Dienstag, 9. Februar 2010

Liebe Google-Streetview-Kritiker,

nachdem die Brüder Wright ihre ersten erfolgreichen Flüge geleistet hatten, fiel einigen US-Juristen auf, dass einem Landbesitzer nicht nur die Fläche seines Grundstücks gehörte, sondern auch der Luftraumquader darüber -und zwar bis zum Himmel- und der Kegel darunter - bis zur Erdmitte. Also, so lasen sie das US-Gesetz, würde ein Flugzeugpilot fortan Lizenzen von allen Landbesitzern brauchen würde, die auf seiner Strecke von A nach B lagen. Der US-Kongress erkannte rechtzeitig, dass hier etwas klar gestellt werden musste, sollte diese revolutionäre Erfindung nicht aus juristischen Gründen "auf der Strecke bleiben".

Ein anderes Beispiel:

Nachdem ein gewisser Eastmann einen flexiblen, aufrollbaren und versandfähigen Film für Kodak-Kameras erfunden hatte, entkoppelte er das kreative Hobby der Fotografie von der fachmännischen Arbeit der Filmentwicklung. Fotografieren wurde ein Massenhobby. Die Leute fingen an, durch die Gegend zu fotografieren. Und dies ging schnell einigen anderen Leuten gegen den Strich. So kamen einige Kommunalpolitiker auf die Idee, fortan Lizenzgebühren zu verlangen, wenn man die Wahrzeichen einer Stadt fotografieren wollte. (Auf englisch heißt es ja "to take a photograph", so als würde der Fotograf dem Motiv etwas "wegnehmen", und sei es nur eine Kopie..) Doch die Gerichte sagten: Nein, eine Lizenz ist nicht erforderlich.

Damals wie heute war Leuten, die auf der Straße zufällig mit fotografiert wurden, ein wenig unwohl.

Und heute? Heute haben wir uns daran gewöhnt. Wir werden uns auch an Google Streetview gewöhnen. Was Google hier macht, ist eine Verdichtung von vielen Einzelfotografien, die man auch mühselig als weltweite Community tun könnte. Wenn jeder vor sein Haus ginge und ein Foto von seiner Straße aufnähme und anschließend auf Open Streetmap hochladen würden, wäre der Effekt der gleiche.

Ist das riskant, oder ist es nur ungewöhnlich? Wird die Exposition des Einzelnen nicht dadurch relativiert, dass er nur einer unter Millionen ist? Streetview zeigt doch nur das, was man vor Ort als normaler Passant auch sehen kann. Eine reale Abbildung einer Straße hilft beim Navigieren ungemein. Hilft, eine Hausnummer zu finden, hilft bei der Überlegung, wo man parken könnte. Oder hilft bei der Wohnungssuche, um sich ein Bild zu machen. Usw.

Ich wäre dagegen, hierfür eine Lizenzgebühr zu verlangen...

Link: Lawrence Lessig, "Free Culture"

Samstag, 6. Februar 2010

Unterschätzt und unterbewertet: Arbeitnehmererfindungen

Ich bin einem typisch deutschen Missstand auf der Spur: Unvergüteten Arbeitnehmererfindungen. Oder mit anderen Worten: Zuviel Bescheidenheit bei den Wertschöpfenden.

Was sind "Arbeitnehmererfindungen"?
Angestellte eines Unternehmens sind verpflichtet, ihrem Arbeitgeber Erfindungen, die sie erdacht haben, zu melden. Erfindungen sind: Ideen für neue oder verbesserte Produkte oder Verfahren. Nur so kommen Unternehmen überhaupt zu Patenten: Weil ihre Mitarbeiter diese melden, so dass das Unternehmen diese zum Patent anmelden kann.
Mitarbeiter sind zur Meldung von "Diensterfindungen" sogar gesetzlich verpflichtet: §5, Arbeitnehmererfindungsgesetz

Nach Eingang der Erfindungsmeldung kann der Arbeitgeber entscheiden, ob er die Erfindung "in Anspruch nimmt" oder sie "frei gibt". Wenn er sie frei gibt, kann der Arbeitnehmer damit machen, was er will. Z.B. sie selbst zum Patent anmelden.

Wenn der Arbeitgeber sie in Anspruch nimmt, kann er sie zum Patent anmelden. Der oder die Erfinder haben das Recht, in der Patentschrift als Erfinder genannt zu werden. Das dient z.B. dem Rennommee eines Erfinders in seinem Fachgebiet.

Vergütungsanspruch und Erfolgsbeteiligung
Was viele Arbeitnehmer wissen oder bereits erfahren haben: Es gibt einen Vergütungsanspruch gegen den Arbeitgeber direkt nach dessen Inanspruchnahme. Meistens sind es mehrere hundert Euro. Diese Höhe empfinden die Mitarbeiter meistens als fair. Wer in der Entwicklung arbeitet und mehrere Erfindungsmeldungen im Jahr schreibt, der verdient sich hier einen nennenswerten Obulus dazu. Doch das ist noch nicht alles, auf was Erfinder einen Anspruch haben - und das wissen oft nur wenige:

Das Arbeitnehmererfindungsgesetz verweist zusätzlich auf eine Richtlinie des Gesetzgebers für die Vergütung von Arbeitnehmererfindungen, auf die der Erfinder Anspruch hat, wenn seine Erfindung vom Arbeitgeber "verwertet" wird. Die Richtlinie beschreibt Vorgehensweisen für die Vergütung von patentfähigen und gebrauchsmusterfähigen Erfindungen sowie technischen Verbesserungsvorschlägen. Diese Richtlinien sind allerdings nicht zwingend 1:1 genau so umzusetzen, insbesondere dann nicht, wenn es bereits eine Regelung gibt, die den Erfinder besser stellt, als es diese Richtlinie täte. Aber laut Arbeitnehmererfindungsgesetz hat der Erfinder einen Anspruch auf eine Erfolgsbeteiligung.

Somit haben sie zusätzlich und laufend ein Anrecht auf eine Vergütung, wenn die Erfindung in den Betrieb oder an den Markt geht. Und wenn es um große Summen gehen sollte, kann richtig etwas zusammen kommen. Wir haben im Fernstudium einige Praxisfälle gerechnet, bei denen ich gerne der Erfinder gewesen wäre ;-)

Doch nicht alle Angestellten wissen davon. Und nicht alle, die es wissen, machen ihren Anspruch geltend. Hier gibt es zu viel Bescheidenheit. Z.B.: "Es gehört zu meinem Job, Erfindungen zu machen. Ich werde bereits gut bezahlt, meine Erfindungen sind hier eingerechnet." Das kann natürlich sein. Aber warum auf die Motivation einer Erfolgsbeteiligung verzichten? Liegt nicht hier genau der Reiz, Ingenieur zu werden? Einmal den ganz großen Treffer zu landen? Oder viele kleine? Die Vergütung läuft so lange, wie das Produkt am Markt Umsätze erzielt.

Könnte man sich soviel Bescheidenheit von einem -sagen wir:- Investmentbanker oder Konzernvorstand vorstellen? Das wäre unwahrscheinlich. Aber gerade in von Venture Capitalists gehaltenen Unternehmen gibt es eine große Affinität für solche Erfolgsbeteiligungen. VCs sind sehr an Patenten ihrer Portfoliounternehmen interessiert, weil sie den Unternehmenswert erhöhen oder stützen. In vielen Unternehmen hingegen werden kreative Angestellte nicht angemessen am Erfolg ihrer Erfindungen beteiligt, obwohl diese einen gesetzlichen Anspruch darauf hätten. Es wäre interessant, hierzu mal eine Studie zu erstellen.

Großes Win-Win-Potenzial
Doch der Misstand setzt eigentlich noch weiter vorne an: In vielen Unternehmen gibt es gar keine "Erfindungskultur" in dem Sinne, dass gute Ideen regelmäßig gemeldet und patentiert werden. Dabei entstehen hier die wettbewerbsrelevanten Unterscheidungsmerkmale und Vorsprünge durch Technik. Es sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben, oder davon abhängen, dass der Mitarbeiter irgendwann die Zeit findet, ein Formular für die Erfindungsmeldung auszufüllen. Hierzu sollte regelmäßig motiviert werden. Davon profitiert auch das Unternehmen.

