20 Mai 2013

Das "Neid"-Argument in der politischen Debatte

Wer sich öffentlich über Bereicherungen von Eliten beklagt, kann auf eines wetten: Die Standardverteidigung bzw. der Gegenangriff der Beklagten lautet: "Neid".  Es wird von den Ertappten selbst benutzt oder ihrer Interessensvertretung, z. B. FDP-Funktionären.

Bis vor kurzem las oder hörte ich keine Idee, wie auf dieses Totschlagsargument am besten zu reagieren sei. Mir selbst fiel nur ein: Wer mit Neid argumentiert, wirft dem Gegner triebhaftes, unkontrolliertes Handeln vor. Argumentiert man aber in den Fällen der Bereicherung mit Trieben, ist man schnell bei der Gier, also wieder bei den Ertappten. Wie so häufig im Leben, steckt in einer stereotyp vorgetragenen Klage ein Vorwurf an sich selbst, eine Projektion.

Mithin wäre das "Neid"-Argument also ein Verweis auf die Denkstrukturen und Handlungsmotive derjenigen, die es verwenden.

Vor kurzem aber las ich im Vorbeigehen eine tiefer gehende Analyse. Leider finde ich sie bei Google nicht wieder.

Es ging um Geiz, Gier und Neid, etwa wie folgt: Der Geizige versagt sich jeden Genuß, weil er empfindet, ihn nicht zu verdienen, weil er nicht gut genug ist. Wenn das Defizit zu mächtig wird, erliegt  der Geizige Attacken von Gier um mit einem Schlag alles zu kompensieren. Die Gier treibt ihn aber nicht in erfüllenden Genuß sondern in die Anhäufung materieller Güter. Diese sollen ihn als einen Mantel des Guten umhüllen, als Ersatz für den Mangel an Gutem, den er tief in sich empfindet. Hat er genug angehäuft, fühlt er sich wieder gut.

Nur eines kann ihn danach völlig aus dem Gleichgewicht bringen: Der Nachbar, der mehr angehäuft hat als er, und der ihn wiederum einen Mangel an Gutem in sich empfinden lässt. Er wird auf der Stelle stark verunsichert und empfindet Neid. Neid, der nur durch Nachkäufe zu stillen ist, oder durch Herabsetzung dieses Nachbarn.

Erfüllten Menschen sei Neid kein gewohntes Lebensgefühl, schrieb die Autorin. Nur wer häufig selbst Neid empfinde, halte es für ein vertretbares Handlungsmotiv das man ganz plausibel auch anderen unterstellen könne. Das treffe jedoch nur auf die Kreise zu, in denen sich der Neidargumentierer selbst bewege. Alle anderen mache es nur sprachlos.

Interview mit Prof. Lucke auf Phoenix

Sehenswert! Es ist symptomatisch -nicht nur für die CDU- dass solch eine Kapazität in seiner Partei keine Chance bekommen hat.

"Es wird immer der Eindruck erweckt, dass der Euro den Wohlstand in Deutschland begründet. Das stimmt natürlich nicht. Wir haben hohe Lasten für andere europäische Länder und niedrige Guthabenzinsen."

"Wir wollen, dass die Länder aus dem Euro rausgehen, die die größten Probleme haben."

"Sie behaupten, die Völker wollen im Euro bleiben. Das wollen sie, weil sie die Hilfszahlungen in Euro zurückzahlen müssen. Aber die dürfte es nach den Verträgen gar nicht geben."

"Wenn Sie auf die ökonomischen Grunddaten schauen, sehen Sie dass auch Frankreich ein großes Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit hat. Ich würde der französischen Regierung empfehlen, aus dem Euro auszuscheiden."

"Welchen Euro meinen Sie? Der Euro ist heute ein anderer als zu der Zeit, in der er eingeführt wurde. Heute haben wir die Fremdhaftung."

"Die CDU hat ihre Wähler verraten, die darauf vertrauten, dass Deutschland keine Haftung für andere europäische Länder übernimmt."

