Freitag, 3. November 2023

Welche Gründe sprechen noch für Apple Geräte?

Apple meldete gestern Abend zum vierten Mal einen Umsatzrückgang. Vordergründig liegt das nur an der Schwäche des Chinageschäftes, was auch politisch begründet ist.

Naheliegender ist für mich aber, dass die zunehmenden Qualitätsprobleme bei Apples Betriebssystemen der Grund sind, warum Kunden sich entweder abwenden oder zumindest den Kauf neuer Geräte hinauszögern.

Seit mindestens zwei Major Releases der Apple Betriebssysteme gibt es massive Probleme mit dem initialen Release. 

Beispiel macOS. Um die Sicherheit vor Missbrauch und Angriffen (z. B. durch Ransomware) zu erhöhen, baut Apple immer mehr Kontrollmechanismen in macOS ein. Das betrifft die Installation von Software und den Betrieb von Peripheriegeräten über den USB-Hub. Viele User können nach einem Update ihr Zubehör nicht mehr verwenden, weil der Mac sich weigert, die angeschlossene Peripherie anzuerkennen.

Beispiel iOS: Am verbreitetsten ist die nervige Rekalibrierung des iPhone Akkus nach dem Update auf ein Major Release. Aber auch Effekte wie unerwartete Abstürze, Neustarts oder Einfrieren des iPhones werden häufig berichtet. Hier muss man vielleicht einräumen, dass der Umfang an Gerätegenerationen und Varianten zugenommen hat. Wer selber Software testet, weiß wie der Testumfang durch Varianten zunimmt. Es ist zwar kundenfreundlich gemeint, wenn man Hardware lange Jahre unterstützt. Und iPhones halten ja auch lange. (Meine Frau und ich haben seit 2008 erst vier iPhones angeschafft, die wir auch nacheinander nutzen. So nutzte ich ihr iPhone 3G nach ihrem Umstieg auf ein 5S. Heute nutzt sie mein iPhone 7. Ich benutze aktuell ein iPhone 11 von 2019.)

Ein Tiefpunkt ist aber jetzt erreicht, wenn neue iPhone 15 Modelle bereits beim Auspacken mit iOS Bugs kommen. Wenn der Akku heiß läuft und an Kapazität verliert oder andere befremdende Effekte zeigt. 

Zu Steve Job's Zeiten gab es das nicht. Da funktionierten Apple Geräte so zuverlässig als sei die Software hart verdrahtet. Tim Cook muss irgendetwas im Qualitätsmanagement verändert haben oder andere Prioritäten gesetzt haben. Was mir da zuerst einfällt ist die Phase, als Apple sehr viel über Diversity und Compliance berichtete und neue Unternehmensbereiche und Manager schuf. Heute bewirbt Tim Cook höchstpersönlich die CO2-Freiheit von immer mehr seiner Produkte. 

Alles ok, solange die Produktqualität nicht darunter leidet. Apple hat damit einen Pfad verlassen, der bisher immer die Rechtfertigung für seine höheren Preise war: Bedienfreundlichkeit und Qualität. 

Da haben Wettbewerber wie Microsoft inzwischen stark aufgeholt. 

Donnerstag, 2. November 2023

Doppelmoral und verräterische Sprache linker Antisemiten

 "Räson" entstammt dem gleichen Wortstamm wie Reason, deutet also auf Gründe, Vernunft hin. "Zur Räson bringen" bedeutete zuerst "Vernunft beibringen" und bei solchen, die eine Dummheit bewusst begingen, auch: "zurück zur Pflichterfüllung bringen" - ob er will oder nicht.

Ich glaube immer mehr, dass Angela Merkel und auch Annalena Baerbock das Wort von der "Staatsräson" im letzteren Sinne meinten. Etwa so, dass Deutschland "nun mal die Pflicht habe, Israel beizustehen, ob wir wollen oder nicht." Also abwertend auf eine rein formale Pflicht, die man auch nur rein formal einhalten müsse. Dazu gehöre zum Beispiel, die ton- und anteilslose, rein formale Aufsagung von "Staatsräson" vor Kameras und Mikros. Aber tun müsse man danach nichts. Zum Beispiel nicht in der UN gegen die Islamisten zu stimmen.

Verteidigt wird dieses verräterische Verhalten dann mit Argumenten, die man sich viel eher im Konflikt zwischen Ukraine und Russland wünschen würde: "Keine Verhandlungskanäle blockieren, Diplomatie möglich halten." Aber den meisten Fernsehzuschauern fällt so etwas gar nicht auf. 

Ebenso wie die Doppelmoral bezüglich Zivilbevölkerungen. Die gleichen Grünen und Linken, die vor einigen Jahren noch Bomber Harris gehuldigt haben, weil er "die" Nazideutschen bombardiert habe, warnen heute Israel vor Waffengängen, die "auch" die Zivilbevölkerung in Gaza treffen könne. Dabei hat Gaza prozentual mehr Hamasanhänger (Wahlergebnis 2007) als Deutschland Wähler der NSDAP hatte. 

