Sonntag, 13. Juni 2010

Audi triumphiert in Le Mans, Porsche gewinnt GT2-Klasse

Von den Plaetzen 5 - 7 waren sie gestartet. Am Ende belegen sie die Plätze 1 - 3 auf dem Podest. Bereits im zweiten Jahr seines Einsatzes erwies sich der Audi TDI R15 als zuverlaessiger als die ausgereiften Peugeots 908. Ich bin begeistert. Hoffe, morgen wird auch in WOB ein bisschen gefeiert...

Damit feiert Audi den neunten Sieg im wichtigsten Autorennen des Jahres und liegt in der ewigen Siegerliste auf Platz 2 - hinter Porsche.



Zitat Audi:
Der insgesamt neunte Triumph der Marke in Le Mans wurde auch durch eine Technologie möglich, die in den vergangenen drei Jahren von Audi Sport unter großer Geheimhaltung für den Rennsport entwickelt wurde: Der rund 440 kW starke V10-TDI-Motor des Audi R15 TDI verfügt über Turbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG).

VTG-Lader sind bei Audi-TDI-Motoren in der Serie Standard. Der Einsatz in Le Mans hilft den Ingenieuren von Audi, die Technologie für die zukünftigen kleineren, hocheffizienten Turbomotoren weiterzuentwickeln. "In Le Mans haben wir es mit Temperaturen von über 1.000 Grad zu tun, wie man sie bei Serienmotoren noch nicht kennt", erklärt Ulrich Baretzky, Leiter Motorentechnik bei Audi Sport. "Durch das Downsizing wird auch die Serienentwicklung in vergleichbare Temperaturbereiche vorstoßen. Deshalb ist VTG ein weiteres gutes Beispiel, wie bei Audi der Technologietransfer zwischen Motorsport und Serie funktioniert."

Der siegreiche Audi R15 TDI mit Timo Bernhard (Deutschland), Romain Dumas (Frankreich) und Mike Rockenfeller (Deutschland) fuhr in den 24 Stunden insgesamt 397 Runden. Mit der zurückgelegten Distanz von 5.410 Kilometern brach das Trio den aus dem Jahr 1971 stammenden Rekord von Dr. Helmut Marko und Gijs van Lennep im Porsche 917, der als unschlagbar galt, weil damals auf der Hunaudières-Gerade noch ohne Schikanen gefahren wurde – ein weiterer Beweis für die Leistungsfähigkeit der Audi-TDI-Technologie.
Zitatende

Ein Porsche 911 GT3 RSR (Privatfahrer) hat in der GT2-Klasse gewonnen. Dahinter landete ein Ferrari. Auf dem dritten Platz wiederum ein 911er.

Samstag, 12. Juni 2010

WM Publiv Viewing in Berlin

Leichte Verwirrung: Wo ist die Fanmeile? Antwort: Es gibt mehrere. Eine große vorm Olympiastadion, von der aber anscheinend keiner weiß. Und eine Beach-Bar am Humboldthafen, nördlich vom Hbf.:

Hier der Überblick: Link

Le Mans: Peugeot start aus Reihe 1-2, Porsche feiert Jubiläum

So, nach dem Voodoo-Zauber jetzt wieder zu den ernsten Dingen des Lebens: Zum 24h - Rennen von Le Mans:

Oh, oh, oh. Ich hatte gehofft, dieses Jahr kommt die große Revanche von Audi. Aber beim Qualifying in Le Mans hat Peugeot Audi auf die Plätze 5 bis 7 verwiesen. Ganz vorne startet der in Le Mans geborene Sebastien Bourdais.

Das wird ein spannendes 24h-Rennen. Um 15h gehts los. Bei Eurosport und Yahoo!

Ebenfalls am Start: Sechs Porsche 911 GT3 RSR in der LMGT2 Klasse (Seriennahe Sportwagen). In dieser Klasse kämpfen Aston Martin, Ferrari und Porsche um ihr Renommee.

Porsche hat in LeMans 16 Gesamtsiege gefeiert. Den ersten vor 40 Jahren. Es war die hohe Zeit des Porsche 917, den ein gewisser Ferdinand Piech mit konstruiert hat. Seine Konstrukteursphilosophie damals: Leichtbau und Leistung. Schon 1971 setzte Piech auf Magnesium als Werkstoff für den Rahmen. Der Magnesium Porsche 917 stellte den 24h-Rundenrekord auf, der bis heute gilt: 397 Runden bzw. 5335km.

Porsche ging 1980 auch mit zwei 924 Carreras (2.0 l Hubraum) und 1981 mit dem 944 GTR "Le Mans" (2,5 l Hubraum) an den Start. Der 944 belegte immerhin Platz 7 in der Gesamtwertung (Link zu Porsche).

Und 30 Jahre nach ihrem Le Mans Debut findet man die Porsche Frontmotoren immer noch auf Rennstrecken, z.B. hier bei Berlin ;-)



1974 durften in Le Mans zum ersten mal Turbos an den Start gehen. Es war die Geburtsstunde des 911 Turbo.

Porsche wird sein Siegjubiläum bei den LeMans Classics im Juli feiern.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Ein Ständchen für Emmily



Wir hauen die Oberschicht mit hunderten von Milliarden raus. Und wer 1,80 unterschlägt, verliert ihr Vertrauen?

Die Mittelschicht in Haftung - mittels Spitzensteuersatz

Das ist wieder ein schönes Beispiel, wie die Oberschicht die Mittelschicht in Haftung nimmt: Der Spitzensteuersatz beginnt bereits bei 53.000€. Von hier bis zum Einkommensmillionär zahlen alle den gleichen Satz.

Hier müsste viel mehr Spreizung und Differenzierung reingebracht werden, damit man die Absahner auch mal gezielt "adressieren" kann. Das ist über Jahrzehnte gezielt "versäumt" worden.

Sollte die Koalition nun hingehen, und den sog. Spitzensteuersatz doch noch erhöhen, wäre die Mittelschicht getroffen. Die Oberschicht kann sich sicher darauf verlassen, dass die Mittelschicht dagegen Sturm laufen wird...

Damit kommt die Oberschicht, die Georg Schramm am Dienstagabend so treffend als "Schönwetterelite" bezeichnete, völlig ungeschoren davon. Obwohl sie -und nicht die Sozialleistungsempfänger- der größte Transfermittelempfänger und Subventionsnutznießer im Lande ist.

Und darin liegt der Skandal.

Dienstag, 8. Juni 2010

Bericht von der 2. Ideenkonferenz der Berliner SPD



Ich war am Samstag Teilnehmer der 2. Ideenkonferenz der Berliner SPD im Rahmen der Hauptstadtgespräche (Link). Thema: "Neue Industrialisierung"

Ich war neugierig auf das Thema, befürchtete aber, hier wieder einmal die üblichen Redner von IHK, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing zu treffen. Stattdessen standen eine Unternehmerin, eine Unternehmensberaterin, ein Volkswirt und ein Technologiezentrummanager auf dem Podium.

Es ging um den Nachfolger der "Kreativ"-Agenda, die Richard Florida vor einigen Jahren ausgelöst hatte und die in Berlin Resonanz gefunden hatte in dem Claim: "Arm, aber sexy".

Die SPD hat die Industrie wiederentdeckt. Als Anliegen und als Hort künftiger Wähler. Die SPD will die richtigen Fragen zum Thema neue Arbeit formulieren und dann Antworten finden. Vor allem aber will sie von den Mitgliedern und Bürgern wissen, wo neue Massenarbeitsplätze entstehen können.

Elektromobilität
Deshalb war ich ein bisschen überrascht, ausgerechnet hier eine Vertreterin von McKinsey (Dr. Katrin Suder) zu finden. McKinsey hatte doch jahrelang Kostensenkungen; Produktionsauslagerung und den schlanken Staat gepredigt. Fast verärgert wurde ich , als ich deren neue Berlin Studie in die Hand nahm und las, dass Elektromobilität ein lohnendes Thema für Berlin sei. Die Idee hatte ich schon vor zwei Jahren. Nicht nur als Thema für Berlin, wo diese Autos eingesetzt werden können. Sondern auch für das umliegende Brandenburg mit seinen Windparks, die diese Autos speisen könnten. Vor zwei Jahren antwortete mir die Senatsverwaltung, Elektroautos seien ihr zu gefährlich, weil die sich lautlos an Fussgänger heranschleichen.

Erst wenn McKinsey so etwas vorschlägt, kann anscheinend etwas dran sein. So tickt leider auch die Landespolitik. Im Vorwärts lese ich dann auch, dass Berlin Modellregion für Elektromobilität werden will. Doch Michael Müller, der Vorsitzende der Berliner SPD sagt auf dem Podium: Wenn es nach ihm ginge, sollte man für Entfernungen unter 100 km überhaupt kein Auto benutzen. Egal ob elektrisch oder benzingetrieben. Ist er damit nun schon wieder ganz vorne oder hinten dran?
Das war jedenfalls nicht die einzige Gegendarstellung an diesem sonnigen Tag im Charlottenburger Ludwig-Ehrhard-Haus.

Erfreulicherweise gibt es für Berlin auch gute Nachrichten: Nach Schließung des Flughafens Tegel ist dort ein Entwicklungszentrum für Elektromobilität geplant. Und Daimler wird seine Elektromotenproduktion nach Marienfelde verlagern. Und auch Continental baut seinen Batteriestandort zur Entwicklung von Energiemanagementsystemen aus. Hier entstehen eine Menge Optionen für Ingenieure in Berlin. Und das ist wirklich gut so!


Fährt lieber Bahn: SPD-Landeschef Michael Müller

Die zweite Gegendarstellung ging so: Als der VWL-Professor erklärte, den kreativen Existenzgründer von heute finde man mit dem Laptop im Cafe, weil er da am besten auf neue Ideen käme, da stellte die Köpenicker Unternehmerin Gabi Grützner von der micro resist GmbH klar: Es sei schon sehr lange her, dass sie mit ihrem Laptop in einem Cafe gesessen habe. In der Regel müsse sie täglich im Büro oder bei ihren Kunden Probleme lösen und Antworten finden...

Kurze Geschichte der Wirtschaftsförderung
Nach der Industrie- kam die Dienstleistungsgesellschaft. Politiker und Gewerkschaften sahen darin die einzigen Arbeitsplätze, die man nicht in andere Länder auslagern kann, weil Dienstleistungen immer direkt am Kunden erbracht werden müssen. Doch die Dienstleistungen arteten aus: Für die "Gewerblichen" (ein unzulässig eingrenzender Begriff, ähnlich wie "Bürgerliche") in Niedriglohnjobs, für die Akademiker in dekorierter Leiharbeit (sprich: "Beratung"). Der Vorteil war: Dienstleister halten sich selbst über Wasser. Man kann auch Gewinn mit ihnen machen. Aber richtig abheben, the next big thing, kann man mit ihnen nicht so richtig.

Dafür braucht es doch Produkte. Aber nicht solche, die es schon gibt und mit denen man nur im Preiskampf steht. Deshalb erfand der amerikanische Soziologe Richard Florida die "kreative Klasse". Nur der Kreative erkennt neue Bedürfnisse und entwickelt dazu passende, neue Produkte. Also setzten -auch in Deutschland- immer mehr Regionalpolitiker auf diese kreative Klasse, von der sie glaubte, sie entwickle ihre Ideen in Cafes an ihren Laptops.

Doch auch das zündete nicht so richtig. Berlin z.B. blieb arm, wenn auch sexy. Irgendwann muss denen einer geflüstert haben, dass massenhaft neue Arbeitsplätze nur entstehen, wenn man sich wieder zur industriellen (also produktorienterten) Wirtschaft bekennt.

Gewerke statt Dienstleistungen
Der Clou dabei ist: Die gleichen modernen Berufe können sowohl Dienstleistung als auch Industrie. Der Auftragsprogrammierer, der seine Stunden abrechnet, aber auf die Schutzrechte an seinem Gewerk verzichtet, kann genau so gut, Standardprodukte entwickeln und diese als lizenierte Kopien in die Welt verkaufen.

