Montag, 12. November 2018

Scaled (Fr)Agile

Mit einem Tropfen Öl kann man so und so viele Liter Trinkwasser vergiften. So ähnlich ist das mit dem "Firnis der Zivilisation", der ausgerechnet von Linken wie Wolfgang Schäuble betont wird, wenn man über Weltkriege spricht. Firnis ist der farblose Schutzanstrich, der den wahren Kern zwar zeigen aber auch schützen soll.

So ähnlich ist es aber auch mit agilen Methoden für die Softwareentwicklung. Es funktioniert nur, wenn alle eine positive, eigene Motivation haben.

Weder funktioniert es mit Leuten, denen man jeden Tat jede Woche sagen muss, was sie als nächstes tun sollen. Das müssen sie selbst erkennen. Sie müssen auch von sich selbst wissen, welche der Aufgaben im Arbeitsvorrat sie am besten umsetzen können. Wenn der Rhythmus aus Sprints und Meilensteine nicht anspringt und läuft wie ein 12 Zylinder sondern man in jedem Arbeitstakt auf die Einhaltung des Taktes achten muss, wird es nicht laufen.

Wenn Du 10 Product Owner mit Epics versorgst, und sie haben Rückfragen, die sie nie in der Gruppe sondern nur unter 4 Augen zu stellen wagen, ist Dein Zeitkontingent für die Woche schnell verfrühstückt.

Ja, man darf einwenden, dass es auch an mir liegen könnte. Dass ich die Episch nicht klar genug beschreibe. Die Trennlinie der Verantwortung liegt in der Tiefe: Ich beschreibe von allem den Umfang und das gewünschte Verhalten. Einzelheiten der Umsetzung müssen mit dem Architektenteam und/oder dem Technikteam auf Kundenseite besprochen werden.

Und wo wir gerade Missverständnisse aufklären: Der Sprint Review ist keine Verkaufsveranstaltung. Nein, sie ist nicht DIE Gelegenheit, sich von anderen Product Owner abzugrenzen. Sie ist der Ort an dem Du vor "Mächtigen" die Wahrheit sprichst -als Teil eines Teams.

Und hey, Kundenrepräsentanten: Sprint Review ist auch nicht der Ort, über Arbeitszeiten und Überstunden zu diskutieren.

Was sagst Du? Nein, mich interessiert nur, dass alles rechtzeitig fertig wird. Wann die Teams etwas beginnen, ist Prio 2.

Wenn Du dem Projekt signalisierst "Hey, ich lasse mich gerne als Hipster eines coolen Startups feiern und präsentiere gerne in Turnschuhen und T-Shirt, dann signalisierst Du den Entwicklern: Ich bin ein Teil von Euch. Vision und Ziel sind alles, Hierarchie und Druck ist etwas für Ewiggestrige."
Und wenn Du dann beim ersten Status "Nicht erreicht" sofort nervös wirst, weil Du nicht einschätzen kannst, wie kritisch das jetzt ist, dann solltest Du besser beim vertrauten Schmerz bleiben.

Denn was Du mal eben heraus posaunst das kannst Du nur schwer wieder zurücknehmen. Das bleibt dann uns überlassen. Die Sandwichposition gibt es auch in der agilen Welt.

Montag, 5. November 2018

Novemberspaziergang

Der 9. November ist ja in unserer Geschichte mehrfach belegt. Etwas aus dem Blick geraten ist uns der Matrosenaufstand von 1918. Die Deutschen waren kriegsmüde und ihrer unfähig-großmäuligen Herrschaft überdrüssig bis zum Exzess (klingt vertraut?).
Die OHL hatte Kaiser und Volk lange hingehalten und die drohende Kriegsniederlage verheimlicht ("Wir schaffen das.").


Als sie es dann doch nicht schaffte, empfahl sie dem Kaiser, die Regierung dem Parlament zu übertragen. Aus dem "Wir schaffen das." wird schnell ein "Ihr schafft das." Ein "Wir haben jetzt keine Zeit für lange Debatten." denn "Sie sind jetzt nun mal hier.".


Ludendorff, der sich im Feld verzockt hatte, lenkte den Kanzler zu Friedensverhandlungen und distanzierte sich später von dessen Taten. Er wähnte sich vor anderen "im Felde unbesiegt" so wie Merkel heute nicht weiß "was ich ändern sollte".

So sind sie und so waren sie schon immer, die Staatsmänner und -frauen, die ihr Volk zu opfern bereit sind, um in die Geschichte einzugehen: Großmäulig, pflichtscheu und verräterisch.
Reichspräsident Ebert war übrigens aus dem gleichen Holz geschnitzt: Immer zum Verrat bereit, wenn es der Gunst durch die hohen Herren dienen könnte.



Zurück zum Matrosenaufstand: Der britische Philosoph Thomas Hobbes entwickelte die Theorie des "Naturrechts auf Selbsterhaltung". Ob sich die Kieler Matrosen und Arbeiter auf ihn beriefen, weiß ich nicht. Aber sie lebten seine Theorie.

Und wir könnten es heute auch, wenn ich mir Merkels Politik so anschaue.. Aber vielleicht müssen wir erst noch ein bisschen Material anlegen.

Freitag, 2. November 2018

Sa sdarówje!

Freitag. Der schönste Tag der Woche (wie man am Rhein sagt :-) )! 
Einerseits: Was, schon wieder eine Woche rum? Andererseits, puh.

Wir hatten in Schweden einen Workshop "unter uns". Sozusagen zur Begradigung all der Missverständnisse um unsere Plattform, um die Vorgehensweisen, um Rollenspiele. Früher hätte ich gesagt: "einheitliche Sicht" auf die "Prozesse" und "Aufgaben".



Vor allem aber: Besser kennen lernen. Endlich kennen sich alle ein bisschen besser und hören auf, einander beeindrucken und sich absichern zu wollen. Aber hey: Wir sind ja alle erst vor ein paar Monaten zusammen gekommen. Und haben schon etwas erreicht. Aber man muss bedenken, dass das Zusammenwachsen so vieler Leute aus fast allen Kontinenten Zeit braucht.