Perfide auch, wie eingefleischte Antisemiten in SPD und Grünen die islamistischen Demos in Deutschland vernebeln. Die als Bundestagspräsidentin fungierende Bärbel Bas sagte im ZDF Berlin direkt, dass es hauptsächlich Rechtsextremisten seien, die auf Demos gegen Israel hetzten. Aber einige hätten auch Migrationshintergrund und das sei ein Hinweis, dass wir unsere Integrationsleistungen verstärken sollten.  In die gleiche Kerbe haut die angeblich liberale Muslimin Lamya Kaddor. 

Abgetaucht währenddessen sind die ebenfalls in Staatsdiensten stehenden Freundinnen der Schlepper und Islamisten, Katrin Görin-Eckardt und Cladia Roth. Sie tauchen einfach ab. Ebenso wie Annalena Baerbock, die nach ihrem Israelverrat in der UNO abgetaucht ist. Stattdessen sammelt Robert Habeck derzeit mit einem Video Punkte den letzten noch klar denkenden Bürgern in Deutschland ein. Er versagt in seinem Amt als Wirtschaftsminister zwar komplett, aber als Außenminister wäre er eindeutig das kleinere Übel als Baerbock.

Bliebe die Frage, was der Bewunderer der iranischen Revolutionsgarden und Bundespräsident Steinmeier eigentlich gerade macht. Meistens droht er uns schon bevor klar ist, ob das Feuer im Asylheim durch einen Unfall, Brandstiftung eines Bewohners oder von außen gelegt wurde. Jetzt schweigt er. Und findet einen ganz eigenen Weg, subtil seine Verbundenheit mit den Grölern der "Besatzer!" und "Kolonialisten!" zu finden: Er reiste flugs nach Afrika um sich irgendwo für unseren (!) Kolonialismus zu entschuldigen. Verstehste? Staatsräson. Pflichtsolidarität mit den "Besatzern" - dabei waren wir selbst mal welche.. Sagt er damit. Er ist der erste Bundespräsident, der zwei Staaten verrät: Deutschland UND Israel.





Mittwoch, 25. Oktober 2023

Zur Frankfurter Buchmesse

 Früher, also ganz früher, war die Buchmesse einer der intellektuellen, kulturellen deutschen Höhepunkte des Jahres. Da lohnte es sich lange wach zu bleiben, um "Die lange Büchernacht" im Fernsehen zu verfolgen. Da gab es Autoren, die etwas zu sagen hatten. Egal ob sie aus der Belletristik oder der Wissenschaft kamen. Und es gab Moderatoren, die sich zielsicher zum Kern einer Sache durchfragen konnten. Vor allem aber waren sie alle wirklich gebildet und hatten Tiefgang.

Lang ist's her.

Inzwischen sind wir in Deutschland an dem Punkt angekommen, vor dem die letzten Intellektuellen lange gewarnt hatten: Unserer Selbstabschaffung unter der Herrschaft der eitlen Dummheit.

Ich habe gerade in der FAZ (auch sie: im Niedergang) eine Rückschau auf die diesjährige Buchmesse gelesen. Und schon die Eröffnung war wohl ein mittleres Fiasko.

Das beginnt mit der Auswahl einer früheren WDR Journalistin, Mona Ameziane, als Moderatorin. Die legt die Latte dann auch gleich mal auf Grasnabe und versucht Laune in den Saal zu bringen. So wie man das als ARD Moderatorin heute halt so macht - von Sportschau bis Buchmesse: Mit einer über den Dingen stehenden, pseudokritischen "Haltung", die alles Bewegende zu einem Objekt ihrer Degradierung "auf (niedrige) Augenhöhe" macht. Und so kündigt diese dann Slavoj Žižek als letzten Redner an. Er kommt nicht nur aus dem diesjährigen Gastland Slowenien, sondern ist laut Mona der "Superstar der internationalen Philosophie".

Superstar - verstehen Sie? Popniveau. Sie brauchen sich nicht anstrengen um hier, auf der Buchmesse, mitwippen zu können. Wir legen das Niveau von uns aus schon tiefer und fordern jeden auf, zu uns herunter zu kommen.

Und dieser Superstar nimmt den Pass in die Schnittstelle zwischen Anstand (einer gebotenen eindeutigen Positionierung zu Israel) und eitler Gefallsucht gleich auf und reitet die versammelte Buchmessegesellschaft an den Rand. Indem er die Massaker der Hamas relativiert. Oder wie man heute sagt: "konzeptualisier". 

Und plötzlich geraten sie alle in Überforderung. Damit haben sie nicht gerechnet. Wir sind doch hier um die Sektgläser zu heben. Um zunächst für die Kameras der woken Influencerinnen zu posieren und dann ein bisschen unter uns zu sein. Jetzt reitet dieser Idiot für die Hamas und wir müssen uns positionieren.

