Der Wirtschaftsminister greift nun den Hinweis auf, dass Tankstellen in Österreich ihre Preise nur noch einmal täglich bewegen dürfen. Ich hatte darauf schon mal vor einem Jahr hingewiesen: Link. Das soll die permanent in Bewegung befindlichen Benzinpreise bremsen.
Dort hatte ich auch geschrieben, wie die Tankstellenbetreiber darauf reagiert haben: Sie bilden nun Mittelwerte der erwarteten Tagesganglinie. D.h. es steckt mehr Spekulation drin. Geht die Tendenz nach oben, baut der Anbieter Luft nach oben mit in seinen Tagespreis. D.h. wahrscheinlich gewinnt der Autofahrer da gar nicht viel.
Es hat aber trotzdem einen positiven psychologischen Effekt: Man ärgert sich nicht mehr, wenn man morgens eigentlich tanken wollte, aber darauf spekulierte, dass es abends billiger wird. Und dann doch mit anschwellendem Ärger sehen musste, dass der Preis gestiegen ist. So ist es manchmal an den Börsen. Und so ist der Deutsche, der an der Börse handelt: Gewinne schreibt er gerne seiner Intelligenz zugute. Verluste versucht er bei den anderen abzuladen. (Die Banken machen es ihm vor.)
Dass die Autofahrer diesen positiven Effekt ihm zugute schreiben werden, ist das Kalkül Röslers. Wenn er wirklich etwas gegen zu hohen Benzinpreise tun wollte, könnte er auch die Energiesteuer senken..
28 Mai 2011
26 Mai 2011
#Merkelsprech
Ein Doktortitel in Physik ist für eine Bundeskanzlerin keine Entschuldigung für schlechtes, wirres Deutsch. Es klingt meist so, als überlege sie sich erst im Verlaufe eines Satzes, wo sie landen will. Als wolle sie ursprünglich ein klares, kontroverses Statement machen, das ihr Profil schärft, und dann im gleichen Atemzug schon all diejenigen wieder einsammeln, die sie dabei verliert. Im Ergebnis schwurbelt sie rum:
Da sieht man, wie unpassend die Metapher von der "Brückentechnologie" ist. Eine Brücke überspannt eine vorgegebene Lücke. Diese Lücke besteht in diesem Bild zwischen den vermeintlich unterschiedlichen Kostenniveaus von Kern- und Windenergie. Wer den Weg in das Zeitalter der regenerativen Energien verkürzen will, muss nicht die Brücke verkürzen -denn dann fehlt am Ende ein Stück- sondern die zu überspannende Lücke.
Frage: Was sind "nukleare Folgen"?
Drei Verneinungen hintereinander versteht niemand mehr. Zumindest nicht im gesprochenen Wort.
Noch mehr #Merkelsprech und Analysen gibt es hier:
http://alternativlos.org/12/
http://www.maha-online.de/blog/
Wir werden jeden im Lande fragen: Wenn du irgendwo raus willst, was ist dein Beitrag, dass wir woanders einsteigen?Will man irgendwo raus? Oder will man aus irgendetwas raus, oder hat sie hier geschwäbelt? Und die angehängte Frage geht so überhaupt nicht: Was ist Dein Beitrag zum Einstieg in eine Alternative, hätte sie z.B. fragen können.
Wir schauen, ob wir die Brücke noch einmal verkürzen können.
Da sieht man, wie unpassend die Metapher von der "Brückentechnologie" ist. Eine Brücke überspannt eine vorgegebene Lücke. Diese Lücke besteht in diesem Bild zwischen den vermeintlich unterschiedlichen Kostenniveaus von Kern- und Windenergie. Wer den Weg in das Zeitalter der regenerativen Energien verkürzen will, muss nicht die Brücke verkürzen -denn dann fehlt am Ende ein Stück- sondern die zu überspannende Lücke.
Die Berichte über die nuklearen Folgen des schrecklichen Erdbebens und der furchtbaren Flutwelle in Japan sind widersprüchlich.Merkel auf der Pressekonferenz zu Fukushima
Frage: Was sind "nukleare Folgen"?
Denn wir können nicht so tun, als ob die Ereignisse in Japan schon deshalb keine Auswirkungen auf die ganze Welt, auf Europa und auf unser Land hätten, weil derartig gewaltige Erdbeben und Flutwellen nach menschlichem Ermessen bei uns nicht eintreffen werden.
Drei Verneinungen hintereinander versteht niemand mehr. Zumindest nicht im gesprochenen Wort.
Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und die bisherige unbestrittene Sicherheit unserer kerntechnischen Anlagen zum Maßstab auch des künftigen Handelns machen, ohne dass wir infolge der jüngsten Ereignisse einmal innehalten.Merkel als nacheilende Prophetin, die mit einer Erkenntnis glänzen will, die ihre gefühlten Parteifreunde schon vor ihr ausgesprochen haben. In diesem Satz stecken alle Widersprüche: Etwas in Frage stellen, was keiner in Frage stellen will, weil die Antwort unbequem sein könnte, und deshalb noch mal die alte, aber soeben widerlegte Gewissheit betonen. Den widersprüchlichen Worten ließ sie ebensolche Taten folgen: Sie delegierte die große Frage an zwei Kommissionen, die nochmals altbekannte Denk- und Argumentationsmuster wälzen sollten. Die Frage wurde nicht auf einen Nenner gebracht, sondern Interessen ausgeliefert und atomarisiert. Eine "Ethikommission" hätte Normen zum Umgang mit Risiken aufstellen können. Z.B. durch Vergleiche. Z.B. mit dem Risiko "Terroranschlag". Zu welchen Kosten versuchen wir Terroranschlägen vorzubeugen? Und welche Kosten, die ein Anschlag auslösen würde, vermeiden wir dadurch? Welche ethische Norm wenden wir dabei an?
Noch mehr #Merkelsprech und Analysen gibt es hier:
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25 Mai 2011
Die Brennelementesteuer ist verbrauchsabhängig
"Die Steuer für ein Gramm Plutonium 239, Plutonium 241, Uran 233 oder Uran 235 beträgt 145 Euro."Quelle: Wikipedia
Die Brennelementesteuer (korrekt: Kernbrennstoffsteuer) wird also abhängig vom Verbrauch erhoben. Sollte die Bundesregierung einige Kernkraftwerke stillegen, müsste sie die Steuer nicht "logischerweise wieder abschaffen", wie das heute Vertreter der Kraftwerksbetreiber und Politiker wie Horst Seehofer forderten. Bei "null Atomstrom" beträgt die Steuer ebenfalls null.
Zusätzlich zahlen die Kernkraftwerksbetreiber neun Euro pro zusätzlich eingespeister MWh (= 1.000 kWh) in einen Fonds zur „Finanzierung der Förderungsmaßnahmen zur Umsetzung des Energiekonzeptes“
24 Mai 2011
Was in Berlin sonst noch geschah
Innenminister Friedrich: "Wer nichts vebrochen hat, braucht keinen Datenschutz." OK, dann aber auch: Wer nichts verbrochen hat, braucht keinen Bodyguard.
Gelangweilte Mittelklassekinderchen aus Schwaben haben gestern mit Streichhölzern an Versorgungskabeln der Bahn am Bahnhof Ostkreuz gespielt, ein Feuer zustande bekommen und ein Skript auf einen Blog gepostet. Alle Räder standen still. Die Fahrgäste bemerkten den Unterschied zum Normalbetrieb der Berliner S-Bahn aber nicht.
Die Bundesdruckerei bereitet angeblich die Produktion von DM-Scheinen und Münzen vor.
Verkehrssenatorin Junge-Reyer (SPD) und Umweltsenatorin Lompscher (ehemals SED, heute Linkspartei): "Sind bei der Lahmlegung Berlins in den vergangenen fünf Jahren gutes Stück voran gekommen."
Innensenator Körting traut sich noch nicht zu sagen, dass er die Position des Polizeipräsidenten eigentlich ersatzlos streichen will. Intern gilt das als Dialogangebot an die Auto- und Kinderwagenanzünder.
Egon Bahr hat dem neuen Behördenchef für die Stasiunterlagen, bei dem es sich zum ersten mal um einen Vertreter der Stasiopfer handelt, mangelnden Versöhnungswillen vorgeworfen.
Die Friedrichshainer Bürgerinitiative "Mediespree versenken" hat sich versehentlich für den Erhalt einer wilden Müllkippe am Spreeufer eingesetzt. Sprecher Joost: "Wir setzen uns konsequent für den Erhalt gewachsener Strukturen ein."
Da der Platz des Tiergartens nicht mehr ausreichte, sind am Wochenende die ersten Grillfans auf das Gelände des gegenüber liegenden Schlosses Bellevue eingedrungen. Familien eigneten sich zusammen mit Schweinen und Ziegen "unseren Schlosspark" an. Bundespräsident Wulff und seine Familie flüchteten vor den dichten Nebelschwaden ins Kanzleramt.
Gelangweilte Mittelklassekinderchen aus Schwaben haben gestern mit Streichhölzern an Versorgungskabeln der Bahn am Bahnhof Ostkreuz gespielt, ein Feuer zustande bekommen und ein Skript auf einen Blog gepostet. Alle Räder standen still. Die Fahrgäste bemerkten den Unterschied zum Normalbetrieb der Berliner S-Bahn aber nicht.