Interessant dann auch die Abendgespräche. WIe gut verstehen sich Russen mit Ukrainern wirklich? Inder mit Pakistani, Mexikaner mit US-Amerikanern? Gut, wir sind unter Entwicklern, Nerds. Und Du kannst alle sofort mit einer Spielkonsole mehr begeistertn als mit einem Themenabend über Politik. 
Aber alle Verhalten sich eher so, wie es m. E. auch nur geht: An der Oberfläche bleiben. Hier und da eine Anspielung. Aber dann: Nasdarowje!

Ein ukrainischer Kollege ist in der Stadt aufgewachsen, die früher Trägerraketen und Flugzeugträger für die Sowjetarmee gebaut hat. Es sei eine Zeit gewesen, in der Forscher 10x so viel verdienten, wie Direktoren im Verwaltungsapparat. Deshalb habe auch er diese Richtung einschlagen wollen. Dann aber, nach der Auflösung der UdSSR seien alle Guten sofort abgehauen. Und die Firmen mussten wegen Fachkräftemangel schließen. Deshalb wurde das alles nach China verkauft…
Ich erzählte ihm vom Stahlguss an der Ruhr, der auch nach China verkauft wurde. Und er hob sein Glas und sagte "Sa sdarówje".
Tja, und auch bei Volvo kennt man den chinesischen Weg ja inzwischen besser als man je wollte.. Es ist kein Zufall, dass wir keine Chinesen in unserem Projekt haben.

An solche Abende werde ich mich später erinnern. Die Erlebnisse der Privatleute sind doch anders als die veröffentlichten Meinungen. Und wieder einmal denke ich an „DIe Welt von gestern“, die Weltbühne usw. Bevor alles zusammenbrach glaubten sie sich auf einem niemals endenden Fortschrittspfad.

Die Russen verstehen an Angela Merkel nicht, warum sie die Schleusen geöffnet hat. Sie kennen die tschetschenischen Terroristen. Eine russische Kollegin wollte sogar partout weg aus Dänemark, weil sie es dort nicht mehr ausgehalten habe, wie „die da“ die Stadt verwahrlosen.

Und während wir in einer Wikinger Kellerbar so sprechen predigt mein heimischer Präsident den Chemnitzern seine Moral. Und wie die tagesschau schreibt: Er winkte, aber keiner reagierte. Warum wohl..?
Warum fährt er nach Chemnitz und nicht nach Freiburg? Wo sich sogar die „linksautonoment Betreiber des Clubs White Rabbit“ über das aufdringliche Verhalten der Flüchtlinge beschwert haben“ (FAZ(. Ich frage mich: Beschwert? Bei wem denn (diese Nazis..)?

Diese Zeit bietet Stoff für etliche Essays, Romane, Blogposts. Man braucht nur einen Rückzugsort, an dem man zur Besinnung kommen kann.

Ich bin einen Tag eher als die Kollegen zurück gereist. Ich habe mir gedacht, den Freitag nutze ich. Alle außer Haus und ich kann in aller Ruhe meine Planung aktualisieren. Keiner, der zur Tür reinplatzt und eine tiefe Frage hat. Es könnte der schönste Tag der Woche werden :-)

Freitag, 26. Oktober 2018

Gedanken am schönsten Tag der Woche

Halloweenwoche. Herbststürme fegen das letzte gelbe Laub von den Bäumen.  Der Weg am Landwehrkanal, auf dem entlang ich nach Feierabend zu Fuß Richtung U-Bahn laufen kann, ist leer. Keine Jogger und Hundebesitzer mehr. Der Regen fliegt waagerecht gegen meinen Schirm. Nach diesem trockenen Sommer genieße ich sogar den Regen. Den Geruch von Laub. Dass dass Wetter zur Jahreszeit passt.

Es war ein guter Freitag. Sprint Review Freitag. Und es war "das bis jetzt beste Review". Wir kriegen das Board gebootet und können jetzt die seit langem fertigen Komponenten darauf flashen und testen.  Man freut sich wie ein Kind, wenn nach dem Boot unser Testbild auf dem Display erscheint. Wie damals, als wir im WDR Fernsehen Computerclub geguckt haben und danach unbedingt einen Akustikkoppler zum Laufen bringen wollten.

Eine Sache komplett zu beherrschen ist ein gutes Gefühl. Man fühlt sich fähig und weniger abhängig von anderen. Innere Sicherheit gibt Freiheit.

Ich biege ab in die Marchstraße, Richtung Ernst-Reuter-Platz. Und komme vorbei an einem Start-up Event. Sektglasempfang. Das kann kein "richtiger" Startup-Empfang sein. Es sieht mehr nach Verwaltung aus, die Startup spielt. Der ausgehängten Agenda entnehme ich, hier geht es um "Coaching- und Förderangebote des Senats für junge Gründer". Ach so. Das einen Tag nachdem der grüne Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt mit Siegfriedstolz verkündete, Google aus Kreuzberg vertrieben zu haben.

Ich fühle den Abstand zu den Achtzigern. Ich bin auf dem Weg ein alter, weiser Mann zu werden. Helmut Kohl rief einem linken Störer mal zu: "Ja, sie bestreiten das. Sie bestreiten ja alles. Nur nicht ihren Lebensunterhalt." Heute spricht er mir damit aus der Seele. Diese Linken und Grünen kennen das Gefühl nicht, ein Board zum Booten zu bringen. Etwas aus eigener Kraft zum Laufen zu bringen. Etwas zu schaffen, was von Wert ist, weil andere bereit sind dafür Geld auszugeben.

Ich gehe weiter und überlege, was die Mitarbeiter der PTB-Außenstelle in ihrer schönen Villa auf ummauerten Grundstück hier wohl erleben? In dieser Ecke von Charlottenburg. Mit der TU Berlin, dem Heinrich-Hertz-Institut und anderen Instituten war mal eine Hochburg von Forschung und Entwicklung. Hier wurde Spitzentechnik geschaffen. Der Senat ließ sich vor zehn Jahren von einer Mc Kinsey Beraterin namens Kathrin Ruder erklären, dass Berlin mal Gründerstadt war und es wieder werden könnte. Die SPD hat seitdem etwas weniger verhindert, dass Leute hier Unternehmen gründen. Michael Müller, regierender Bürgermeister, ist sogar Sohn eines Druckereiunternehmers. Aber er hat nichts davon abbekommen. Aber in den Bezirken wo die Grünen regieren, wie Monika Herrmann in Kreuzberg, da laufen sie jedesmal Sturm gegen neue Unternehmen und neue Wohnungen.

