zu machen.

Nein, das Gegenteil ist richtig. Der EURO hat in den europäischen "Tigerstaaten" in Blasen getrieben. Irland, Island, Spanien galten als Musterländer entfesselter Aufstiegskräfte. Es hat sich alles als nicht nachhaltig erwiesen, sondern wie immer im Turbokapitalismus als Abfolge von Extremen, bei denen die Letzten die Hunde beißen: das gemeine Volk.

Helmut Kohl stimmte dem EURO zu. Wohl als "Preis" (hier geben sie es zu) für die deutsche Einheit. Lafontaine hielt schon die deutsche Währungsunion für eine Überforderung. Aber warum wollte Europa den EURO?

Mit den Volkswirtschaften ist es ein bisschen wie mit der Energie. Jede Region hat ihre Stärken und Schwächen und ein eigenes Profil. Photovoltaik macht in Skandinavien wenig Sinn und Windkraft in windstillen Orten. Wasserkraft kann man nur vor Ort nutzen. Kohlevorkommen sind regional verteilt. Deutschland hat von allem ein bisschen. Deshalb beherrschen wir auch alle Energietechniken. Schaut man genauer hin, sind es auch in Deutschland nur wenige Regionen, die den ganzen Karren ziehen. Berlin, Brandenburg, Bremen, Sachsen-Anhalt ziehen den Karren nicht. Bayern wurde früher gezogen und hat von der Verlegung einiger Industrieunternehmen von Ostdeutschland oder Berlin profitiert. Z.B. Siemens und BMW. Auf Dauer kann man sich nicht gegen die Gegebenheiten stemmen. Die Hilfe soll immer nur Starthilfe sein.

WIr beobachten: Bayern ließ sich früher vom Ruhrgebiet ziehen, hat das aber vergessen und stänkert heute gegen jeden, der seine Hilfe beansprucht. Die Länder, die Transferleistungen beziehen, betrachten das als Recht, das ihnen zusteht. Berlin und Brüssel glauben, wer den Solidaritätszuschlag und den Länderfinanzausgleich stemmen kann, der kann noch viel mehr stemmen.

Und wenn die Wessis aufmucken: "Krieg und Frieden". Der letzte Balkankrieg lehrt uns, dass alte Wunden und Verletzungen, wenn sie nicht korrigiert wurden, neue Kriege nähren können. Und das Schieflagen im Finanzausgleich den Auslöser liefern können. Mithin befrieden große Transfersysteme die Empfänger, die Leistenden aber wollen das zeitlich begrenzen und einen Fortschritt sehen. Und unsere Regierungen und Mainstreammedien glauben, dass uns die Weimarer Republik als Abschreckung dient, so dass wir lieber still bleiben.

Aber die Perspektive "Völker" ist eh irreführend, wenn es um große Zahlungsströme geht. Es geht um oben und unten. Die da oben haben wir rausgehauen, in Sicherheit sind sie aber noch nicht. Denn jetzt lautet ihre Frage: Welche Anlageform ist die beste für die turbulenten Zeiten? Sie flüchten in Sachwerte. Die da unten glauben, sie hätten die Griechen, Isländer, Spanier und Italiener -jeweils in Gänze- rausgehauen und können auf dieses Europa gut verzichten. Trotz eingesparten Wechselgebühren!

Wenn die da unten erstmal erkennen, dass sie nicht die dahinten, sondern die da oben, rausgehauen haben, wird es spannend. Die Bilder von den arabischen Revolutionen und griechischen Protesten warnen.

Noch tut uns hier nichts weh. Wir sind gut erzogen, erleben einen Aufschwung ohne Beteiligung und sind inzwischen sogar gegen Steuersenkungen. Weil wir besser verstehen, dass die den Schuldenhaufen nur vergrößern würden. So denkt eine schweigende Mehrheit. Eine gezielt kommunizierende Oberschichtenminderheit treibt die Regierung derweilen immer noch an, für sie nochmals in die längst leeren und überschuldeten Kassen zu greifen. Zur Finanzierung ihrer Griffe schlagen sie Leistungskürzungen bei Hartz IV und staatlichen Zuschüssen zu den Sozialversicherungen vor.