Die Bundesdruckerei bereitet angeblich die Produktion von DM-Scheinen und Münzen vor.
Verkehrssenatorin Junge-Reyer (SPD) und Umweltsenatorin Lompscher (ehemals SED, heute Linkspartei): "Sind bei der Lahmlegung Berlins in den vergangenen fünf Jahren gutes Stück voran gekommen."
Innensenator Körting traut sich noch nicht zu sagen, dass er die Position des Polizeipräsidenten eigentlich ersatzlos streichen will. Intern gilt das als Dialogangebot an die Auto- und Kinderwagenanzünder.
Egon Bahr hat dem neuen Behördenchef für die Stasiunterlagen, bei dem es sich zum ersten mal um einen Vertreter der Stasiopfer handelt, mangelnden Versöhnungswillen vorgeworfen.
Die Friedrichshainer Bürgerinitiative "Mediespree versenken" hat sich versehentlich für den Erhalt einer wilden Müllkippe am Spreeufer eingesetzt. Sprecher Joost: "Wir setzen uns konsequent für den Erhalt gewachsener Strukturen ein."
Da der Platz des Tiergartens nicht mehr ausreichte, sind am Wochenende die ersten Grillfans auf das Gelände des gegenüber liegenden Schlosses Bellevue eingedrungen. Familien eigneten sich zusammen mit Schweinen und Ziegen "unseren Schlosspark" an. Bundespräsident Wulff und seine Familie flüchteten vor den dichten Nebelschwaden ins Kanzleramt.
23 Mai 2011
Schlagen wir die Mineralölkonzerne mit ihren eigenen Waffen
Die Mineralölkonzerne fahren folgende Strategie, um die Preise an ihren Tankstellen möglichst lange hoch zu halten:
- Informationstechnik, die sie über die Preisentwicklung beim Wettbewerb möglichst in Echtzeit informiert. Vereinfachtes Motto: Sobald der erste erhöht, ziehen sie nach. Erst wenn der Letzte gesenkt hat, senken sie auch.
- Die fortwährende Ausdünnung ihres Tankstellennetzes, um ihren Kunden möglichst lange Wege zu bescheren, wenn sie ebenfalls Preise beobachten und vergleichen wollen.
Die Antwort von uns Kunden sollte lauten: Machen wir es ihnen nach! Ein einfache Möglichkeit ist eine App fürs Smartphone. Clever Tanken war eine der ersten: Wer unterwegs an einer Tankstelle vorbekommt, merkt sich den Preis für seine Sorte und gibt sie bei nächster Gelegenheit in die App ein. Je mehr Anwender mitmachen, desto breiter und aktueller wird die Informationsbasis. Inzwischen tummeln sich einige Anwendungen mehr auf dem Markt. Wer ein iPhone hat, gebe bei iTunes einfach mal das Stichwort "Benzinpreis" oder "Tanken" ein..
Eine zweite Möglichkeit ist leider verboten: Im großen Stile einkaufen, wenn der Preis mal niedrig ist. Benzin in Fässern in der Garage zu lagern ist aus Sicherheitsgründen verboten. Die einzige Möglichkeit ist ein Reservekanister. Oder der Tank des Zweitwagens. (Denn sobald sich ein Auto um den Tank herum befindet, ist es erlaubt ;-)
- Informationstechnik, die sie über die Preisentwicklung beim Wettbewerb möglichst in Echtzeit informiert. Vereinfachtes Motto: Sobald der erste erhöht, ziehen sie nach. Erst wenn der Letzte gesenkt hat, senken sie auch.
- Die fortwährende Ausdünnung ihres Tankstellennetzes, um ihren Kunden möglichst lange Wege zu bescheren, wenn sie ebenfalls Preise beobachten und vergleichen wollen.
Die Antwort von uns Kunden sollte lauten: Machen wir es ihnen nach! Ein einfache Möglichkeit ist eine App fürs Smartphone. Clever Tanken war eine der ersten: Wer unterwegs an einer Tankstelle vorbekommt, merkt sich den Preis für seine Sorte und gibt sie bei nächster Gelegenheit in die App ein. Je mehr Anwender mitmachen, desto breiter und aktueller wird die Informationsbasis. Inzwischen tummeln sich einige Anwendungen mehr auf dem Markt. Wer ein iPhone hat, gebe bei iTunes einfach mal das Stichwort "Benzinpreis" oder "Tanken" ein..
Eine zweite Möglichkeit ist leider verboten: Im großen Stile einkaufen, wenn der Preis mal niedrig ist. Benzin in Fässern in der Garage zu lagern ist aus Sicherheitsgründen verboten. Die einzige Möglichkeit ist ein Reservekanister. Oder der Tank des Zweitwagens. (Denn sobald sich ein Auto um den Tank herum befindet, ist es erlaubt ;-)
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Öl
22 Mai 2011
Schalker Fantreff in Berlin
Da die Schalker ja alle zwei, drei Jahre zum Pokalfinale herkommen, kann man schon von Tradition sprechen: Man trifft sich am Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche. Und immer wieder bin ich überrascht, wie viele alte Bekannte wir treffen. Ich hab nur zwei Jahre in Gelsenkirchen gewohnt, bin aber in Dortmund aufgewachsen. Trotzdem: Egal ob beim Auswärtsspiel vom BvB oder z.B. auf einer der vielen Meisterfeiern der letzten Jahre in Dortmund: Ich treffe da kaum bekannte Gesichter..
Jedenfalls hab ich mich gestern dem Tross wieder angeschlossen. Man trifft sich im kleinen Kreis am KaDeWe und zieht dann rüber zur Fanparty. Ich war mit BvB Shirt da, das mit der Meisterschale. Meinen Witz "Einmal Schale anpacken: 1 EUR" fanden nur unsere Kumpels von damals lustig. Die verhätschelten und subventionierten "Ultras", die so tun, als hätten sie sowohl den FC Gelsenkirchen Schalke 04 gegründet als auch die letzte Kohle aus dem Stollen geholt, sind weniger locker. Aber die muss man großzügig ignorieren.
Jedenfalls hab ich mich mit etlichen Schalkern gut unterhalten. Unterm Strich sind wa doch froh, dass beide Trophäen dieses Jahr in den Pott gehen. Eine besondere Ehre war mir die Bekanntschaft mit einem der letzten Schalker Meister..



Jedenfalls hab ich mich gestern dem Tross wieder angeschlossen. Man trifft sich im kleinen Kreis am KaDeWe und zieht dann rüber zur Fanparty. Ich war mit BvB Shirt da, das mit der Meisterschale. Meinen Witz "Einmal Schale anpacken: 1 EUR" fanden nur unsere Kumpels von damals lustig. Die verhätschelten und subventionierten "Ultras", die so tun, als hätten sie sowohl den FC Gelsenkirchen Schalke 04 gegründet als auch die letzte Kohle aus dem Stollen geholt, sind weniger locker. Aber die muss man großzügig ignorieren.
Jedenfalls hab ich mich mit etlichen Schalkern gut unterhalten. Unterm Strich sind wa doch froh, dass beide Trophäen dieses Jahr in den Pott gehen. Eine besondere Ehre war mir die Bekanntschaft mit einem der letzten Schalker Meister..



21 Mai 2011
Nokia sucht nach patentierbaren Kundenideen
Alle reden von der Kreativwirtschaft. Nokia handelt und eröffnet eine Plattform für die Einreichung von Produktideen.
Nokia erweitert die Idee von Crowd Sourcing jetzt auf patentierbare Ideen. Unter dem Kampagnenname "Invent with Nokia" ruft Nokia die Welt auf, ihr patentierbare Produkt- und Serviceideen zuzusenden. Gehandhabt wird es ähnlich dem Arbeitnehmererfindungswesen:
1. Registrierung auf der Website
2. Zusendung der Erfindungsbeschreibung an Nokia. Nokia startet eine zweistufige Sicht im eigenen Hause.
3. Binnen vier Monaten meldet sich Nokia, ob es die Idee übernehmen und zum Patent anmelden will.
4. Im Falle der "Inanspruchnahme" honoriert Nokia dies. Sollte die Idee patentiert werden und in erfolgreiche Produkte oder Services einfließen, zahlt Nokia eine Erfolgsbeteiligung. Wie hoch diese ist, erfährt man erst im Zuge der Registrierung.

Quelle: Nokia
Das ist ein interessanter Ansatz und ich bin gespannt, ob und was Nokia über den Erfolg seiner Kampagne berichten wird. Welche Art Vorschläge darf Nokia wohl erwarten?
1. Alles, was man besser machen könnte, wo es heute hakt. Die meisten Kunden können vermutlich sofort Hinweise auf nicht optimale Produkte und Abläufe geben. Z.B. für die Gestaltung der Bedienoberfläche, Akkuhaltbarkeit, Empfangsqualität, Lautstärke und Klangqualität des MP3-Players. Solche Dinge, mit denen man täglich in Kontakt kommt. Diese Vorschläge werden aber nur selten patentierbar sein. Trotzdem wertvoll für Nokia ;-)
2. Anwendungsfälle, für die Kunden sich eine Funktion oder "App" wünschen. Marktlücken und Nischen für den "Appstore" (wie heißt der bei Nokia..?) sozusagen.