Das Neue daran: Hierzu sind Investitionen erforderlich. Und hierzu wiederum Eigen- oder Fremdkapital. Mir fiel eine alte Diskussion mit Tom und Egon im Grunewald ein: Warum müssen private Anleger immer in anonyme Fonds investieren? Warum kann man als Berliner nicht gezielt in Berliner Unternehmer investieren? Diese Frage stelle ich auf der Ideenkonferenz am Samstag.

Die Antworten vielen gemischt aus: Die McKinsey Beraterin nickte heftigt. Die Unternehmerin schüttelte den Kopf: "Nee, wenn Sie einen Tip von mir wollen: Holen Sie sich bloß keine Mitbestimmer ins Haus. Bleiben Sie selbstbestimmt. Ich habe mit den Berliner Banken gute Erfahrungen gemacht, auch in der Finanzkrise." Das einzige, woran es ihr wirklich fehle, seien gute Vertriebsleute. "Ein guter Ingenieur ist eben nicht automatisch auch ein guter Verkäufer." - Und genau diesen Bedarf hatten Prof. Fricke von der TFH Wildau und ich schon vor fünf Jahren erkannt, als wir als Entsandte von der IHK Frankfurt/Oder einen runden Tisch "Vertrieb für Technologieunternehmen" aufsetzten. Das Thema ist wohl immer noch akut..

Fazit
Jedenfalls habe ich am Samstag folgendes gelernt:
- Die Berliner SPD hat die Industrie wiederentdeckt - anstatt Schornsteine soll die neue Industrie aber grün und kreativ sein.
- Berliner Unternehmen denken anders als Investmentbanker: Keine Fremdgesellschafter und keine Exitpläne.
- Der Berliner SPD Vorsitzende ist nicht auf McKinsey Linie. Wird wohl nie ein Elektroauto kaufen sondern lieber Bahn fahren.

Noch ein Tip:
Etwas ausführlicher mit den Kreativen in der Industrie habe ich mich in einem Gastartikel bei den Ruhrbaronen auseinandergesetzt: Link

Montag, 7. Juni 2010

Bericht von der 2. Ideenkonferenz der Berliner SPD



Ich war am Samstag Teilnehmer der 2. Ideenkonferenz der Berliner SPD im Rahmen der Hauptstadtgespräche (Link). Thema: "Neue Industrialisierung"

Ich war neugierig auf das Thema, befürchtete aber, hier wieder einmal die üblichen Redner von IHK, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing zu treffen. Stattdessen standen eine Unternehmerin, eine Unternehmensberaterin, ein Volkswirt und ein Technologiezentrummanager auf dem Podium.

Es ging um den Nachfolger der "Kreativ"-Agenda, die Richard Florida vor einigen Jahren ausgelöst hatte und die in Berlin Resonanz gefunden hatte in dem Claim: "Arm, aber sexy".

Die SPD hat die Industrie wiederentdeckt. Als Anliegen und als Hort künftiger Wähler. Die SPD will die richtigen Fragen zum Thema neue Arbeit formulieren und dann Antworten finden. Vor allem aber will sie von den Mitgliedern und Bürgern wissen, wo neue Massenarbeitsplätze entstehen können.

Elektromobilität
Deshalb war ich ein bisschen überrascht, ausgerechnet hier eine Vertreterin von McKinsey (Dr. Katrin Suder) zu finden. McKinsey hatte doch jahrelang den schlanken Staat und Deregulierung gepredigt. Verärgert wurde ich, als ich deren neue Berlin Studie in die Hand nahm und las, dass Elektromobilität ein lohnendes Thema für Berlin sei. Die Idee hatte ich schon vor zwei Jahren. Nicht nur als Thema für Berlin, wo diese Autos eingesetzt werden können. Sondern auch für das umliegende Brandenburg mit seinen Windparks, die diese Autos speisen könnten. Vor zwei Jahren antwortete mir die Senatsverwaltung, Elektroautos seien ihr zu gefährlich, weil die sich lautlos an Fussgänger heranschleichen.
Wenn McKinsey so etwas vorschlägt, dann muss was dran sein. So tickt leider auch die Landespolitik. Im Vorwärts lese ich dann auch, dass Berlin Modellregion für Elektromobilität werden will. Doch Michael Müller, der Vorsitzende der Berliner SPD sagt auf dem Podium: Wenn es nach ihm ginge, sollte man für Entfernungen unter 100 km überhaupt kein Auto benutzen. Egal ob elektrisch oder benzingetrieben. Ist er damit nun schon wieder ganz vorne oder hinten dran?

Jedenfalls war das nicht die einzige Gegendarstellung an diesem sonnigen Tag im Charlottenburger Ludwig-Ehrhard-Haus.

Jedenfalls gibt es für Berlin auch gute Nachrichten: Nach Schließung des Flughafens Tegel ist dort ein Entwicklungszentrum für Elektromobilität geplant. Und Daimler wird seine Elektromotenproduktion nach Marienfelde verlagern. Und auch Continental baut seinen Batteriestandort zur Entwicklung von Energiemanagementsystemen aus. Hier entstehen eine Menge Optionen für Ingenieure in Berlin. Und das ist wirklich gut so!


Fährt lieber Bahn: SPD-Landeschef Michael Müller


Die zweite Gegendarstellung ging so: Als der VWL-Professor erklärte, den kreativen Existenzgründer von heute finde man mit dem Laptop im Cafe, weil er da am besten auf neue Ideen käme, da stellte die Köpenicker Unternehmerin Gabi Grützner von der micro resist GmbH klar: Es sei schon sehr lange her, dass sie mit ihrem Laptop in einem Cafe gesessen habe. In der Regel müsse sie täglich im Büro oder bei ihren Kunden Probleme lösen und Antworten finden...

Kurze Geschichte der Wirtschaftsförderung
Nach der Industrie- kam die Dienstleistungsgesellschaft. Politiker und Gewerkschaften sahen darin die einzigen Arbeitsplätze, die man nicht in andere Länder auslagern kann, weil Dienstleistungen immer direkt am Kunden erbracht werden müssen. Doch die Dienstleistungen arteten aus: Für die "Gewerblichen" (ein unzulässig eingrenzender Begriff, ähnlich wie "Bürgerliche") in Niedriglohnjobs, für die Akademiker in dekorierter Leiharbeit (sprich: "Beratung"). Der Vorteil war: Dienstleister halten sich selbst über Wasser. Man kann auch Gewinn mit ihnen machen. Aber richtig abheben, the next big thing, kann man mit ihnen nicht so richtig.

Dafür braucht es doch Produkte. Aber nicht solche, die es schon gibt und mit denen man nur im Preiskampf steht. Deshalb erfand der amerikanische Soziologe Richard Florida die "kreative Klasse". Nur der Kreative erkennt neue Bedürfnisse und entwickelt dazu passende, neue Produkte. Also setzten -auch in Deutschland- immer mehr Regionalpolitiker auf diese kreative Klasse, von der sie glaubte, sie entwickle ihre Ideen in Cafes an ihren Laptops.

Doch auch das zündete nicht so richtig. Berlin z.B. blieb arm, wenn auch sexy. Irgendwann muss denen einer geflüstert haben, dass massenhaft neue Arbeitsplätze nur entstehen, wenn man sich wieder zur industriellen (also produktorienterten) Wirtschaft bekennt.

Gewerke statt Dienstleistungen
Der Clou dabei ist: Die gleichen modernen Berufe können sowohl Dienstleistung als auch Industrie. Der Auftragsprogrammierer, der seine Stunden abrechnet, aber auf die Schutzrechte an seinem Gewerk verzichtet, kann genau so gut, Standardprodukte entwickeln und diese als lizenierte Kopien in die Welt verkaufen.

Das Neue daran: Hierzu sind Investitionen erforderlich. Und hierzu wiederum Eigen- oder Fremdkapital. Mir fiel eine alte Diskussion mit Tom und Egon im Grunewald ein: Warum müssen private Anleger immer in anonyme Fonds investieren? Warum kann man als Berliner nicht gezielt in Berliner Unternehmer investieren? Diese Frage stelle ich auf der Ideenkonferenz am Samstag.

Die Antworten vielen gemischt aus: Die McKinsey Beraterin nickte heftigt. Die Unternehmerin schüttelte den Kopf: "Nee, wenn Sie einen Tip von mir wollen: Holen Sie sich bloß keine Mitbestimmer ins Haus. Bleiben Sie selbstbestimmt. Ich habe mit den Berliner Banken gute Erfahrungen gemacht, auch in der Finanzkrise." Das einzige, woran es ihr wirklich fehle, seien gute Vertriebsleute. "Ein guter Ingenieur ist eben nicht automatisch auch ein guter Verkäufer." - Und genau diesen Bedarf hatten Prof. Fricke von der TFH Wildau und ich schon vor fünf Jahren erkannt, als wir als Entsandte von der IHK Frankfurt/Oder einen runden Tisch "Vertrieb für Technologieunternehmen" aufsetzten. Das Thema ist wohl immer noch akut..

Fazit
Jedenfalls habe ich am Samstag folgendes gelernt:
- Die Berliner SPD hat die Industrie wiederentdeckt - anstatt Schornsteine soll die neue Industrie aber grün und kreativ sein.
- Berliner Unternehmen denken anders als Investmentbanker: Keine Fremdgesellschafter und keine Exitpläne.
- Der Berliner SPD Vorsitzende ist nicht auf McKinsey Linie. Wird wohl nie ein Elektroauto kaufen sondern lieber Bahn fahren.

Noch ein Tip:
Etwas ausführlicher mit den Kreativen in der Industrie habe ich mich in einem Gastartikel bei den Ruhrbaronen auseinandergesetzt: Link

Sonntag, 6. Juni 2010

Big Mouth Strikes Again

Gegenüber im Kanzleramt schwitzen die Koalitionäre über ihrem Sparplan.
Passend dazu ihnen zu Ehren folgendes Ständchen:

Nächste Woche: Le Mans

Nächsten Samstag ist es wieder soweit: Das 24h-Rennen von Le Mans startet. Fans wissen: Die Zeit zwischen zwei Rennen nennt man "warten".

Es wird spannend. Voriges Jahr hatte Peugeot die beeindruckende Siegesserie von Audi unterbrochen. Audi hatte den neuen R15, als Nachfolger des R10, am Start, Peugeot seinen betagten, aber zuverlässigen 908 HDi. Audi und Peogeot sind die einzigen Diesel im Rennen - und dominieren. Peugeot startet dieses Jahr noch einmal mit dem 908. Deshalb gilt Audi als Favourit.

In der kleineren, seriennahen GT2-Klasse starten Porsche und BMW. BMW bringt einen echten Blickfang an den Start: Das 17. "Art Car", einen M3 GT2. Von Porsche werden wir zwei 911 (997) GT3 RSR.

Wer es nicht mehr abwarten kann, schaut sich Steve McQueens Klassiker "Le Mans" von 1971 an (Link zu amazon). Ein atemberaubender Hingucker aus der Ära des ewigen Zweikampfes zwischen Porsche und Ferrari:

Gehaltserhöhung für Beamte / Kürzungen bei Hartz IV / Bankensteuer verdaddelt

Die Ausgabenentwicklung des Bundes seit 2005:

Bund gesamt: +25% (319 Mrd.)
Arbeit + Soziales: +20% (143 Mrd.)
Auswärtiges Amt: +44% (3,2 Mrd.)
Bildung + Forschung: +27% (11 Mrd.)
Entwicklungshilfe: +57% (6 Mrd.)
Familie: +43% (6,5 Mrd.)
Finanzbehörden: +20% (4,9 Mrd.)
Gesundheit (Kassenzuschüsse): +350% (16 Mrd.)
Inneres (Antiterrorismus, Personal): +32% (5,5 Mrd.)
Justiz (Pensionsausgaben): +44% (0,5 Mrd.)
Landwirtschaft: +14% (5,8 Mrd.)
Umwelt: +106% (1,6 Mrd.)
Verkehr: +13% (26 Mrd.)
Militär (Auslandseinsätze): +30% (31 Mrd.)
Wirtschaft: +7% (6 Mrd.)
(Quelle: FAZ und Einzelpläne des Bundesfinanzministeriums)

Es liegt auf der Hand, welche unsinnigen Ausgaben wir uns als erstes schenken können:
- Die Diplomatenkarrieren im auswärtigen Amt scheinen zu wuchern. Mehr Staaten müssen nicht zu mehr Diplomaten führen. Da kann mit Hilfe der Telekommunikation und Internet einiges rationalisiert werden. 1,5 Mrd. EUR können hier locker eingespart werden.
- Bei den Forschungsausgaben muss endlich ein Controlling eingeführt werden. Man muss nicht jedem Modethema hinterherrennen und man muss nicht jedem Unternehmen, dass vorgibt in einem Modethema zu forschen, das Geld mit der Gieskanne zukommen lassen.
- Die Terrorparanoia hat zu absurden Ausgabenorgien der Innenminister geführt. Es wird in Technik investiert, die lediglich Scheinsicherheiten bietet. Biometrie, Abhören von Leitungen etc. Das braucht man alles nicht.
- Das Preisniveau deutscher Arzneien muss endlich auf den europäischen Durchschnitt abgesenkt werden.
- Den Afghanistaneinsatz können wir uns nicht mehr leisten. Abziehen!
- Die zahllosen Alibi-Weiterbildungsmaßnahmen von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden müssen radikal gekürzt und auf ihre Wirkung untersucht werden. In dem Moloch "Arbeit und Soziales" verbergen sich zahllose Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für den öffentlichen Dienst und Funktionäre.
- Die 5 Mrd Elterngeld, die überwiegend von männlichen Führungskräften in Anspruch genommen werden, sind eine Sozialleistung für Besserverdienende, also FDP-Klientel. Streichen!

