Montag, 20. Juni 2011

ePetition an den Bundestag gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM


Text der Petition:

Der Bundestag möge beschließen, sich umfassend gegen den geplanten künftigen Europäischen Stabilitätsmechanismus – ESM – auszusprechen.

Begründung

Nach dem vorliegenden Vertragsentwurf zum ESM wird Deutschland laut Aufteilungsschlüssel für 27,15 % der Gesamtsumme von 700 Mrd. Euro bürgen; dies entspricht 190,05 Mrd. Euro.

Der Bundeshalt 2011 beträgt 305,8 Mrd Euro. Damit würde Deutschland aktuell mit 62,3 % seines Bundeshaltes bürgen. Bürgen bedeutet, die Zahlungen zu übernehmen, wenn der Schuldner ausfällt. Ein Zahlungsausfall verschiedener Länder, die den ESM in Anspruch nehmen könnten ist nach Faktenlage sehr wahrscheinlich. Dies ist aktuell an Griechenland (mit einem Schuldenstand zum 31.03.2011 von 354 Mrd. Euro) zu erkennen, welchem die Rettungsgelder in Höhe von 110 Mrd. Euro offenkundig nicht helfen und für das aktuell bereits Umschuldungen, bzw. weitere Hilfsgelder diskutiert werden.

Der Vertragsentwurf zum ESM sieht vor, dass der ESM finanzielle Mittel mobilisieren (= Kredite beschaffen) soll (Artikel 3 und 17)); ein Grundkapital bedingungslos einzuzahlen ist (Artikel 8; auf Deutschland entfallen 22 Mrd. Euro, die kreditfinanziert werden sollen); Änderungen am Grundkapital selbstständig beschließen (Artikel 10) kann; bei Ausfall eines ESM Mitgliedes diese Summe durch die restlichen Mitglieder zu tragen ist (In allerletzter Konsequenz bedeutet dies, das der letzte übrigbleibende Bürge für 700 Mrd. Euro haftet); der ESM sowie seine Führungspersönlichkeiten gerichtliche Immunität besitzen (Artikel 27 und 30).

Der Vertragsentwurf sieht keinerlei parlamentarische Kontrolle zu Auszahlungen und potenziellen Aufstockungen vor. Dies würde in haushaltsrechtlicher Hinsicht de facto eine Entmachtung der nationalen Parlamente bedeuten. Und selbst wenn es eine parlamentarische Kontrolle gäbe: könnten sich die Parlamentarier dem ungeheuren Druck widersetzten und Zahlungen verweigern? Mai 2010 hat gezeigt, dass sie es nicht können.

Im Artikel 16 heißt es weiter, das der ESM die Liste der in Artikel 14 und 15 vorgesehenen Finanzhilfe-Instrumente überprüfen und daran vorzunehmende Änderungen beschließen kann. Wenn die Finanzprodukte, die der ESM zu Erledigung seiner Arbeit einsetzen muss, vom ESM allein verändert werden können, wer kontrolliert dann das Risiko? Das lässt auch die politische Beteuerung sehr unglaubwürdig erscheinen, Deutschlands Anteil am genehmigten Grundkapital – 190 Mrd. von 700 Mrd. – stehe unverrückbar fest. Der ESM stellt sich nach dem Vertragsentwurf als eine sehr unabhängige Institution dar und es sieht so aus, als werde hier viel mehr als eine reine Verrechnungsstelle installiert. Es wird eine neue Behörde geschaffen, deren Verantwortliche strafrechtliche Immunität genießen sollen - weshalb eigentlich? -, die nur gewählten Parlamentariern zusteht.

Die geplante Streichung der no-bail-out-Klausel in den EU-Verträgen (Art. 125) durch zusätzlich einzuführende Klauseln in Art. 136 muss in diesem Zusammenhang verhindert werden. Nur die no-bail-out-Klausel in ihrer ursprünglichen Fassung schützt Deutschland davor, für Schulden anderer Länder zu haften.

WENN SIE DIESE PETITION UNTERSTÜTZEN WOLLEN, ZEICHNEN SIE SIE BITTE hier:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123

Die Mär von der Beteiligung privater Gläubiger



Zu Alfred Herrhausens Zeiten standen amerikanische Banken im Feuer. Sie waren Gläubiger vieler Drittweltstaaten, "Haircuts" hätten sie hart getroffen.

Wie sieht's heute aus? n-tv listet z.B. mal auf, wie viel Geld deutsche Banken an Griechenland verliehen haben:

Hessische Landesbank: 78 Mio €
West LB: 97 Mio, davon "etliches" bereits in die Bad Bank EAA ausgelagert
BayernLB: 120 Mio
HSH Nordbank: 200 Mio
Landesbank Berlin: 364 Mio
DZ-Bank (Zentral-Genossenschaftsbank): 1 Mrd
Landesbank BaWü: 1,4 Mrd
Deutsche Bank: 1,6 Mrd
Commerzbank: 2,9 Mrd (Zitat CEO Blessung: "Ich sehe nicht die Gefahr, dass Griechenland kurzfristig bankrott geht.")
Bad Bank EAA: 1,1 Mrd
FMS Wertmanagement (Bad Bank der HRE, bundeseigen): 7,4 Mrd

Quelle: n-tv

Unter'm Strich "glauben" deutsche Banken daran, rund 16,3 Mrd € einmal wieder zu sehen. Davon liegen lediglich 4,5 Mrd bei den privaten Banken Deutsche Bank und Commerzbank. Alles andere liegt wieder einmal bei staatlichen Banken. Die Rhetorik der deutschen Regierung, jetzt müssten sich die privaten Gläubiger an den Risiken beteiligen, z.B. in Form einer verlängerten Fälligkeitsfrist, trifft es also nicht ganz. Wie will man die privaten Banken treffen, aber die staatlichen nicht?

Außerdem war es doch der Wunsch der Regierung, DASS sich die privaten Banken beteiligen. Sie sollten die Anleihen, die sie halten, nicht verkaufen. Das haben viele aber doch getan. Dann lautet der Vorwurf: Die sind risikoscheu.

Aber trotzdem meine ich, die Gläubiger sollten ruhig auch einmal leer ausgehen. Vor allem, wenn sie hohe Zinsen für ihre Risiken kassiert haben. Junckers Gegenargument, dann "könnten die Ratingagenturen das als Zahlungsausfall werten" ist naiv. Oder bewusst irreführend, weil er seine eigenen Banken verschonen will. Es ist eh klar, dass Griechenland zahlungsunfähig ist. Wer glaubt, es komme "an den Märkten" jetzt noch besonders darauf an, wie die Ratingagenturen das sehen, der erinnert einen an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern: Aber Griechenland ist ja pleite. - Ja, Herr Kollege, tatsächlich. Die sind ja pleite.

Außerdem hat Griechenland schon bei mindestens einer Agentur den niedrigsten Status. Zudem ist es auch leicht naiv zu glauben, diese Agenturen handelten streng nach Norm. Die haben schon früher die politischen Ziele ihrer Regierungen unterstützt.

Was mir auch noch keiner vorgerechnet hat ist, inwieweit ich persönlich vom EURO profitiert haben soll. Das hören wir in jeder Talkshow. Mag sein, dass die Unternehmensgewinne vom EURO profitiert haben. Bei deren Angestellten ist davon aber nichts angekommen. Wohl aber ist die Inflation durch die Einführung des EURO bei denen angekommen. Es wäre aus Sicht von Arbeitern und Angestellten also kein Verlust, wenn der EURO scheitern würde und wieder abgeschafft würde.

Eine sozialdemokratische Partei sollte das erkennen und benennen.

Jetzt haben sich die europäischen Finanzminister erst einmal darauf geeinigt, das Problem zu verschieben. Erst solle Griechenland sein Sparpaket beschließen, dann würde es neues Geld sehen. Wie töricht und naiv. Wäre ich griechischer Abgeordneter, würde ich vorschlagen: Lasst uns das Sparpaket beschließen. Dann das Geld nehmen. Und wenn die Proteste im Land überhand nehmen, nehmen wir das Sparpaket wieder zurück.

Die Arroganz einer Frau Lagarde und eines Herrn Juncker wird nur noch von ihrem Diletantismus übertroffen. Weg mit ihnen.

Sonntag, 19. Juni 2011

Die Welt von gestern

Nirgendwo werde ich mir meiner Wessiherkunft so bewusst wie in Bonn. Nirgendwo sonst kann ich als Wessi so offen aussprechen, dass das Grün hier früher grüner war. Zehn Jahre nach unserem Umzug nach Berlin bekam ich plötzlich Lust auf einen Besuch in Bonn.



Ermöglicht ein Besuch im Kennedy Space Center für kurze Zeit wieder Zugriff auf kindliche Astronautenträume und Disneyworld die Illusion, dass das Leben ein Comic ist, so erlaubt mir Bonn eine Rückkehr in meine reale Welt von gestern. Würde Bonn Eintrittsgeld verlangen, ich würde es zahlen, wenn ich vom Tor aus das alte Bundeskanzleramt sehen könnte.



Es gibt Leute, die leben diesen Traum jeden Tag. Im alten Bundeskanzleramt, unweit vom Rheinufer, residiert die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ. Deren Berater jetsetten durch die Welt, um Dirk Niebel regelmäßig über den Sieg des Kapitalismus in Entwicklungsländern zu berichten.

In der WAZ lasen wir, dass der Bundestagsbeschluss für den Umzug nach Berlin gerade Jubiläum hatte. Bonn drohte ein dramatischer Strukturwandel - im schlimmsten Fall so wie dem Ruhrgebiet. Doch anders als in der rauhen Marktwirtschaft, wo Arbeiter in den sauren Apfel beißen, wenn ihre Manager Fehlentscheidungen treffen, fädelten es die Beamten in Bonn schlauer ein. Entlang der nach früheren Bundeskanzlern benannten Allee reiht sich ein (neues) Bundesamt ans nächste. Viele Ämter wurden im Rahmen von Liberalisierungen, Privatisierungen und technischem Fortschritt nötig. Da die Themen inzwischen aber fürs erste erschöpft sind, gründet die Bundesregierung inzwischen Ämter, die die Arbeiten von anderen Ämtern "koordinieren", wie z.B. das Nationale Cyber-Abwehrzentrum. Im alten Bundeshaus "Langer Eugen" dagegen residiert die UN. Man sieht, wie in Berlin Mitte, viele Berater mit Rollkoffern. Bonn hat nicht nur überlebt, es geht ihm sehr gut. 6,6% Arbeitslosigkeit, das ist für NRW ein guter Wert. In Berlin würde das als Vollbeschäftigung durchgehen. Bonn ist, wie Berlin, eine durch und durch subventionierte Stadt.

Die beiden DAX Konzerne Post und Telekom, die hier ihre Hauptverwaltung haben, profitieren von den kurzen Wegen zur Politik. Als diese beiden Konzerne noch Bundespost hießen, da gab es bi denen noch Service mit preussischer Disziplin und die Vorstände betrachteten ihre Institution und den Staat nicht als Beute.

Womit wir zurück auf unserem Nostalgietrip wären. An der Station "Bundeshaus" legt die Filia Rheni an. Gehen wir an Bord und fahren mit.



Blick vom Rhein ans Ufer. Alles nett hier. Trotz des unruhigen Wetters da draußen, ist es an Deck ruhig. Fast wie bei einer Ballonfahrt. Man hört sogar die Vögel am Ufer zwitschern.