Erfindungsmeldungen sind ein vergleichsweise einfacher Weg, kreativ zu sein und mit guten Ideen Erfolg zu haben.
Ich kann jedem Entwickler also nur empfehlen, wenigstens einmal im Quartal Zeit dafür einzuplanen, um Ideen in Erfindungsmeldungen zu gießen. Es kann sich lohnen.

Hinweis:
Dies ist keine Rechtsberatung und ich biete diese auch nicht für Einzelfälle an. Hierzu sollte man sich im Zweifel an das Patentwesen bei seinem Arbeitgeber, seinen Betriebsrat oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht wenden.

Links:
Arbeitnehmererfindungsgesetz,
Vergütungsrichtlinie

Unterschätzt und unterbewertet: Arbeitnehmererfindungen

Ich bin einem typisch deutschen Missstand auf der Spur: Unvergüteten Arbeitnehmererfindungen. Oder mit anderen Worten: Zuviel Bescheidenheit bei den Wertschöpfenden.

Was sind "Arbeitnehmererfindungen"?
Angestellte eines Unternehmens sind verpflichtet, ihrem Arbeitgeber Erfindungen, die sie erdacht haben, zu melden. Erfindungen sind: Ideen für neue oder verbesserte Produkte oder Verfahren. Nur so kommen Unternehmen überhaupt zu Patenten: Weil ihre Mitarbeiter diese melden, so dass das Unternehmen diese zum Patent anmelden kann.
Mitarbeiter sind zur Meldung von "Diensterfindungen" sogar gesetzlich verpflichtet: §5, Arbeitnehmererfindungsgesetz

Nach Eingang der Erfindungsmeldung kann der Arbeitgeber entscheiden, ob er die Erfindung "in Anspruch nimmt" oder sie "frei gibt". Wenn er sie frei gibt, kann der Arbeitnehmer damit machen, was er will. Z.B. sie selbst zum Patent anmelden.

Wenn der Arbeitgeber sie in Anspruch nimmt, kann er sie zum Patent anmelden. Der oder die Erfinder haben das Recht, in der Patentschrift als Erfinder genannt zu werden. Das dient z.B. dem Rennommee eines Erfinders in seinem Fachgebiet.

Vergütungsanspruch und Erfolgsbeteiligung
Was viele Arbeitnehmer wissen oder bereits erfahren haben: Es gibt einen Vergütungsanspruch gegen den Arbeitgeber direkt nach dessen Inanspruchnahme. Meistens sind es mehrere hundert Euro. Diese Höhe empfinden die Mitarbeiter meistens als fair. Wer in der Entwicklung arbeitet und mehrere Erfindungsmeldungen im Jahr schreibt, der verdient sich hier einen nennenswerten Obulus dazu. Doch das ist noch nicht alles, auf was Erfinder einen Anspruch haben - und das wissen oft nur wenige:

Das Arbeitnehmererfindungsgesetz verweist zusätzlich auf eine Richtlinie des Gesetzgebers für die Vergütung von Arbeitnehmererfindungen, auf die der Erfinder Anspruch hat, wenn seine Erfindung vom Arbeitgeber "verwertet" wird. Die Richtlinie beschreibt Vorgehensweisen für die Vergütung von patentfähigen und gebrauchsmusterfähigen Erfindungen sowie technischen Verbesserungsvorschlägen. Diese Richtlinien sind allerdings nicht zwingend 1:1 genau so umzusetzen, insbesondere dann nicht, wenn es bereits eine Regelung gibt, die den Erfinder besser stellt, als es diese Richtlinie täte. Aber laut Arbeitnehmererfindungsgesetz hat der Erfinder einen Anspruch auf eine Erfolgsbeteiligung.

Somit haben sie zusätzlich und laufend ein Anrecht auf eine Vergütung, wenn die Erfindung in den Betrieb oder an den Markt geht. Und wenn es um große Summen gehen sollte, kann richtig etwas zusammen kommen. Wir haben im Fernstudium einige Praxisfälle gerechnet, bei denen ich gerne der Erfinder gewesen wäre ;-)

Doch nicht alle Angestellten wissen davon. Und nicht alle, die es wissen, machen ihren Anspruch geltend. Hier gibt es zu viel Bescheidenheit. Z.B.: "Es gehört zu meinem Job, Erfindungen zu machen. Ich werde bereits gut bezahlt, meine Erfindungen sind hier eingerechnet." Das kann natürlich sein. Aber warum auf die Motivation einer Erfolgsbeteiligung verzichten? Liegt nicht hier genau der Reiz, Ingenieur zu werden? Einmal den ganz großen Treffer zu landen? Oder viele kleine? Die Vergütung läuft so lange, wie das Produkt am Markt Umsätze erzielt.

Könnte man sich soviel Bescheidenheit von einem -sagen wir:- Investmentbanker oder Konzernvorstand vorstellen? Das wäre unwahrscheinlich. Aber gerade in von Venture Capitalists gehaltenen Unternehmen gibt es eine große Affinität für solche Erfolgsbeteiligungen. VCs sind sehr an Patenten ihrer Portfoliounternehmen interessiert, weil sie den Unternehmenswert erhöhen oder stützen. In vielen Unternehmen hingegen werden kreative Angestellte nicht angemessen am Erfolg ihrer Erfindungen beteiligt, obwohl diese einen gesetzlichen Anspruch darauf hätten. Es wäre interessant, hierzu mal eine Studie zu erstellen.

Großes Win-Win-Potenzial
Doch der Misstand setzt eigentlich noch weiter vorne an: In vielen Unternehmen gibt es gar keine "Erfindungskultur" in dem Sinne, dass gute Ideen regelmäßig gemeldet und patentiert werden. Dabei entstehen hier die wettbewerbsrelevanten Unterscheidungsmerkmale und Vorsprünge durch Technik. Es sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben, oder davon abhängen, dass der Mitarbeiter irgendwann die Zeit findet, ein Formular für die Erfindungsmeldung auszufüllen. Hierzu sollte regelmäßig motiviert werden. Davon profitiert auch das Unternehmen.

Erfindungsmeldungen sind ein vergleichsweise einfacher Weg, kreativ zu sein und mit guten Ideen Erfolg zu haben.
Ich kann jedem Entwickler also nur empfehlen, wenigstens einmal im Quartal Zeit dafür einzuplanen, um Ideen in Erfindungsmeldungen zu gießen. Es kann sich lohnen.

Hinweis:
Dies ist keine Rechtsberatung und ich biete diese auch nicht für Einzelfälle an. Hierzu sollte man sich im Zweifel an das Patentwesen bei seinem Arbeitgeber, seinen Betriebsrat oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht wenden.

Links:
Arbeitnehmererfindungsgesetz,
Vergütungsrichtlinie

Montag, 1. Februar 2010

Probefahrten von Winterautos

Wenn der Schnee meterhoch liegt, dann taugt kein Auto mehr für den Winter. Aber in Berlin und Brandenburg haben wir jetzt stellenweise befahrbare Dauerschneedecken. Da stellt sich die Frage nach dem richtigen Auto.

Porsche 924S
Bevor der Cayenne kam, galt im Hause Porsche der 924 als der "Winterporsche". Er hat nämlich seinen Motor vorn ("Frontmotor") und sein Getriebe hinten. Diese ca. 300kg Gewicht auf der Hinterachse machen den Heckantrieb des 924 bzw. 924S ziemlich stabil. Mit guten Winterreifen fährt man den Wagen auf geschlossenen Schneedecken sehr stabil. Er neigt bei Beschleunigungen und Kurvenfahrten nicht zum Ausbrechen.



Aber einen Nachteil hat er: Bauartbedingt sitzt man in diesem Coupe sehr niedrig. Voranfahrende Autos spritzen hier mehr Schneematsch auf die Scheibe als bei einem Auto normaler Bauhöhe. Und es geht zulasten der Sicherheit, wenn man nur eine eingeschränkte Voraussicht auf den Verkehr vor sich hat. Man wünscht sich, etwas höher zu sitzen, um mehr zu sehen. Vor allem bei solcher Witterung wie derzeit.