Außerdem bin ich der Meinung, dass wir Pensionen und Gehälter für Spitzenbeamte Abgeordnete und Regierungsmitglieder im Zaum halten müssen. Gerade von Beamten erwarte ich, dass sie ihren Beitrag zur Beseitigung der Finanzkrise leisten. Es wäre schließlich ihre Aufgabe gewesen, diese rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Die BILD-Zeitung rechnet heute übrigens vor, auf welche Gehaltserhöhungen sich Beamte und Abgeordnete -auch in diesen Zeiten!- freuen dürfen: Link. Satt eine Mrd. per anno. Ganz zu schweigen davon, dass es sicherlich auch im Beamtenapparat noch Stellen gibt, auf die man verzichten kann. Z.B. frage ich mich immer noch, was eigentlich die 95.000 Mitarbeiter des Arbeitsamtes den ganzen Tag so ausrechnen. Dabei rede ich nicht von denen, die vor Ort Arbeitslose in neue Stellen vermitteln, sondern von der Hauptverwaltung.

Man darf auch über neue Abgaben und Steuern reden. Aber selbstverständlich nicht über solche, die die wertschöpfenden Schichten betreffen. Merkel und Schäuble haben versprochen, dass sie die Finanztransaktionssteuer einführen, wenn andere Länder mitmachen. Auf dem G20 Gipfel erwarte ich deshalb von beiden, dass sie sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen. US-Finanzminister Geithner war vor kurzem zu Besuch in Berlin. Hat Schäuble ihn bedrängt, mitzumachen? Ich habe nichts dergleichen gehört.

Stattdessen lesen wir heute: "G20 beerdigen globale Bankenabgabe" (Link).

Was deshalb gar nicht ginge, wäre: Weil man es nicht auf die Reihe bekommt, bei den Krisenverursachern zu kassieren, sich stattdessen an Hartz IV Empfänger zu halten. Das wäre geradezu asozial.

Ich stelle mir die Bankkundin vor, die wegen der Provisionsgier ihres Bankberaters dieses oder jenes kollabierende Zertifikat gekauft hat und nun am Ende ist. Sie bekommt Hartz IV. Merkel und Schäuble verschonen die Bank und halten sich bei den Opfern schadlos.

Samstag, 5. Juni 2010

Relaxen in der Wolfsburger AUTOSTADT

Immer nur Arbeitstermine in Wolfsburg. Fast hätte ich vergessen, wie gut man da auch relaxen kann. Ich kann es echt weiter empfehlen. Vor allem während der MOVIMENTOS Festwochen (Link):











"Kreative in die Industrie!"

Ich kenne etliche Anhänger von Richard Floridas These, dass die Zukunft den Kreativen gehört. Aber ich kenne keinen, der sie in Deutschland mal richtig umgesetzt hätte.

Richard Floridas Leistung liegt meiner Meinung nach darin, dass er erkannte, wie wichtig der Modus ist, in dem Kreative arbeiten. Unter "Kreativen" verstehe ich in diesem Zusammenhang diejenigen, die Werke schaffen, die durch ein gewerbliches Schutzrecht schützbar sind, also Texte, Grafiken, Filme, Fotos, Musik, technische Lösungen und Software.

Es gibt Kreative, die in Vorleistung gehen. In ihr Werk investieren, ihre Schutzrechte absichern und dann Kunden dafür suchen, die bereit sind, für eine Lizenz zu bezahlen. Das sind die Unternehmer in eigener Sache. Sie schaffen Produkte, die sich durch einfaches Kopieren beliebig vervielfachen und zum Preis einer Stücklizenz verkaufen lassen. Diese Kreativen schaffen Arbeitsplätze und generieren Steuereinnahmen. Ihnen kommen Multiplikatoreffekte zu.

Und es gibt Kreative, die mögen die gleiche Ausbildung und Bildung genossen haben, und die gleichen Dinge tun, sogar die gleichen Werke herstellen. Der wichtige Unterschied: Sie tun dies im Auftrag. Als Dienstleistung. Ihr Vorteil: Sie müssen keine Investitionen riskieren, kein Eigenkapital beschaffen. Und sie haften nicht. Ihr Nachteil: Sie werden nach Aufwand bezahlt und haben in der Regel eine Klausel in ihrem Dienstleistungsvertrag, nach der sie die Verwertungsrechte an ihren Auftraggeber abgeben. Diese Kreativen sind die Prototypen der Ich-AGs. Sie erfinden das Rad immer wieder neu, im Auftrag für andere. Von Multiplikatoreffekten profitieren sie nur wenig.

Richard Florida und seine Anhänger wie Wolf Lotter meinen erstere, wenn sie von der Creative Class schwärmen. Die Politik und viele Wirtschaftsförderungen jedoch haben das Thema lange missverstanden und dachten, hinter jeder Ich-AG lauere ein Steve Jobs auf seine Gelegenheit.

Richtig ist auf jeden Fall: Nur durch kreative Leistungen schaffen wir neues Wachstum (wenn wir das wollen). Nicht durch Nachahmung und Preisdumping. Einer der wenigen richtigen Sätze von Angela Merkel lautet: Wir dürfen um soviel teuerer sein, wie wir besser sind.

Der Auftragsprogrammierer konkurriert gegen die unschlagbar billigen Konkurrenten aus Indien und China. Der Lizenzgeber, der ein Produkt für einen neuen Markt geschaffen und mit Schutzrechten abgesichert hat, muss wenig Konkurrenz fürchten.

Landes- und Regionalpolitiker haben eine Lernprozess hinter sich. Und gerade im Ruhrgebiet und in Berlin hat man sehr ähnliche Lernprozesse hinter sich. Beiden brach die industrielle Basis weg. Sie beobachteten wie Massenarbeitsplätze aus der Produktion nach Fernost exportiert wurden. Ihre Reaktion darauf: Dann müssen wir uns auf das stürzen, was nicht exportiert werden kann: Dienstleistungen. Die müssen immer am Kunden, also im Lande, erbracht werden. Deshalb waren Dienstleistungen das neue Allheilmittel. Doch sie taugten als wirtschaftspolitische Strategie nur dafür, Leute über Wasser zu halten. Z.B. in Callcentern. Callcenter haben keine Schornsteine und beschäftigen trotzdem hunderte von Leuten zu beliebig flexiblen Arbeitszeiten. Und nutzen Telekommunikation, waren also nach dem Verständnis von Regionalpolitikern "innovativ".

Aber, wir schon mein früherer Kollege bei RWE gerne sagte: "Deutschlands Zukunft liegt nicht darin, dass wir uns gegenseitig alle die Haare schneiden." Damit traf er den Punkt.

Der Berliner Senat schwamm eine Weile auf der kreativen Welle mit. Weil Berlin so viele Kreative hat: Zig Modedesigner in der Kastanienallee in Berlin Mitte. Tausende "selbständiger" Softwareentwickler. Aber daraus wurden nur ganz wenige produzierende Unternehmen, die "ansprangen" und schutzrechtsfähige Standardprodukte in die Welt verkaufen.

Doch seit heute gibt es eine neue "Agenda", zumindest in der Berliner SPD. Die lautet:

Kreative in die Industrie!

"Hauptstadt im Gespräch"
Heute fand im Charlottenburger Ludwig-Erhard-Haus die zweite "Berliner Ideenkonferenz" statt. Motto: "Neue Industrialisierung - Nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften".

Dort fielen heute Stichworte und Namen, die ich vor Jahren vergeblich versuchte, in der Berliner FDP zu etablieren, doch leider tummeln sich in der vermeintlichen Wirtschaftskompetenzpartei nur Rechtsanwälte. Also, heute war die Rede von AEG als Blaupause von Apple, weil schon der alte Rathenau wusste, dass man neuartige Produkte besonders kundenfreundlich gestalten muss. (Das stimmt: die alten Dreh-Lichtschalter im Keller waren den Drehschaltern nachempfunden, mit denen man davor die Gasleitung für die Beleuchtung aufdrehte.)

Auf dem Podium tummelten sich heute ein Wirtschaftsprofessor, ein Berater für Wirtschaftsförderung, der Manager vom Technologiezentrum Adlershof und eine echte Unternehmerin: Gabi Grützner von der micro resist GmbH.

Zuerst befürchtete ich, dies sei eine der vielen Veranstaltungen, bei denen sich die vielen Angestellten der Wirtschaftsförderung, Landesbank, Stadtmarketing, IHK und etlichen öffentlicht finanzierten "Netzwerkkoordinatoren" gegenseitig Vorträge halten und Kaffee und Kekse anbieten. Aber heute war doch etwas anders, besser:

Denn während die Philosophie vieler Teilnehmer sonst lautet: "Hauptsache, man wird nichts gefragt", war heute das Publikum ausdrücklich zu Ideen und Fragen aufgerufen. Außerdem hatte man mit Christian Stahl einen schlagfertigen Moderator. Und so erinnerte mich manches an Hart, aber fair.

Das Opening besorgte McKinsey mit der senationallen Erkenntnis, dass Berlin "mehr kann". Z.B. Modellstadt für -Achtung: Sensation- Elektromobilität sein. Berlin sei hier im Wettbewerb mit dem Ruhrgebiet und Singapur.
Ich hatte das der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt schon mal vor zwei Jahren vorgeschlagen. Antwort damals: Elektroautos sind zu leise. Die schleichen sich an Fussgänger ran und fahren sie dann um. Außerdem sind die noch völlig unterentwickelt. Wenn McKinsey das gleiche schreibt und fordert, ist das aber etwas anderes. Dann ist das professionelle Kreativität, und mit dem Namen wird man gehört.

Der Adlershofer Manager lobt McKinsey ausdrücklich dafür, dass die sich mal "hingesetzt und nachgedacht" haben. Es erinnerte mich an die Art, mit der sich Wolfgang Schäuble neulich bei Josef Ackermann für dessen "Engagement" in Griechenland bedankte...

Der Professor für Volkswirtschaft griff als nächstes das Bild vom Kreativen mit Laptop im Cafe auf, um zu verdeutlichen, dass die neuen Industrien nicht mehr mit großen Hallen und Schornsteinen daher kommen. Worauf ihm die Unternehmerin später erwiderte: "Ich habe schon lange nicht mehr mit einem Laptop im Cafe gesessen habe. Ich muss eigentlich andauernd irgendwelche Aufgaben und Probleme lösen."

Sie wies darauf hin, dass achtzig Prozent der Berliner Unternehmer weniger als fünfzehn Mitarbeiter haben. Und dass es angesichts des niedrigen Gehaltsniveaus in Berlin schwierig sei, Hochschulabsolventen und ausgelernte Azubis im Unternehmen zu halten. Viele wanderten einfach ab nach Süddeutschland. Kreativität sei auch wichtig, aber zum Handwerkszeug fürs Wachstum gehöre mehr. Denn jedes neue Produkt müsse aus einer erfolgreichen Cash-Kuh finanziert werden.