3. Freie Erfinder, die eigene Erfindungen meist auf eigene Kosten anmelden.
3. Echte Diamanten. Bahbrechende Erfindungsideen, an die noch keiner gedacht hat.
Allerdings weist Nokia auf seiner Website darauf hin, dass es natürlich auch selbst viele Ideen hat, und die eingereichte Idee nicht neu sein könnte.. Wie kann man das als Erfinder von außen unterscheiden? Das einzig objektive Kriterium dafür wäre eine Patentanmeldung von Nokia, die beim Patentamt früher angemeldet wurde (das steht auf der Veröffentlichungsschrift), als der Erfinder seine Idee an Nokia gesendet hat.
Ein wichtiger Punkt ist: Mitarbeiter von Wettbewerbern und Zulieferern unterliegen in Deutschland (und in anderen Ländern sieht es sicher ähnlich aus) dem Arbeitnehmererfindungsgesetz. Das heißt: Wer in dieser oder verwandten Branchen arbeitet, ist eigentlich verpflichtet, seine Erfindungen zuerst seinem Arbeitgeber anzuzeigen (Erfindungsmeldung, Formblatt sollte im Intranet bereitstehen..). Auch der eigene Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, Erfindungen, die er in Anspruch nimmt und verwertet, zu vergüten. Auch wird der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer auf Patentanmeldungen immer als Erfinder benennen.
D.h. für Branchenspezialisten ist diese Kampagne eher uninteressant. Aber freie Erfinder
Trotzdem ein reizvolles Projekt. Natürlich auch für Web 2.0 Berater. Vor zehn Jahren zogen wir mit der Idee von Customer Relationship Management über die Lande. Danach wechselte ich in die Patentberatung. Nokia hat nun beides auf interessante Weise kombiniert.
Vielleicht war diese Idee inspiriert vom US-amerikanischen Projekt "Peer to Patent", wo Crowdsourcing für die Neuheitsprüfung eingereichter Patentanmeldungen beim Patentamt genutzt wird..?
Nokia erweitert die Idee von Crowd Sourcing jetzt auf patentierbare Ideen. Unter dem Kampagnenname "Invent with Nokia" ruft Nokia die Welt auf, ihr patentierbare Produkt- und Serviceideen zuzusenden. Gehandhabt wird es ähnlich dem Arbeitnehmererfindungswesen:
1. Registrierung auf der Website
2. Zusendung der Erfindungsbeschreibung an Nokia. Nokia startet eine zweistufige Sicht im eigenen Hause.
3. Binnen vier Monaten meldet sich Nokia, ob es die Idee übernehmen und zum Patent anmelden will.
4. Im Falle der "Inanspruchnahme" honoriert Nokia dies. Sollte die Idee patentiert werden und in erfolgreiche Produkte oder Services einfließen, zahlt Nokia eine Erfolgsbeteiligung. Wie hoch diese ist, erfährt man erst im Zuge der Registrierung.

Quelle: Nokia
Das ist ein interessanter Ansatz und ich bin gespannt, ob und was Nokia über den Erfolg seiner Kampagne berichten wird. Welche Art Vorschläge darf Nokia wohl erwarten?
1. Alles, was man besser machen könnte, wo es heute hakt. Die meisten Kunden können vermutlich sofort Hinweise auf nicht optimale Produkte und Abläufe geben. Z.B. für die Gestaltung der Bedienoberfläche, Akkuhaltbarkeit, Empfangsqualität, Lautstärke und Klangqualität des MP3-Players. Solche Dinge, mit denen man täglich in Kontakt kommt. Diese Vorschläge werden aber nur selten patentierbar sein. Trotzdem wertvoll für Nokia ;-)
2. Anwendungsfälle, für die Kunden sich eine Funktion oder "App" wünschen. Marktlücken und Nischen für den "Appstore" (wie heißt der bei Nokia..?) sozusagen.
3. Freie Erfinder, die eigene Erfindungen meist auf eigene Kosten anmelden.
3. Echte Diamanten. Bahbrechende Erfindungsideen, an die noch keiner gedacht hat.
Allerdings weist Nokia auf seiner Website darauf hin, dass es natürlich auch selbst viele Ideen hat, und die eingereichte Idee nicht neu sein könnte.. Wie kann man das als Erfinder von außen unterscheiden? Das einzig objektive Kriterium dafür wäre eine Patentanmeldung von Nokia, die beim Patentamt früher angemeldet wurde (das steht auf der Veröffentlichungsschrift), als der Erfinder seine Idee an Nokia gesendet hat.
Ein wichtiger Punkt ist: Mitarbeiter von Wettbewerbern und Zulieferern unterliegen in Deutschland (und in anderen Ländern sieht es sicher ähnlich aus) dem Arbeitnehmererfindungsgesetz. Das heißt: Wer in dieser oder verwandten Branchen arbeitet, ist eigentlich verpflichtet, seine Erfindungen zuerst seinem Arbeitgeber anzuzeigen (Erfindungsmeldung, Formblatt sollte im Intranet bereitstehen..). Auch der eigene Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, Erfindungen, die er in Anspruch nimmt und verwertet, zu vergüten. Auch wird der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer auf Patentanmeldungen immer als Erfinder benennen.
D.h. für Branchenspezialisten ist diese Kampagne eher uninteressant. Aber freie Erfinder
Trotzdem ein reizvolles Projekt. Natürlich auch für Web 2.0 Berater. Vor zehn Jahren zogen wir mit der Idee von Customer Relationship Management über die Lande. Danach wechselte ich in die Patentberatung. Nokia hat nun beides auf interessante Weise kombiniert.
Vielleicht war diese Idee inspiriert vom US-amerikanischen Projekt "Peer to Patent", wo Crowdsourcing für die Neuheitsprüfung eingereichter Patentanmeldungen beim Patentamt genutzt wird..?
18 Mai 2011
Herzlichen Glückwunsch zum Büchner-Preis, F. C. Delius
"Das sichtbare Leiden des gefangenen Arbeitgeberpräsidenten war für sich schon ergreifend. Irritierender noch war die Ahnung, daß die Polaroidphotos doppelt belichtet schienen. Das zweite Bild dahinter, über das nicht gesprochen wurde, war das heimliche, vielleicht das eigentliche Skandalon des Jahres 1977: Nie zuvor hatte man in Deutschland einen SS-Mann leiden sehen."F. C. Delius
Wir werden von Antiintellektuellen regiert
In einem Fernsehbericht über die Filmfestspiele in Cannes, genauer: über den Film, der die Karriere von Frankreichs Antwort auf Gerhard Schröder, Nicolas Sarkozy, nachzeichnet, fiel der Satz. "Frankreich hat zum ersten mal keinen intellektuellen Präsidenten."
Da harren wir Deutschen schon wesentlich länger aus. Wir sind schon in den achtziger Jahren entwöhnt worden. Bei uns ist es seit langem Trumpf, sich von Intellektuellen, bzw. -da wir ja kaum noch welche haben- deren Anspruch zu distanzieren.
Brachte das vorige Jahrhundert den Ersatz der (auf Vererbung beruhenden) Dynastie durch die Trennung von Rolle und Person, mussten wir im neuen Jahrhundert als erstes den Ersatz der Regierungskunst durch "Konzepte" und "Prozesse" zur Kenntnis nehmen. Standardisierte Abläufe sollen die Qualität des Arbeitsergebnisses von der Qualität der Mitarbeiter unabhängig machen. Diese Unabhängigkeit erkauft man sich mit zwei Nachteilen: 1. einer immer unflexibleren und lebensferneren Organisation und 2. einer fortschleichenden Entmündigung der Mitarbeiter, mithin: ihrer schwindender Urteilsfähigkeit. (Beispiel: Die skriptgebundenen Agenten in Callcentern)
Die Berater, die von der Prozessberatung in Unternehmen lange gut gelebt haben, haben sich irgendwann auch auf die Politik gestürzt. Sie erfanden Begriffe wie "demokratischer Prozess".
Politikverdrossene hätten der Hoffnung erliegen können, dass auch hier Prozesse die Qualität der Regierungsleistung von der Qualität der Regierenden unabhängig machen. In Deutschland könnten wir so ein Wundermittel gut gebrauchen. Doch es lief eher so, dass unser Regierungspersonal -unabhängig von der Farbe ihrer Trikots- im Einsatz von Agenden, Kommissionen etc. eine Gelegenheit sahen, eigene Defizite im politischen Denken als das Ende der alten Ideologien zu verkaufen.
Schröder kannte nur noch "moderne" Wirtschaftspolitik. Sein Motiv war, ein Paradebeispiel für die Thesen von Alice Miller, die Kompensation vermisster Elternliebe und -anerkennung durch Beliebtheit bei den Bossen. Er spannte die Bosse, ob Konzernpersonalchef oder windiger Finanzaufschwatzungsunternehmer, sogar in seine Regierungsarbeit ein. Heraus kamen komplizierte Projekte, die allesamt nach hinten losgingen.
Die Deutschen mochten an Schröder vor allem dessen "Tatkraft". Was mochten sie an Merkel und Westerwelle? Merkel vereint etwas Seltsames: Doktortitel und Antiintellektualität, erkennbar vor allem an ihrer sprachlichen Armut und Ungelenkheit und der Phrase, mit der sie Guttenberg Schutz vor der Kritik an seinem geistigen Diebstahl bieten wollte. Merkel hat ihren Doktortitel verraten, durch Wort und Tat.