Am meisten überfordert ist der Mann, dessen Pose schon beim (geschickten) Interview mit der Aspekte Moderation Salwa Houmsi missglückte. Ja, auch sie ist irgendwie nach Quoten ausgewählt. Aber sie kann einen Karriere- und Status orientierten Selbstdarsteller schlecht aussehen lassen.

Tja und so gerät gleich zu Beginn alles aus dem Rahmen und mancher fällt vom Sockel. Das missfällt nicht jedem. Eine Claudia Roth fühlt sich zum Beispiel immer wohl, wenn es weniger auf Niveau als auf Schrilligleit ankommt.

Und da sind wir beim eigentlichen Problem. Es ist eine Sippe am Ruder, die die von anderen aufgebaute Substanz hemmungslos verbraucht ohne selbst welche zu erzeugen. Man intrigiert sich in alle Funktionen, kassiert gut ab und beginnt dann mit dem Abriss. Und nennt das "zeitgemäß". Kritik, wenn sie überhaupt noch kommt, wird als Hass diffamiert und zensiert.

Und genau so läuft es derzeit in der Wirtschaft. Und in ihrem Zusammenspiel mit der Politik. 

Sonntag, 15. Oktober 2023

Israels Antwort ist nur durch seine militärischen Fähigkeiten begrenzt

Wir erinnern uns: Die Alliierten bombten Deutschland in Grund und Boden weil sie den Rückhalt des verbrecherischen Naziregimes brechen wollten. Sie nahmen alle Zivilisten in Mithaftung für eine zuvor knappe Mehrheit aus NSDAP und Zentrum (CDU Vorläufer) bei den Reichstagswahlen. 

Das Ausmaß der Verbrechen der Nazis (nicht "der" Deutschen) genügte als Rechtfertigung für ein Flächenbombardement mit Millionen ziviler Opfer. Das sah sogar Thomas Mann so, als er nach der Bombardierung seiner Heimatstadt Lübeck in einem Interview sagte, er glaube daran, dass "alles bezahlt werden muss".

Und genau so ist das heute in Gaza. Die sog. "Palästinenser" haften für die Führung die sie unterstützen oder zumindest dulden. Israel ist dermaßen von ihnen getroffen worden, dass es selbst über die Mittel seiner Reaktion entscheiden kann.

UN Generalsekretär Guterres liegt falsch, wenn er nur Israel auf völkerrechtliche Kriegsregeln verpflichtet sieht. Was die Hamas nicht tut, muss auch Israel nicht tun. Israel kann tun wozu auch immer es fähig ist.

Ich wünsche der IDF und ganz Israel einen nachhaltigen Erfolg. Und bewundere ihren Mut.

Montag, 9. Oktober 2023

Brandmauern brauchen wir nur an den Außengrenzen

 Das Festhalten der CDU/CSU an der "Brandmauer" zur AfD wird allmählich lächerlich. Es gibt inzwischen in allen Landesteilen eine Mehrheit für Schwarz-Blau, in einigen vielleicht bald auch Blau-Schwarz.

Verzweifelte Wähler, denen von Rotgrün entweder der Arbeitsplatz entzogen wird oder das eigene Häuschen energetisch entwertet wird (oder beides) könnten sich bald fragen, wozu sie noch CDU wählen sollten, wenn die ja doch nicht regieren will.

Denn die FDP liefert derzeit ja auch nicht und fließt aus den Landtagen. Da wirkt eine Stimme für die FDP schnell als verschwendet. 

Den meisten Deutschen geht es ja noch gut, und sie fürchten sich nur vor der Zukunft, die Rotgrün ihnen bescheren will. 

Aber wer bereits Existenzsorgen hat, wer arbeitslos wird, wer die Zinserhöhung nicht mehr tragen kann, wer seine energetische Sanierung nicht stemmen kann - oder bei dem Bank den Wertverlust gegen die Restschuld verrechnet und dann mal anklopft (denkt an Subprime), der wird künftig nicht mehr lange fackeln und direkt AfD wählen.

Die CDU hat so viel bei der AfD abgeschrieben, zuletzt übrigens die Abschaffung der Grunderwerbssteuer in Hessen, macht sich mit "Brandmauern" lächerlich. Das Punktesystem für Einwanderer, die Abschiebung illegaler Einwanderer, den Stopp der Terrorfinanzierung im Nahen Osten, das sind alles Forderungen aus der Gründerzeit der AfD.

Brandmauern brauchen wir nur an unseren Außengrenzen. Und zwar sofort.

Razzien brauchen wir bei den Transfergeldempfängern der SPD Klientel. Sprich: Fatah (kein Witz: die sind offizielle Juso-Partner), Hamas, Hizbollah und ihre Vorfeldorganisationen, die von Claudia Roth und dem Frauenministerium protegiert werden.

Es wird Zeit, Herr Merz! Tear down this firewall!

Mittwoch, 4. Oktober 2023

Unterschätzt den Shut-down nicht

Der drohende Shut-down in den USA wird in unseren Medien immer als eine Art Tag ohne Müllabfuhr dargestellt, also eine Art Streik von oben. Sogar Markus Koch sagte kürzlich, die Wallstreet würde darüber einmal die Stirn runzeln und dann weiter machen.