Da fiel mir eine alte Diskussion aus meinem sozialliberalen Gesprächskreis im Grunewald ein. Ich meldete mich am Mikro: "Ich wundere mich, warum das Stichwort Kapitalbedarf und Untenehmensfinanzierung heute noch nicht genannt wurde." Einwurf vom Moderator: "Sie meinen, nach all den unrealen Zockereien jetzt mal in was Reales investieren?" - Und ich so: "Genau: Warum kann ich als Berliner nicht in Berliner Startups investieren. Warum werden hierfür nicht mal Fonds aufgelegt und Foren für Anleger und Existenzgründer organisiert?".

Heftiges Kopfnicken bei der McKinsey Beraterin. Doch Kopfschütteln bei der Unternehmerin. Wie bitte? "Nee, ich kann Ihnen nur raten: Bleiben Sie selbstbestimmt! Holen Sie sich keine Mitbestimmer ins Haus. Die Berliner Banken haben während der Finanzkrise alle weiter gut funktioniert und den Berliner Mittelstand mit Krediten versorgt. Die IBB hat die 250k€ Startdarlehen aufgelegt und die Mikrokredite. Funktioniert alles gut." Was ihr viel Dringender fehle seien gute Vertriebsmitarbeiter. Das wiederum wusste ich seit fünf Jahren, als ich mit der IHK Frankfurt/Oder und Professor Fricke von der TFH WIldau mal eine Vertriebs- und Marketinginitiative für Technologieunternehmen organisiert hatte. Da waren wir auch mal bei ihr zu Gast.

Da war ich baff. Mein im Kern immer noch liberales (aber eben sozialliberales) Weltbild ein wenig erschüttert. Dem Berliner Mittelständler fehlt es nicht an Kapital oder Krediten. Die McKinsey Beraterin sagte mir später in der Pause, solche Fonds gebe es inzwischen. Man könne hin und wieder im -nächste Überraschung:- Tagesspiegel davon lesen, oder Werbung sehen.

Was Frau Grützner von der Berliner Politik erwarte, waren nur zwei Dinge: Erstens, werdet schneller. Wir können selten so lange warten, bis Ihr etwas entschieden habt. Und werft im Bezirk nicht alle Regeln um, wenn mal der Bürgermeister wechselt. Und zweitens: Lasst Euch was einfallen, mit dem Ihr die jungen Leute in Berlin haltet. (Wenn man das so liest, wundert man sich: Ich dachte immer, vor allem die Jugend ziehe es nach Berlin..).

Mein Zwischenresüme, bevor der SPD-Landesvorsitzende Müller- zum "Hard Talk" (Konfrontationsinterview) musste: Die neue Industrialisierung kommt sehr sozialdemokratisch daher. Die Berliner Unternehmer wollen kein Fremdkapital mehr und leiden nicht unter Kreditklemmen. Sie erwartet von der Politik, dass die Verwaltung schneller wird. Und dass irgendwer die Jugend im Lande hält.

Zum Schluss also wurde noch Gastgeber und SPD - Chef Micharl Müller interviewt. Er eröffnete mit einem verblüffenden Statement: "Die Politik will sich zurücknehmen, wenn auf dieser Konferenz über Ideen diskutiert wird." Klang das nur in meinen Ohren schwach..? Was er von der McKinsey - Studie halte, nach der Tourismus, Elektroautos und die Pharmazie bis zu 500.000 neue Arbeitsplätze hergäben? Antwort, und das fand ich jetzt gut: "Es ist richtig, so einen hohen und konkreten Anspruch zu haben." Und außerdem sei es Gerhard Schröder zu verdanken, dass die SPD wieder über Wirtschaft spreche und Kompetenz beanspruche.

Als dicke Pfunde, mit denen Berlin im Wettbewerb um die neue Industrialisierung wuchern könne, seien drei leere Großflächen inmitten einer gewachsenen Großstadt: Tempelhof, Tegel und der Humboldthafen, nördlich vom neuen Hauptbahnhof.

Und dann fragte ihn der Moderator, was er denn von Berlin als Modellstadt für Elektromobilität halte. Und Müller antwortete: "Also, für Entfernungen unter 100 Kilometern muss eigentlich keiner mit dem Auto fahren. Meine Vision ist die einer Großstadt, in der der öffentliche Nahverkehr so gut ist, dass niemand mehr ein Auto braucht."

Dieses Statement brachte den größten Applaus auf der gesamten Veranstaltung...

Mittwoch, 2. Juni 2010

Keine Leyenschar: Die Sixt-Texter



Gefunden via Pottblog.

#Notmypresident



Warum Ursula "Magda" von der Leyen nicht Bundespräsidentin werden darf, liegt auf der Hand. Sie ist in gewisser Hinsicht das genaue Gegenteil von Horst Köhler:

- Köhler verkörperte die "gebildete Naivität" (Süddeutsche).
- Von der Leyen verkörpert ungebildete Arroganz. Das hat sie mit ihrem unqualifizierten Aktionismus bei der Zensur des Internets bewiesen. Und mit ihren ungehobelten Wahlkampfauftritten im vergangenen Jahr.

In Berlin habe ich bereits heute mehrere dieser Plakate gesehen. Bei Twitter und einer "Versprechensbank" (Link) drohen etliche Bürger Spontandemos an, wenn von der Leyen Bundespräsidentin werden sollte.

Da können Springer und Bertelsmann/RTL noch so boulevardesk für sie PR machen.

Die SPD darf hier auf gar keinen Fall mitstimmen. Sonst wird es wieder eine Austrittswelle geben.

Dienstag, 1. Juni 2010

IBM meldet vernetzte StartStop-Funktion zum Patent an


Grafik: Offenlegungsschrift US 2010/0125402 A1

Jeder kennt das Dilemma: Man wartet bereits lange an einer roten Ampel und weiß im Nachhinein, es wäre ökonomischer gewesen, den Motor abzustellen. Warum zeigt keine Ampel öffentlich an, wie lange sie noch rot sein wird?

Wir kennen die Vorampeln, die anzeigen, dass die Ampel an der Kreuzung auf Rot schalten wird. Dies vermeidet (oder bewirkt??) unnötige Beschleunigungen, deren Energieverbrauch durch nachfolgendes Bremsmanöver reine Verschwendung war..

An der roten Ampel stehend, muss der Fahrer zwei Dinge gegeneinander abwägen: Die Einsparung durch den Motorstop und den Mehrverbrauch, den ein Wiederstart bewirkt, vor allem bei kaltem Motor. Diesen "Tradeoff" kann man nur berechnen, wenn man weiß, wie lange die Ampel noch rot zeigen wird.

Und mal angenommen, man steht mit gestopptem Motor hinter einer langen Baustellenschlange. Man schaltet den Motor ja nicht sofort wieder ein, wenn die Ampel auf grün schaltet. Sondern man wartet, bis der zweite oder dritte Vordermann startet.

Diesen Prozess hat IBM für eine Patentanmeldung aufgegriffen. IBM schlägt in seiner US Anmeldung mit dem Aktenzeichen US 2010/0125402 A1 (Erfinder: Bansal, Gandhi, Kottawar und Mahajan) vor, dass die Verkehrszeichenanlage die Reihe von Fahrzeugen vor einer bereits auf rot stehenden Ampel ermittelt. Dann berechnet sie anhand der Restlaufzeit der Ampelphase, ob sich ein Stoppsignal an die Fahrzeuge lohnt. Wenn so, sendet sie dieses.
Beim Phasenwechselt gibt sie dem ersten Fahrzeug in der Schlange sofort ein Startsignal. Den dahinter wartenden Fahrzeugen gibt sie gestaffelte Startsignale, so dass sie solange wie möglich noch gestoppt bleiben können.

Das Prinzip lohnt sich vor allem für Ampelkreuzungen, an denen sich üblicherweise lange Schlangen bilden. Und Voraussetzung ist eine vernetzbare (Car2x, Car2Infrastructure) StartStop-Automatik im Fahrzeug.

IBM meldet vernetzte StartStop-Funktion zum Patent an


Grafik: Offenlegungsschrift US 2010/0125402 A1

Jeder kennt das Dilemma: Man wartet bereits lange an einer roten Ampel und weiß im Nachhinein, es wäre ökonomischer gewesen, den Motor abzustellen. Warum zeigt keine Ampel öffentlich an, wie lange sie noch rot sein wird?

Wir kennen die Vorampeln, die anzeigen, dass die Ampel an der Kreuzung auf Rot schalten wird. Dies vermeidet (oder bewirkt??) unnötige Beschleunigungen, deren Energieverbrauch durch nachfolgendes Bremsmanöver reine Verschwendung war..

An der roten Ampel stehend, muss der Fahrer zwei Dinge gegeneinander abwägen: Die Einsparung durch den Motorstop und den Mehrverbrauch, den ein Wiederstart bewirkt, vor allem bei kaltem Motor. Diesen "Tradeoff" kann man nur berechnen, wenn man weiß, wie lange die Ampel noch rot zeigen wird.

Und mal angenommen, man steht mit gestopptem Motor hinter einer langen Baustellenschlange. Man schaltet den Motor ja nicht sofort wieder ein, wenn die Ampel auf grün schaltet. Sondern man wartet, bis der zweite oder dritte Vordermann startet.

Diesen Prozess hat IBM für eine Patentanmeldung aufgegriffen. IBM schlägt in seiner US Anmeldung mit dem Aktenzeichen US 2010/0125402 A1 (Erfinder: Bansal, Gandhi, Kottawar und Mahajan) vor, dass die Verkehrszeichenanlage die Reihe von Fahrzeugen vor einer bereits auf rot stehenden Ampel ermittelt. Dann berechnet sie anhand der Restlaufzeit der Ampelphase, ob sich ein Stoppsignal an die Fahrzeuge lohnt. Wenn so, sendet sie dieses.
Beim Phasenwechselt gibt sie dem ersten Fahrzeug in der Schlange sofort ein Startsignal. Den dahinter wartenden Fahrzeugen gibt sie gestaffelte Startsignale, so dass sie solange wie möglich noch gestoppt bleiben können.

Das Prinzip lohnt sich vor allem für Ampelkreuzungen, an denen sich üblicherweise lange Schlangen bilden. Und Voraussetzung ist eine vernetzbare (Car2x, Car2Infrastructure) StartStop-Automatik im Fahrzeug.

Montag, 31. Mai 2010

Für die Katastrophe am Golf hat keiner eine Lösung

BP ist mit seinem Latein am Ende. Die US-Regierung würde BP gerne zur Seite schieben, hat aber selbst auch keine Mittel um die Verseuchung zu stoppen.

Was ich mich frage: Warum bietet kein anderes Ölunternehmen Hilfe an? Bedeutet das, dass keiner auf diesen Fall vorbereitet ist? Es könnte doch jeder Fähige Obama eine Lösung anbieten. Die Rechnung ginge an BP.

Sonntag, 30. Mai 2010

Beyond BP

Wie ein Boomerang kehrt sich die auf Öl und Spekulation basierende Doktrin der USA binnen zehn Jahren nun zum vierten mal gegen sie selbst. Und jeder Boomerang attackierte eine andere Dimension ihrer Politik:

Der 11. September war der Boomerang für die langfristig angelegte eurasische Geostrategie des Sicherheitsberaters Brzinsky: Einflussnahme auf die Region mit den größten Öl- und Gaslagerstätten. Zu Zeiten des kalten Krieges unterstützten sie die Mudschahedin gegen die Sowjets. Seit deren Niederlage nahmen die USA direkten Einfluss. Den Rebound des 11. September nahmen sie nur noch zum Anlass, einmal voll aufzudrehen und offen militärisch zu operieren. Dass dabei die Machtstrukturen der amerikanischen Öldynastien sichtbar wurden, nahmen diese achselzuckend hin. Von außen kann ihnen militärisch niemand zu nahe rücken. Und dass es innenpolitisch eine riesige Umverteilung darstellt, Ölkriege aus Steuergeldern der schwindenden Mittelschicht, aber vor allem aus Anleihen zu finanzieren, nur um private Profite der großen Ölgesellschaften zu finanzieren, ja da könnte sich der eine oder andere proviziert fühlen. Deshalb war es notwendig, gleichzeitig eine beispiellose Big-Brother Gesetzgebund auf den Weg zu bringen. Ebenfalls vom Steuerzahler finanziert und die Freiheit dieser Steuerzahler einschränkend. Und zum Wohle der großen IT-Konzerne.
Die USA leisteten sich unter Bush eine Administration, deren Mitglieder aus der Ölindustrie rekrutiert wurden. Nach einer von ihnen, der ehemaligen Chevrondirektorin Condoleeza Rice, ist sogar ein Tanker benannt. Und Sir Lou Gerstner wechselte vom IBM Chefsessel ins Board der auf Rüstungsfirmen spezialisierten Private Equity Gesellschaft Carlyle Group. Aus der Krise vom 11. September ging die Schicht, deren Interessen vorübergehend angegriffen wurden, gestärkt hervor..

