Donnerstag, 20. März 2014

Gaia und unser neues Bild vom All

Das erste Foto von der Erde im All löste eine Bewusstseinswelle aus. Es entstand der Eindruck von der zerbrechlichen, verlorenen Erde in unserer Verantwortung. Auch schuf es nach der Methode "nichts eint mehr als ein gemeinsamer Gegner" eine neue Verbundenheit über alle Grenzen und Kontinente hinweg. Jedenfalls eine Zeit lang.

Demnächst könnte wieder so ein Bewusstseinsschub bevorstehen. Wenn die ESA-Raumsonde Gaia mit der Musterung des Himmels beginnt, reicht unser Blick so weit und tief wie nie zuvor.

Dabei geht es nicht mehr nur darum, unsere Sternenkarten zu vervollständigen. Gaia soll unser Verständnis vom Ursprung der Milchstraße erweitern. Nicht nur über die Lebenszyklen von Sternen sondern auch über die Stoffströme im All.

Die "Erde im All" wirkte wie ein isoliertes Raumschiff. Einzigartig, unersetzbar. Doch schon Hoimar von Ditfurth erklärte unsere Abhängigkeiten von unserem Sonnensystem. Die Sonnenwinde schützen uns vor Strahlung. Und unser Magnetfeld schützt uns vor den Sonnenwinden. Ditfurth deutete die Reichweite der Sonnenwinde als Atmosphäre der Sonne, in der wir uns bewegen.

Inzwischen wissen wir auch mehr über das Wesen organischer Materie. Und dass auch diese mitunter durchs All wabert. Auch hier wird Gaia sicher neues entdecken.

"Im Anfang war der Wasserstoff" schrieb Ditfurth und meinte: Entlang der Strukturen und Zusammenhänge von Energie, Materie und Information gibt es keine definierten Sprünge von unbelebt zu belebt. Der Übergang vollzieht sich allmählich. Und in den elementarsten Bausteinen sind bereits die Voraussetzungen angelegt, die Kohlenstoff zum Baustein des Organischen machen:

Elementarteilchen => Wasserstoffatom => Elemente => Moleküle
So weit kennen wir es. Ditfurth ergänzte die Kette weiter: => Einzeller => Vielzeller => Gewebe
Und so weiter.

Das besondere des Kohlenstoffs ist seine komplexe Kombinierbarkeit mit seinesgleichen und einigen anderen Elementen. Und dabei spielen nicht nur Verbindungszahlen eine Rolle, sondern auch die Formen.

Das Leben ist nicht "zerbrechlich" und unersetzbar. Hier irrt die westliche Ökopaxe. Asiatische Kulturen wissen es besser: Das Leben ist stark und wir sollen gestalten. Das Leben ist ein starkes Prinzip, das immer wieder seinen Weg sucht. Wir überschätzen uns, wenn wir glauben, es ausrotten zu können.

In all dieser Verbundenheit gibt es auch Trennendes: Die Entfernungen zwischen Objekten im All. Hierin liegt, was uns neuen Respekt abnötigt. Für uns Irdische sind die Entfernungen zwischen Sternen und Galaxien so gigantisch, dass wir sie vorerst nicht überwinden werden können. Selbst Signale brauchen Jahre, um irgendwo anzukommen. Und noch mal so lange, falls sie beantwortet würden.

Wir sehen die Sterne am Himmel also nur, weil das Universum mehrere Milliarden Jahre alt ist. Lange Zeiträume sind das Pendant zu großen Entfernungen. Beide sind für uns Individuen zu groß. Wir müssen Tagebuch führen und es an unsere Nachkommen weiter reichen.

Vor allem aber müssen wir uns nicht in Selbstbeschränkung geben.

Samstag, 8. März 2014

Milde Winter, heiße Zeiten

Nein, ich habe Tom Clancy nicht gelesen. Habe mich aber auch schon mehrmals gewundert, wenn ein Filmplot später in die Realität umgesetzt wurde. Man denke nur an 'Wage the dog' oder 'Der Morgen stirbt nie' oder ein 'Ein Quantum Trost'. Ich kenne das aber auch aus Forschung und Entwicklung. Es ist die Literatur, die unserer Phantasie Bilder und unserem Streben Ziele gibt.

Ich habe über die Krise in der Ukraine nicht sehr viel gelesen. Ich habe nur mitbekommen, dass man Demonstranten als Marionetten bezeichnen kann, und schon sind die Sympathien fürs Volk ausgehebelt. Oder umgekehrt: Der einzige Grund, warum Demokratien überhaupt noch geduldet werden ist, dass man als Strippenzieher so schön auf den Willen des Volkes zeigen kann..

Man kann auch immer sagen: 'Ok, da haben fünf Millionen gegen die Regierung demonstriert. Aber fünfzig Millionen haben nicht demonstriert'.

Wenn US-Schauspieler Präsidenten oder Gouverneure werden, lacht unsere Linke. Und wenn im Osten ein Boxer in den Ring steigt? Ok, dann ist das ein ehrlicher, harter Typ. Und der Reiter mit dem nackten Oberkörper in der Taiga? Ist auch ein ganzer Mann.

Gerade in unserer übererregten Gesellschaft, in der für Menschen die nicht mehr wissen ob sie Männchen oder Weibchen sind eine dritte Toilette aufgestellt wird, wirkt ein halbnackter Mann auf dem Pferd ganz stark auf das Unterbewusstsein. Als Mann weiß man da plötzlich wieder, wo es lang gehen muss. Ich zum Beispiel ziehe mir beim Hanteln inzwischen auch das Hemd aus.

Nein, die Sache mit der Ukraine hat glaube ich einen einfachen Auslöser: Es war der milde Winter. Der hat ein Loch in die Kassen der Gazpromaktionäre und Gashändler gerissen. Da müssen ein paar Bestellungen für ersehnte Luxusgüter verschoben werden. Die Oligarchen berichten ihren Gattinnen Gewinnwarnungen und die antworten: 'Dann tu was!' Bei der Gelegenheit haben sie auch noch auf die Polen verwiesen, die sich mit Fracking etwas unabhängiger von Putin und Co. machen wollen.

Ja, und dann sind sie eben zur Tat geschritten.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Sochi - Winterspiele im Pappschnee

War Sochi nun eine Winterolympiade oder die Simulation davon? Wir sahen Wintersport im tauenden Schnee.

Ganz übel: Der pappige Schnee bremste die Abfahrer, die Slalomfahrer.  Einer nach dem anderen schied aus. Vor allem aber zog er die für mich schönste Disziplin in Mitleidenschaft: Die Slopestyler (früher: Trickschi). Ganz übel: Weil viele Sportler nicht genug Schwung bekamen, verkalkulierten sie sich bei ihren Figuren. Manche(r) landere früher und härter als beabsichtigt. Ganz übel erwischte es die russische Slopestylerin Maria Komissarowa. Heute kam die Nachricht, dass sie nun von der Hüfte an abwärts gelähmt ist. Wünschen wir ihr gute Besserung


Samstag, 15. Februar 2014

WRC Schweden Rallye

Während es in Deutschland schon fast Frühling wird, wühlen sich in Schweden verwegene Rallyefahrer durch den Schnee:

Video vom Ausrichter der World Rallye Championship:



Und eines von 1982:

Dienstag, 28. Januar 2014

Wann stellt Apple den iPod ein?

Wieder mal Quartalszahlen von Apple. Wieder mal Rekorde. Wieder mal "Enttäuschung" bei den Analysten. Nachbörslich -6%. Kennt man so.

Schauen wir auf Apple's Zusammenfassung (Quelle: Apple).

Wo und womit ist Apple im Weihnachtsgeschäft gewachsen?
China: 29%
Japan: 11%
Europa: 5% (erstaunlich)

Mac (iMac und Macbooks): 16%
iPad:                                       7%
iPhone:                                   6%

Das Wachstum bei den iPhones überrascht angesichts der Hochpreispolitik. Hier hatten einige ein Schrumpfen vorhergesagt. Aber vielleicht gönnt man es sich nur noch zu Weihnachten?

War in China auch so etwas wie Weihnachten oder wächst es einfach so? Egal, der neue Deal mit China Mobile weist auf jeden Fall in die richtige Richtung. Chinas wohlhabende Schichten kaufen Apple.

Wo ist Apple geschrumpft?
Americas:    -1%
Rest-Asien: -9%

iPod: -55%

Ist der iPod nach zehn Jahren vom Aussterben bedroht? Mir scheint: Ja. Wie viele Geräte will man mit sich rumschleppen, zumal iPhone und Ipad auch mit Musik kommen.

Dazu kommt: Mit Beats Music (Link: Beats Music) geht ein vielversprechender, "kuratierter" Streamingdienst an den Start. Ein "Kurator" ist genau das, was mir noch gefehlt hat. In den Charts und Rubriken finde ich nichts mehr. Mir fehlt ein Radiomoderator alter Schule. Von mir aus auch ein Kurator.

ADAC Mitglieder bezahlen zu viel

Zwei interessante Statistiken zum ADAC:

Nach eigenen Angaben (Quelle: ADAC) verwendet der ADAC seine Mittel wie folgt (Auszug):

Hilfeleistungen (Pannendienst, Notrufzentralen): 322 Mio €
Mitgliederservice (Betreuung, Geschäftsstellen):   55
Motorwelt (Magazin):                                             53

Der größte Anteil geht also dahin, wofür der ADAC am meisten bekannt ist: In die Pannenhilfe. Allerdings ist das gerade mal die Hälfte der Mitgliedsbeiträge. Das steht  im Gegensatz zur Motivation der Mitglieder für ihre Mitgliedschaft, wie das Marketingmagazin W&V (Werben&Verkaufen) aus einer Online Marktforschung zitiert (Quelle: W&W):

Gründe für die Mitgliedschaft:
Pannenhilfe:                                         >90%
Kranken- und Fahrzeugrücktransport: >40%
Motorwelt:                                            zw. 2 (junge) und 10% (mittleres Alter)

Der ADAC lenkt also gerade mal die Hälfte der Mitgliedsbeiträge in den Bereich, der für die Mitglieder der wichtigste Grund für ihre Mitgliedschaft ist.

