27 Juli 2016

Sommergewitter

Der Juli war warm und schwül in Berlin und Brandenburg. Am Tage viel zu warm zum Arbeiten, nachts zu warm um zu schlafen. Im Havelland dörrten die Felder, so dass die Bauern sie schon längst abgeerntet hatten. In Berlin stand die schwüle Hitze auf den Straßen. Wir hörten den Wetterbericht im Radio und man versprach uns Wärmegewitter. Die aber kamen nie. Oder woanders. Jedenfalls weder im Havelland, wo wir die Wochenenden verbrachten, noch in Berlin wo wir arbeiteten.

Doch dann, an meinem ersten Urlaubstag Ende Juli wurde es nachmittags um drei plötzlich dunkel. So dunkel, als habe jemand den hellen Sommer abgeschaltet und auf Herbst umgestellt. Wind kam auf und brachte die lang ersehnte Abkühlung. Ich öffnete die Fenster und Balkontüren. Und erzeugte damit einen Durchzug, hinter dem ich die Fenster wieder auf Kipp stellte. Und während ich durch unsere Wohnung lief, blitzte und krachte es plötzlich in die nachmittägliche Dunkelheit. Unten auf der Schöneberger Straße war der letzte Mensch, den ich trocken sah, ein Tourist, der auf sein Smartphone schaute. Im nächsten Moment stürzte der Platzregen los. Die Wolken schütteten ihn aus, der Wind peitschte ihn durch die Straße, die Bäume, den Hofgarten. Regen in Massen und binnen Minuten bildeten sich Regenkanäle in den Fahrrinnen der Straße. Für einen kurzen Moment ein Ausnahmezustand. Das Wetter bestimmt unser Bewusstsein. Wir sind Naturgeschöpfe, die den Kräften der Natur ausgesetzt sind. Die Regeln, und Abläufe die wir uns selber geben, stehen dahinter zurück. Jetzt ist es wichtig, Schutz zu suchen unter einem Vordach oder Hauseingang. Jeder hat jetzt Verständnis für Unterbrechungen von Abläufen. Wenn sich der Paketbote verspätet, der Handwerker oder der Bewerber zum Vorstellungsgespräch. Ein Sommerregen platzt dazwischen.

Insofern waren mir Sommergewitter und Stürme schon immer angenehm. Sie sind Autoritäten, die Hierarchien und Hierarchen auf ihre Plätze verweisen. Es regiert Mutter Natur, nicht der Chef, nicht der Professor, nicht der Lehrer. Wir sind entschuldigt, wenn wir jetzt etwas nicht liefern.
Donnergrollen folgt dem Platzregen. Jetzt hat es sich eingeregnet. Der Ausnahmezustand wird zurückgefahren, aber der Donner rollt noch. Auch ist es noch dunkel, was uns bedeutet, noch etwas ausharren zu dürfen, in dieser Ausnahme. Ja, wir hätten jetzt so viel erledigen können, aber sehet, es ging ja nicht. Die Straße ist nass, lange und tiefe Pfützen haben sich gebildet. Ich hätte Lust, barfuß dadurch zu laufen. Was sonst nur Küsten- und Uferbewohner können, können bei solchem Wetter auch wir: Durch Wasser waten. Und uns erinnern, unmittelbar unsere Bedürfnisse und Freuden sind.

14 Februar 2016

Bestandsentwicklung Porsche 924

Ich habe gerade mal zusammengetragen wie sich die Bestände der 924 Typen (ohne Turbo) entwickelt haben:












Quelle: KBA (Link)

Man erkennt, wie sich die Bestände dezimiert haben. Auch die Angebote bei mobile.de haben sich etwas dezimiert. Die Durchschnittspreise sind dabei gestiegen. Dies liegt nach meiner Einschätzung aber noch nicht daran, dass die Nachfrage anzieht. Sondern daran:
  • dass die "Grotten" allmählich aus dem Markt verschwinden und
  • die 2,0 Liter Modelle ins Oldtimeralter (30) gekommen sind.
Die Preise für restaurierte oder gut erhaltene Sondermodelle (wie "Martini" und "Le Mans")liegen heute spürbar höher zwischen 13.000 und 20.000 EUR. 