Aber was wäre ein Alternative? Da bietet sich doch mal eine Fahrt in dem einen oder anderen SUV an. Ich habe zwei unterschiedliche neue Modelle getestet: Den neuen Skoda Yeti (es gibt ihn wirklich!) und den neuen Lexus RX Hybrid.

Skoda Yeti
Kurz vor Weihnachten lag in Berlin schon Schnee und ich surfte auf die neue Website des Skoda Yeti. Und meldete dort mein Interesse an einer Probefahrt an. Die Reaktion kam sehr schnell. Der freundliche Skodahändler meldete sich am nächsten Tag und wir vereinbarten einen Termin am 23.12.. Besonders zuvorkommend fand ich es, dass ich den Yeti zwei Stunden lang allein testen durfte.
Der Yeti ist ein Auto wie ein hoher Turnschuh. Bequem und gibt sicheren Halt im Gelände. Er sieht kantiger aus als seine meisten Wettbewerber, z.B. der VW Tiguan. Er ist nicht übermotorisiert. Man hat die Auswahl zwischen 1,2l Benziner und 2.0l Diesel (den ich als Testwagen hatte). Wahlweise mit Heck- oder automatischem Allrad, der die Drehmomente abhängig von der Fahrsituation individuell auf alle Räder verteilt.



Ich tastete mich wegen der winterlichen Verhältnisse langsam an die Geschwindigkeiten in der Stadt, auf der Landstraße und dann auf der Autobahn heran. Und voila, ich hatte jederzeit ein sicheres Fahrgefühl. Die Motor-Getriebe-Kombinationen aus dem Volkswagen Modulbaukasten sind heutzutage ziemlich performant. Aus dem Stand und über weite Bereiche des Drehzahlbandes gibt es reichlich Drehmoment. Mehr als ich in dieser Klasse erwarten würde. Aber das ist heute Stand der Technik, nur ich habe mich daran noch immer nicht richtig gewöhnt.
Die Armaturen und das Interieur sind Skodatypisch sachlich und funktional. Auf der Heckbank sitzt man sehr gut. Im Heck gibt es reichlich Stauraum. Ich gewöhnte mich schnell an den Yeti, hätte ihn gerne auch im Gelände ausprobiert. Aber das bot sich an dem Tag nicht an.

Lexus RX Hybrid
Nach dem nüchternen, aber durchaus Spaß machenden, Yeti kam dann der Lexus RX dran. Seit meiner Probefahrt des Cayenne Diesel letzten Sommer stehe ich auf diese Autos - wenn sie nicht gerade exzessiv verschwenderisch sind. Cayenne und die verwandten VW Touareg (inzwischen der Lieblingsdienstwagen von Managern ab 40) und Audi Q7 sind sehr komfortable Autos. Auf der Landstraße und Autobahn laden sie zum amerikanischen Cruisen ein, weniger zum Rasen. Wenn es mal sein muss, können sie erhebliche Spurts hinlegen. Nur in der Stadt sind diese Dinger für meinen Geschmack eine Nummer zu groß, vor allem zu breit. Man muss wie bei einem Lieferwagen -zumindest solange er für einen neu ist- dauernd darauf achten, nicht anzuecken.

Der Lexus ist hier die entscheidende Spur dezenter. Etwas schmaler und etwas kompakter im Aussehen, dazu tragen vor allem die Linien der hinteren Seitenfenster und der Spoiler am Dachabschluss bei. Aber er ist nicht weniger luxuriös ausgestattet.



Allerdings: Die Asiaten lieben die Elektronik. Und deshalb wimmelt es hier nur so von Schaltern und Anzeigen. Und einige Funktionen sind mit anderen Schalterarten zu bedienen als man es gewohnt ist.

Die spannendste Frage war natürlich: Wie ist der Hybrid realisiert? Beim Lexus geht es so: Zündschalter drücken. Die Elektronik bootet und die Displays melden sich. Ein Motorgeräusch hört man nicht, wohl aber ein Summen von der Hochvoltelektrik. Das finde ich gut, da es mir das Feedback gibt, dass der Wagen wirklich an ist. Es ist ein Automatikgetriebe, deshalb reicht es, von der Bremse zu gehen, um fast lautlos vom Parkplatz auf die Straße zu fahren. Das Hybriddisplay signalisiert einen Energiefluss von der Batterie zum Elektromotor.

Was die Maße angeht, ist der Lexus die entscheidende Spur "schmaler" als Cayenne und Co. Man hat das Auto rundum gut im Überblick, wenn man durch Engstellen zwischen parkenden Autos und Radfahrern vorbei muss. Das empfinde ich als sehr angenehm und als einen entscheidenden Vorteil.

Dann bin ich endlich auf der Ringstraße und gebe mehr Gas, aber schneller als knapp 40 kann ich hier noch nicht fahren. Deshalb bleibe ich bis zur Ampelkreuzung an der Hauptstraße im elektrischen Antrieb. Ich biege ab und gebe mehr "Gas". Und ohne vorher ein Schalt- oder Startgeräusch zu hören, ist der Verbrennungsmotor nun in Betrieb und beschleunigt hörtbar. Wow. Der Übergang erscheint fließend. "Wie sie hören, hören sie nichts." Als Techniker ist mir das zu dezent, als Fahrer hingegen angenehm ruhig. Ich fahre durch die Stadt und gewöhne mich daran, dass das Auto an der Ampel aus ist. Das kenne ich schon von den StartStop-Erprobungsfahrten. Aber hier hörte man anschließend den Motor anspringen. Beim Lexus Hybrid hört man das nicht, weil hier nicht der Anlasser den Motor ankurbelt, sondern der Verbrennungsmotor sich in den laufenden Betrieb einkoppeln kann.

Auch im Lexus RX sitzt man hinten sehr komfortabel. So viel Beinfreiheit habe ich hinten selten erlebt. Und der Stauraum ist ebenfalls reichlich. Den Lexus hätte ich gerne gleich mitgenommen.

Sonntag, 31. Januar 2010

+++ Tesla Motors plant IPO +++

US-amerikanischen Quellen zufolge plant Tesla Motors einen Börsengang.

TM fährt zwar immer noch Verluste ein, der Absatz ist aber in Schwung gekommen. Im Laufe des Jahres werde der tausendste Tesla Roadster ausgeliefert werden. Bei einem Umsatz von 93 Mio US$ fährt TM einen Verlust 31 Millionen ein.

Für den Aufbau der Produktion des Modell S nahm TM einen Regierungskredit über 465 Mio US$ in Anspruch. Der Börsengang soll angeblich 100 Millionen Dollar einbringen.

Besitzer eines Tesla Roadster oder S werden die Aktie zeichnen können, wenn sie wollen. Sie zählen zum Friends and Family Programm.

Samstag, 30. Januar 2010

Steve schafft neue Jobs

Steve Jobs ist der Erfinder, der die Versprechungen des Internets vom Anfang dieses Jahrtausends einlöst: Ich kann Ohren und Augen unterwegs mit digitalen Informationen versorgen.

Und die Google Leute sind für mich die, die wissen wollen, was ich gerade höre und sehe und wofür ich mich als nächstes interessiere. Damit sie das weiter erzählen können.

Apple leistet seit einem Jahrzehnt das, was wir früher immer unter “Business Transformation” verstanden haben: IT als Vehikel für eine fundamentale Effizienzsteigerung eines traditionellen Prozesses wie z.B. Musik produzieren, verkaufen und hören.

Und wir gewöhnen uns sehr schnell an die Maßstäbe, die Steve Jobs setzt. Das wurde mir klar, als ich den Analystenkommentar las, das iPad sei ja “nur” ein großes iPhone. – “Nur”?! Schon vergessen, wie revolutionär wir es fanden, eine Seite mit einem Fingeschubs scrollen oder rotieren zu lassen?

Und der Vergleich ist obendrein falsch: Wenn schon, das ist das iPad ein großer iPod Touch. Telefonieren wird man mit dem iPad nämlich nicht können.

Das einzige, was bei der Präsentation des iPad wirklich ein alter Hut war, war die Website der New York Times. Das ist immer noch lesen und klicken. Und die digitalisierte Form eines alten Produktes.