Viel zu hoch scheinen dagegen die Ausgaben für die Motorwelt zu sein, die offenbar kaum gelesen wird. Oder andersherum: Für das Geld müsste sie besser sein. Ob sie als Druck oder als PDF gelesen wird, scheint also nur ein Kostenfaktor zu sein.

Sehr hoch auch die Kosten für die Verwaltung ("Mitgliederservice") zu sein. Wann hat man zuletzt seine ADAC Geschäftsstelle besucht? Ich mache das alle paar Jahre, z. B. vor einem Winterurlaub.



Samstag, 25. Januar 2014

Rückschau Rallye Monte Carlo 2014

Vorige Woche begann die Rallye Saison 2014 - traditionell in Monte Carlo.

Ich habe ein paar Videos durchgeschaut. Dieses hier packt in 4:01 min. alles:




Donnerstag, 23. Januar 2014

Winterzeit

Es ist doch noch Winter geworden. Anfang der Woche hatten wir in Berlin den "Ausnahmezustand" wegen Blitzeis. Regen, der zu Eis gefror.

Am Dienstag fing es an zu schneien und seit gestern liegt richtig Schnee. Wir haben Dauerfrost, nachts sinkt es auf -9°C.

Der Benzinpreis liegt bei 1,47€.

Montag, 20. Januar 2014

Gelb vor Neid? Worum geht es beim ADAC Bashing?

Ja, ich bin ADAC Mitglied. Es ist die Form von Spießigkeit, die ich mir seit Jahren gönne. Für mich steht das Auto immer noch für Freiheit und Abenteuer. (Das Auto war übrigens eine wichtige Voraussetzung für die Emanzipation der Frau: Sie konnte sich dank ihm einen Lover im nächsten Dorf suchen..)

Autobahnen, Raststätten, Tankstellen - ich bin ein Freak alter Schule. Ich bin mit meinem Porsche 924S auch schon mal liegen geblieben und musste auf der Autobahn abgeschleppt werden. Ich war den ADAC Leuten zutiefst dankbar, als wir im Abschleppwagen in Berlin einfuhren.

Im ADAC darf man von ohne schlechtes Gewissen von Autos schwärmen. Man liest, wie sich der eigene Club für die eigenen Interessen einsetzt, den Verkehrsministern auf den Zahn fühlt und neue Modelle testet. Die ADAC Motorwelt ist eine der auflagenstärksten Zeitungen Deutschlands - zusammen mit einer anderen als abgespiesst geltenden Zeitung, der Apothekenumschau.

Jetzt hat der ADAC einen Fehler gemacht, in dem er eine seiner traditionellsten Leseraktionen mit überhöhten Zuschriftenzahlen nach oben frisiert hat - um nicht zu sagen: getunt.

Wir alten Hasen wissen: Tuning kann gefährlich sein, deshalb Finger weg.

Ist das ein Grund, jetzt mit Klassenkeile auf den ADAC einzuschlagen? Kritik ja, Vernichtung nein würde ich sagen.

Ob sich in die Redaktionen der großen Tageszeitungen auch Neid auf die Auflage der Motorwelt gemischt hat? Wer weiß..

Sonntag, 19. Januar 2014

"Den Euro wird es auch in 100 Jahren noch geben."

Zum Jahrestag von Honneckers Jahrhundertzitat, mein Vorschlag fürs nächste Wahlplakat:
"Den Euro wird es auch in 100 Jahren noch geben."
Marcel Fratzscher, DIW Chef.

Sie glauben nicht, dass er das gesagt hat?
Quelle: WELT, 06.10.2012

Im Prenzlberg trägt man vegane Schuhe

Das nächste große Ding -in Politik und Wirtschaft- wird die Ernährung. Wer über den "Sinn" des Lebens sinniert oder über die Entstehung des Lebens auf der Erde, die Kultur und die Religionen kommt irgendwann auf die Frage: Warum hat sich die Biologie so entwickelt, dass sie quasi nur kannibalisch funktioniert? Wie verträgt sich die Brutalität des Fressens und Gefressenwerden mit Vorstellungen eines barmherzigen Gottes, wenn dieser in seinen eigenen Geschöpfen auch nur Ressource sieht?

Von dieser Frage ist es ein weiter Weg in den Supermarkt. Jeder hat irgendwann seine eigenen Schlüsselerlebnisse. Seitdem mir klar ist, dass der Begriff "Schweine-KZ" vielleicht unpassend, aber nicht übertrieben ist, esse ich weniger Fleisch und wenn, dann möglichst "Bio". Wobei die Frage ist, wie sich das definiert. Denn, siehe oben, auch "Bio" heißt immer noch Mord und Totschlag.

Und so stellen viele Berliner ihre Ernährung um. Dabei kommt es zu völlig neuen Frontverläufen in der Gesellschaft. Dass eingewanderte Araber die letzten treuen Fans heimischer und leistungsstarker Autos sind, macht sie zu Verbündeten der Aufsteiger mit Dienstwagen gegen die linksextremistischen Brandstifter. Wo ein linker Kampfradler einem türkischen Panzerkettenträger auf die Motorhaube haut, gibt es Haue.

Ein Zeichen des Wandels: Das Brauereisterben. Nicht nur im Ruhrgebiet, auch in Berlin. Aus Brauereien werden Hipsterrestaurants, wie z. B. auf dem Bötzow Gelände im Prenzlberg (Link):


Auch der türkische Gemüsehändler, einer der letzten Garanten für Obst und Gemüse im Stadtbild, muss künftig die Frage nach der Herkunft seiner Ware beantworten können. "Ist das gepflückt oder aufgelesen?". Der Prenzlberger Hipster will es wissen. Denn: Gepflückt isch brutal.


Deren Kinder wachsen in einer urbanen Idylle auf. Ein Altbaukarree um einen Park mit Spielplatz. An einer Flanke: Bio- und Veganerläden.


Man hat ein Auto, fährt aber U-Bahn. Gerne auch oberirdisch. 


Eingekauft wird im LPG Biomarkt am Sennefelder Platz:




Und wer das schon vor zehn Jahren tat, geht heute einen Schritt weiter. Isst vegan. Und beginnt nun - zur Fashionweek- auch vegane Kleidung zu tragen. Z. B. vegane Schuhe. 


Vegan heisst hier: Kein Leder. Der O-Ton (Link) ist allerfeinster Honig für Gutmenschen:
So kleidet Avesu mit Leidenschaft die Füße von Veganern, Vegetariern, Allergikern und allen Menschen, die schöne Schuhe lieben. Im durchdacht umweltfreundlichen Ambiente des Concept Stores, in Berlins erstem Null Energie Wohnhaus und dem CO2 neutralen Onlineshop präsentieren wir fast dreissig Marken im stetig wachsenden Sortiment.
Unsere veganen Schuhe sind aus hochwertigen Lederalternativen, die das Tragegefühl und den exklusiven Look von Lederschuhen bieten, dabei jedoch 100% frei von Leder und anderen tierischen Produkten sind. 
Es begann mit dem Besprühen von Pelzen. Und war nicht nur kriminell, sondern auch falsch. Und auch bei Schuhen ist es falsch. Kunststoffkleidung treibt den Teufel mit Beelzebub aus. Und keine Pflanze wärmt so gut wie ein Tierfell oder Leder. Wir brauchen Tiere nicht nur als Nahrung, sondern müssen ihnen auch das Fell über die Ohren ziehen, wenn wir in kalten Wintern nicht frieren wollen.

Das ist so. Aber nicht ich habe das zu verantworten.



Sonntag, 12. Januar 2014

Gewinnspiel der Bahn koppelt Teilnahme an Kauf der Bahncard Gold

Erwischt: Die Bahn bewirbt derzeit eine "goldene Bahncard 25". Während der olympischen Winterspiele will die Bahn Inhabern der goldenen Bahncard an Tagen nach Goldmedaillen für Deutschland Freifahrten gewähren. Soweit ok.

Was aber nicht geht: Sie verlost zusätzlich unter diesen Inhabern weitere Bahncard 100. An diesem Gewinnspiel darf also nur teilnehmen, wer zuvor eine goldene BC25 gekauft hat. Damit verstößt die Bahn gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb:

Quelle: Bahn


Zitat aus dem Gesetz:
§ 4 Beispiele unlauterer geschäftlicher Handlungen
...
6. die Teilnahme von Verbrauchern an einem Preisausschreiben oder Gewinnspiel von dem Erwerb einer Ware oder der Inanspruchnahme einer Dienstleistung abhängig macht, es sei denn, das Preisausschreiben oder Gewinnspiel ist naturgemäß mit der Ware oder der Dienstleistung verbunden;

Quelle: Gesetze im Internet


Donnerstag, 9. Januar 2014

Einstein-Rosen-Brücke im Disney Taschenbuch "Winterzeit"

Brat mir einer einen Storch. Ich hatte den Hawking ausgelesen und ging vor Silvester in unseren Kiosk, der auch Hermes (der Götterbote..) Annahmestelle ist. Dort fiel mir Disneys Lustiges Taschenbuch "Winterzeit" ins Auge. Hatte es mir ein vom neuen Asterix enttäuschter Freund empfohlen oder stand es im Feuilleton? Das Buch sollte gut sein.

Ich nahm es mit. Und staunte nicht schlecht: Die erste Geschichte handelt von einem "Wurmloch", durch das finstere Gestalten reisen um in der Vergangenheit das Weihnachtsfest zu manipulieren. Indem sie den Mann im roten Mantel keine Geschenke bringen lassen sondern Wohnungen ausrauben..

Diese Geschichte könnte im Friedrichshain spielen, hat ihre Wurzeln aber an der Humboldt Uni in Mitte.

Das Buch hat sich gelohnt. Es hat mehr Erwachsenensprech als der aktuelle Asterix, ich kann es bestätigen.


