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Freitag, 4. August 2023

Meine Filmkritik zu "Oppenheimer" (Aktualisiert)

Vielleicht kann man heute schon sagen, dass die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts das vorläufige Allzeithoch menschlicher Fähigkeiten gewesen ist. Aber auch das Allzeittief. 

Die Entdeckungen, Entwicklungen und Schaffenskräfte in Wissenschaft, Kunst und Technik sind bis heute noch nicht ganz verstanden. Und leider verlieren wir allmählich auch die Fähigkeiten, sie vollends zu verstehen. Weil wir, zumindest im Westen und vor allem in Deutschland, dabei sind, Willen und Leistung zu diffamieren. Dazu gehört es, sich grundsätzlich auf den niedrigsten gemeinsamen Nenner einigen zu müssen und alles in einfacher Sprache ausdrücken zu sollen.

Und damit bin ich bei meiner rein persönlichen Kritik an dem Film "Oppenheimer", den wir gestern im Cineplex Kino in Berlin Spandau gesehen haben.

Denn auch dieser leidet darunter, mit viel "Haltung" und Spektakel auf viele Likes aus zu sein, aber dabei auch Wahrhaftigkeit und Qualität zu opfern.

Aber nähern wir uns dem Ganzen vom Groben ins Feine. Die Berliner Humboldt Universität war einmal, man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, das Labor der hellsten Geister aus Wissenschaft und Literatur. Etliche Nobelpreisträger, deren Portraits man im Foyer der Universität hängen, zeugen davon.

Was Einstein, Heisenberg, Planck, Schrödinger, Bohr und andere in Berlin und anderswo entdeckten, modellierten, entwickelten, testeten, interpretierten war in kurzer Zeit so viel Stoff über das Verständnis der Beschaffenheit unserer Welt, dass wir bis heute dabei sind, es zu verstehen und Nutzen daraus zu ziehen.

Die Gegenwart der Wissenschaftler war aber leider auch von der Dynamik in einer anderen Disziplin geprägt: politischen Ideologien als neuem Motiv oder auch Vorwand für imperialistische Kriege. 

Und so griffen die Machthaber in Deutschland, den USA und der Sowjetunion sogleich nach den Wissenschaftlern um ein Wettrennen um Atombomben und Raketen zu starten.

Man muss sich das klar machen: Die Grundlagen für die prägendsten Leistungen der Menschheit, die Atombombe und die Mondlandung, wurden in Berlin entwickelt. Die Umsetzung erfolgte aber in den USA (und der Sowjetunion).

Die USA profitierten zweimal von Deutschland: Während des Krieges nahmen sie geflüchtete Wissenschaftler aus Deutschland auf. Nach dem Krieg griffen sie Forschungs- und Entwicklungsergebnisse als Siegermacht aus den deutschen Laboren ab. Wernher von Braun wechselte vom V2-Programm in die NASA und bereitete den Weg zum Mond.

Aber davon handelt der Film von Christopher Nolan nicht. Nicht ganz. Sondern von dem Projektleiter und Atomphysiker Robert Oppenheimer in Los Alamos. Der Zwiespalt zwischen dem Reiz der Erkenntnis und der Verantwortung für den Missbrauch der Wissenschaft wurde bei uns schon in der Schule gelehrt, wo wir in den 80ern "In der Sache Robert Oppenheimer" lasen. Und schon damals war es die Stunde derjenigen, die es in Mathe und Physik nicht so weit brachten, die sich dann aber groß hervortaten, angehenden Physikern und Ingenieuren schon mal ihre moralischen Grenzen und Pflichten aufzeigen zu wollen. Unser linker SoWi-Lehrer verstieg sich zu der Bemerkung, die Mondlandung habe dem Normalverbraucher nur die Teflonpfanne gebracht. 
Dieses Niveau haben wir heute in Deutschland ja im XXL-Format.

Regisseur Nolan nimmt aber nicht exakt diese Richtung sondern passt sich noch mehr an unsere Zeit an. Denn seine Botschaft lautet:

Du sollst Deine Fähigkeiten nicht in den Dienst der bösen Russen stellen. Und: Du sollst den Weltfrieden nicht als Wirkung einer Sicherheitsarchitektur und Abrüstung betrachten sondern als Wirkung einer einzigen Supermacht mit Atomwaffen: Uns!