Mit NRW, Hessen, Baden-Württemberg und später Bayern hatte die alte Bundesrepublik florierende Kraftzentren. Da waren etliche Branchen noch stark reglementiert. Fernsehmoderatoren warben ehrenamtlich für gute Zwecke und lebten in Deutschland, aber nicht unbedingt in Schlössern am Rheinufer, denn das gaben die GEZ-Gebühren damals noch nicht her..



Apropos Talkshows: Im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, einer der wenigen guten Ideen, die Helmut Kohl hatte, kann man eine Wahlkampfrunde mit nämlichem damaligen Kanzlerkandidaten, dem Titelverteidiger Helmut Schmidt, Franz-Josef Strauß und Hans-Dietrich Genscher auf Video sehen. Damals konnte man sich die Elefantenrunde noch antun. Es ging um den Kampf der Systeme mit Worten. Seit zehn Jahren erklärt uns keiner mehr was, weil die Arbeit inzwischen von Lobbyisten gemacht und formuliert wird, und die vortragenden PolitikerInnen nicht mehr unbedingt verstehen, was sie da vom Blatt ablesen.



Als die Fraktionen noch im Langen Eugen saßen, wäre keine von ihnen auf die Idee gekommen, uns akademische Hochstapler wie Guttenberg, Koch-Mehrin etc. sowie schnöselige Milchbubis und -mädels wie Bahr, Rösler und Frau Schröder unterzujubeln. Und unpolitische Abtaucher wie Wulff hätten sie nicht in die Villa Hammerschmidt gewählt.

Unterm Strich also beklage ich als Wessi den Verlust der Intellektualität in der Politik. Berlin ist leider nicht die Hauptstadt der Denktanker geworden.

Mit diesen Eindrücken ging es von Bonn nach Gelsenkirchen-Erle. Dort gibt es in der Cranger Straße (dem Erler Kudamm) die Dokumentationsstelle "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus". Diese Stätte geht auf die Initiative einer gewissen, früheren SPD-Stadtverordneten zurück. Die besondere Relevanz solcher lokalen Ausstellungen liegt ja darin, dass sie die Geschehnisse vor Ort dokumentieren. Und sie nennt Namen, die mancher Besucher der Ausstellung gut kannte. Vor allem aber erleichtert sie das Nachfühlen der Katastrophe aus Sicht der normalen Leute in ihrem Alltag vor Ort.

Die Ausstellung zeigt recherchierte Fotos, Zeitungsartikel und Gegenstände aus der NS-Zeit. Der Höhepunkt, und Auslöser für ihre Errichtung, war die Wiederentdeckung des an die Wand des NS-Büroleiters gemalten Wahlprogramms der Nazipartei. Die Zeitungsüberschriften kommen einem nicht mehr so fremd vor. Und wenn ich Begriffe wie "Schieber" und "Wucherer" an der Wand lese, dann ist mir klar, wie anfällig wir bald wieder sein könnten.





Symbol für die Geistesverachtung der Nazis und ihrer Wähler: Die Bücherverbrennung. Vorsicht. Die Geringschätzung von Geist, Bildung, Originalität und Eigensinn ist auch heute wieder auf dem Vormarsch.


Nicht nur die zynischen Reaktionen und Gegenangriffe der ertappten HochstaplerInnen mit falschem Doktortitel belegen das. Sie machen uns wahlweise mit schiefem Lächeln oder schlechter Laune klar, dass sie im Ausweis akademischer Leistungen ausschließlich die karrierefördernde Funktion für nützlich und erstrebenswert erachten. Die Kanzlerin machte uns klar, dass sie es für kein schwerwiegendes Vergehen halte, wenn sich einer den akademischen Titel erschleicht oder erkauft. Wo für Merkel die Grenzen intellektueller Aufrichtigkeit liegen, das weiß nur sie. Die Mitglieder und Wähler ihrer Partei schmerzt das. Aber auch sonst haben wir viel politischen Geist durch "politische Prozesse" ersetzt. Und wo immer weniger Handelnde die immer komplizierteren und "alternativloseren" Apparate und Zusammenhänge durchblicken, da brechen sich alte Kräfte Bahn. Undemokratische, zentralistische, autoritäre Kräfte. So wie in Kafkas Prozess.

Ich bin überhaupt der Meinung: Wer wissen will, was kommen könnte, und woran man es erkennt, sollte weniger über Energie und Volkswirtschaft lesen, sondern die Wichtigen der Weltliteratur. Und wer die Krise als Chance am Roulettetisch nutzen will, lese die Familienchronik der Quandts. Aber Vorsicht: Wir halten uns für aufgeklärt und informiert. Und ich glaube, wir machen nur selten gravierende Denkfehler, wenn wir unsere Schlüsse ziehen. Aber wir treffen oft falsche Annahmen, aus denen wir dann logische aber nicht zutreffende Schlüsse ziehen.

Sicher, der Besuch im Museum macht klar: Wir waren schon oft in existenziellen Situationen und haben es gemanagt. Aber auch: der letzte Deutsche, der Gläubigerbanken zugunsten verschuldeter Staaten kräftig zur Ader lassen wollte, war Alfred Herrhausen.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Hey, Mittsommer

Vor zwölf Jahren fingen wir an, Halloween zu feiern. Nicht, weil wir Ungläubige sind. Sondern weil wir darin eine interessante Art sahen, den dunklen Spätherbst zu überbrücken.

Aber fehlt uns nicht auch im Sommer eine Festivität? Die Reihenfolge im Frühling lautet ja: Ostern, 1. Mai und dann die 24 Stunden von Le Mans. Und dann? Mittsommer. Es ist einfach toll, dass die Nächste so kurz werden, dass es fast gar nicht richtig dunkel wird. Vor allem, wenn dann noch ein voller Mond hier tat kräftigt mitwirkt.

Die Sommersonnenwende fand nach dem Julianischen Kalender am 24. Juni statt. An diesem Datum wurde das Hochfest von Johannes dem Täufer begangen, das mit der Sonnenwende verknüpft wurde, so dass der 24. Juni als Festtag auch nach der Kalenderreform meist beibehalten wurde, obwohl die astronomische Sommersonnenwende in Mitteleuropa heute meist am 21. Juni (selten auch am 20. Juni) stattfindet.
Quelle: Wikipedia




Dienstag, 14. Juni 2011

Audi gewinnt zum 10. mal in Le Mans

Es hat Allan McNish kein Glück gebracht, dass ich ihn hier so hoch gehalten habe. Das 24-Stundenrennen war für ihn und sein Team nach einer Stunde beendet. Da krachte er nach einem misslungenen Überholmanöver in einen Reifenstapel. Sein Wagen stieg in die Luft, drehte sich einmal und flog Gott sei Dank nicht in die dahinter stehenden Zuschauer und Fotografen.

McNish überholte in der Kurve einen Ferrari, dessen Fahrer ihn wohl nicht bemerkt hatte. Überholer signalisieren es mit mehrmaliger Lichthupe (so, wie es bei uns auch heute noch in der Straßenverkehrsordnung steht), dass sie überholen wollen. In einer Kurve, erst recht, wenn das Feld noch so dicht ist, kann das aber übersehen werden. McNish vertraute darauf, dass er gesehen wurde und überholte. Eine Sekunde später war das Rennen für ihn zu Ende. Es ist der Monocoque-Konstruktion der Karosserie zu danken, dass McNish nach diesem Crash nichts passiert ist.



Sei am Rande noch erwähnt, dass ein weiterer Audi in der Nacht nach einem noch heftigerem Crash ausschied. Auch Rockenfeller überstand seinen Unfall mit nur wenigen Blessuren. Der letzte Audi im Rennen gewann das Rennen. Die Sieger heißen Marcel Fässler, André Lottererund Benoît Tréluyer (Schweiz, Duisburg, Frankreich).

Audi schildert das spannende Rennen wie folgt:
Während der gesamten Renndistanz musste das Fahrzeug mit der Startnummer "2" keinen einzigen außerplanmäßigen Boxenstopp einlegen. Nur ein Problem mit dem Tank bereitete der Mannschaft rund um Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich und dem Technischen Direktor des Audi Sport Team Joest, Ralf Jüttner, etwas Kopfzerbrechen. Es konnten nicht die vollen 65 Liter Tankinhalt ausgenutzt werden. André Lotterer musste in der Schlussphase daher genügend Vorsprung für einen zusätzlichen Tankstopp herausfahren – und das bei teilweise schwierigsten Bedingungen mit Nieselregen, welcher die Strecke extrem rutschig machte.

Lotterer meisterte auch diese Hürde. Nach dem letzten Tankstopp ging der Deutsche mit sieben Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Peugeot in den letzten Stint. Am Ende überquerte er die Ziellinie nach 24 Stunden unter dem frenetischen Jubel seiner Teamkollegen Marcel Fässler und Benoît Tréluyer und der gesamten Audi-Mannschaft mit 13,420 Sekunden Vorsprung als Erster. Für die drei Audi-Piloten, die im vergangenen Jahr den zweiten Platz belegt hatten, war es der erste Le-Mans-Erfolg – für Audi der zehnte.
Quelle: Audi

Freitag, 10. Juni 2011

Nach Glietsch's Abgang: Berliner Polizei fasst erste Autobrandstifter

Mit einer Wärmebildkamera im Hubschrauber ist die Berliner Polizei endlich den ersten Autobrandstiftern auf die Spur gekommen. Vorige Nacht nahm sie in Moabit Detlef M. und Otto B. fest. Die beiden hatten Grillanzünder und Wechselkleidung bei sich. Die Anschlagsserie in dieser Nacht umfasste bis zum Zeitpunkt der Ergreifung zwölf (!) Autos in der City West.

Ich bin positiv überrascht. Im Laufe dieser Woche hatten wir aus dem Fraktionsumfeld der SPD noch gehört, dass Innensenator Körting sich weigere, eine Strategie gegen die nächtlichen Brandstiftungen zu entwickeln. Körting wolle das Thema "im Wahlkampf nicht so hoch hängen."

Jetzt hat die Polizei plötzlich Erfolg, kaum dass der alte Polizeipräsident Glietsch - ein Freund des "Dialogs" mit Linksextremisten- seinen Hut genommen hat. Dieter Glietsch war mit dem Satz berühmt geworden: "Porschefahrer sollten in Kreuzberg nicht so provozierend parken, wenn sie nicht wollen, dass ihr Auto angezündet wird." Vielleicht wächst der Fahndungserfolg der Polizei weiter, wenn Körting erst abgewählt ist?

Die Berliner SPD wird noch sehen, wohin es sie bringt, wenn sie sich um die brennendsten Themen, d.h. die Autobrandstiftungen, das Bahnchaos, das Verkehrschaos aufgrund zunehmender "Events" und das ausbleibende Wirtschaftswachstum drückt.

Zitat der Woche (Paul Krugman)


Hohe Jugendarbeitslosigkeit ist in Europa erschreckend weit verbreitet. Darauf hat die WELT heute hingewiesen. Die Grafik stammt aus dem Mittelstandsbericht der Bundesregierung. Der Sprecher der OECD sagte dazu, dass die Handlungsmöglichkeiten "der Volkswirte" inzwischen erschöpft seien. Mit anderen Worten: Gebt sie doch auf.

Das Zitat der Woche zu Jugendarbeitslosigkeit und Rekordschulden - von Paul Krugman:
So wie ich es sehe, versinken die Politiker aber in einen Zustand der gelernten Hilflosigkeit: Je mehr sie dabei versagen, das Problem zu lösen, desto überzeugter sind sie davon, dass sie nichts ändern können.
Quelle: Berliner Zeitung


Donnerstag, 9. Juni 2011

Allan McNish und der neue LeMans Audi R18

Der Schotte Allan McNish (41) ist einer der Fahrer aus dem siegreichen Audi LeMans Team. 1998 fuhr er auf einem Porsche 911 GT1 seinen ersten Sieg in LeMans ein, 2008 seinen zweiten auf einem Audi R15 TDI. Übermorgen startet er im Audi Team 3 auf dem neuen R18.