Der Gehweg wird schmaler. Wir müssen uns die 2,50m mit rasenden Radfahrern teilen. Irre. Warum fahren die nicht auf der Straße?

Am TU-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz dann herrscht Wochenendstimmung. Wenige Studenten sind noch hier um diese Zeit, aber die Verwaltungsangestellten machen Feierabend. Ich stelle mir vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich im Herbs 1989 tatsächlich hier angefangen hätte zu studieren. Ich war zu bequem, um es gegen die Gegenredner durchzuziehen. Ich will über die heutigen Studenten nicht schärfer richten, als ich damals selbst bereit war, Entscheidungen zu treffen. Ich muss aber mal meine Kamera mitnehmen um vom obersten Stockwerk des Hochhauses ein paar Fotos aufzunehmen...



Tja, der Board-Bringup. So einfach und doch so kompliziert. Alle Treiber müssen passen, alles muss zu allem passen. Unser Architekt nennt das "hardware-agnostisch". Ja klar :-)

Meine Aufgabe ist es ja eher, die 300 Features und Enablers zusammen zu halten, damit wir die Entwicklungsarbeit der elf Teams sinnvoll planen und niemand wegen einer nicht erfüllten Abhängigkeit blockiert ist. Wenn die Product Owner etwas nicht verstehen, z. B. weil sie neu sind in der Eingebetteten Welt, kommen sie zu mir und fragen nach Details, nach den Geheimnissen der "Verticals". Guter Witz. Ich kann auch nur beschreiben, wozu das System anschließend in der Lage sein soll. Aber mit den Einzelheiten von Komponenten kenne ich mich nicht aus. In den Kommentaren von Jira und Confluence führe ich gefühlt endlose Debatten. Darüber, dass Entwicklungsarbeit nicht nur aus Programmierung besteht, sondern auch der Planung. Wenn Ihr etwas nicht wisst, dann besteht der erste Sprint darin, es zu eruieren und dann zu planen. Man muss von sich selbst abstrahieren können, die eigene Gruppe aus der Metaebene betrachten können. Und aus dem Nichts eine Planung und dann Implementierung schaffen. Ist das nicht das Wesen eines Startups?

Mich halten diese Fragen nach den Details von meiner eigentlich Arbeit ab. Von der Vorausplanung, der Anregung von Innovationsworkshops. Wozu wollen wir übermorgen in der Lage sein? Eine Plattform zu planen ist nicht dasselbe, wie sich neue Apps auszudenken, die von den Features einer Plattform Gebrauch macht. Ich verstehe inzwischen besser, worin die Leistung eines iOS besteht. Wie Du aus den Ankündigungen der Hardwarehersteller Potenziale für die eigene Plattform ableiten musst. Du stellst Dir die Endbenutzer vor. Szenarien, Use Cases. Probleme, mit denen die Anwender zu lernen gelernt haben, aber die morgen lösbar werden.

Und wenn wir einem Feature zustimmen, was müssen wir Appentwicklern bereitstellen, um sie zur bestmöglichen Endnutzererfahrung zu befähigen?

Diese wichtigen Ideen, Geistesblitze, Dialoge, innere Monologe, Diskussionen mit Architekten. Die entstehen immer nur zwischendurch. Zwischen zwei anderen eng geplanten Meetings. Manchmal entstehen sie auch zu Hause, unter der Dusche oder beim Rasieren.

Innerlich sträube ich mich dagegen, mit soziologischen Debatten und Befindlichkeiten von Entwicklern ("ich will was anderes machen!") befasst zu sein. Warum spüren sie nicht selbst die Sehnsucht nach der Weite der Meere und wissen, was zu tun ist?

Mir dauert das immer zu lange und ich fühle mich nur aufgehalten. Genau so wie von unserer immer noch nicht flutschenden IT-Infrastruktur. Ich rase innerlich, wenn während einer Videokonferenz unser WLAN zusammenbricht oder der Confluence Server für die Erfassung des Protokolls streikt. Diese tausende "Can you hear us?", die Dich völlig aus Deiner Konzentration bringen. Die den Gedankenfluss abreißen lassen und Du findest nie wieder zurück zu was zum Greifen nah war. "I think we are running out of time." sagt der Projektmanager dann und wieder ist eine Gelegenheit, unsere geballte Kompetenz für eine gute Idee zu nutzen, vergeben.

Ich habe es über die Bismarckstraße geschafft. Diese Baustelle hier mit den hässlichen Absperrungen nimmt auch kein Ende. Wann sieht Berlin endlich mal so aus, wie es sich alle wünschen - ohne Baustellen. Es ist dunkel geworden, wir schreiten zur U-Bahn. Die Treppe ist voller rutschigem Laub.   Das ist der Herbst. Das Dröhnen der einfahrenden U2 wird lauter. Wir müssen sprinten. Aber wir schaffen es. Wochenende!

Montag, 1. Oktober 2018

Komplett vertikal!

Agile Vorgehensweisen für große Softwareprojekte nennt man auch "Scaled Agile". Es drückt die Hoffnung aus, das was im kleinen Projekt gut funktioniert, "skalieren" zu können.

Eine besondere Spezialität entsteht, wenn man "skaliert agil" Software für eingebettete Systeme entwickeln will. D. h. wenn man sich auch um die Hardware kümmern muss. Prozessoren, Speicher, Board Support Package etc. müssen entweder spezifiziert werden oder bei einem Zulieferer angefordert werden.

Und weil das immer noch zu einfach ist, darf die Hardware nicht "zu früh" verfügbar sein. So dass man sich mit Ersatzhardware begnügen muss.. 