Über die EURO-Krise haben wir die Legitimationskrisen unseres Systems, mit dem wir uns bis dahin beschäftigt hatten, vergessen. Die Abfindungsorgien der Zumwinkels (20 Mio), Middelhoffs (25 Mio), der Manager von Karstadt (Wolfgang Urban: 10 Mio €), Dresdner Bank. Die Versager der IKB, Deutschen Bahn, Deutschen Telekom (Ron Sommer: 11,6 Mio €), Bertelsmann (Wössner: Buchhandel im Internet wird sich nie rechnen. Abfindung: 15 Mio), Deutschen Post, Infineon, Babcock-Borsig, EnBW, der Landesbanken

Unsere Eliten leben uns vor: Hol raus, was drin ist. Begründen tun sie es mit "Leistung" oder "Systemrelevanz". Zahlen tun wir es, so "ist unser System angelegt", wie Dirk Müller bei Anne Will zugab.

Wer sich dagegen ernsthaft wehrt, wird als "Dagegen" und Wutbürger diffamiert. "Dagegen" gilt inzwischen ausgerechnet in der Partei als Schimpfwort, deren Vorsitzende sich in den USA mit Freiheitsmedailien dafür auszeichnen lässt, dass sie beim Fall der Mauer in der Sauna saß und erst mal abwartete, ob und wohin der Zug startet.

Die uns diffamieren, blicken erstens selbst nicht durch und haben zweitens ihren Doktor bei anderen, die nicht regieren und beraten, abgeschrieben, fragen ihre Parteien nicht mehr, sind also selbst in einer Legitimationskrise.

"Dagegen" wird für uns aber zum Moment der Wahrheit. Man baut darauf, dass wir lieber vor dem Fernseher sitzen bleiben, als vor dem Kanzleramt, der Deutschen Bank oder auch dem Bahntower am Potsdamer Platz in Massen zu demonstrieren. Aber was was nicht ist, kann ja noch werden.

Das erste, was wir verhindern müssen, ist, dass der Mann, der die Spekulationsschleusen in Deutschland erst so richtig aufgedreht hat, Kanzler wird. Sie haben ihn sich schon ausgeguckt, den Steinbrück. Den Mann, der noch nie eine interne oder externe Wahl gewonnen hat, sich von Asmussen erst über den Tisch ziehen ließ, um ihn danach zu befördern, kurz: der Mann, der nicht Lösung sondern Problem ist, soll nicht Kanzler werden. Das müssen wir in der SPD verhindern.

Samstag, 25. Juni 2011

Innovationen die wir Saab verdanken

Mit Saab geht es leider zu Ende. Damit es nicht in Vergessenheit gerät, wir verdanken den Schweden folgende Innovationen:

- Seitenaufprallschutz.
Der Grund, warum die schwedischen Hersteller schon früh in Aufprallschutz investierten, sind die Elche. Wenn ein 800kg-Elch von der Seite gegen die Tür rennt oder auf die Motorhaube fällt, tut das beiden nicht gut.

- Sicherheitsgurte
Seit 1958 Standardausrüstung.

- Aktive Kopfstützen
Bei einem Aufprall wird die Kopfstütze dem Kopf nachgeführt.

- Sicherheitslenksäule
Diese dringt bei einem Crash nicht mehr in den Innenraum ein.

- Diagonales Zweikreisbremssystem
Fällt ein System aus, bremst das Auto nicht einseitig, sondern diagonal.

- Turbolader
Als ehemaliger Flugzeughersteller übertrug Saab das Turboprinzip vom Flugzeugmotor ins Auto. Nicht als einziger, aber mit dem Fokos darauf, dass Turboloch im unteren Drehzahlbereich möglichst zu beheben. Die Rally-Erfolge in den 70ern und 80ern verdankte Saab seinem Turbo.

