Donnerstag, 8. Oktober 2009

Coca Cola

Ich hatte in einem früheren Beitrag schon mal erwähnt, dass viele Erfindungen zunächst nur in öffentlichen Gruppen oder über einen Dienstleister nutzbar waren. Erst durch weitere Erfindungen wurden solche Produkte so preiswert, dass sie für Normalkonsumenten erschwinglich wurden.

Beispiele: Autos gab es zuerst als Busse und LWKs. Vor dem Fernsehen gab es das Kino. Vor der Kodakkamera gab es den Photographen.

Ein weiteres Beispiel ist die Getränkeindustrie.

Coca Cola wurde zuerst in Sodabars ausgeschenkt. Erst als der Kronkorken erfunden wurde, wurde es möglich, Coca Cola zu marktfähigen Preisen in Flaschen zu vertreiben.

Eine Coca Cola Flasche ist übrigens ein sehr schönes Beispiel für den erfolgreichen, strategischen Einsatz von gewerblichen Schutzrechten.

1. Das Markenzeichen von Coca Cola ist seit der Gründung unverändert. Zum Vergleich: Pepsi Cola verändert sein Zeichen ca. alle zehn bis zwanzig Jahre. Und die Marke ist bis heute geschützt. Anders als den Patentschutz kann man den Markenschutz unendlich weiter verlängern.

2. Die markante Flaschenform ist als Patentdesign (in Deutschland als Geschmacksmuster) geschützt.

3. Die Rezeptur hingegen ist nicht etwa zum Patent angemeldet worden. Denn dann wäre sie veröffentlicht worden und nach zwanzig Jahren frei geworden. In weiser Voraussicht wählten die Coca Cola Chefs das Mittel der Geheimhaltung um ihr Alleinstellungsmerkmal vor Nachahmung zu schützen. Die Legende besagt, dass der Erfinder der Rezeptur diese niemals aufgeschrieben habe und neben sich nur einen einzigen Mitwisser zuließ. Heute wird das Rezept in einem Safe der Konzernzentrale in Atlanta aufbewahrt.

Übrigens wurde -wie viele andere bekannte Konsumprodukte starker Marken- von einem Apotheker erfunden. Es war zunächst eine Arznei gegen Unwohlsein, Depression und Kopfschmerz. Sie enthielt zu Anfang Alkohol, Extrakte der Kokapflanze, der Kolanuss und Koffein. Es war das amerikanische Alkoholverbot (Prohibition), die den Alkohol aus der Brause verschwinden ließ. Coca Cola war damit das einzige alkoholfreie populäre Erfrischungsgetränk. Das verhalf ihr zum Durchbruch.

Die markante rote Farbe der Marke ist übrigens von der Farbe der Fässer inspiriert, in denen Coca Cola anfangs transportiert wurde.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Der Nobelpreis für Physik

(Mein früherer Kollege für kurze Zeit) Godehard Walf vom Charlottenburger Heinrich-Hertz-Institut erklärt in einem ZEIT-Interview leicht verständlich, wofür heute der Nobelpreis für Physik vergeben wurde: Die Grundlagen der optischen Übertragungstechnik:
- Die Totalreflexion in der Glasfaserleitung, die den Laserstrahl entlang der Leitung führt.
- Den optischen Sensorchip, der die Aufnahme von Digitalfotos möglich machte.
Hier der Link.

Noch ein Tip: Auf der offiziellen Website des Nobelpreiskomittees kann man das Telefongespräch mithören, in dem dem Preisträger Smith die Nachricht übermittelt wurde: Link

Samstag, 3. Oktober 2009

We might be Giants

Die Berliner haben neue Lieblinge in ihre Herzen geschlossen:



Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd

Es ist nicht einmal eine Woche her, dass sich die Hauptstadtmedien über die sinkende Wahlbeteiligung in Deutschland beklagten. Und dass sie die Wahlkampfverweigerung der CDU dafür verantwortlich machte.

Dieser nur noch aus Bildern bestehende Wahlkampf der CDU war ein neuer Tiefpunkt einer seit Jahrzehnten grassierenden Kommunikationsverweigerung von Politik, die auf Verdummung und Entmündigung setzt. Und Entpolitisierung.

Wenn dann jemand wie Thilo Sarazzin daher kommt, und mal ganz offen und analytisch über seine Beobachtungen in Berlin spricht, ist das für die gleichen Medien Anlass genug, über den Mann herzufallen. Zum Beispiel Wolfgang Reuter vom SPIEGEL. Reuter ist ein Besatzungsmitglied jenes Berliner Raumschiffes, dass sich am liebsten selbst zum Thema macht. Das sich nur für sich selbst interessiert. Das die Boulevardisierung des Politischen mit vorantreibt.

Solchen Leuten sind echte politische Diskurse zu stressig. Stattdessen schreibt Reuter lieber:
Nach Anti-Ausländer-Äußerungen ist Thilo Sarrazin in Nöten - die Bundesbank auch.
Die umstrittenen und beleidigenden Tiraden von Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin gegenüber Armen und Ausländern haben innerhalb der Notenbank eine Vorgeschichte.

Und schiebt dann eine typische Raumschiffgeschichte nach: Dass es bei der ganzen Geschichte in Wahrheit nur um einen persönlichen Streit zwischen Sarazzin und Bundesbankchef Weber ginge.

Auf die eigentlichen Thesen geht Reuter nicht ein. Geht niemand beim SPIEGEL ein.

Wer sich für den Kontext, aus dem solche Klartexte wie der von Sarazzin gerne gerissen werden, interessiert, muss lange googlen. Und wird dann fündig bei den liberalen "Extremisten" von "Eigentümlich Frei". Ich bin kein Anhänger der Denkrichtung von ef. Aber die lassen sich wenigstens den Mund nicht verbieten. Lange Zitate aus dem Interview findet man also hier.

Wer das liest, findet nichts Skandalöses mehr.

Das muss ich übrigens bei nächster Gelegenheit der Genossin Dr. Eva Hoegl sagen. Der habe ich in Berlin Mitte meine Erststimme gegeben. Und die hat nun ein Parteiausschlussverfahren gegen Sarazzin gefordert. Ein Grund dafür ist vielleicht, dass sich Eva Hoegl im Wahlkampf sehr für die Integration von Einwanderern eingesetzt hat und sie sich nun diesen loyal gegenüber verhalten will. Das finde ich verständlich und eigentlich lobenswert. Aber gegen Integrationswillige hat Sarazzin auch nichts gesagt.

Er sagt, was jeder Berliner, der sich dafür interessiert, nach einiger Zeit feststellt: Der Stadt fehlt es an Intelligenz. Der Massenmord der Nazis an den Berliner Juden hat eine Intellektuellenlücke in Berlin geschaffen, die bis heute nicht geschlossen ist. Übrigens vor allem nicht in den Parteien. Der Berliner CDU fehlt es hierzu an Substanz. Der Berliner FDP Spitze an Interesse für die durchaus vorhandene Substanz in der Partei. Der Berliner SPD, jedenfalls den politisch korrekten Senatoren, fehlt es an Standing gegenüber den Herausforderungen (siehe unten).

Natürlich wäre es von Sarazzin noch mutiger gewesen, sich genau so offen mal über seine eigene Schicht zu äußern: Über die Zersetzungskraft einer Oberschicht, die von der o.g. Intelligenzlücke zwar genauso gezeichnet ist wie die Unterschichten. Denen das aber nicht zum Nachteil gereicht, weil sie an den Schaltern und Hebeln unserer Gesellschaft und Wirtschaft sitzt. Und die unser Wirtschaftssystem vor die Wand fahren. Die uns mehr kosten, als alle Sozialmissbräuche der Nachkriegsgeschichte zusammen genommen.

Freitag, 2. Oktober 2009

Wen meint Sarrazin?

Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.
Als ich dieses Zitat in der Zeitung las, dachte ich zuerst, er sei zu seiner eigenen Zunft interviewt worden.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Magna

Die Übernahme von OPEL durch den Zulieferer Magna bietet den anderen Autoherstellern eine einmalige Gelegenheit, sich auf elegante Weise dieses Wettbewerbers zu entledigen: Man kauft nicht mehr bei Magna, und schwächt damit den Investor von OPEL.

Vorher wäre es unfein gewesen, und es sagte aus Pietätsgründen auch niemand: Das Verschwinden von OPEL wäre ein Beitrag zum Abbau der Überkapaziäten und des Fachkräftemangels in der Branche.

Natürlich ist es auch möglich, dass sich OPEL wieder erholt. weil seine Produkte wieder besser laufen. Jedenfalls halte ich das Range-Extender-Konzept von OPEL für die schlaueste Lösung im Elektroautomarkt.

Aber reicht es, um OPEL wieder gesunden zu lassen? Ich glaube nicht.

In der Wolfsburg

Als ich den langgezogenen, in den vierziger Jahren errichteten Industriebau zum ersten mal betrete, ist es wie ein Zeitsprung. Plötzlich finde ich mich in einer beunruhigenden Zeit wieder. Die Innenarchitektur ist tatsächlich so, wie man sie sich von außen vorstellt. Und sie verfehlt ihre Wirkung nicht.

Einiges ist vom Bauhaus geprägt. Diese Mischung aus Funktion und "Auto"rität wirkt auf mich aber wie von den Nazis diktiert. Neben den Eingängen sind Ornamente und arbeitssoziologische Weisheiten in die "Front" eingelassen. Die Türen sind immer noch Erstausrüstung, scheint es. Die Wände und der Boden sind hell blaugrau. Die blassgelben Fliesen im Foyer erinnern mich an das frühere Bad meiner Großeltern. Die Fenster, die man um ihre vertikale Mittelachse drehen kann, an einen Besuch im Bauhausmuseum.

Ich gehe zum Fahrstuhl, ich will nach oben. Während ich warte, höre ich Schritte näher kommen. Harte Schritte auf hartem Boden. Kommen jetzt gleich die Offiziere mit dem Chefplaner um die Ecke...? Hierarchie ist übrigens eine der Traditionen, die man hier heute noch pflegt. Sowohl in der Linienorganisation als auch in der gesellschaftlich-arbeitsteiligen Hierarchie: In diesem Gebäude arbeiten -nein: leisten- die etwas gediegenen Konzernjuristen, Absatzplaner aus dem Marketing und die "Konzernsteuerer". Die wertschöpfenden Aufsteigeringenieure aus Forschung und Entwicklung hingegen sind in der weitaus unwirtlicheren "FE" am anderen Ende des Geländes untergebracht - in Großraumbüros mit gewöhnungsbedürftigen, grau-blauen Raumteilern. Hier herrscht immer Platzmangel. In der FE summt und brummt es. In der Hauptverwaltung hingegen: konzentrierte Ruhe. Nur das benachbarte Presswerk erschüttert im Fünfsekundentakt die langen Linien der Strategen.

Mit dem Fahrstuhl oben angekommen entdeckt man die gefälligen, funktionalen Proportionen zwischen Treppenhaus, Fluren, Fenstern, Türen. Wenn ich mich darauf einlasse, wirkt diese Architektur nicht mehr autoritär, sondern durchdacht funktional. Nur weil ich weiß, dass das Bauwerk aus der Nazizeit stammt, werte ich die Architektur negativ. Das gilt sogar für Bauwerke, von denen ich früher fälschlicherweise glaubte, sie entstammten Nazihirnen, wie z.B. der Flughafen Tempelhof. Der wirkt auf mich ausgesprochen "nazihaft", ist es aber nicht. ("Die Autobahnen" hatte übrigens auch nicht Hitler planen lassen. Er hat sie nur bauen lassen, weil sie auch seinen Zwecken dienten. Geplant wurden sie von anderen vor ihm.) Hätten die Nazis diese Architektur nicht vereinnahmt und besudelt - und auch nicht unsere Sprache - dann hätten wir ein gesünderes und hilfreicheres Verhältnis zum Erbe unserer Künstler, Architekten und Ingenieure.