Intellektuell schmerzhaft sind auch die Ergüsse von Guido Westerwelle. Ihm geht fast alles Politische ab. In seiner Abschiedsrede buhlte er noch einmal um Applaus mit folgender "Denkfigur": Er kritisierte die Linke dafür, dass sie die Globalisierung "ideologisiere". Dabei sei die Globalisierung doch - und darin sah er einen Widerspruch- "Fakt". Als ob jemand bestritten hätte, dass es die Globalisierung gibt. Aber "Fakt" ist auch, und zwar vor allem, und zwar vor allem für einen Politiker, dass ihre Gestaltung eine höchst politische Angelegenheit ist. Da geht es um die Analyse der eigenen Interessen (ein deutsches Defizit seit Genschers Abtritt), um Wirtschaftspolitik (ein deutsches Defizit seit Gründung der Bundesrepublik) um Verteidigungspolitik gegen die neuen Herausforderer. Es geht sogar um Kultur und Diplomatie. Es geht um internationale Spielregeln wie GATT, GATS, Finanztransaktionssteuern etc. Doch für all das scheint Westerwelle blind zu sein. Und wieder verkauft er seine fehlende Politisiertheit als "liberalen Ansatz".
Es ist die offene intellektuelle Flanke, die unsere Regierungen so anfällig macht für Lobbyisten und Journalisten. Sie plappern Phrasen von Bankern nach, ohne deren Inhalt und Tragweite zu verstehen. Hier und da verstehen sie dann doch mal etwas und posaunen es sogleich laute als Heureka! heraus. Sie widerstehen nur selten der Versuchung, sich von Zeitungen erst hochschreiben und dann fallen zu lassen.
Über die technischen Neuerungen der vergangenen zehn Jahre und die gesellschaftlichen Veränderungen die sie ausgelöst haben und die Chancen die sie für uns kulturell und wirtschaftlich geboten haben, darüber habe ich von deutschen Regierungen nicht ein Wort gehört. Es läuft schlicht an ihnen vorbei, weil ihre Karrieren nicht davon abhängen, wie gut wir Chancen erkennen und die Veränderungen vielleicht sogar mitgestalten.
In unsere Parteiensystem setzen sich keine Typen mehr durch, sondern die, die am besten die Satzungen und "Prozesse" verstehen und Stehvermögen für eine Kungelrunde nach der anderen haben. Kungelrunden nicht für politische Deals mit anderen Parteien und Organisationen. Darin sind sie völlig ungebübt und desinteressiert. Nein, ums Kungeln auf die Listenplätze und Vorstandsposten geht es. Wir erleben heute keine "Kampfkandidaturen" mehr, weil die Sieger eben das Kungeln in höchster Form beherrschen. Sie kommen in Parteien an die Spitze und in Parlamente und müssen dabei nicht einmal die Hausschuhe gegen Straßenschuhe tauschen, weil sich alles im eigenen Apparat abspielt. Rühmliche Ausnahmen stellen oft die Direktkandidaten dar. Denn hier muss man wirklich persönlich Wahlkampf betreiben, auf den die Satzungsspezialisten nur selten Lust haben. Für die besteht Wahlkampf nämlich darin, eine Agentur mit der Gestaltung und dem Druck von Flyern zu beauftragen und diese dann von einer anderen Agentur an Briefkästen verteilen zu lassen.
Ein Neumitglied des brandenburgischen Landesverbandes einer Partei erzählte mir mal, die erste Frage von Bezirksvorstand an ihn sei nicht gewesen, was ihn an der FDP reize, was er denn mache und vorhabe, sondern "wen er denn im Landesverband kenne" - also: wessen Lager er zuzurechnen sei, das jetzt einen Mann und eine Stimme mehr gegen möglicherweise die eigene Kandidatenpläne habe. Er antwortete: "Niemanden." Das wurde ihm dann als besondere Ausgefuchstheit und Intransparenz ausgelegt. Kann ja nicht sein, dass einer einfach so, aus Überzeugung, in die Partei eintritt...
Die so funktionierenden Parteien sind aber eigentlich nur die passende Antwort auf eine Gesellschaft, die ihre Intellektuellen hauptsächlich missachtet. Ausgenommen natürlich, wenn es darum geht, sich als Kulturvolk, von anderen -wie z.B. den USA - abzugrenzen. Aber normal ist, über Politik etwa so zu reden: Die Politiker, die labern nur. "Labern" also als zusammenfassender Begriff für Plädoyer, Argumentation, Diskussion.
Aber auch in der Politik, vor allem den sog. bürgerlichen Parteien, gilt ja: Mehr als drei Sätze im Zusammenhang sind schon eine Ideologie.
Den Nutzen haben die, die viel zu verlieren haben. Denen es die Sache einfacher macht, wenn Politiker zwar an der Regierung sind, aber nicht die Macht haben, sondern lenkbar sind. Die keine Leute an der Spitze wollen, die die Leute zum nachdenken bringen, zu Erkenntissen gar. Sondern Leute, die den Eindruck machen, sie könnten Massen beeinflussen. Über die Medien. Als Ablenkungsmanöver von dem, was vor sich geht. In der Schuldenkrise. Den Reallohnverlusten, den Spekulationsverlusten der kleinen Leute.
Wer gegen Intellektualität ist, ist auch gegen Demokratie. Will die Leute dumm halten, damit er sie ausbeuten kann. Somit hätten die oberen Stände in unserem System wieder den Zustand erreicht, den sie mit dem Kaiserreich glaubten aufgeben zu müssen.
Da harren wir Deutschen schon wesentlich länger aus. Wir sind schon in den achtziger Jahren entwöhnt worden. Bei uns ist es seit langem Trumpf, sich von Intellektuellen, bzw. -da wir ja kaum noch welche haben- deren Anspruch zu distanzieren.
Brachte das vorige Jahrhundert den Ersatz der (auf Vererbung beruhenden) Dynastie durch die Trennung von Rolle und Person, mussten wir im neuen Jahrhundert als erstes den Ersatz der Regierungskunst durch "Konzepte" und "Prozesse" zur Kenntnis nehmen. Standardisierte Abläufe sollen die Qualität des Arbeitsergebnisses von der Qualität der Mitarbeiter unabhängig machen. Diese Unabhängigkeit erkauft man sich mit zwei Nachteilen: 1. einer immer unflexibleren und lebensferneren Organisation und 2. einer fortschleichenden Entmündigung der Mitarbeiter, mithin: ihrer schwindender Urteilsfähigkeit. (Beispiel: Die skriptgebundenen Agenten in Callcentern)
Die Berater, die von der Prozessberatung in Unternehmen lange gut gelebt haben, haben sich irgendwann auch auf die Politik gestürzt. Sie erfanden Begriffe wie "demokratischer Prozess".
Politikverdrossene hätten der Hoffnung erliegen können, dass auch hier Prozesse die Qualität der Regierungsleistung von der Qualität der Regierenden unabhängig machen. In Deutschland könnten wir so ein Wundermittel gut gebrauchen. Doch es lief eher so, dass unser Regierungspersonal -unabhängig von der Farbe ihrer Trikots- im Einsatz von Agenden, Kommissionen etc. eine Gelegenheit sahen, eigene Defizite im politischen Denken als das Ende der alten Ideologien zu verkaufen.
Schröder kannte nur noch "moderne" Wirtschaftspolitik. Sein Motiv war, ein Paradebeispiel für die Thesen von Alice Miller, die Kompensation vermisster Elternliebe und -anerkennung durch Beliebtheit bei den Bossen. Er spannte die Bosse, ob Konzernpersonalchef oder windiger Finanzaufschwatzungsunternehmer, sogar in seine Regierungsarbeit ein. Heraus kamen komplizierte Projekte, die allesamt nach hinten losgingen.
Die Deutschen mochten an Schröder vor allem dessen "Tatkraft". Was mochten sie an Merkel und Westerwelle? Merkel vereint etwas Seltsames: Doktortitel und Antiintellektualität, erkennbar vor allem an ihrer sprachlichen Armut und Ungelenkheit und der Phrase, mit der sie Guttenberg Schutz vor der Kritik an seinem geistigen Diebstahl bieten wollte. Merkel hat ihren Doktortitel verraten, durch Wort und Tat.
Intellektuell schmerzhaft sind auch die Ergüsse von Guido Westerwelle. Ihm geht fast alles Politische ab. In seiner Abschiedsrede buhlte er noch einmal um Applaus mit folgender "Denkfigur": Er kritisierte die Linke dafür, dass sie die Globalisierung "ideologisiere". Dabei sei die Globalisierung doch - und darin sah er einen Widerspruch- "Fakt". Als ob jemand bestritten hätte, dass es die Globalisierung gibt. Aber "Fakt" ist auch, und zwar vor allem, und zwar vor allem für einen Politiker, dass ihre Gestaltung eine höchst politische Angelegenheit ist. Da geht es um die Analyse der eigenen Interessen (ein deutsches Defizit seit Genschers Abtritt), um Wirtschaftspolitik (ein deutsches Defizit seit Gründung der Bundesrepublik) um Verteidigungspolitik gegen die neuen Herausforderer. Es geht sogar um Kultur und Diplomatie. Es geht um internationale Spielregeln wie GATT, GATS, Finanztransaktionssteuern etc. Doch für all das scheint Westerwelle blind zu sein. Und wieder verkauft er seine fehlende Politisiertheit als "liberalen Ansatz".