McNish ist mit 41 Jahren nicht der älteste im Audi Team. Der Däne Tom Kristensen ist zwei Jahre älter und der Italiener Dindo Capello wird nächste Woche 45. Hängt der Drang zum stundenlangen Sportwagenfahren am Ende doch mit der Midlife Crisis zusammen...:-)

Wie auch immer. Hier erklärt der Schotte jedenfalls mal die enormen physischen Belastungen des 24h-Rennens für seinen Körper (1,65m, 60kg). Es mutet an wie ein Astronautentraining:



Hier gibt der freundliche McNish dem Blogger von Quattroworld ein gut gelauntes Interview:



Noch mehr Infos vom Fahrer gibt es in seinen Podcasts: Link

Zum Auto:
Audi stellt mit dem R18 nach langer Zeit erstmals wieder einen geschlossenen Prototypen. In der LeMans Prototypenklasse LMP1 (Sportwagen mit speziell entwickelten Motoren) bevorzugte man meistens die offene Bauweise, weil so der Fahrerwechsel schneller vollzogen werden kann und der Fahrer eine bessere Rundumsicht und bessere Frischluftzufuhr hat. Da sich aber die Zeiten für Tanken und Reifenwechsel verlängert haben, fällt die längere Fahrerwechselzeit nicht mehr ins Gewicht und man wechselt zur Coupebauweise. Das hat den Vorteil einer besseren Aerodynamik. Dies umso mehr, da das Reglement die Motorleistungen reduziert hat. Der 3,7l TDI V6 Motor leistet "nur" noch 405kW. Ansonsten lautet die Devise: Leichtbau. Die Karosserie wiegt um die 900kg und besteht aus -kohlrabenschwarzer- Kohlefaser. Der V6 Motor ist rund 25% leichter als der vorherige V10 Motor. Die Leuchten bestehen aus ungekühlten LED.
Fotos und weitere Infos gibts auf der Website von Audi: Link

Auch Peugeot startet mit neuen Prototypen. Wegen des neuen Reglements. Aber auch sonst hätte man nach der Pleite im vergangenen Jahr sicher einen Schlusstrich gezogen: Voriges Jahr fielen alle vier Peugeots aus. Das wurde denn doch ein leichter Sieg für Audi. Trotzdem fuhr der Sieger-Audi die schnellste LeMans aller Zeiten heraus. Vor allem, weil er die geringste Boxenzeit hatte.

Die Leistungs- und Gewichtsdaten der neuen Peugeots und Audis sind aufgrund des Reglements fast gleich. Auch die Heckfinne ist neue Vorschrift. Obwohl die Veranstalter die Leistungs- und Gewichtsdaten über die Jahre immer wieder verschärft haben, sind sowohl die Gesamtrennzeiten (aufgrund der sparsamen Dieseltechnik und besserer Aerodynamik) als auch die Rundenzeiten (aufgrund schnellerer Kurvenfahrten) immer besser geworden. McNish merkt in einem Interview an, dass mit den heutigen 500PS Autos eine Performance wie mit den 1.000 PS Autos aus den 70er Jahren möglich ist.

Morgen wird sich zeigen, wessen neue Technik die zuverlässigere ist. Ich drücke Audi die Daumen. Den ersten ernsten Vergleich in diesem Jahr, die 1.000km in Spa, gewann allerdings Peugeot.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Wie die Privatkunden den Atomausstieg bezahlen sollen

Die Szenerie scheint vom Irrsin beherrscht: RWE Chef Großmann trat vor nicht mal einem Jahr eine Kampagne zum Ausstieg aus dem Ausstieg los. Das von Rot-Grün geänderte Atomgesetz war ihm ein Dorn im Auge und er schaffte die missliebigen Änderungen aus der Welt. Gestern nun wurde sein Brandbrief an Kanzlerin Merkel, mit der er im Herbst auf die Laufzeitverlängerungen angestoßen hatte, (Link, via: Ruhrbarone.de) bekannt. In diesem beruft er sich allen Ernstes, und scheinbar ohne jede Scham, auf das von ihm so kritisierte Atomgesetzt von 2002 für einen Bestandsschutz seiner Verstromungsansprüche für das AKW Mülheim-Kärlich. Das ist absurd.

Die Aktionäre von RWE und Eon reagieren auf auf den gestern beschlossenen Wiedereinstieg in den Ausstieg ebenfalls irrational mit einer regelrechten Verkaufspanik.

10-Jahreschart Eon-Aktie (Quelle: Comdirect)


10-Jahreschart RWE-Aktie (Quelle: Comdirect)

Dabei sind die Energieversorger lediglich auf die Geschäftsaussichten vor Merkels abrupter Laufzeitverlängerung zurückgefallen. Allerdings minus der Steuer auf die Kernbrennstäbe. Von dieser Steuer hieß es bei ihrer Einführung durch Schwarz-Gelb, sie sei der Beitrag der Kraftwerksbetreiber zum Laufzeitverlängerungsdeal mit der Regierung. Philipp Rösler begründete deren Beibehaltung trotz Ausstiegs gestern mit einer Beteiligung der Kraftwerksbetreiber an den Entsorgungskosten, z.B. für das Versuchslager Asse 2. Die Anwendung des Verursacherprinzips empört die Energiemanager natürlich.

Doch sind die dramatisch niedrigen Aktienkurse der Versorger gerechtfertigt? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Versorger steigende Erzeugungskosten stets überproportional an ihre Privatkunden weiterreichen konnten. Das Argument, dass die steigenden Erzeugungskosten die Ergebnisse von RWE und Eon erheblich belasten werden, ist also wenig belastbar. Die Monopolstruktur des deutschen Strommarktes hat noch immer dafür gesorgt, dass sich die Erzeuger aller Risiken entledigen können.

Außerdem -und das werden wir in Zukunft häufig hören- besteht der Strompreis nicht nur aus Erzeugungs- sondern auch Leitungskosten. In diese sollen die Energieversorger kräftig investieren, um Küstenwindstrom gen Süden transportieren zu können. Das wird sich aber noch hinziehen. Denn einerseits sollen die Genehmigungsverfahren laut Rösler merklich gestrafft und verkürzt werden, damit der Wutbürger die Energiewende nicht blockiert. Andererseits hat NRW Ministerpräsidentin Kraft bereits darauf hingewiesen, dass NRW im Energiewendezeitalter zum Transitland werden wird. Dafür will sie etwas bekommen.

NRW wird aus noch einem Grund eine spannende Rolle spielen. Kraft wies in dem Interview mit dem Deutschlandradio auch darauf hin, dass die meisten CO2-Emissionsrechte von energieintensiven Unternehmen mit Sitz in NRW gebraucht werden. Damit fließe besonders viel Geld aus NRW in den Energiewendetopf und deshalb müssten dessen Einnahmen vor allem in NRW reinvestiert werden.

Da ist also noch viel zu verhandeln. Und was der Wutbürger nicht blockieren kann oder soll, das wird die Landespolitik schon hinbekommen..

Die neuen Hochspannungstrassen werden viel Geld kosten. Philip Rösler hat gestern gesagt, wer es bezahlen wird: Die privaten Stromkunden. (Das brachte er in dem Interview in einem Halbsatz unter, den er halb verschluckte und den man deshalb leicht überhören konnte..)

Bleibt noch eine offene Frage: Womit schließen wir die Erzeugungslücke? Wind allein wird es nicht leisten können. Wir werden neue fossil befeuerte Kraftwerke benötigen, vorzugsweise -weil erstens schneller regelbar und zweitens mit der besseren Emissionsbilanz als Kohle- mit Gaskraftwerken. Das Erdgas wiederum wird vorzugsweise durch Transportnetze von Ruhrgas und Wintershall von den Pipelines aus Russland, den umkämpften Ländern am kaspischen Meer oder Norwegen zu den neuen Kraftwerken strömen. Gazprom z.B. wird also von der Energiewende in Deutschland profitieren.

Schwarz-Gelb hat sich auch schon überlegt, wie Deutschland trotz gesteigertem Strom aus Erdgas seine CO2-Emissionen insgesamt senken wird: Nämlich, in dem die Besitzer von Häusern und Eigentumswohnungen kräftig in Wärmedämmung investieren. Das tut der Häuslebauer sowieso, weil er direkt von den eingesparten Energiekosten profitiert. Wohnungsvermieter tun das noch lange nicht, weil sie Energieverbrauchskosten einfach auf ihren Mieter umleiten (wenn dieser nicht schon einen eigenen Vertrag mit einem Gasversorger hat). Allerdings könnte der Wert einer Wohnung mit günstigem Energiepass demnächst steigen. Ob das aber die Investitionskosten komplett ausgleicht..? Ob er seine Investitionskosten auf die Mieter umlegen darf, ist strittig. Die Berliner SPD unternimmt Anstrengungen, dass die Kosten allein am Vermieter hängen bleiben. Denn: "Die Energiewende muss sozial verträglich gestaltet werden."

Und damit kommen wir vom Irrsinn zur Schizzophrenie: Denn während hohe Steuern auf Energie, auch Benzin, ständig mit ihrer ökologischen Lenkungswirkung gerechtfertigt werden, werden die gleichen Kostensteigerungen diffamiert, wenn sie von Privaten eingetrieben werden - selbst wenn sie dem gleichen Ziel dienen, das die Politik verfolgt. Das dürfte noch Krach geben.

Unterm Strich: Leitungsnetze für Strom und Erdgas werden an Bedeutung gewinnen. Besitzer von Trassenrechten und Netzinfrastruktur werden künftig mehr verdienen, weil die Transportwege für Strom länger werden und weil mehr Erdgas für die Ersatzktaftwerke gebraucht werden wird. Nicht die Betreiber und nicht deren Industriekunden werden die Energiewende bezahlen, sondern wir Privatkunden. Für ein Elektroauto wird da übrigens nicht mehr viel Geld übrig bleiben.. Das könnte zu einem Luxus- oder Statusobjekt mutieren.

Die Profiteure der Energiewende heißen deshalb meiner Meinung nach: Eon, Gazprom und RWE als Erzeuger und Transpoteure sowie Siemens und die Hersteller von Windkraftanlagen.

Sonntag, 5. Juni 2011

Grüße von Kotzen nach Essen

Hagen Rether hat ja mal über seine Heimatstadt im Ruhrgebiet gesagt: "Wenn so schon Essen aussieht, wie muss dann erst Kotzen aussehen?"

Hier kommt die Antwort. Es ist ein kleines Dorf im landschaftlich schönen Havelland, westlich von Berlin.


Größere Kartenansicht

Auf dem Weg nach Kotzen:


Aufpassen, man übersieht das Ortseingangsschild schnell..


Und hier sieht es so aus, wie in vielen Dörfern Brandenburgs - und übrigens auch Polen (zumindest in Schlesien):






Alles in allem: viel malerischer als die Margaretenhöhe, oder? ;-)

Samstag, 28. Mai 2011

Rösler will die gefühlten Benzinpreise senken

Der Wirtschaftsminister greift nun den Hinweis auf, dass Tankstellen in Österreich ihre Preise nur noch einmal täglich bewegen dürfen. Ich hatte darauf schon mal vor einem Jahr hingewiesen: Link. Das soll die permanent in Bewegung befindlichen Benzinpreise bremsen.