Aber er wäre viel mehr als das. Die USA wären in dem Falle zahlungsunfähig. Denn streng genommen wäre dann auch kein Geld mehr für Zinszahlungen und Tilgungen. Das Rating müsste abgestuft werden und der Leitzins in den USA würde weniger von der FED als vielmehr von den Anleihemärkten bestimmt. Mächte, die dem Dollar eh ans Leder wollen, würden diese Chance zu nutzen versuchen.

Es wäre auch das Ende der großzügigen Rüstungen der USA an die Ukraine und womöglich das schnelle Ende des Krieges.

Sind die EU Kommission und der Rat auf etwas derartiges vorbereitet? Verstehen sie überhaupt was gerade passiert und was droht?

Montag, 2. Oktober 2023

Douglas Murray erklärt das Motiv der "woken" Westenhasser

Woher kommt der plötzliche Selbsthass im Westen? Woher der Hass auf all die Errungenschaften der westlichen Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur?

Eine Generation, die so viel erbt wie keine vor ihr, die einen technischen Stand und materiellen Wohlstand erlebt wie keine vor ihr, rastet angesichts dessen aus und verweigert ihre Pflichten. Und mehr: sie organisiert die Zerstörung all der Werke von denen sie zehrt. Während sie selbst kaum etwas konstruktives zustande bringt. Die zuschaut, wie Nachbarn und bisherige dritte Welt Länder aufsteigen.

Die mehr Rechte genießt und ein Minimum an Diskriminierung aber trotzdem dauernd von Kolonialisierung labert und Statuen westlicher Denker und Macher stürzt. Die sich an gebührenfreien Hochschulen einschreibt und dann nichts besseres zu tun hat, als die Leute, die ihnen diese Hochschulen finanzieren morgens auf dem Weg zur Arbeit zu blockieren. Die für eine Verflachung von Film und Musik gesorgt hat, aber Suppen auf Gemälde und Farbeimer aufs Brandenburger Tor schmeißt.

Woher kommt dieser Hass auf sich und das eigene Land?

Douglas Murray beschreibt in seinem Buch "Krieg dem Westen" ("War on the West") einen Erklärungsansatz, den er beifällig in Dostojewski's Werk "Die Gebrüder Kamasarow" gefunden hat: Sie kennen das Gefühl der Dankbarkeit nicht. Sie kennen das Gefühl nicht, etwas geschafft zu haben und zu wissen, dass sie das sohl der eigenen Anstrengung als auch den günstigen Gelegenheiten in ihrer Umgebung verdanken. 

Sie sehen nur andere, die etwas aus ihren Talenten und Gelegenheiten machen. Und das erzeugt in ihnen die destruktivste Kraft, die es in einer Zivilisation gibt: Missgunst.

Sie streben nicht danach, aufzuholen. Sondern danach, die anderen zu ihnen herunter zu reißen. Sie suchen Schuldige an ihrer Situation und faseln etwas von "Gerechtigkeit". Und "Dekolonialisierung". Sie durchsuchen eBooks nach Schlüsselworten wie Sklaven, Neger oder "hell" und "dunkel" und tun anschließend so, als hätten sie Literasturanalyse betrieben.

Wir haben mindestens eine Generation verwöhnt, in denen wir es ihnen zu leicht gemacht haben. Sie kennen Wohlstand nur ohne Anstrengung. Und wissen nicht, dass dieser Wohlstand erarbeitet ist. Wir haben die Elementarerfahrung aus der Sozialpolitik und Kindererziehung jetzt als Massenphänomen: Gibst Du einem Kind eine Tafel Schokolade weiß es nicht Deine Großzügigkeit zu schätzen, sondern wirft Steine nach Dir werfen, wenn Du irgendwann damit aufhörst. Grüne und linke Sozialpolitiker begründen die immer weiter steigenden Sozialtransfers nicht mehr mit Nothilfe sondern mit "Teilhabe", die inzwischen Kino und iPhone mit einschließt.

Sie denken sich unfassbar dumme und flache Theorien aus und finden sogar in den Hochschulen Gehör. Da werden Mathematik und klassische Musik als Instrumente der weißen Vorherrschaft tituliert. Da werden Zitate mit Positionen verwechselt und Fiktion mit Wissenschaft.

Wie kann man diese irre Entwicklung stoppen?

Murray empfiehlt, ihnen bei jeder Gelegenheit ins Gesicht zu sagen: Für Deine Misere gibt es nur einen Schuldigen: Dich!

Donnerstag, 28. September 2023

Die Hochrüstung der Ukraine als künftiges Sicherheitsrisiko

 Wir rüsten die Ukraine hoch als gäbe es kein Morgen. So wie früher die Mujaheddin in Afghanistan (gegen die Sowjets) und den Irak (gegen den Iran). Wir wissen, was später daraus wurde: Weil beides instabile Staaten sind fielen die Waffen später Terroristen in die Hände, die sie gegen uns benutzten.