Ich frage mich aber, was mich just nach der "Kurzen Geschichte der Zeit" unwissend so zielsicher zu diesem Werk greifen ließ. Das letzte Lustige Taschenbuch muss ich mir so um 1982 gekauft haben...

Sonntag, 5. Januar 2014

Wenden wir uns lieber dem Kosmos zu...


Kehren wir zurück zu den ewigen Themen. Ich habe 23 Jahre nach meiner Diplomvorprüfung in Physik endlich Stephen Hawkings "Kurze Geschichte der Zeit" gelesen und ein paar Wissenschaftspodcasts dazu gehört.

Ich kann einerseits sagen: Ich bin jetzt auf Stand. Andererseits muss ich sagen: Vorstellen kann ich mir das alles nicht mehr.

Materie und Energie sind in einander umwandelbar. Das haben wir von Einstein gelernt und verstanden. Licht bewegt sich immer gleich schnell. Die Gravitation krümmt den Raum, die Kugel rollt subjektiv immer "geradeaus". Von den Quantenmechanikern haben wir den Welle-Teilchen Dualismus gelernt.

Neu für mich: Wir müssen uns alle elementaren Kräfte auch als Welle-Teilchen vorstellen. Und ein Vakuum ist kein Vakuum.

Am spannendsten schreibt Hawking allerdings über die schwarzen Löcher, von denen er sagt, dass sie nicht schwarz sein müssen, sondern an der Grenze ihres Ereignishorizontes auch Teilchen emittieren können.

Ein guter Freund hat es mir vor Weihnachten erklärt (wir saßen in einer Bar gegenüber von Ströbeles Büro, als mir ein Licht aufging ;-): Früher machten die Wissenschaftler Beobachtungen, die sie nachträglich versuchten zu erklären, durch Theorie und Modellierung.

Heute ist es umgekehrt: Man ersinnt mittels Mathematik Theorien, auf deren Beobachtbarkeit und Beweisbarkeit so lange warten muss, bis die technischen Mittel dafür zur Verfügung stehen.

Die Theorie läuft der Praxis nicht mehr hinterher sondern voraus.

Daraus beziehen die Theoretiker heute ihren Stellenwert. Und einem Stephen Hawking liest man das auch an. In seinem Buch wimmelt es von Eitelkeiten. Mir sind diese bei Akademikern natürlich nicht fremd, aber in "populärwissenschaftlicher" Literatur kam mir das noch nicht unter.

Disziplin! - zurück zur Erkenntnis:

Die Suche nach der großen vereinheitlichten Theorie zielt darauf ab, für verschiedene Beobachtungen nicht länger verschiedene -mitunter einander ausschließende- Theorien verwenden zu müssen. Der Hauptwiderspruch besteht zwischen den Theorien des Makroskopischen und des Mikroskopischen (Subatomaren). Dieser führte z. B. zu dem Befund, dass die makroskopische Theorie den Urknall als Beginn des Universums zwar forderte, sie selbst ihn aber nicht abbilden konnte.

Der letzte Stand der Erkenntnis: Die Stringtheorie. String? - Ja, ein Teilchen mit der Dimension 1. Aber noch wichtiger: Der Urknall war kein "Ur". Davor gab es eine Kontraktion. Es dehnt sich aus und zieht sich zusammen. Und immer so weiter. Bis es sich mal mit einer Unsymmetrie ausdehnt, von der es kein Zurück mehr geben wird.. (vielleicht so wie bei der Eurokrise..).

Aber vielleicht bringt uns im Laufe des Jahres ja auch Gaja neue Erkenntnisse. Dieser Satellit wurde am 19. Dezember mit einer Sojus in Richtung einer Position geschossen, von der aus er 1 Milliarde Sterne dreidimensional kartographieren wird.


Erinnern uns iPhones und iPads an Smarties..?

Falls Sie sich beim Anblick einer iPhone oder iPad Oberfläche (besonders der neuen) mal gefragt haben, woran Sie das erinnert. Oder nur das unbestimmte Gefühl einer Erinnerung hatten: Mich erinnert es an die früheren Smarties Schachteln. Und Steve Jobs hat ja auch mal gesagt, die Icons auf einem Mac oder iPhone müssten so lecker aussehen, dass der Benutzer sie am liebsten abschlecken will.

Insofern reizen uns die Apple Geräte auf die gleiche Art wie früher die Werbung für Süßigkeiten:





Sonntag, 22. Dezember 2013

"Kulturgeschichte des Klimas", Wolfgang Behringer

Das Klima wandelt sich - schon immer
Ich habe Wolfgang Behringers' Buch "Kulturgeschichte des Klimas" (Link) zu Ende gelesen und sehe nun klarer. Was ich bereits ahnte oder halb wusste: das Klima auf Erden wandelt sich von Beginn an. Und: der Menschheit ging es in den Warmzeiten meist besser als in den Eiszeiten.

Die Frage, woher Grönland seinen Namen hat, stellt man ja schon als Schüler. Dass die nördliche Linie, bis zu der man in Europa Wein anbauen konnte, mal auf den britischen Inseln lag, wissen aber schon deutlich weniger. Heute verläuft diese Linie durch Halle/Saale (Unstrut).

Schlechtes Wetter verhagelt die Ernte
Viel wichtiger als die Frage, ob und wie schnell wir wohl gerade in eine Klima"katastrophe" reinlaufen ist, wie gut wir darauf vorbereitet sind. Denn an Wetter und Klima hängt auch heute unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln. Wenn der Winter hart und lang war -z. B. nach einem Vulkanausbruch oder einer verminderten Sonnenaktivität-, die Schneeschmelze Auen und Weiden überflutete waren zuerst die Äcker dahin und etwas später das Vieh, denn Hochwasser brachte oft Seuchen mit sich. Statt Hochwasser war auch Hagel stets eine Bedrohung für das auf dem Acker stehende Getreide.

Die Folge: Ausfälle von Ernten, Milch und Fleisch.

Nach dem Hunger die Seuchen
Jahre, in denen so etwas mehrmals hintereinander wiederholte, waren dramatisch. Unser Vorfahren wurden geschwächt von Hunger und Kälte. Eine ideale Voraussetzung für Seuchen wie die Pest oder Cholera.

Der Übergang von Mono- zu Dreifelderkulturen machte die Menschen im Mittelalter etwas weniger abhängig. Als die Kartoffelfäule in Europa tobte, war Irland besonders betroffen, weil ausser der Kartoffel kein anderes Grundnahrungsmittel anbaute. Und heute sind wir abermals weiter, Nahrungsmittel importieren wir zu einem großen Teil.

Aber die Ursache-Wirkungskette muss man sich merken:
Vulkanausbruch/Sonnenaktivität -> Abkühlung -> Harter Winter -> Schneeschmelze -> Überflutung -> Ernteausfall, Viehseuchen -> Hunger -> Krankheiten/Epidemien -> Aufstände / Systemwechsel.

Warmzeit -> Reiche Ernte -> Lange schöpferische Jahresphasen -> Blüte der Kultur

Französische Revolution
Politiker und Regierungen, die also ernsthaft an einen bevorstehenden Klimawandel glauben, sollten froh sein, dass wir mit steigenden und nicht fallenden Temperaturen zu rechnen haben. Vor allem aber sollten sie Pläne für die Sicherung unserer Lebensmittelversorgung entwickeln.

Das ist auch in ihrem eigenen Interesse. Der französischen Revolution voraus gingen nämlich drei harte Jahre, in denen das Wetter einen Strich durch die Nahrungsmittelversorgung gemacht hatte. Den Rest gab das Ancient Regime, als es den feudalen Großgrundbesitzern erlaubte, die verbliebenen Ernten im Ausland verkaufen zu dürfen - die Kaufkraft des Plebs im eigenen Land war ja durch Hunger und Krankheit deutlich gesunken..

Was jetzt: Eiszeit oder Erwärmung?
Übrigens glaubten westliche Politiker vor vierzig Jahren noch, dass wir nicht vor einer globalen Erwärmung stehen sondern einer neuen Eiszeit. Von 1940 bis 1980 sank die Durchschnittstemperatur. Das ist der Grund, warum sich unsere Eltern an knackige Winter mit weißer Weihnacht erinnern.. Die Temperatur war gefallen, trotz massiv ausgedehnter Industrialisierung und Ausstößen von CO2. Danach sprach man plötzlich von globaler Erwärmung. Als es dann wider Erwarten doch wider Eis und Schnee in Deutschland gab, formulierte man vorsichtiger: "Klimawandel".

Interessant in dem Buch fand ich auch die ideologisch-religiösen Begleiterscheinungen von wettergemachten Katastrophen. Wo die Menschen auf höhere Kräfte angewiesen sind, suchen sie den guten Draht zu ihnen. Wer das Wetter deuten konnte, genoss Ruhm und Ansehen bei Hofe und im Volk. Wer das Wetter machte, musste sich vorsehen. Vor allem, wenn Sündenböcke für verhagelte Ernten und Überschwemmungen gesucht wurden. Aus dieser Zeit stammt die Hexenverfolgung.

Hexenverfolgung
Notiz am Rande: Es war nicht die Kirche, die die Hexenverfolgung forcierte. Denn die Kirche war (und ist) eher darauf bedacht, dass Verhalten eines jeden zu beeinflussen. In einer Sündenbockkultur aber, muss man das eigene Verhalten nicht ändern, wenn man jemand Drittes als Opfer darbringen kann..

Wetterpropheten und Klimapharisäer
Dass Klima- und Wetterpropheten hohen Einfluss auf uns haben, wissen wir. Aus dem Wetterbericht macht man heute eine Wettershow. Einige Meteorologen haben es zu Showmasterehren gebracht. Noch machtvoller ist aber die Rolle der Klimaforscher. Sie können Regeln in die Welt setzen, die die Regierungen gefälligst umzusetzen haben - uns zur Belästigung und den Politikern zu Ehren.

Heute sind also die Menschen die neuen Sündenböcke, die im Winter die Heizung aufdrehen und im Auto mit Kraft-Wärme-Kopplung fahren. Wer CO2 ausstößt, sündigt.

