Heute Morgen FAZ Artikel über die Wirtschaftskrise in Ba-Wü gelesen. Bosch plant Produktionsverlagerungen nach Ungarn und anderswo. So viel Krise kennt das Ländle nicht. Das schlimmste was den Betroffenen einfällt, um ihr Grauen zum Ausdruck zu bringen, ist ein Vergleich mit dem Ruhrgebiet. So wollen sie nicht enden.
Tja. Werden sie aber.
Dann ein Bericht über einen Podiumsauftritt von Mercedes Chef Källenius und Noch MP Kretschmann. Nein, er habe keine Fehler gemacht, sagt Källenius. Die Rahmenbedingungen hätten sich verändert. Und dann eben auch seine Entscheidungen. Jetzt doch wieder Verbrenner. Und die A-Klasse.
Das erinnert an den Porsche Chef Oliver Blume. Nachdem er inmitten einer Hausse die Porsche AG zurück an die Börse gebracht hatte, hatte er bei den Familienoberhäuptern der Piechs und Porsches unbegrenztes Vertrauen. Sie übertrugen ihm zusätzlich zum Porsche Vorstandsvorsitz den Vorsitz im Konzernvorstand. Und seitdem geht es richtig bergab.
Blume stellte die Modellplanung radikal auf Elektroantrieb um. Offenbar ohne einmal über die Grundideen der Porsche Modelle nachzudenken. Die Mittelmotormodelle Caman und Bobster verkörperten Sportwagen für kurvenreiche Strecken, z. B. in bergigen Höhenlagen oder ausgedehnten Touren über Land. Der schwere SUV Cayenne verkörperte das robuste Langstreckenfahrzeug für die "Rallye" durch raues Gelände. Die Rallye Transsyberia erzählt davon, für sie gab es sogar mal ein Sondermodell. Später kam der kleine Bruder des Cayenne, der Macan auf den Markt.
Diese Baureihen stellte Oliver Blume ruckartig auf Elektroantrieb um. Offenbar ohne einmal über die Wirkung auf die Wahrnehmung der Modelle bei den Kunden nachzudenken.
Philosophie der Porsche Ingenieure war es bis dato gewesen, den besten Sportwagen für ein Einsatzszenario zu konstruieren. Wenn Du z. B. vor allem kurvenreiche Strecken fährst, sorge für ein möglichst geringes Trägheitsmoment und baue den Motor möglichst zwischen den beiden Achsen ein (Mittelmotor). Wenn Du lange Rallyes planst, sorgen für ein sehr robustes Fahrwerk, für lange Reichweite und für genügend Stauraum für alles was Du auf der Strecke brauchen wirst.
Wenn Du vor allem Rennen auf Rundkursen planst, sorge für optimale Beschleunigung aus der Kurve heraus und verbaue den Motor im Heck.
Usw. Natürlich fährt kein Porsche Kunde diese Einsatzszenarien. Aber Porschefans liebten das Gefühl, ein durchdachtes Gefährt made in Germany zu fahren. Die Sichtbarkeit auf der Straße kündete immer nur davon, dass "ich unter Woche schon arbeiten gehe, aber nur vorübergehend. Hauptsächlich verstehe ich ich als Automobilist." So in etwa. Dafür waren Kunden bereit, viel Geld auszugeben. Weltweit.
Das alles warf Oliver Blume über den Haufen. Er sparte sich die Umdeutung der etablierten Modelle auf Elektroantrieb. Jetzt sollten alle Modelle den gleichen Antrieb mit der gleichen Charakteristik kriegen: Teil liegende Batterien und Elektromotoren an jedem Rad. Ein Antrieb für alle Modelle. Wozu dann noch verschiedene Baureihen? Und warum sollte das jetzt der beste Antrieb sein, wenn Porsche bis gestern noch eine komplett andere Geschichte erzählt hat? (Das war ja schon bei der Verabschiedung des Dieselantriebs beim Cayenne schwierig.)
Wer in den letzten Monaten auf Porsche.de surfte fand dort den alten Konfigurator. Und wenn er dem Pfad zu einem Boxster oder Cayman folgte, landete bei "Ausverkauft" Bannern und den einzig verbliebenen GT Sondermodellen, die bei über 150.000 EUR starten. Zum Vergleich: Der Einstiegspreis für die Mittelmotormodelle lag lange unter 60.000 EUR.
Blume nahm die Verbrennermodelle raus, bevor er die elektrifizierten Modell im Angebot hatte. Und erzeugte so eine Angebots- und somit Umsatzlücke. Das schlug sich in den Geschäftszahlen der Porsche AG sofort nieder. Personelle Konsequenzen? Lange keine. Die Piechs und Porsches vertrauten dem "Baum" weiterhin. Sie glaubten, keinen anderen zu haben. Sie verstehen auch seit langem nichts mehr von der Sache, wenn man ehrlich ist.
Die Bestellungen blieben aus. Die Autolobby arbeitete an der Abschaffung oder Verzögerung des faktischen Verbrennerverbots. Und kaum war das erreicht, legte Oliver Blume den Hebel zum zweiten Mal um. Nachdem die Abfindungs- und Altersteilzeitprogramme für Motoreningenieure bereits angelaufen waren, startete Oliver Blume neue Entwicklungsprojekte für die er genau diese Ingenieure gebraucht hätte. Auch Bosch hatte bereits angefangen auch die Elektrooffensiven von Porsche und auch Mercedes personell zu reagieren.
In Wolfsburg forderte Oliver Blume derweil von allen Marken "virtuelle Equitiystories" ein, also Geschichten für kommende Börsengänge. DAS war bereits der Fingerzeit für die eigentliche Strategie der Stammaktionäre: Wenn mit Autos kein großes Geld mehr verdient werden kann, dann eben mit dem Verkauf des Tafelsilbers.
Meine Prognose: Der Konzern hat so viel Substanz und Speck, dass er die nächsten Jahre bequem mit Veräußerungen überstehen kann. Diese Zeit muss genutzt werden, um in der Modellpolitik wieder auf die Beine und dann in die Vorhand zu kommen. Sonst war es das mit der Autoindustrie in Deutschland.
Das Problem sind nicht die Chinesen. Das Problem ist das Management der deutschen Hersteller. Und die harmlosen Gewerkschaften.
Ferdinand Piech war der letzte Stammaktionär in Salzburg, der von Autos nicht nur viel verstand, sondern sie definierte. Er sagte schon bei der ersten Porschekrise 2009 voraus, dass Porsche so enden würde die Buddenbrooks: "Die erste Generation gründet, die zweite baut aus. Und die dritte ruiniert es."
Frech, dass ausgerechnet Wolfgang Porsche über seinen Cousin sagte, er habe sein Lebenswerk zerstört. Richtig daran ist, dass es Ferdinand Piech's Lebenswerk war. Aber zerstört haben es seine Cousins.
In Baden-Württemberg baden Facharbeiter und Ingenieure aus, was Vorstandsvorsitzende bei Mercedes und Porsche angerichtet haben. Am 8. März 2026 sind dort Landtagswahlen. Man darf gespannt sein.