- Direktzündung
Jeder Zylinder hat eine eigene Zündspule. Dadurch Entfall der verschleißträchtigen Zündverteiler und -kabel.

- Aerodynamik
Viele Erkenntnisse aus dem Flugzeugbau übernahm Saab ins Design seiner Automodelle.

- Außenspiegel ohne toten Winkel
Ist das eine Erfindung von Saab?

- Selbstheilende Stoßstangen
Die Stoßstange war bis zu einem Stoß von 8km/ elastisch verformbar.

- Zündschloss in der Mittelkonsole.
Es war schon immer ein Rätsel: Warum steckt man viel Aufwand in Zündschloss und individuelle Zündschlüssel, wenn die Kabel zu diesem Schloss von unten so leicht zugänglich sind? Saab erkannte das früh und verbaute das Schloss einfach in der Mittelkonsole. Kurzschließen so gut wie unmöglich. Außerdem kann das Zündschloss bei einem Aufprall nicht mehr das rechte Knie des Fahrers verletzen.

- Wischwaschanlage für Scheinwerfer

- Zeitlose Designs
Selbst ein Saab der 70er Jahre sieht noch fast zeitgemäß aus. Heute sieht ein Saab allerdings wie so viele Modelle nach globalem Einheitsauto aus. Ein SUV fehlt völlig im Programm. Sicher ein Grund, warum der Absatz zurückging.

Saab kooperierte in seiner Geschichte oft mit anderen Herstellern, wie z.B. Fiat, Lancia und Alfa Romeo. Es gehörte bis zur Krise zum GM Konzern und wird seitdem von einem Investor zum nächsten gereicht. Bei GM krankte Saab u.a. darunter, dass es die Entwicklung einiger Modelle oder Technologien zugewiesen bekam, die der GM Konzern dann doch nicht einsetzte oder nicht refinanzierte. Dass Saabs Standort "Trollhättan" heißt, klingt wie Selbstironie.

Es wäre wirklich Schade, wenn die Geschichte von Saab nun zu Ende wäre.

Quellen: n-tv, Saab-Info, Wikipedia

Innovationen die wir Saab verdanken

Mit Saab geht es leider zu Ende. Damit es nicht in Vergessenheit gerät, wir verdanken den Schweden folgende Innovationen:

- Seitenaufprallschutz.
Der Grund, warum die schwedischen Hersteller schon früh in Aufprallschutz investierten, sind die Elche. Wenn ein 800kg-Elch von der Seite gegen die Tür rennt oder auf die Motorhaube fällt, tut das beiden nicht gut.

- Sicherheitsgurte
Seit 1958 Standardausrüstung.

- Aktive Kopfstützen
Bei einem Aufprall wird die Kopfstütze dem Kopf nachgeführt.

- Sicherheitslenksäule
Diese dringt bei einem Crash nicht mehr in den Innenraum ein.

- Diagonales Zweikreisbremssystem
Fällt ein System aus, bremst das Auto nicht einseitig, sondern diagonal.

- Turbolader
Als ehemaliger Flugzeughersteller übertrug Saab das Turboprinzip vom Flugzeugmotor ins Auto. Nicht als einziger, aber mit dem Fokos darauf, dass Turboloch im unteren Drehzahlbereich möglichst zu beheben. Die Rally-Erfolge in den 70ern und 80ern verdankte Saab seinem Turbo.

- Direktzündung
Jeder Zylinder hat eine eigene Zündspule. Dadurch Entfall der verschleißträchtigen Zündverteiler und -kabel.

- Aerodynamik
Viele Erkenntnisse aus dem Flugzeugbau übernahm Saab ins Design seiner Automodelle.

- Außenspiegel ohne toten Winkel
Ist das eine Erfindung von Saab?