2005 kam Hurrikan Katrina auf die Südküste der USA. Als der Grüne Politiker Trittin dies als Rebound der amerikanischen CO2-Emissionen bezeichnete, wurde er dafür -auch von deutschen- Politikern scharf angegriffen. Aber ist dieser Zusammenhang so abwegig?
Immerhin traf es die ärmeren Staaten der Südküste. Texas blieb verschont. Deshalb musste man Präsident Bush auch erst zum Mississippi tragen, um dort mal "Flagge" zu zeigen. Ein wirtschaftliches Interesse hatte er dort, anders als am Golfkrieg, nicht. Ein Symbol dafür, wer für den CO2-bedingten Klimawandel, wenn es ihn gibt, bezahlt und wer von ihm nur profitiert.

2007 und 2008 geriet das Finanzsystem der USA ins Wanken. Just, als sich der nach oben spekulierte Ölpreis auf einem historischen Höhepunkt befand, drohte das Spielhöllensystem einzubrechen. Der Dollar verlor an Vertrauen. Dabei ist ein hoher Dollar die Grundlage dafür, weltweit billig einkaufen zu können und sich dafür auch noch billig verschulden zu können. Aber damit ist Schluss, wenn jemand den Stecker rauszieht und dem Dollar den Saft abdreht, aus dem dieser seine Stärke bezieht. Solange es weltweit eine Nachfrage nach Dollars gibt, können sich die vereinigten Staaten eine gewisse Übertreibung ihrer Schuldenpolitik leisten. Doch wenn jemand auf die Idee kommt, den Dollar als offizielles Zahlungsmittel nicht mehr zu akzeptieren, würde dies die Nachfrage nach Dollars reduzieren. Und wenn ein erdölexportierender Staat vorschlägt, dass Öltanker künftig nicht mehr in Dollar sondern in EURO bezahlt werden, dann hört der Spass auf. Dann wird fehlendem Vertrauen mit etwas Strategie nachgeholfen. Welch ein Glück, dass auch andere starke Länder abhängig vom Dollar sind, und diese Flauseln wieder ausgetrieben werden konnten. Solange Öltanker in Dollars bezahlt werden, ist der Dollar mit einem Realwert gedeckt.

All diese Attacken auf den Dollar, und damit den Wohlstand der USA, waren gerade pariert, da passierte es ausgerechnet dem schwarzen Schaf der britischen Krone für eine neue Herausforderung zu sorgen. Die seit ihrer Gründung glückloseste Ölfördergesellschaft BP hat geschafft, was Katrina und Alkaida nicht geschafft haben: Die USA von der gesamten Südflanke her zu destabilisieren. Ein dilletantischer Stoß in eine tief liegende Öllagerstätte genügte dafür. Hierfür arbeiten drei Unternehmen zusammen: BP als Auftraggeber und Leasingnehmer für die Bohrplattform Deepwater Horizon. Die Plattform ist ein Entwurf der texanischen Firma Falcon. Gebaut hat sie Hyundai, Korea. Später wurde Falcon von Transocean übernommen. Und, also starring: Halliburton als Auftragnehmer von Transocean.

Die Vorgeschichte:
BP exploriert Ölfelder in den Tiefen des mexikanischen Golfes und wird fündig. Doch BP wäre nicht BP, wenn nicht wieder etwas schief laufen würde. Die Horizon Plattform muss außerplanmäßig eine beschädigte Plattform ersetzen. Zumindest für die Durchstoßbohrung. Und hier treten Probleme auf. Die berüchtigte Dienstleistungsfirma Halliburton wird mit der Abdichtung des Borhlochs beauftragt. Halliburton meldet an Transocean: "Bohrloch ist dicht." Transocean meldet an BP: "Dicht." Doch Drucktests bestätigen dies nicht. Gas dringt ins Bohrrohr. Doch eine Reparatur würde mehrere Millionen Dollar kosten. BP beschließt, das Druckrohr ohne Reparatur abzuziehen...
Gas steigt auf. Weil der Datenschreiber ausfällt, bekommt dies niemand mit. Wenig später kommt es zu zwei Explosionen, mit vielen Todesopfern. Bereits zu diesem Zeitpunkt wäre eine Klage gegen das BP-Management gerechtfertigt, weil sie aus Kostengründen das Leben ihrer Mitarbeiter riskiert haben.

Dann gibt es eine dritte Explosion, in deren Folge die Plattform sinkt, und das Bohrrohr abgerissen wird. Weil daraufhin der BP-Aktienkurs ebenfalls in die Tiefe zu sinken beginnt, fangen die Manager in der BP-Hauptverwaltung an, sich um das Problem zu kümmern: SIe verbieten den von einem Versorgungsschiff geretteten Mitarbeitern der Dienstleistungsunternehmen den Kontakt zur Außenwelt.
Am 14. Mai eine weitere Maßnahme: BP Chef Tony Hayward sagt in einem Interview, der Ölteppich sei im Vergleich zum großen Ozean eher winzig. Alle Maßnahmen, die er befiehlt, scheitern in der Praxis. Wegen des Pfingswochenendes unterbricht BP seine Maßnahmen übers Wochenende. BP will erst einmal Kassensturz machen: Die Maßnahmen haben bereits eine dreiviertel Milliarde Dollar gekostet. Die Quartalsdividende ist gefährdet!

Gestern Abend meldete BP, auch die "letzte" Maßnahme sei gescheitert..Jetzt weiß keiner mehr, was man noch probieren könnte. Bei BP überlegt man, ob es nicht besser wäre, Insolvenz anzumelden. Der Vorteil wäre, dass die Kosten für das Abdichten des Bohrlochs und die Reinigungsarbeiten beim US-Steuerzahler hängen bleiben würden. (An die Sozialisierung privater Risiken sind die Amerikaner inzwischen gewöhnt.) Danach könnte man BP neu gründen. Sozusagen unvorbelastet.

Wahnsinn.

Der Unterschied zwischen den Al Kaida Funktionären und dem CEO von BP ist: Der Angriff von BP ist nachhaltiger.

Samstag, 29. Mai 2010

Elbphilharmonie

Nicht nur in Stuttgart 21 (die 21 steht für den Zuschussbedarf von 2,1 Mrd. EUR), auch in Hamburg lässt sich besichtigen was die CDU unter "Stabilitätskultur" versteht. Schon die ursprünglich geplanten 77 Millionen waren ein Affront für die Hamburger. Aber 350 Mio EURO, immerhin 700 Mio DM, sind eine obszöne Geste an die, deren Leistungen bald gekürzt und Steuern erhöht werden.

Dienstag, 25. Mai 2010

Blut für Öl

Ich wundere mich darüber, dass wir noch keine hochwogende Diskussion über unseren Bundespräsidenten haben. Blogs wie Rotstehtunsgut haben auf ein brisantes Interview des Deutschlandradios mit Horst Köhler hingewiesen. Angeblich ist es zu einem späteren Zeitpunkt in einer "entschärften" Version neu veröffentlicht worden. Dieser Eindruck täuscht. Es gibt eine verkürzte Nachricht des Deutschlandradios über das Interview. Es gibt aber auch noch die Originalfassung. Sowohl textuell als auch als Audiofile (Link siehe am Ende dieses Postings).

In dem kritischen Abschnitt begründet der Bundespräsident unseren Kriegseinsatz (er selbst hat nichts gegen diesen Begriff) mit der Sicherung von Handelswegen, die unsere Versorgung mit Rohstoffen sicherstellen. Im Wortlaut:
... Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.


Köhler wollte eigentlich unseren Soldaten den Rücken stärken und für einen längeren Einsatz in Afghanistan werben, in dem er Klartext redet. Dabei bringt er neben den bisherigen Argumenten der inneren Sicherheit Deutschlands zum ersten mal auch wirtschaftliche Motive für unseren Afghanistaneinsatz ins Spiel - vielleicht angesichts der bevorstehenden Spardiskussion in Deutschland, in der auch unsere Auslandseinsätze zur Debatte gestellt werden könnten.

Er scheint sich im Moment des Interviews aber nicht der Tragweite seiner Aussage bewusst zu sein: Führen wir in Afghanistan einen Krieg, um unsere Versorgung mit Rohstoffen sicher zu stellen?

Da darf man verblüfft sein. Als Demonstranten vor zwanzig Jahren gegen Bush sen. ersten Golfkrieg demonstrierten, riefen sie "Kein Blut für Öl". Für die Benennung dieses Zusammenhangs wurden sie von der FAZ und WELT beinahe gesteinigt. Wer um den Golfkrieg II einen Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Interessen der amerikanischen Ölindustrie benannte, wer in der Versammlung der Großmächte in Eurasien eine Aufstellung zum "Great Game" sah, wurde von den gleichen Gazetten als Verschwörungstheoretiker und Paranoiker verunglimpft. Und jetzt spricht es der Bundespräsident aus und nichts passiert??

Link: Deutschlandradio

Veranstaltungshinweis: "Der stille Staatsstreich"

SPD Steglitz-Zehlendorf – Abt. Dahlem
"Der stille Staatsstreich"
Diskussion mit Harald Schumann vom Tagesspiegel
Mittwoch, 2. Juni 2010, um 20.00 Uhr
Herrenhaus Domäne Dahlem, Königin-Luise-Straße 49, 14195 Berlin

Außerdem: Filmtip
SPD Steglitz-Zehlendorf – Abt. Dahlem
Film „Let`s make money“ anschließend Aussprache
Montag, 7. Juni 2010, um 18.00 Uhr
BALI-Kino, Teltower Damm 33, 14169 Berlin

Sonntag, 23. Mai 2010

VWs, die wir heute gut gebrauchen könnten



Schachtzeichen im Ruhrpott

Gestern gab es den "Schachtzeichen"-Event im Ruhrgebiet. Von den stillgelegten Zechengeländen wurden gelbe Ballons gen Himmel gesandt. Ruhrbarone und Pottblog berichten ausführlich darüber. Auf den Fotos sieht es aus wie eine Installation von Christo und Jeanne-Claude...

Fotosammlung bei Google: Link

PS: Spät am Abend kam dann auch noch vom FC Bayern ein Schachtzeichen: Schicht!

Freitag, 21. Mai 2010

Macht zeigen - Kunst als Herrschaftsstrategie



Bin gestern spontan ins Deutsche Historische Museum gegangen. Eigentlich wegen der Ausstellung "Photographie im XX. Jahrhundert". Die zeigt Fotos aus hundert Jahren Deutschland. Alltage und posierende Mächtige. Und zu diesen passte die zweite Ausstellung "Macht zeigen", über den Umgang der Mächtigen mit der Kunst. Namentlich: Regierungspolitiker und Manager. Hier konnte ich mich einer geführten Gruppe anschließen. Die Leiterin erklärte gerade, wie es zu den Aufnahmen von Guido Westerwelle und seinen Bildern von Norbert Bisky kam. Guido Westerwelle sammelt Kunst. D.h., er hängt Bilder nicht nur auf, weil es plötzlich eine leere Stelle hinter einem Schreibtischstuhl gibt, auf dem man künftig öfter mal photographiert werden wird.