Dort hatte ich auch geschrieben, wie die Tankstellenbetreiber darauf reagiert haben: Sie bilden nun Mittelwerte der erwarteten Tagesganglinie. D.h. es steckt mehr Spekulation drin. Geht die Tendenz nach oben, baut der Anbieter Luft nach oben mit in seinen Tagespreis. D.h. wahrscheinlich gewinnt der Autofahrer da gar nicht viel.

Es hat aber trotzdem einen positiven psychologischen Effekt: Man ärgert sich nicht mehr, wenn man morgens eigentlich tanken wollte, aber darauf spekulierte, dass es abends billiger wird. Und dann doch mit anschwellendem Ärger sehen musste, dass der Preis gestiegen ist. So ist es manchmal an den Börsen. Und so ist der Deutsche, der an der Börse handelt: Gewinne schreibt er gerne seiner Intelligenz zugute. Verluste versucht er bei den anderen abzuladen. (Die Banken machen es ihm vor.)

Dass die Autofahrer diesen positiven Effekt ihm zugute schreiben werden, ist das Kalkül Röslers. Wenn er wirklich etwas gegen zu hohen Benzinpreise tun wollte, könnte er auch die Energiesteuer senken..

Mittwoch, 25. Mai 2011

Die Brennelementesteuer ist verbrauchsabhängig

"Die Steuer für ein Gramm Plutonium 239, Plutonium 241, Uran 233 oder Uran 235 beträgt 145 Euro."
Quelle: Wikipedia

Die Brennelementesteuer (korrekt: Kernbrennstoffsteuer) wird also abhängig vom Verbrauch erhoben. Sollte die Bundesregierung einige Kernkraftwerke stillegen, müsste sie die Steuer nicht "logischerweise wieder abschaffen", wie das heute Vertreter der Kraftwerksbetreiber und Politiker wie Horst Seehofer forderten. Bei "null Atomstrom" beträgt die Steuer ebenfalls null.

Zusätzlich zahlen die Kernkraftwerksbetreiber neun Euro pro zusätzlich eingespeister MWh (= 1.000 kWh) in einen Fonds zur „Finanzierung der Förderungsmaßnahmen zur Umsetzung des Energiekonzeptes“

Dienstag, 24. Mai 2011

Was in Berlin sonst noch geschah

Innenminister Friedrich: "Wer nichts vebrochen hat, braucht keinen Datenschutz." OK, dann aber auch: Wer nichts verbrochen hat, braucht keinen Bodyguard.

Gelangweilte Mittelklassekinderchen aus Schwaben haben gestern mit Streichhölzern an Versorgungskabeln der Bahn am Bahnhof Ostkreuz gespielt, ein Feuer zustande bekommen und ein Skript auf einen Blog gepostet. Alle Räder standen still. Die Fahrgäste bemerkten den Unterschied zum Normalbetrieb der Berliner S-Bahn aber nicht.

Die Bundesdruckerei bereitet angeblich die Produktion von DM-Scheinen und Münzen vor.

Verkehrssenatorin Junge-Reyer (SPD) und Umweltsenatorin Lompscher (ehemals SED, heute Linkspartei): "Sind bei der Lahmlegung Berlins in den vergangenen fünf Jahren gutes Stück voran gekommen."

Innensenator Körting traut sich noch nicht zu sagen, dass er die Position des Polizeipräsidenten eigentlich ersatzlos streichen will. Intern gilt das als Dialogangebot an die Auto- und Kinderwagenanzünder.

Egon Bahr hat dem neuen Behördenchef für die Stasiunterlagen, bei dem es sich zum ersten mal um einen Vertreter der Stasiopfer handelt, mangelnden Versöhnungswillen vorgeworfen.

Die Friedrichshainer Bürgerinitiative "Mediespree versenken" hat sich versehentlich für den Erhalt einer wilden Müllkippe am Spreeufer eingesetzt. Sprecher Joost: "Wir setzen uns konsequent für den Erhalt gewachsener Strukturen ein."

Da der Platz des Tiergartens nicht mehr ausreichte, sind am Wochenende die ersten Grillfans auf das Gelände des gegenüber liegenden Schlosses Bellevue eingedrungen. Familien eigneten sich zusammen mit Schweinen und Ziegen "unseren Schlosspark" an. Bundespräsident Wulff und seine Familie flüchteten vor den dichten Nebelschwaden ins Kanzleramt.

Montag, 23. Mai 2011

Schlagen wir die Mineralölkonzerne mit ihren eigenen Waffen

Die Mineralölkonzerne fahren folgende Strategie, um die Preise an ihren Tankstellen möglichst lange hoch zu halten:
- Informationstechnik, die sie über die Preisentwicklung beim Wettbewerb möglichst in Echtzeit informiert. Vereinfachtes Motto: Sobald der erste erhöht, ziehen sie nach. Erst wenn der Letzte gesenkt hat, senken sie auch.
- Die fortwährende Ausdünnung ihres Tankstellennetzes, um ihren Kunden möglichst lange Wege zu bescheren, wenn sie ebenfalls Preise beobachten und vergleichen wollen.

Die Antwort von uns Kunden sollte lauten: Machen wir es ihnen nach! Ein einfache Möglichkeit ist eine App fürs Smartphone. Clever Tanken war eine der ersten: Wer unterwegs an einer Tankstelle vorbekommt, merkt sich den Preis für seine Sorte und gibt sie bei nächster Gelegenheit in die App ein. Je mehr Anwender mitmachen, desto breiter und aktueller wird die Informationsbasis. Inzwischen tummeln sich einige Anwendungen mehr auf dem Markt. Wer ein iPhone hat, gebe bei iTunes einfach mal das Stichwort "Benzinpreis" oder "Tanken" ein..

Eine zweite Möglichkeit ist leider verboten: Im großen Stile einkaufen, wenn der Preis mal niedrig ist. Benzin in Fässern in der Garage zu lagern ist aus Sicherheitsgründen verboten. Die einzige Möglichkeit ist ein Reservekanister. Oder der Tank des Zweitwagens. (Denn sobald sich ein Auto um den Tank herum befindet, ist es erlaubt ;-)

Sonntag, 22. Mai 2011

Schalker Fantreff in Berlin

Da die Schalker ja alle zwei, drei Jahre zum Pokalfinale herkommen, kann man schon von Tradition sprechen: Man trifft sich am Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche. Und immer wieder bin ich überrascht, wie viele alte Bekannte wir treffen. Ich hab nur zwei Jahre in Gelsenkirchen gewohnt, bin aber in Dortmund aufgewachsen. Trotzdem: Egal ob beim Auswärtsspiel vom BvB oder z.B. auf einer der vielen Meisterfeiern der letzten Jahre in Dortmund: Ich treffe da kaum bekannte Gesichter..

Jedenfalls hab ich mich gestern dem Tross wieder angeschlossen. Man trifft sich im kleinen Kreis am KaDeWe und zieht dann rüber zur Fanparty. Ich war mit BvB Shirt da, das mit der Meisterschale. Meinen Witz "Einmal Schale anpacken: 1 EUR" fanden nur unsere Kumpels von damals lustig. Die verhätschelten und subventionierten "Ultras", die so tun, als hätten sie sowohl den FC Gelsenkirchen Schalke 04 gegründet als auch die letzte Kohle aus dem Stollen geholt, sind weniger locker. Aber die muss man großzügig ignorieren.

Jedenfalls hab ich mich mit etlichen Schalkern gut unterhalten. Unterm Strich sind wa doch froh, dass beide Trophäen dieses Jahr in den Pott gehen. Eine besondere Ehre war mir die Bekanntschaft mit einem der letzten Schalker Meister..




Samstag, 21. Mai 2011

Nokia sucht nach patentierbaren Kundenideen

Alle reden von der Kreativwirtschaft. Nokia handelt und eröffnet eine Plattform für die Einreichung von Produktideen.

Nokia erweitert die Idee von Crowd Sourcing jetzt auf patentierbare Ideen. Unter dem Kampagnenname "Invent with Nokia" ruft Nokia die Welt auf, ihr patentierbare Produkt- und Serviceideen zuzusenden. Gehandhabt wird es ähnlich dem Arbeitnehmererfindungswesen:

1. Registrierung auf der Website
2. Zusendung der Erfindungsbeschreibung an Nokia. Nokia startet eine zweistufige Sicht im eigenen Hause.
3. Binnen vier Monaten meldet sich Nokia, ob es die Idee übernehmen und zum Patent anmelden will.
4. Im Falle der "Inanspruchnahme" honoriert Nokia dies. Sollte die Idee patentiert werden und in erfolgreiche Produkte oder Services einfließen, zahlt Nokia eine Erfolgsbeteiligung. Wie hoch diese ist, erfährt man erst im Zuge der Registrierung.


Quelle: Nokia

Das ist ein interessanter Ansatz und ich bin gespannt, ob und was Nokia über den Erfolg seiner Kampagne berichten wird. Welche Art Vorschläge darf Nokia wohl erwarten?

1. Alles, was man besser machen könnte, wo es heute hakt. Die meisten Kunden können vermutlich sofort Hinweise auf nicht optimale Produkte und Abläufe geben. Z.B. für die Gestaltung der Bedienoberfläche, Akkuhaltbarkeit, Empfangsqualität, Lautstärke und Klangqualität des MP3-Players. Solche Dinge, mit denen man täglich in Kontakt kommt. Diese Vorschläge werden aber nur selten patentierbar sein. Trotzdem wertvoll für Nokia ;-)
2. Anwendungsfälle, für die Kunden sich eine Funktion oder "App" wünschen. Marktlücken und Nischen für den "Appstore" (wie heißt der bei Nokia..?) sozusagen.
3. Freie Erfinder, die eigene Erfindungen meist auf eigene Kosten anmelden.
3. Echte Diamanten. Bahbrechende Erfindungsideen, an die noch keiner gedacht hat.

Allerdings weist Nokia auf seiner Website darauf hin, dass es natürlich auch selbst viele Ideen hat, und die eingereichte Idee nicht neu sein könnte.. Wie kann man das als Erfinder von außen unterscheiden? Das einzig objektive Kriterium dafür wäre eine Patentanmeldung von Nokia, die beim Patentamt früher angemeldet wurde (das steht auf der Veröffentlichungsschrift), als der Erfinder seine Idee an Nokia gesendet hat.

Ein wichtiger Punkt ist: Mitarbeiter von Wettbewerbern und Zulieferern unterliegen in Deutschland (und in anderen Ländern sieht es sicher ähnlich aus) dem Arbeitnehmererfindungsgesetz. Das heißt: Wer in dieser oder verwandten Branchen arbeitet, ist eigentlich verpflichtet, seine Erfindungen zuerst seinem Arbeitgeber anzuzeigen (Erfindungsmeldung, Formblatt sollte im Intranet bereitstehen..). Auch der eigene Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, Erfindungen, die er in Anspruch nimmt und verwertet, zu vergüten. Auch wird der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer auf Patentanmeldungen immer als Erfinder benennen.

D.h. für Branchenspezialisten ist diese Kampagne eher uninteressant. Aber freie Erfinder

Trotzdem ein reizvolles Projekt. Natürlich auch für Web 2.0 Berater. Vor zehn Jahren zogen wir mit der Idee von Customer Relationship Management über die Lande. Danach wechselte ich in die Patentberatung. Nokia hat nun beides auf interessante Weise kombiniert.

Vielleicht war diese Idee inspiriert vom US-amerikanischen Projekt "Peer to Patent", wo Crowdsourcing für die Neuheitsprüfung eingereichter Patentanmeldungen beim Patentamt genutzt wird..?