Gut, denkt der Product Owner. Dann müssen wir eben einplanen, dass wir nicht alles immer sofort komplett testen können. Wohl aber entwickeln wir trotzdem"complete vertical". Und "hardware agnostic". 

"Sounds good, doesn't work."
Donald Trump

Moment, sagt der Zulieferer: Einen festen Termin für die Hardwarelieferung geben wir Dir aber nicht. Wir sind ja auch auf Zulieferungen angewiesen. Und der von Euch benannte Lieferant hat Produktionsschwierigkeiten.

Wenn das so ist, sagt dann der Endkunde, dann überlege ich mir noch mal, welche Hardware ich von wem brauche. Und wenn wir schon sprechen, können wir ja auch den Releaseplan noch mal besprechen.

Fragt der Product Owner: Wogegen soll ich planen, wenn Ihr sogar die Termine beweglich haltet, zu denen wir die Zielhardware bekommen sollen?

Antwort: Seit doch froh, wenn Ihr mehr Zeit bekommt.

Ja schon. Aber drei mal drei Monate dazu zu bekommen ist nicht das gleiche wie von Anfang an 9 Monate zu haben. Wir laufen drei mal Spurt statt einmal Marathon. 

Komplett vertikal verstehe ich inzwischen so: Mit den Füßen stehen wir in der Hölle und spüren die Hitze. Mit dem Kopf sind wir über den Wolken und mit den Händen greifen wir nach den Sternen.

Aber noch ist alles möglich...

Freitag, 21. September 2018

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
... 
Rilke

Heute soll der Sommer endgültig enden. Pünktlich, bevor das Wochenende beginnt. Begonnen hat er ja um Ostern herum. Der "große Sommer". Der vor allem trocken war und jetzt von grünen Agitatoren im Bundestag als Kronzeuge für ihren Gründungsmythos missbraucht wird.

Ich habe heute Morgen das Video einer Bundestagsrede von Katrin Göring-Eckardt über mich ergehen lassen. Sie ist eine Frau, die sich wie eine gereifte Grundschullehrerin kleidet, als erste Barriere für Gegenredner. Die dann aber um sich schlägt wie ein hysterisches Weib, dass seinen aufgestauten Frust entladen muss. In einer Tonlage, die schwer erträglich ist. Und die uns nicht verschont mit ihrer evangelischen Doppelmoral, in der die Schwerverbrecher aus dem Hambacher Forst "Aktivisten" sind, und die aufgebrachten Regierungsgegner in Sachsen "Arschlöcher". Später entschuldigt sie sich für ihre Flegelei und vollendet ihre Pose der unangreifbaren Religionslehrerin, der eben auch mal die Gäule durchgehen. Bei sich selbst bezeichnet sie das als "Leidenschaft", bei Andersdenkenden als "Extremismus".

Sie verknüpft Themen, die nichts miteinander zu tun haben:
- Die Dürre bezeichnet sie als Erwärmung.
- Die Dieselfahrverbote verbindet sie mit dem Dieselskandal. Dabei sind es nicht die neuen Diesel, die die NOx Werte hochtreiben, sondern die alten.
- Die Flüchtlingswelle hingegen, das einzige Problem, das wirklich von Menschen, genauer: von der Regierung, ausgelöst wurde, bezeichnet sie als "gegeben".
- Den noch amtierenden Verfassungsschutzpräsidenten bezeichnet sie als Coach für Rechtsextremisten. Dabei berät sich der Präsident nachgewiesenermaßen mit allen BT-Fraktionen.

Diese Frau verkörpert alles, was einem den Appetit auf politischen Diskurs auf hohem Niveau vermiesen kann: Verlogenheit, Demagogie, Aggression, Unkenntnis in der Sache.

Rilke sehnt sich nach den losgelassenen Winden. Im Reichstagswahlkampf 1932 versprach Hitler seinen Anhängern, die anderen Parteien "hinauszufegen".

Wer sich nach Winden oder Stürmen sehnt, hat genug. Will reinen Tisch machen. Wer zu solchen Leuten spricht, muss nur diese Bilder aktivieren. Ich verstehe immer besser, wie sich es sich anfühlt, wenn sich Verdruss über die Verhältnisse anstaut. Das passiert über Jahre. Und immer weniger ist man bereit, erneut zu diskutieren, zuzuhören, zu argumentieren. Man hat das alles schon x-mal gehört, und nie hat sich etwas gebessert. Talkshows z. B. habe ich satt bis zum Überdruss.

Wenn sich die politische Sättigung auch noch mit Hunger im Bauch verbindet, dann wird es gefährlich. Deutschland und EU tun derzeit alles dafür, uns mit Politikverdruss zu sättigen so dass wir, wenn der Abschwung kommt, augenblicklich in bürgerkriegsähnliche Zustände fallen können.

Erst dann werden auch die letzen, die die Augen gerne verschließen und nachplappern, was sie in tagesschau und heute hören, merken, was Merkel verbrochen hat.

Dann beginnt der deutsche Herbst.

Mittwoch, 2. Mai 2018

German Engineering

German Engineering - es kämpft immer noch mit den "Geheimnissen" der Softwarewelt und der Benutzerfreundlichkeit.

Dialog mit einem Altsystembetreuer:
Ich: "Haben Sie eine aktuelle Anforderungsbeschreibung mit Geschäftsprozess und Anwendungsfällen?"
Er: "Nein. Wozu?"
Ich: "Na, damit wir nicht blind nachbauen, was sie heute haben sondern Prozesswissen und Anwenderpräferenzen mit reinnehmen."
Er: "Das ist in diesem Fall unnötig, denn wie der Prozess läuft, ergibt sich ja aus meinem System. Woher sollen die Anwender etwas über den Geschäftsprozess wissen?"

So läuft es in vielen hierarchischen Organisationen - von der Verwaltung bis zur Automobilindustrie. German Engineering weiß alles und was es nicht weiß, das überlegt es sich.