Guido Westerwelle hatte die Idee, und das ist auf den Photos von ihm und seinen gesammelten Bildern in Szene gesetzt, sich mit seiner Kunst zu zeigen, um sich damit von einer anderen Seite zu zeigen. Auf einem Photo kauert er demütig unter einem Bild - den Blick zu Boden gerichtet. Ein in der Tat überraschendes Bild.

Westerwelle begeistert sich ehrlich für Kunst, das kann man schon sagen. Er zeigt sich hier und da gerne als "verstehender Kunstinteressierter". Er entdeckt -wie viele Sammler- Künstler gerne bevor der Mainstream sie entdeckt.

Die Ausstellung zeigt auch, mit welcher Kunst sich unsere letzten vier Bundeskanzler in ihren Büros umgeben haben. Und dabei fiel mir zum ersten mal auf, wie klasse eigentlich der gesamte frühere Bonner Kanzlerbungalow gestaltet und eingerichtet war. Ein Bekenntnis zur Kunst. Helmut Schmidt und Gerhardt Schröder suchten den direkten Kontakt zu Künstlern. Helmut Kohl ging gerne in Museen. Angela Merkel wirkt an ihrem Kanzlerschreibtisch wiederum so, als habe sie einen spielerisch leichten im Sinne von toleranten -aber nicht immer verstehenden und deshalb leicht ironischen- Zugang zur Kunst. (Vielleicht ist genau so auch ihr Zugang zu den Finanzmärkten...?).

Jedenfalls erweckt keiner der hier gezeigten Politiker den Eindruck einer überheblichen Haltung gegenüber Künstlern und Kunst.

Ganz im Gegenteil zu den Managern. Die zeigen sich ebenfalls gerne mit Kunst. Sei es für Photographen oder Gäste in Empfangs- oder Besprechungsräumen. Wer sich mit Kunst zeigt, zeige, "dass er mit chaotischen bis verspielten, manchmal auch abstrakten Problemstellungen zurechtkomme", sagt die Leiterin. Manager zeigen sich gerne vor abstrakten Gemälden, weil vor diesen alles und jeder plötzlich interessant wirke. "Auch der eher unspektakuläre Finanzdienstleistungsmanager auf diesem Photo." Im Geschäft gehe es oft darum, einen Schlüssel zum Verständnis einer Herausforderung zu finden. Genau wie beim Betrachten abstrakter Kunstwerke. Und da zeigt ein Manager gerne: Seht her, ich verstehe.

Darin liegt auch eine Koketterie. Denn oft heisst die Botschaft auch einfach: Seht her, ich habe es auch ohne diesen bildungsbürgerlichen Kanon geschafft. Vielleicht sogar besser, weil Kunst zwar ziert, aber nicht weiterbringt. Seht her, ich kann es mir sogar leisten, Kunst zu kaufen und so tun, als bedeute sie mir etwas. Um Euch zu beeindrucken, nicht weil mir tatsächlich etwas an ihr läge.. Vielleicht steigt sie sogar im Wert, dann hätte ich sogar hier ein Näschen bewiesen.

Den Zugang, den viele Bänker zum Unternehmertum haben, den haben manche Manager auch zu Künstlern: Die schöpfen Werte, aber ich entscheide, wer. Und so posiert einer von ihnen mit dem Fuß auf einem designten Möbelstück. Als haber er es soeben erlegt. Wie Wilhelm Zwo, der einen Bären geschossen hat.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Schwarz-Rot, reloaded

Ich komme gerade von einer Tour durch Frankfurt/Main und Gelsenkirchen zurück.

In Frankfurt ein bisschen über die Lage deutscher Banken "geplaudert". In Gelsenkirchen gestern mit einigen Lokalmatadoren über die Lage in NRW nach der Landtagswahl.

Sollte ich beides ganz knapp zusammenfassen -ich bin eigentlich noch dabei, alles zu verarbeiten- würde ich sagen: Die Lage ist so ernst, und die Die LINKE ebenso regierungsunfähig wie die FDP, dass sich etliche nur noch Schwarz-Rot vorstellen können.

In NRW hieße das: Ohne Rüttgers. (Und übrigens ohne Olli Wittke, dessen politische Karriere überraschend schnell beendet scheint.)

Im Bund sind CDU und SPD immer noch besser miteinander eingespielt als CDU und FDP. Dieser Eindruck hat sich nach der heutigen Aussprache im Bundestag zur "Regierungserklärung" der im Regen stehenden Bundeskanzlerin erhärtet. Ganz und gar unerträglich war der Auftritt der FDP Fraktionsführerin Birgit Homburger (in Fraktionskreisen nicht ohne Grund mit dem Spitznahmen Zankhippe versehen...).

Frank-Walter Steinmeier hat Frau Merkel so behandelt, als müsse er sich bald wieder mit ihr arrangieren...

Die Rochade könnte so aussehen: Rüttgers löst Schäuble ab (Asmussen als SPDler kann das ja nicht..). Röttgen geht nach NRW..

Sonntag, 16. Mai 2010

Der Selbstbetrug der Mittelschicht



Ulrike Herrmann hat in ihrem Buch "Hurrah wir dürfen zahlen - Der Selbstbetrug der Mittelschicht" einen interessanten Befund der deutschen Gesellschaft entdeckt und beschrieben: Die deutsche Mittelschicht solidarisiert sich lieber mit der Oberschicht und grenzt sich dafür von der Unterschicht ab.

Die Oberschicht macht die Mittelschicht glauben, sie könne jederzeit, kraft ihrer eigenen Leistung zu dieser aufsteigen. Dafür toleriert sie die Privilegien der Oberschicht. Sie toleriert auch Reallohnverluste im Aufschwung. Und sieht eher die Unterschicht kritisch. Die deutsche Oberschicht rechnet sich vor dem Finanzamt arm. Die Mittelschicht hingegen glaubt dem Finanzamt gerne, dass sie schon zu den Reichen gehören - und zahlt irgendwie gerne den Spitzensteuersatz. Die Politiker, die sich als Regierung der "Mitte" ausgeben, rechnen hingegen gerne vor, dass die Unterschicht reich ist.

Was ich schon lange sage: Die Partei, die dieses Denken der Mittelschicht perfekt zum Nutzen der Oberschicht bedient, ist die Westerwelle FPD. Ein Zugbrückenliberalismus: Nachdem das gehobene Bürgertum auf die Burg ziehen durfte, zog es die Zugbrücke hinter sich hoch. Eifersüchtig darauf achtend, dass ihr von unten keine Konkurrenz erwächst. Wettbewerbsdruck? Ja, aber nur für die da unten. Nicht für die gebildeten Stände...

Die FDP sagt, sie wolle die Mittelschicht entlasten. In der Praxis entlastet sie aber nur die Oberschicht (Einführung des Stufentarifs, Ablehnung der Vermögenssteuer...).

Leider haben auch Clement, Schröder und Fischer dieses Denken praktiziert. Schröder und Fischer waren leichte Beute. Die Eliten baten die beiden Aufsteiger an ihren Tisch und legten ihnen ihre Anliegen dar: Senkung des Spitzensteuersatzes und Egalisierung der Kapitalertragsteuer auf niedrigem Niveau. Kurz: eine Umverteilung von unten nach oben. Und ein bisschen mehr Angst und Druck auf die abhängig Beschäftigten und Arbeitslosen. Zum Dank durften sich Schröder und Fischer fortan an Genossen der Bosse betrachten.

Das Buch ist lesenswert, wenn es auch oft an der Oberfläche bleibt. Ich habe es auf einer Zugfahrt nach Frankfurt/Main durchgelesen bekommen.

Link zu amazon..

Warum Google WLAN Netze kartographiert

"Google-Ökonom" Ralf Kaumans hat einen interessanten Erklärungsansatz, zu welchem Zweck Google WLAN-Daten aufgezeichnet hat. Eine Erklärung für die Aufzeichnung von Übertragungsdaten aus offenen WLANs hat er allerdings auch nicht.

Würde mich am Rande mal interessieren, wieviele öffentliche WLANs im Regierungsviertel offen sind...

Hier gehts zu Ralfs Blogpost: Link

Wäre es übrigens möglich, dass wir im Sommer ein bisschen durch Washington DC cruisen und ein paar Aufnahmen übern Zaun machen...?

Donnerstag, 13. Mai 2010

Inflation

Was ich jetzt verstanden habe: Es gibt unterschiedliche Mechanismen der Inflation:

- Schwindendes Vertrauen der Bürger in ihre Währung: Wenn ich nicht weiß, was sich die EU morgen einfallen lässt, erhöhe ich lieber mal misstrauisch die EURO-Preise (nächster Schritt: Goldmünzen als Währung akzeptieren, den Preis in Gold aber konstant halten). Dann habe ich ein bisschen EURO-Puffer auf Vorrat, falls er abgewertet wird. War dieser Mechanismus die Ursache für die Preisanstiege nach der Umstellung aller Zahlungsmittel auf EURO?

- Wenn die Geldmenge schneller Wächst als die Gütermenge, bewirkt das eine Inflation. Dies ist seit längerem der Fall, auch in Deutschland. Diese Inflationsrate lag 2007 z.B. bei fast 9%. Zufällig stiegen die Abgeordnetendiäten in diesem besonders kräftigen Inflationsjahr ebenfalls um 9,4% (Link)... In den Konsumpreisen schlugen sich die 9% nicht eindeutig nieder. Diese Inflation blieb eher latent. Aber es ist interessant zu lesen, dass die aus der Differenz von Geldmengen- und Gütermengenwachstum berechnete Inflationsrate in den vergangenen fünf Jahren nie unter 6% lag: Link. Der sog. "Verbrauchpreisindex" wurde übrigens rd. 4 Prozentpunkte tiefer "berechnet". Ein gutes Argument für den, der an "Lohnzurückhaltung" apellieren will...

- Wenn die Einfuhrpreise steigen, ohne dass als Reaktion darauf auch die eigenen Preise und Löhne steigen, bewirkt das keine Inflation sondern einen Kaufkraftverlust. In Deutschland steigen die Konsumpreise, nicht aber die Löhne. Wir vermeiden also die Inflation durch Reallohnverzicht. Zur Freude der Industrie.

Es gibt nur ein Zahlungsmittel, dessen Kaufkraft sich selbst über Jahrzehnte kaum ändert: Gold. In Gold rennen immer mehr Anleger, obwohl sein Kurs schon stark gestiegen ist. Diese Kurssteigerungen spielen nur in einem Szenario keine Rolle: Wenn man glaubt, dass eine Währungsreform bevorsteht und der Goldkurs bis dahin immer nur steigen wird.

EURO-Kritiker wie Prof. Hankel, einer der Kläger gegen die Griechenlandhilfe vorm Verfassungsgericht, glaubt, dass dieses Szenario eintreten wird. Er warnt vor Anleihen in EURO, selbst vor deutschen.

In welche Werte sollten EURO-Bürger denn nun flüchten? Selbst Aktien scheinen kein sicherer Sachwertehafen, denn wenn es zu einer Währungsreform kommt, dann starten wir alle wieder knapp über 0, jedenfalls was unsere Ersparnisse in Bar angeht. Die Kaufkraft sinkt rapide und somit die Gewinne der Unternehmen. Nur "unterbewertete" Unternehmen scheinen dann den Kauf zu lohnen. Die Unterbewertung kann z.B. im Zuge von Börsenpaniken entstehen. Die Familie Quandt ist z.B. durch ein glückliches Händchen in panischen Zeiten reich geworden.

Also: Bargeld vor der Entwertung. Aktien und Rentenpapiere ebenfalls. Goldpreis auf dem Höchststand. Was bleibt?

Z.B. was einen politisch unangreifbaren Nutzwert hat: Eine selbst nutzbare Immobilie. Ein intaktes Auto. Verwertbare Grundstücke oder landwirtschaflich nutzbare Ländereien. Verbriefte Rechte an gewerblich nutzbarem Eigentum. Dazu gehören übrigens auch Patente!

In andere Währungen wie Dollar oder Pfund sollte nur gehen, wer diese Staaten für finanziell gesund hält. Aber wie soll man das messen? Wie soll man die wirkenden Mechanismen und angewandten Statistiken durchschauen?