Die Ent-findung des Feuers..
Man könnte überspitzt aber auch sagen: Die Klimaforscher in Potsdam und anderswo versuchen die Geschichte unserer Technologie zurückzudrehen. Die Erfindung des Feuers, also die erste emanzipatorische Erfindung der Menschheit, muss rückgängig gemacht werden. Das gilt auch für das Feuer im Brennraum eines Automotors.

Gäähn...
Wahrscheinlich müssen wir einfach nur abwarten und brauchen unser Verhalten überhaupt nicht zu ändern. Meine Erinnerung an Politik ist eine Folge einander abwechselnder Apokalypsephantasien anmaßender Politiker: Waldsterben, Ozonloch, Wassermangel usw.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Letzter Arbeitstag

So, letzter Arbeitstag. Weihnachten liegt in diesem Jahr arbeitnehmerfreundlich und ich habe noch ein paar Urlaubstage übrig. Deshalb ist schon Donnerstag mein Letzter.

Ob wenigstens der Zug heute schon ein bisschen leerer ist? Immer weniger Pendler, dafür immer mehr Touristen im ICE.

Was macht man am letzten Tag im Büro? Wäre ich im Vertrieb tätig (also als Projektleiter unter einem umsatzverantwortlichen Teamleiter..) würde ich heute die Versäumnisse meiner Bereichsleitung nachholen müssen: Angebote unterschreiben lassen, dafür sorgen, dass sie noch zur Post kommen, was man als Projektleiter halt so macht.

Wäre ich Projektingenieur, würde ich die allerletzten Rechnungen für dieses Jahr "für die Richtigkeit" zeichnen.

In diesem Jahr aber hatte ich wenigstens damit Glück. Mit guten Leuten ein gutes Projekt gemacht. Also ein Anlass, Dankesemails zu schreiben oder zu besuchen, jedenfalls die, die zu Fuß erreichbar sind und noch nicht im Urlaub.

Das Wetter ist ja angenehm für einen wetterfühligen Bahnpendler. Ich brauche keinen Schnee, solange ich die Bahn brauche.

Das neue Jahr bringt Veränderungen, so viel weiß ich schon. Ich habe gelernt, dass man sich gar nicht selbst verändern muss, um Änderungen zu erleben. Das habe ich spät gelernt und bin deshalb später als andere "sesshaft" geworden. Da es aber bis jetzt überdurchschnittlich gut war, rechne ich da eher mit Verschlechterungen.

Meine Regelgröße ist für mich: die richtigen Leute um mich zu haben für eine anspruchsvolle Aufgabe.



Gestern las ich auf Twitter einen guten Rat für Projektleiter: Wann immer Sie unterjährig ein Ziel erreichen, senden Sie sich darüber eine Email. Im Januar sind Sie dann froh, dass bereits alles dokumentiert ist. Ich habe mir zwar selbst keine Emails geschrieben, aber schon immer einen Haken in meinem Projektplan gemacht..

Werden wir im Büro heute singen und Gedichte auf den Beamer legen? Ich glaube nicht. Aber gut drauf sind wir trotzdem. Weil sich alle auf die Feiertage mit Familie und Freunden freuen.

Dass man sich gut fühlt und weiß warum, darum geht es, finde ich.

Montag, 16. Dezember 2013

Wer wird "Peinlichster Berliner 2013"? - Wowereit oder M. Herrmann?

Nach der Person of the Year (TIME) ist für Berliner immer spannend, wen die TIP Redaktion zum peinlichsten Berliner wählt. Hier meine Kandidaten:

1. Monika Herrmann, Grüne Chaos-Bezirksbürgermeisterin Kreuzberg-Friedrichshain.
2. Klaus Wowereit, SPD und neu gewählter Aufsichtsratsvorsitzender Flughafen BER.

danach kommt lange nichts.

Wer noch?

Sonntag, 15. Dezember 2013

NSA: Generalbundesanwalt beugt sich diplomatischem Druck

Generalbundesanwalt Harald Range hatte es Ende November bereits angekündigt (Link): Ob er gegen die NSA ermitteln wird, ist eine Frage der Interessensabwägung (§153d Strafprozessordnung).

Vergangene Woche hat er nun entschieden: Er tut nichts. Quelle: ZEIT

Anders als der kritische Rest der Welt (Autoren, Internetkonzerne) ist Range der Ansicht, die Enthüllungen des früheren NSA-Mitarbeiters "belegen" nichts und in einem Fall zeigen sie sogar eine Verwicklung des BND.

Für mich ist das der Beleg, dass der Generalbundesanwalt direkt in die deutsche Diplomatie verwickelt wird, wenn ausländische, staatliche Behörden Straftaten begehen. Im kleinen kennen wir das: Diplomaten können auf unseren Straßen wilde Sau spielen, ohne dafür belangt zu werden.

Seit dieser Woche wissen wir: Das gilt auch im Großen.

SZ-Interview mit Berggreen-Merkel zum Fall Gurlitt

Quelle: SZ vom 11.12.2013.

Aus diesem Interview erfahre ich, dass der primäre Auslöser für die Ermittlungen gegen Gurlitt nicht der Verdacht auf Raubkunst war, sondern offenbar ein Verdacht auf ein Steuer- oder Zolldelikt. Die Untersuchung und die Taskforce von Frau Berggreen-Merkel kam erst anschließend auf Handeln der Staatsanwaltschaft Augsburg ins Spiel. Immer wieder Augsburg.

Da die Ermittlungen andauern sagt die Taskforceleiterin nicht viel zur Sache. Zum Thema Raubkunst aber immerhin so viel:
Berggreen-Merkel: Die große Aufmerksamkeit für diesen Fall betrifft im Kern die Tatsache, dass so viele Jahre nach Kriegsende ein solcher Fund überhaupt noch möglich ist.
Das verstehe ich so: Der "Fund" bringt Unruhe in die Reihen und Erben der Besitzer arisierter Kunst. Und da es sich jetzt bei dieser als arisiert ge-outeten Kunst um eine politisch heiße Kartoffel handelt, beeilt sie sich mit der Klarstellung, wer für die Durchforstung von Museumsexponaten ist: Die Bundesländer.

Die sind hier natürlich in einem Interessenskonflikt: Einerseits sorgt die Raubkunst für Publikum, Einnahmen und Renommee. Andererseits will man nicht am Pranger stehen. In so einem Fall tut mach doch am besten: nichts.

Samstag, 14. Dezember 2013

Leerverkäufe am Potsdamer Platz - Rewe, rette uns!

2001 erlebte ich das hier zum ersten mal und ich hielt es für einen blöden Zufall: Kommst in den Supermarkt und die meisten Regale oder Paletten sind leer. In der Wilmersdorfer Straße Ecke Mommsenstraße. Wir lernten aber schnell: Montags brauchste gar nicht einkaufen gehen, da räumen se die Sachen den ganzen Tag in die Regale. Und Dienstags sollteste schnell sein, sonst gibts nüschte mehr.

Gut, 2001 war kurz nach der Wende und ich dachte, ok das muss sich erst einspielen. Leg Deine verwöhnten Wessi- bzw. jetzt: Wossiallüren mal weg.

Anderes Jahr, anderer Bezirk, das gleiche Spiel. Rund um den Potsdamer Platz boomt es, sagt man. Wertheim am Leipziger Platz (direkt östlich vom "Potse" gelegen) wird neu gebaut. "Noch ' ne Shoppingmall? Det broocht keen Mensch, können doch nicht den janzen einkaufen gehn, verstehste?" schreiben die Tagesspiegelforisten, die den ganzen Tag Zeit für Onlineforen haben.

Aber wenn de hier wohnst, biste froh, wenn de überhaupt irgendwo einkaufen gehen kannst, verstehste?!

"Wir schließen!" hieß es im Kaiser's im Spätherbst. Was Du nicht bei Lidl oder Aldi kriegst, kriegste bei Kaisers. Frage an der Kasse: "Wer kommt denn nach Ihnen hier rein?" - Antwort: "Rewe". Puh, Jott sei Dank keen Nanu nana oder sowas. Die Versorgungslage bleibt wenigstens befriedigend.

Der Wechsel dauerte dann aber nicht ein Wochenende oder so, sondern fast zwei Monate. Wollteste in der Zeit nicht von Konserven leben und hatteste Verwandte im Westen, wussteste was de zu tun hattest... Und dann am 04. Dezember war endlich Eröffnung. Groß angekündigt, die ersten Tage würde es 10% Rabatt geben. Was soll ich sagen: Wir alle rin. Und wat sehen wa? Halbleere Regale, manche Sachen ratzekahl leerverkauft.

Der Laden ist zu klein! Aber er ist der einzige mit frischen Lebensmitteln im Orbit des Potsdamer Platzes. Warum kapiert der Berliner Einzelhandel das nicht? Die alteingesessenen Wessis erzählen noch heute von ihrem Trauma am Tag der Maueröffnung: Die kamen rüber und kauften alles kahl..

Es hat sich zum Dauertrauma auch für Zugereiste erweitert. Nur projiziert sich die Angst, leer auszugehen, heute auf die Touris, also die "Fern-Ossis".

Gestern Abend spielte Hertha. Live im Fernsehen. Problem: 2 Fussballfreunde, aber nur noch 1 Radeberger im Kühlschrank. "Ich geh mal schnell zum Rewe.." sagte ich noch in meinem Leichtsinn. Komme da an und sehe: Radeberger ausverkauft. Aber noch Restbestände vom Wernesgrüner. Aber eine Sache haben se dem internationalen Tourismus jetzt angepasst: Der Praktikant an der Pfandannahme, den man anspricht, wenn der Automat voll und blockiert ist, spricht nur englisch.