Denn die Russen kommen immer mit einer Verführung. In den 30er und 40er Jahren war es der Kommunismus (übrigens auch eine deutsche Erfindung). Und was man heute kaum noch weiß: Stalin hatte seine ersten Regierungsjahre dem Marketing der roten Ideologie gewidmet, indem er Moskau als Vorzeigegesellschaft herausputzte. Er beutete russische Städte und annektierte Länder aus um die Welt mit einem Schauspiel in Moskau zu täuschen. Inmitten von Armut, Hunger, Mangel gab es ein Moskau, dem es an nichts fehlte, das sogar glänzte. Journalisten, Intellektuelle und auch Wissenschaftler ließen sich davon blenden und anstecken (Filmtipp: "Red Secrets" von 2019).

Und so gab es auch in den USA kommunistische Bewegungen, die via neu gegründete Gewerkschaften auch helle Köpfe gewannen. So auch einige der Atomphysiker in amerikanischen Universitäten. Oppenheimer flirtet immer wieder mit dieser Ideologie und ihren Protagonisten und zieht keine harten Linien gegenüber nahe stehenden Personen. Weil er die Völker als Bewohner der gleichen Welt denkt und nicht nach ihren Regierungen und Systemen unterscheidet, ist ihm irgendwann die Nicht-Zündung einer Atombombe wichtiger als der Gewinner im Rennen um ihre erste Realisierung zu werden. Der Film wirft die Frage auf: Wenn die Sowjets auch fähig sind, eine Bombe zu bauen. Von wem haben sie das Knowhow? Hat Oppenheimer ein doppeltes Spiel gespielt? Oder jemand aus seinem Projekt?

Oppenheimer diskutiert mit Einstein und anderen die Frage. ob die Zündung einer genügend starken Atombombe, namentlich der Wasserstoffbombe, so außer Kontrolle geraten könnte, dass sich am Ende die ganze Atmosphäre entzündet. Wenn so, sei das ein Grund, sie nie zu bauen. Und so periodisiert er auch nicht Edward Tellers Vorschlag, von der Kernspaltungs- zur Fusionsbombe zu wechseln. Und auch das wird ihm später negativ ausgelegt.

In der Schule hörten wir die Botschaft: "Wenn Du unbedingt Physiker oder Ingenieur werden willst, werden wir Dir aber genau auf die Finger schauen. Im Zweifel solltest Du Deine Arbeit einstellen. Oder sie zumindest für die linke Sache einsetzen."

Die Botschaft von Nolans Film ist: "Bedenke das Wohl des Planeten und lasse Dich nie mit den Russen ein. Wenn die Regierung Dein Projekt sponsert, bestimmt sie auch, was sie mit den Ergebnissen Deiner Arbeit macht. Und die Russen sind die Bösen." Und als Resume: Ohne Oppenheimer hätten wir heute nichts, womit wir die bösen Russen in Schach halten können.

Aber der Kampf gegen die Sowjets war gar nicht Oppenheimers ursprüngliche Motivation. Sondern der Kampf gegen die Nazis, denn Oppenheimer war Jude. Und nach der Kapitulation Deutschlands versiegt Oppenheimers Motivation, die Bombe jemals zu zünden. Aber er wird unter Druck gesetzt und macht weiter. 

Von der "Sache Robert Oppenheimer" zu "Oppenheimer" verschiebt sich also die Botschaft von "Die Bombe an sich ist schlecht und die Wissenschaftler sind Schuld" hin zu "Gegen die Russen ist die Bombe  nicht so schlecht."

Leider blendet der Film viele der interessantesten Fragen gänzlich aus:
  • War der Einsatz von Waffen gegen die Zivilbevölkerung nicht schon damals ein Kriegsverbrechen? (Die Frage wird im Russland-Ukraine Konflikt auch diskutiert.). Inwieweit dürfen Völker für ihre Regierungen bzw. Diktatoren haftbar gemacht werden?
  • Hat der Einsatz zweier Atombomben durch seine Anschauung und abschreckende Wirkung langfristig mehr Menschenleben gerettet als er in Japan gekostet hat?
  • Welche Schuld haben die USA insgesamt durch Bomben auf Zivilbevölkerung auf sich geladen?