In den USA veröffentlicht ein gewisser John Williams inzwischen eine Schattenstatistik Shadowstats.com, die eigene Berechnungen ins Verhältnis zu den öffentlichen Statistiken setzt. Es ist interessant, sich das einmal anzuschauen: Link

Es sind wirklich schwierige Zeiten..

Mittwoch, 12. Mai 2010

Prof. Wilhelm Hankel zum Euro

Dieses Interview wurde am 01.02.2009 auf YouTube hochgeladen. Es enthält geradezu prophetische Worte von Prof. Hankel:

Montag, 10. Mai 2010

"Koste es, was es wolle."

Die "No-bailout"-Klausel im EU-Vertrag von Maastricht hatte das Ziel, den EURO zu stabilisieren. Sie sollte abschreckend auf Staaten wie Griechenland wirken. Die Klausel besagt, dass kein EU Staat für einen anderen "haftet" oder "eintritt".

Jetzt, da der Fall eintritt, soll plötzlich das Gegenteil richtig sein?

Ohne demokratische Legitimation haben unsere EU-Funktionäre in der vergangenen Nacht den schlecht regierten Mitgliedsstaaten sowie ihren Gläubigerbanken einen Blankoscheck ausgestellt.

Währungskommissar Rehn sagte allen Ernstes: "WIr werden den EURO verteidigen, koste es, was es wolle."

Was er eigentlich sagen wollte ist: "Wir werden unsere gut dotierten Jobs hier verteidigen. Koste es, was es wolle."

Auf uns kommen zusätzliche Bürgschaften in Höhe von sage und schreibe 123 Milliarden EURO zu. Thomas De Maiziere "hofft", dass es zur Inanspruchnahme dieser Bürgschaften nicht kommen wird.

Unser Ziel müsste doch viel eher die Zurückschneidung der Währungsunion auf die Kernländer sein: Frankreich, BeNeLux und Deutschland. Vielleicht noch Österreich.

Zum Glück ist für die Umsetzung dieses Wahnsinns ein neues Bundesgesetz nötig. Und das dürfte nach dem NRW-Wahlergebnis nicht "mal eben so" durchgewunken werden. Der Moment der Wahrheit rückt näher. Wer stoppt Angela Merkel und den Bankenlobbyisten im Staatssekretärsamt Jörg Asmussen (SPD!)?

Sie wird uns diesen Ausverkauf nicht als "alternativlos" für Europa verkaufen können. Denn dieses Europa interessiert immer mehr Bürger ganz einfach nicht mehr...

PS: Unsäglich auch die Berichterstattung unserer GEZ-Sender. Nicht nur Stefan Laurin regt sich zurecht über die schnarchnsige Wahlberichterstattung des WDR auf (Der RBB ist übrigens ähnlich bräsig.) Ich sehe gerade einen FDP-Staatssekretär vor der Dresdner Elbtalbrücke. Er wird vom ZDF interviewt. Der Anlass: Am Ende dieser Woche haben wir einen Brückentag...

Sonntag, 9. Mai 2010

Hype um Elektroautos geht zu Ende

Im Januar 2008 hatte ich angefangen, über Elektroautos zu bloggen. Berichte über Shai Agassis Projekt Better Place hatten mich aufmerksam gemacht. Die Vision: Statt Öl nutzen wir Wind- und Sonnenstrom zum Autofahren. Für Israel, wo Agassi sein Projekt startete und öffentliche Forschungsgelder akquirierte, ein ernstzunehmende Vision: Reichlich Sonnenschein und kurze Wege. Und Öl ist aus israelischer Sicht die Ursache von Krieg und Terror.

Ich dachte, das Thema könne auch für Berlin interessant sein. Ich besorgte mir bei der ZukunftsAgentur Brandenburg Zahlen über die Windstromproduktion in Brandenburg. Und recherchierte die Leistungs- und Energieparameter der diskutierten Elektroautoprototypen. Und siehe da: Rechnerisch könnte man mit dem Brandenburger Windstrom 200.000 Elektroautos in Berlin betreiben. Doch leider wollte die Berliner Senatsverwaltung nicht nur nichts davon wissen. Man begründete mir sogar schriftlich, warum Elektroautos die falsche Strategie zur Reduzierung von CO2, Lärm und Feinstaub seien. Zwei Jahre später erklärte Klaus Wowereit Berlin zur "Modellstadt für Elektroautos"...

Agassi spezifizierte währenddessen seine Anforderungen an Batterien und Infrastruktur und sprach mit Fahrzeugherstellern und Zulieferern. In Deutschland stieß er allerdings nur auf Desinteresse. "Das Konzept der austauschbaren Batterie wird an fehlender Standardisierung scheitern."

Was die großen OEMs am Wegesrand liegen ließen, wurde von neuen Unternehmen und ihren Projekten aufgegriffen. Elektromotoren und Leistungselektronik sind eigentlich ausgereifte Techniken. Nur die Batterie passt nicht ins Konzept vertrauter Reichweiten.

Nach Better Place kam Tesla Motors. Ein völlig anderes Konzept: Kein Wagen fürs Volk, sondern ein Luxusroadster auf Basis des Lotus Elise. Dann kündigte GM noch ein Rangeexternder-Fahrzeug an. Dann brach die Konjunktur zusammen..

In Deutschland ist der Funke fürs Elektroauto bis heute nicht übergesprungen. Der Elektrogipfel Anfang Mai zeigte vor allem, dass keiner so recht an diesen Markt glaubt. Zu erkennen daran, dass jeder Subventionen vom Staat und Vorleistungen der anderen (Stromversorger, Fahrzeughersteller) zur Bedingung für eigene Investitionen macht.

Das ist für mich das Zeichen, dass ich hier langsam vom "Gas" gehen kann. Ich werde das Thema nicht länger verfolgen.

Wir werden noch ein paar spannende Hybridautos auf dem Markt besichtigen können. Aber die wahre Stärke der deutschen Automobilhersteller ist der Verbrennungsmotor. Und dabei wird es bleiben.

Grüße an die Ruhrpott-SPD :-))

Wo Sie jetzt noch Wachstum finden....

Mein dringender Rat lautet heute, dieses Posting von Dirk "the DAX" Müller zu lesen: Link

Lesen Sie keine Tageszeitung. Lesen Sie nichts von oder über Merkel, Sarkozy, ifo-Sinn, Merz-Clement oder gar Koch-Mehrin. Lesen Sie Müller.

Und sollten Sie auf der Sucher nach einer Anlage in echtes Wachstum sein: Verkaufen Sie ein paar Verlustbringer und pflanzen Sie ein paar Bäume! Wir haben das gestern gemacht...

Donnerstag, 6. Mai 2010

Was war das denn?



a) Verlauf der Bordnetzspannung eines StartStop-Fahrzeugs

b) Blutdruckverlauf eines Schalkefans am vergangenen Samstag

c) Der heutige Verlauf des Dow Jones Index

Wie man Verbesserungsvorschläge abwehrt

Kritik und Verbesserungsvorschläge sind lästig. Hier ein Tip, wie man sie abwehrt:

- Bugzilla einführen.
- Zwang zur Zuordnung kryptischer Themen. (Sonst kein Absenden möglich)
- Möglichst viele Gutachter einbinden.
- Als erstes die Themenzuordnung prüfen. Wenn falsch: Zurück an den Absender.
- Danach den Vorschlag mindestens ein halbes Jahr durch die Organisation kreisen lassen.
- Feedbacks zwischendurch versenden. Aber immer nur formale Informationen wie: Zuordnung einer Ticketnummer, Bekanntgaber der Nummer desjenigen, der sie bearbeitet.

- Sicher ist: Nach einem halben Jahr hat der Mitarbeiter seinen Vorschlag vergessen oder ist gar nicht mehr Mitglied der Organisation.

- Der Verbesserungsvorschlag kann dann ohne Folgen abgelehnt werden.

Nicht vergessen: Regelmäßig über das Vorschlagswesen berichten!

Mittwoch, 5. Mai 2010

Noch 'n Ruhrpottmythos

Tor, Toor in Bielefeld! Bundesligaschlusskonferenzheld Manfred Breuckmann ist in Bielefeld angekommen. Zu 'ner Lesung aus seinem Buch "Legendäre Szenen des deutschen Fussballs". Die Halle in Bielefeld soll voll gewesen sein.

Einer der Witze, die man sich als Besucher gemerkt haben soll, lautet: Warum gibt es auf Schalke nur noch Pommes in Tüten? - Weil die dort keine Schale halten können.

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Dienstag, 4. Mai 2010

Bürger kommt von Bürgen

Jetzt habe ich endlich verstanden, was CDU und FDP unter einer bürgerlichen Partei verstehen: Bei ihnen hat das Volk die Funktion eines Bürgen für die Spekulationsverluste der Oberschicht.

Der IWF ist zwar nur ein Co-Kreditgeber, er führt aber Regie beim Verfahren zur vermeintlichen Rettung Griechenlands. In Wahrheit rettet der IWF seine eigenen Interessen und die der Alt-Gläubiger, vorrangig griechischer und resteuropäischer Banken.

CDU-Kauder sagte heute im Deutschlandradio, es sei der IWF, der vor einem Forderungsverzicht der Banken "gewarnt" habe. Dieser hätte unabsehbare Folgen für Griechenland und den Euro. Es gebe, so Kauder, in Deutschland auch keine Rechtsgrundlage, die Banken über einen sog. Haircut zur Beteiligung an der Rettung Griechenlands heranzuziehen.

Kein Problem hat Herr Kauder allerdings damit, hektisch die ebenso fehlende Rechtsgrundlage zur Beteiligung des deutschen Steuerzahlers zu schaffen.

Ist doch klar: Der IWF will verhindern, dass Griechenland als schlechter Schuldner in die Geschichte eingeht. Denn schon 2014 läuft die Hilfe von IWF und KfW aus. Dann muss Griechenland zurückzahlen und am Finanzmarkt neue Anleihen begeben. Wenn Griechenland bis dahin einen Haircut in seinem Lebenslauf hätte, wären die Kreditbedingungen vielleicht so schlecht, dass Griechenland die IWF- und KfW-Kredite nicht zurückzahlen könnte.

Wenn das aber so ist, folgt daraus eine neue Frage: Wie begründen sich dann die höheren Zinsen, die Gläubiger bisher von Griechenland kassiert haben?

"Die Banken leisten einen freiwilligen Beitrag", hieß es heute. Unser Glaube daran, dass die Banken hier nicht ungeschoren davon kommen, liegt CDU und FDP sehr am Herzen. Weil am Wochenende Landtagswahlen sind. Doch die Darstellung ist irreführend. Der Beitrag liegt darin, die Anleihen, die die KfW für Griechenland ausgeben wird, zu zeichnen. Bei dieser Transaktion liegt das Risiko, und damit die Leistung, allerdings nicht bei den Banken, sondern bei der KfW, bzw. dem Steuerzahler, der hier als Bürge auftritt. Das ist eine ziemlich unverfrorene Verzerrung der Realität, die den Wähler täuschen soll.

Genauso irreführend ist übrigens die gestrige Meldung des Handelsblatt, man habe zur Wiederherstellung der guten Sitten zwischen deutschen und griechischen Medien für achttausend Euro Griechenlandanleihen gezeichnet. Das haben sie getan, nachdem die Bürgschaften feststanden. Davor wäre es eine Leistung gewesen, jetzt ist es das nicht mehr.

Auf den IWF verweist die CDU übrigens auch bei der Ablehnung der SPD-Forderung, die Tobinsteuer einzuführen. Frau Merkel reichte das Argument gestern an die Journalisten weiter. Mein Eindruck war: Ohne es selbst verstanden zu haben. Die Tobinsteuer für Börsentransaktionen würde die Realwirtschaft zu sehr belasten. Warum und auf welche Weise, konnte sie nicht erklären.

Würde man der Darstellung von Schäuble und Merkel folgen, nach der der Bundeshaushalt durch die KfW Kredite ja nicht belastet werden, gäbe es auch kein Argument gegen die von der FDP geforderten Steuersenkungen. Doch die schweigt. Noch.

Hier ist eine gigantische Umverteilung von Risiken und Reichtum im Gange. Doch diesmal sind nicht nur linke Wähler emport, sondern auch konservative. Das wird die CDU am Sonntag zu spüren kriegen.