- Selbstheilende Stoßstangen
Die Stoßstange war bis zu einem Stoß von 8km/ elastisch verformbar.

- Zündschloss in der Mittelkonsole.
Es war schon immer ein Rätsel: Warum steckt man viel Aufwand in Zündschloss und individuelle Zündschlüssel, wenn die Kabel zu diesem Schloss von unten so leicht zugänglich sind? Saab erkannte das früh und verbaute das Schloss einfach in der Mittelkonsole. Kurzschließen so gut wie unmöglich. Außerdem kann das Zündschloss bei einem Aufprall nicht mehr das rechte Knie des Fahrers verletzen.

- Wischwaschanlage für Scheinwerfer

- Zeitlose Designs
Selbst ein Saab der 70er Jahre sieht noch fast zeitgemäß aus. Heute sieht ein Saab allerdings wie so viele Modelle nach globalem Einheitsauto aus. Ein SUV fehlt völlig im Programm. Sicher ein Grund, warum der Absatz zurückging.

Saab kooperierte in seiner Geschichte oft mit anderen Herstellern, wie z.B. Fiat, Lancia und Alfa Romeo. Es gehörte bis zur Krise zum GM Konzern und wird seitdem von einem Investor zum nächsten gereicht. Bei GM krankte Saab u.a. darunter, dass es die Entwicklung einiger Modelle oder Technologien zugewiesen bekam, die der GM Konzern dann doch nicht einsetzte oder nicht refinanzierte. Dass Saabs Standort "Trollhättan" heißt, klingt wie Selbstironie.

Es wäre wirklich Schade, wenn die Geschichte von Saab nun zu Ende wäre.

Quellen: n-tv, Saab-InfoWikipedia

Mittwoch, 22. Juni 2011

Jürgen Thumann reitet wieder - die EURO Rettungsanzeigenkampagne



Jürgen Thumann hat wieder zugeschlagen. Der Unternehmersohn und Ex-BDI-Vorsitzende ist als Vorsitzender des Beraterkreises mitverantwortlich für das Missmanagement bei der IKB. Doch er schaffte es zusammen mit AR Chef Ulrich Hartmann, alle Schuld bei der Vorsitzenden der Großaktionärin KfW, Ingrid Matthäus, abzuladen. Im Herbst unterzeichnete er den sogenannten "Energiepolitischen Appell" zur Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken.

Thumann gibt sich stets verantwortlich für unsere Gesellschaft, im Sinne einer Corporate Social Responsibility, verfolgt dabei aber stets eigene Interessen. Und scheitert jedes mal. Nichts widerlegt seine in Talkshows vorgetragenen Thesen von der deutschen Elite und ihrem Wert, von der Managerethik die hohe Risiken und Leistungen durch hohe Renditen belohnt sehen will, wie sein eigenes Versagen.

Gestern gab er wieder einen zum besten. Er hat den Appell zur Rettung des EURO ("Der EURO ist notwendig") durch die europäischen Steuerzahler mit unterzeichnet. In dem Appell werden die üblichen Phrasen wiederholt, nach denen der EURO "uns" mehr Wohlstand gebracht hat. Wahr ist, dass der EURO vor allem Aktionären und Konzernmanagern genutzt hat. Die Gewinne durch wegfallende Währungskosten und "RIsiken" (!) gingen an die Kapitalseite. Die Manager legten nach der Zusammenlegung des EURO-Raumes auch viele Konzerne zusammen (Banken, Mineralölgesellschaften, Versicherungen etc.) und maßen sich fortan an den Gehaltsniveaus ihrer amerikanischen Klassenkameraden. Aber jetzt, da neue Risiken entstanden sind, fordern die Unterzeichnenden uns Steuerzahler auf, dieses lästige Risiko zu übernehmen.

In dem Appell findet sich kein Wort der Selbstreflektion und Verantwortungsübernahme für unsere Systemkrise. Die Krise wird anonymisiert wie ein Unwetter.