Aber Apple wird erst mal eine Weile gut davon leben können, News”papers” (!) verkaufen zu können. Aber die Verlage müssen nachziehen und sich etwas neues überlegen. Und sie sollen mir nicht mit Popup-Werbung kommen

Es ist genug Raum für Google und Apple auf diesem Planeten. Die Diskussion darüber, wer das Rennen machen wird, erinnert mich an eine ähnliche frühere Diskussion über amazon und ebay. Beide haben gewonnen.

Was ich mich aber frage, ist: Wo bleibt eigentlich der europäische -oder gar deutsche Beitrag- zu dieser “Kulturrevolution”? Höre ich immer nur Lamentos von Schirrmacher und Döpfner? Höre ich immer nur “Ja, aber”? Bringt das Neue nur Bedrohungen? Und fordern FAZ und WELT jetzt das, was sie früher am deutschen Steinkohlebergbau kritisierten: Subventionen und Protektion bzw. Strafsteuern?

Wir haben kaum Ideen, welche konstruktiven Potenziale in den neuen Geräten stecken. Steve Jobs gab uns den Hinweis, Apple sei nun der größte Hersteller digitaler mobiler Geräte. Das ist ein sehr wichtiger Hinweis.

Also, aus Automotive Sicht frage ich mich, welche Erwartungen oder unbewussten Bedarfe iPad-, iPhone- und Nexus One-Besitzer eigentlich künftig ins Auto mitbringen…

Steve schafft neue Jobs

Für mich ist Steve Jobs der Erfinder, der die Versprechungen des Internets vom Anfang dieses Jahrtausends einlöst: Ich kann Ohren und Augen unterwegs mit digitalen Informationen versorgen.

Und die Google Leute sind für mich eher die, die wissen wollen, was ich gerade höre und sehe und wofür ich mich als nächstes interessiere. Damit sie das weiter erzählen können.

Apple leistet seit einem Jahrzehnt das, was wir früher immer unter “Business Transformation” verstanden haben: IT als Vehikel für eine fundamentale Effizienzsteigerung eines traditionellen Prozesses wie z.B. Musik produzieren, verkaufen und hören.

Und wir gewöhnen uns sehr schnell an die Maßstäbe, die Steve Jobs setzt. Das wurde mir klar, als ich den Analystenkommentar las, das iPad sei ja “nur” ein großes iPhone. – “Nur”?! Schon vergessen, wie revolutionär wir es fanden, eine Seite mit einem Fingeschubs scrollen oder rotieren zu lassen?

Und der Vergleich ist obendrein falsch: Wenn schon, das ist das iPad ein großer iPod Touch. Telefonieren wird man mit dem iPad nämlich nicht können.

Das einzige, was bei der Präsentation des iPad wirklich ein alter Hut war, war die Website der New York Times. Das ist immer noch lesen und klicken. Und die digitalisierte Form eines alten Produktes.

Aber Apple wird erst mal eine Weile gut davon leben können, News”papers” (!) verkaufen zu können. Aber die Verlage müssen nachziehen und sich etwas neues überlegen. Und sie sollen mir nicht mit Popup-Werbung kommen

Es ist genug Raum für Google und Apple auf diesem Planeten. Die Diskussion darüber, wer das Rennen machen wird, erinnert mich an eine ähnliche frühere Diskussion über amazon und ebay. Beide haben gewonnen.

Was ich mich aber frage, ist: Wo bleibt eigentlich der europäische -oder gar deutsche Beitrag- zu dieser “Kulturrevolution”? Höre ich immer nur Lamentos von Schirrmacher und Döpfner? Höre ich immer nur “Ja, aber”? Bringt das Neue nur Bedrohungen? Und fordern FAZ und WELT jetzt das, was sie früher am deutschen Steinkohlebergbau kritisierten: Subventionen und Protektion bzw. Strafsteuern?

Wir haben kaum Ideen, welche konstruktiven Potenziale in den neuen Geräten stecken. Steve Jobs gab uns den Hinweis, Apple sei nun der größte Hersteller digitaler mobiler Geräte. Das ist ein sehr wichtiger Hinweis.

Also, aus Automotive Sicht frage ich mich, welche Erwartungen oder unbewussten Bedarfe iPad-, iPhone- und Nexus One-Besitzer eigentlich künftig ins Auto mitbringen…

Donnerstag, 28. Januar 2010

+++ Breaking News +++



In der vergangenen Nacht ist mehr Neuschnee gefallen. als bisher bekannt. Wie erst jetzt aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, hat sich die Zahl der gefallenen Flocken auf jetzt mindestens das Dreifache der Prognose erhöht.

Die meisten der Flocken sind weiß. Experten zufolge ist das keine Überraschung. Denn, dass Schnee oft weiß ist, könne man auch an Begriffen wie "schneeweiß" ablesen. Germanisten konnten uns diesen Hinweise heute morgen bestätigen.

Laut eines Staatssekretärs aus der Senatsverwaltung für Umwelt und Naturschutz ist der gefallene Schnee auch die Ursache für die gewachsene Schneedecke auf Straßen, Bürgersteigen und Balkonen. "Wir haben Gutachten von Sachverständigen, die uns das bestätigen." sagte ein Sprecher in einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

Ein Sprecher des ADAC warnte hingegen davor, dass Autos bei diesem Wetter morgens schlecht anspringen. Viele Autos seien regelrecht am Bürgersteig festgefroren und könnten ihre Frauchen und Herrchen deshalb nicht anspringen. Aber auch der Motor springe häufig sehr schlecht an. Grund dafür seien häufig überlastete Batterien. Grund hierfür seien häufig niedrige Ladungszustände. Grund hierfür seien zu häufige Kurzstrecken mit unter Vollasst laufenden Verbrauchern wie Licht und Lüfter. Grund hierfür sei die winterliche Witterung, sagte ein Sprecher.

Analysten der Deutschen Bank setzten das Kursziel des Deutschen Wetterindex auf -20°C. Regierungssprecher Bölling sagte, es müsse es noch kälter werden, bevor es wieder wärmer werden könne.

Ein Unternehmensberater sagte, die Deutschen führen im Moment nur noch "auf Sicht". Heute morgen kam er auf dem Weg zur Arbeit von der Straße ab und prallte mit seinem Auto gegen einen Baum. Ein Polizeisprecher sagte, Grund hierfür sei gewesen, dass sich der Baum in der Schleuderstrecke des Fahrzeugs befunden habe.

Quelle: RF

Die Erregermaschine

"Du guckst zu viele politische Magazine. Das hält Dich von Deinem eigentlichen Leben ab."
Rat an einen Freund vor der Erfindung des Internets

Das Internet ist zu einem Aufregungsgenerator geworden. In einem Generator erzeugt die "Erregermaschine" das magnetische Feld, in dem sich der Rotor eines Generators drehen muss, damit seine Wicklung Strom erzeugen kann.

Überträgt man dieses Bild in die Medienlandschaft, dann ist die Politische Korrektheit die Erregermaschine, die ein moralisches Feld erzeugt. Und gegen das drehen sich alle Medien. Was sie erzeugen ist sozusagen Erregungsenergie bei ihren Lesern.

Bevor SPIEGEL Online und Co. kamen, waren die politischen Magazine im Fernsehen die Rotoren, die sich im Feld der damaligen öffentlichen Moral drehten. Die damalige öffentliche Moral unterschied sich sehr von der heutigen. Sie war liberal und hielt einiges an politischer Rhetorik aus. Allerdings konnte man in einer so laxen Moral mit Erregungsmedien nicht so viel Geld verdienen.

Von den politischen Magazinen kam jede Woche eine Ausgabe mit drei bis vier Themen. Die Themen hatten alle Erregungspotenzial, aber meistens berührte nur eines tatsächlich den Alltag der Zuschauer.

Der Begriff "Nachrichten" stammt ja angeblich aus der Intention, dass wir uns "nach" ihnen "richten" sollen. So hat es jedenfalls mal eine adelige Autorin in einem Benimmbuch geschrieben. Sie hielt es für ungeschickt, bei einer Einladung zum Essen bei Tisch politische Diskussionen anzuzetteln. Denn erstens stünden die Meinungen der anderen Gäste eh vorher fest und wiederholten sich über alle Menschen, die man so kennen lerne. Und weil eh kein Mensch gesinnt sei, seine Meinung zu ändern, mache die Diskussion keinen Sinn. Vor allem aber, beträfen nur die allerwenigsten "Nachrichten", die so veröffentlicht würden, einen tatsächlich selbst.