Nun ist die Ukraine kein islamistisch geprägter Steinzeitstaat. Aber eine stabile Demokratie gemäß Aufnahmekriterien in die EU ist sie auch nicht. Dafür reichen ein Blick in die jüngste Geschichte. Aber auch die letzten 200 Jahre liefern hierfür Argumente.

Da alle NATO Staaten Waffen an die Ukraine liefern, die sie zur Niederringung eines zahlenmäßig überlegenen Gegners braucht, hat die Ukraine inzwischen ein Best Of NATO-Waffen in ihren Arsenalen. Und sie muss noch nicht mal etwas dafür zahlen. Weil ihr Präsident diese Waffen unentwegt aggressiv einfordert. Der frühere ukrainische Botschafter Melnyk beleidigte deutsche Politiker sogar, wenn diese sich Zeit zum Nachdenken vor der Lieferung nahmen. Melnyk selbst gehört dem rechtsextremen politischen Lager der Ukraine an, das gerne an den Patriotismus der Landsleute appelliert, während er selbst lieber in Berlin wohnte und seinen Sohn nachzog, so dass der hier ein Studium beginnen konnte - das ihn bis heute vor der Einberufung an die Front schützt.

Und dann ist der bis heute unaufgeklärte Anschlag auf die Nordstream Gasröhren. Hier führen Spuren in die Ukraine.

Und drohte Selenskyi nicht neulich Polen, als diese sich weigerten ihren Agrarmarkt für ukrainisches Getreide zu öffnen? Weil sie an die Abmachung erinnerten, dass der Landweg durch Osteuropa nur eine Ersatzroute für den Hafen in Odessa sein soll, solange die Rissen hier scharf schießen? Ein Widerwort genügte und Selenskyi drohte Polen mit "Vergeltung".

Nein, ich traue der Ukraine nicht mehr. Wir dürfen höchstens stets nur so viele Waffen liefern, wie wir sicher sind, dass die Ukraine sie auch verbraucht - und nicht in eigenen Arsenalen sammelt für spätere Pläne, zu denen sie sich dann als neue Großmacht in Europa inspiriert fühlen könnte.

Dienstag, 12. September 2023

Was mich an 9/11 heute irritiert

 Doch, es machte Sinn, sich gestern zum x-ten Male eine Dokumentation von den Anschlägen des 11. September 2001 anzuschauen. Auch wenn sie bei Bertelsmann, d. h. n-tv, lief.

Denn bekanntlich verstehen wir Geschichte nicht in dem Moment, in dem sie passiert. Sondern nach Jahren, oder Jahrzehnten, wenn wir mehr Kontext haben und einige Folgen beobachten konnten.

Und so war ich seit 20 Jahren hin- und hergerissen. Um die Jahrtausendwende war ich ein großer Fan von Amerika. Ich war 1998 zum ersten Mal dort gewesen, 1999 zum zweiten Mal. Und 2im Herbst 000 habe ich dort geheiratet. Als 9/11 passierte hatten meine Frau und ich schon Flugtickets nach New York gebucht, keine drei Wochen später sollte es los gehen.

Ich arbeitete bei Big Blue und war erfüllt vom Rausch des Internets und der Technologiebörsen. Die Welt schien uns offen, die Möglichkeiten so groß wie seit 100 Jahren nicht. Und dann kamen die Söhne eines abergläubischen Höhlenmenschen und zerstörten uns alles. Indem sie die Kräfte des Westens gegen sich selbst lenkten, eigene hatten sie nämlich nicht.

Komischerweise hatte ich schon im April 2001 eine Vorahnung über die kommenden Zeiten gehabt, ohne dass ich sie selbst besonders ernst nahm. George W. Bush war gerade im Amt, da brachte ein US Kampfjet ein chinesisches Flugzeug im chinesischen Flugraum zum Absturz. Als ich das abends in den Nachrichten sah dachte ich: "George W. Bush werden wir noch in olivgrüner Uniform erleben." Fünf Monate später war es soweit. Allerdings nicht in einer Frontstellung gegen China. Und nicht als Angreifer.

Ich erinnere mich an ungezählte Gesprächsabende mit Freunden im Kaffee Einstein in der Kurfürstenstraße, an Themenabende in der American Academy (mit Richard Clarke und Peter Frey), Lesungen mit US-Autoren (Franzen, Eugenidis, Auster). Und an eine Überschrift auf einer US Newssite. Ein Zitat von Hillary Clinton: "The president knew what?"

Dann kamen die Analysen, die Theorien. Die Behauptungen, die Türme seien gesprengt worden, die CIA sei mindestens eingeweiht gewesen, wenn sie es nicht gar gelenkt habe. Damals wurde der Begriff "Verschwörungstheoretiker" populär. Das kritische Denken kam im Wesen aus der Mode. Wie eigentlich alles, was zu verteidigen unsere Regierungen seitdem immer wieder vorgeben, während sie es abschaffen.

Von M. Bröckers gab es ein Buch, in dem er nachweisen wollte, die Türme hätten nicht durch die Last der Flugzeuge und deren Brände einstürzen können. Es gab sogar eine ZDF-Sendung über dieses Thema.