Über Technik weiß German Engineering auch alles. Aber speziell bei Software ist das Problem, dass man sich über Inhalte abstimmen muss, mit sehr verschiedenen Gruppen. Und anders als im Maschinenbau oder einer Platine sieht man Software erst beim Ablauf -also hinterher- an, was sie tut. Und wie gut ihre innere Struktur ist, weiß man wenn man das Produkt weiter entwickeln muss.

Obwohl so viel über Anforderungs- und Architekturmanagement, über Projektmanagement und agile Entwicklung geschrieben wurde, bis heute ist das in Deutschland nur wenig verstanden. Es gibt auf der einen Seite die bereits Überzeugten. Mit denen ist sofort alles klar. Und mit den anderen kann man reden "bis die Kühe zurückkommen" - es nützt nichts. Diese in der Hierarchie und im Konformismus verstrickten -oft auch klassisch ambitionierten- Projektkollegen hören im guten Falle zwar noch zu. Aber es genügt eine Email vom Management und sie schmeißen alles über den Haufen und fragen nach dem Jetzt-mal-ernsthaft-Projektplan.

Es fehlt der Mut an die eigene Fähigkeit, es überwiegt die Sehnsucht nach Ansage von oben und Planerfüllung.

In der Projektanfangsphase sind diese vergraben in ihren neuen Stoff - nicht ansprechbar, nicht kommunikativ, nicht kooperationsfähig. Wenn sie dann etwas verstanden haben und dem Management vermitteln können, sie wüßten nun, wie es geht, beginnen sie den Konkurrenzkampf. Und dann ist es aus mit agiler Arbeitskultur.

Deutsche Manager und auch Staatssekretäre erzählen gerne und viel vom Silicon Valles, wenn der Tag lang ist. Aber sie sind in ihre Positionen in Deutschland nur gelangt, weil sie NICHT so sind wie die Leute im Silicon Valley.

Dienstag, 10. April 2018

Osterwetter

Ostern lag dieses Jahr auf dem 1. April. Und wir hatten ein Wechselbad. Karfreitag war sonnig mit 17 Grad, Samstag und Ostersonntag um die 2 Grad mit Schneeregen. Ostermontag wurde es besser.  Dienstags, als wir alle wieder arbeiten mussten, kam der Frühling mit Plusgraden. Die Temperaturen stiegen auf 15 Grad und wir waren happy damit. Am Wochenende 7./8. April kletterten sie auf 20 und mehr. Bis Mittwoch, 11.4. soll es auf bis zu 25 Grad gehen.

Also von Winter direkt auf Sommer geschaltet. Das ist in Berlin / Brandenburg schon seit Jahren so. Eine Frühling, der allmählich aber nachhaltig auf 15 Grad steigt -mit Ausreißern auf 20- haben wir hier in siebzehn Jahren selten erlebt.


Freitag, 6. April 2018

Digital Labs in Berlin

Ein alter Traum wird jetzt wahr: Berlin wird Sammelbecken digitaler Projekte. Immer mehr Konzerne gründen Digitallabore, Softwarehäuser, Tochterunternehmen. Warum in Berlin? Weil die anderen auch schon hier sind, ist die plausibelste Erklärung. Vor 10 Jahren hieß es: Weil man Informatikabsolventen am einfachsten nach Berlin locken kann - falls sie nicht eh schon hier studiert haben.

Und so kommt es, dass Berliner immer seltener in die Umgebung pendeln müssen, sondern die Arbeit zu ihnen kommt. Da die Wohnungen aber knapp sind, ziehen immer mehr in die Randbezirke oder Brandenburger Städte wie Teltow und pendeln dann nach Mitte.

Was interessant ist: Diese Projekte und Labore werden international besetzt. Nicht selten ist die Projektsprache englisch und die Projekte rekrutieren sich international. Man kann derzeit "Auslandserfahrung" mitten in Berlin sammeln.

Wer sich vor zwei Jahren als Product Owner auf dem Berliner Arbeitsmarkt anbot, fand schlicht nichts. Inzwischen trudeln die Benachrichtigungen über offene Stellen mehrmals pro Woche ein. Selbst wenn man den Kreis sehr eng um die eigene PLZ zieht.

Und natürlich ist es so, dass die Konzern- aber auch die Verwaltungstöchter Spezialisten in neuesten Technologien suchen, vorzugsweise mit reichlich Erfahrung. Und so trifft man viele alte Bekannte wieder, was schön ist. Es ist eine wirtschaftlich gute Zeit für Informatiker und Ingenieure. Und zwar nicht, weil wir eine gute Wirtschaftspolitik haben. Die haben wir weder im Bund noch im Land. Angetrieben wir das ganze vor allem aus einer diffusen Mischung aus Verlustängsten. Angst, Boden an das Silicon Valley zu verlieren. Aber auch das Zinsdoping treibt diese Entwicklung. Und zwar noch mehr als Ende der 90er Jahre.

Die Arbeit in diesen neuen Arenen macht Spaß. Dennoch gibt es nirgendwo eine kontaktlose Veränderung in den alten Strukturen. Man hat die Besitzstandswahrer in jedem Fall auf der Bühne. Die Frage ist nur, ob als Kunden oder Kollegen. Und so manches Modernisierungsprojekt wird als "agil" deklariert, losgetreten und dann sofort wieder ausgebremst. Gas und Bremse gleichzeitig. Man ist so lange nicht agil, wie man einem Modernisierungsverweigerer mit Macht ausstattet.

Diese Verweigerer können auch in den eigenen Reihen schlummern. Immer noch glauben viele Ex-Manager aus großen IT-Häusern, dass es genügt sich eine Kompetenz bei Wikipedia anzulesen. Die sagen ihren jungen Beratern ins Gesicht: Geh mal dahin, aber positioniere dich nicht. Und lass dir keine Angst oder Unsicherheit anmerken.

So geht es nicht. Mag sein, dass IBM und Siemens jahrelang so gemanagt wurden. Aber so macht man heute keine Projekte mehr. Und deshalb wird so manches Digitallabor nicht überleben, wenn es nicht rechtzeitig entrümpelt wird.

Aber auch das Gegenteil gibt es: Kindergeburtstage, in denen viel geredet und posiert wird, aber nichts bewertet, nichts entschieden und nichts umgesetzt wird. Wo man einen Dummen sucht, der kurz vor Terminen schnell etwas aus dem Ärmel schüttelt.