Letzteres hielt ich damals für eine sehr subtile konservative Politik, die Opposition sozusagen bei ihrer Ehre zu packen, und sie über "Benimmregeln" kalt zu stellen. Heute glaube ich, dass da was dran ist.

Denn ich habe festgestellt, dass sich die Erregungsenergien des öffentlichen Raumes in meinem persönlichen, privaten Raum eigentlich nur Blindleistung erzeugen: Die Muslime, die ich persönlich kenne, sind durch die Bank nicht -istisch, sondern anregend, intellektuell und bringen keine Bombe mit zur Einladung. Die paar Unternehmer und Investmentbanker, die ich kenne, entsprechen nicht dem publizierten Feindbild. Ich kenne keinen Hartz-IV Empfänger, der diesen Zustand als angenehm empfindet. Die Abgeordneten, die ich persönlich kenne, sind nicht faul und kennen sich in ihren Fachbereichen wirklich aus. Ich stelle immer wieder fest, dass ich in politischen Diskussionen immer den Disclaimer verwenden muss, dass Anwesende natürlich ausgeschlossen sind. Aber ich kenne eigentlich nur "Anwesende".

Woher also die Erregung?

Es gibt ein Interesse an ihr. In dem Maße, wie Medien zum globalen Geschäft wurden oder noch werden sollen, wurde die Aufrechterhaltung der Erregungs- und Hysterieenergie zu ihrer wichtigsten Funktion. Die Polirische Korrektheit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn je enger sie gefasst wird, desto mehr Aufreger lassen sich erzeugen. Regten wir uns vor dem Internet etwa einmal pro Monat so richtig auf, so soll das heute mehrmals täglich geschehen. Allerdings, je mehr Aufreger man liefern will, desto kleiner (und irrelevanter) muss der Maßstab sein, aus dem man Erregungsenergien ziehen will. Dazu muss man den Maßstab aufs Lokale herunter brechen. Aber nicht nur das eigene Lokale, sondern das Multi-Lokale. Und weiter herunterbrechen, bis aufs Individuelle. Und damit die Stories über Individuen Erregungsenergie erzeigen können, braucht man natürlich Erregungsfelder, in denen sie sich drehen können. Deshalb werden solche Z-Prominente immer erst aufgebaut und danach skandalisiert.

Was einen dabei so anödet und nervt ist, dass wir inzwischen in einem Zustand angekommen sind, in dem fast jeder glaubt, sein Leben und sein momentanes Befinden sei von allgemeiner Relevanz und berichtenswert. Wenn ich im Fernsehen eine unbedeutende Person zum Bericht über ihre Kindheit ansetzen höre, werde ich inzwischen aggressiv. (Die eigene unbedeutende Vergangenheit und die eigene Gegenwart, in der nichts passiert und in der man nichts passieren lässt, ist interessanterweise zum Hauptmotiv der deutschen Nachwuchsautoren geworden.)

Verstärkt wird dieser Effekt natürlich durch die technische Entwicklung. Heute kann im Prinzip jeder zum Medienunternehmen über sich selbst werden. Seitdem es die digitale Kamera gibt, kann man sich ja selbst fotografieren und sofort nachsehen, ob das Foto der eigenen Erwartung entspricht.

Je weiter die IT- und Medientechnik voranschreitet, desto flacher wird eigentlich der Inhalt, der mit ihrer Hilfe transportiert wird. Es wird immer nazisstischer, immer selbstbezogener. Wir verfolgen über unser Macbook die neueste Produktpräsentation des Macbookherstellers, um zu sehen, mit welchem seiner Produkte wir morgen seine neueste Produktpräsentation sehen werden...

Narziss hatte Durst und beugte sich über die Quelle. Dabei erblickte er sein Spiegelbild. Dies erfreute ihn so sehr, dass er darüber das Wasser nicht mehr wahrnahm. Er vergaß zu trinken und schließlich verdurstete er.
(Das gibt dem Namen SPIEGEL eine sehr moderne Bedeutung, finde ich.)

Nein, solange wir nicht selbst beim Arbeitsamt in der Schlange stehen, unsere Bank pleite ist, wir nicht arbeitslos oder ernsthaft erkrankt sind und wir keinen Krieg oder großen Terrorangriff im eigenen Land haben, ist eigentlich gar nichts passiert. Wir drehen uns aber permanent mit dem Medienrotor gegen das Erregerfeld und verschwenden dabei unsere Aufmerksamkeitsenergie für Unwichtiges - bis wir davon erschöpft sind. Ich kann deshalb verstehen, dass sich die ersten vom Internet wieder abwenden, um sich mehr ihrem eigentlichen Leben zuzuwenden. Das könnte ein Trend werden.

Dienstag, 26. Januar 2010

Schwabenpfeil

Speaking of Leistungsträger:


Günter Oettinger, EU-Kommissar

Cayenne Diesel vs. Lada Niva - wer emittiert mehr CO2?

Mal angenommen, wir finden auf einem Parkplatz einen Porsche Cayenne Diesel neben einem Lada Niva.


Porsche Cayenne Diesel

Frage: Welcher von beiden emittiert mehr CO2?

Antwort:
Daten des Porsche Cayenne Diesel: 240 PS, 3,0 l Hubraum, Gewicht: 2,3t
CO2 Emissionen: 244g/km (Link)

Daten des Lada Niva: 81 PS, 1,7 l Hubraum, Gewicht 1,2 t,
CO2-Emissionen: 233g/km (Link)

Der Porsche emittiert bei doppeltem Gewicht und dreifacher Leistung nur 5% mehr CO2 als der Lada.
Würde man ihn in der Leistung etwas absenken, wären sie pari.
Beeindruckt?

Wir haben hier einen Diesel mit einem Ottomotor (Super Benzin) verglichen. Ein Diesel hat pro Liter einen höheren CO2-Ausstoß als ein Benziner:
1 Liter Benzin verbrennt zu 23,7g C02,
1 Liter Diesel zu: 26,5g CO2.
D.h. ein Diesel muss immer 10% weniger als ein Benziner verbrauchen, um gleichviel CO2 auszustoßen. Um so beeindruckender ist das Ergebnis. Es zeigt das große Potenzial moderner Verbrennungsmotoren bei der Verbrauchssenkung durch Downsizing. Der Motor ist eine Entwicklung von Audi, die mit Dieseln seit Jahren beim 24h-Rennen von Le Mans antreten und mehrmals hintereinander gewannen.

Montag, 25. Januar 2010

Cayenne Diesel vs. Lada Niva - wer emittiert mehr CO2?

Mal angenommen, wir finden auf einem Parkplatz einen Porsche Cayenne Diesel neben einem Lada Niva.


Porsche Cayenne Diesel

Frage 1: Welcher von beiden emittiert mehr CO2?

Frage 2: Welcher von beiden ist in größerer Gefahr, von einem "Fahrrad-Fascho" (Roger Beuyes) angezündet zu werden?

Antwort zu 1:
Daten des Porsche Cayenne Diesel: 240 PS, 3,0 l Hubraum, Gewicht: 2,3t
CO2 Emissionen: 244g/km (Link)

Daten des Lada Niva: 81 PS, 1,7 l Hubraum, Gewicht 1,2 t,
CO2-Emissionen: 233g/km (Link)

Der Porsche emittiert bei doppeltem Gewicht und dreifacher Leistung nur 5% mehr CO2 als der Lada.
Würde man ihn in der Leistung etwas absenken, wären sie pari.
Beeindruckt?

Wir haben hier einen Diesel mit einem Ottomotor (Super Benzin) verglichen. Ein Diesel hat pro Liter einen höheren CO2-Ausstoß als ein Benziner:
1 Liter Benzin verbrennt zu 23,7g C02,
1 Liter Diesel zu: 26,5g CO2.
D.h. ein Diesel muss immer 10% weniger als ein Benziner verbrauchen, um gleichviel CO2 auszustoßen. Um so beeindruckender ist das Ergebnis. Es zeigt das große Potenzial moderner Verbrennungsmotoren bei der Verbrauchssenkung durch Downsizing. Der Motor ist eine Entwicklung von Audi, die mit Dieseln seit Jahren beim 24h-Rennen von Le Mans antreten und mehrmals hintereinander gewannen.