Quer durch die politischen Lager sind sich alle großen Tageszeitungen heute einig: Sie sind verblüfft, für wie dumm uns Regierung und Deutsche Bank halten. Und wie schamlos Josef Ackermann seine Interessen gegen uns Steuerzahler durchdrückt.

Montag, 3. Mai 2010

Zu Besuch beim 1. FC Eisern Union

Nach dem Frustspieltag am 1. Mai stand gestern noch unser "Gegenbesuch" bei Tom's Eisernen Union an. Ungewohnt: Anpfiff um halb sechs. "Zum Stadion an der Alten Försterei fährt man am besten mit der S-Bahn bis Köpenick", sagte Tom. (Auf dem Rückweg meinte er dann, dass man auch laufen könne. Vorbei an der Siedlung, die nach dem Dichter der Wanderungen durch die Mark Brandenburg benannt ist. Dazu später mehr...)

Treffpunkt Bahnhof Ostkreuz, die ewige Baustelle. Hier steigt der halbe Fanblock des 1. FC Union Berlin in die S3, und mit ihnen auch Tom. Irre ich mich, oder habe ich da gerade einen Kollegen gesehen? Muss ihn morgen fragen. Tom gibt uns die Tickets: Schwarze Schrift auf gelbem Grund. Da lacht der Dortmunder in mir...

Die S-Bahn ist jetzt gefüllt mit Rot-weißen Schals. Am S-Bahhof Köpenick ist schon gute Stimmung. An der Treppe unten warten Händler mit gestapelten Bierkästen. Vor dem Bahnhof ist eine kleine Festwiese aufgebaut: Bierstände und Grill. Positiv: Die Schlangen sind kürzer als bei Hertha letzte Woche, die Leute am Zapfhahn routinierter und gut drauf. Und das Bier kostet nur die Hälfte!

Hier machen wir einen Boxenstopp. "Is ja wie bei Erle 08!" sagt unser weiblicher Schalkefan :-) Pure, sympathische Fussballatmosphäre, soll das wohl heißen..

Von hier aus gehts durchs Grüne Richtung Stadion. Grün ist gut, ist eher ein ganzer Wald. Heißt ja auch "An der alten Försterei". Aber wann kann man das Stadion sehen? Ach da! Tom erklärt uns, dass Fans das Stadion letztes Jahr eigenhändig saniert haben. Union war aus der 3. in die 2. Liga aufgestiegen und das alte Stadion erfüllte die Lizenzauflagen nicht.. Da wurde dann mal eben Eigenleistung mobilisiert. Wow. Und woher kommt der Name "Eisern"? - "Weil er von Schlossern in Schönhausen gegründet wurde." Es gibt soviele Ähnlichkeiten zwischen Berlin und Ruhrgebiet! Ins Stadion passen knapp 20.000. Jetzt bin ich wirklich auf die Atmosphäre gespannt. Wir ziehen zum Sektor 2. Jetzt trifft Tom noch ein paar Kollegen. Aber dann: Rein! Geht alles ganz locker. Dann auf die Tribüne: Sektor 2 ist hinterm Tor. Endlich wieder Rasengrün! Und hey, es ist ein reines Fussballstadion. Man steht hier echt so nah dran, dass man an die Eckfahne fassen könnte. Gesänge auf den Rängen: "Unsere Mannschaft. Unsere Liebe. Unser Stolz. Eisern Union." Fussball über alles. Da fühlt man sich als Pöttler sofort angesprochen!

Ganz stark: Bandenwerbung aus Metall. Der Spielstand wird in der Ecke am Sprecherhäuschen angezeigt. Aber ganz klassisch: Hier werden die Zahlen noch von Hand umgehängt. Fussballherz, was willst Du mehr?!

Die Bude ist voll. Gesänge ohne Pause. Wann kommt Nina Hagen und singt die Vereinshymne? Haben wir ja schon mal erlebt. "Damals", beim Pokalfinale Union gegen Schalke. Die waren uns auf Anhieb so sympathisch, also wenns nicht gegen Schalke gegangen wäre, kein Thema! Frage an Tom: "Singt Nina hier bei jedem Heimspiel?" Antwort: "Nicht, dass ich wüsste."

In der Unionshymne, die jetzt endlich vom Band läuft, heißt es: "Wer lässt Ball und Gegner laufen (laufen! auch die Gäste, das ist ganz wörtlich zu nehmen...) ? Eisern Union, Eisern Union!". Und dann: "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen? Eisern Union!" Spätestens hier zucken die 100 mitgereisten Arminiafans ein bisschen zusammen. Das kann man von unserem Stehplatz aus deutlich sehen, dass die sich irgendwie angemacht fühlen. Aber eigentlich haben die ganz andere Sorgen. Es ist nämlich Stand heute völlig unklar, ob des Arminia Bielefeld nächste Saison noch geben wird. Aber selbst Fragen dieser Art ist man in Bielefeld ja gewöhnt. Die Stadt, die sich zum Großteil über Bussgeldbescheide an Berlinpendler auf der A2 finanziert.

Dann ist endlich Anpfiff. Mann, wir sind so nah dran, dass man hier Fussball richtig studieren kann. Wie damals auf der Südkurve im Westfalenstadion. Eisern Union braucht ein paar Minuten, um sein Spiel aufzubauen. Über die linke Seite folgt ein Angriff. Pass nach innen. Arminiatorwart kann abwehren, direkt vor die Füße eines Unionspielers. 1-0! Jubel!

In der zweiten Halbzeit haben wir dann richtig Glück: Das 2-0 wird über unsere Seite rausgespielt. Wir sind ganz nah dran: Über die rechte Seite. Hervorrander Pass von der Torauslinie in den Straftraum. Stürmer schaut kurz zum Tor, zieht ab, Ball schlägt knapp unter der Querlatte ein. Jawoll! 2-0!! Das war super herausgespielt.

Die Sonne ist schon lange im Westen, hinter Wald und Försterei untergegangen. Die Abenddämmerung setzt ein. Aber das Flutlicht bleibt aus. Für die paar Minuten noch die Halogenscheinwerfer verschleißen? Nee, lohnt nicht. So halte ich das bei meinen Fahrten in Tiefgaragen auch...

Die Dunkelheit geht voll zulasten der Arminen. Jetzt stürmt nur noch Eisern Union. Zehn Minuten vor Schluss denke ich noch so: Einen machen die noch. Doch die Angriffe scheitern immer ganz knapp. Doch dann gibt es in der letzten Spielminute noch ein Foul direkt an der Bielefelder Strafraumgrenze. Halblinke Position. Sicherlich die letzte Chance für heute. Die Arminen postieren sich viel zu nah am Ball. "DAS sind neun Meter?!" fragt Tom. Doch der Schiedsrichter lässt sie. Hat die Union einen Freistoßspezialisten? - Der Eiserne läuft an, der Ball fliegt über die Bielefelder Mauer... direkt oben links in den Winkel. Ein Supertor! "Tor des Monats!" ruft unser Schalke Fan.. Der Schiedsrichter pfeift gar nicht mehr erst an. Das Stadion tobt. Union ist endgültig gerettet. Sie singen: "Siehst Du Hertha, so wird das gemacht." Nächste Saison wartet das Derby!

Es wäre der perfekte Abend gewesen, wäre die BVG nicht so ignorant gewesen, die 17.000 Zuschauer stur nach Fahrplan abtransportieren zu wollen. Wir planen den Heimweg über Karlshorst. Dort noch eine "C-Wurst" und was zu Trinken auf den Klassenerhalt von Union. Dann wär's perfekt. Doch die BVG lässt uns auf die Straßenbahn warten. "Kann nicht sein, dass wir hier warten müssen. Genau genommen, müssten die Bahnen hier schon stehen und auf uns warten!". Nach gefühlten 20 Minuten kommt dann was. Ein einzelner Zug, schon halb voll. Und jetzt wirds richtig voll. Wir entscheiden uns, "das kurze Stück bis zum Bahnhof" (Tom) zu laufen. "DIe Straßenbahn fährt eh nen Umweg über Schöhausen." sagt Tom. Unser Schalkefan erinnert uns an sein Erlebnis 1997 in Turin, wo Schalke den UEFA-Cup gewann: "Die hatten damals nach dem Abpfiff um halb elf die U-Bahnschächte gesperrt und wir mussten anderhalb Stunden zum Hotel laufen. Nachdem wir schon 3 Stunden im Stadion gestanden hatten. Auf sowas habe ich heute Abend keine Lust. Macht also keinen Fehler, Männer!"

Und dann starten wir auf unsere Wanderung durch die Mark Brandenburg Richtung Karlshorst. Als die denkmalgeschützten Arbeitersiedlungen schon weit hinter uns liegen, die Straßenbahn schon lange abgebogen ist und es immer einsamer wird, ist immer noch kein Bahnhof zu sehen... Der Mannschaftsbus der Arminen überholt uns in der Einsamkeit, vielleicht eine kleine Genugtuung, uns hier lastschen zu sehen? "Die sind eher zu Hause als wir." sagt unser Schalkefan. Irgendwann was Grünes in der Ferne. Eine Ampel? "Wo die Ampel ist, ist auch der Bahnhof" sagt Tom. Beim Näherkommen erkennen wir noch so was wie eine Currywurstbude am Bahnhof. Doch die entpuppt sich als Döner. "Auf der anderen Seite gibts auch noch ne Kneipe, da gibts echte Berliner Bulletten." sagt Tom. Doch die entpuppt sich als Bar Havanna. Mir Buchitos und so. "Gibts denn hier keine einfache Currywurstbude in Karlshorst?" Nö. Die muss man in ganz Berlin inzwischen mit der Lupe suchen.. - Dann fahren wir jetzt nach Hause.

Vom "Tatort" kriegen wir nur noch das Ende mit. Wir fühlen uns, als hätten wir selbst gespielt heute. Aber irgendwie war's schön bei den Eisernen. Ich glaub, wir kommen wieder.

Samstag, 1. Mai 2010

Der schlechteste Spieltag aller Zeiten

Wir wollten heute einen erfolgreichen Bundesligaspieltat feiern. Alle zusammen hatten wir viele Eisen im Feuer. Wir hatten uns alles parat gelegt. Am Ende hat nix geklappt:

- Schalke wird nicht Meister. (Wegen einer Schiedsrichterfehlentscheidung)

- Der BvB zieht nicht in die Champions League.

- Hertha ist abgestiegen.

- Obendrein wird sogar Bochum absteigen...

Aber das allerschlimmste: Nächste Woche kommen die Bayern nach Berlin um hier ihren Meister zu feiern.

Freitag, 30. April 2010

"Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Nationen,..."

"...sondern zwischen oben und unten."
Kurt Tucholsky

Wie recht er hatte, sehen wir in dieser Woche: Die Oberschicht Griechenlands verschafft ihr Vermögen ins Ausland. Es gibt in jedem Land eine verkommene Täterschicht, eine Schicht der Zumwinkels, der Blankfeins, die nicht aufhören kann, triebhaft in anderer Leute Kasse zu greifen. Die meinen, das ihnen zusteht, was sie kriegen können. Die sich für etwas besseres halten und so viel schlechter sind.

Wir sollten die Kreditkrisen mal unter diesem Aspekt sehen: Nicht "die" Griechen haben etwas verbrochen. Sondern ihre Oberschicht. Das ist nicht viel anders als bei uns. Bezahlen wird es die griechische Mittel- und Unterschicht. Auch das nicht viel anders als bei uns. Denn auch bei uns verschaffen die oberen Zehntausend ihr Vermögen an der Steuer vorbei ins Ausland. Die Gesellschaft ist nicht ihr Ding, außer wenn es um die Schadensregulierung korrupter Deals mit alpinen Banken geht.

Merkel will die Banken schonen und appelliert allen Ernstes an deren "Ehre". Das dürfte allenfalls für Heiterkeit sorgen im Taunus.

Zahlen sollen wir. Weil wir uns nicht wehren. Sie in Ruhe lassen. Immer noch.

Nee. Meine politische Flagge war mal blau-gelb. Seit einem Jahr ist sie rot. In dieser Woche ist sie noch etwas roter geworden.

Ich freue mich auf den 1. Mai.