Gibt es irgendetwas Neues oder Reizvolles, was den Besuch eines Kinos für diesen Film rechtfertigen könnte? Ich meine: Nein:
  • Nichts rechtfertigt die Dauer von 3h. Ich habe sie als Zumutung empfunden.
  • Keine visuellen Effekte, die das Verständnis von der Zündung einer Atombombe weiter vertiefen. Man hat das so schon gesehen (auch wenn man anerkennen muss, dass Nolan hier auf Computeranimation verzichtet hat und stattdessen eine reale Explosion mit analogen Mitteln gekonnt in Szene gesetzt hat.).
  • Dass die Mc Carthy haften Repressalien Oppenheimers auf der Rache eines gekränkten Wissenschaftsfunktionärs beruhten, wusste ich noch nicht. Diese Erkenntnis nehme ich allerdings als neu mit.
  • Inquisitionen, Verhöre, Drangsalierungen hat man im Film schon x-mal gesehen. 
Meine Empfehlung:
Wen der Stoff interessiert (insbesondere das spannende Projektleben in der Cowboyartigen Stadt Los Alamos) ist mit der Serie "Manhattan" besser bedient.

PS: Interessantes Interview mit Charles, einem Enkel von Robert Oppenheimer: TIME

Donnerstag, 27. Juli 2023

Wissenschaft und Politik

Ab dem Moment, in dem eine Regierung ihre Machtausübung mit "der Wissenschaft" begründet, sind die Wissenschaftler in diesem Land nicht mehr unbefangen sondern gelenkt.

Das gilt ganz offensichtlich für Wissenschaftler, die direkt vom Staat oder regierungsnahen Organisationen finanziert werden, wie z. B. die Stiftung Wissenschaft und Politik, die vom Bundeskanzleramt finanziert wird (Quelle). Man darf hier plausibel von einer direkten Setzung von Themen und Bewertungen ausgehen.

Die zweite Stufe der staatlichen Lenkung besteht darin, bestimmte Forschungsthemen zu setzen und zu finanzieren, und andere nicht. Dies lenkt Forschungsaktivitäten sofort auf diese Themen und erzeugt blinde Flecken bei nicht finanzierten Themen. 

Forscher, die einmal Begründungen für Regierungsentscheidungen geliefert haben, werden dafür mit Prominenz belohnt. Ich vermeide bewusst den Begriff "Reputation", denn diese bezieht sich ja auf Anerkennung innerhalb der Fachwelt. Aber diese ist durch das Regierungshandeln inzwischen zweitrangig geworden. Der prominente Forscher dominiert nach dem Lob von der Regierung sein Metier und richtet andere, konform gesinnte oder finanziell abhängige Forscher nach seiner Linie aus.

Bekannte Forscher hierfür sind Drosten, Kemfert und Schellnhuber.

Je konformer und opportunistischer aber die Forschung danach wird, desto höher wird das Potenzial für eine neue Reputation durch qualifizierten Widerspruch. Wer sich traut, regierungstreuen Forschern zu widersprechen, sobald er belastbare Befunde oder Kritik an Interpretationen bestehender Beobachtungen hat, erarbeitet sich einen neuen Ruf. 

Beispiele hierfür sind Streeck und Sinn (ifo).

Es können Situationen entstehen, in denen die Regierungslinie und die ihnen zustimmenden Wissenschaftler nicht belegte Befunde und Bewertungen zum Stand "der Wissenschaft"erheben und die von konformen Massenmedien hierzu Zustimmung Volk erzeugen. Das ganze wird dann zu einer Wissenschaft, in der Erkenntnisse nicht mehr bewiesen und verteidigt werden müssen, sondern per Mehrheit entstehen.

Wissenschaftler, die an den hohen, bewährten Standards von Wissenschaftlichkeit festhalten, werden über kurz oder lang zu Dissidenten. Und nutzen irgendwann Chancen, ins Ausland zu gehen. So dass die Konzentration von konformistischen Wissenschaftlern im eigenen Land immer weiter zunimmt und die Qualität der Forschung abnimmt.