"Ich hätte auch einen Ruf zur verlieren, wenn ich mich nicht politisch engagiert hätte. Dann hätten die Leute gesagt, Du als Experte, Dein Fachgebiet, Du musst dazu etwas sagen."

18 Mai 2013

Gut gemacht, FDP!

"Deutsch-französische Freundschaft - Wozu?
Das war doch so was von 80s."
Guido Westerwelle*

*Guido Westerwelle ist, das können Sie nicht wissen, unser Bundesaußenminister.


17 Mai 2013

Grüße vom Obersalzberg

Angenommen, ein NPD-Funktionär erklärte öffentlich, dass er gedeckten Apfelkuchen mag. Wäre das ein Grund, auf den Genuss von gedecktem Apfelkuchen zu verzichten, um nicht in den Verdacht zu geraten, irgendetwas mit einem NPD-Mann gemeinsam zu haben? Natürlich nicht.
Henryk M. Broder in der WELT über die AfD

So ist es. Deshalb hatten auch wir keine Gewissensbisse in Berchtesgaden auf den Obersalzberg zu fahren. Man muss die von den Nazis entführten Wahrheiten zurück stehlen. Andernfalls wäre bald mehr tabu, als man ahnt. Nicht nur die Autobahn und Volkes Wagen, der arbeitsfreie 1. Mai. Nicht nur Public Relations, Starkult und etliche Politikerredewendungen ("Sozial ist, was Arbeit schafft.", "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber."), sondern auch der Obersalzberg, womöglich die Alpen an sich. 


Leider sind aber auch so schöne Wortkombinationen wie die aus Kraft und Freude tabuisiert. Dabei gibt es diesen Zusammenhang doch. Wir hätten womöglich weniger Burn-out, wenn es mehr Kraft durch Freude im Wortsinn gäbe. Darf man das sagen? Immerhin, "Freude am Fahren" darf man sagen. 


Und Kraft braucht es, wenn man durch die Alpen tourt.


Aber geh, ich komm nur von der Fahrbahn ab, wenn ich versuche zu erklären, was ich eigentlich meine.


Großstädter, Berliner vor allem, fühlen sich Leuten vom Lande gern überlegen. Der fehlende Umgang mit Menschengruppen, so die Theorie, verhindert die Sozialisierung des Landmannes. Deshalb müsse man im Umgang mit ihm vorsichtig sein. Und nachsichtig. 


Selten so gelacht. Zwar gibt sich der überlegene Großstadtneurotiker gerne "grün", das meint er aber mehr kurativ und anklagend. Oft genug besprochen, ich muss nicht ausholen. Führt unterm Strich dazu, dass man in den Bergen Gott sei Dank nur wenige Grüne findet. 


Der Grüne weiß nichts vom heilenden Anblick der Natur und ihrer Erhabenheit, ihrer Freude am Wachstum. Der Blick von oben entrückt ihn nicht. Zu viel Trenker. Und Alpmassiv, Bergsteiger, Nazi ziehen als Begriffskette entlang seines  Horizontes. Wäre der Grüne ein Naturfreund, er würde zu allererst seine eigene Natur akzeptieren, die ihm die Kultur eigentlich erst zugänglich macht. Der Grüne sagt: Lebensentwurf, Sozialkonstrukt, Umwelt, Grenze des Wachstums. Der seelisch Gesunde sagt: Liebe, Identität, Natur, Wille zum Leben und Wachsen. 


Der Königssee ist umrahmt von Gebirge, nicht mal einen umlaufenden Uferweg gibt es. Man erreicht die Halbinsel Hirschau mit der Kapelle St. Bartholomä nur per Schiff, Fahrtrichtung auf dem Foto von rechts nach links. Übrigens: Elektroantrieb, 4t Batterie! Das Foto vom Königssee ist vom Gipfel des Jenner fotografiert.