Es dauert halt lang, bis eine tief sitzende Mentalität überwunden wird.

Dienstag, 27. März 2018

Grüne Woche...

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat auf Twitter ein paar gute Frage gestellt:


Derzeit kompensieren sehr viele ungebildete, aber dennoch ambitionierte, Menschen ihre mangelnden Fähigkeiten mit Moral und bezichtigen jeden Meinungsabweichler als verkappten Rassisten. "Rassismus" ist sozusagen der Orkus, auf den sie jede Diskussion hinlenken: Der Grund für Deine abweichende Meinung ist am Ende, dass Du ein Rassist bist.

Die Welt in Rassen zu denken, wie es sog. Antirassisten tun, ist an sich bereits Rassismus. Denn wir sind alle von der Gattung Homo Sapiens. Eher schon ist es Rassismus, Tiere auszurotten. Oder was unsere Urahnen taten, als sie den Neandertaler ausrotteten.

Wir müssen nicht über unseren Umgang mit Außerirdischen phantasieren um das erregende Gefühl einer Begegnung der "dritten Art" zu bekommen. Es genügt eigentlich schon die Vorstellung, ein Neandertaler würde an unsere Tür klopfen und Einlass begehren.

Was hätte Jesus mit ihm gemacht? Hätte er auch ihm gepredigt? Wie hätte er ihm Gottes Liebe zum Menschen erklärt? Oder hätte er ihn einbezogen ins Mensch sein?

Dawkins Frage finde ich sehr gut, weil sie eine der vielen Annahmen von Religionen sichtbar macht: Dass nur der Mensch eine Seele habe. Oder noch tiefer: Dass es überhaupt so etwas wie Seele gebe und ein Privileg des Menschen sei.

Schon wenn wir diese Frage nicht beantworten können, steht für mich ein Grundpfeiler jeder Religion in Frage. 

Am anderen Ende des Spektrums einer solchen Diskussion (hat der Mensch eine Seele?) steht der Zuspruch, dass auch Tiere eine Seele und ein "Wesen" haben. Diese Position beinhaltet zumindest den Erkenntnisfortschritt, dass Tiere auch ein Empfinden haben, z. B. für Schmerz. 

Da wir ja auf Ostern zulaufen, würde ich das mal so zusammenfassen und reimen: Die Wiederauferstehung können wir alle auf jeden Fall feiern. Denn die Natur da draußen ersteht in jedem Fall wieder auf. Und das mutet zumindest mich jedes Jahr mehr an wie ein Wunder. Der Mensch lebt auch nach seinem Tode (seinem Winter) weiter, wenn er für Nachwuchs gesorgt hat. Denn beim ewigen Leben geht es ja nicht um "uns" sondern unsere Gene - diesen Nachweis hat jedenfalls Richard Dawkins zu führen versucht. Und jetzt schließt sich der Kreis: Wie leben in unseren Kindern weiter (if any..) und wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet Ihr niemals.... und so weiter.



Diese Vorstellung von Ostern, das die Überwindung des Winters feiert ist übrigens an die Jahreszeiten geknüpft. Würde die Erde exakt "gerade" rotieren, gäbe es diese nicht. Wäre sie zu sehr geneigt, würde evtl. kein Lebewesen den polaren Winter überleben. Bzw. nicht über das Stadium von Amöben hinauswachsen können.

Das einfachste ist es, sich Ostern einfach am Anblick der erwachenden Natur zu erfreuen. Und statt Hawkins wieder mal Hesse oder Goethe zu lesen.


Montag, 19. März 2018

Infotainment im Auto

Unser Auto hat ein Infotainmentsystem, das aus Radio, Navigation, Touchscreen, Spracherkennung (Aktivierung per Taster und dann Menüpunkteanzeige), Festplatte, CD und Geräteanbindung über Bluetooth verfügt.

Es funktioniert soweit ganz gut, in dem Sinne dass es tut was es soll - also zuverlässig.

Dinge, die ich für verbesserungswürdig halte sind:
- Einblendung der Playlist vom Smartphone auf dem Touchsreen - derzeit kann ich Titel nur auf dem Smartphone selbst auswählen. Diese Einschränkung resultiert vermutlich aus der Verbindungsart Bluetooth.
- Direktere Ansteuerbarkeit von Menüpunkten. Ich kann den Blick immer nur für 1 Sekunde von der Fahrbahn ablenken. Ich will auf dem Touchsreen möglichst wenig irrelevante Information sehen - z. B. Sender die ich noch nie benutzt habe.
- Einfachere, schnellere Smartphoneanmeldung. Derzeit muss ich das "Pairing" an beiden Seiten aktivieren: An der "Head-Unit" im Auto und am iPhone selbst.

Kurz und gut: Eine Bedienbarkeit mit möglichst wenig Gucken und Tasten wäre gut. Sprache scheint mir hierzu das geeignete Medium. Gesten wie Wischen brauche ich im Auto eher nicht. Ich will auch nicht die Menüphilosophie erforschen müssen, sondern intuitiv nutzen können.

Ich habe zum Beispiel erst nach Monaten angefangen, unseren Spracherkennung zu nutzen. Denn der Verkäufer hatte uns erklärt, es würde sich lohnen, sich die Zeit zu nehmen, die Spracherkennung anzulernen... Diese Zeit hatte ich mir nie genommen. Siri verlangt das ja auch nicht von mir. Und als ich es spontan einfach mal ausprobierte, da funktionierte es auf Anhieb.
Da frage ich mich, wie viele anderen Kunden es wohl genauso geht, dass sie für Geld eine tolle Funktionalität kaufen und sie dann nie benutzen.

Wenn ich dann aber Videos von Messen sehe -und die nächste Cebit kommt bestimmt, ebenso die IAA- dann hält da die schöne neue, noch komplexere Welt Einzug in die Cockpits. Noch größere Displays, noch mehr Animation und noch mehr Konnektivität - zur Cloud, zur Ampel, zu anderen Autos, zu künftig jedem Smartphone im Auto. So dass sich jeder Mitfahrer mit etwas anderem als seinen Mitfahrern beschäftigen kann. Alle haben Kopfhörer auf, und alle schauen auf ein Display.