Was mir gestern aber zum ersten Mal ins Auge sprang war dies: Wie konnten die angeblich nur in Simulatoren und Sportflugzeugen trainierten Terroristen mehrere Passagiermaschinen auf Reiseflughöhen  in ihre Gewalt bringen und im Sturzflug korrekt in eng begrenzte Ziele lenken?

Das sind Manöver, die eine höhere Präzision als ein Landeanflug unter technisch erschwerten Bedingungen erfordern. Wie kann man da auf Anhieb drei Treffer landen (2 Türme und das Pentagon)? 

Wikipedia schreibt dazu:

Im Mai 2000 erhielten die ebenfalls als Piloten vorgesehenen Atta, Al-Shehhi und Jarrah ihre Einreisevisa für die USA. Unmittelbar nach ihrer Ankunft in den USA im Juni 2000 besuchten Atta und Al-Shehhi eine Flugschule in Florida und erwarben schließlich im Dezember 2000 ihre Berufspilotenlizenzen, die sie zum Führen von Flugzeugen mit einem Gesamtgewicht von 5,7 Tonnen und zur Beförderung von maximal 9 Passagieren berechtigte. 
Ziad Jarrah besuchte zeitgleich ebenfalls die gleiche Flugschule in Florida. Er kehrte jedoch zwischenzeitlich nach Deutschland zu seiner in Bochum lebenden Freundin zurück und besuchte eine Flugschule im nahe gelegenen Mülheim an der Ruhr, um dort weitere Übungsstunden zum Erwerb einer Privatpilotenlizenz zu absolvieren.[96] 
Im Anschluss an die Lizenzerteilungen begannen die Attentäter das Training am Simulator für Passagierflugzeuge. Jarrah und Handschur buchten Übungsflüge mit Kleinflugzeugen im Raum New York und Washington, D.C., um Flugrouten, Luftverkehr und Topografie kennenzulernen. Es folgten zahlreiche Erkundungsflüge nach Los Angeles und Las Vegas. 

Persönliche Notiz am Rande: Ich bewegte mich im Jahr 2000 zwischen ähnlichen Orten wie einige der Terroristen. Ich wohnte in einer Nachbarstadt von Mülheim an der Ruhr und hatte einen Projekteinsatz in Hamburg (dem Wohnort der Terrorzelle, in dem Olaf Scholz Innensenator war). Unsere Urlaubsreisen führten 1999 und 2000 nach New York. 

Nennt mir ein weltgeschichtliches Großereignis, in dem verdeckte, staatliche Agenten keine große Rolle gespielt haben. Nimm Putsche, nimm Terroranschläge. Sollten die Anschläge des 11. September das erste Ereignis dieser Dimension sein, das ohne Zutun oder auch nur Mitwisser staatlicher Stellen stattfand?

Donnerstag, 7. September 2023

Nach getanem Werk ist leichter Abschied

 Wenn Softwareprojekte live gegangen sind dauert es bei mir oft nur ein oder zwei weitere Releases, bis ich es als getanes Werk betracht. Sagen wir, sobald die letzte große Benutzergruppe "am Netz" ist und die gröbsten Fehler ausgebügelt sind.

Danach fällt es mir merkwürdig leicht, mich davon zu verabschieden. Im Kopf dachte ich immer, es seien zufriedene Anwender, die mich motivieren. Aber inzwischen glaube ich, es ist die geknackte Nuss, die mir die innere Befriedigung verschafft. Das nächste Projekt ist ja immer etwas größer oder schwieriger, und deshalb ist da immer eine Unsicherheit, ob man es denn schaffen werde. Und diese Unsicherheit zu überwinden ist für mich der erlösende Moment. 

Wenn ich auf dem TE-Gelände unterwegs bin, treffe ich manchmal Anwender von "früher". Oder einer von den ersten Anwendern stellt mich an der Kaffeebar einem anderen Anwender vor. "Ach, Du bist das?" höre ich dann oft. Und immer auch einen Kommentar zu der Anwendung selbst. Was gefällt, was nicht. Natürlich ärgere ich mich über Dinge, an die wir auch noch hätten denken können, und die nicht viel gekostet hätten. Aber eigentlich ist das Perfektionismus. Und den versuche ich mir seit Jahren abzutrainieren.

Mich interessiert schon länger ob es anderen auch so geht. Und immer wieder höre ich es in Interviews mit Sportlern und Künstlern entweder direkt oder indirekt heraus, dass auch sie diesen Effekt haben. Musiker werden nicht gerne auf alte Stücke angesprochen. Sportler nicht auf frühere Erfolge. Jedenfalls solange sie alle noch aktiv sind. Später, im Ruhestand, sprechen manche dann doch gerne darüber. So wie man hin und wieder gerne alte Fotos schaut. Man erneuert dann seine Identität mit früheren Werken, baut sie in die eigene Lebenslinie ein und sucht nach dem roten Faden.