Nokia sucht nach Crowd-Patenten

Nokia erweitert die Idee von Crowd Sourcing jetzt auf patentierbare Ideen. Unter dem Kampagnenname "Invent with Nokia" ruft Nokia die Welt auf, ihr patentierbare Produkt- und Serviceideen zuzusenden. Gehandhabt wird es ähnlich dem Arbeitnehmererfindungswesen:

1. Registrierung auf der Website
2. Zusendung der Erfindungsbeschreibung an Nokia. Nokia startet eine zweistufige Sicht im eigenen Hause.
3. Binnen vier Monaten meldet sich Nokia, ob es die Idee übernehmen und zum Patent anmelden will.
4. Im Falle der "Inanspruchnahme" honoriert Nokia dies. Sollte die Idee patentiert werden und in erfolgreiche Produkte oder Services einfließen, zahlt Nokia eine Erfolgsbeteiligung. Wie hoch diese ist, erfährt man erst im Zuge der Registrierung.


Quelle: Nokia

Das ist ein interessanter Ansatz und ich bin gespannt, ob und was Nokia über den Erfolg seiner Kampagne berichten wird. Welche Art Vorschläge darf Nokia wohl erwarten?

1. Alles, was man besser machen könnte, wo es heute hakt. Die meisten Kunden können vermutlich sofort Hinweise auf nicht optimale Produkte und Abläufe geben. Z.B. für die Gestaltung der Bedienoberfläche, Akkuhaltbarkeit, Empfangsqualität, Lautstärke und Klangqualität des MP3-Players. Solche Dinge, mit denen man täglich in Kontakt kommt. Diese Vorschläge werden aber nur selten patentierbar sein. Trotzdem wertvoll für Nokia ;-)
2. Anwendungsfälle, für die Kunden sich eine Funktion oder "App" wünschen. Marktlücken und Nischen für den "Appstore" (wie heißt der bei Nokia..?) sozusagen.
3. Freie Erfinder, die eigene Erfindungen meist auf eigene Kosten anmelden.
3. Echte Diamanten. Bahbrechende Erfindungsideen, an die noch keiner gedacht hat.

Allerdings weist Nokia auf seiner Website darauf hin, dass es natürlich auch selbst viele Ideen hat, und die eingereichte Idee nicht neu sein könnte.. Wie kann man das als Erfinder von außen unterscheiden? Das einzig objektive Kriterium dafür wäre eine Patentanmeldung von Nokia, die beim Patentamt früher angemeldet wurde (das steht auf der Veröffentlichungsschrift), als der Erfinder seine Idee an Nokia gesendet hat.

Ein wichtiger Punkt ist: Mitarbeiter von Wettbewerbern und Zulieferern unterliegen in Deutschland (und in anderen Ländern sieht es sicher ähnlich aus) dem Arbeitnehmererfindungsgesetz. Das heißt: Wer in dieser oder verwandten Branchen arbeitet, ist eigentlich verpflichtet, seine Erfindungen zuerst seinem Arbeitgeber anzuzeigen (Erfindungsmeldung, Formblatt sollte im Intranet bereitstehen..). Auch der eigene Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, Erfindungen, die er in Anspruch nimmt und verwertet, zu vergüten. Auch wird der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer auf Patentanmeldungen immer als Erfinder benennen.

D.h. für Branchenspezialisten ist diese Kampagne eher uninteressant. Aber freie Erfinder

Trotzdem ein reizvolles Projekt. Natürlich auch für Web 2.0 Berater. Vor zehn Jahren zogen wir mit der Idee von Customer Relationship Management über die Lande. Danach wechselte ich in die Patentberatung. Nokia hat nun beides auf interessante Weise kombiniert.

Vielleicht war diese Idee inspiriert vom US-amerikanischen Projekt "Peer to Patent", wo Crowdsourcing für die Neuheitsprüfung eingereichter Patentanmeldungen beim Patentamt genutzt wird..?

Mittwoch, 18. Mai 2011

Herzlichen Glückwunsch zum Büchner-Preis, F. C. Delius

"Das sichtbare Leiden des gefangenen Arbeitgeberpräsidenten war für sich schon ergreifend. Irritierender noch war die Ahnung, daß die Polaroidphotos doppelt belichtet schienen. Das zweite Bild dahinter, über das nicht gesprochen wurde, war das heimliche, vielleicht das eigentliche Skandalon des Jahres 1977: Nie zuvor hatte man in Deutschland einen SS-Mann leiden sehen."
F. C. Delius

Erkenntnisse über Elektroautos

Batteriebetriebene Elektroautos führen zu einem Dilemma zwischen Verkehrs- und Wohnkonzepten: Wegen ihrer geringen Reichweite eignen sie sich am besten für Leute, die in der Innenstadt wohnen. Da sie aber zum Aufladen einen reservierten Parkplatz mit Zugang zu einer Steckdose brauchen, eignen sie sich aus dieser Sicht am besten für Leute mit Häuschen und Garage im Grünen oder der Vorstadt.

Zur Auflösung dieses Dilemmas sind vor allem diese Ansätze bekannt:
- Die Tiefgaragen von Wohn- und Bürohäusern in Innenstädten werden von deren Besitzern mit Ladestationen ausgerüstet.
- Die Kommune oder der Stromversorger baut ein Netz von Ladestationen an Straßenrändern aus. (Voraussetzung ist, dass jeder Stecke in jede Dose passt.)
- Ein Betreiber baut ein Netz von Batteriewechselstationen aus, in denen die Fahrer von standardisierten Batterien leer gegen voll tauschen können. (Nachteil für den Fahrer: Er muss mehrmals die Woche eine solche Tankstelle anfahren und die Wechselprozedur mitmachen. Vorteil: Er spart sich die stundenlangen Ladezeiten.)
- Das Auto wird mit einem Notstromaggregat ausgerüstet, das die Batterie an Bord bei Bedarf nachlädt. (Vorteil für den Fahrer: Er ist außer von Tankstellen von nichts und niemanden abhängig.)
- Man forscht und entwickelt weiter an Energiespeichern, d.h. Batterien und an der Nutzbremsung im Auto.

Es gibt noch ein Dilemma: Gerade weil Elektroautos so sparsam sind, verdienen die Stromversorger nicht viel an ihnen. Deshalb lohnen sich für sie keine Großinvestitionen in Ladestationen. Die lohnen sich nur, wenn die Ausnutzung bereits vorhandener Kapazitäten oder überschüssiger Windstrom durch die Versorgung von Elektroautos mit wenig Aufwand verbessert werden kann.

Die Frage lautet: Wer geht in Vorleistung, und baut dem anderen Marktteilnehmer dessen Risiko ab? Der Autofahrer sagt: Baut mir erst mal ein zuverlässiges und für meinen Bedarf passendes Netz von Ladestationen auf. Der Stromversorger antwortet: Das tun wir gerne, aber nur wenn ihr viele seid. Und das gleiche sagt Shai Agassi mit seinem Batteriewechselnetz.

Diese grundsätzlichen Hürden sollen nun durch mächtige Subventionen überwunden werden? Davon halte ich nichts. Wenn man ein Projekt startet, in der Annahme, dass sein Ergebnis großen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt (Ölpreis, Arbeitsplätze, Exporte, Klimawandel) und wenn man dann feststellt, dass diese Lösung sehr teuer wird, dann stimmte vielleicht die ursprüngliche Annahme nicht.

Trotzdem verfolgen viele Regierungen solche Konzepte und der Automobilhersteller Tesla Motors verkauft fleißig seine Elektroroadster. Aber hier gilt, was in der Energiepolitik generell gilt: Jedes Land hat andere Bedingungen und Strukturen. Israel hat kurze Wege, in Kalifornien wohnt starke Kaufkraft und es gibt Länder, die vor lauter Wasser- oder Windkraft nicht wissen, wohin mit ihrem Strom.

Die Regierung hat die Frage der Elektromobilität zu einem nationalen Anliegen ausgerufen, bevor sie all diese Fragen untersucht hatte. (Wie so oft, denkt man hier entweder nicht strategisch oder man spricht nicht über seine wahren Absichten). Inzwischen ist die Nationale Plattform Elektromobilität jedenfalls zu einer Runde geworden, deren Hauptaufgabe offenbar die Berechnung von Subventionsbedarfen ist. Die Kalkulation wäre zumindest offen zu legen, und von der Regierung mit Sachverstand zu prüfen. Aber das ganze ist kommunikationstechnisch auch so angelegt, dass jeder jederzeit von dem Projekt abspringen kann mit dem Verweis, dass ja die andere Seite dieses Projekt wollte..

Montag, 16. Mai 2011

Fukushima - Super GAU nach 16 Stunden

Jetzt ist es amtlich: Die Reaktorkatastrophe in Fukushima ist genau so schwer wie die in Tschernobyl (INES Stufe 7, Link). Mehr als zwei Monate nach dem Erdbeben korrigiert TEPCO seine ursprüngliche Darstellung dahin gehend, dass es bereits nach 16 Stunden die erste Kernschmelze (in Reaktor 1) gegeben habe.

Nach dem 11. März hieß es seitens TEPCO und IAEA, die Notabschaltung nach der Registrierung des Erdbebens habe richtig funktioniert und der Reaktor sei im "cold shut down". Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf die Abfuhr der Nachzerfallswärme. Dazu diente auch das kontrollierte Ablassen von Wasserstoff (was dann aber wohl doch zu Knallgasreaktionen in der Atmosphäre führte..). Mit der Zeit klingt die Wärmeentstehung ab, also ist das Risiko einer Kernschmelze direkt nach der Abschaltung am größten, wenn die Wärmeabfuhr nicht gelingt.

Da wir keine anderen Informationen bekamen, waren wir über Tage im Glauben: "Bis jetzt hat es funktioniert." Ich erinnere mich an Kommentare z. B. bei den Ruhrbaronen, wo denn die Katastrophe bleibe, die deutschen Kritiker hätten mal wieder übertrieben. Jetzt erfahren wir: Die Wärmeabfuhr hat nicht funktioniert und es kam zur Kernschmelze. Der geschmolzene Kernbrennstoff hat Löcher in den Reaktorboden gefressen - das Chinasyndrom. Die Bewohner der Kraftwerksumgebung bekamen die Informationen, die sie für die Entscheidung einer FLucht gebraucht hätten, nicht.

Ob das TEPCO-Management es nicht früher wusste oder es nicht sagte - es ist ein weiterer Beleg dafür, dass bei der Sicherheit von Kernkraftwerken nicht nur auf die Qualität des Sicherheitstechnik ankommt, sondern auch auf die Qualität des Managements.

Sonntag, 15. Mai 2011

Hoch auf dem gelben Wagen

Nee, da hats uns nicht mehr in Berlin gehalten. Da sind wa heute morgen ziemlich früh gen Westen aufgebrochen, zur BvB Meisterfeier. Als wir über die Brackeler Straße ankamen, war der Borsigplatz schon wegen Überfüllung geschlossen. Aber ich kannte da einen alten Schleichweg durchs Spähenfelde. Über den Güntherweg kamen wir dann auf die Weißenburger Strasse. Durch diese hohle Gasse sollten sie kommen. Und sie kamen. Wir waren nah dran. Lange her, dass ich so viel Schwarz-Gelb gesehen hatte. Dede und Weidenfeller vorne auf dem Führerhaus. Großkreutz, Rauball und Norbert Dickel auf unserer Seite. Pop-Kloppo stand hinten zur anderen Seite. Es war Riesenstimmung unter der alten Hoeschbahnbrücke..