Antwort zu 2:
Hierzu ein Zitat des Berliner Polizeipräsidenten von 2008: Glietsch hatte in der taz Porsche-Fahrer in Kreuzberg davon abgeraten, ihr Auto nachts auf der Straße zu parken.

Brandenburger Windstrom für 6 ICE-Züge

Während es die Berliner Wirtschaftsförderung nicht geschafft hat, oder nicht einmal die Idee hatte, Brandenburger Windstrom für Elektroautos in Berlin zu initiieren, hat die Bahn nun zugegriffen:

Aus dem Windpark Märkisch Linden (Ostprignitz-Ruppin) will die Bahn 19 Jahre lang jährlich bis zu 59 GWh beziehen. Diese Energiemenge reicht für den Betrieb von 6 ICE-Zügen, die, wenn sie verfügbar sind, 500 tsd km pro Jahr fahren. Die Märkische Allgemeine berichtete, damit sei der Windpark voll ausgelastet.

Der Windpark Mäkisch Linden hat 20 Windkraftanlagen mit je 1,5 Megawatt Nennleistung, in Summe also 30 Megawatt. Betreiber des Windparks ist die Bremer swb Gruppe, geplant und gebaut hatte ihn der der badenwürttembergische Projektentwickler FC Windenergy GmbH. (Quelle: swb)

Sonntag, 24. Januar 2010

Rallye Monte Carlo

Kurz nach dem Ende der Rallye Dakar, die ein großer Erfolg für Volkswagen -und auch ein dickes Argument für den Touareg als zweckmäßiges Fahrzeug in Brandenburg- war, stand bereits das nächste Ereignis an:
Die Rallye Monte Carlo ging so eben zu Ende. Gewonnen hat ein Ford Fiesta. Dahinter tummelten sich allerdings etliche Skodas, so dass sich Skoda als Meister der Konstrukteure fühlt. Noch wichtiger ist aber die Punktesammlung für die IRC Rallye Weltmeisterschaft.

Übers Fernsehen kriegt man Rallyes leider kaum noch mit. Das liegt sicher auch an den immer wiederkehrenden Nachrichten über tödliche oder fast tödliche Unfälle, wie zuletzt bei der Dakar. Hier hatte ein Fahrer eine Reporterin tödlich angefahren und zuerst gemeint, er könne die Rallye fortsetzen. Leider ergingen sich einige Kommentatoren auch in "Selbst-Schuld"-Rechtfertigungen, das ging gar nicht.

In den Medien hat die Rallye im Vergleich zur Formel 1 leider keinen Stellenwert mehr. Dabei ist sie viel spannender und erfordert mehr fahrtechnisches Können und Verständnis von der Physik.

Das interessante an der Rallye Monte Carlo ist halt, dass sie im Winter statt findet und deshalb oft auf verschneiten Strecken. Hier ein Video aus der Zeit vor dem Krieg mit Walter Röhrl. Ihm verdankt Audi sein heute sportliches Image.




Die alten Rallye Quattros kann man heute z.B. noch in Essen auf der Messe Techno Classica bewundern:




Oder hier, von einem Amateurfilmer. Walter Röhrl noch auf einem "abarthigen" OPEL Ascona:



Wer auf verschneiten Brandenburgischen Waldwegen ein bisschen üben will, kann aus diesem Fahrersicht-Video was lernen:

Freitag, 22. Januar 2010

Was Apple noch bringen sollte

- Ein iPhone ohne Kamera -> Damit man es beim Einchecken in Forschungsunternehmen nicht am Eingang abgeben muss.

- Einen iPod-Touch mit 3G -> Ich will nicht nur über WLAN online gehen können. Ich kann unterwegs aufs Telefonieren verzichten, aber nicht aufs Internet.

So, und jetzt noch ein kurzer Rundgang über die CES mit Phil McKinney, dem CTO von HP und my favourite Podcast (Link). Aber: es ist nicht wirklich spannend. Nicht so spannend, wie die kommende Woche...

Funded Reporting

Dass Hans Leyendecker seine Karriere mal bei der Westfälischen Rundschau begonnen hat (und er aus diesen Zeiten immer noch BvB-Fan ist!), kann kaum glauben, wer diese und andere Ruhrzeitungen heute mal in die Hand nimmt.

Am schlimmsten heruntergekommen: Die WAZ und die Ruhr Nachrichten.

Früher war die SPD eine Bastion und die Blätter arbeiteten sich an ihr ab. Liberale lasen die WAZ, Konservative die Ruhr Nachrichten. Es tobten Redeschlachten zwischen Leitartiklern und Leserbriefschreibern, wie z.B. dem GRÜNEN Richard Kelber, über den geplanten Flughafen, über Stromheizungen und und und.

Und heute: Käseblätter in der Hand von Investoren. Alles bunt und strotzend vor "Ganz konkretem Nutzwertjournalismus für den Leser". Die Technik wird immer besser und die Inhalte immer öder und dümmer. Als gäbe es da einen direkten Zusammenhang.

Heiße Themen werden überhaupt nicht mehr verfolgt. Nee, das beunruhigt den Leser nur. Der will ja einen "Mehrwert" oder "Nutzwert" aus seiner Zeitung. Der Investor versteht darunter eine von Reklame strotzende Zeitung mit viel Klimbim und Homestories über Hundehochzeiten.

Klar, das Internet mit seiner Kostenlosgewohnheit hat uns versaut. Die Einnahmen sanken und die Schnäppchenjäger aus der Private Equity Branche rochen Blut. Doch wie in in anderen Branchen vorher, bringen diese kurzfristig denkenden Kapitalgeber mit ihren McKinsey Beratern nur qualitativen Niedergang und mentale Verwahrlosung. Aber allmählich habe ich keine Lust mehr auf "kostenlos, aber dumm". Man merkt es deb großen Portalen ja auch an. Da gibt es Tages- oder Stundenaufreger und Meinungen über Tages- oder Stundenaufreger. Aber keiner wühlt mehr im Dreck.

Dabei gibt es gerade jetzt etliches aufzudecken. Jetzt, da wir einen "stillen Staatsstreich" (Tagesspiegel) erleben. Da wir zur Beute geworden sind von einer Täterschicht, die sich die öffentlichen Kassen, die öffentliche Infrastruktur und die Rentenrücklagen etlicher Privatsparer zur Beute gemacht hat und uns als Geiseln genommen hat, damit wir immer noch Geld nachschießen.

Den Redaktionen fehlt es an Mitteln, um einem Asmussen, einem Schmidt-Deguelle, einem Rösler, einem Ackermann, einem einem Mehdorn oder Ulrich Homburg mal so richtig nachzusteigen.

Die Frankfurter Rundschau, die ZEIT und die Süddeutsche sind da rühmliche Ausnahmen. Die FR hat z.B. die Machenschaften der Hessischen Finanzverwaltung verfolgt. Unter Roland Koch werden ja große Steuerhinterzieher aus der Täterschicht brutalst möglich geschont und für die Refinanzierung dieser Steuerausfälle die Sozialetats gekürzt.

Und eine weitere Ausnahme, eine der letzten Bastionen sind die öffentlich Rechtlichen. Frontal 21, Monitor, Report etc. sind das letzte Aufgebot gegen die Systemveränderer in der Berliner Wilhelmstr. 74 und der Frankfurter Theodor-Heuss-Allee. Und das ist der Grund, warum sich die FAZ und die WELT die Finger wund tippen gegen die GEZ-Gebühr. Und warum Roland Koch schamlos den Chefredakteuer des ZDF auswechseln lässt, nur weil der über kein Parteibuch zu packen ist.

Droht uns also allmählich der Niedergang der vierten Gewalt?

Nicht, wenn wir annehmen können, dass es immer Leser geben wird, die die Wahrheit wissen wollen. Und wenn wir annehmen können, dass es unter Journalisten und Redakteuren Leute gibt, die die Wahrheit herausfinden wollen. Solche Netzwerke wie die "Ruhrbarone" (Link) finde ich ein gutes Beispiel dafür, wie der neue Trend aussehen könnte. Die Ruhrbarone wühlen in den Kommunen und im Land. Führen Interviews und bringen Berichte. Das ganze liest sich so viel authentischer als WAZ und Ruhr Nachrichten. Das brauchen wir.