Kann man diesen Effekt auch vergrößern und aufs ganze Leben beziehen?

Ich hatte ja geschrieben, dass mir der Abschied von Verstorbenen leichter fällt bei denjenigen, die ein erfülltes bzw. aktives Leben hatten, und mit denen ich im Reinen war, und es deshalb beurteilen konnte. Das Leben als die Summe aller Werke und die Reflexion darüber. Und natürlich die Summe aller Genüsse und Leiden.

Aber die Summe aller Werke. Wenn wir das, was wir abschließen einen Anfang hatte, unseren Beitrag und ein sinnvolles Ende, dann kann man es leicht beenden und ins Regal stellen. Könnte so auch das Gefühl sein, wenn das eigene Leben zu Ende geht?

Donnerstag, 31. August 2023

Das allmähliche Verschwinden der Heimat

Wenn nahe stehende Menschen sterben unterscheiden wir zwischen "davor" und "danach". Wir hatten vor etwa zehn Jahren, im Unglücksjahr 2013, einen regelrechten Schub. Da starben Großeltern, Onkels, Tanten aber auch Cousinen.

Jetzt scheint der Sensenmann wieder durch die Reihen zu gehen. Erst vorigen Sonntag waren wir zu einer Beerdigung in Gelsenkirchen. Die Eltern und Freunde waren immer ein Grund, ins Ruhrgebiet zu fahren. Aber so wie wir unsere Verwandten überleben geht es auch den alten Freunden. Und inzwischen gibt es die ersten, die gar keine Verwandten mehr im Ruhrgebiet haben.

Uns wird bewusst, dass es auch uns irgendwann so gehen wird. Dann kommen wir nicht mehr her. Dann fahren wir vielleicht einmal an Dortmund oder Gelsenkirchen vorbei und erinnern uns, das das mal unsere Heimat, unser Lebensmittelpunkt war. 

Ähnliche Gefühle hatte ich schon beim Anblick des abgerissenen RWE Hochhauses in Essen. Ich weiß noch, wie ich am 2. Mai 1996 hier meinen ersten Berufstag als Ingenieur antrat. Zwar kannte ich es schon aus meiner vorherigen Zeit als Werkstudent. Aber jetzt dachte ich: "Und das werde ich nun 40 Jahre machen?". Die vor mir liegende Zeit schien mir unendlich, unermessbar. Jetzt habe ich schon drei Viertel dieser Zeit hinter mir. Und sie schien mir nicht lang, weil fast dauernd etwas los war. 

Ich blättere zurück in meine Fotosammlung und sehe meine Eltern in meinem heutigen Alter. Ich sehe mich mit 20 oder 30 und halte mich da aus heutiger Sicht noch für ein Kind. Wie ambitioniert und obrigkeitshörig ich war. Wie lange ich brauchte, um vom Mitschwimmen zum Schwimmen in die eigene Richtung zu kommen. 

Und wie jung mir überhaupt Verwandte erscheinen, die ich damals für erwachsen und mitten im Leben hielt. Heute weiß ich von den meisten, wie passiv sie doch eigentlich durchs Leben gegangen sind. 

Umso heller strahlen die wenigen, die wirklich Spuren hinterlassen haben. Auch diese verwischt die Brandung im Sand allmählich. Aber sie waren zumindest mal da. Und es gab Leute, die da mitgemacht hatten, die es gesehen und anerkannt hatten. 

Mit diesen wenigen habe ich mich fast immer gut verstanden. Wir haben uns oft ausgetauscht. Und irgendwie entwickelten wir ähnliche Haltungen zum Leben. Man muss es nutzen, es selbst zu lenken versuchen - es greifen auch so schon genug andere ins Steuer. Und stolz sein auf alles was man gegen die Strömung schafft. Wir wussten und wissen es. Wir leben bewusst und schöpfen. 

Und irgendwann wussten wir um unsere eigene Sterblichkeit. Zunächst ein Schock, dann eine Art Befreiung. Dann kommt der Tod als der große Bruder des Schlafes.

Diese Menschen kann ich relativ leicht gehen lassen. Wenn da nichts Ungesagtes mehr gesagt werden wollte. Wenn man voneinander wusste. Ich kann dann ganz bewusst, und nicht so sehr überwältigt, Abschied nehmen. 

Am Sonntag verstand ich zum ersten Mal, warum es Trauer"Feier" heißt. Die beste Ehefrau von allen gestaltete den Tod ihres Vaters so, dass sie ihn noch einmal, in aller Sanftmut und mit den richtigen Klängen, hoch leben ließ. Das war würdig und schön. 

Natürlich verstand das nicht jeder. Und natürlich wissen die meisten Verwandten und Bekannten auch in höherem Alter immer noch nicht, was Würde und Anstand sind, was es heißt, aktiv zu leben. Ich habe mich früher immer gefragt, ob es diese Leute nicht auch in anderen Verwandtschaften gibt. Warum ließt man sie nie bei Hermann Hesse zum Beispiel? Heute weiß ich es: Man versaut sich nur den Tag und das eigene Erleben, wenn man sie wahrnimmt. 