Ein subtile Form von Widerstand oder Kritik unter Forschern ist es, der Regierung nicht zu widersprechen, sondern "weiteren Forschungsbedarf" anzumelden und möglichen Zuspruch zur Regierungslinie nur anzudeuten. So antwortete mir ein Informatikprofessor für Geodaten einmal vor zehn Jahren auf die Frage, ob der menschengemachte Klimawandel inzwischen belegbar sei mit: "Die Zahlen geben das nicht her."

Somit spaltet sich die Wissenschaft in Forscher, die Zahlen, Daten und Fakten liefern und ihre Ergebnisse einander kritisch bewerten und solche, denen die Kritik anderer Forscher egal ist und die auf Parteien und Medien setzen. 

Die gleiche Spaltung droht der industriellen Forschung und Entwicklung. Natürlich gibt es die Unternehmen, die von der Regierungslinie profitieren. Die sogar vorher als Lobby auf die Regierung eingewirkt haben und sogar politische Gruppen aktivieren können (#MarchForScience #LetzteGeneration).

Beispiele hierfür: Habeck, Graichen, Spahn, Biontech, von der Leyen, Pfizer, Braun

Mutig auch hier die Unternehmen, die weiter in die Zukunft schauen und weiterhin auf belastbare Wissenschaft setzen. Sie wissen, man kann auf Lügen und Propaganda keine Produkte setze kann. Man kann zwar böswillig an gutgläubige Kunden verkaufen. Aber nur solange bis der Betrug sichtbar wird und das Gebäude zusammenbricht.

Beispiele: BMW (Technologieoffenheit), eFuels Hersteller

Die Politik entwertet somit einen ganzen Berufsstand. Und zwar genau den, mit dem Deutschland vor und nach zwei Weltkriegen sich einen guten Ruf und einen hohen Wohlstand erarbeitet hatte. Es gibt Leute, die daran nicht teilnahmen und die es kaum erwarten können, die Bildungs- und Leistungsträger endlich fallen zu sehen. So eine Verwahrlosung und Charakterlosigkeit gab es nicht einmal unter den Stalinisten..

Mittwoch, 24. Mai 2023

Was ist wissenschaftlich?

 Ein Vorteil von LinkedIn gegenüber anderen Netzwerken ist: Bei politischen Diskussionen kann man sofort nachsehen, welchen Beruf ein Protagonist oder Diskutant hat.

Und siehe da: Der Zuspruch zu den Plänen von Robert Habeck ist umso höher, je niedriger die Fachkompetenz ist. Habeck bekommt Widerspruch von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Zuspruch bekommt er von Verwaltungs- und Politikwissenschaftlern, "Contentmanagern", PR-Beraterinnen und Leuten, die ihren Berufsabschluss lieber verbergen.

(Übrigens: Genauso interessant ist die Verfolgung der Berufsausbildung von Managern deutscher Softwarefirmen im Automobilsektor: Alles Maschinenbauer.)

Die Fachfremden haben keine Hemmungen, Habeck zuzustimmen. Sie verstehen sich ja als politische Menschen und "Betroffene". Die gleichen Leute hatten aber in den Coronadebatten kein Problem, alle als Schwurbler zu denunzieren, die keinen Doktor in Medizin haben.

Umgekehrt mischen wir Techniker und Naturwissenschaftler uns ja auch in politische Diskussionen wie den Ukrainekrieg. Und begründen es damit, dass wir ja mit Fakten und eigenen Schlüssen argumentieren. Die Geisteswissenschaftler in meinem Bekanntenkreis runzeln immer ihre Stirn,  wenn ich dann in Frage stelle, ob Geisteswissenschaften überhaupt Wissenschaften sind. Denn schließlich hantierten sie ja nur mit Artefakten und menschlichem Handeln. Und die Fakten liegen ja alle auf dem Tisch, oder? Eine Woche lang eine Zeitung lesen ersetzt ja Studium und Beruf, nicht wahr?