Das gilt meiner Meinung nach selbst für den ursprünglichen Namen des späteren VW-Käfer: "Kraft durch Freude" - das ginge auch heute als populäres Motivationskonzept durch, wenn es nicht von den Hirnen psychopathischer Verbrecher in die Welt gesetzt worden wäre. Was fehlt denn den Konzernangestellten heute mehr als "Kraft durch Freude"? Und wer übrigens hindert sie meistens daran..? "Kraft durch Freude" war eine der ersten großen deutschen Marketinglügen, in denen sich die Täter als Erlöser aufspielten.

Was ich mich beim Gang zum verabredeten Besprechungszimmer auch frage, ist: Wie sind die Herren Porsche und Co. damals ohne Powerpoint, Intranet und Beamer zurecht gekommen? Haben die ihre Pläne einfach auf Papier geschrieben, sich darüber gebeugt, diskutiert und in die Tat umgesetzt? Wie ging das damals zu in den Direktoren- und Oberingenieursrunden ("Management" hieß das ja erst später)? Wie haben damals weniger Leute mit weniger Mitteln solche Legenden wie den Käfer und Golf I geschaffen?

Liest man Kracauers "Die Angestellten" (von 1930) kommt man allerdings zu dem Schluss, dass sich in den letzten hundert Jahren im inneren Gefüge deutscher Großunternehmen eigentlich nichts verändert hat. Deshalb ist es angebracht, auch an der Architektur nichts zu ändern.

Freitag, 18. September 2009

Donnerstag, 17. September 2009

Archäologen ohne Finderlohn

Zufälliges Pausengespräch mit einem Archäologiestudenten heute Mittag in der Technischen Fachhochschule Berlin:

Er: "Ihr Erfinder habt es gut. Ihr bekommt was für Eure Erfindungen. Wir Archäologen sind nur Entdecker. Und bekommen keine Belohnung, wenn wir was finden."

Ich: "Wem gehören denn die Funde, wenn Sie beim Graben etwas finden?"

Er: "Dem Staat, bzw. den Bundesländern. Das Denkmalamt interessiert sich schnell für einen, wenn man auf der Baustelle etwas entdeckt hat."

Ich: "Und gibt es eine Art Urheberrecht an Fotos von Fundstücken?"

Er: "Nicht wirklich. Wenn die Funde freigelegt sind, dann verwertet sie der Staat. Auch die Fotos. An uns, bzw. wer auch immer einen Fund auf seinem Grundstück macht, bleiben nur die Kosten für die Freilegung hängen. In einigen Städten ist das ein hohes Risiko für Immobilienprojekte. In Köln z.B. findet man schnell alte Römer, sobald man anfängt zu graben."

Ich: "Erhalten Sie keinerlei Belohnung für Ihren Fund?"

Er: "Doch. Fundstücke aus Metall z.B. werden nach ihrem Materialwert entlohnt. Für eine alte Bronzevase aus der Römerzeit erhält man dann schon mal ein paar Euro Fünfzig."

Das wusste ich noch gar nicht. Ich finde das Verfahren ein bisschen ungerecht. Erfinder und Entdecker kennen ja zwei Arten von Entlohnung: Das Geld und den Ruhm. Es leuchtet mir ein, dass eine alte Stadtmauer nicht ihrem Finder gehören können. Aber man sollte ihm wenigstens einen Eintrag in der Hall of Fame gönnen, bevor man sie ihm aus der Hand nimmt. Vor allem, wenn ihm vorher noch die Arbeit obliegt, es auszugraben. Die Rechtsfigur, die das so regelt besteht aus den sog Regalien. Ein bisschen angestaubt sind sie schon:

Stichworte: Schatzregal, Bergregal

Der Witz ist, dass die Denkmalämter nicht mehr selber dort graben, wo sie Funde vermuten. Sondern darauf warten, dass ein Privater zufällig dort bauen will. Dann blockieren sie ihn, verpflichten ihn zur Finanzierung der Ausgrabung. Dann fotografieren sie den Fund und holen leicht bewegliche Stück heraus. Anschließend dürfen die Bagger ihres Amtes walten...

Fristen im Patentanmeldeverfahren

Anmeldung beim Deutschen Patent-und Markenamt
18 Monate nach dem Anmeldetag: Offenlegung ("Veröffentlichung") der Patentanmeldung in der Datenbank DEPATISNET.

Bis zu 12 Monate nach dem Anmeldetat (der "Priorität") kann die Anmeldung "internationalisiert" werden, z.B. durch eine PCT- oder EP-Anmeldung.

Spätestens 7 Jahre nach Anmeldung muss der Prüfantrag gestellt werden. (Die Prüfung erfolgt nicht mehr automatisch, da sich viele Patentaneldungen im Verlauf der weiteren Entwicklung als nicht mehr interessant herausstellen, oder stark modifiziert werden. Um das Patentamt von später fallengelassenen Patenten zu entlasten, muss man den Prüfantrag separat stellen. ).

Bis zu 3 Monate nach Veröffentlichung eines Patenterteilungsbeschlusses durch das Patentamt können Dritte beim Patentamt Einspruch gegen die Patenterteilung einlegen. Wird der Einspruch abgelehnt, kann beim Bundespatentgericht Beschwerde eingelegt werden.

Unterschiede zur Anmeldung beim Europäischen Patentamt
Das EPA erstellt nach der Anmeldung und vor der Offenlegung nach 18 Monaten automatisch eine Neuheitsrecherche.

Der Anmelder muss spätestens 6 Monate nach Veröffentlichung dieses Rechercheberichtes einen Prüfantrag stellen; d.h. spätestens 24 Monate nach dem Anmeldetag.

Die Einspruchsfrist für Dritte nach Veröffentlichung einer Patenterteilung beträgt 9 Monate.

Mittwoch, 16. September 2009

Wenn Du zur Arbeit fährst am frühen Morgen...

Seit acht Jahren geben Berliner Verkehrs- und Umweltsenatoren und Bahnmanager alles, wirklich alles, um uns den letzten Nerv zu rauben.

- Im Vorfeld der Einweihung des neuen Hauptbahnhofs trennten Bahnchef Mehdorn und die DBRegio den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf 2003 zuerst vom Regionalverkehr und später auch noch vom Fernverkehr der Bahn. Betroffen waren immerhin 300.000 Einwohner des Bezirkes. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) und die (Grüne!) Verkehrsstadträtin Martina Schmiedhofer unternahmen nichts dagegen. Ich pendelte beruflich damals nach Potsdam und war direkt betroffen von diesem Murks. Zusammen mit einer Bürgerinitiative organisierte ich eine Flugblattaktion mit Faxantwort an Herrn Strieder. Wir hatten viel Resonanz. Strieder brachte die DBRegio immerhin zu einigen Halten am Bhf. Charlottenburg. Aber im großen und ganzen blieb es Murks. (Link zum FDP-Forum Liberalis).

- Der neue Hauptbahnhof ist eine Sehenswürdigkeit. Aber für Bahnbenutzer ist er eine Farce. Es ist nichts aufeinander abgestimmt. Wer vom unteren Bahnhof in den oberen umsteigen will, verpasst seinen Anschluss regelmäßig. Denn die Fahrstühle brauchen eine Ewigkeit, und die Rolltreppen bilden einen Riesenumweg und sind regelmäßig verstopft. Eine Frechheit ist die knausrige Informationspolitik. In dem Bahntempel Jerusalemer Ausmaße bietet uns Hartmut Mehdorn Schriftgröße 12 auf spärlich gesäten Fahrplänen. Das führt dazu, dass man entweder seinen Zug bekommt, oder weiß, wann er abfährt ("Du hasts gefunden / nur für Sekunden").


Bridges to Babylon: Mehdorns Bahntempel

- Das seit Januar diesen Jahres bestehende S-Bahn Chaos überbietet alle bisherigen Desaster und Missmanagementsdemonstrationen noch einmal um Größenordnungen. Die Bahnvorstände Mehdorn und Homburg beschlossen für die Konzerntochter S-Bahn Kostensenkungspläne, die diese nur mit dem gezielten Abbau von Wartung und damit Sicherheit erfüllen konnte. Die Substanz von Wagen und Schiene ist inzwischen so verschlissen, dass der S-Bahnverkehr um sage und schreibe 75% reduziert wurde. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Bahn kann sich dies leisten, weil der Berliner Senat immer zum Großarbeitgeber Deutsche Bahn gestanden hat. Im Glaspalast am Potsdamer Platz arbeiten immerhin Hunderte Bahnmanager und Steuerzahler. Wowereit und die Nachfolgerin von Peter Strieder, Ingeborg Junge-Reyer, waren für Mehdorn leichte Beute. Der Senat hält der Bahn lästige Konkurrenzu vom Leib, und das für viele Jahre. Dabei müsste man mit den Herren im Glasturm, die sich "nicht um jede Schraube in irgendeiner Werkstatt kümmern können", sondern weltweit Konzerne aufkaufen, ganz anders umspringen. Auf Personen wie Mehdorn, Homburg oder auch den völlig inkompetenten von der Schulenburg, gehören grobe Keile, weil sie grobe Klötze sind. Homburg genierte sich gestern nicht, in einem RBB-Abendschau Interview zu sagen, dass er noch gar nichts sagen könne: Wann die S-Bahn wieder fahre. Oder wie hoch der Schadenersatz für die Kunden ausfalle.

- Wer deshalb, so wie wir, vor einigen Jahren wieder aufs Auto umstieg, geriet unmittelbar in die Fänge der Umweltsenatorin Katrin Lompscher, PDS. Die denkt sich jede Woche etwas Neues aus, um Berlins genervte Autofahrer lahm zu legen: Die Umweltzone, 30-Zonen auf Hauptverkehrsachsen, rote Ampelwellen. Bereits angekündigt hat sie einen Lärmschutzplat für Berlin, der künftig vermutlich nur noch Fahrräder durch die Innenbezirke erlaubt.

- Wer das Pech hat, mit dem Auto täglich über die Stadtautobahn A100 zu müssen, dem zeigt die Stadt dann asphaltglatt auch hier eine lange Nase. Nachdem monatelang der Tunnel in Tegel restauriert und umgebaut wurde, ist jetzt die Spandauer Brücke dran. Jeden Tag Stau.

- Von den unsinnigen Absperrungen des 17. Juni und Brandenburger Tor für drittrangige Veranstaltungen wie Rollschuhlaufen, Frauen-Joggen-für-den-Frieden, Krankenkasseninfostände und sonstigen Bratwurstbuden etc. mal ganz zu schweigen. Sind wir hier nicht die Hauptstadt?

Ergebnis: Die wenigen Berliner, die sich morgens auf den Weg zu einer geregelten Arbeit machen, sind hochgradig genervt. Warum kapieren Verkehrspolitiker und -manager nicht, dass Verkehr nun wirklich ein Politikfeld ist, das alle betrifft? Selbst Leute, die sich überhaupt nicht (mehr) für Politik interessieren, haben eine Meinung zur Verkehrssituation, weil sie das jeden Tag erleben. Sie fragen sich: Wie kann man Infrastruktur so vernachlässigen?

Ich sage es offen: Die SPD hat sich hier nicht mit Ruhm bekleckert. Und die Linke und die Grünen in den Bezirken auch nicht. Leider gehört der verkehrspolitische Sprecher der FDP im Abgeordnetenhaus auch nicht zu den Aktivposten, weil er selbst nicht Bahn fährt. Die CDU Berlins ist seit Jahren mit sich selbst beschäftigt und hat seit Ewigkeiten keinen politischen Entwurf mehr hervorgebracht.

Die Berliner reagieren auf das S-Bahn-Desaster, in dem sie ihre Abos und Fahrkarten in den Müll schmeißen und zurück ins Auto steigen. Als Angestellter eines Automobilunternehmens freut mich das. Als Berliner verstehe ich das. Als Autofahrer befürchte ich, dass die Staus weiter wachsen.

Dienstag, 15. September 2009

Der MotorAnalyser

Im Frühjahr hatte ich auf der Oldtimermesse Techno Classica in Essen ne interessante Erfindung kennen gelernt: Den Motor Analyser.