Er lehrte uns nicht nur die Schönheit des Frühlings in den Bergen.


Sondern auch, dass der Abstieg schmerzhafter ist, als der Aufstieg. Gut, wir Städter und Angestellten  wissen das. Was den Abstieg so schmerzhaft und zehrend macht, ist das permanente Abbremsen der eigenen potenziellen Energie. 

Womit wir beinahe wieder in den Niederungen der Politik angekommen wären, aber wir biegen rechtzeitig ab. 

Für meinen Geschmack gibt es drei magische Farben: Das Türkis der Cote d' Azur, das Gelb der Forsythien und das helle Grün der Bäume im Frühling. Voila!


Was auch immer wieder beeindruckt: Wie aus einem kleinen Bach bergab ein Strom wird, dem man ab einer bestimmten Strecke nicht mehr widerstehen kann. Und wie gut das Wasser über der Siedlungsgrenze schmeckte. Hier oben trafen wir zig Gleichgesinnte, die nichts sehnlicher wollten, als den Realsatiren der Urbanen zu entkommen.

10 Mai 2013

Ab auf die Couch

Weil es die früheren Klassenverbände (Gewerkschaften, Kirchen, Sportvereine) nicht mehr in dem Maße gibt wie früher, muss jedes Individiuum seine eigene Strategien gegen Überforderung, Überlastung und Ausbeutung finden. Viele landen dann in einer Verweigerungsstrategie ausgelöst durch ihren Körper. Wir nennen das neuerdings Burn Out.
Michael Mary, Autor von "Ab auf die Couch - Wie Psychologen immer neue Krankheiten erfinden" in Fragen an den Autor, SR2

Ein paar Beispiele aus dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5), für die man künftig für krank erklärt wird (Burn out allerdings bleibt keine Krankheit, weil sie beruflich bedingt wäre?):
  • Nomophobie - Angst, ohne Handy unterwegs zu sein.
  • Dysruptive Launenregulationsstörung (erklärt sich selbst)
  • Trauerregulationsstörung - Wer länger als zwei Wochen um einen Verstorbenen trauert, gilt als krank
  • Pathologisches Glücksspiel (Achtung Uli)
  • Die bipolare Störung wird jetzt auch bei Kindern (ab 2 Jahren!) diagnostiziert. Und medikamentös behandelt. 
Wahnsinn!

Trotzdem: Ich vermisse mein "Handy Phantombrummen" - die Angst in der Jackentasche einen Anruf zu verpassen.

09 Mai 2013

AfD vor ihrer ersten Bewährungsprobe

Der "Überläufer" von der FDP mit Landtagsmandat heißt ausgerechnet Paulus. Das suggeriert Parteiwechsel aus Einsicht über Nacht. Nährt Hoffnung, dass jetzt nicht nur die politisch Enttäuschten rüber machen, sondern auch die Profis. Stärkt das die AfD? Wir erleben in Berlin jetzt gerade: Mitnichten.

So wie man mit einem Tropfen Öl ganze Trinkwasserreservoire vergiften kann, vergiften, missbrauchen, verbrauchen gerade ein paar Karrieristen den Enthusiasmus der Neumitglieder. Wer die Täuschungsmanöver, Spielchen und Hemmungslosigkeit von Karrieristen nie aus der Nähe kennen gelernt hat, rechnet nicht damit, wie weit Menschen gehen können. Hier treffen verschlagene Haifische auf Intelligenzschwärme. Sie werben mit ihren Lebensläufen. Tarnen Querulantentum als Querdenken, Apparatschikmentalität mit "Erfahrung", sie kehren sich einen Dreck um Satzungen und Gesetze. Es ist ähnlich wie zu Zeiten der New Economy, nur jetzt eben New Politics.

Es ist eine Redewendung geworden, die Summe zu nennen, die eine MdB Legislaturperiode in Euro wert ist. Denn dann wird klarer, warum hier manche aufs Ganze gehen. Es hat die Dimension eines Bankerbonus.