Der nächstgelegene Frischesupermarkt wäre Ullrich (nicht: Ulbricht, wie manche Zugereisten gerne verwechseln...). Ist aber so weit, dass de mit dem Auto hin musst. Klar, man will ja auch mal größer einkaufen, so dass es ne Woche hält oder länger. Aber mit dem Auto einkaufen ist ne janz andere Geschichte, die ich beim nächsten mal erzähle.. Jedenfalls versteht man den Kult um das KaDeWe viel besser, wenn man länger hier lebt.

Bis dahin gilt unser Aufruf an die Freunde, Brüder und Schwester im Westen: Bitte sendet uns Carepakete zu Weihnachten. Schämt Euch nicht, wir tun es auch nicht. Wir brauchen das. Jetze!

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Das Geschäftsmodell der arisierten Moderne (#gurlitt)

Zum FAZ-Artikel "Raubkunst - Ablasshandel mit der Moderne" vom 27.11.2013 und Don Alphonso's Blogpost "Raubkunstfreunde wie wir" vom 28.11.2013:

Der Unterschied zwischen dem Kunstraub der Nazis und allen anderen Epochen ist der folgende: Nur die Nazis schoben eine Ideologie vor, um sich die ersehnte und als durchaus wertvoll erkannte Beute unter den Nagel reißen zu können. Hätten ihre Köpfe die eigene Ideologie ernst genommen, hätten sie die "entartete" Kunst öffentlich so dem Feuer preisgegeben wie die Bücher. Das erwähnt "Don Alphonso" nicht.

Gut, etwas mag schon dran gewesen sein. Denn die Nachkommen dieser Leute tun sich heute mit zeitgenössischer Kunst wieder schwer. Kunst zum Zeitpunkt ihrer Entstehung zu erkennen ist nicht jedem gegeben. Es sind die Kunstinteressierten die stets ahnen, dass doch etwas dran sein könnte, und bei Gelegenheiten zugreifen.
Bei ihnen wurde denn auch das Hauptmotiv der Adligen und Großbürger für ihren Antisemitismus sichtbar: Neid auf die Schaffenskraft und Befähigung.

Die Ideologie der "Entartung" senkte den Preis der Beute und man griff zu. War das eine riskante Spekulation? Immerhin glaubten und hofften sie doch auf das 1.000 jährige, wie sollten sie Wertsteigerungen je realisieren können? Nein, es war nicht so riskant, denn im Ausland würde man immer einen Sammler finden. Und was im eigenen Land verboten ist und woanders schmerzlich vermisst wird, hatte schon immer einen hohen Preis und Reiz.

Aber so wie der Krieg ausging, lockte dann die Realisierung der Kursgewinne im eigenen Land. Man musste den Preis nur erst mal wieder hoch treiben. Die FAZ Autorin Julia Voss deckt in ihrem Artikel auf, wer dies wie betrieb:

Chronik

Vor 1930
Gurlitt ist Museumsdirektor in Zwickau und in Hamburg Leiter des Kunstvereins.

1933
Gurlitt wird seiner Ämter enthoben.

1938
Gurlitt wird mit dem Verkauf "entarteter" Kunst im Ausland beauftragt.

1943
Gurlitt wird Kunsteinkäufer für Hitlers "Führermuseum" in Linz.

1948
Hans Sedlmayr (Ex-NSDAP) veröffentlicht "Verlust der Mitte", eine Kritik an der modernen Malerei ("Verfallserscheinung").
Gurlitt wird Leiter des Kunstvereins des späteren NRW.


1949
Ausstellung "Der Blaue Reiter", Haus der Kunst (vorher: Naziausstellung "Große Deutsche Kunstausstellung"), München
Veranstalter: Cultural Affairs Banch (US-Regierung)
PR-Spin: Beginn der Rehabilitierung der "Moderne" durch die junge, deutsche Demokratie
Leihgeber: Hildebrand Gurlitt (Nazibeauftragter Verkäufer "entarteter" Kunst), ansonsten Malerwitwen, -angehörige

1950
Biennale, Deutscher Pavillon mit "Der Blaue Reiter", Venedig
Leihgeber Ferdinand Möller (Nazibeauftragter Verkäufer "entarteter" Kunst)
Gurlitt holt mehr als 100 Bilder zurück, die von den USA als "Raubkunst" beschlagnahmt worden waren. Einige davon waren eben doch Raubkunst und befanden sich in der Sammlung seines Sohnes, die vor kurzem beschlagnahmt wurde.

1952
Biennale, "Die Brücke"
Memorandum der westdeutschen Museumsdirektoren fordern Abschluss der Restitution (= Rückgabe an rechtmäßige Besiter).  Im Interesse "der" Kunst oder ihrer Räuber?

1953
Luzern, "Deutsche Kunst, Meisterwerke des 20. Jahrhunderts".
Leihgeber: Hildebrand Gurlitt, Ferdinand Möller
Vorwort im Katalog: Bundespräsident Theodor Heuss
Im deutschen Ehrenkomitee: Ferdinand Stuttmann (Ex-NSDAP, Museaumsdirektor Hannover, Käufer von Raubkunst)
Sponsoren: u. a. Friedrich Zinckgraf, Münchner Galerist arisierter Kunst.
Rezensionen: u. a. Erhard Göpel, (im 3. Reich Kunstarisierer in besetzten Gebieten, später Feuilletonist in der FAZ.
Zinckgraf ist Mitglied des "Bundes der Bayerischen Kunst- und Antiquitätenhändler" und fordert sie sofortige Einstellung der "übereilten" Restitution (=Rückgabe) der arisierten Kunst.

1955
Erste documenta

1966
Die Witwe Gurlitts behauptet wahrheitswidrig, "alle Geschäftsunterlagen und Bestände" seien bei dem Luftangriff auf Dresden verbrannt.

Herkunft und Nachweis der "Sammlung" Gurlitt sind offen.

Zusammenfassung

Das Geschäftsmodell wird sichtbar:
1. Die Nazipropaganda wertet die Kunstwerke ab, der Kauf wird offiziell verboten.
2. Die Nazis selbst wissen um den Wert der Kunst. Deshalb wird sie nicht vernichtet sondern auf dunklen Kanälen günstig verfügbar gemacht.
3. Wer die Gelegenheit hat und erkennt, greift zu.
4. Nach Ende des Terrors beginnt das Projekt Wertsteigerung und Reinwaschung.
5. Man unterstützt Ausstellungen, mimt den großherzigen Leihgeber, der die geschundene Kunst "entnazifizieren" will.
6. Für die Reinwaschung umgibt man sich mit höchstwürdiger Prominenz und tut so, als stelle man sich in den Dienst von Staat und Gesellschaft.

In einem Satz: Die Naziunterstützer profilierten sich nach dem Krieg als "Freunde der Moderne" um den Wert ihrer arisierten Sammlungen zu steigern.


Montag, 9. Dezember 2013

Wie versorgen iMac Besitzer ohne Laufwerk die Verwandtschaft mit Fotos...?

Vor zehn Jahren hatten wir dieses unwohle Gefühl schon einmal. Es erinnerte an den Moment, in dem uns Vater die Stützräder vom Kinderfahrrad abschraubte. Wir ahnten, dass es ohne geht. Wir hatten sie auch schon lange nicht mehr benutzt. Aber mit war es einfach sicherer. Vor zehn Jahren also verzichtete Apple auf den Einbau eines Diskettenlaufwerks in den iMac G4 (Foto). 

Was heißt "verzichtete"? Ok, es war unser erster Apple Rechner, wie lange die schon ohne Disk kamen weiß ich nicht.

Aber in diesem Jahr ist es wieder so weit. Apple liefert iMacs ohne optisches Laufwerk. Keine Musik mehr auf CD brennen fürs Auto und keine Diashows mehr für die lieben Verwandten. Wie soll das gehen? Apple sieht es am liebsten, wenn wir alle über die iCloud vernetzt sind. Die Eltern sollen sich gefälligst ein iPad kaufen, wenn sie unsere Fotos sehen wollen. 

Nun ja... Ob und welche Optionen wir haben, hat Werner untersucht. Ergebnisse hier: Link

Sonntag, 8. Dezember 2013

Auf dem Bahnsteig mit Rollkoffer, Kaffee-zum-mitnehmen und das Smartphone...

am Kinn eingequetscht oder in der anderen Hand anstarrend den Mitwartenden über die Zehen fahren, sich zur ICE-Tür vordrängeln und dann wie selbstverständlich warten, dass ein anderer den Türknopf drückt. Dann wie selbstverständlich als erster einsteigen. Das sind die Schlimmsten.


Freitag, 6. Dezember 2013

Wozu eigentlich noch Banken?

Ho, ho, hooo...! Es war einmal... da bekamen wir fürs Sparbuch reale Zinsen und die Sparkasse vergab Kredite an Gewerbe und Handel in der eigenen Stadt. Und manchmal überzog man sein Konto und irgendwann saß man dann zusammen für einen Immobilienkredit. Die Zentralbank senkte die Zinsen, wenn sie die Wirtschaft ankurbeln wollte. Die Banken und Sparkassen reichten diese Zinssenkungen in ihre Kunden weiter. Die Zentral erhöhte die Zinsen, wenn die Wirtschaft oder Börse heiß lief.

Apropos Börse: Heute zocken die Eigenhändler der Banken mit billigem Geld der Zentralbanken an den Börsen. Es fließt so gut wie nichts davon in den Mittelstand. Diese Woche hörte ich sogar folgendes im Radio: "Die Wirtschaft in den USA läuft überraschend gut. Deshalb fielen die Kurse an der New Yorker Börse."

Denn die Händler in den Banken haben Angst vor einer anspringenden Konjunktur. Weil die Zinsen dann bald wieder steigen könnten und die Börsenzockerei mit geliehenem Geld dann aufhören würde. 

Deshalb noch mal die Frage: Wozu Banken retten? 

Schäuble legt sich in dieser Woche ausnahmsweise mal mit den Bankern an. Aber wohl nicht, weil er etwas eingesehen hätte. Sondern weil er Finanzminister bleiben will. So gesehen hat Herr Fitschen recht: "Populismus". Aber: Populismus ist nichts schlechtes, wenn man darunter das Aussprechen von Wahrheiten versteht, die sonst von den Lobbyisten verdreht und verschleiert werden.