Das zu lösende Problem: Welche Diagnosemöglichkeiten hat man beim Verbrennungsmotor, ohne direkt in ihn reinzugucken?

Die Idee: Der Hausarzt nimmt uns Blut ab, wenn wir einen Checkup machen. Die Blutuntersuchung hat einen sehr guten Kosten-Nutzen-Effekt. Nur wenigen Mililiter Blut ermöglichen viele Aussagen über unsere Gesundheit. Jetzt die Analogie: Was beim Menschen das Blut, ist beim Auto das Motoröl.

Die italienische Firma Motoranalyser International mit Sitz in Verona hat eine Art Lakmustest entwickelt: Zwei präparierte Testfelder auf einem Karton können für Vorher-Nachher-Untersuchungen des Motoröls genutzt werden. Einmal direkt nach dem Ölwechsel mit frischem Öl als Referenz, und später, am besten kurz vor dem turnusmäßig nächsten Ölwechsel.

Die beiliegenden Grafiken helfen bei der Interpretation des Tropfenbildes:
Man erhält Informationen über den Gehalt von Schmutz, Russ, Ölzustand, Wasser und Treibstoff im Öl.

Einige Befunde deuten auf Justierungsbedarf in der Einspritzanlage hin. Andere können erste Anzeichen für Probleme mit der Zylinderkopfdichtung sein (Wasser im Öl!).

Das Produkt hat viele Vorteile:
- Man kann es als Fahrer selber nutzen - ohne Werkzeug und Fachkenntnisse.
- Man versteht das Ergebnis.
- Es hilft, teuere Motorschäden rechtzeitig zu erkennen.
- Es ist günstig. Ein Zweiertest kostet knapp 10 EUR.

Man kann es nicht nur für die Wartung des eigenen Autos nutzen. Sondern auch als eine einfache Möglichkeit, einen Gebrauchtwagen zu checken. Es ist auch für Youngtimer interessant.

Link zum Hersteller: MotorAnalyser

80% aller Erfindungen...

.. sind Arbeitnehmererfindungen.

Unternehmen, in denen es für Erfindungsmeldungen nur einen Posteingangskorb in der Verwaltung gibt, aber ansonsten keine Strategie, kein Management (das über das Verwalten hinausgeht), keine Anreize, kein Verständnis oder schlicht keine Lust, verschenken also viel.

Der Weg zu Unternehmenspatenten führt über den Mitarbeiter als Erfinder.

Was vor allem kleine oder junge Unternehmen oft nicht wissen:
- Ein Mitarbeiter MUSS Erfindungen seinem Unternehmen melden. Er darf nicht auf eigene Faust Patente anmelden, die aus seinem Arbeitsgebiet bei seinem Arbeitgeber stammen.
- Das Unternehmen MUSS den Erfinder am Erfolg seiner Erfindung angemessen beteiligen. Was "angemessen" ist, darüber hat der Gesetzgeber Richtlinien erlassen. Sowohl für die Ermittlung des Wertes einer Erfindung als auch für den Anteil, der dem Erfinder zusteht.

Nachlesen kann man das alles im Arbeitnehmererfindungsgesetz (Link).

Samstag, 12. September 2009

Zitate des Tages

Nicht die Regierung rettet Opel, sondern Opel soll die Regierungsparteien retten.
Guido Westerwelle

Peter Sloterdijk würde sagen: Der Mann leidet nicht unter Realitätsverlust. Er genießt ihn
Volker Pispers über Christoph Matschie, der mit 18% zum Ministerpräsident gewählt werden will

Geordnete Insolvenz. Nicht chaotisches Rausschmeissen. Geordnet in Zweierreihen zum Arbeitsamt gehen, das ist direkt was ganz anderes.
Christian Ehring über Theodor Guttenbergs Gelassenheit

Erinnern Sie sich noch an die Plakate "Stoppt Strauß"? Können Sie sich das gegen die Merkel vorstellen? "Stoppt Merkel". - Wobei denn?
Volker Pispers

Der Deutsche mag Kinder. Aber er liebt Autos.
Volker Pispers darüber, warum die "Akademikerinnen-Wurfprämie nicht so erfolgreich war wie die Abwrackprämie

Autostrom

Am Leipziger Platz steht jetzt auch eine Vattenfall Ladestation für Elektroautos. Zeit, mal die Angeboter der EVUs und Automobilhersteller zu vergleichen:

e-Mini / Vattenfall:
100% regenerativ ("ok-power" Gütesiegel)
Stromtarif (Tarifblatt):
Einheitlicher Verbrauchspreis an der Ladestation: 23 Cent/kWh (kein Grundpreis)
Zweitarifzäher zu Hause: HT: 23 Cent/kWh NT: 17 Ct/kWh (kein Grundpreis)
Ladekonzept zu Hause: Kunde stellt auf Website die Uhrzeit ein, zu der das Auto vollgeladen sein soll. Vattenfall steuert den Ladestrom und nutzt Schwankungen der Nachfrage und Windstromerzeugung für das Management der Batterie (Laden und Entladen)
Kontakt: Tel.: 01801-267 267


smart fortwo electric drive / RWE:
100% regenerativ ("Naturstrom")
Stromtarif (Tarifblatt):
Monatlicher Grundpreis: 69€ (weil der Ladestrom nicht gemanagt wird, und RWE teurer zu stehen kommt)
Verbrauchspreis: 18,49 Cent/kWh
Kontakt: autostrom@rwe.de


VW Golf Twindrive (Dieselhybrid) / Eon
Ist noch kein Kundenprojekt sondern ein Flottenversuch von Eon und Volkswagen.
Infos: Eon; Volkswagen

Freitag, 11. September 2009

Heute ist ...

.. eine Runde Fremdschämen angesagt.

Von den möglichen Stoßrichtungen einer Beleidigung ist die Beleidigung des Intellekts die schlimmste, finde ich.

Dienstag, 8. September 2009

Zitate des Tages

"Wir müssen die moralische Dimension unseres Versagens anerkennen."
Stephen Green, CEO der HSBC Bank


„Wir hier im Bahntower können doch nicht wissen, wer wann irgendwelche Schrauben in Bremszylinder gedreht hat. Und wie das kontrolliert wurde“
Bahnmanager


"Es gibt kein staatliches Recht auf Faulheit."
Guido Westerwelle, FDP

"Das soll er mal seiner Silvana Koch-Mehrin sagen."
Antwort meines Kollegen

Affront von Bahnvorstand Ulrich Homburg

Ulrich Homburg ist bei der Bahn Vorstand für den Personenverkehr.

Er behindert seine Kunden wo er nur kann. Gerade erst hat er die Bundesregierung eingebremst, als diese die Fahrgastrechte bei den inzwischen zur Betriebsplanung gehörenden Verspätungen stärken wollte. Ergebnis: Eine Formulartapete, die unter dem Schalter versteckt gehalten wird. Und: Die Bahn erstattet Fahrgelder nur zurück, wenn sie die Ursache der Verspätung zu verantworten hat. Seitdem hören wir über die Bahnhofslautsprecher nur noch Phantasiebegründungen für Verspätungen. Schuld ist die Bahn fast nie mehr.

In Berlin hat sich Homburg gestern etwas ganz besonderes geleistet. Eindrucksvoll hat er seinen fehlenden Respekt gegenüber seinen S-Bahn Kunden und dem Land Berlin demonstriert. Nachmittags ließ er Verkehrssenatorin Junge-Reyer bei der Verhandlung um Entschädigungszahlungen an das Land auf Granit beißen. Entschädigungszahlungen für das S-Bahn Chaos im Sommer. Am Abend gab Homburg selbst eine Pressekonferenz. Botschaft: Ab morgen zieht er abermals ein Viertel aller S-Bahn Züge aus dem Verkehr. Zwischen Westkreuz und Alex werden heute wieder alle Räder still stehen. Diesmal hat die Bahnaufsicht Defekte an den Bremsen (!) festgestellt.

Er hielt es am Nachmittag nicht für nötig, dies der Verkehrssenatorin zu beichten. Anscheinend hat er vor der sowieso keinen Respekt mehr. Warum auch? Schließlich hat die bisher alles durchgehen lassen, was Homburg ihr zugemutet hat. Einen Grund für eine Kündigung und Neuausschreibung der Leistungen sahen bis jetzt weder sie noch Wowereit.

Doch jetzt ist das Maß voll. Das werden sich die Berliner sicher nicht noch einmal gefallen lassen.

Eine Demonstration vor der DB Hauptverwaltung ist fällig. Pro Bahn und IGEB, übernehmen Sie!

Sonntag, 6. September 2009

Der neue Porsche Panamera

Plötzlich stand er da. Einfach so, am Straßenrand in der Ebertstrasse, nahe Potsdamer Platz: Der neue Porsche Panamera, in grün. Ich muss sagen: Er gefällt mir in natura viel besser, als auf den Fotos. Oder als getarnte Version letztes Jahr in Hamburg.



Auf den ersten Blick wirkt er ja wie ein langgezogener 911. Aber damit täte man ihm unrecht. Er wirkt einfach gefällig, wohl proportioniert.

Wie sich das nun mit Anti-AKW und Klimaschutz verträgt? Ganz einfach. Von diesen Autos werden im Verhältnis nie so viele gebaut werden, dass sie in der Klimabilanz ins Gewicht fallen. Porsche baut weniger als einhunderttausend Autos im Jahr. Toyota zehn Millionen. Volkswagen sechs Millionen. Und: Einmal gebaut, leben sie lange, bevor sie verschrottet und ersetzt werden. Dreiviertel aller jemals gebauten Porsches sind immer noch in Betrieb.

Donnerstag, 3. September 2009

"Doing nothing, everything gets done."

Einer meiner Favoritenblogs -"Slow Leadership" - wird leider eingestellt.

Der Blog handelte von den Auswüchsen "modernen" Managements und was man dagegen unternehmen kann.

Im Schlusswort heisst es sehr treffend:

My last word is this: the very best leadership, I am convinced, is engaging in as few “managerial” activities as possible. If you must do something, encourage and train your staff, talk with customers, monitor quality and spend as much time as you can with “non-managerial” actions like inventing new products and services and improving old ones.

Management has become a self-replicating and self-justifying process we would be better off without. People do managerial things, not because they are useful or even necessary, but because that is what they think managers are expected to do. When corporations cut payrolls to save money, they start at the bottom. That’s wrong. Begin at the top, where there are now large numbers of expensive people doing nothing useful or important to the real business, just managerial “stuff” that no one would notice missing if it went away.

Business schools need a belief in the vital importance of management to justify their own existence, so it’s no wonder they teach nothing else — although even their own data shows nearly all “managerial” activities like mergers, marketing initiatives and fancy financial engineering destroy value on a massive scale. Management today is more of a religion, based on unquestioning belief in semi-sacred texts and dead prophets, than a useful and practical way of spending time.
I think the Tao Te Ching had it right: “Doing nothing, everything gets done.” My ideal for each of you, as a manager and a leader, is that you never waste your time and talent again on any conventional “management” tasks.

Abwrackprämie

Hätte man mit einer Abwrackprämie in Milliardenhöhe nicht auch Trabi und Wartburg retten können? Man hätte. Denn Kleinwagen kommen in Mode. Ich wette, ein puristisch ausgestatteter Wagen mit einer modernen, aber kleinen Motorisierung a la 3 Zylinder Diesel könnte sich im Markt behaupten.

Immerhin werden wir auf der IAA einen Elektro-Trabi zu sehen bekommen. Investoren werden noch gesucht... Wenn Retro geht, geht der Trabi erst recht. Weil er sich im Design völlig vom Einheitsbrei unterscheidet. Für mich als Wessi ist der Trabi auch kein Symbol der DDR sondern des Mauerfalls. Und der jährt sich in diesem Jahr zum 20. mal.