Die Mitglieder, die aus Altparteien -FDP, Freie Wähler oder sonstige Exen- ausgetreten sind, weil sie all das satt hatten, kotzt es regelrecht an, das nun auch in der AfD zu erfahren. Sie sind unter uns. Es geht um die oberen Listenplätze. Die Gefahr ist jetzt kurz nach den Gründungsparteitagen der Landesverbände, groß, dass die die Partei so attraktiv machen, wieder austreten. Genau das darf nicht passieren. Wir müssen uns wehren. Wir brauchen jetzt die, die eine Satzung lesen können, und die wissen, wie man Putschisten entmachtet. Dafür müssen wir uns überhaupt erstmal kennen lernen, uns treffen. Wissen zusammenbringen und Vorgehensweisen besprechen.

Ich bin froh, dass wir in Berlin den ersten Schritt gestern schon gemacht haben. Gehen wir weiter, lassen wir uns nicht unterkriegen.

Es kann nicht sein, dass wir oben erstklassig besetzt sind, und unten ein paar Trittbrettfahrer nichts anderes im Kopf haben, als diese Qualitäten für ausschließlich persönliche Vorteile zu verwerten.

Die Propandamethode des NSU

Mit Abweichungen von gewohnten Denk- und Deutungsmustern sind wir leicht aus dem Konzept zu bringen. Zum Beispiel bei der Frage, warum das NSU Trio (oder wie viele es auch waren) keine Bekennerschreiben verfasst hat und somit -nach unserer Deutung- auf Propagandawirkungen seiner  Taten verzichtet hat.

Was genau irritiert uns? Wir sind mit dem Linksterrorismus der 70er und 80er groß geworden. Seine  Opfer waren hochrangig, prominent. Das ist stets der erste Propagandaeffekt. Und wirft sofort die Frage nach dem Warum und dem Wer auf, erzeugt eine Spannung, die auf Antwort wartet. Wird dann ein "Bekenner"schreiben am Tatort gefunden oder nach ein paar Tagen einer Zeitung zugestellt, ist die Aufmerksamkeit maximal.

Bekennerschreiben der RAF waren stets eitel gestelzt ("Intellektuelle"!), ideologisch verheddert und in einem Punkt immer im überheblichen Grundirrtum: Auf Zustimmung im Volk gebaut. Doch die gab es nie.

Bekennerschreiben sollen eine Signatur der Gruppe hinterlassen, aber möglichst nicht ihrer Mitglieder. Denn das hilft der Täterbeschreibung. Somit ist das Verfassen von Bekennerschreiben keine triviale Aufgabe.

Waren die NSU Leute damit intellektuell überfordert und verzichteten deshalb darauf? Gingen sie von einer Propaganda ihrer Taten aus und waren damit zufrieden? Dann stellt sich die Frage: Woran sollten wir sie, woran überhaupt einen Akt des Terrors, erkennen, wenn ihre Opfer keine Prominenten waren? Sie veröffentlichten ja selbst dann nichts, als die Polizei die Täter irrtümlich im Umfeld der Opfer suchte. Hier könnte man argumentieren: Medienberichte über diese Ermittlungsrichtung warfen ein schlechtes Licht auf die Opfer, und auch das würde in ein rassistisches Kalkül passen. Wäre es so gewesen, wäre die NSU die erste Terrortruppe. die ihre PR durch alle Variantenbäume durchgerechnet hätte.

Und hier begehen wir einen Denkfehler: Der NSU fertigte in Form von DVDs sehr wohl eine Signatur an. Er wartete allerdings mit der Veröffentlichung bis er eine Tatserie aufgebaut hatte. Mutmaßlich Beate Zschäpe versandte die DVDen nach der Aufdeckung und -angeblichen- Selbsttötung der beiden NSU-Mitglieder.