Dass die Staatsschuldenkrise von der Rettung der Banken herrührt, sagt Schäuble jetzt als habe er den Stein der Weisen gefunden. Er denkt jetzt das gleiche wie wir, nur halt später. Vor der Wahl war das Rechtspopulismus oder "Professorengewäsch". Nach der Wahl dient eine einfache Binse dazu, sich um das Amt des Finanzministers zu bewerben.

Quer durch die Parteien sind Schäuble jetzt viele andere Finanzexperte im Range von Landesfinanzministern beigesprungen. Man kann einer guten Sache eigentlich keinen schlechteren Dienst erweisen, als von den Falschen unterstützt zu werden. 

Wir einfachen Leute sollten aber mal googlen, ob wir von der Deutschen Bank, den Herren Fitschen und Jain oder Ackermann mit hereingelegt wurden, als wir beim letzten mal unsere Hypothekenzinsen neu verhandelt haben. Ein Vorstand der Deutschen Bank fragt doch nicht, woher der Gewinn kommt. Hat er noch nie. Verbraucherzentrale, legen Sie ebenfalls mal los..

Samstag, 30. November 2013

Miss Sarajeva (1995)

Als man in einem Teil Europas die Straße nur rennend überqueren konnte und geduckt an Hauswänden entlang ging. Wegen der Heckenschützen.

Donnerstag, 28. November 2013

Was Apple dieses Jahr zum Black Friday anbietet...

kann man schon jetzt -wegen der Zeitverschiebung- auf der australischen Apple Website sehen. Es sind im wesentlichen Geschenkgutscheine. Früher lag die Spannung immer darin, ob das Produkt, auf  das man ein Auge geworfen hatte, wohl unter den Rabattangeboten war.



Entweder hat Apple keine Rabatte mehr nötig, oder sie wollen die Kosten für die doch ziemlich werbeträchtige Tradition senken.

Besonders groß wird die Enttäuschung für Interessenten des iPad mini Retina sein: Hier gibt es überhaupt nichts "geschenkt".


Freitag, 22. November 2013

"Zweifelsfrei Eigentum von Herrn Gurlitt"

Es hilft nichts, das Recht auf seiner Seite zu haben. Man muss auch mit der Justiz rechnen.
Dieter Hildebrandt (gefunden bei ZEIT.de)

Viele der Kreise, die gerne das Hohelied der Leistung singen, zehren von arisiertem Vermögen. Die Nazis fütterten die eher ungebildeten Stände mit Ideologie, den bürgerlichen Schichten boten sie Handfestes: Den Karrierenebenbuhler führten sie ab, den Nachbar der mehr hatte, dessen Besitz enteigneten und arisierten sie.

Von der sog. "entarteten" Kunst weiß ich erst seit Gurlitt, dass die Nazis diese nicht - wie die ihnen missliebigen Bücher - vernichteten, sondern: verkauften. Und schon da kommt man ins Stutzen: Sie beauftragten Kunsthändler mit dem Verkauf? War da vielleicht doch der Verdacht, dass die Werke etwas wert sein könnten? War vielleicht doch mehr Kalkül als Ideologie im Spiel? So kann man also sagen, dass auch die "entartete Kunst" arisiert wurde - man sprach nicht darüber, sondern spekulierte heimlich auf Wertsteigerungen.

Wer sich mit den Nazis gut verstand, konnte also zu einem Schnäppchenpreis großen Besitz und wertvolle Schätze erwerben. Eine große Umverteilung. Privilegierte Nazifreunde sahen es als Beitrag zur großen Sache, wenn sie die geraubten Güter ihrer Nachbarn in Empfang nahmen.

Sprach man die Komplizen der Nazis später darauf an, konnten sie sich entweder an nichts erinnern, außer an die "Wirren" des Krieges. Die Frecheren unter ihnen holten dann "Kaufverträge" aus der Schublade.

Der deutsche Gesetzgeber regelte die Sache nach dem Krieg so, dass sie zum Nutzen der Bereicherten so diffus blieb, wie deren vorgebliche Erinnerung.

In den Wochen, in denen wieder mal über den großen Beitrag Bayerns und Baden Württembergs zum Länderfinanzausgleich berichtet wird, lesen wir auch über den geständigen, vor Rührung über die zu ihm stehenden hohen Kreise verweinten, Ulrich Hoeneß. Und über den größten aller Raubzüge, die Bankenrettung auf Kosten der Kleinsparer und ehrlichen Steuerzahler, sowie so.

Herr Gurlitt indes dürfte enttäuscht sein. Hielt die juristische Community die Sache doch jahrelang unter der Decke, ging die Sache jetzt doch noch hoch. Dem Herrn Gurlitt wurde die Sache schnell lästig und so musste die Show aufgezogen werden, mit denen "Oberschichtenkriminelle" (J. Poß) immer auftischen: Aus Verbrechen werden "Fehler", aus der triebhaften Gier wird "Mist", und der Handelnde ist ein alter, verwirrter Mann. Der messihaft in einer alten Villa in Bestlage lebt und dort "mit seinen Bildern spricht": Ein Freund der Kunst. Entartet? Ja, aber nicht die Kunst.

Die Mainstreammedien tasten sich nur langsam daran, den vermögenden -und deshalb gefährlichen- Mann offen zu kritisieren. Die ZEIT nennt die große PR-Story "Literatur". Herr Gurlitt ist für sie nicht Täter sondern Opfer - "abgeschossen" von Fotografen.  Und die Frage, ob der Räuber seine Beute zurückgeben muss, lenkt sie auf uns alle - "die große Frage, wer wir sein wollen." Heinrich Wefing zeigt sich jedenfalls in der Sprache und Ablenkungen der Profiteure und Verschleierer bestens zu Hause: Link

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden äußert sich vorsichtig, so als fürchte er dass noch mehr Jack Asses aus der Kiste springen. "Konspirativ" nennt er das Verhalten der Staatsanwaltschaft.

Würde meine Familie zu den Raubopfern der Arisierung gehören, ich würde mich auf den Weg zur Staatsanwaltschaft machen und uns unser Eigentum zurück holen. Sollte es hier tatsächlich einen Verjährungsparagrafen geben, müsste dieser natürlich parallel aus dem Weg geräumt werden. Alles andere ist nachträgliche Kollaboration mit den Arisierungsgewinnern zum Nutzen deren Nachkommen.

 Die Bundesregierung hat eine "Expertenkommission" geschaffen. Deren Vorsitzende heißt - das Schicksal will es so- Frau Berggreen-Merkel. Berggreen.... Berggruen.. Hat eigentlich mal jemand in dessen Keller nachgeguckt..? (Link)

Mittwoch, 20. November 2013

Weltpremiere des Porsche Macan

Da isser! Jetzt gerade läuft in Los Angeles die Weltpremiereshow des neuesten Sprosses aus dem Hause Porsche. Macan heißt der neue Kompakt SUV.

Infos unter:
http://www.porsche.com/microsite/macan/default.aspx
https://twitter.com/Porsche

Quelle: Porsche

Am einfachsten beschreibt man den neuen Frontmotor-Sportwagen als kleinen Bruder des Cayenne. Ist er gelungen? Bei den Fotos und Videos tue ich mir schwer - welche Idee verkörpert er? In natura überzeugte er mich aber sofort: Man darf SUV nicht mit Geländewagen übersetzen. Der Cayenne verkörperte die Großstadtrallye durch die schlechten Straßen Berlins oder New Yorks oder die Transsyberia von Moskau in die Mongolei. Schnell, und komfortabel.

Der Macan ist für kürzere Routen, die Einstiegsdroge quasi. Von der Optik her ein junger Hai, wendiger und mit besseren Aussichten auf einen Parkplatz. Wie Porsche schreibt: "Alltagstauglich, aber nicht alltäglich."

Mit den alltagstauglichen Modellen taten sich die Gusseisernen schon immer schwer. Es waren aber stets die alltaugstauglichen Frontmotormodelle, die dem Unternehmen Porsche zu Höhenflügen verhalfen, oder es einfach mal nur retteten. Vor dreißig Jahren der 924 und 944. Vor zehn Jahren der Cayenne. Vor vier Jahren der Panamera. Die Hälfte aller verkauften Porsches sind Cayennes.

Bis zur Macan Probefahrt dauert es noch ein bisschen: Verkaufsstart ist im April 2014. Die Markteinführung erfolgt mit den leistungsstärkeren Motoren. Der 2,0 Liter Vierzylinder TDI mit 204 PS startet später, und günstiger bei 47.500 EUR.

Dienstag, 19. November 2013

Raubkopieren - Musikkids verboten, Google erlaubt

Wenn zwei das gleiche tun, ... und so weiter.

Vor zehn Jahren hafteten Eltern für ihre Kinder. Wer beim Raubkopieren von Musik erwischt wurde, oder geraubte Musik auf Napster "teilte", für den wurde es richtig teuer. Sogar dann, wenn die eigentlichen "Täter" noch minderjährig waren. Da hielt sich die Musikindustrie an den Eltern schadlos. Die Streitwerte wurden -dem Modell Abschreckung folgend- astronomisch hoch angesetzt. Eine ganze Generation Jugendlicher wurde kriminalisiert, nur weil die Musikindustrie es nicht auf die Reihe bekam, die neuen Techniken in ein neues Geschäftsmodell zu münzen. Dieter Gorny erinnert sich sicher. Da musste erst Steve Jobs kommen..

Und heute?

Ich lese, dass Google das Recht hat, Millionen von Büchern zu scannen und über das Internet verfügbar zu machen. Ohne Rücksprache mit den Inhabern der Urheber- oder Verwertungsrechte. Ein US-Gericht ist der Meinung, dass Google da mit niemanden reden muss, Auch nicht mit ausländischen Verlagen oder Autoren.