Dienstag, 1. September 2009

Steilkurve

Bin am Freitag zum ersten mal und heute wieder eine Steilkurve auf einer Versuchsstrecke gefahren. Das muss man erlebt haben: Man fährt einfach mit Vollgas rein. Die Krümmung der Steilkurve ist so ausgelegt, dass man die Hände vom Lenkrad nehmen kann und der Wagen findet abhängig von der Geschwindigkeit automatisch seine Bahn. Man spürt keine Fliehkraft sondern wird in den Sitz gedrückt. Aber jede Steilkurve hat ihre natürliche Geschwindigkeitsbegrenzung, ab der man aktiv "nach unten" lenken muss, um nicht rausgetragen zu werden.

Warum gibt es heute eigentlich keine Steilkurven mehr auf Rennstrecken? Wäre doch eine echte Attraktion...

Bahn vermietet Elektrofahrräder in Stuttgart

Danke an Sirko für den Hinweis, dass die Bahn zumindest in Stuttgart demnächst Elektrofahrräder ("Pedelecs") zur Miete anbietet.

Link

Freitag, 28. August 2009

Bei Start-Stop Automatik die Kupplung loslassen

25% des tatsächlichen Kraftstoffsverbrauchs eines Autos hängen vom Fahrer ab. Einflussfaktoren gibt es viele:

- Es fängt an mit der Auswahl der Strecke: Landstraße oder Autobahn? Linksabbieger und Ampeln mit Wartezeiten?
- Die Höchstgeschwindigkeit.
- Die Kontinuität der Fahrt (vorausschauende Fahrweise).

Im leerlaufenden Stillstand verschwendet ein Auto mit Verbrennungsmotor besonders viel: Die Leerlaufdrehzahl muss gehalten werden und man kommt keinen Meter vorwärts. Selbst beim Rollen Richtung roter Ampel sollte man nicht in den Leerlauf (Neutralgang) schalten, sondern mit eingelegtem Gang den Schiebebetrieb ohne Einspritzung nutzen.

Ein Elektromotor verbraucht im Stillstand nichts. Start-Stopp-Automatiken simulieren diesen Effekt beim sogenannten Mikrohybrid. Sobald der Wagen zum Stehen kommt, der Gang rausgenommen und die Kupplung losgelassen wird, stoppt der Motor. Tritt man die Kupplung erneut, springt er sofort wieder an. Start-Stopp Autos sind mit einem besonders robusten und schnell gehenden Starter ausgerüstet.

Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen der Motor nicht abgeschaltet wird. Kurz gesagt, immer dann nicht, wenn das Risiko besteht, dass die Batterie zu schwach zum Wiederstarten ist. Und umgekehrt: Im abgeschalteten Motor springt der Motor wieder an, wenn man einen verbrauchsstarken Verbraucher einschaltet.

Und es gibt -wie immer bei komplexer Technik- einen menschlichen Faktor:

Es gibt nicht wenige Fahrer, die die rote Ampel mit getretener Kupplung abwarten. Dann geht der Motor auch nicht aus.

Und dann steigt der Verbrauch. Einer der Gründe, warum der tatsächliche Verbrauch höher sein kann, als der des Neuen Europäischen Fahrzyklus, nach dem der Standardverbrauch ermittelt wird.

Ein Quantum Trost für Elektroautofreaks

Von deutschen OEMs und Zulieferern (allen voran Bosch) lese ich immer wieder, das Elektroauto werde eine Nische bleiben. Diesel und Otto seien noch lange nicht ausgereizt.

Der Haupteinwand gegen das Elektroauto ist seine begrenzte Reichweite. Und die Frage, wie man das Liegenbleiben mit einer leeren Batterie vermeidet. Ein weiterer Einwand lautet, Langstreckenfahrer profitierten nicht vom Elektroantrieb, sie bräuchten den sparsamen Diesel oder Ottomotor. Und wer sowohl Langstrecke als auch Stop&Go fährt, spart am besten mit einem Hybrid.

Ich halte aus praktischen Gründen den seriellen Hybrid mit sogenanntem "Range Extender" für die beste Lösung. Dieser fährt grundsätzlich elektrisch und hat einen Stromerzeuger an Bord. Der Stromerzeuger ist eine Motor-Generator-Kombination und wird stets im optimalen und deshalb sparsamstenBetriebspunkt betrieben. Man hat damit auch gleich eine Heizung für den Winter an Bord. Man denke dabei nicht nur an die Komfortwärme im Innenraum, sondern auch an vereiste Scheiben.

Einen schönen seriellen Hybrid hat Fisker Automotive (Link) in Chicago entwickelt. Zugegebenermaßen wieder ein Luxusmodell:



Der Fisker kommt mit einem Plugin-Lithium-Ionen Batteriepack der Firma Quantum, dass ohne Nachladung für 80km reicht. Wem das schon in den meisten Fällen ausreicht, kommt mit einer Tankfüllung übers Jahr. Als Zusatzoption kann man Solarzellen in das Dach integrieren.

Der Preis liegt bei 87.000 US$

Donnerstag, 27. August 2009

Und es war Sommer...

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Sonntag, 23. August 2009

Downsizing bei Porsche

Am Freitagmorgen blätterte ich beim Frühstück im Holiday Inn WOB die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung" durch. Auf der Titelseite aller Bücher: Die Ermittlungen gegen das frühere Porschemanagement wegen eines Anfangsverdacht auf Marktmanipulation. Sogar der Teil "Wolfsburg" eröffnete mit einem Foto von ihm und einem ausführlichen Bericht. Die Kommentatoren versuchten erst gar nicht, ihre Genugtuung zu verhehlen. Wiedeking hat man in Wolfsburg noch lange nicht verziehen.



Meine Taxifahrerin schwärmte wenig später von Ferdinand Piech: "Das ist ein ganz charmanter, freundlicher Herr. Ich habe ihn mal gefahren. Ganz freundlich war er. Ich fuhr damals noch Mercedes, war aber schon länger nicht mehr zufrieden mit der Qualität. Aber er sprach mich nicht darauf an, warum ich keinen VW fahre. Aber was glauben Sie, kurze Zeit später bekam ich eine Einladung nach Emden zu einer Informationsveranstaltung für Taxiunternehmer." Und heute fährt sie einen Passat. Das nenne ich aufmerksames Marketing.

Zu diesem Thema las ich ebenfalls in der WAZ, dass Porsche günstigere Modelle entwickeln soll. Einen Roadster unterhalb des Boxster, auf Basis des Blue Sports. Und einen SUV unterhalb des Cayenne. Wiedeking war immer strikt gegen eine Wiederauflage eines VW-Porsche. Richtig nachvollziehen konnte ich das nie. Denn weder der 914 noch der 924/944 haben dem Porsche Image geschadet. Vielmehr stärken sie das Markenimage in Richtung "es kommt auf das Gesamtkunstwerk an, und nicht auf die PS-Zahl". Und diesen Anspruch kann man sich eigentlich in jeder Preiskategorie stellen.

Samstag, 22. August 2009

Guten Morgen, Berlin

Nach ein paar schlaflosen Nächten in der erstaunlichsten Stadt des Universums -Wolfsburg- ist es schön, wieder hier zu sein.

Morgenröte über Berlin Mitte:



Nur ein paar Minuten später:

Mittwoch, 19. August 2009

"Einen auf die Mappe gefällig?"

Oha. Jetzt schreibt schon die FTD über meinen mappenden Freund: Zeit für Tom Tom, Apple und Co. mal vom Schreibtisch aufzusehen. Link



Also, ich habe schon vor drei Jahren geschrieben: Da kommt die Volkskarte für den Volkswagen. Aber es fehlte noch die Volksnavi.

Werner hatte übrigens die Ehre, die letzte Straße Dortmunds zu mappen (Link). Mit oder ohne Fotos aus Nachbars Vorgarten eigentlich?

Gründe, jetzt KEIN neues Auto zu kaufen

Ich hatte vor einem halben Jahr im Netzwerk Linkedin die Frage gestellt: Welche Gründe habt Ihr, Euch jetzt kein neues Auto zu kaufen:

Dear all,

within the last 6 months we experienced very high and then very low gasoline prices. Independend from the oil price niveau we see customers NOT buying cars.
Independend from the car segment, we see customers NOT buying cars.
Independend from attractive rabates at the car dealer, we see customers NOT buying cars.

So, what is your most important reason NOT to buy one now? I am very curious to learn ;-)

Best regards,

Frank


Hier die Antworten:

Possible reasons:
- 'I have a car that runs well;'
- 'the prices may be lowered further in the future months, so I am waiting to buy at the cheapest price;'
- 'I have credits I have to pay and, with this crisis, I think I'd be better off without another credit for a car;'
- 'I am putting money under the pillow to buy a new car in a coupe of years with cash; I am not so eager to buy a car right now, I can wait;'
- 'I am thinking green so I'm waiting to get a green car once it will be affordable for me;'
- 'I can't afford a car, even if the prices got lowered;'
- 'I don't see the need of a car right; I'm just fine with the public transport;'
- The car market became smaller once the majority of the population have already a car or two.

My personal reason is that I have a car with 18000 Km in two years that works just fine. I don't need a new one.
Messages from Ştefan-Radu Munteanu (1):
RE: What's your prior reason NOT to buy a car now?
posted 6 months ago | Reply to Ştefan-Radu Munteanu | Flag answer as...

I have 2 very nice Japanese cars (Rav 4 and G35) that have much better performance and resale than anything from the Big (?) 3.

I will be considering a new one in 2010 or 2011 but I am in no hurry as I see technology changing to be more "green".
Messages from Bryan C Webb, P. Eng. (1):
RE: What's your prior reason NOT to buy a car now?
posted 6 months ago | Reply to Bryan C Webb, P. Eng. | Flag answer as...

Don't need one right now. I would hope that alternatives start taking over so we won't have to worry about high gas prices which are creeping back...
Messages from DAVE MASKIN (1):
RE: What's your prior reason NOT to buy a car now?
posted 6 months ago | Reply to DAVE MASKIN | Flag answer as...

I don't see why I would need a car anyway. Cars are nothing but luxury products. In most civilized countries, the public transportation networks are great. Why would one want a car? To show of his/her social status? No, thanks. If you have money for a car, you also have money for the sick and the poor. So instead, give your money to them.

I have just paid off my Saturn, and I intend to maximize my investment by driving it as long as possible. Not one of those who gets a new car every couple of years.

I have not owned a car for the last seven years. If I have somewhere local to go, I walk. Otherwise, public transport is very efficient and costs me far less than owing a car. It is a simple matter of economics which, ironically, just happens to give me a very small carbon footprint.

My car is 11 years old, has 138k miles on it, is paid off, and runs great.

It comes down to the saying 'if it isn't broke, don't fix it.' There really isn't an incentive for me to add that kind of expense to an already strained budget.
Links: http://www.me2rr.com

I live in a metropolitan area, I am concerned for the environment, and there are other expenses that are more meaningful to me.

'cause I don't have a car on my own... I would actually buy one, if it would make sense, especially with the government allowance for dumping old cars. People here say that this additional benefit will cause a major sales push - for japanese cars...
Messages from Werner Beckmann (1):

I don't need a new car. My old car runs fine. Why would spend money on something I don't really need.

I've never learned to drive.

Walk or mass transit everywhere. But, of course, that's not possible for those who don't live in a city with 24-hour transit.

Montag, 17. August 2009

Nach Navigon nun auch Tom Tom NaviApp im Apple Store

Das Geschäft mit den PNDs (mobilen Navis) stagniert ja etwas. Deshalb war der Erfolg der Navianwendung von Navigon fürs iPhone eine Überraschung. Vor allem, weil sie mit knapp 80 EURO vergleichsweise teuer ist.

Tom Tom hat schnell reagiert und bietet jetzt ebenfalls eine NaviApp fürs iPhone an. Und kommt 10 EURO günstiger daher. Enthalten ist Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und Schweiz (D/A/CH). Zwar ist die Feriensaison nun gerade fast vorbei. Aber der Wettbewerb ist eröffnet.

Und viele fragen sich: Wann gibt es denn eine OSM App. fürs iPhone? Werner ist fertig mit mappen. Zumindest in Dortmund... ;-)

Reaktion von der DHL

Vor ein paar Wochen hatte ich mich bei amazon über DHL beschwert. amazon hatte sich darauf hin bei der DHL beschwert, weil ich meinen Kundenaccount bei amazon geschlossen hatte. Letzte Woche gab es eine Reaktion. Aber nur zufällig.