Ja, die automatische Anmeldung meines Smartphones im Auto will ich auch. Es hilft auch, dass mir das Cockpit (sorry, die Head-Unit) Emails vorliest, wenn ich das will.
Aber werde ich das Auto so benutzen wie einen Zug, den ich mir mit Fremden teile? Viele sagen ja: das autonome Auto bewegt sich wie ein Sammeltaxi von A nach B und nimmt mit, wer noch reinpasst. An Bord geben wir uns hipster und sind ernsthaft mit der Titelauswahl für die 10 Minuten unterm Kopfhörer beschäftigt?

Ich argumentiere nicht gegen technischen Fortschritt. Aber ich will nicht mehr Komplexität, deren Bedienung ich erst anlesen muss. Auch Trainingvideos machen das nicht sympathischer. Ich will Übersichtlichkeit, Relevanz und Einfachheit. Und ich glaube, dazu müsste man die Softwarewelt mal kräftig entrümpeln. Es läuft nämlich immer so, dass man erst nach dem ersten Produktrelease weiß, wie man es eigentlich hätte angehen müssen. Aber beim zweiten Anlauf, gibt es schon wieder ein Update der Softwarearchitekturen und -repositories und Standards. Und es sind neue Leute im Projekt, die von Autosar, Genivi etc. noch nie etwas gehört haben...

Aber eigentlich will ich eher eine Andockstelle für das Smartphone oder Tablet, das ich eh bei mir habe. Wozu alles im Auto noch einmal nachbilden?
Ok, Fahrzeugdaten -wie Reichweite- mit Navigation zu verknüpfen ist sinnvoll. Aber vielleicht reicht es, den umgekehrten Weg einzuschlagen: Fahrzeugdaten ins Smartphone zu übertragen...?

Donnerstag, 15. März 2018

Nervengift Nowitschok

Nowitschok (russisch: Novichok, "Neuling") ist die Bezeichnung des Nervengiftes mit dem der Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia im englischen Salisbury getötet wurden.

Wirkungsweise:
Das Gift stört die Steuerung der Muskeln durch den Neurotransmitter Acetylcholin. Genauer: es verhindert die Entspannung eines Muskels. Regelmäßige Anspannungs-Entspannungsbewegungen von Muskeln wie insbesondere von Lunge und Herz werden damit zum Stillstand gebracht, weil die Muskel zwar noch angespannt werden, aber nicht mehr entspannt.

Unsere Muskeln sind also nicht in einer always-off Stellung, sondern über Enzyme wird genau gesteuert, in welchem Zustand sie sein sollen. Und das Nervengift Nowitschow blockiert also den Botenstoff, der zur Muskelentspannung führt.

Somit wirkt das Gift etwa wie ein Krampf aller Muskeln. Als Wehrpflichtige lernten wir, dass man Krämpfe mit einer Spritze Atropin entkrampfen kann. Jedenfalls ein wenig. Und es muss rechtzeitig gespritzt werden.

Was hat das mit den Russen zu tun?

Die damalige Führung der Sowjetunion beschloss 1971 die Entwicklung neuer chemischer Kampfstoffe unter strenger Geheimhaltung, Nowitschok wurde bereits 1973 entwickelt. In den 80er Jahren wurde Nowitschok zu einem binären Kampfstoff weiterentwickelt. Dies hat zum Ziel, den Transport zum Einsatzort einfacher und sicherer zu machen, indem die beiden Komponenten weniger giftig designt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass ungefährliche Komponenten keiner Chemiewaffenkonvention unterliegen. In diesem Sinne sagte Gorbatschow auch nicht direkt die Unwahrheit als er 1987 ankündigte, die Sowjetunion werde die Produktion chemischer Waffen einstellen. Für die Komponenten binärer Waffen galt das aber offensichtlich nicht...

Für die Säuren, aus denen Nowitschok gewonnen wird, benötigt man Stoffe, die auch für die Landwirtschaft benötigt werden: Kohlenstoff und Phosphor. Das macht die Aufklärung nicht einfacher.

Es existieren mehrere Varianten von Nowitschok, die entweder injektiert, inhaliert oder durch Hautkontakt übertragen werden. Die Substanzen durchdringen die Blut-Hirn-Schranke und gelangen so ins zentrale Nervensystem. Erste Anzeichen sind Schwindel, Ohrensausen, Hautausschläge und Halluzinationen. Danach setzt die Hemmung der Muskelentspannung ein.

Sergei Skripal ist ein ehemaliger Oberst des sowjetischen/russischen Militärnachrichtendienstes GRU, der später zum MI6 überlief.

2006 verurteilte ihn ein Moskauer Militärgericht wegen Hochverrats, weil er angeblich Identitäten russischer Spione an den MI6 verraten habe. Skripal trat seine Strafe im Arbeitslager an, wurde 2010 aber begnadigt und im Rahmen eines Agentenaustauschs freigelassen. Danach ging er nach Salisbury.

Auffällig in Skripals Leben seit seiner Freilassung: In kurzen Abständen starben seine Ehefrau (2012), sein Bruder (2016) und sein Sohn (2017).

Sergei und seine Tochter Julia wurden am 7. März tot aufgefunden. Die Diagnose erfolgte auf Nervenkampfstoff. Dies verweis auf die Herkunft aus einem Militärlager. Die britische Antiterroreinheit CTC wies den Kampfstoff noch in einem Restaurant und in einem Pub nach, in dem die Opfer sich vor ihrem Tod aufgehalten hatten.

Da es von Nowitschok mehrere Varianten gibt, kann man aus einer genauen Diagnose im Prinzip eine Signatur des Kampfstoffes ableiten, zumindest wo er hergestellt worden sein müsste. Aber durch  wessen Hände diese Stoffe über Jahrzehnte wandern, nicht so genau.

Die britische Regierung ist wohl deshalb so erregt, weil dies nicht der erste Fall dieser Art ist. Und weil es wieder auf britischem Boden stattfand. Die russische Regierung forderte mehr Informationen und insbesondere Proben des gefundenen Kampfstoffes ein.