Und so verließen wir am Sonntag unsere Heimat und sahen sie im Rückspiegel wieder etwas blasser werden.

Mittwoch, 16. August 2023

Zwei gern gehörte Experten sind zu früh verstorben

Am 03. August verstarb "langer und schwerer Krankheit" die Börsenjournalistin Katja Dofel. Sie wurde nur 52 Jahre alt. Ich erfuhr es auf dem Account ihres langjährigen Weggefährten Markus Koch. Sie gehörte zu den Journalisten, die mir Ende der 90er Jahre die Börse beigebracht haben. Ich sah sie bis vor kurzem genauso regelmäßig wie Markus Koch, Jens Korte und Anja Kohl.

Sie war eine sympathische Expertin, in meinem Alter und mir nur über die Medien vertraut. Deshalb ging mir die Nachricht von ihrem Tod nahe. Ich hatte mich einige Tage vorher mal halb bewusst gefragt, was sie eigentlich macht. Denn schon seit längerem war sie von der Bildfläche verschwunden. Und dann diese böse Nachricht.

Eine andere Todesnachricht ereilte mich gestern. Stefan Tilkov ist vorigen Donnerstag gestorben. Er war Mitinhaber einer IT-Dienstleistungsfirma (INOQ). Mir war er seit über zehn Jahren als sehr kompetente und angenehme Stimme in Heises Podcast "SoftwarearchitekTour" vertraut. Er war der erste, von dem ich fundierte Informationen über die Bedeutung von IT-Architekturen hörte und lernte. Auch er war in meinem Alter. Anders als Katja Dofel erwischte es ihn wohl mehr oder weniger aus heiterem Himmel.

Mich berührt das, weil ich beide einseitig kannte, weil sie gut waren, und weil sie in meinem Alter waren. Nichts schützt einen davor, dass es einen früh erwischt. 

Wieder einmal werde ich still. Mögen sie in Frieden ruhen.

Sonntag, 6. August 2023

Improvisation als Ausgangspunkt für Karrieren

Bei Walter Röhrl waren es die zu kleinen Radkästen seines Rallye Fiat 131. Bei Larry Mullen jr. das fehlende Geld für einen Schlagzeuglehrer. Und bei Jürgen Klopp war es zu wenig Zeit für eine Vorbereitung als Trainer. Um nur einige zu nennen. Alle drei machten aus einer Not eine Tugend und genau diese machte später die Unterschiede, die ihre Karrieren begründeten:

Walter Röhrl erkannte, dass er die Kurven nicht so anfahren konnte wie alle anderen, um entweder mit einem Powerslide oder einer Drift möglichst schnell durch zu kommen. Fiat Ingenieure hatten Räder und Radkasten nicht aufeinander abgestimmt und so blieb ihm nur ein sehr eingeschränkter Lenkwinkel. Er hätte das akzeptieren und als Entschuldigung für ausbleibende Erfolge nehmen können. Aber er tat das Gegenteil, er entwickelte einen alternativen Fahrstil: Die Ideallinie, bei der möglichst geringe Lenkwinkel benötigt werden. 

Larry Mullen Jr. offenbarte anlässlich seiner Auszeichnung für sein Lebenswerk durch seinen Schlagzeugausrüster Yamaha, dass er Schlagzeug nicht wie jeder andere gelernt habe, weil er keinen Schlagzeuglehrer hatte. Das habe bewirkt, dass bei ihm zwischen ersten Inspirationen für einen Song und dem späteren Werk nicht der Filter für das üblicherweise "Machbare" liege. Hätte er eine Schlagzeugschule besucht, wäre er so nie an den Song "Sunday, bloody Sunday" herangegangen.

Und Jürgen Klopp erzählte im Podcast "Hotel Matze", dass er völlig ohne Vorbereitung plötzlich Trainer wurde. Er sei zunächst so verunsichert gewesen, dass er ständig bei ihm bekannten Trainern angerufen hätte um sich Rat zu holen. Bis er die Erkenntnis hatte, er wolle keinen Mix aus ihm bekannten Trainern entwickeln sondern einen eigenen Stil. Geholfen habe ihm der Rat eines Trainers, dass die Unsicherheit am Anfang normal sei. Das wichtigste für seine Mannschaft sei aber, dass er so wirke als wisse er was er tue. Man müsse eh dauernd entscheiden, was man im Trainingsprogramm weglasse, niemand aber wisse, ob dies aus bewusster Taktik oder Unwissenheit passiere ;-).

Ich glaube, dass uns in Sport, Kunst, aber auch im Ingenieurwesen diese Fähigkeit zum zuversichtlichen Improvisieren fehlt. Wir sind auf Perfektionismus, vor allem aber auf Fehlerlosigkeit getrimmt. Achten ständig auf Rechtfertigbarkeit unserer Arbeit und sichern uns ab. So entsteht aber nichts Neues, jedenfalls nichts großartig Neues. Die Arbeit bleibt so ohne Unterschrift.