Dreist finde ich, dass die Herren (eine Frau befindet sich nicht unter den Unterzeichnenden) als "Unternehmer" ausgeben, obwohl die meisten von ihnen angestellte Konzernmanager sind. Einige von ihnen sind auch Teil des Problems, wie z.B. Regierungsberater Roland Berger, Deutsche Bank Vorstand Clemens Börsig und Michael Diekmann von der Allianz.

Die üblichen Verdächtigen halt. Mit dem üblichen flegelhaften Benehmen.

Dienstag, 21. Juni 2011

Das Team ist mehr als die Summe seiner Stars

Der Hype, den kommunale Wirtschaftsförderungsbeamte um die kreative Klasse veranstalten, ist die Karikatur eines moderniserungsbedürftigen Sozialliberalismus.

Er entspringt der Beobachtung der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Managertopgehältern und dem, was für den Rest übrig bleibt. Die Managerrhetorik, ihre Vergütung sei zum einen ihrem Multipel an Performance und zum anderen ihrer Knappheit geschuldet, entspringe also mithin einer perfekten Positionierung auf einem gedachten globalen Arbeitsmarkt, verführt normalsterbliche Talente dazu, etwas ähnliches müsse für sie auch gelten und ihnen zugänglich sein. Sie müssten nur entdeckt werden.

Prominente aus dem Siicon Valley befeuern diese Diskussion:
"Someone who is exceptional in their role is not just a little better than someone who is pretty good," he (Zuckerberg) argued when asked why he was willing to pay $47 million to acquire FriendFeed, a price that translated to about $4 million per employee. "They are 100 times better."
Zitat aus "Great people are overrated", BusinessInsider

Das kennen wir aus Managementbüchern und aus Erfahrung: Manche Leute erledigen die gleiche Arbeit nicht in Prozenten schneller oder besser, sondern in Faktoren.
"Five great programmers can completely outperform 1,000 mediocre programmers."

Aber hier geht es ja nicht um Fleiß sondern um den kreativen Funken, der den einen oder anderen auszeichnen soll. Die verführerische Denkfigur ist dabei das Merkmal der Kreativindustrie, dass sie nur einmal Denkarbeit verrichten muss und ihren Artefakt tausendfach und fast ohne Kosten kopieren kann und als Lizenzen verwerten kann. Man denke an -in the order of appearance- Profisportler, Musiker, Journalisten, Schriftsteller, Filmemacher, Fotografen, Softwareentwickler.

Die Vorstellung von sich selbst, der sich auf das Wesentliche konzentriert, fürs Denken bezahlt wird und die Umsetzung in ein kreatives Handwerk und im Hinterzimmer die Kopiermaschine am laufen hat, hat was. Das war das Ideal der Ich AG. Wenn wir selbst den Jackpot kreieren auf den entweder die Massen oder die Avantgarde abfährt, dann hey, dann haben auch wir das 100fache von dem verdient, was unser Ex-Kollege als Angestellter verdient. Die Rechtfertigung für uns haben wir fertig, noch bevor der Erfolg kommt. Und damit räumen wir auch dem Manager das Recht auf hundertfaches Einkommen ein. Wir unterfüttern dessen Exzess mit dem schönen Ideal des kreativen und freien Agenten. Es könnte ja auch uns treffen.
Have we become so culturally invested in the allure of the Free Agent, the lone wolf, the techno-rebel with a cause, that we are prepared to shower millions of dollars (maybe tens of millions) on a small number of superstars rather than a well-assembled team that may not dazzle with individual brilliance, but overwhelms with collective capability?

Aber hey: Wieviele von uns sind schon soweit? Haben ihre App in den Top10, haben ihre Fotos bei whitewall.com schon schon durch die Jury gebracht?

Wirtschaftsförderer träumen davon, unter den Studenten an ihren Hochschulen einen zweiten Steve Jobs zu haben. (Und zu Hause träumen sie bei der Benutzung von iLife auf ihrem Mac vom eigenen Durchbruch..) Der soll was künstlerisch-medial-technisches studieren, eine Firma gründen, die Leute von der Straße holen und ordentlich Steuern zahlen.