Es ist die offene intellektuelle Flanke, die unsere Regierungen so anfällig macht für Lobbyisten und Journalisten. Sie plappern Phrasen von Bankern nach, ohne deren Inhalt und Tragweite zu verstehen. Hier und da verstehen sie dann doch mal etwas und posaunen es sogleich laute als Heureka! heraus. Sie widerstehen nur selten der Versuchung, sich von Zeitungen erst hochschreiben und dann fallen zu lassen.
Über die technischen Neuerungen der vergangenen zehn Jahre und die gesellschaftlichen Veränderungen die sie ausgelöst haben und die Chancen die sie für uns kulturell und wirtschaftlich geboten haben, darüber habe ich von deutschen Regierungen nicht ein Wort gehört. Es läuft schlicht an ihnen vorbei, weil ihre Karrieren nicht davon abhängen, wie gut wir Chancen erkennen und die Veränderungen vielleicht sogar mitgestalten.
In unsere Parteiensystem setzen sich keine Typen mehr durch, sondern die, die am besten die Satzungen und "Prozesse" verstehen und Stehvermögen für eine Kungelrunde nach der anderen haben. Kungelrunden nicht für politische Deals mit anderen Parteien und Organisationen. Darin sind sie völlig ungebübt und desinteressiert. Nein, ums Kungeln auf die Listenplätze und Vorstandsposten geht es. Wir erleben heute keine "Kampfkandidaturen" mehr, weil die Sieger eben das Kungeln in höchster Form beherrschen. Sie kommen in Parteien an die Spitze und in Parlamente und müssen dabei nicht einmal die Hausschuhe gegen Straßenschuhe tauschen, weil sich alles im eigenen Apparat abspielt. Rühmliche Ausnahmen stellen oft die Direktkandidaten dar. Denn hier muss man wirklich persönlich Wahlkampf betreiben, auf den die Satzungsspezialisten nur selten Lust haben. Für die besteht Wahlkampf nämlich darin, eine Agentur mit der Gestaltung und dem Druck von Flyern zu beauftragen und diese dann von einer anderen Agentur an Briefkästen verteilen zu lassen.
Ein Neumitglied des brandenburgischen Landesverbandes einer Partei erzählte mir mal, die erste Frage von Bezirksvorstand an ihn sei nicht gewesen, was ihn an der FDP reize, was er denn mache und vorhabe, sondern "wen er denn im Landesverband kenne" - also: wessen Lager er zuzurechnen sei, das jetzt einen Mann und eine Stimme mehr gegen möglicherweise die eigene Kandidatenpläne habe. Er antwortete: "Niemanden." Das wurde ihm dann als besondere Ausgefuchstheit und Intransparenz ausgelegt. Kann ja nicht sein, dass einer einfach so, aus Überzeugung, in die Partei eintritt...
Die so funktionierenden Parteien sind aber eigentlich nur die passende Antwort auf eine Gesellschaft, die ihre Intellektuellen hauptsächlich missachtet. Ausgenommen natürlich, wenn es darum geht, sich als Kulturvolk, von anderen -wie z.B. den USA - abzugrenzen. Aber normal ist, über Politik etwa so zu reden: Die Politiker, die labern nur. "Labern" also als zusammenfassender Begriff für Plädoyer, Argumentation, Diskussion.
Aber auch in der Politik, vor allem den sog. bürgerlichen Parteien, gilt ja: Mehr als drei Sätze im Zusammenhang sind schon eine Ideologie.
Den Nutzen haben die, die viel zu verlieren haben. Denen es die Sache einfacher macht, wenn Politiker zwar an der Regierung sind, aber nicht die Macht haben, sondern lenkbar sind. Die keine Leute an der Spitze wollen, die die Leute zum nachdenken bringen, zu Erkenntissen gar. Sondern Leute, die den Eindruck machen, sie könnten Massen beeinflussen. Über die Medien. Als Ablenkungsmanöver von dem, was vor sich geht. In der Schuldenkrise. Den Reallohnverlusten, den Spekulationsverlusten der kleinen Leute.
Wer gegen Intellektualität ist, ist auch gegen Demokratie. Will die Leute dumm halten, damit er sie ausbeuten kann. Somit hätten die oberen Stände in unserem System wieder den Zustand erreicht, den sie mit dem Kaiserreich glaubten aufgeben zu müssen.
Medien verschweigen Massendemonstrationen in Spanien
Schon merkwürdig: Auf Twitter (#spanishrevolution) laufen seit Sonntag Links auf Fotos und Berichte spanischer Blogger über Massendemonstrationen in spanischen Großstädten.
"Spreeblick" hat das gut zusammengefasst (Link) und dankenswerterweise sogar das Manifest des Initiators Democracia Real übersetzt. Ein Auszug:
Schon die arabischen Massenproteste in Nordafrika wurden von den deutschen Medien zuerst ignoriert. Vom deutschen Außenminister wurden sie noch länger ignoriert. Und von unserer revolutionserfahrenen Kanzlerin noch länger.
Die wissen, warum..
"Spreeblick" hat das gut zusammengefasst (Link) und dankenswerterweise sogar das Manifest des Initiators Democracia Real übersetzt. Ein Auszug:
Einige von uns folgen klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch, aber wir sind alle besorgt und wütend angesichts der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektive, die sich uns um uns herum präsentiert: die Korruption unter Politikern, Geschäftsleuten und Bankern macht uns hilf- als auch sprachlos.Quelle: Spreeblick
Schon die arabischen Massenproteste in Nordafrika wurden von den deutschen Medien zuerst ignoriert. Vom deutschen Außenminister wurden sie noch länger ignoriert. Und von unserer revolutionserfahrenen Kanzlerin noch länger.
Die wissen, warum..
Erkenntnisse über Elektroautos
Batteriebetriebene Elektroautos führen zu einem Dilemma zwischen Verkehrs- und Wohnkonzepten: Wegen ihrer geringen Reichweite eignen sie sich am besten für Leute, die in der Innenstadt wohnen. Da sie aber zum Aufladen einen reservierten Parkplatz mit Zugang zu einer Steckdose brauchen, eignen sie sich aus dieser Sicht am besten für Leute mit Häuschen und Garage im Grünen oder der Vorstadt.
Zur Auflösung dieses Dilemmas sind vor allem diese Ansätze bekannt:
- Die Tiefgaragen von Wohn- und Bürohäusern in Innenstädten werden von deren Besitzern mit Ladestationen ausgerüstet.
- Die Kommune oder der Stromversorger baut ein Netz von Ladestationen an Straßenrändern aus. (Voraussetzung ist, dass jeder Stecke in jede Dose passt.)
- Ein Betreiber baut ein Netz von Batteriewechselstationen aus, in denen die Fahrer von standardisierten Batterien leer gegen voll tauschen können. (Nachteil für den Fahrer: Er muss mehrmals die Woche eine solche Tankstelle anfahren und die Wechselprozedur mitmachen. Vorteil: Er spart sich die stundenlangen Ladezeiten.)
- Das Auto wird mit einem Notstromaggregat ausgerüstet, das die Batterie an Bord bei Bedarf nachlädt. (Vorteil für den Fahrer: Er ist außer von Tankstellen von nichts und niemanden abhängig.)
- Man forscht und entwickelt weiter an Energiespeichern, d.h. Batterien und an der Nutzbremsung im Auto.
Es gibt noch ein Dilemma: Gerade weil Elektroautos so sparsam sind, verdienen die Stromversorger nicht viel an ihnen. Deshalb lohnen sich für sie keine Großinvestitionen in Ladestationen. Die lohnen sich nur, wenn die Ausnutzung bereits vorhandener Kapazitäten oder überschüssiger Windstrom durch die Versorgung von Elektroautos mit wenig Aufwand verbessert werden kann.
Die Frage lautet: Wer geht in Vorleistung, und baut dem anderen Marktteilnehmer dessen Risiko ab? Der Autofahrer sagt: Baut mir erst mal ein zuverlässiges und für meinen Bedarf passendes Netz von Ladestationen auf. Der Stromversorger antwortet: Das tun wir gerne, aber nur wenn ihr viele seid. Und das gleiche sagt Shai Agassi mit seinem Batteriewechselnetz.
Diese grundsätzlichen Hürden sollen nun durch mächtige Subventionen überwunden werden? Davon halte ich nichts. Wenn man ein Projekt startet, in der Annahme, dass sein Ergebnis großen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt (Ölpreis, Arbeitsplätze, Exporte, Klimawandel) und wenn man dann feststellt, dass diese Lösung sehr teuer wird, dann stimmte vielleicht die ursprüngliche Annahme nicht.
Trotzdem verfolgen viele Regierungen solche Konzepte und der Automobilhersteller Tesla Motors verkauft fleißig seine Elektroroadster. Aber hier gilt, was in der Energiepolitik generell gilt: Jedes Land hat andere Bedingungen und Strukturen. Israel hat kurze Wege, in Kalifornien wohnt starke Kaufkraft und es gibt Länder, die vor lauter Wasser- oder Windkraft nicht wissen, wohin mit ihrem Strom.