Und ausgerechnet in den USA gibt es einen Gegentrend: Und ausgerechnet Rupert Murdoch geht nun dazu über, den Kostenlosjournalismus allmählich abzuschaffen. Online Artikel kosten nun wieder Geld. Peu a peu führt er das ein, z.B. beim Wallstreet Journal.

Und: Es gibt eine neue Plattform für die Methode "Fund a story". Hier markieren Journalisten Themen, für die sie Geld sammeln. "Spot.US" ist so ein Beispiel (Link). Sobald genügend Geld beisammen ist, geht die Arbeit los.

Man stelle sich das in Deutschland vor. Man könnte den Scope noch erweitern, in dem man nicht nur Geld sammelt, sondern auch Quellen. Aus der Wilhelmstraße, aus den Ministergärten...

Ich glaube, wir dürfen annehmen, dass interessierten, mündigen Lesern und Zuschauern guter Journalismus auch weiterhin einen Preis wert ist. Sie sind unsere Verbündeten bei der Verhinderung des gerade stattfindenden "stillen Staatsstreichs". Wenn wir uns nicht für dumm verkaufen lassen wollen, müssen wir eine Mark oder zwei für guten Journalismus ausgeben.

Dienstag, 19. Januar 2010

Vor zehn Jahren: Power Quality wird Dienstleistung

RWE Energie war vor fünfzehn Jahren der erste deutsche Energieversorger, der mit Netzrückwirkungen nicht nur irgendwie zurande kommen wollte, sondern den Ehrgeiz entwickelte, daraus einen Mehrwert zu entwickeln.

Ich war noch Werkstudent, als ich zur Hauptabteilung Elektrotechnik stieß. Eine Hochburg von elektrotechnischem Knowhow, das lange Jahre nur für den Fall des Falles gepflegt wurde. Doch Mitte der Neunziger Jahre häuften sich immer schwierigere Probleme in Kundeninstallationen, auf die die Regionalversorgungen vor Ort keine Antwort fanden.

Gepulste Stromrichterantriebe sorgten für immer mehr "Netzverschmutzungen" wie Oberschwingungen, Spannungsspitzen oder Spannungseinbrüche. Gleichzeitig stieg die Anzahl sensibler Geräte, die gerade auf solche Netzrückwirkungen verschnupft reagierten. Unter ungünstigen Bedingungen konnte ein schwerer Antrieb beim Hochlauf die Netzspannung so tief runterziehen, dass der ihn steuernde Rechner ausstieg. Von einem Automobilhersteller wussten wir, dass die Vielzahl von Servoantrieben am Band die Robotersteuerungen abstürzen ließen. Und in Hotels, die soeben alle Zimmer auf Energiesparlampen umgestellt hatten, funktionierte abends kein PC mehr.

Aber nicht nur innerhalb einzelner Kundenanlagen häuften sich die Probleme. Aus Energieversorgersicht summierten sich die Probleme mehrerer Kunden im Netz. Pulslasten im MW-Bereich in Mittelspannungsnetzen waren keine Seltenheit mehr.

Z.B. in der Nähe von Windkraftanlagen.

Große Netzbetreiber konnten dieser Entwicklung also nicht mehr tatenlos zusehen. Denn die Probleme störten nicht nur die Kunden. Auch die Netzkapazitäten wurden von diesen Effekten ausgelastet, ohne dass es einen Wert für den Energieversorger gehabt hätte. Es musste also etwas unternommen werden.

Die Hauptabteilung entwickelte eine Lösung, die den Netzrückwirkungen sozusagen mit ihren eigenen Waffen beikommen wollte: Stromrichter mit schnellen Prozessoren sollten die u(t)-Kurven aller drei Drehstromphasen im Millisekundenbereich messen und "in Form biegen".

Unter dem Aktenzeichen EP 727859 wurde der "Powerconditioner" zum Patent angemeldet.



Würde solch ein Powerconditioner die Spannungsqualität wieder herstellen können, würde sowohl für den Netzbetreiber als auch den Kunden hoher Nutzen entstehen. Denn für Power Quality Kunden gilt: Die nicht gelieferten Kilowattstunden sind die teuersten.

Ich schrieb zu dieser Zeit meine Diplomarbeit.

Der einsetzende Boom von Telekommunikation und IT sorgte für immer größeren Bedarf an Power Quality. Rechenzentren haben sehr hohen Energiebedarf und leisten hohe Wertschöpfung. Unternehmen wie Börsenplätze, Kreditkartenunternehmen, Onlineshops etc. machen hohe Umsätze pro Minute. Energiebedingte Ausfälle wären hier ärgerlich und teuer. Solche Kunden achteten nicht nur auf ihren Kilowattstundenpreis, sondern auch auf hohe Zuverlässigkeit. Was könnte näher liegen, als sich hier zu positionieren?

Eine Aufgabe dabei war jedoch organisatorischer Natur: Wie sollten wir das "geballte Expertenwissen" über Power Quality und Powerconditioner den vielen Regionalversorgungen und einzelnen Kunden verfügbar machen?



Und hier hatte ich dann eine Idee: Ohnehin vom Internetboom infiziert las ich alles, was mir zu den neuen Möglichkeiten der Onlinekommunikation in die Finger kam. U.a. auch das Buch "Net Gain" über Online Communities. Und so kam mir die Idee, solch eine "Community of practice" zu organisieren. Eine Plattform, auf der sich sowohl die Experten mit ihrem theoretischem Wissen, als auch die Betriebstechniker vor Ort mit ihrem praktischen Wissen und die Kunden mit ihrem Problemwissen auf einer Onlineplattform treffen und ihr Wissen austauschen.

Diese Idee reichte ich im Herbst 1999 beim ersten konzernweiten Geschäftsideenwettbewerb ein. Meinen Diplomarbeitsbetreuer lud ich ein, mitzumachen. Im Dezember erfuhr ich, dass wir damit den zweiten Platz gewonnen hatten. Und am 20. Januar 2000 war auf der Konzerntagung die Auszeichnung durch den damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Dietmar Kuhnt. Das ist nun genau zehn Jahre her. Kinder, wie die Zeit vergeht...

Vor zehn Jahren: Power Quality wurde Dienstleistung

RWE Energie war vor fünfzehn Jahren der erste deutsche Energieversorger, der mit Netzrückwirkungen nicht nur irgendwie zurande kommen wollte, sondern den Ehrgeiz entwickelte, daraus einen Mehrwert zu entwickeln.

Ich war noch Werkstudent, als ich zur Hauptabteilung Elektrotechnik stieß. Eine Hochburg von elektrotechnischem Knowhow, das lange Jahre nur für den Fall des Falles gepflegt wurde. Doch Mitte der Neunziger Jahre häuften sich immer schwierigere Probleme in Kundeninstallationen, auf die die Regionalversorgungen vor Ort keine Antwort fanden.

Gepulste Stromrichterantriebe sorgten für immer mehr "Netzverschmutzungen" wie Oberschwingungen, Spannungsspitzen oder Spannungseinbrüche. Gleichzeitig stieg die Anzahl sensibler Geräte, die gerade auf solche Netzrückwirkungen verschnupft reagierten. Unter ungünstigen Bedingungen konnte ein schwerer Antrieb beim Hochlauf die Netzspannung so tief runterziehen, dass der ihn steuernde Rechner ausstieg. Von einem Automobilhersteller wussten wir, dass die Vielzahl von Servoantrieben am Band die Robotersteuerungen abstürzen ließen. Und in Hotels, die soeben alle Zimmer auf Energiesparlampen umgestellt hatten, funktionierte abends kein PC mehr.

Aber nicht nur innerhalb einzelner Kundenanlagen häuften sich die Probleme. Aus Energieversorgersicht summierten sich die Probleme mehrerer Kunden im Netz. Pulslasten bzw. Oberschwingungsleistungen im MW-Bereich in Mittelspannungsnetzen waren keine Seltenheit mehr. Z.B. in der Nähe von Windkraftanlagen.