Aber ist der freie Agent nicht genau so unreif gedacht wie der "Autonome" oder pure "Liberale", der sogar die Existenz einer Gesellschaft leugnet?

Einzelne Topleute sind oft einsam. Weil niemand mit ihnen mitkommt. Man erlebt nur Unzufriedenheit miteinander. Man denke nur an den FC Bayern, der glaubt, nur mit fertigen Stars Meister zu werden.

Aber schon vor fünfzehn Jahren erkannte Ottmar Hitzfeld:
"Ich brauche nicht die besten elf sondern die beste Elf."

Also das beste Team, in dem jeder sein Instrument spielt. Darin sehr gut ist, aber eben auch gut mit den anderen zusammen spielt. Und das nicht nur für Geld, sondern für Spaß, Anerkennung und Zufriedenheit.

Hitzfeld wählte aus fertigen Spielern aus. Klopp entwickelt diese Spieler erst noch. Talent zum Team, das sollte das neue Motto sein. Der Traum vom freien Agenten ist so out wie die FDP. Aber die Chance, zu einem guten Team einen guten Beitrag leisten zu können, das halte ich nicht für out, ich halte es für geboten und im Kern sozialliberal.

Lasst uns nicht im stillen Kämmerlein über Geschäftsideen brüten. Lasst uns guten Teams anschließen und dort eine gute Rolle spielen. Das bringt auf Dauer mehr..

Die FDP misst Urheberrechtsverletzungen mit zweierlei Maß

Martin Lindner, Berliner MdB für die FDP und Dauergast bei Anne Will und Frank Plasberg, auf seiner Website:
Für manche Internetpiraten ist geistiges Eigentum ein Kampfbegriff, bestenfalls Schnee von gestern. Für die FDP aber sind Eigentum und Besitz die Früchte von persönlichem Fleiß und Risikobereitschaft. Daher verteidigt die FDP von jeher das Eigentum. Dazu zählt auch das geistige Eigentum.

Aktuell arbeitet die schwarz-gelbe Bundesregierung am 3. Korb zur Novellierung des Urheberrechts. Das Internet ist ein Medium, das geistige Schaffenskräfte freisetzt. Die FDP will die Informations- und Kommunikationsfreiheit vollumfänglich schützen und erhalten. Andererseits stellt das Internet das Urheberrecht vor große Herausforderungen. Wo die Wertschätzung für den Autor oder seiner Urheberschaft keine Rolle mehr spielt und wo die Zuordnung des Werkes zu seinem Schöpfer verschwimmt, da schwindet die Basis für Kreativität und Vielfalt.

Quelle: http://www.martin-lindner.de/wcsite.php?wc_c=23544&wc_lkm=2761&id=15353

Lindner zitiert hier seinen Abgeordnetenkollegen. Vor einigen Jahren sahen Lindner und z.B. der FDP MdB Hans-Joachim Otto im Thema digitale Medien vor allem Handlaungsbedarf gegen jugendliche Raubkopierer von Musik. Jetzt fallen Raubkopierer von Doktorarbeiten vor allem in ihren eigenen Reihen auf.

Somit darf man die FDP beim Thema Urheberrecht nicht besonders ernst nehmen. Gestern erklärte Wolfgang Kubicki im Dradio, Frau Koch-Mehrin dürfe selbst entscheiden, ob sie ihr EU-Abgeordnetenmandat behält, sie habe ja "keine Straftat begangen." Diese "Hatz" gehe ihm langsam auf den Senkel.

Zweierlei Maß, wie wir es von der Splitterpartei gewohnt sind.

Montag, 20. Juni 2011

ePetition an den Bundestag gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM


Text der Petition:

Der Bundestag möge beschließen, sich umfassend gegen den geplanten künftigen Europäischen Stabilitätsmechanismus – ESM – auszusprechen.