Unser Zusteller, der zweimal hintereinander Lieferungen nicht zugestellt hatte, sondern uns eine Benachrichtigungskarte per Post zusandte, versuchte es wieder einmal: Diesmal klingelte er. Aber ohne abzuwarten, machte er gleich wieder kehrt. Wir riefen durch die Türsprechanlage, wer da denn sei? Vom Balkon aus war zu sehen, dass ein DHL Auto vor der Tür stand.

Da besann sich Herr H. eines besseren und kehrte nochmal zur Tür zurück um eine Sendung zuzustellen. Allerdings nicht ohne anzumerken, ich sei ja derjenige, der sich bei DHL über ihn beschwerte habe. Das habe eine Welle gemacht. Denn amazon sei einer der wichtigsten Kunden. Und wenn die husten, bekäme die DHL gleich einen Schnupfen. Was denn so schlimm am Abholshop sei, fragte er. Die Bude habe immerhin auch Sonntags geöffnet (oder auch Samstags noch nach 13h - könnte man ergänzen.)

Gut zu wissen, dass es wenigstens etwas bewirkt hat. Ändern wird sich aber erst etwas, wenn sich viel mehr Kunden beschweren und amazon mal überlegt, den Versanddienstleister zu wechseln.

Ich sehe auch nicht ein, warum ich auf eine Packstation ausweichen soll. Da kann ich auch gleich wieder in den Buchladen gehen.

Die Post will sämtliche Filialen in Berlin schließen. Die Briefe werden demnächst auf der Fleischwaage im Supermarkt gewogen. Ein tolles Ergebnis der Privatisierung der Post. McKinsey lässt grüßen. Hoffentlich geht der Schuss nach hinten los.

Sonntag, 16. August 2009

Ferry Porsche

Ferry Porsche ist der Sohn von Ferdinand Porsche und der "Erfinder" des 911er.

Sein Vater hatte den Käfer entwickelt. Er selbst verhandelte mit VW nach dem Krieg, dass Porsche pro Käfer eine Lizenzgebühr erhielt. Schließelich hatte das Konstruktionsbüro Porsche den Käfer entwickelt.

Da staunt man: Obwohl es eine Auftragsentwicklung war, erhielt Porsche eine Lizenzgebühr pro produziertem Produkt? Und genau das war die wichtigste Finanzierungsquelle für die Entwicklung einer Legende: Den 911er. (Im Gegenzug kaufte Porsche möglichst viele Teile bei VW.)

Genau dieser Lizenzschachzug war bekanntlich auch der Grundstein für ein anderes Weltunternehmen: Microsoft.

Heute werden Entwicklungs- und Konstruktionsbüros von Managern geleitet, die ihr Dienstleistungsunternehmen nur auf eine Größe optimieren: Kapazitätsauslastung. Sie lassen kreative Ingenieure und Designer tolle Produkte entwickeln, wenn sie Glück haben. Sie lassen ihre Leute aber immer nur machen, was ihren Kunden einfällt. Und sie lassen irgendwen irgendwas machen, wer halt gerade Zeit hat.
Sie wissen wenig von der Leidenschaft für eine Produktidee und der Macht des geistigen Eigentums als Umsatzquelle. Wäre Ferry Porsche einer von dieser Sorte gewesen, gäbe es heute keinen 911er.

Über seine Philososphie sagte er mal:
"̈Über die Rezepte, erfolgreich zu sein, gibt es unzählige Bücher. In ihnen stehen alle möglichen gutenTipps. Ich habe keines dieser Bücher gelesen."

Ferry Porsche

Ferry Porsche ist der Sohn von Ferdinand Porsche und der "Erfinder" des 911er.

Sein Vater hatte den Käfer entwickelt. Er selbst verhandelte mit VW nach dem Krieg, dass Porsche pro Käfer eine Lizenzgebühr erhielt. Schließelich hatte das Konstruktionsbüro Porsche den Käfer entwickelt.

Da staunt man: Obwohl es eine Auftragsentwicklung war, erhielt Porsche eine Lizenzgebühr pro produziertem Produkt? Und genau das war die wichtigste Finanzierungsquelle für die Entwicklung einer Legende: Den 911er. (Im Gegenzug kaufte Porsche möglichst viele Teile bei VW.)

Genau dieser Lizenzschachzug war bekanntlich auch der Grundstein für ein anderes Weltunternehmen: Microsoft.

Heute werden Entwicklungs- und Konstruktionsbüros von Managern geleitet, die ihr Dienstleistungsunternehmen nur auf eine Größe optimieren: Kapazitätsauslastung. Sie lassen kreative Ingenieure und Designer tolle Produkte entwickeln, wenn sie Glück haben. Sie lassen ihre Leute aber immer nur machen, was ihren Kunden einfällt. Und sie lassen irgendwen irgendwas machen, wer halt gerade Zeit hat.
Sie wissen wenig von der Leidenschaft für eine Produktidee und der Macht des geistigen Eigentums als Umsatzquelle. Wäre Ferry Porsche einer von dieser Sorte gewesen, gäbe es heute keinen 911er.

Über seine Philososphie sagte er mal:
"̈Über die Rezepte, erfolgreich zu sein, gibt es unzählige Bücher. In ihnen stehen alle möglichen gutenTipps. Ich habe keines dieser Bücher gelesen."

Samstag, 15. August 2009

Nissan präsentiert Reichweitenradius und iPhone Steuerung für Elektroauto

Das Project Better Place stimuliert nicht nur den Aufbau von Ladestationen für Elektroautos. Shai Agassi sorgt auch für kundenfreundliche Bedienung: Nissan präsentiert am 01. August seinen neuen Zero Emission.

Und weil das Vertrauen in und die Kontrolle über den Batterieladezustand ein kritischer Faktor für die Akzeptanz beim Kunden ist, hat Nissan in eine bedienfreundliche Oberfläche investiert. Der Ladezustand der Nissan Batterie lässt sich über das iPhone überwachen. Es zeigt auch die berechnete Zeit an, die zum vollständigen Aufladen benötigt wird. Der Ladevorgang lässt sich auch über das iPhone starten bzw. programmieren, um z.B. günstige Tarife in besonderen Zeitabschnitten nutzen zu können.

Nissan hat auch eine Navigationsdarstellung entwickeln lassen, die den Reichweitenradius für den aktuellen Ladezustand anzeigt.

Jetzt werden wieder einige Tekkies nörgeln, was denn daran so besonderes sei. Freunde, es ist die Sensibilität dafür, wie sich die Unsicherheit aus Kundensicht darstellt und die Kreativität, wie man diese möglichst einfach abbaut.

Freitag, 14. August 2009

SAP

Ich bin für zwei Tage auf einem SAP-Seminar. An der SAP-"Bedienoberfläche" hat sich immer noch nichts getan. Die stammt immer noch von 1899 aus Hoffenheim. Aber das passt irgendwie..

Dienstag, 11. August 2009

Twintec scheint rehabilitiert

Monatelang wurde die Twintec AG aus Königswinter fälschlicherweise mit abgestraft für die so genannten "Betrugsfilter". Damit ist die Affäre gemeint, dass Bundesumweltminister Gabriel es monatelang versäumte, den nicht funktionierenden Abgas- und Partikelfiltern anderer Hersteller die Betriebserlaubnis zu entziehen. Monatelang waren Kunden verunsichert und taten gar nix. Die steuerlichen Anreize zur Partikelfilternachrüstung wurden nicht genutzt, weil Gabriel und seine Behörde Bundesumweltamt untätig blieben.

Unabhängig davon lief das Geschäft mit Nutzfahrzeugherstellern nicht so schlecht. Aber das bewirkte am Aktienmarkt alles gar nix. Die Twintec Aktie stürzte von 20 EURO auf 2,70 EURO und verharrte lange auf dem Meeresgrund. Seit zwei Wochen hat der Markt seinen Irrtum endlich bemerkt und kauft nun was das Zeug hält. Von 3 EURO ist die Aktie in den vergangenen Tagen heute auf über 8 EURO gestiegen.

Treiber hierfür sind die Barauszahlung von 300 EURO der Bundesregierung für Käufer von Partikelfiltern und die ab Januar 2010 geltenden Verschärfungen in den Umweltzonen. Ab nächsten Jahr darf man nur noch mit grüner Plakette da rein.


Chart: comdirekt bank AG

Montag, 10. August 2009

Sixt bietet Elektroautos an

Den Citroen C1 (100km Reichweite, 100km/h). Aber nur in Dänemark. Schreibt Eva Heine von Sixt.

Midlife-Euphorie

Die vergangene Woche war voller Probefahrten. Unter der Woche: dienstlich begründet. Am Samstag: Privater Spaß.

Am Lausitzring fand am Samstag der Porsche Sports Cup statt. Unter den Fahrern u.a. Sohnemann Wendelin Wiedeking junior.



Der Porsche Vertrieb nutzte das Rennen für einen Kundenevent der besonderen Art: Fahrertag für Kunden aus Berlin, Potsdam und Cottbus. Einen halben Tag die neu gepflegten Modelle mal Probe fahren. Und sich danach dem Bundesligastart widmen. Ich dachte: Was will man mehr?! Also, Wecker auf sechs Uhr gestellt - früh raus zum Lausitzring.



Porsche hat vor kurzem die Leistungen aller Modelle gesteigert, die Verbräuche gesenkt und LED-Leuchten verbaut. Die Basismodelle verbrauchen jetzt nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus weniger als 10 Liter pro 100km. Dies gelang mit Hilfe der neuen Direkteinspritzung und variabler Ventilgänge. Das beruhigt das Gewissen.

Ich war schon lange neugierig auf den neuen Boxster, den ich bis jetzt nur als Beifahrer kannte. Der Automechaniker meines Vertrauens am Flughafen Tempelhof fährt auch einen Boxster. Ich sehe ihn öfter. Und wie Ex-Kollege Sirko mal sagte: "Wir beginnen zu begehren, was wir täglich sehen." Bei mir reichten dafür die Werkstatttermine alle paar Monate..

Man kennt Roadster. Und manch einer kennt es, dass das, was einem gefällt, nicht passt. Z.B. ein Mazda MX 5. Das erste mal im MX5 war wie die Anprobe eines italienischen Designeranzuges. Ich fuhr 1998 und '99 zwei Sommer lang täglich mit dem MX5 zu meinem RWE-Callcenterprojekt in Brühl. Die kurvenreiche A3 macht Spaß. Aber der Wagen war zu klein. Man ärgert sich solange über die provozierend schmal geschnittenen Modelle bis man sie hängen bzw. stehen lässt. Dann sagt der Verkäufer: "Probierense doch mal nen Porsche. Der passt bestimmt." Und genau so war es dann, als mich ein Ex-Kollege in Stuttgart mal zum Flughafen brachte. Und sobald die Größe stimmt, kann man sich aufs Wesentliche konzentrieren.

Es geht um die Art sich auf etwas zu oder von etwas weg zu bewegen und dabei Sonne und Fahrtwind zu spüren. Sei es die tgliche Fahrt zum Projekt, die letzte Rückfahrt vom alten Büro, die Fahrt in den Sonnenuntergang an Havel oder Lago Maggiore. Oder zum Bergrennen zwischen Linthal und Klausenpass.