Die Regierung hat die Frage der Elektromobilität zu einem nationalen Anliegen ausgerufen, bevor sie all diese Fragen untersucht hatte. (Wie so oft, denkt man hier entweder nicht strategisch oder man spricht nicht über seine wahren Absichten). Inzwischen ist die Nationale Plattform Elektromobilität jedenfalls zu einer Runde geworden, deren Hauptaufgabe offenbar die Berechnung von Subventionsbedarfen ist. Die Kalkulation wäre zumindest offen zu legen, und von der Regierung mit Sachverstand zu prüfen. Aber das ganze ist kommunikationstechnisch auch so angelegt, dass jeder jederzeit von dem Projekt abspringen kann mit dem Verweis, dass ja die andere Seite dieses Projekt wollte..
Zur Auflösung dieses Dilemmas sind vor allem diese Ansätze bekannt:
- Die Tiefgaragen von Wohn- und Bürohäusern in Innenstädten werden von deren Besitzern mit Ladestationen ausgerüstet.
- Die Kommune oder der Stromversorger baut ein Netz von Ladestationen an Straßenrändern aus. (Voraussetzung ist, dass jeder Stecke in jede Dose passt.)
- Ein Betreiber baut ein Netz von Batteriewechselstationen aus, in denen die Fahrer von standardisierten Batterien leer gegen voll tauschen können. (Nachteil für den Fahrer: Er muss mehrmals die Woche eine solche Tankstelle anfahren und die Wechselprozedur mitmachen. Vorteil: Er spart sich die stundenlangen Ladezeiten.)
- Das Auto wird mit einem Notstromaggregat ausgerüstet, das die Batterie an Bord bei Bedarf nachlädt. (Vorteil für den Fahrer: Er ist außer von Tankstellen von nichts und niemanden abhängig.)
- Man forscht und entwickelt weiter an Energiespeichern, d.h. Batterien und an der Nutzbremsung im Auto.
Es gibt noch ein Dilemma: Gerade weil Elektroautos so sparsam sind, verdienen die Stromversorger nicht viel an ihnen. Deshalb lohnen sich für sie keine Großinvestitionen in Ladestationen. Die lohnen sich nur, wenn die Ausnutzung bereits vorhandener Kapazitäten oder überschüssiger Windstrom durch die Versorgung von Elektroautos mit wenig Aufwand verbessert werden kann.
Die Frage lautet: Wer geht in Vorleistung, und baut dem anderen Marktteilnehmer dessen Risiko ab? Der Autofahrer sagt: Baut mir erst mal ein zuverlässiges und für meinen Bedarf passendes Netz von Ladestationen auf. Der Stromversorger antwortet: Das tun wir gerne, aber nur wenn ihr viele seid. Und das gleiche sagt Shai Agassi mit seinem Batteriewechselnetz.
Diese grundsätzlichen Hürden sollen nun durch mächtige Subventionen überwunden werden? Davon halte ich nichts. Wenn man ein Projekt startet, in der Annahme, dass sein Ergebnis großen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt (Ölpreis, Arbeitsplätze, Exporte, Klimawandel) und wenn man dann feststellt, dass diese Lösung sehr teuer wird, dann stimmte vielleicht die ursprüngliche Annahme nicht.
Trotzdem verfolgen viele Regierungen solche Konzepte und der Automobilhersteller Tesla Motors verkauft fleißig seine Elektroroadster. Aber hier gilt, was in der Energiepolitik generell gilt: Jedes Land hat andere Bedingungen und Strukturen. Israel hat kurze Wege, in Kalifornien wohnt starke Kaufkraft und es gibt Länder, die vor lauter Wasser- oder Windkraft nicht wissen, wohin mit ihrem Strom.
Die Regierung hat die Frage der Elektromobilität zu einem nationalen Anliegen ausgerufen, bevor sie all diese Fragen untersucht hatte. (Wie so oft, denkt man hier entweder nicht strategisch oder man spricht nicht über seine wahren Absichten). Inzwischen ist die Nationale Plattform Elektromobilität jedenfalls zu einer Runde geworden, deren Hauptaufgabe offenbar die Berechnung von Subventionsbedarfen ist. Die Kalkulation wäre zumindest offen zu legen, und von der Regierung mit Sachverstand zu prüfen. Aber das ganze ist kommunikationstechnisch auch so angelegt, dass jeder jederzeit von dem Projekt abspringen kann mit dem Verweis, dass ja die andere Seite dieses Projekt wollte..
16 Mai 2011
Fukushima - Super GAU nach 16 Stunden
Jetzt ist es amtlich: Die Reaktorkatastrophe in Fukushima ist genau so schwer wie die in Tschernobyl (INES Stufe 7, Link). Mehr als zwei Monate nach dem Erdbeben korrigiert TEPCO seine ursprüngliche Darstellung dahin gehend, dass es bereits nach 16 Stunden die erste Kernschmelze (in Reaktor 1) gegeben habe.
Nach dem 11. März hieß es seitens TEPCO und IAEA, die Notabschaltung nach der Registrierung des Erdbebens habe richtig funktioniert und der Reaktor sei im "cold shut down". Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf die Abfuhr der Nachzerfallswärme. Dazu diente auch das kontrollierte Ablassen von Wasserstoff (was dann aber wohl doch zu Knallgasreaktionen in der Atmosphäre führte..). Mit der Zeit klingt die Wärmeentstehung ab, also ist das Risiko einer Kernschmelze direkt nach der Abschaltung am größten, wenn die Wärmeabfuhr nicht gelingt.
Da wir keine anderen Informationen bekamen, waren wir über Tage im Glauben: "Bis jetzt hat es funktioniert." Ich erinnere mich an Kommentare z. B. bei den Ruhrbaronen, wo denn die Katastrophe bleibe, die deutschen Kritiker hätten mal wieder übertrieben. Jetzt erfahren wir: Die Wärmeabfuhr hat nicht funktioniert und es kam zur Kernschmelze. Der geschmolzene Kernbrennstoff hat Löcher in den Reaktorboden gefressen - das Chinasyndrom. Die Bewohner der Kraftwerksumgebung bekamen die Informationen, die sie für die Entscheidung einer FLucht gebraucht hätten, nicht.
Ob das TEPCO-Management es nicht früher wusste oder es nicht sagte - es ist ein weiterer Beleg dafür, dass bei der Sicherheit von Kernkraftwerken nicht nur auf die Qualität des Sicherheitstechnik ankommt, sondern auch auf die Qualität des Managements.
Nach dem 11. März hieß es seitens TEPCO und IAEA, die Notabschaltung nach der Registrierung des Erdbebens habe richtig funktioniert und der Reaktor sei im "cold shut down". Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf die Abfuhr der Nachzerfallswärme. Dazu diente auch das kontrollierte Ablassen von Wasserstoff (was dann aber wohl doch zu Knallgasreaktionen in der Atmosphäre führte..). Mit der Zeit klingt die Wärmeentstehung ab, also ist das Risiko einer Kernschmelze direkt nach der Abschaltung am größten, wenn die Wärmeabfuhr nicht gelingt.
Da wir keine anderen Informationen bekamen, waren wir über Tage im Glauben: "Bis jetzt hat es funktioniert." Ich erinnere mich an Kommentare z. B. bei den Ruhrbaronen, wo denn die Katastrophe bleibe, die deutschen Kritiker hätten mal wieder übertrieben. Jetzt erfahren wir: Die Wärmeabfuhr hat nicht funktioniert und es kam zur Kernschmelze. Der geschmolzene Kernbrennstoff hat Löcher in den Reaktorboden gefressen - das Chinasyndrom. Die Bewohner der Kraftwerksumgebung bekamen die Informationen, die sie für die Entscheidung einer FLucht gebraucht hätten, nicht.
Ob das TEPCO-Management es nicht früher wusste oder es nicht sagte - es ist ein weiterer Beleg dafür, dass bei der Sicherheit von Kernkraftwerken nicht nur auf die Qualität des Sicherheitstechnik ankommt, sondern auch auf die Qualität des Managements.
15 Mai 2011
Hoch auf dem gelben Wagen
Nee, da hats uns nicht mehr in Berlin gehalten. Da sind wa heute morgen ziemlich früh gen Westen aufgebrochen, zur BvB Meisterfeier. Als wir über die Brackeler Straße ankamen, war der Borsigplatz schon wegen Überfüllung geschlossen. Aber ich kannte da einen alten Schleichweg durchs Spähenfelde. Über den Güntherweg kamen wir dann auf die Weißenburger Strasse. Durch diese hohle Gasse sollten sie kommen. Und sie kamen. Wir waren nah dran. Lange her, dass ich so viel Schwarz-Gelb gesehen hatte. Dede und Weidenfeller vorne auf dem Führerhaus. Großkreutz, Rauball und Norbert Dickel auf unserer Seite. Pop-Kloppo stand hinten zur anderen Seite. Es war Riesenstimmung unter der alten Hoeschbahnbrücke..


















14 Mai 2011
Nur der BvB

Ein herrliches Wochenende steht bevor. Viele Schalker Freunde rufen an, kommen auf mich zu und fragen: Wie ist das, Meister zu werden? Was antwortet man da, ohne all zu tiefe Verletzungen auszulösen? Man sagt nicht: So wie immer. Man sagt vorsichtig: Es ist schön. Da ich ja seit zehn Jahren von Schalke Freaks umgeben bin, und es auch leichter ist, an S04 Tickets zu kommen, als an Dortmunder Tickets, habe ich in den letzten Jahren die Schalker öfter gesehen, als die Dortmunder. Da muss man schon aufpassen..