Interessant: Der Blog von Authors Guild, einem Interessenverband von US-Autoren, Link

Sonntag, 17. November 2013

Gegendarstellung zu Bahnchef Grube's Interview im FAZ Forum

Das FAZ Magazin "Forum" veröffentlichte in der letzten Ausgabe ein Interview mit Bahnchef Grube zum Thema Nachhaltigkeit bei der Bahn. (Anm.: Um Doktortitel ging es nicht..). Anbei fasse ich seine wichtigsten Aussagen zusammen und stelle meine Gegendarstellungen gleich dahinter:

  • 2012 erwirtschaftete die Bahn das "beste Ergebnis ihrer Geschichte". Grube führt dies auf seine Strategie "DB2020" zurück. - Bahnkunden würden da andere Profitquellen nennen, wie z. B. endlose Verschiebungen bei der Erneuerung von ICEs und S-Bahnen.
  • Die Bahn stellt im laufenden Jahr 10.000 neue Mitarbeiter ein. - Ergebnis von "Nachhaltigkeit" oder Notmaßnahme, weil sich Entwicklungen wie in Mainz und Berlin nicht mehr unter dem Deckel halten lassen?
  • Den Ökostromanteil im Fernverkehr hat Grube verdreifacht und färbt die Bahncard jetzt grün. - Ja, durch Umwidmung vom Güterverkehrsstrom und durch Allokation bereits vorhandener Laufwasserkraftwerke. Dieses Laufwasser fehlt jetzt natürlich anderen Stromverbrauchern in der Bilanz. Gewonnen wurde da nichts, außer einem PR-Effekt.
  • Die beste Frage des Interviews: "Wie oft nutzen Sie selbst den ICE für Dienstreisen?" - Als Antwort würde ich jetzt erwarten: "Immer." Aber nein, der Mann hat einen Dienstwagen aus dem Premiumsegment samt Fahrer. So wie sein Kollege Homburg aus dem Bereich Personenverkehr. Grube antwortet juristisch sauber: "Wann immer es geht." - Geht halt nur nicht immer, wie Bahnfahrer wissen. 
  • Ein Hohn ist Grubes folgende Behauptung: "Im ICE ist Reisezeit Nutzzeit." - Stimmt, aber nur in der 1. Klasse. In der 2. Klasse steht man ohne Reservierungsaufschlag. Deshalb hat Grube diesen ja auch wieder verteuert.
  • "Die Bahn hatte im vergangenen Jahr vier Prozent mehr Reisende, der innerdeutsche Flugkverkehr dagegen 3,7 Prozent Passagierrückgang. Die Zulassungen von neuen PKW sind um 2,6 Prozent gesunken." - Ergänzende Info: Die Sitzplatzkapazitäten hat Grube in den letzten 10 Jahren kontinuierlich geschrumpft, das geht aus einer Grafik im aktuellen Geschäftsbericht hervor. 2013 wird die Zahl der ICE-Passagier wegen des ungeheurlichen Missmanagements während des Hochwassers an der Elbe sicher drastisch sinken. Ein viertel aller ICE Passagiere waren davon betroffen und haben die Reise im PKW sicherlich wieder schätzen gelernt. Auch wenn Herr Ramsauer nach Kräften dagegen an arbeitet.
  • "Der Erhalt der bestehenden Infrastruktur hat für uns höchste Priorität." - Aha, der Erhalt also, nicht der Ausbau. Der Bund -nicht die Bahn- investiert laut Grube gerade mal 1,4 Mrd. EUR in den Erhalt (!) eines völlig überaltertes, nicht winterfestes und nicht hochwasserfestes Schienennetzes. Die Bahn selbst investiert in den Erhalt ihrer Infrastruktur gerade mal 300 Mio EUR. Den Rest investiert sie in britische Fernbusnetze und Prestigeprojekte wie S21 und den Eurotunnel.
  • Und die Stromrechnung: 1 Mrd EUR zahlt die Bahn p.a. für Strom. Und 400 Mio für Diesel.
  • Gerade einmal 13% von 60% möglichen elektrischen Zügen speisen ihre Bremsleistung zurück ins Bahnstromnetz.
  • Die Bahn hat den CO2-Ausstroß pro transportierter Person gesenkt. Aber nicht durch den Einsatz neuer Technik, die ist ja seit 20 Jahren nicht erneuert worden. Bleibt als Maßnahme nur die Erhöhung der Packungsdichte, mehr Stehplätze also. Da können Flugzeug, Auto und Fernbus natürlich nicht mithalten, da sind Stehplätze verboten.
  • Von der neuen Bundesregierung wünscht sich Grube, dass sie die Kosten für die Infrastrtuktur übernimmt. 
In den Antworten liegt also viel Schein und wenig Sein. Eine PR-Nummer also, und da tut man PR-Profis die Wert auf Substanz legen, sehr unrecht. Aber das überrascht inzwischen ja niemanden mehr.. 

Dienstag, 12. November 2013

"ZDF heute Show" interviewt Deutsche Bank

Interviewt man die Deutsche Bank, bekommt man nicht nur Antworten. Man bekommt auch die Fragen. Aber ein PR-Verantwortlicher wie Herr Georgi, der Martin Sonneborn nicht kennt, gehört eigentlich entlassen, oder?

PS: Am Schluss kommt noch eine live Einspielung von Franz Beckenbauer, wo er sich über "Sklaven im arabischen Raum" äußert. Der FC Bayern hebt so langsam richtig ab..

Samstag, 9. November 2013

Die erste Woche nach Wiedereröffnung der ICE-Schnellfahrstrecke

Der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier. Seit Montag, 4. November ist die ICE-Schnellfahrstrecke von Berlin nach Wolfsburg wieder frei. Wir donnern wieder mit 250 über die Elbe. Hurra.

Knapp eine Stunde dauert die Fahrt "nur" noch. Man klappt den Rechner auf, erledigt ein paar Emails, korrigiert Dokumente und blättert durch die Zeitung. Und zack, schon ist man da. Kürzer als manche S-Bahnfahrt quer durch Berlin.

Allerdings, die alten Marotten der Deutschen Bahn sind auch zurück. An drei von fünf Tagen fuhr das ICE-Gespann Richtung Köln und Düsseldorf mit 20min. Verspätung ab. Der Grund: Eine defekte Weiche auf der Stadtbahn zwischen Hauptbahnhof und Zoologischer Garten.  Eine Spezialweiche natürlich, die nicht auf Lager liegt sondern in Witten (Gruß ins Ruhrgebiet ;-) gefertigt werden muss.

Ärgerlich: Die Bahn hat jeden Morgen unter "Ist mein Zug pünktlich?" vorgetäuscht, heute würde sie pünktlich fahren. Doch leider, erst im Moment der Abfahrt im Ostbahnhof erkennt die "Verkehrslenkung" in Pankow, dass der Zug noch gar nicht da ist.

Auf der Rückfahrt hat die defekte Weiche aber einen schönen Nebeneffekt. Oder sagen wir: könnte haben. Da fahren wir ab Spandau nämlich die Nordroute am Hafen entlang. Da dreht der ICE normalerweise richtig auf und statt 20 Minuten Gewürge über die Stadtbahn braucht es nur 7. Allerdings nehmen auch viele andere Züge dieser Route... und so steht man im Stau.

Mir bleibt der Vorteil im Tiefbahnhof anzukommen, wo ich Richtung Potsdamer Platz umsteige. So verpasse ich die Regionalzüge knapper als sonst, weil die 7 Minuten Umsteigezeit von ganz oben nach ganz unten entfällt.

Ach so, in der Kundenzeitung "mobil" ist mir folgendes aufgefallen: Im Impressum steht jetzt neuerdings eine Antje Neubauer. Und eine Dr. Antje Lüssenhop steht da nicht mehr. Hängt das mit den Meldungen über ihren Doktortitel zusammen (Link)?

Ärgerlich fänd ich, und das ist das was mich an der Geschichte eigentlich nur interessiert, wenn sich Herr Dr. Grube derzeit mit so etwas herumschlägt, anstatt sich um seinen Betrieb zu kümmern.

Säue, die durch Dörfer getrieben wurden

Nur mal so aus dem Gedächtnis zitiert. Nachrichten, Schlagzeilen, "Wirbel" usw. die wochenlang als Sau durch's Dorf gejagt wurden, und dann dem nachrichtentechnischen Sudden Death unterlagen:

- Der Bischoff von Limbach, Audienz beim Papst.
- Asyl für Snowden, Vernehmung in Moskau.
- Abhörantennen auf Botschaften.
- Vollständige Erfassung des Emailverkehrs, NSA.
- Nordkoreas Atomrüstung und Provokationen.
- Syrien, Giftgas.
- Lampedusa.
- Beschaffungsdilettantismus bei der Bundeswehr.
- Eurokrise.
- NSU, Skandale bei Ermittlungsbehörden.
- Deutsche Bahn. Der nächste Winter mit altem Material.

Sonntag, 3. November 2013

Ab 4.11. wieder "normaler" ICE-Verkehr zwischen Wolfsburg und Berlin

Ab Montag sollen die ICEs und ICs wieder im alten Takt pendeln. Wenn es so kommt, wenn es wirklich so kommt, ist das wie Weihnachten und Erntedank auf einem Tag. Wir Pendler sind inzwischen ziemlich müde, übermüdet. Wir freuen uns auf die Rückkehr in ein halbwegs normales Leben, in dem es auch unter der Woche noch Privatleben gibt..

Wie man hört, hat sich für Montagmorgen viel Presse am Hauptbahnhof Berlin angekündigt. Wenn es schiefgeht, haben wir dann wenigstens Zeugen.. Ich sage es nur, denn "..wie Sie es gewohnt sind.." klingt für mich eher wie eine Drohung.


"Unvermögen vor dem Tor" - Ein Besuch im Olympiastadion

Ja ja, die Doppeldeutigkeit in der Überschrift hat sich hoffentlich vermittelt. Wenn Schalke oder Dortmund ins Olympiastadion kommen, gehen wir hin. Das ist schließlich der Zweck des Wiederaufstiegs von Hertha BSC.