Samstag, 14. Mai 2011

Nur der BvB



Ein herrliches Wochenende steht bevor. Viele Schalker Freunde rufen an, kommen auf mich zu und fragen: Wie ist das, Meister zu werden? Was antwortet man da, ohne all zu tiefe Verletzungen auszulösen? Man sagt nicht: So wie immer. Man sagt vorsichtig: Es ist schön. Da ich ja seit zehn Jahren von Schalke Freaks umgeben bin, und es auch leichter ist, an S04 Tickets zu kommen, als an Dortmunder Tickets, habe ich in den letzten Jahren die Schalker öfter gesehen, als die Dortmunder. Da muss man schon aufpassen..

Aber spielerisch reicht Klopp und seinen Mannen keiner das Wasser. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Es ist die helle Freude, sie spielen zu sehen. Eine Mannschaft, kein Starensemble. Da irren auch viele Fussballmanager, dass die Zuschauer nur kommen, um teure Stars zu sehen. Nein, man will seine eigene Mannschaft nach oben kommen sehen. Man will sie spielen sehen, und zwar so, wie Fussball angelegt ist: Als Flügelspiel, in dem man mit Pässen -und nicht Einzelaktionen- Distanzen überwindet und schnell vor dem gegnerischen Tor ist. Man will sie spielen sehen, und nicht spielerische Mängel durch Laufen und Rauhbeinigkeit kompensieren, so wie es Berti Vogts Philosophie war. Diese phantasielose Philosophie war den Deutschen Fussballfans aber auch lange sympathisch. Vielleicht, weil sie ihnen aus ihren Betrieben vertraut war..?

Im Fussball setzen sich die Spieler, Trainer und Manager durch, die ihn leben wollen. Die seine Stärken rauskitzeln und damit nicht nur Erfolg haben, sondern auch das Publikum überraschen und begeistern. Es ist schön zu sehen, dass soetwas Erfolg hat. Und es freut mich, dass all die Managertypen, die glauben, Fussball sei zuvorderst mit den richtigen Unternehmensprozessen zu gewinnen, gescheitert sind. So wie Dieter Hundt und Erwin Staudt beim VfB Stuttgart zum Beispiel. Denen nur "Effizienz" als Vision einfiel, die Trainer feuerten, weil das einzige war, was sie überhaupt tun konnten. Die sich nicht aus der Lounge trauen, aber von dort rauhe Worte in Richtung ihrer Angestellten loslassen. Die sind gescheitert, weil sie keine Qualitäten aufwiesen, die eine Mannschaft zum Erfolg führen können. Gut so.

So, dann wolln wa mal. Ich hab gesehen, dass jetzt auch ein Nachbar Schwarz-Gelb geflaggt hat. Die Arbeiterkinder sind im Regierungsviertel angekommen und machen jetzt mal den Lauten..

Dienstag, 10. Mai 2011

Die Finanzrettungsboote reichen nicht für alle

Der EURO scheint in den letzten Zügen zu liegen - jedenfalls wenn man den Zustand des Projektes am Kommunikationsverhalten seiner Protagonisten abliest, das inzwischen nicht aus Dementis sondern Leugnen besteht.

Egal, ob es sich um den früheren Porschechef, den gerade aktuellen Trainer von Bayern München oder Parteigrößen handelt: Je heftiger die Dementis ausfallen, desto näher ist der Fall gerückt, der dementiert werden soll. Was einer intensiv dementiert oder gar leugnet, ist oder wird der Fall sein.

Dazu gehört seit dem Wochenende auch Jean-Claude Juncker. Er und die anderen überforderten EURO-Chefs posieren gerne als bedeutende Europaarchitekten. Aber eigentlich sitzen sie zusammen mit den Banken am Spieltisch und lassen sich über den Tisch ziehen. Nein, nicht sich, sondern uns.

An diesem Treffen der EU-FInanzminister, das erst dementiert wurde und für dessen Ergebnisse im selben Atemzug eine Pressekonferenz angekündigt wurde, nahmen auf deutscher Seite der verantwortliche Finanzminister und sein wichtigster (damit meinen viele Finanzpolitiker: einziger) Finanzexperte Jörg Asmussen teil.

Genau genommen kann man Schäuble keinen großen Vorwurf machen. Er muss -ohne Sachverstand- auslöffeln, was ihm sein Vorgänger -auch ohne Sachverstand- eingebrockt hat. Peer Steinbrück hatte schon immer blind auf den Lobbyisten Jörg Asmussen gehört. Die Philosophie deutscher Politiker ist offenbar: Wenn sich der Wolf am besten mit den Schafen auskennt, dann muss der halt die Schafe hüten. Vor den Medien betont der Wolf dann eben, er sei in erster Linie dafür verantwortlich, dass ihn kein Schaf beisst. Ein Peer Steinbrück oder Wolfgang Schäuble verteidigen ihn in Talkshows dann auch gerne mit dem Hinweis, Jörg Asmussen und auch der neue Bundesbankchef Weidmann, das seien Fachleute, also Wölfe, die bislang noch nie von einem Schaf gebissen wurden.

Bei Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien geht es doch nur noch darum, wem die Haare geschnitten werden, wenn die Länder sich für zahlungsunfähig erklären. Asmussen passt auf, dass das nicht die deutschen Banken sein werden. Schäuble bietet als Kompromiss dann den deutschen Steuerzahler an. In den Radiointerviews erklären hörbar euphorisierte Bankensprecher dann wieder, dass "hier ja gar kein Geld fließt, denn es handelt sich nur um Bürgschaften".

Und kaum sind die Banken gerettet, man kann das in den USA beobachten, heißt es: Schwamm drüber. Dann wird die Agenda gesetzt, wer die "hohen Staatschulden" tragen soll. In den Budgetverhandlungen zwischen Präsident Obama und den Reps und der Teaparty finden sich etliche Statements, in denen nur von Haushaltskürzungen die Rede ist, aber nie von Banken.

Das schafft man nur mit einem Battaillon von Erregerjournalisten, die Säue durch Dörfer jagen, und peinlich darauf achten, dass kein Mensch die Punkte verbindet und das gesamte Bild zu sehen bekommt.

Das sind übrigens auch die gleichen Leute, die uns stets mit bedeutenden Blicken dozieren, dass wir uns mehr anstrengen müssen, weil China so groß und stark geworden ist. Die von uns unbezahlte Mehrarbeit verlangen und höhere Sozialabgaben und für sich selbst Steuersenkungen.

Und Schiffbrüchige auf See, die können wir uns überhaupt nicht mehr leisten. Rettungsboote halten wir nur für Banken bereit. Denn wir setzen Prioritäten und können uns nicht alles leisten.

Montag, 9. Mai 2011

Indirekte Sensorik im Fahrzeug

Reifenluftdrucküberwachung
Je größer der Durchmesser eines Rades, desto weniger Umdrehungen braucht es um einen bestimmten Weg zurückzulegen. Mit diesem Wissen kann man Veränderungen des Luftdrucks in den vier Rädern eines Autos messen ohne tatsächlich den Luftdruck an den Reifenventilen messen zu müssen. Man beobachtet einfach die Umdrehungszahlen die die vier Räder in einer Zeiteinheit absolvieren. Vergrößert sich die Umdrehungszahl an einem Rad deutet dies auf einen reduzierten Durchmesser, also schwindenden Luftdruck hin.

Regensensor
Es klingt wie Luxus ist aber eine sehr angenehme Funktion: Der Regensensor, der die Scheibenwischer nicht in einem festen Zeitintervall betätigt, sondern bei Bedarf. Obwohl intuitiv so nahe liegend, misst der Regensensor gar keine "Nässe". Er befindet sich nämlich auf der Innenseite der Windschutzscheibe und beobachtet stattdessen, wie sich seine Sicht nach vorne verschlechtert. Genauer: Es wird (Infrarot-)Licht auf die Scheibe gesendet. Bei trockener Scheibe wird dieses totalreflektiert, Wasser verändert den Brechungsindex so, dass nicht mehr alles Licht reflektiert wird. Je weniger Licht reflektiert wird (und von einer Fotozelle erfasst wird), desto mehr muss es regnen, und desto kürzer werden die Wischintervalle bemessen.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Berlin ist nicht dynamisch, sondern gefragt

Berlin wird teurer. D.h. in immer mehr Bezirken steigen die Immobilienpreise und Mieten. Makler berichten von europäischen Käufern, die tlw. ungesehen kaufen. Weil sie die Hyperinflation fürchten und weil Berlin immer noch vergleichsweise billig ist: "Eine Wohnung im Wedding kostet soviel wie ein Autostellplatz in guter Lage in Moskau. Sogar Kiew erlebt gerade einen Hype."

Auch die Lebenshaltungskosten steigen. Wasser und Strom sind schon teurer. Aber vor allem der Öffentliche Nahverkehr, Gastronomie und Lebensmittel werden laufend teurer. Eine Ursache dafür ist der gewaltig gewachsene Tourismus und seine Nachfrage. 20 Mio Übernachtungen verkaufen die Berliner Hotels inzwischen pro Jahr.

Da ensteht ein gewaltiges Trugbild. Man könnte meinen, Berlin sei im Aufschwung. Die SPD macht Wahlkampf mit 100.000 neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Sogar das Wort "Industrie" fiel voriges Jahr auf einer Ideenkonferenz der Arbeiterpartei. Aber das sind Tropfen auf heiße Pflastersteine. Am Werke ist nur Geld, das von außen in die Stadt getragen wird. Ein interessantes Gegenmodell zur produzierenden Exportwirtschaft: Berlin exportiert nicht viel, importiert dafür aber Menschen, die Geld ausgeben - so wie Disneyland.

Berlin erfreut sich keiner besonderen wirtschaftlichen Dynamik sondern ist schlicht und einfach gefragt. Und das ist nachteilig für die, die hier wohnen und Geld verdienen müssen. Unsere Gehälter steigen nämlich nicht in dem Maße, wie Mieten und Preise. Wer hier ein Leben führt, wie es anderswo als "normal" gilt, für den interessiert sich die Politik nämlich nicht. Die SPD hofiert allen voran ÖffDie's und Pensionäre, die wochentags nachmittags Zeit für Parteiveranstaltungen haben und in Wahlprogramm und Newslettern wimmelt es von nichtssagenden Bekenntnissen zu nachrangigen Themen. Sie nennt das kiezig "soziale Stadt". (Die Grünen nennen es noch unverbindlicher: "Eine Stadt für Alle"). Wer glaubt, dass sich in der Hauptstadt die Denktanks der deutschen Politik tummeln, die politisch Denkrichtungen entwickeln, Deutungen oder gar Antworten auf die Welt im Wandel geben, Künstler inspirieren, wird hart eines besseren belehrt. Hier wimmelt es von Politikberatern und Lobbyisten die sich auf unpolitische und überforderte Mandatsträger stürzen. Akademische Freiberufler, Anwälten und Ärzte, deren Praxen schlecht laufen. Die gehen -letzter Versuch, noch Karriere zu machen- in die Politik und geben sich die Schlammschlachten um Listenplätze.