Persönliche Wertung:
Ich finde die Erregung und das kurze Ultimatum der britischen Regierung überzogen. Eine Regierung ist kein Gericht. Erst auf Basis eines Gerichtsurteils könnte man sich so verhalten.

Ich -als Laie- finde bemerkenswert, dass inzwischen die ganze Familie Skripniks ausgelöscht ist. Wenn auch auf unterschiedliche Weisen (Krebs, Unfall), aber doch auffallend in kurzer Zeit seit seiner Freilassung. Ein Rational könnte sein, dass man Skripal doch noch bestrafen will, und zwar sehr hart, auch wenn er offiziell freigelassen wurde. Verrat ist ein schweres Vergehen in Militärkreisen und wenn die Vorwürfe stimmen und womöglich persönliche Motive im Spiel sind, dann könnte Rache ein Motiv sein.

Allerdings wird die Angelegenheit derzeit so hoch gespielt, dass sich die Eskalation auf die NATO und also auch uns ausbreitet.

Mittwoch, 14. März 2018

Alte Videos aus Dortmund

Großen Dank an David, an den findigen RWEer und die Stadt Dortmund, die diesen Werbefilm von 1964 gefunden und bereitgestellt haben.

 Eine frisch wieder aufgebaute und im Saft stehende Stadt. Meine Stadt.



Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Stadtszenen, die ich kannte als sie schon ein bisschen abgenutzt waren, erstrahlen hier neu. Stadtmitte, Stadthaus, Alter Markt, Westenhellweg, Straßenbahnen, LKWs, PKWs. Fließender Verkehr, Bürger in Kostüm und Anzug. Schulen, Kliniken, Ämter, Hauptbahnhof mit Dampfzügen. Und ein Bürgermeister, der mit der Entwicklung "seiner Stadt" beschäftigt ist, und von Gender und Social Justice noch nix ahnt.

Bastelnde Schulkinder, mit Etuis auf Holztischen. Fluren und Gänge in dem einst auch mir vertrauten Klinker. Nüchtern, streng, zweckmäßig - aber in Schuss. Kinder mit Respekt vor den Lehrern, aber auch der Freiheit zur Kreativität. Weder tropft es durch die Decke ins Klassenzimmer, noch müssen sich Lehrer um Messerstecher und angehende Rapper kümmern und das Niveau ihres Unterrichts absenken. Aber einige dieser Kinder haben später den Untergang ihrer eigenen "Welt von gestern" vorbereitet und führen ihn jetzt gerade durch.

Und wie das bei YouTube so ist, gibt ein Video das nächste. Zum Beispiel dieses hier: Hoesch Westfalenhütte, Warmwalzwerk 1995. Eine Videodokumentation des Walzvorgangs einer Bramme.



Etwa genau zu der Zeit war ich genau an dem Ort, weil mein damaliger Schwager in spe, der als Elektroingenieur bei Siemens an der Steuerung des Warmwalzwerkes arbeitete, mal für ein paar Tage in den Semester"ferien" mitgenommen hatte. Es ist berührend, das einmal genau so wieder zu sehen. Denn das ganze Werk gibt es heute nicht mehr. Auch nicht die Fabrik MfD, die den Brückenkran für die Umsetzung der Brammen baute, gibt es nicht mehr. Auch diese Fabrik hatte ich kurz vor ihrem Exitus als Praktikant noch einmal besucht. Mein Vater hatte dort seine Lehre gemacht und später angefangen. Er sprang aber auch rechtzeitig wieder ab.

Ich erinnere mich, wie ich mit meinem Schwippschwager darüber philosophierte, ob man die Kranfahrten mit einem Schwingungsdämpfer beschleunigen könnte. Damals war Fuzzylogik gerade "in" und ich suchte nach Anwendungsmöglichkeiten ;-). Aber er sagte nur, im Walzwerk herrsche eine ganz einfache Logik: Bramme kommt, oder kommt nicht.

Vielleicht spiegelte sich darin die damalige Mentalität der "Belegschaft", die der bis dato Erfolg so sicher gemacht hatte, dass man sich weder im Betrieb noch in der Weiterentwicklung überschlagen müsse. Trotzdem bin ich voller Sympathie für die Gesichter, die ich in dem Video sehe. Ich war im Glauben, dass etwa so mal mein späterer Arbeitsplatz aussehen müsse: Spektakulär mit sprühenden Funken und Höllenlärm. Dazwischen ich, mit den Händen an einer Tastatur ;-)
Stahl oder Kraftwerk, dachte ich. Und nahm wenig später ein Angebot von RWE an..

Heute beschäftige ich mich mit agiler Softwareentwicklung in allen möglichen Organisationen. Ich habe in der Automobilentwicklung gearbeitet und kenne inzwischen sogar die Bundesverwaltung.  Irgendwann hat man als Jugendlicher ja plötzlich eine Intuition und greift nach etwas, was man sein Leben lang nicht mehr loslassen wird. Weil es einen fasziniert. "Alles!" war 1982 meine Antwort, als meine Eltern mich fragten, was man denn mit einem "Homecomputer" machen könne.

Ich komme ins Sinnieren. Wie oft ich meine berufliche Wirkungsstätte schon gewechselt habe, obwohl ich abstrakt einem roten Faden folgte. Ich traue keinem Frieden, auch wenn es mal gut läuft. Der Ingenieursberuf bewirkt und unterliegt Veränderungen. Es hält mich aber nich davon ab, Gelegenheiten zu nutzen. Zum Beispiel für einen Umzug nach Berlin. Das war seit 1987 mein Traum.

Vielleicht berührt mich der Anblick meiner Vergangenheit auch gerade deshalb. In der Gegenwart ist man immer gerade dabei, sich etwas zu erkämpfen. Mit Anstrengung und Unsicherheit. Dann wieder mit Momenten der Bestätigung und der Sinngebung und Motivation für die nächste Etappe.

Erst Rückblickend verstehe ich immer, was das eigentlich gerade gewesen ist.