Einen guten 924S bekommt man immer noch (!) zwischen 6.000 und 8.000 EUR. Doch inzwischen erfüllt auch hier das erste Modelljahr (1985) den Oldtimerstatus.

Im Fernsehen macht der 924 jetzt wieder Werbung für sich. In den 80ern war er der Nobelmietwagen in "Ich heirate eine Familie". Inzwischen hat sich auch eine tatort-Kommissarin einen zugelegt... :-)



13 Februar 2016

"Männer im Baumarkt" - Reinhard Mey :-)

So, da hier ja echte Männer vermisst werden - dieser Song ist für Euch :-)

Reinhard Mey, "Männer im Baumarkt"




Und die Zugabe: "Ich bin Klempner von Beruf"

09 Februar 2016

"Es wird gewesen sein." - Roger Willemsen

Sie gehen in immer kürzeren Abständen von uns, die Guten. Und einige so relativ jung, dass sie mit ihren Werken eigentlich noch nicht am Ende sein konnten. Sie gehen so auffallend früh, als wüssten sie mehr als wir. Und so als würde jeder der schon gegangen ist den nachholen, den er dort am meisten vermisst.

Wir haben nicht mal Mitte Februar und beklagen schon folgende Verluste:

  • Maja Maranow
  • Black
  • Glen Frey (Eagles)
  • David Bowie
  • Maurice White (Earth, Wind and Fire)
  • Artur Fischer
  • Roger Willemsen
Gut, nicht alle auf einer Stufe und meine Auswahl ist subjektiv. 

Aber Roger Willemsens Tod ist schon ein Schlag. Er war mir ein Augenöffner. Er konnte in sich versinken, reinhören und wieder auftauchen und berichten.

Mir ist so, als hätte er beim Verfassen von "Der Knacks", in dem er seinen Umgang mit Krisen erklärte, schon etwas geahnt oder gewusst. "Es wird gewesen sein" beschrieb er seinen Krisenmodus, der aus dem Futur 2 bestand. Futur 2 ist die Hoffnung für alle Leidenden. Passt für Aktive wie für Fatalisten. 

29 Dezember 2015

Meine Dezemberbücher

Dezember Literatur (meine):

  • Rainald Goetz, "loslabern" (2008)
  • Gustave Le Bon, "Psychologie der Massen" (1895
Nicht zu Ende geschafft:

  • John Brockmann (Hrsg.), "Worüber müssen wir nachdenken?" (2014)
  • Jonathan Franzen, "Unschuld" (2015)
  • Benham T. Said, "Islamischer Staat" (2015)
Goetz hilft, das vorige Jahrzehnt in Berlin zu verstehen, Le Bon, das vorige Jahrhundert. Mir wichtig: Dank Goetz weiß ich jetzt sicher, dass die gesponnen haben und nicht ich. Und dass ich nichts verpasst habe, wenn ich abends nicht in diesen selbstbezüglichen Ick-bin-jetzt-Berliner-Kreisen Mannheimer MBA-AbsolventInnen war.

Le Bon erklärt, warum zu viel Intelligenz in der Massengesellschaft zur Erfolglosigkeit verdammt. Die Massen lernen nicht durch Einsicht sondern durch Nachahmung. Um nachahmlich zu sein, darf man ihnen als Führer geistig nicht zu weit voraus sein. Wer unnachahmlich seiner Zeit zu weit voraus ist, dem folgt keiner. Man darf auch nichts erklären, dann verliert man seinen Nimbus (vgl. Max Frisch, Homo Faber: "Der Mann will die Frau als Rätsel um sich an seinem Unverständnis zu berauschen."). Beides hatte Schröder begriffen und das FAZ-Feuilleton bückte sich fortan, um sich an den tiefer gehängten Decken nicht den Kopf zu stoßen.

Goetz erklärt das Phänomen "24-Jährigkeit", Le Bon den Erfolg der Schröderhaftigkeit. Liest man beides zusammen, hat man Berlin in den Jahren zwischen 2001 und 2008 verstanden.