Zum guten Ton in Wahlprogrammen gehört reichlich Toleranz: Z.B. für Leute, die sich Parks "aneignen" um zu grillen und Müllberge im Grünen zu hinterlassen. "Wo soll ich grillen, wenn ich es hier nicht mehr darf?!" fragte neulich einer in die RBB Kamera. Unter Privatisierung des Politischen bzw. Öffentlichen versteht man hier immer mehr, sein Wohnzimmer in Parks und U-Bahnen auszulagern - mit allen Gewohnheiten. Neulich wurde in Kreuzberg jemand OHNE Bierflasche in der Öffentlichkeit gesichtet. Es war eine Mutprobe.. (Dank an Werner für den Hinweis). Am 1. Mai stiegen weiße Schwaden aus dem Tiergarten: Es waren hunderte Grills im Einsatz. Es ist inzwischen normal, dass Leute ihr Frühstück oder Mittagessen in der U-Bahn einnehmen. Im ICE ist es normal, sich mit Rollkoffer und Kaffebecher in die Gänge zu quetschen, während man mit dem zwischen Schulter und Kinn eingeklemmten Smartphone telefoniert. Mit all so was wird man einfach belästigt.

Berlin ist nicht jugendlich, sondern infantil. Hat keine Schnauze mehr, sondern quengelt. Weiß mit seinem Leben wenig anzufangen und erhebt die einfallslose Beliebigkeit zur Kreativität. Ist nicht rau, sondern weich - oder kriminell.

Die SPD ist hier einfach zu lange am Ruder. Sie hat keine Ideen mehr. Wowereits Politik war es lange, obwohl selbst Westberliner, die alten Symbole Westberlins einzureißen. Die Stillegung von Bahnhof Zoo und Flughafen Tempelhof waren nur die prominentesten. Und als Nachnutzung zu Tempelhof fällt ihnen dann nur ein "Wiesenmeer" ein..

Wer ein normales Leben führt, erfährt viele Widerstände. Die Minderheit z.B. die einem Beruf nachgeht, kann mal zusehen, wie sie ins Büro, ins Werk oder zum Kunden kommt. Man wird behindert zu Lande, zu Wasser, zu Schiene und in der Luft sowieso. Als Autofahrer braucht man eine grüne Umweltplakette von der Zulassungsstelle, einen Parkausweis vom Bezirksamt, einen Wachmann, der aufpasst, dass das Auto nachts nicht abgefackelt wird und wenn man sein Auto tagsüber benutzen will, wird man nur ausgebremst. Wer nach Stillegung des Bahnhofs Zoo z.B. in die Nähe des neuen Hauptbahnhofs nach Mitte zog, kommt jetzt zwar zum Zug, weiß aber nicht, wo er sein Auto parken soll. Wer S-Bahn oder Bus benutzen will, wartet im Winter vergeblich. Das alles kümmert den Senat nicht, oder er ist sogar Verursacher der Misstände.

Und auch Wirtschaftspolitik betreibt der Senat nicht wirklich. Anfangs warb man anderen Städten noch die eine oder andere Konzernhauptverwaltung ab. Inzwischen ist aber selbst das zu mühselig. Berlin fremdelt mit Unternehmern und Unternehmen. Dabei ist SPD-Landesvorsitzender Müller ein gelernter Kaufmann und selbständiger Drucker. Er könnte als "Mister Mittelstand" auftreten und sich für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins stark machen. Aber man hat bei ihm leider oft den Eindruck eines Rufers in der Wüste. Er ruft eigentlich nicht einmal mehr sondern reiht sich ein in die soziale Stadt. Das Stichwort Industrialisierung (das eigentlich Re-Industrialisierung heißen müsste) verdanken wir sicher ihm.

Diese Woche gab es wieder eine Enttäuschung: Siemens hat sich für München als Standort für seine neue Sparte "Infrastruktur" entschieden. London wird auch noch etwas abbekommen. Von Wowereit und Wirtschaftssenator Wolf (Linke) hörte man zwar Töne in der Art, die Ansiedlung in Berlin sei eigentlich selbstverständlich. Aber um etwas kämpfen tun die nicht gerne. Die sind eher Spezialisten im Thema Förderprogramme.

Optisch tut sich derzeit viel in Berlin. Der Kudamm feiert sein 125 Jähriges. Am Zoo entsteht ein neues Hochhaus. Am Bahnhof Zoo sollen künftig wieder nicht nur Spielautomaten Kundschaft in den Bahnhof locken, sondern Reisende.

Aber da, wo es nach Arbeit riecht, wo die Potenziale sind, z.B. im Technologiepark Adlershof im Südosten, da sieht man Wolf nur selten. Nicht einmal vernünftige S-Bahn Anschlüsse gibt es dort.

Wenn schon also Industrie und Forschung Stiefkinder dieses Senates sind, wie steht es dann mit dem, für das viele Berlin halten: Ein kreatives Zentrum? Auch von Mode und Musik hört man nur selten, leider. Viele sind gut, haben sich einen Namen gemacht und halten sich über Wasser. Aber es wachsen keine kräftigen Äste.

Alles in allem ist Berlin ein Phänomen. Es weckt anscheinend viele Erwartungen, Phantasien und Sehnsüchte. Aber es erfüllt sie nicht. Nach zehn Jahren in Berlin ist es für mich schwer geworden mir vorzustellen, was Touristen in Berlin sehen. Ich habe es vor zwanzig Jahren mal als größer als mich selbst empfunden. Etwas, was schier unüberschaubar, undurchdringbar ist, in dem es 1.000 Chancen gibt und viele Bewegungen und Kräfte, die es voran bringen, die einen fordern. Aber da ist nichts mehr..

Montag, 2. Mai 2011

"Alle Pötte in den Pott!"



JAWOLL, Dortmund ist Meister!! Das am 30. April, am 32. Spieltag, war seit langem mal wieder ne euphorisierende Schlusskonferenz im Radio (Hier nochmal zum genießen). Als das 2-0 für Köln gemeldet wurde, flutete Adrenalin den Körper! Wohl auch bei Sabine Töpperwien, die -so klang sie jedenfalls- am liebsten mit dem Mikro mit auf dem dem Zaun der Südtribüne gesessen hätte :-)

(2002 hielt ich die Liveberichte zu Hause nicht mehr aus und joggte mit Radioknopf im Ohr eine Runde um den Lietzensee in Charlottenburg. Dortmund lag 0-1 hinten gegen Bremen und alle Dortmunder warteten auf das 1-1. Und da brach ich fast zusammen, als Manfred Breukmann in der Halbzeitkonferenz in die Runde rief: "Zweii..." (NEIN!! 2-0 für Bremen??)... "Zweii, zweiii Meter misst der Jan Koller und nur deshalb kommt er an diesen Ball heran...")

Dortmund jubelt und atmet durch. Es hat hingehauen. Dieser Trainer, der dieser jungen Mannschaft das Fussball"spielen" eingeimpft hat, die haben das verdient. Was Löw bei der Nationalmannschaft schon länger als Parole ausgegeben hat, haben Kloppo und seine Mannen in Reinstkultur umgesetzt: Spielen, Passen, Anspielen und Verwandeln. Wenn einer besser postiert steht, abgeben!

Wer Dortmund spielen gesehen hat, der kann sich bei anderen höchstens an Leidenschaft und Dramatik hochziehen. Aber nicht an Spielklasse. Das sage ich ganz besonders in Richtung Süden. Nicht Geld (FC Bayern), Eitelkeit (FC Bayern) oder Managementpowerpointfolien (VfB Stuttgart) schießen Tore, sondern Können, Leidenschaft und Mannschaftsgeist.

Ich freue mich tierisch auf die Meisterfeier in Dortmund. Und eine Woche drauf kommen die Schalker nach Berlin zum Pokalfinale. Dann heißt es, denn dann kennen wir nur noch Pöttler: "ALLE PÖTTE IN DEN POTT!"

Und vielleicht geht ja sogar diese Woche noch was in Manchester? ;-)

Freitag, 29. April 2011

Die Aufregung um Spritschlucker lohnt kaum

Je kostspieliger eine Fahrzeugklasse ist, desto weniger werden davon gekauft. Desto weniger Exemplare fahren also davon herum. Desto weniger sind sie dann am Schadstoffausstoss beteiligt. Porsche produziert z.B. pro Jahr ca. 100.000 Autos. Das ist nichts im Vergleich zu Toyota, Volkswagen oder GM/Opel deren Stückzahlen in die Millionen gehen.

In Berlin sind laut amtlicher Statistik etwa 1,1 Mio PKW (1994: 1,2 Mio) zugelassen. Pro 1.000 Einwohner sind das 321 (1994: 346) PKW. Etwa 84% davon haben einen Hubraum von max. 2,0 Liter.


Grafik: Amtliche Statistik Berlin

Die Anzahl der PKW und auch der Nutzfahrzeuge (Busse, LKW) sinkt seit Jahren kontinuierlich. Nur die Anzahl an Motorrädern hat zugenommen.

Welche Fahrzeugklasse ist nun die wichtigste, wenn wir über Schadstoff- und Verbrauchssenkungen sprechen? Hier kann jeder auf den anderen zeigen: Der Kleinwagenfahrer sagt dem Geländewagenfahrer: Meiner verbraucht per se schon wenig, Du bist am Zug. Der Geländewagenfahrer sagt: Meine Gruppe ist viel kleiner, deshalb spielt der Ausstoss meines Wagens eine unbedeutendere Rolle. Beide können sagen: Die Normverbräuche aller Neuwagen aller Fahrzeugklassen sind gerade in den vergangenen 2 Jahren deutlich zurück gegangen.Auch ohne Hybridantrieb.

Das Argument des Geländewagenfahrers trifft zu, verstößt aber gegen den kategorischen Imperativ: Man kann die spezifisch höheren, gesellschaftlich relevanten Schäden eines Privilegs nicht damit rechtfertigen, dass es halt ein Privileg ist und dadurch nur wenigen zugänglich. Das wäre dekadent.

Wohl aber kann er ebenso berechtigt sagen: Innovationen, und dazu zählt die Verbrauchssenkung, werden zuerst durch die Premiummodelle finanziert. Und erst wenn sie ausgereifter und am Markt akzeptiert worden ist, lohnt der Übergang auf die Massenproduktion, die Preissenkungen ermöglicht.

Das lässt sich für die gesamte Historie des Autos nachweisen. Und als es noch nicht so viele Premiummodelle gab, wurden einige Innovationen von Lastkraftwagen in den PKW übertragen, wie z.B. Servolenkung, Dieselmotor und Turbolader.

Was der typische Berliner Autokritiker dem Geländewagen aber nie ansieht ist, wozu er gebraucht wird. Es soll Geländewagen geben, die regelmäßig in Brandenburg bewegt werden. Und auf den Landstraßen zwischen den Brandenburger Städten, auf den nicht befestigten Wegen und auf den Schlaglöchern Berlins braucht man einen Geländewagen.

Und bei der Gelegenheit kann ich gleich mit noch einem Gerücht aufräumen: Es ist nicht das höhere Gewicht, das den Verbrauch des SUV stark erhöht. Sondern die Anforderung an Beschleunigungswerte wie ein Sportwagen, vor allem im niedrigen Drehzahlbereich. Mithin ist das "S" in SUV der Malus. Was viele SUV Fahrer aber in Wahrheit wollen, sind bekanntermaßen der Komfort des hohen Einstiegs und der guten Übersicht nach vorne und die gefühlte Sicherheit. Aber auch so gilt: Die wenigsten zugelassenen Autos in Berlin sind SUVs. Sie spielen immer noch keine Rolle.

Der Hass der Berliner Autobrandstifter kann deshalb nicht ökologisch begründet sein. Er ist schlicht sozial begründet, vulgo: Neid.

Ein weiterer Aspekt: Bis zu 25% des tatsächlichen Verbrauchs hängen von der Fahrweise ab. Und wiederum ein hoher Anteil davon ist ständigem Beschleunigen und Bremsen zuzuschreiben. So gesehen sind die Tiefbauämter und der Senat Berlins mit die größten Treiber für mobilitätsbedingten CO2-Ausstoss und bremsabriebbedingten Feinstaub: Es herrscht auf allen Hauptverkehrsstraßen konsequent rote Welle.