Nein. Ich habe es nach dem 11. September, in der Finanzkrise, in der Flüchtlingskrise aber auch damals bei der NATO Nachrüstung immer wieder so erlebt, dass ich schnell nicht mehr mitreden konnte, wenn sich die Profis die Argumente und Referenzen um die Ohren hauten. Für die Beurteilung der wahren US-Strategie in der NATO, den Rachegelüsten arabischer Gesellschaften, den Zusammenhängen zwischen Geostrategien und Volkswirtschaften ist so komplex, erfordert so viel Hintergrundwissen über den Unterschied zwischen Bewiesenem, Interpretiertem und Behauptetem, dass ich oft sagen würde. Diskutiert Ihr das mal aus, ich vertraue Euch und delegiere meine Stimme an Euch. Natürlich entmündige ich mich damit auch selbst. Aber würde ich selbst abstimmen, wäre das eine zufällige Stimme.

Ich bin damit also nahe bei der Wahl von Mittelsmännern und weit weg von Volksabstimmungen und direkter Demokratie.

Genauso weit weg von der eigenen Kompetenz sind aber auch die, häufig jungen, Leute, die fehlende Kompetenz ganz bewusst durch Meinung ersetzen. Die mit den Mächtigen (nicht den Widersprechenden) mitlaufen und Meinungsminderheiten angreifen. Die selbst unter Bildungsmangel leiden und es nicht wissen, weil man den Dummen nicht klar machen kann, dass sie dumm sind.

Unsere Regierungen haben jahrelang die Bildungsstandards heruntergefahren und die Angriffsflächen für Ängste gezüchtet. Es gibt in ihrem Sinn nun berechtigte Ängste, über die die Ungebildeten gelenkt werden sollen. Und es gibt berechtigte Ängste der Gebildeten, die gezielt als Phobien denunziert werden.

Wo die Intelligenz schweigen muss, damit sich die Dummen nicht provoziert fühlen, wird am Ende ein Totalitarismus herrschen, wie in "1984" vorgezeichnet.

Wenn die grüne Bundestagsabgeordnete Emilia Fester nichts vom Reichskanzler Bismarck weiß und es "witzig" findet, dass der nach einem Hering benannt wurde (!), und über die eigene Dummheit nur kichern kann... dann wissen die Gebildeten, wohin die Reise geht. Die Drahtzieher wissen das und es ist Teil unserer Demütigung, dass sie wissen, dass wir es wissen. So war das in der DDR auch: Verdummungspolitik ist bei der Intelligenz machtlos, aber die Demütigung liegt darin, dass die Kampagne in diesem Wissen trotzdem stattfindet, als Demonstration der Staatsmacht.

Wenn es opportun ist, rufen die Dummen natürlich trotzdem "die Wissenschaft" auf und veranstalten einen "March for Science", um für die Impfpflicht zu demonstrieren. Ein Jahr später wollen sie von grüner Gentechnik aber immer noch nichts wissen, weil es "Teufelszeug" ist.

Wer in den Krisen der letzten 15 Jahre immer schön Beweismittel gesammelt hat (Screenshots) wird spät rehabilitiert werden. Im Moment der Aktualität nützt es einem gar nichts gegen das Regierungsgetöse. Aber einige Jahre später gewinnen diese Beweise an Wert. Die Täter wissen das und denunzieren die eigene Überführung als "Nachtreten". Aber das zeigt nur, wie groß ihre Angst ist.

Es zeigt aber auch, und damit zurück zum Anfangsthema, wie schwierig es ist, heraus zu arbeiten, was gewesen ist oder was aktuell der Fall ist. Eine saubere Beweisführung erfolgt wie in einem Kriminalfall: Was ist wirklich passiert? Was könnte das Motiv gewesen sein? Wem nützt es? Wer kommt als Täter oder dessen Auftraggeber in Frage?

Und die Qualität, die hier gefordert ist, kann man m. E. auch als wissenschaftlich bezeichnen.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Nobelpreis und Buchmesse

Die  Nobelpreisvergaben und die Frankfurter Buchmesse sind immer noch zwei Ereignisse, auf die ich mich im Herbst freue. Das ist aber mehr alte Gewohnheit. Da gab es früher immer gute Artikel und Beilagen in den großen Tageszeitungen. Man konnte ein Wochenende durchlesen und verstehen. Man konnte versinken, abtauchen in andere Welten.