Aber spielerisch reicht Klopp und seinen Mannen keiner das Wasser. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Es ist die helle Freude, sie spielen zu sehen. Eine Mannschaft, kein Starensemble. Da irren auch viele Fussballmanager, dass die Zuschauer nur kommen, um teure Stars zu sehen. Nein, man will seine eigene Mannschaft nach oben kommen sehen. Man will sie spielen sehen, und zwar so, wie Fussball angelegt ist: Als Flügelspiel, in dem man mit Pässen -und nicht Einzelaktionen- Distanzen überwindet und schnell vor dem gegnerischen Tor ist. Man will sie spielen sehen, und nicht spielerische Mängel durch Laufen und Rauhbeinigkeit kompensieren, so wie es Berti Vogts Philosophie war. Diese phantasielose Philosophie war den Deutschen Fussballfans aber auch lange sympathisch. Vielleicht, weil sie ihnen aus ihren Betrieben vertraut war..?
Im Fussball setzen sich die Spieler, Trainer und Manager durch, die ihn leben wollen. Die seine Stärken rauskitzeln und damit nicht nur Erfolg haben, sondern auch das Publikum überraschen und begeistern. Es ist schön zu sehen, dass soetwas Erfolg hat. Und es freut mich, dass all die Managertypen, die glauben, Fussball sei zuvorderst mit den richtigen Unternehmensprozessen zu gewinnen, gescheitert sind. So wie Dieter Hundt und Erwin Staudt beim VfB Stuttgart zum Beispiel. Denen nur "Effizienz" als Vision einfiel, die Trainer feuerten, weil das einzige war, was sie überhaupt tun konnten. Die sich nicht aus der Lounge trauen, aber von dort rauhe Worte in Richtung ihrer Angestellten loslassen. Die sind gescheitert, weil sie keine Qualitäten aufwiesen, die eine Mannschaft zum Erfolg führen können. Gut so.
So, dann wolln wa mal. Ich hab gesehen, dass jetzt auch ein Nachbar Schwarz-Gelb geflaggt hat. Die Arbeiterkinder sind im Regierungsviertel angekommen und machen jetzt mal den Lauten..
10 Mai 2011
Die Finanzrettungsboote reichen nicht für alle
Der EURO scheint in den letzten Zügen zu liegen - jedenfalls wenn man den Zustand des Projektes am Kommunikationsverhalten seiner Protagonisten abliest, das inzwischen nicht aus Dementis sondern Leugnen besteht.
Egal, ob es sich um den früheren Porschechef, den gerade aktuellen Trainer von Bayern München oder Parteigrößen handelt: Je heftiger die Dementis ausfallen, desto näher ist der Fall gerückt, der dementiert werden soll. Was einer intensiv dementiert oder gar leugnet, ist oder wird der Fall sein.
Dazu gehört seit dem Wochenende auch Jean-Claude Juncker. Er und die anderen überforderten EURO-Chefs posieren gerne als bedeutende Europaarchitekten. Aber eigentlich sitzen sie zusammen mit den Banken am Spieltisch und lassen sich über den Tisch ziehen. Nein, nicht sich, sondern uns.
An diesem Treffen der EU-FInanzminister, das erst dementiert wurde und für dessen Ergebnisse im selben Atemzug eine Pressekonferenz angekündigt wurde, nahmen auf deutscher Seite der verantwortliche Finanzminister und sein wichtigster (damit meinen viele Finanzpolitiker: einziger) Finanzexperte Jörg Asmussen teil.
Genau genommen kann man Schäuble keinen großen Vorwurf machen. Er muss -ohne Sachverstand- auslöffeln, was ihm sein Vorgänger -auch ohne Sachverstand- eingebrockt hat. Peer Steinbrück hatte schon immer blind auf den Lobbyisten Jörg Asmussen gehört. Die Philosophie deutscher Politiker ist offenbar: Wenn sich der Wolf am besten mit den Schafen auskennt, dann muss der halt die Schafe hüten. Vor den Medien betont der Wolf dann eben, er sei in erster Linie dafür verantwortlich, dass ihn kein Schaf beisst. Ein Peer Steinbrück oder Wolfgang Schäuble verteidigen ihn in Talkshows dann auch gerne mit dem Hinweis, Jörg Asmussen und auch der neue Bundesbankchef Weidmann, das seien Fachleute, also Wölfe, die bislang noch nie von einem Schaf gebissen wurden.
Bei Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien geht es doch nur noch darum, wem die Haare geschnitten werden, wenn die Länder sich für zahlungsunfähig erklären. Asmussen passt auf, dass das nicht die deutschen Banken sein werden. Schäuble bietet als Kompromiss dann den deutschen Steuerzahler an. In den Radiointerviews erklären hörbar euphorisierte Bankensprecher dann wieder, dass "hier ja gar kein Geld fließt, denn es handelt sich nur um Bürgschaften".
Und kaum sind die Banken gerettet, man kann das in den USA beobachten, heißt es: Schwamm drüber. Dann wird die Agenda gesetzt, wer die "hohen Staatschulden" tragen soll. In den Budgetverhandlungen zwischen Präsident Obama und den Reps und der Teaparty finden sich etliche Statements, in denen nur von Haushaltskürzungen die Rede ist, aber nie von Banken.
Das schafft man nur mit einem Battaillon von Erregerjournalisten, die Säue durch Dörfer jagen, und peinlich darauf achten, dass kein Mensch die Punkte verbindet und das gesamte Bild zu sehen bekommt.
Das sind übrigens auch die gleichen Leute, die uns stets mit bedeutenden Blicken dozieren, dass wir uns mehr anstrengen müssen, weil China so groß und stark geworden ist. Die von uns unbezahlte Mehrarbeit verlangen und höhere Sozialabgaben und für sich selbst Steuersenkungen.
Und Schiffbrüchige auf See, die können wir uns überhaupt nicht mehr leisten. Rettungsboote halten wir nur für Banken bereit. Denn wir setzen Prioritäten und können uns nicht alles leisten.
Egal, ob es sich um den früheren Porschechef, den gerade aktuellen Trainer von Bayern München oder Parteigrößen handelt: Je heftiger die Dementis ausfallen, desto näher ist der Fall gerückt, der dementiert werden soll. Was einer intensiv dementiert oder gar leugnet, ist oder wird der Fall sein.
Dazu gehört seit dem Wochenende auch Jean-Claude Juncker. Er und die anderen überforderten EURO-Chefs posieren gerne als bedeutende Europaarchitekten. Aber eigentlich sitzen sie zusammen mit den Banken am Spieltisch und lassen sich über den Tisch ziehen. Nein, nicht sich, sondern uns.
An diesem Treffen der EU-FInanzminister, das erst dementiert wurde und für dessen Ergebnisse im selben Atemzug eine Pressekonferenz angekündigt wurde, nahmen auf deutscher Seite der verantwortliche Finanzminister und sein wichtigster (damit meinen viele Finanzpolitiker: einziger) Finanzexperte Jörg Asmussen teil.
Genau genommen kann man Schäuble keinen großen Vorwurf machen. Er muss -ohne Sachverstand- auslöffeln, was ihm sein Vorgänger -auch ohne Sachverstand- eingebrockt hat. Peer Steinbrück hatte schon immer blind auf den Lobbyisten Jörg Asmussen gehört. Die Philosophie deutscher Politiker ist offenbar: Wenn sich der Wolf am besten mit den Schafen auskennt, dann muss der halt die Schafe hüten. Vor den Medien betont der Wolf dann eben, er sei in erster Linie dafür verantwortlich, dass ihn kein Schaf beisst. Ein Peer Steinbrück oder Wolfgang Schäuble verteidigen ihn in Talkshows dann auch gerne mit dem Hinweis, Jörg Asmussen und auch der neue Bundesbankchef Weidmann, das seien Fachleute, also Wölfe, die bislang noch nie von einem Schaf gebissen wurden.
Bei Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien geht es doch nur noch darum, wem die Haare geschnitten werden, wenn die Länder sich für zahlungsunfähig erklären. Asmussen passt auf, dass das nicht die deutschen Banken sein werden. Schäuble bietet als Kompromiss dann den deutschen Steuerzahler an. In den Radiointerviews erklären hörbar euphorisierte Bankensprecher dann wieder, dass "hier ja gar kein Geld fließt, denn es handelt sich nur um Bürgschaften".
Und kaum sind die Banken gerettet, man kann das in den USA beobachten, heißt es: Schwamm drüber. Dann wird die Agenda gesetzt, wer die "hohen Staatschulden" tragen soll. In den Budgetverhandlungen zwischen Präsident Obama und den Reps und der Teaparty finden sich etliche Statements, in denen nur von Haushaltskürzungen die Rede ist, aber nie von Banken.
Das schafft man nur mit einem Battaillon von Erregerjournalisten, die Säue durch Dörfer jagen, und peinlich darauf achten, dass kein Mensch die Punkte verbindet und das gesamte Bild zu sehen bekommt.
Das sind übrigens auch die gleichen Leute, die uns stets mit bedeutenden Blicken dozieren, dass wir uns mehr anstrengen müssen, weil China so groß und stark geworden ist. Die von uns unbezahlte Mehrarbeit verlangen und höhere Sozialabgaben und für sich selbst Steuersenkungen.