Es ist das Muster eines aufgeschobenen Bekennerschreibens. Eines das sowohl die Tat als auch die Gruppe zum ersten mal als solche bekannt macht. Nach jahrelangem Verzicht dann alles auf einmal.

Interessant wäre die Frage gewesen wann der NSU die DVDen versandt hätte, wenn er nicht gestoppt worden wäre.

Eine andere Frage ist, ob der NSU bei namenlosen Opfern geblieben wäre. Denn in dem Wohnmobil befanden sich auch lange Namenslisten inklusive Politikern und religiösen Funktionären. Auch die Rechtsterroristen der Weimarer Republik begannen ihre Mordserie an namenlosen Opfern und steigerten sich erst später in immer aufwendigere Anschläge auf Prominente. Nicht auszumalen, wie schwerwiegend die Verwicklungen der Geheimdienste und Ermittlungsbehörden in den NSU gewertet würden, wenn es hochrangige Opfer gegeben hätte.

08 Mai 2013

Falsche Anforderungen der Bahn verantwortlich für ICE Lieferprobleme


Im Berliner Hauptbahnhof Tief kommt ein Schlafwagen aus Moskau an. Russische Waggons, vor die eine E-Lok deutscher Bauart gespannt ist. Diese russischen Waggons müssen nichts über deutsche Bahntechnik wissen, sie rollen einfach hinter der Lok her. So funktioniert das seit Jahrzehnten. Das Erfolgsgeheimnis ist, dass alle nationalen Bahntechnikspezifika in der Lok ausgeprägt sind. Wechselt man hinter der Grenze die Lok, hat sich der gesamte Zug an die nationalen Besonderheiten angepasst.

Eurotunnel
Im deregulierten Bahnnetz der EU geht das angeblich nicht mehr. Siemens ist mit der Lieferung eines transnationalen ICE für den Eurotunnel an die Deutsche Bahn in Verzug. Die Anforderung ist wohl, ein Gespann zu entwickeln, dass alle Bahnsysteme zwischen Startbahnhof und Großbritannien bedienen kann. Komplettgespanne wie ein ICE sind Mode und gut für’s Marketing des Zugbetreibers. Nur so fahren die gleichen Triebwagen mit den gleichen DB Schriftzügen durch halb Europa. Eine Wagenreihung mit Lokwechsel an den Grenzen ist den Managern im Bahntower am Potsdamer Platz zu bieder. Technisch allerdings gibt es keine Argumente für die Denke der Deutschen Bahn.

Inland
Auch der Nimbus eines Hochgeschwindigkeitszuges liefert kein Argument. Denn nicht die Höchst- sondern die tatsächlich erzielbare Durchschnittsgeschwindigkeit ist für die Kunden wichtig. Die Bahn sperrt immer irgendwelche Strecken seit der Ausdünnung ihres Netzes und den Billigbauzeiten eines Hartmut Mehdorn. Pendler zwischen Berlin und Wolfsburg wissen, das selbst auf der sturgeraden Höchstgeschwindigkeitsstrecke mit bis zu 250km/h der ICE gegenüber dem IC keinen Zeitvorteil bringt. Die beiden Züge sind schlicht gleich schnell am Ziel.

Auch technische Störungen an Triebwagen lassen sich flexibler handhaben, wenn man eine universell einsetzbare Lokomotive vorspannen kann. Ein ICE jedoch wird in einer festen Konfiguration genehmigt.

Unnützer, komplizierter Gespannbetrieb
Der Lieferverzug der neuen Siemens ICEs ist wohl auf Softwareprobleme beim Betrieb als Gespann zurückzuführen. Der Gespannbetrieb diente ursprünglich der Effizienzsteigerung. Wenn zwei Züge einen Großteil ihrer Gesamtstrecke gemeinsam haben, sollten sie nicht mit langem Sicherheitsabstand hintereinander herfahren sollen. Man spannt sie einfach zusammen und dort, wo sich ihre Wege teilen, auseinander. Die Strecke Berlin - Düsseldorf/Köln wird so betrieben. Allerdings nutzt die Bahn dieses Gespann nicht, um mehr Züge auf einer stark nachgefragten Strecke zu fahren. Sondern um den Fahrplan weiter auszudünnen. Die genannte Strecke ist regelmäßig, also planmäßig überfüllt. Der Gespannbetrieb nutzt den Reisenden also nichts. Deshalb könnte die Bahn das Konzept auch aufgeben. Sie könnte zwei Triebwagen durch Waggons ersetzen und so mehr Kapazität schaffen.