Foto: Porsche-Werbung


Der Boxster
Also testeten wir am Samstag zuerst den Boxster. Einsteigen. Das Zündschloss ist links, die Handbremse rechts. Man passt gut rein, aber ich hatte ihn eigentlich geräumiger in Erinnerung. Jetzt starten: Röhrr. Durch die Fußgänger des Fahrerlagers schlängeln. Durch den Tunnel unter der Ostkurve und auf die Landstraße. Die Sonne scheint, Hochsommer, 32°C. Es ist herrlich, offen zu fahren. Dann auf die Autobahn A13. Man ist im Nu auf 100 und ich würde ihn gerne gleich ausfahren. Aber der Fahrtwind ist nur bis Tempo 120 auszuhalten. Also fahren wir am nächsten Parkplatz gleich wieder runter und schließen das Heck. Sowas geht heute vollautmatisch. Man muss nicht einmal still stehen dafür. Dach zu und gleich wieder rauf auf die Bahn. Gas. Der Boxster beschleunigt, ich schalte durch die sechs Gänge. Im unteren Bereich merkt man, dass der Boxster mit 255 PS zwar ordentlich, aber nicht übermäßig motorisiert ist. Erst ab Tempo 150 fängt die Beschleunigung an, Spass zu machen. Dann setzt das Porschegefühl ein. Heidewizka! Kaum haben wir uns dran gewöhnt, kommt die geplante Ausfahrt. Cruisen über Land ist angesagt. Brandenburgs Landstraßen sind schmal und rauh. Man braucht hier kein Sportfahrwerk. Wir fahren langsam, um das Verdeck wieder zu öffnen. Wir cruisen durch die Dörfer der Lausitz. Der Boxster wirkt etwas zu groß, um ganz entspannt zu sein. Vorne und hinten hat man viel Karosserie, die man nicht ganz überblickt. Es macht Spaß. Aber die Sensation bleibt aus, ehrlich gesagt. Wir biegen ab auf den Lausitzring. Man kann sich an den Boxster gewöhnen. Aber geflasht hat er uns nicht.



Der Cayenne Diesel
Als wir zurückkamen, waren alle anderen spannenden Modelle unterwegs: Die 911 Carreras und Cabrios. Die Cayenne standen dafür unbenutzt in der Sonne. Naja. Cayenne braucht man nicht, will keiner mehr, dachte ich. Aber interessant wäre mal, wie sich der neue Sechszylinder Diesel fährt. Soll ja der Geheimtip der Saison sein: Besonders sparsam und der günstigste Listenpreis, den Porsche im Angebot hat. Wir steigen ein. Mann, wir steigen auf, würde es genauer treffen. Wie ein LKW, oder Traktor. Und dermaßen geräumig! Alles um einen herum ist Platz. Wir bekommen die Fahrwerkwechseloptionen erklärt und all das andere Pipapo, von dem ich mich frage, um wieviel günstiger ein Porsche ohne all das sein könnte. Nur die Klimaanlage braucht man bei der Hitze. Für den Cayenne gibt es auch ein Panoramadach mit quasi drei Schiebedächer hintereinander.
Wir machen uns auf Richtung Autobahn. Wie schnell ist der Diesel? Und wie werden sich die über 500 Nm Drehmoment anfühlen, die uns bei der Einweisung verkündet wurden?
Und tatsächlich: Der Diesel mit seinen 260 PS beschleunigt aus dem Stand wie nix. Automatikgetriebe: Kickdown, und es geht ab! Das PDK schaltet in Millisekunden durch die Gänge. Aber bei Tempo 220 ist dann allmählich Schluss. Aber mehr brauchen wir eigentlich nicht, weil dieser Cayenne eher zum Cruisen anregt. Also runter von der Autobahn, rauf auf die Holperstrecken. Und hier spielt der Cayenne seine Stärken aus: Musik an, und jetzt mal ganz gemütlich und dennoch zügig. Der Cayenne macht Spaß: Die Rallye Brandenburg ist das Metier des Cayenne. Hier braucht man zuverlässige Technik, viel Raum und ein bisschen Komfort. Sehr praktisch ist z.B. die Autoholdfunktionen, die einen am Hand automatisch festhält, bis man wieder anfährt. Wir sind begeistert und hätten Lust, mit dem Cayenne Diesel in Urlaub zu fahren. Mit diesem Teil sind sowohl Sommer- als auch Winterurlaub sicher der reine Spaß.



Der 911er
Das beste zum Schluss, dachten wir: Jetzt noch einen 911er Targa testen. Die Basismotorisierung, wenn man die hier so nennen darf, leistet 345 PS. Auf der Autobahn merkt man, wofür man die braucht: Für den Sprint von 200 auf 280. Unter 200 fällt die Tachonadel nie, wenn es der Verkehr zulässt. Wir fliegen 911. Waaahnsinn. Später auf der Landstraße merken wir, dass das Targadach schon viel ausmacht. Braucht man für den Sommerspaß unbedingt einen Roadster? Ich bin nicht mehr sicher. Das offene Targadach erlaubt viel höhere Geschwindigkeiten, als der offene Wagen. Der 911 ist edel aufgemacht: Außen grün, innen hellbraunes Leder. Klassische Rundinstrumente. Navi mit Touchscreen. Etc. Macht viel Spaß. Ist aber kein MUSS.




Noch mehr Elfer gab es dann beim Abschlusstraining auf dem Ring.







Unser Fahrertag ging dem Ende zu. Positiv überrascht bin ich von dem Modell, das wir vorher nicht auf der Rechnung hatte: Dem Cayenne Diesel.

Sonntag, 9. August 2009

Tesla Motors zum ersten mal profitabel

Ich reich die Meldung mal so weiter, wie sie gerade reinkommt:

Tesla erlangte die Gesamtunternehmensrentabilität und entwickelte gleichzeitig die vollständig elektrisch betriebene Limousine Model S weiter und eröffnete regionale Verkaufs- und Servicezentren. Die Rentabilität ergab sich hauptsächlich aus einer verbesserten Bruttogewinnspanne beim Roadster 2, der zweiten Auflage des preisgekrönten Sportwagens von Tesla.

Tesla lieferte im Juli mit 109 Fahrzeugen die bisher größte Zahl von Fahrzeugen aus und konnte sich über einen Anstieg beim Verkauf des neuen Roadsters freuen. Im dritten Quartal wird das in privater Hand befindliche Unternehmen maßgebliche Lieferungen an europäische Kunden tätigen und gleichzeitig seine Präsenz in verschiedenen Ländern ausbauen.

Die Firma Tesla, die im Juni ein Niedrigzinsdarlehen von 465 Millionen US-Dollar des Energieministeriums bewilligt bekam, befindet sich mitten in der Entwicklung des Model S. Die vollständig elektrisch betriebene Limousine wird zu einem Grundpreis von 49.900 US-Dollar erhältlich sein, etwa dem halben Preis des Roadsters. Die Reduzierung der Stückkosten beim Roadster hilft Tesla dabei, das Model S auf einem deutlich niedrigeren Preisniveau am Markt einzuführen und so den Weg für serienmäßig gefertigte Elektrofahrzeuge für den Durchschnittskäufer zu ebnen.

Neben den Bemühungen um das Model S entwickelt Tesla gemeinsam mit Daimler eine Elektroversion des beliebten Smarts. Die ersten Modelle einer ersten Testflotte von 1.000 Elektro-Smarts werden voraussichtlich Ende 2009 auf die Straße gebracht.


Quelle: Tesla Motors, Inc., Gefunden bei Businesswire

Von Berlin nach Warschau - mit nur einem Tank


Copyright: Top Gear

Pferdestärken

Seit Montag vor einer Woche weiß ich, dass man sich der Frage der Pferdestärken mal wieder puristisch nähern sollte. So wie man als Blogger oder Redakteur den ursprünglichen Bedeutungen der Begriffe nachgehen muss, um auf die richtige Spur zu kommen. So sollte man sich als Autofreund hin und wieder mit der Pferdestärke an sich beschäftigen. Ich hab das gestern getan. Auf dem Rücken eines Haflingers. Und ich wette, da ist keiner unter uns, der bei der Bändigung schon einer Pferdestärke nicht so etwas wie tiefe Zufriedenheit und "Freude am Fahren" empfindet. Wenn ein Pferd mal richtig loslegt, ist es nicht der Fahrtwind, der die Euphorie auslöst, sondern das Zusammenspiel zwischen Ross und Reiter. Und die Konzentration darauf im Hier und Jetzt. Der Angestellte nennt das Urlaub. Der Pferdebesitzer "Konzentration aufs Wesentliche".

Foto: Golfressort Semlin


"These days, days, days
Run away like horses over the hill."


Bald wünscht man sich dann, dass das Pferd in die elektronische Begrenzung ginge.. Doch die gibt es hier nicht, man muss "zügeln". Die Stärke des Pferdes ist die eigenwillige Freude an der Bewegung, die es seinem Reiter vermitteln will. Das Pferd will und es rennt selbst. Das ist was anderes als selbst Gas zu geben. Auf dem Rücken eines Pferdes war der Mensch zum ersten mal schneller als er selbst laufen kann. Ein puristisches Erlebnis.
Die Zeit verfliegt. Genau wie der Urlaub. Schon ist man wieder am Ausgangsort der Frage, aber um eine Perspektive reicher. Ein PS genügt im Prinzip zum Cruisen.

Die Haflinger auf dem Foto übrigens sind so eigenwillig wie Porscheaufsichtsräte. An einem schönen Sommertag standen sie in Reih und Glied an einem Zaun, der ihre Koppel vom Golfplatz Semlin abgrenzt. Es sah aus, als würden sie das Golfspiel der Urlauber studieren. Am nächsten Morgen, vor Öffnung des Platzes, wurde dann klar, dass sie in Wahrheit Fluchtmöglichkeiten untersucht hatten. Sie rannten den Zaun an seiner schwächsten Stelle nieder und flüchteten über den Golfplatz in die Freiheit. Der Grennkeeper konnte geistesgegenwärtig noch ein Foto machen.

Dienstag, 4. August 2009

Start-Stop is Automatic for the People

In dieser Woche testen wir einige Start-Stopp ausgerüstete Microhybride. Die Start-Stopp Automatik simuliert ja einen der wichtigsten Vorteile des Elektroantriebs im Stop-and-Go-Verkehr: Wenn er steht, geht er aus und verbraucht nichts. So viel Benzin und Diesel wie in diesen Tagen habe ich selten gespart ;-)

Am Anfang hat es mich an meine unseligen Erlebnisse mit unserem Porsche 924S erinnert. Man rollt auf die rote Ampel zu, steht fast still, kuppelt aus und... Motor aus!

Alte Reflexe greifen. Will aufspringen und die Motorhaube öffnen und die Impulsgeber richten. Aber nein Mann, bleib sitzen, hier soll das so sein! Und ein Tritt auf die Kupplung genügt und er springt wieder an. Wirklich! Ganz anders als die Bosch L-Jetronic seinerzeit.

Ein absterbender Motor mitten in der Rushhour ist der Traum von so ziemlich jedem Autofahrer. Fahrer älterer Autos kennen es. Ich höre es immer wieder von Fahrern verschiedener Marken. Mich würde mal interessieren, wie diese Klientel psychologisch mit einer Start-Stopp-Automatik zurecht kommt ;-)

Aaaber: Man kann richtig sparen mit ihr. Und zwar um so mehr, je weniger man die Kultur der vorausschauenden Fahrweise pflegt. Deshalb war BMW ja einer der ersten Start-Stopp-Anbieter. In Berlin KANN man diese Kultur allerdings nicht pflegen, weil hier auf jeder langen Straße eine rote Welle geschaltet ist. Deshalb haben sich die Autohersteller und Stromversorger ja auch Berlin ein Mekka für Elektro- und Hybridautos ausgeguckt. Wir sparen mit diesen Techniken in den Szenarien Sprit, die sich der Senat ausgedacht hat, um uns das Autofahren auszutreiben.

Ein Elektromotor verbraucht nichts, wenn er still steht. Dieses Verhalten einem Verbrennungsmotor so beizubringen, dass es in jedem erdenklichen Szenario sicher funktioniert, ist ein sehr komplexes Unterfangen.

Nie wieder DHL

Die Berliner Post ist kundenfeindlich

Ich bin immer noch stinksauer auf die Berliner Post / DHL. Ich hatte bei amazon Geburtstagsgeschenke bestellt - an meine Adresse, denn ich wollte sie persönlich übergeben. Zwei Bücher direkt von amazon und ein Set von einem Drittanbieter - also zwei Sendungen.