Donnerstag, 28. April 2011

Götz Aly und Edwin Black über Volkszählungen

Zwei Literaturhinweise zum Thema Volkszählung:

Götz Aly, "Restlose Erfassung"
An die Volkszählung 1983 in der alten Bundesrepublik kann ich mich erinnern, ebenso an die damaligen Redewendung des Bundesinnenministers Zimmermann "Datenschutz" seit "Tatenschutz". Von Götz Alys Werk (Link), dass die notwendige Unterstützung der Holocaust Schreibtischtäter für die Organisation und Logisitik des Holocaustes durchleuchtet, wusste ich lange nichts. Es kann als ein Basiswerk für Datenschutz im Computerzeitalter angesehen werden. Und es hat seine Aktualität wieder bekommen im Zusammenhang mit dem 2001 von Edwin Black veröffentlichten Enthüllungswerk "IBM und der Holocaust".
Vorgänger der IBM Deutschland war die "Deutsche Hollerith Maschinen Gesellschaft" mit Sitz in Berlin Dahlem. Hollerith, ein deutschstämmiger Amerikaner, war der der Erfinder der Lochkarten-basierten Erfassungs- und Sortiermaschinen. Diese wurden zunächst für Volkszählungen in den USA genutzt. Statistik und Volkszählung als (Pseudo-)Wissenschaft bekam seine unheilvolle Macht erst von den Nazis verliehen. Diese verlangten immer mehr Daten und abgeleitete Informationen, aus denen sich Juden identifizieren lassen konnten. Nach dem Beginn der Pogrome in Deutschland konvertierten viele Juden formal zum Christentum. Dies gab den Chefstatistikern der Nazis jedoch Anlass, auch Juden auf die Listen zu setzen, die konvertiert waren. Oder deren Eltern oder Großeltern Juden gewesen waren. Mit der Einführung der "Rassenlehre" und deren Unterfütterung mit statistischen und pseudowissenschaftlichen Therorien erhielten Statistiker erst so richtig auftrieb. Diese Analysen wären ohne maschinelle Unterstützung wie die der Hollerith-Maschinen allerdings kaum möglich gewesen.

Die Nazis gehörten zu den besten Kunden der deutschen IBM Tochter Dehomag. In diesem Werk wird jedoch nicht die Rolle der IBM durchleuchtet. (Hierzu empfehle ich die Lektüre von Edwin Black, "IBM und der Holocaust") Sondern die Entwicklung der statistischen Wissenschaft. Im Mittelpunkt stehen die beiden Volkszählungen 1933 und 1939. Und vor allem eine Erkenntnis: Datenschutz muss immer ins Kalkül ziehen, ob erhobene Daten in der Hand von Verbrecherregimen zum lebensbedrohenden Nachteil der Erfassten werden können. Daraus folgt die Widerlegung des o.g. Zitates, weil eben auch die Erfasser und Besitzer dieser Daten selbst "Täter" sein können. Die Anzahl der Interviewer für die Volkszählungen ging in die Hunderttausende. Von Juden wurden zusätzliche Daten auf gesonderten Karten erhoben. Um sie in Sicherheit zu wiegen, wurden diese Karten vor den Augen der Interviewten in separate anonyme Umschläge gesteckt. Bei der Auswertung wurden diese zur todsicheren Waffe. Seltsamerweise haben sich Aufforderungen an Unternehmen sich mit ihrer Rolle im dritten Reich zu beschäftigen, immer nur auf die Lieferanten der Folter- und Mordsinstrumente oder die Nutznießer von Zwangsarbeitern gerichtet. Dieses Buch öffnet die Augen dafür, welche Rolle Statistik und internationale Büromaschinen dabei gespielt haben.

Wie einfallsreich die deutschen Wissenschaftler waren, zeigt das Beispiel des "Deutschen Turms". Dieser nahm die Konstruktion der heutigen Festplatten als Speichermedium für EDV vorweg. Er enthielt Formatierungsvorgaben, die Computeringenieure später aufgriffen. Sein Zweck war es, die Daten aller Deutschen in einem Speicherturm nach Geburtsdaten zu sortieren und schnell verfügbar zu machen.

Unfassbar auch die Anmerkungen welche prominenten Schreibtischtäter in der Bundesrepublik noch lange Karriere machten, bis ihre unheilvolle Rolle bei der Judenverfolgung endlich erkannt wurde.

Edwin Black, "IBM und der Holocaust"
Edwin Black weist in seinem Buch (Link) nach, wie sehr IBM von seiner Kooperation mit Hitler-Deutschland profitiert hat.
Das Naziregime führte mehrere Volkszählungen in Deutschland und den überfallenen Ländern durch, um eine Planungsgrundlage für seine Vernichtungspläne zu bekommen. Hierfür nutzte man gerne IBM's Hollerith Lochkartenmaschinen. IBM profitierte von ihren weltweiten Patenten d.h. ihrer Monopolstellung und lieferte so viel sie konnte.
Der Skandal liegt nicht darin, wie in der Presse zu lesen war, dass der Autor behauptet, ohne IBM sei kein Holocaust möglich gewesen. Das behauptet der Autor an keiner Stelle. Aber er belegt überzeugend, dass der Holocaust ohne IBM nicht so effizient zu organisieren gewesen wäre. Er führt diesen Beweis anhand des Vergleichs zwischen den Opferzahlen in Frankreich und Holland. In Frankreich entkamen prozentual viel mehr potenzielle Opfer, weil keine Hollerithmaschinen zur Verfügung standen. Anders als in Holland, wo man auf einen gepflegten Datenbestand und Hollerithmaschinen zurückgreifen konnte.
Selbst die auf Statistik basierende Rassentheorie profitierte von den neuen technischen Möglichkeiten, sie in die Tat umzusetzen. Dank der Erfassung von Geburtsdaten aus Kirchen- und Synagogenbüchern in den Ahnenreihen ihrer Gemeindemitglieder liessen sich nicht nur die gegenwärtigen Religionsmerkmale der Bürger erfassen und auswerten, sondern auch die Religionsmerkmale ihrer Vorfahren nachvollziehen und zu künstlichen Bevölkerungsgruppen wie "Achtel-, Viertel- und Halbjuden" kategorisieren.
Die Nazis dankten dem IBM Chef Watson seine technologische Leistungsfähigkeit und Loyalität zu Deutschland sogar mit einer Ordensauszeichnung.
IBM gelang es während und nach dem Krieg, ihre deutsche Tochterfirma immer als deutsches oder amerikanisches Unternehmen darzustellen, je nachdem, was opportun war. So gelangten sie mit einem unbeschädigten Image in die Nachkriegszeit.

Mittwoch, 27. April 2011

Kretschmann zitiert Zetsche

Nur mal am Rande bemerkt: Dass das Auto im Prinzip neu erfunden werden muss, das hat nicht Herr Kretschmann zum ersten mal gesagt, sondern ein anderer mächtiger Schwabe: Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende von Daimler. Das ist seit zwei Jahren seine Hauptwerbebotschaft: Das Auto muss neu erfunden werden. Es muss grüner werden.

Warum also Kretschmanns Aussage, die Daimlers, Audis und Porsches fast in Panik versetzt hat, bleibt deren Geheimnis. Sie haben immerhin auch einiges an Verbrauchssenkungen aus den letzten Jahren vorzuweisen. Trotzdem hat es den Anschein, als verkauften sich inzwischen wieder genau die Modelle am besten, die auch direkt vor Ausbruch der Krise am besten liefen. Aber eben mit gesenkten Verbrauchswerten.

Was mir an Kretschmann gefällt ist: Er redet immer noch so, als sei er auf einem Bürgerkommitee. Hoffentlich erhält er sich seine Integrität..

ADAC Pannenstatistik: Nur wenige sind konstant zuverlässig

Das interessante an dieser jährlichen Statistik ist der Blick auf die Pannenhistorie der einzelnen Modelle.

Hier fallen nur wenige Modelle mit durchgängigen Bestnoten über die Jahre auf:

Kleinstwagen:
Fiat Panda und Renault Twingo haben sich in den letzten vier Jahren die Bestnote verdient. Gefolgt vom Citroen C2 mit drei aufeinanderfolgenden Jahren.

Kleinwagen:
Nur der BMW Mini weist über alle sechs Jahre den besten Platz auf.

Untere Mittelklasse:
Diese Kategorie weist besonders viele konstant zuverlässige Modelle auf. Den BMW 1er, Audi A3, Peugeot 308, Mercedes A und B Klasse.

Mittelklasse:
Hier stehen BMW X3 und Mercedes C Klasse auf den besten Plätzen. Gefolgt vom BMW 3er. Der Audi A4 kommt dahinter.

Grafik: ADAC

Obere Mittelklasse:
Hier hat kein einziges Modell eine langjährige gute Platzierung. Am besten steht der noch junge Audi A5 da, der erst 2008 auf den Markt kam.

Die Einzelplatzierungen aller Modell kann man beim ADAC nachlesen.

Häufigste Pannenursachen 2010
Mit Abstand war am häufigsten wieder die Batterie die Ursache fürs Liegenbleiben. Der ADAC begründet das mit den langen Winterperioden. Die Anzahl der Stromverbraucher im Auto nehme permanent zu, die Batterie sei für tägliche Kurzfahrten im Winter häufig nicht ausgelegt. Es fehle ihr an Nachladung bzw. an Reserven (Kapazität). Vermutlich wissen nur wenige Fahrer, wie sie ihre Batterie schonen bzw. zu sehr beanspruchen: Viele Kurzstreckenfahrten, bei denen der Motorraum die Batterie kaum aufwärmen kann. Stop&Go-Verkehr mit niedriger Drehzahl (Drehzahl lädt die Batterie auf, aber wir haben uns angewöhnt, niedertourig zu fahren, um Spritz zu sparen..). Und dann noch alle Verbraucher eingeschaltet: Lüfter, Heckscheibenheizung, Scheibenwischer, CD-Player und Licht.

Danach folgen die Bauteile Lichtmaschine und Antriebsriemen.
"Lichtmaschine" kann auch heißen: Abgewetzte Kohlen oder defekter Spannungsregler (der dafür sorgt, dass die Batterie tatsächlich nachgeladen wird), beides kostet nicht viel. Ein Antriebsriemen kostet auch nicht viel, aber wenn er reißt, kann das den Motor zerstören (Ventilgang und Kolbenhub geraten außer Takt und stoßen gegeneinander).

Dies sind die Ausfallursachen der unteren Fahrzeugklassen, auch bei den zuverlässigen Modellen. Sie fallen nunmal volumenmäßig am meisten ins Gewicht.

Schaut man sich die zuverlässigen Modelle in der Mittelklasse und oberen Mittelklasse an, bleiben diese aus anderen Gründen liegen: Beim BMW X3 ist es noch die Batterie. Danach folgen die Kraftstoffpumpe, der Turbolader und eine defekte Reifendruckkontrolle. Beim Mercedes C nerven auch die Batterie und außerdem das Motorsteuergerät, Anlasser und Kraftstoffpumpe. Audi scheint seit je her ein Problem mit der Zündspule zu haben (wobei die, wie ich hörte, pro Zylinder auszutauschen ist..)

Bei fast allen anderen Modellen der Mittelklasse und oberen Mittelklasse stehen Elektronikprobleme (Motorsteuergerät) als Ursache mit drin.