Große Netzbetreiber konnten dieser Entwicklung also nicht mehr tatenlos zusehen. Denn die Probleme störten nicht nur die Kunden. Auch die Netzkapazitäten wurden von diesen Effekten ausgelastet, ohne dass es einen Wert für den Energieversorger gehabt hätte. Es musste also etwas unternommen werden.

Die Hauptabteilung entwickelte eine Lösung, die den Netzrückwirkungen sozusagen mit ihren eigenen Waffen beikommen wollte: Stromrichter mit schnellen Prozessoren sollten die u(t)-Kurven aller drei Drehstromphasen im Millisekundenbereich messen und "in Form biegen".

Unter dem Aktenzeichen EP 727859 wurde der "Powerconditioner" zum Patent angemeldet.



Würde solch ein Powerconditioner die Spannungsqualität wieder herstellen können, würde sowohl für den Netzbetreiber als auch den Kunden hoher Nutzen entstehen. Denn für Power Quality Kunden gilt: Die nicht gelieferten Kilowattstunden sind die teuersten.

Ich schrieb zu dieser Zeit meine Diplomarbeit.

Der einsetzende Boom von Telekommunikation und IT sorgte für immer größeren Bedarf an Power Quality. Rechenzentren haben sehr hohen Energiebedarf und leisten hohe Wertschöpfung. Unternehmen wie Börsenplätze, Kreditkartenunternehmen, Onlineshops etc. machen hohe Umsätze pro Minute. Energiebedingte Ausfälle wären hier ärgerlich und teuer. Solche Kunden achteten nicht nur auf ihren Kilowattstundenpreis, sondern auch auf hohe Zuverlässigkeit. Was könnte näher liegen, als sich hier zu positionieren?

Eine Aufgabe dabei war jedoch organisatorischer Natur: Wie sollten wir das "geballte Expertenwissen" über Power Quality und Powerconditioner den vielen Regionalversorgungen und einzelnen Kunden verfügbar machen?



Und hier hatte ich dann eine Idee: Ohnehin vom Internetboom infiziert las ich alles, was mir zu den neuen Möglichkeiten der Onlinekommunikation in die Finger kam. U.a. auch das Buch "Net Gain" über Online Communities. Und so kam mir die Idee, solch eine "Community of practice" zu organisieren. Eine Plattform, auf der sich sowohl die Experten mit ihrem theoretischem Wissen, als auch die Betriebstechniker vor Ort mit ihrem praktischen Wissen und die Kunden mit ihrem Problemwissen auf einer Onlineplattform treffen und ihr Wissen austauschen.

Diese Idee reichte ich im Herbst 1999 beim ersten konzernweiten Geschäftsideenwettbewerb ein. Im Dezember erfuhr ich, dass ich damit den zweiten Platz gewonnen hatte. Und am 20. Januar 2000 war auf der Konzerntagung die Auszeichnung durch den damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Dietmar Kuhnt. Das ist nun genau zehn Jahre her. Kinder, wie die Zeit vergeht...

Sonntag, 17. Januar 2010

Wie Nostalgieeffekte entstehen

Vor ein paar Jahren lief im Spätabendprogramm vom WDR Fernsehen die Dokuserie "Super 8 um Mitternacht". Zuschauer sandten ihre alten Super 8 Filme ein und der WDR sendete eine Zusammenstellung über den Äther.

Die Filme waren aus den Sechzigern und Siebzigern und meistens unspektakuär. Dafür aber authentisch. Aber gerade die, die nur den Alltag auf Zelluloid gespeichert hatten, enthielten alles für einen nostalgischen Abend: Straßenszenen mit alten Autos, alten Straßenbahnen alter Werbung. Vor allem aber: Menschen mit Frisuren und Kleidung, die in Wohnungen mit Möbeln leben und manchmal ein Weihnachtsbaum im Hintergrund.

Und obwohl einem die Gefilmten eigentlich fremd sind, sind sie einem unheimlich vertraut. Es könnten unsere Aufnahmen vom Urlaub im Schwarzwald sein. Es könnte mein erster Schultag sein. Und es könnte unsere Baustelle sein.

Weil die wesentlichen Details stimmen. Der Wiedererkennungswert liegt bei über 50%, wenn nicht 90%, auch wenn wir es nicht selbst sind. Ähnlich ist der Effekt auf der Klassentreffen-Website Stayfriends. Schon das Klassenfoto aus der Grundschulzeit auf der Homepage ist so typisch, dass ich es zu 80% für mein eigenes halte, obwohl es das nicht ist.

Der holländische Psychologieforscher Douwe Draaisma hat in seinem Buch "Warum das Leben schneller vergeht, wenn man älter wird" (Link) erklärt, woher dieser Effekt kommt:

Obwohl wir seit Jahren in einer Art Permanentschleife von Retrotrends leben, hat das Entscheidende immer noch Seltenheitswert und nutzt sich nicht ab: Aufnahmen, mit den Details unseres damaligen Alltags. Als Beispiel zeigt er ein Foto aus einem 70er Jahre Badezimmer. Die Waschmaschine hat einen Abwasserschlauch aus Gummi, der in die Badewanne führt. Es gibt ein Spülbecken mit einem Gummischlauch am Wasserhahn.

Was uns selbstverständlich ist, fotografieren wir nicht. Weil wir es nicht einmal wahrnehmen. Schon gar nicht sind wir uns der Endlichkeit des Nichtwahrgenommenen bewusst. Zuerst leben wir täglich zu 100% mit den vertrauten Details. Dann sind sie plötzlich weg und wir fallen von 100 auf 0% und dabei bleibt es.

Als z.B. der neue Berliner Hauptbahnhof gebaut wurde, wäre es schlauer gewesen, noch mal ein Foto vom alten Lehrter Bahnhof zu machen. Stattdessen haben wir alle auf das Neue gewartet und dann fotografiert, als gäbe es ihn morgen nicht mehr. Gleiches gilt vom Quartier rund um den Bahnhof Zoo. Da wurde eine altvertraute Struktur abgerissen, die die meisten schon nicht mehr sehen konnten (im doppelten Sinne des Wortes).
Aber es gibt auch das allmähliche, unbemerkte Verschwinden, das beim Wiedersehen einen großen Aha-Effekt auslöst: Autos, Moden, Werbung.

Für einen Fotografen ist es also eine interessante Herausforderung zu überlegen, welche Details unseren Alltag so definieren, dass wir uns nach ihrem Verschwinden über sie identifizieren werden? Die sollte man rechtzeitig fotografieren, zumindest aber nicht ausblenden. Doch wir sind beim Auslösen immer auf das Besondere des Moments und gerade nicht das alltägliche fixiert.

Das macht diese Alltagsfotos und Filme so selten und teuer. Aber vielleicht werden wir auch bald über Google und YouTube unsere Vergangenheit immer vollständiger und näher rekonstruieren können und auf einem USB-Stick mit uns herumtragen können.

Samstag, 16. Januar 2010

OPEL scheitert mit Markenklage gegen Spielzeughersteller

Wer am Tabellenende steht, bellt am lautesten. So auch das Management der Adam Opel AG. Anstatt sich auf die Entwicklung erfolgreicher Produkte zu konzentrieren, bissen sie denjenigen, der beim Nachwuchst dafür sorgen will, dass OPEL nicht ganz in Vergessenheit gerät: Den Hersteller eines fenkferngesteuerten Astra V8.

Adam Opel AG hat seine Marke auch für die Warengattung Spielzeug eintragen lassen. Zu welchem Zweck? Aus Sicht des Markenrechts wäre der Zweck, entweder als Hersteller von Spielzeug aufzutreten oder ein Spielzeug namens Opel zu vermarkten.

Eine Marke (hier der "OPEL Blitz") ist ein Hinweis auf die Herkunft eines Produktes.

Der Hersteller einer Nachbildung von echten Opel Autos ist damit nicht zu belangen. Weil es keine ernsthafte Verwechslungsgefahr gibt, das Spielzeugauto sei von Opel hergestellt. (Man kann es auch nicht als Prototypen eines kommenden Elektroastras interpretieren ;-) Das hat der BGH nun festgestellt.

Damit ist auch mal in der Öffentlichkeit klar gestellt, "mit welchem Recht" man Spielzeugautos den Originalen nachempfinden darf: Weil es verkleinerte Nachbildungen der geschützten Originale zu anderen Zwecken sind.

Und das ist gut so!