Beide male lieferte der DHL Zusteller direkt an die Abholstationen. Ich weiß dies, weil ich in der Lieferungswoche Urlaub hatte und wegen des schlechten Wetters zu Hause war. Der Zusteller lieferte die beiden Sendungen an zwei verschiedene Abholshops. Ich bekam von amazon eine Email mit einem Link zu DHL, der mir sagen soll, wo ich meine Lieferung abholen kann, aber der Link funktioniert nicht. Also muss ich auf die Benachrichtigungskarten warten. Die DHL Benachrichtigungskarten werden inzwischen nämlich nicht mehr von den Fahrern direkt in den Briefkasten eingeworfen, sondern per Post geschickt. Das ist ein unfassbar kundenunfreundlicher Prozess, denn so verstreichen 2 weitere Tage, die man auf seine Sendung wartet. Kurzum, meine Geburtstagsgeschenke, die ich abends überreichen wollte, bekam ich 2 Tage zu spät.

Die Post und DHL machen mit vereinten Kräften die Komfort- und Zeitvorteile zunichte, die der Onlinehandel geschaffen hat.

Ich bin inzwischen kein Kunde mehr bei amazon, weil es nicht das erste mal, dass mich die Berliner Post so gefoppt hat. Es grenzt für mich an Betrug. Ich unterstelle dem Management der Berliner Post und DHL, dass sie von diesen Frechheiten ihrer Zusteller weiß, aber nichts dagegen unternimmt, weil sie so ihre Kosten senken kann.
Wenn sie nun hingehen, und das Filialnetz weiter ausdünnen, verlängern sich auch die Wewge der DHL und Postkunden, die ihre Benachrichtigungskarten einlösen müssen. Das werde ich mir nicht mehr antun.

Ich vermeide deshalb ab jetzt Onlinehändler, die mit DHL versenden.

Montag, 3. August 2009

Blau und weiß

Da werd ich aus Solidarität echt zum Schalker:

Mohammed war ein Prophet,
der vom Fußballspielen nichts versteht.
Doch aus all der schönen Farbenpracht
hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht.

Freitag, 31. Juli 2009

Standortnachteil Führungsqualität

Nach all den Vorstellungen, die der eine oder die andere in den letzten Monaten zum besten gegeben hat, will ich nie wieder Kritik am Lohn- und Gehaltsniveau von Arbeitern und Angestellten hören. Diese haben in den vergangenen Jahren echten Verzicht geleistet, und damit ihren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit.

Was jedoch die Mitarbeiter mancher Unternehmen an Wert schaffen, reißt die sogenannte Funktions- und Machtelite mit ihren Hintern wieder um.

Wir haben in Deutschland keinen Lohn- und Gehaltskostennachteil mehr gegenüber dem globalen Wettbewerb. Wir haben inzwischen ein Problem mit der Führungsqualität von Managern und Unternehmerwitwen. Von Ex-McKinseys in Bankvorständen, von Möchtegernbankern in Landesbanken. Von triebhaften Bankern. Von raubenden Berater.
Die überschuldete Witwe im Nerz und die "verarmte" Witwe, die auf ihre Festspiele verzichten muss sind zu Symbolen kostspieliger Inkompetenz zu Lasten unseres Gemeinwesens geworden.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Tesla stellt ein

Bin nur mal so durch all die empfangenen aber noch nicht gelesenen Newsletter gegangen. Unter all den Last Minute Angeboten von Travelzoo, Deutsche Bahn und Lufthansa dann Neuigkeiten von Tesla Motors. Und zwar erfreuliche:

Die Auftragseingänge steigen. Und Happy Customers werden zitiert. Und man expandiert. Am Anfang an die Ostküste. Inzwischen auch an die Goldküste in Zürich (wo wir es bisher nur zu zwei halbstündigen Blockaden auf Linksabbiegerspuren gebracht haben) und nach München. Und man sucht Personal. Für den Verkauf...


Foto: Tesla Motors Inc.

... und für den Service ("Denken Sie daran: Bei uns gibt es keine langweiligen und dreckigen Routinearbeiten wie Öl- und Auspuffwechsel."). Und zwar jeweils den Besten für jede Funktion aus dieser Branche. Wer es genau wissen will: Hier. Einen europäischen Patentingenieur für ihre 40 Anmeldungen brauchen sie verständlicherweise noch nicht.

Aber ein Anfang ist das schon mal.. In den USA sitzen attraktive Unternehmen an attraktiven Orten. In Deutschland ist das ja eher umgekehrt proportional - bis auf Berlin natürlich.

Und by the way: Auch Betterplace sucht Verstärkung, einen Netzwerkplaner (STROMnetz), einen Projektmanager, einen Verkäufer und einen Contentmanager. Alle für Palo Alto. - Und hey, warum nicht?

Was Tesla in Kalifornien, ist Ruf in Pfaffenhausen. Hier werden Porsches elektrifiziert. Auch die stellen ein: Einen Lackierer und einen Logistiklehrling. Patente? Nur eines, das nächstes Jahr ausläuft.

Ich hätte damals in der Vorlesung bei Oberretl nie gedacht, dass es mal so weit kommen würde. ("Elektrische Maschinen sind seit langem ausgereift. Nur wenn sie bei einem Maschinentransformator in Krümmel noch ein halbes Prozent Wirkungsgrad herauskitzeln rechnet sich Ihre Kostenstelle.")

Markus Pfleger hat schon berichtet, dass der Roadster S ("Sports") im Anmarsch ist. Wo Firmen wie Porsche mit variablen Ventilöffnungszeiten und -gängen werben, betont Tesla die "handgewickelte Statorwicklung" (das könnte man mal den Zumwinkels und Mehdorns als Entspannung anbieten, als Substitut für Ayuverdaübungen). Die ist dichter gewickelt für geringere Widerstandsverluste und so mehr Drehmoment.

Bedienfreundliches Elektroauto

Das Project Better Place stimuliert nicht nur den Aufbau von Ladestationen für Elektroautos. Shai Agassi sorgt auch für kundenfreundliche Bedienung: Nissan präsentiert am 01. August seinen neuen Zero Emission.

Und weil das Vertrauen in und die Kontrolle über den Batterieladezustand ein kritischer Faktor für die Akzeptanz beim Kunden ist, hat Nissan in eine bedienfreundliche Oberfläche investiert. Der Ladezustand der Nissan Batterie lässt sich über das iPhone überwachen. Es zeigt auch die berechnete Zeit an, die zum vollständigen Aufladen benötigt wird. Der Ladevorgang lässt sich auch über das iPhone starten bzw. programmieren, um z.B. günstige Tarife in besonderen Zeitabschnitten nutzen zu können.

Nissan hat auch eine Navigationsdarstellung entwickeln lassen, die den Reichweitenradius für den aktuellen Ladezustand anzeigt.

Jetzt werden wieder einige Tekkies nörgeln, was denn daran so besonderes sei. Freunde, es ist die Sensibilität dafür, wie sich die Unsicherheit aus Kundensicht darstellt und die Kreativität, wie man diese möglichst einfach abbaut.

Nissan präsentiert Reichweitenradius und iPhone Steuerung für Elektroauto

Das Project Better Place stimuliert nicht nur den Aufbau von Ladestationen für Elektroautos. Shai Agassi sorgt auch für kundenfreundliche Bedienung: Nissan präsentiert am 01. August seinen neuen Zero Emission.

Und weil das Vertrauen in und die Kontrolle über den Batterieladezustand ein kritischer Faktor für die Akzeptanz beim Kunden ist, hat Nissan in eine bedienfreundliche Oberfläche investiert. Der Ladezustand der Nissan Batterie lässt sich über das iPhone überwachen. Es zeigt auch die berechnete Zeit an, die zum vollständigen Aufladen benötigt wird. Der Ladevorgang lässt sich auch über das iPhone starten bzw. programmieren, um z.B. günstige Tarife in besonderen Zeitabschnitten nutzen zu können.

Nissan hat auch eine Navigationsdarstellung entwickeln lassen, die den Reichweitenradius für den aktuellen Ladezustand anzeigt.

Jetzt werden wieder einige Tekkies nörgeln, was denn daran so besonderes sei. Freunde, es ist die Sensibilität dafür, wie sich die Unsicherheit aus Kundensicht darstellt und die Kreativität, wie man diese möglichst einfach abbaut.

Dienstag, 28. Juli 2009

Agenda 2010+

Gesellschaftlich betrachtet ist die Finanzkrise eine gigantische Umverteilung von unten nach oben.
Die Wirtschaft wird längst wieder laufen, wenn der Staat immer noch die Schulden abbauen wird, die er zur Schadensregulierung der Funkes und Konsorten aufgenommen hat. Dann erst wird es die sozialen Spannungen geben, die seit längerem an die Wand gemalt sind. Wir stehen dann vor der Wahl: Inflation oder drastische Sozialkürzungen.

Und es werden die Herren aus Frankfurt und München sein, die dann für die Sozialkürzungen plädieren werden. Arbeitgeberpräsident Hundt hat heute schon mal einen Vorgeschmack gegeben: Er plädiert für Lohnsenkungen.

Die Schäden, die Marodeure von Hypo "Real" Estate, Dresdner Bank, NordLB, BayernLB etc. in unserem Gemeinwesen angerichtet haben, stellen allerdings alle Diskussionen um Sozialmissbrauch in den Schatten. Den größten Sozialmissbrauch aller Zeiten begehen die Ex-Bankenvorstände und Ex-McKinsey Berater, die aus der Wüste in die sie geschickt wurden, auf die Zahlung ihrer Gehälter und Boni klagen. Wie ein ertappter Ladendieb, der bei seiner Abführung im Laden noch mal triebhaft in die Regale greift.

Die am häufigsten zitierten Patente gehören... wem?

"Die Top 2% der am häufigsten zitierten Patente gehören individuellen Erfindern in kleinen und mittleren Unternehmen."
Phil McKinney, Vortrag auf der Erfindermesse Maker's Fair (Link).

Dies ist der Grund, warum Phil auf dieser Messe auftritt. Man vergleiche das mit der Geringschätzung, mit der man hierzulande freien Erfindern und kleinen Unternehmen begegnet.

Vergessen Sie Marktforschung

Ich soll eine Präsentation erstellen, die einen Manager von einer neuen Technik überzeugen soll. Oder zumindest einen Bedarf für eine bestimmte Technik belegen soll. Früher habe ich dafür die Präsentationen in der Konzerndatenbank (Marketing und Investor Relations) durchwühlt. Damit kann man den Tag gut verbringen. Am Ende des Tages hat man dolle Grafiken von wichtigen Leuten zusammen. Der beste Beweis für die Einführung einer neuen Technik überhaupt. Oder..?

Falsch. Vergessen Sie Marktforschung wie man sie Ihnen täglich vorsetzt. Ein guter Beobachter liest keine Zeitung oder Intranets. Er geht selbst in den Markt. Oder "auf den Markt". Leute beobachten. Die Gründe erfahren, warum Männer dies und Frauen das kaufen.

Noch einfacher: Freunde und Verwandte befragen. Beispiel: Was tut Ihr, wenn ein Gerät kaputt geht oder nicht funktioniert?

Männer: Basteln, telefonieren mit Freunden, surfen durch Foren. Wollen gewinnen. Gegen die Technik.

Frauen: Geben dem Gerät zwei Chancen. Funktioniert es zweimal nicht, geht das Gerät zum Service. Es wird nicht zerlegt. Es wird zum Händler, zum Service oder zur Post gebracht.

Was bedeutet das für die Produktplanung eines technischen Gerätes? Was muss der Produktmanager beachten, der die weibliche Hälfte dieses Planeten als neue Kunden gewinnen will..???

Patentierungskosten fördern lassen?

Kleine und mittlere Unternehmer aufgepasst! Unter bestimmten Bedingungen werden die Kosten für Patentierungen öffentlich gefördert.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützt mit dem Programm SIGNO Hochschulen, Unternehmen und freie Erfinder bei der rechtlichen Sicherung und wirtschaftlichen Verwertung ihrer innovativen Ideen.