Heute sind entweder meine Ansprüche gestiegen oder das ganze ist verflacht. Die FAZ beschreibt die Nobelpreise immer noch sehr ausführlich schon am nächsten Tag. Und auch so, dass man das Wichtigste versteht - was haben die Preisträger gemacht und warum hat das die Wissenschaft weitergebracht? Aber ich lese es seit einiger Zeit immer mit dem Hintergedanken daran, an wen die in den letzten Jahren Friedensnobelpreise und Literaturnobelpreise vergeben haben. Da war der Eindruck entstanden, der Nobelpreis gehöre jetzt auch zu den Substanzen, die von einer neuen Generation substanzloser Moralisten missbraucht und verschlissen werden.

Um so mehr freute mich gestern der Literaturnobelpreis für Peter Handke. Ich habe zwar kein Buch von ihm zu Ende geschafft. (Vielleicht wurde er mir einfach nur zu früh aufgezwungen in der Schule.) Dafür habe ich das eine oder andere frühere Interview von ihm in Erinnerung. Und dass er mal für die Serben Partei ergriff. Damals war das für mich ein Zeichen dafür, dass die Linken sie auch nicht alle stramm haben. Wie konnte er nur? Aus intellektueller Überheblichkeit? Oder war er der erste, der verstanden hatte, worum es den Serben eigentlich ging..? Ich bin hier auch in manchen Fragen zu einer "Neubewertung" gekommen.

Dann aber wieder Kommentare in der Art, "dann sollten sie zum Ausgleich wenigstens den Friedensnobelpreis an Greta vergeben". Sollte das passieren, interessiert mich diese Veranstaltung endgültig nicht mehr. 

Ähnlich die Buchmesse. Deutsche Nachwuchsautoren haben ja schon lange nichts mehr mitzuteilen. Wenn man die eine oder Rezension liest oder Berichte von Lesungen und sog. Festivals und "Literaturtagen" in der Wannsee Villa oder anderswo, dann überkommt einen nicht einmal mehr Mitleid. So viel Nabelschau und wortreiche Leere gibt es glaube ich in keinem anderen Land. Aber es passt andererseits zu den Leuten, die mir in der U-Bahn und S-Bahn gegenüber sitzen. Oder die man auf Veranstaltungen sieht, wenn man sich doch mal überwindet, hinzugehen (Danish hat da gerade sehr schön von seinem Besuch der Berlin Foto Week geschrieben: Link :-).

Ich lese seit langem nichts mehr, was mich nicht in irgendeiner Weise berührt. Deshalb kommen die "Gabentische" in Buchhandlungen meistens nicht in Frage für mich. Ich muss mich durchwühlen, suchen, sporadisch lesen, um mal einen Treffer zu landen. Auch zu den großen Themen Wiedervereinigung, Europa, den Verfall unserer intellektuellen Substanz, zündende Beiträge zu Forschung und Technik.. von unserer Seite: nichts.
Auch Fachliteratur: von deutscher Seite: fast nichts.

Und so nehmen Nobelpreis und Buchmesse allmählich Plätze ein wie Weihnachten und Silvester. Man macht es halt, es war ja mal schön. Aber die eigene innere Struktur ist längst darüber hinweg.

Dienstag, 16. April 2019

Die "schwarze Sonne"

Jeder hatte ja so seine eigene, aber gelenkte, Vorstellung von schwarzen Löchern. Meine entstand Ende der 70er, als ich "Mondbasis Alpha1" schaute:



Faszinierend.

Und jetzt haben wir ein echtes Foto von einem. Erstaunlich, zu was wir heute in der Lage sind.



Die Bestätigung einer hundert Jahre alten Theorie.

Wir sollten lernen, diese Beweglichkeit von Raum und Zeit in unser alltägliches Weltbild einzubauen.  Es gibt so etwas wie "Ereignishorizonte", die Welten trennen. Es gibt Singularitäten, in denen alles auf die Spitze getrieben ist.

"Wann stürzen wir in das schwarze Loch unserer Galaxie?" fragte eine Moderatorin von Bayern 2. "Keine Sorge. Zum Glück gibt es die Mechanik der stabilen Kreisbahn, so wie unsere um die Sonne."

Die Linken machten nur Witzchen über das Foto. Weder sahen sie etwas Besonderes darin, noch brachte es sie irgendwie zum Nachdenken.