Zurück zur E-Lok
Als Problemlösung wäre es also das Einfachste, wenn die Bahn zu bewährten Antriebskonzepten zurückkehren würde. Es würde billiger und schneller verfügbar. Zum Wohle aller Bahnbenutzer.

06 Mai 2013

Hart aber fair: Lucke legt los

Premiere im deutschen Fernsehen. Bernd Lucke hat Michel Friedman geknackt. Bei Hart aber Fair. Thema:  "Den Euro abwählen - Entscheidet die AfD die Wahl?" (Link)

Friedman (alle anderen Talkgäste kann man schlicht unerwähnt lassen) argumentierte gegen Lucke zunächst ökonomisch: Der Euro sei wichtig für -Achtung:- die deutschen Exporte. Als Lucke auf dieser Ebene einstieg und Friedman widerlegte -Exportanstiege nach Aufwertungen der D-Mark und des EURO, abnehmender Anteil der Eurozone als Zielländer unserer Exporte- antwortete Friedman wörtlich: "All Ihre Statistiken beeindrucken mich überhaupt nicht, weil sie nicht politisch argumentieren." Damit war Friedman für den Rest des Abends entzaubert. Er hielt die Ebene, auf der er die Debatte eröffnete selbst nicht durch. Ihm war sichtlich unwohl. Später betonte er dann noch, dass er keine Probleme mit Professoren habe, aber auch nichts von Obrigkeitsdenken halte. Das war das nächste Outing, diesmal eines Minderwertigkeitskomplexes. Zum ersten mal traf er in einer Talkshow auf einen überlegenen Gegenpart.

Ein FDP Vertreter aus NRW warnte vor einer Spaltung zwischen Frankreich und Deutschland. Ausgerechnet ein FDP-Vertreter warf also die Frage auf, warum Guido Westerwelle auf der europäischen Bühne überhaupt nicht in Erscheinung tritt, geschweige denn in der deutsch-französischen Freundschaft. Zwischen uns Nachbarn herrscht Eiszeit, seitdem Westerwelle Außenminister ist.

Eine abgebrochene Theologiestudentin und Kirchenfunktionärin bot wenig mehr als Gutmenschenpopulismus. Bemühte Empörung, doch leider substanzlos.

Die Bankenretter aus den Altparteien widersprechen sich permanent selbst. Erst argumentieren sie ökonimisch für den Euro weil er Deutschland vor der Krise genutzt habe. Dann widerlegt ein Experte diese Behauptung mit Zahlen und sagt, dass der Euro in der Krise Deutschland schade und die starke D-Mark damals unseren Exporten auch nicht geschadet habe. Diese Argumentation wird dann als "national-chauvinistisch" ausgelegt. Auch die politische Behauptung, auf die die Bankenretter dann ausweichen, ist leicht widerlegbar: Nicht der Austritt aus dem Euro, sondern seine Erhaltung mit aller Gewalt gefährdet den Frieden in Europa. Das zeigen Fernsehbilder von Massendemonstrationen in europäischen Hauptstädten. Und die EU-Länder, die den Euro bis heute ablehnen, gefährden den Frieden auch nicht.

Lucke legte das Niveau so hoch und blieb emotional so ruhig, dass die üblichen Verdummungssprüche der Altparteien überhaupt nicht verfangen konnten. Schon blöd, wenn mal einer in der Runde sitzt, der Ahnung vom Thema hat.