Im Rahmen der KMU-Patentaktion werden folgende Maßnahmen gefördert:
– Recherche zum Stand der Technik,
– Kosten-Nutzen-Analyse,
– Patent- oder Gebrauchsmusteranmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt,
– Vorbereitung für die Verwertung einer Erfindung,
– Rechtsschutz im Ausland.

Wer unter welchen Voraussetzungen antragsberechtigt berechtigt ist, kann man auf der Website der Förderdatenbank ablesen:

Link

Montag, 27. Juli 2009

Albtraum eines Akademikers



Ich bin einem Phänomen auf der Spur, von dem ich jahrelang dachte, dass es nur mich beträfe: Nämlich dem Albtraum, mein Studium nicht zu Ende gebracht zu haben. Im Traum stutze ich plötzlich, weil ich mich daran erinnere, zwar die Diplomarbeit geschrieben zu haben, aber nicht daran, alle Prüfungen absolviert zu haben. Bzw. eine bestimmte, die ich beim ersten mal nicht bestanden hatte. Dann die beunruhigende Frage: Habe ich die eigentlich jemals nachgeholt? Wann denn? Ich kann mich nicht erinnern. Ich erinnere mich nur daran, dass ich oft Zeitnot hatte, weil ich neben dem Studium gearbeitet habe.

Tagsüber konnte ich mich dann damit beruhigen, dass ich meine Diplomurkunde schwarz auf weiß habe. (Aber könnte es nicht trotzdem sein, dass sie mir die irrtümlich...?). Ich hatte diesen Traum vor einigen Jahren öfter, dann verschwand er.

Ich war nicht schlecht überrascht, als uns dann eine Freundin im letzten Sommer ebenfalls von solchen Träumen erzählte. Sie habe diesen Traum derzeit mehrmals, sagte sie. Das interessierte mich natürlich, vor allem die Frage, ob es bei uns beiden eine gleiche Ursache dafür gebe. Irgendwann stellten wir fest, dass die einzige Gemeinsamkeit war, dass wir in der Abschlussphase unserer Studiengänge nebenbei viel gearbeitet hatten, und es einen eher fließenden Übergang vom Studium in den Beruf gab.

Seitdem stelle ich diese Frage bei Gelegenheit jedem, der ein Studium absolviert hat. Und überraschenderweise kennen doch viel mehr diesen Traum, als ich je gedacht hätte. Bei einem Freund bezog sich der Traum allerdings nicht auf den Studienabschluss, sondern das Abitur. Aber die Ursache war doch gleich: Er hatte seinerzeit viel gejobbt, und auch Schwierigkeiten, Prüfungen und Arbeit vernünftig auf die Reihe zu kriegen. Ein weiterer Ex-Kommilitone stimmte in das Lied ebenfalls ein: "Ich war felsenfest überzeugt, noch eine Prüfung machen zu müssen." Haargenau so war es bei mir auch.

Und schließlich interviewte ich den vierten Spezi, der in das Lied mit einstimmen konnte. Aus dem gleichen Grund.

Ausschlaggebend ist ist wohl die Tatsache, dass wir in einer wichtigen Phase unseres Lebens, mit mehreren wichtigen Dingen beschäftigt waren, denen wir gleich hohe Prioritäten einräumten. Außerdem ging eine der beiden Aktivitäten, der Job, noch weiter, nachdem die andere beendet war. Aber es gab keine Zeremonie oder ähnliches, die eine Grenze markiert hatte. Man holte sich sein Diplomzeugnis aus dem Prüfungsamt ab und das war es. Jeder für sich. Plötzlich war das Studium so anonym zu Ende wie es begonnen hatte... Da sieht man doch mal, wie wichtig offizielle Rituale sind, die wichtige Meilensteine zu einem Erlebnis machen, an das man sich später erinnern kann.

Freitag, 24. Juli 2009

Bedienoberflächen und Displays als Geschmacksmuster schützen?

Für Software gibt es mehrere Möglichkeiten des Schutzes:

- Der Entwickler/Codierer ist immer und automatisch der Urheber. Die Verwertungsrechte am Code hat er als Selbständiger selbst, als Angestellter gibt er sie per Arbeitsvertrag an seinen Arbeitgeber ab.

- Wenn der Entwickler mittels seines Codes besondere und neue technische Methoden umsetzt, sind diese u.U. patentierbar. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei technischen Umgebungen (embedded systems) höher als bei der Umsetzung rein kaufmännischer Prozesse.

- Das, was ein Rechner sichtbar macht, z.B. Bedienoberflächen oder Visualisierungen von Informationen, können unter bestimmten Bedingungen als Geschmacksmuster schützbar sein. Hierzu müssen sie neu und "eigenartig" sein.

Wulffs Triumpf wird von kurzer Dauer sein

Denn -wie unten schon geschildert- die neue EU-Kommission wird gegen das nur oberflächlich geänderte VW-Gesetz Klage einreichen. Geht es nach der Gesetzeslage in der EU kann der Europäische Gerichtshof nur so entscheiden, dass die Privilegien des Aktionärs Niedersachsen untergehen.

Dann wird VW ein ganz normales Unternehmen. Für eine Sperrminorität werden keine 20% der Stimmen genügen sondern 25%. Wulff müsste dann entweder für teuer Steuergeld die Anteile aufstocken. Oder sich den Realitäten fügen. Wulff's Strippenziehen wird der CDU nur noch bei der Bundestagswahl nützen. Bei der nächsten Landtagswahl 2013 nicht mehr.

Es wird alles so kommen, wie von Wiedeking und Härter geplant. Nur werden sie nichts mehr davon haben.

Das Patentrecht wird überarbeitet

Viele haben es schon gehört, wenige gelesen. Das Bundesjustizministerium hat Änderungen im Patent- und im Arbeitnehmererfindungsgesetz erarbeitet.

Einei wichtige Neuerung: Arbeitgeber müssen eingereichte Erfindungsmeldungen nicht mehr per Erklärung in Anspruch nehmen. Künftig gilt die Erfindung automatisch in Anspruch genommen, wenn sie nicht frei gegeben wurde. (sog. "Inanspruchsnahmefiktion").

Hier ein Link zum BMJ/Patentrechtsmodernisierung: Link

Donnerstag, 23. Juli 2009

Managerdeutsch

An folgenden Begriffen habe ich mich satt gehört. Sie brauchen deshalb nicht mehr verwendet werden:

Logik, industrielle. Bläh- und Spreizwort für Plausibilität. Wird von Vorständen und neuerdings Ministerpräsidenten (Wulff) verwendet, wenn ihre Unternehmensentscheidung ausnahmsweise einmal einen Sinn hat.

Gut aufstellen. Aufgestellt, wir sind dort gut ... Vorgeblich sportlich gemeinte Vokabel, die die Perspektive eines Trainers auf sein -Achtung:- Team suggerieren soll. Weist oft auf eine statische Unternehmenskultur und ein auf Auswahl reduziertes Führungsverständnis mit diffus verteilter Verantwortung hin.

Sicht, auf ... fahren. Euphemismus für den eigentlich gewöhnlichen Umstand, dass Manager heutzutage nicht mehr sehen, als die ihnen anvertrauten Unternehmensinsassen.

Absichern. Den Erfolg..., das Geschäft.... Beruhigungspille für Mitarbeiter. Unrealistisches Ziel, das das Topmanagement dem mittleren Management vorgibt.

Vorne, nach ... schauen. Trotzige Weigerung -oder schlicht Unfähigkeit-, aus der Erfahrung, besonders der unangenehmen, zu lernen und Hinweis auf den inneren Beschluss, die eigenen Fehler lieber wiederholen zu wollen.

Optimieren. Euphemismus für Perfektionieren, der eingeführt wurde, weil Perfektionismus von Pyschologen negativ belegt wurde, weil er eine Zwanghaftigkeit kennzeichnet.

Vernetzen, Du musst Dich... Aufforderung an Mitarbeiter, die Defizite der internen Kommunikation durch Belästigung anderer, vorzugsweiser einem selbst unebekannte, Mitarbeiter zu kompensieren. Beispiel: "Dass Du unsere Erwartungshaltung nicht kennst, zeigt nur, dass Du schlecht vernetzt bist."

Gezielt. Spreizwort, mit dem entweder Zielstrebigkeit vorgetäuscht, oder eine selbstverständliche wichtigtuerisch betont werden soll. z.B. "Haben wir gezielte Maßnahmen ergriffen." (Gab es daneben oder bisher auch ungezielte Maßnahmen?)

Schritt. Den nächsten ... machen. Eine an Persönlichkeitsspaltung grenzende Zustimmung zu einem Karriereschritt, zu dem man eigentlich nur den Kopf schütteln kann.

Aufpassen, Du musst... Diffuse Warnung an einen Kollegen, die Mitgefühl vortäuschen soll, wegen ihrer Ungenauigkeit aber meist nur die Pferde scheu macht. Ist außerdem eine besonders subtile Kombination aus Distanziertheit, kalter Neugier und Überlegenheitsgefühl bei vollem Pflichtgefühl für die bestehenden Regeln und Hierarchien, also die Ursachen für die markierte Gefahr.

Spannend. Das ist ja ... Dokumentiert den höchstmöglichen Empathiegrad, zu dem der Adressat einer privaten, positiven Botschaft fähig ist. Spannend ist auch politisch korrekt. Aber leider völlig unbeteiligt, denn es ist die Art Spannung gemeint, die man auch im Kino oder vor dem Fernseher empfinden kann. Unterhaltend und wohlig. Kann auch gönnerhaft gemeint sein in dem Sinne: "Das ist ja schön, dass Sie ausnahmsweise mal was spannendes erleben." ..

Ich danke Wolf Schneider für seine Inspiration ;-)

Sonntag, 19. Juli 2009

"Revolutionary Road"



PS: Im Rückspiegel wirkt die Vergangenheit manchmal näher als sie ist: TwitterPic

Christian Wulff ist am Ziel

Wendelin Wiedeking hat keinen Denkfehler gemacht, den er sich nachträglich vorwerfen müsste. Ausschlaggebend war vielmehr, woran Strategen oft scheitern: Eine der Annahmen, von denen Wiedeking und seine Mitstreiter ausgingen, war falsch:

Nämlich die, dass er sich auf eine objektive EU-Kommission verlassen könne, die sich an ihre eigenen Gesetze hält. Sie hätte gegen das oberflächlich "novellierte" VW-Gesetz eigentlich wieder klagen müssen. Der niedersächsische Ministerpräsident und privilegierte VW-Großaktionär Wulff hat es aber hinbekommen, dass dies nun erst nach der Bundestagswahl passieren wird. Im November wird sich die neue Kommission konstituiert haben. Danach wird das VW-Gesetz "von oben" (so wird Wulff es dann nennen) zu Fall gebracht. Eine evtl. dann schwarz-gelbe Bundesregierung wird sich nicht schwer tun, das VW-Gesetz erneut zu ändern. Und nachdem das VW-Gesetz gefallen sein wird, wird VW zu einem der attraktivsten Unternehmen an der Börse. Die VW-Aktien werden steigen. Auch zur Freude von Wulff. Er kann sich dann überlegen, ob er laufende Dividendeneinnahmen bevorzugt oder Kursanstiege zum Verkauf des Tafelsilbers nutzen wird. Immerhin macht ihm ja das Unternehmen, in dem die zweite Ehefrau dieses "Christ"demokraten früher Pressereferentin war, auch noch Sorgen und bedarf evtl. der einen oder anderen Unterstützung.

Im übrigen waren auch die scharfen CO2-Vorgaben der EU-Kommission ein wichtiger Beweggrund für Porsche, sich an VW zu beteiligen. Kommissar Verheugen sagte hierzu wörtlich: "50% plus 1 Aktie genügen, um die CO2- Emissionen von Flotten miteinander verrechnen zu können."

Wiedeking wird für ihn selbst zu spät Recht bekommen. Er wird aber weder auf das Niveau eines Hartz noch das eines Rotlichtbezirkes sinken. Vielleicht steigt er ja an anderer Stelle ins Elektroautogeschäft ein?