Und natürlich fahren wir mit der S-Bahn hin. Es geht alles normal, wir denken: weil wir ziemlich spät dran sind und die meisten schon längst im Stadion sind. Als wir ankommen, werden wir mit der natürlichen Begabung der Berliner Verwaltung für Organisationsaufgaben konfrontiert. Das halbe Stadion steht noch vor den Toren. Der Grund: Die Ordner haben quer zur Eingangsrichtung die Taschenkontrolle stationiert. Und die hier kontrollieren sind nicht die Hellsten unter den Blauen. Ist man da durch, steht man sich für die nächste Kontrolle (Kartenscan) gegenseitig im Weg.

Aber die Wartezeit wird uns von einem hackenstrammen Schalker Fan verkürzt. Er liegt auf dem Boden und schreit rum. Als die Sanis anrücken schreit er noch lauter nach einem Arzt. Zuerst dachte ich: Ein Replay von Otto Sanders Schlüsselszene ("Not in the condition to f...")?. Nein, ein ganz normaler Spieltag in Berlin. Offene Therapie ist hier genau so normal wie offener Vollzug.

Als wir endlich drin sind, läuft das Spiel schon. Trotzdem wollen wir unsere traditionelle Stadionwurst und 'n Bier.

Versuch am ersten Stand: "Bratwurst ist aus. Ham nur noch Currywurst."

Versuch am zweiten Stand: "Ja gut, dauert aber 7 Minuten." - "Ok, dann geben Se schon mal n Bier." - "Gibts nicht hier, gibts da drüben." Sie zeigt auf einen Bierstand, der gefühlt im gegenüberliegenden Strafraum liegt..

Irgendwann sind wir mit allem versorgt. Dass die Suche nach einer Toilette am Marathontor vorbei führt, lass ich jetzt mal weg.

Endlich geht es auf die Gegentribüne. Ich hatte extra Tickets am Rand des Blocks gekauft, so dass wir ruhig später kommen und ggf. eher gehen können. Doch auch hier weit gefehlt. Der Zugang von der Seite, an der unsere Plätze liegen, ist versperrt, weil der Ordner schon Feierabend und zu gemacht hat. Also ab zur anderen Seite und von dort durchquetschen.

Kaum sitzen wir fällt das 0-1 für Schalke. Yeaahh!

Spielerisch muss man weder Hertha noch Schalke groß erwähnen. Es ist ein Hin- und Hergekicke im Mittelfeld. Ein gegenseitiges Auflauern auf des Gegners Unvermögen vor dem Tor. Aber darauf ist Verlass an diesem Novembernachmittag. Schön ist das nicht.

Dann sehen wir auf der Anzeige, dass Hoffenheim gegen die Bayern führt. Yeaahh! Wenigstens etwas. Jetzt könnten sie abpfeifen.

In der Pause macht sich unser Schalker Banknachbar auf zum Bierstand. Mit traurigem Gesicht kommt er zurück: "Bier ist alle."

Liebe Schalker, nicht nur hier meint man manchmal, dass die Mauer noch steht und man selbst auf der falschen Seite. In diesem Moment schiesst Max Meyer den Ball über die Berliner Mauer an die Latte.

Die Stimmung im Stadion ist so, dass man meint bei einem Heimspiel von Schalke zu sein. Gesänge, Trommel, die Schalker machen hier die Musik. Nur als der vierte Offizielle 4 Minuten Nachspielzeit anzeigt, kommt Unmut auf. Doch die Schalker geben die richtige Antwort. In der 94. macht Julian D. alles klar. Jubel!

Auf dem Rückweg sind alle Bierstände von Schalkern belagert. Da stelle ich mich nicht an, um meine 4 EURO Pfand zurück zu kriegen. Da sehe ich von weitem eine junge Frau unter einem Schild "Pfandrückgabe". Doch noch praktisch veranlagt die Berliner, denke ich noch so bei mir. Beim Näherkommen sehe ich, dass sie permanent den Kopf schüttelt. "Ich nehme nichts mehr an, mein Geld ist alle."

Gut, ich nehme den Bembel mit nach Hause. Die S-Bahn ist voller Holländischer Schalkefans. Glauben jedenfalls ein paar Berliner, die die laut fragen, wo denn dieses "Vlaanderen" liegt, das auf auf den Kapuzenpullis der Schalker steht.. Ein kurzes Gespräch, das mit lautem Gelächter endet, klärt die Sache auf.

"Wie auch immer," ruft der Berliner, "wir Berliner freuen uns über Euren Besuch und dass Ihr hier Geld ausgebt. Wir haben es nämlich nicht so dicke, brauchen jede Hilfe und können uns keine so guten Spieler leisten." Antwort der Schalker: "Das ham wa gesehen!" Gelächter.

Mit drei Punkten im Gepäck lächelt man alles weg, ist ja klar. Trotzdem, ich komme erst wieder -wenn ich da Tickets ergattern kann- wenn die Dortmunder kommen. Am letzten Spieltag.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

"Hosted in Germany" - die neue Bankenwerbung?

Das IT-Outsourcing, also die Auslagerung der Informationstechnik und -daten eines Unternehmens an ein spezialisiertes -und in der Regel amerikanisches- Unternehmen ist seit mindestens 10 Jahren die Königsdisziplin bei den großen IT-Unternehmen. IBM (Michael Diener, Rudi Bauer, man erinnert sich.. und erschreckt sich: liefert IBM nicht auch Server..?), EDS, Accenture und wie sie alle heißen umwarben und umwerben die IT-Chefs und locken mit der Übernahme lästiger Routineaufgaben in Betrieb und Wartung und des Personals sowieso.

Banken, Netzbetreiber, Versicherungen, die staatlichen Sozialversicherungen usw. sie alle sollten ihre Kundendaten herausrücken und auf fremde Server verlagern.

Die Outsourcingunternehmen würden die "Prozesse" soweit straffen und Mengeneffekte nutzen, so dass der Betrieb von IT deutlich billiger werden müsste. Worin sonst stecken die laufenden Kosten einer Girokonto- oder Depotführung oder der monatlichen Telefonrechnung wenn nicht in der Ausführung von Rechenprozessen? Vierzig Prozent der laufenden Kosten gingen bei der Telekom vor zehn Jahren in die Erstellung monatlicher Telefonabrechnungen. So kamen die Anbieter irgendwann auf die Idee von Flatrates..  Die restlichen Kosten gingen für Strom und Personal.

Hat der IT-Dienstleister genügend Outsourcingverträge hereingeholt, beginnt er sogleich die Suche nach Kosteneinsparungen. Müssen die Rechenzentren, in denen die Girokonten von Privatkunden geführt werden, in Frankfurter Premiumlage liegen? Warum nicht "nach Kräften" in billige Länder auslagern? Und dort alle Abläufe standardisieren? Datenschutz? Pah, das sind Luxussorgen ("Auf den internationalen Kapitalmärkten... blah bläh bläh.").

Aktien großer IT-Dienstleister würde ich jetzt verkaufen. Denn mit ziemlicher Sicherheit werden Banken bald berichten müssen, bei wem und wo sie ihre Daten lagern. So schätze ich jedenfalls die gelernte Journalistin und heutige EU-Justizkommissarin Reding ein. Und dann werden sie einiges zurück holen und mit "Hosted in Germany" oder so ähnlich Werbung machen.

Gut, das macht die Konten vor dem NSA auch nicht sicher. Auch, weil Steinbrück den Zugriff des Staates so wie so eingerichtet hat und Schäuble und die EU bereit sind, diese Daten an die Briten und Amerikaner weiterzureichen.

Aber wenigstens der Gerichtsstandort wäre dann Deutschland.

Facebooknutzerin Lieschen Müller oder diese Domscheits und andere Piraten mögen sich nun aufgewertet fühlen, wenn sie sich "gruselig" vorstellen, wie Schlapphüte ihre Postings durchforsten. Doch für die ist das nur Zeitverschwendung. Die Cloud gibt es schon lange, nur halt nicht für Privatbenutzer und um von dort Musik herunter zu strömen.

Nein, es geht um Finanz- und Knowhowströme. Und sicher auch um Terrorabwehr. Übrigens glaube ich die Mär nicht mehr, man wisse nicht, was passiere, wenn man aufhöre Banken zu retten. Die Informationen über die Verflechtungen der Weltfinanzwirtschaft liegen sicherlich vor. Smiley.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Tue Gutes - aber lass Dich dafür bezahlen - Die ARD Fernsehlotterie zieht Konsequenzen

Jahrzehntelang glaubte ich, bzw. nahm stillschweigen an, es beschäftigte mich eigentlich nicht, dass die Prominenz, die für Fernsehlotterien wirbt, dies pro bono tut. Dass sie hier etwas spendet, was sie von der Fernsehgemeinde zuvor aufgenommen hatte: Vertrauen.

Wenn ein Thomas Gottschalk, ein Jörg Pa... Pilava oder eine Monica Lierhaus für die Aktion Mensch warben, dachte ich Größe zu schauen.

Bis zu dem Moment, in dem die Diskussion um das Honorar für Monica Lierhaus losbrach. Erinnern Sie sich: Nein, es waren nicht 45.000 EUR pro Jahr, sondern 450.000!

Begründet wurde dies mit der Prominenz, Bekanntheit, dem Vertrauensvorschuss seitens der Zielgruppen. Übergangen wird dabei, dass wir es sind, die diesen Leuten dieses Vertrauen geben. Und zu den Gründen, warum wir dies tun, gehört die Annahme, dass diese auch mal etwas für einen guten Zweck spenden. So wie der eine oder andere von uns auch, jedenfalls soll uns das "Vorbild" ja anregen.

Dafür bezahlen lässt sich in der Tat auch nur diese Generation von GEZ-Empfängern. Einem Wim Thoelke wäre das sicher zu blöd gewesen.

Die ARD hat jetzt beschlossen, Konsequenzen zu ziehen. Von 2014 an verzichtet sie auf den Prominentenbonus und will Betroffene als Werber einsetzen. Man darf gespannt sein, ob diese dann auch etwas dafür bekommen.