Begründung

Nach dem vorliegenden Vertragsentwurf zum ESM wird Deutschland laut Aufteilungsschlüssel für 27,15 % der Gesamtsumme von 700 Mrd. Euro bürgen; dies entspricht 190,05 Mrd. Euro.

Der Bundeshalt 2011 beträgt 305,8 Mrd Euro. Damit würde Deutschland aktuell mit 62,3 % seines Bundeshaltes bürgen. Bürgen bedeutet, die Zahlungen zu übernehmen, wenn der Schuldner ausfällt. Ein Zahlungsausfall verschiedener Länder, die den ESM in Anspruch nehmen könnten ist nach Faktenlage sehr wahrscheinlich. Dies ist aktuell an Griechenland (mit einem Schuldenstand zum 31.03.2011 von 354 Mrd. Euro) zu erkennen, welchem die Rettungsgelder in Höhe von 110 Mrd. Euro offenkundig nicht helfen und für das aktuell bereits Umschuldungen, bzw. weitere Hilfsgelder diskutiert werden.

Der Vertragsentwurf zum ESM sieht vor, dass der ESM finanzielle Mittel mobilisieren (= Kredite beschaffen) soll (Artikel 3 und 17)); ein Grundkapital bedingungslos einzuzahlen ist (Artikel 8; auf Deutschland entfallen 22 Mrd. Euro, die kreditfinanziert werden sollen); Änderungen am Grundkapital selbstständig beschließen (Artikel 10) kann; bei Ausfall eines ESM Mitgliedes diese Summe durch die restlichen Mitglieder zu tragen ist (In allerletzter Konsequenz bedeutet dies, das der letzte übrigbleibende Bürge für 700 Mrd. Euro haftet); der ESM sowie seine Führungspersönlichkeiten gerichtliche Immunität besitzen (Artikel 27 und 30).

Der Vertragsentwurf sieht keinerlei parlamentarische Kontrolle zu Auszahlungen und potenziellen Aufstockungen vor. Dies würde in haushaltsrechtlicher Hinsicht de facto eine Entmachtung der nationalen Parlamente bedeuten. Und selbst wenn es eine parlamentarische Kontrolle gäbe: könnten sich die Parlamentarier dem ungeheuren Druck widersetzten und Zahlungen verweigern? Mai 2010 hat gezeigt, dass sie es nicht können.

Im Artikel 16 heißt es weiter, das der ESM die Liste der in Artikel 14 und 15 vorgesehenen Finanzhilfe-Instrumente überprüfen und daran vorzunehmende Änderungen beschließen kann. Wenn die Finanzprodukte, die der ESM zu Erledigung seiner Arbeit einsetzen muss, vom ESM allein verändert werden können, wer kontrolliert dann das Risiko? Das lässt auch die politische Beteuerung sehr unglaubwürdig erscheinen, Deutschlands Anteil am genehmigten Grundkapital – 190 Mrd. von 700 Mrd. – stehe unverrückbar fest. Der ESM stellt sich nach dem Vertragsentwurf als eine sehr unabhängige Institution dar und es sieht so aus, als werde hier viel mehr als eine reine Verrechnungsstelle installiert. Es wird eine neue Behörde geschaffen, deren Verantwortliche strafrechtliche Immunität genießen sollen - weshalb eigentlich? -, die nur gewählten Parlamentariern zusteht.

Die geplante Streichung der no-bail-out-Klausel in den EU-Verträgen (Art. 125) durch zusätzlich einzuführende Klauseln in Art. 136 muss in diesem Zusammenhang verhindert werden. Nur die no-bail-out-Klausel in ihrer ursprünglichen Fassung schützt Deutschland davor, für Schulden anderer Länder zu haften.

WENN SIE DIESE PETITION UNTERSTÜTZEN WOLLEN, ZEICHNEN SIE SIE BITTE hier:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123