Und Schiffbrüchige auf See, die können wir uns überhaupt nicht mehr leisten. Rettungsboote halten wir nur für Banken bereit. Denn wir setzen Prioritäten und können uns nicht alles leisten.
09 Mai 2011
Indirekte Sensorik im Fahrzeug
Reifenluftdrucküberwachung
Je größer der Durchmesser eines Rades, desto weniger Umdrehungen braucht es um einen bestimmten Weg zurückzulegen. Mit diesem Wissen kann man Veränderungen des Luftdrucks in den vier Rädern eines Autos messen ohne tatsächlich den Luftdruck an den Reifenventilen messen zu müssen. Man beobachtet einfach die Umdrehungszahlen die die vier Räder in einer Zeiteinheit absolvieren. Vergrößert sich die Umdrehungszahl an einem Rad deutet dies auf einen reduzierten Durchmesser, also schwindenden Luftdruck hin.
Regensensor
Es klingt wie Luxus ist aber eine sehr angenehme Funktion: Der Regensensor, der die Scheibenwischer nicht in einem festen Zeitintervall betätigt, sondern bei Bedarf. Obwohl intuitiv so nahe liegend, misst der Regensensor gar keine "Nässe". Er befindet sich nämlich auf der Innenseite der Windschutzscheibe und beobachtet stattdessen, wie sich seine Sicht nach vorne verschlechtert. Genauer: Es wird (Infrarot-)Licht auf die Scheibe gesendet. Bei trockener Scheibe wird dieses totalreflektiert, Wasser verändert den Brechungsindex so, dass nicht mehr alles Licht reflektiert wird. Je weniger Licht reflektiert wird (und von einer Fotozelle erfasst wird), desto mehr muss es regnen, und desto kürzer werden die Wischintervalle bemessen.
Je größer der Durchmesser eines Rades, desto weniger Umdrehungen braucht es um einen bestimmten Weg zurückzulegen. Mit diesem Wissen kann man Veränderungen des Luftdrucks in den vier Rädern eines Autos messen ohne tatsächlich den Luftdruck an den Reifenventilen messen zu müssen. Man beobachtet einfach die Umdrehungszahlen die die vier Räder in einer Zeiteinheit absolvieren. Vergrößert sich die Umdrehungszahl an einem Rad deutet dies auf einen reduzierten Durchmesser, also schwindenden Luftdruck hin.
Regensensor
Es klingt wie Luxus ist aber eine sehr angenehme Funktion: Der Regensensor, der die Scheibenwischer nicht in einem festen Zeitintervall betätigt, sondern bei Bedarf. Obwohl intuitiv so nahe liegend, misst der Regensensor gar keine "Nässe". Er befindet sich nämlich auf der Innenseite der Windschutzscheibe und beobachtet stattdessen, wie sich seine Sicht nach vorne verschlechtert. Genauer: Es wird (Infrarot-)Licht auf die Scheibe gesendet. Bei trockener Scheibe wird dieses totalreflektiert, Wasser verändert den Brechungsindex so, dass nicht mehr alles Licht reflektiert wird. Je weniger Licht reflektiert wird (und von einer Fotozelle erfasst wird), desto mehr muss es regnen, und desto kürzer werden die Wischintervalle bemessen.
06 Mai 2011
Der neue Stasiunterlagen Chef sorgt schon für Wirbel
Nicht nur in Arabien gibt es nicht mehr für möglich gehaltene Umwälzungen. Auch in Deutschland. Mit Roland Jahn ist erstmals ein jemand zum Chef der Stasiunterlagen-Behörde gewählt worden, der den Unrechtsstaat DDR, und die Aufgabe seiner Behörde, konsequent von den Stasiopfern her denkt. Weil er selbst Dissident in der DDR gewesen ist.
Zu den vermeintlich nicht mehr zu korrigierenden Geburtsfehlern dieser Behörde gehörte die Beschäftigung mehrerer ehemaliger Stasispitzel. Das bedeutete: Wenn ein Stasiopfer zur Behörde ging, um dort Einsicht in seine Akte zu nehmen, begegnete ihm bereits am Eingang ein ehemaliger Stasimitarbeiter. Und auch drinnen konnte es ihm passieren, dass er sein Anliegen einem ehemaligen Stasi erklären musste. Und auch die Recherche selber konnte von einem Ex-Stasi durchgeführt werden.
Die bisherigen Behördenchefs behandelten die Kritik der Stasiopfer an diesem Missstand stets halbherzig und bürokratisch. Noch im letzten Interview vor ihrer Verabschiedung verwies Marianne Birthler darauf, dass die Arbeitsverträge dieser ehemaligen Stasimitarbeiter halt keine Änderungen zuließen. Mit anderen Worten: Die ehemaligen Opfer müssten dies so hinnehmen und die Behörde so nehmen wie sie ist oder auf Akteneinsicht verzichten.
Das war falsch, wie der neue Chef nun in seinem ersten Interview bekannt gegeben hat: Er finde es unerträglich und er wisse von vielen Opfern, dass diese sich genau deshalb nie in die Behörde getraut hätten. Es sei unzulässig, einseitig von den Opfern einen Schlusstrich zu verlangen. Den Zeitpunkt, ab wann Schluss sei, und eine Versöhnung möglich, bestimmten einzig und allein die Opfer. Und dazu sei eine offene, ehrliche Reue der Täter nötig. Bis dahin sei es einem Stasiopfer nicht zuzumuten, in der Behörde, die das Wissen um die Taten der Stasi berge mit ehemaligen Stasiangehörigen zu tun zu haben.
Das sollte doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wurde aber nie gelebt.
Aber Herr Jahn redet nicht nur. Er handelt unerschrocken. Weil die Behördenangestellten Arbeitsverträge mit dem Bund, und nicht spezifisch mit der Behörde hätten, will er die Ex-Stasimitglieder alle aus der Behörde weg versetzen lassen. In Brandenburg macht er sich auch schon bemerkbar. Ausgerechnet im Wahlkreis von Frank-Walter Steinmeier fliegen nun immer mehr SPD-Mitglieder in Amt und Würden mit Stasi-Vergangenheit auf, weil Jahn die Erkenntnisse seiner Behörde öffentlich macht.
Radiotips:
"Den Zeitpunkt der Versöhnung können nur die Opfer bestimmen" Dradio, 24.4.2011
"Neuer Stasunterlagen-Chef will Rolle der SED klären", Dradio, 28.01.2011
Zu den vermeintlich nicht mehr zu korrigierenden Geburtsfehlern dieser Behörde gehörte die Beschäftigung mehrerer ehemaliger Stasispitzel. Das bedeutete: Wenn ein Stasiopfer zur Behörde ging, um dort Einsicht in seine Akte zu nehmen, begegnete ihm bereits am Eingang ein ehemaliger Stasimitarbeiter. Und auch drinnen konnte es ihm passieren, dass er sein Anliegen einem ehemaligen Stasi erklären musste. Und auch die Recherche selber konnte von einem Ex-Stasi durchgeführt werden.
Die bisherigen Behördenchefs behandelten die Kritik der Stasiopfer an diesem Missstand stets halbherzig und bürokratisch. Noch im letzten Interview vor ihrer Verabschiedung verwies Marianne Birthler darauf, dass die Arbeitsverträge dieser ehemaligen Stasimitarbeiter halt keine Änderungen zuließen. Mit anderen Worten: Die ehemaligen Opfer müssten dies so hinnehmen und die Behörde so nehmen wie sie ist oder auf Akteneinsicht verzichten.
Das war falsch, wie der neue Chef nun in seinem ersten Interview bekannt gegeben hat: Er finde es unerträglich und er wisse von vielen Opfern, dass diese sich genau deshalb nie in die Behörde getraut hätten. Es sei unzulässig, einseitig von den Opfern einen Schlusstrich zu verlangen. Den Zeitpunkt, ab wann Schluss sei, und eine Versöhnung möglich, bestimmten einzig und allein die Opfer. Und dazu sei eine offene, ehrliche Reue der Täter nötig. Bis dahin sei es einem Stasiopfer nicht zuzumuten, in der Behörde, die das Wissen um die Taten der Stasi berge mit ehemaligen Stasiangehörigen zu tun zu haben.
Das sollte doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wurde aber nie gelebt.
Aber Herr Jahn redet nicht nur. Er handelt unerschrocken. Weil die Behördenangestellten Arbeitsverträge mit dem Bund, und nicht spezifisch mit der Behörde hätten, will er die Ex-Stasimitglieder alle aus der Behörde weg versetzen lassen. In Brandenburg macht er sich auch schon bemerkbar. Ausgerechnet im Wahlkreis von Frank-Walter Steinmeier fliegen nun immer mehr SPD-Mitglieder in Amt und Würden mit Stasi-Vergangenheit auf, weil Jahn die Erkenntnisse seiner Behörde öffentlich macht.
Radiotips:
"Den Zeitpunkt der Versöhnung können nur die Opfer bestimmen" Dradio, 24.4.2011
"Neuer Stasunterlagen-Chef will Rolle der SED klären", Dradio, 28.01.2011
05 Mai 2011
Freude über Tyrannentode
"Das sichtbare Leiden des gefangenen Arbeitgeberpräsidenten war für sich schon ergreifend. Irritierender noch war die Ahnung, daß die Polaroidphotos doppelt belichtet schienen. Das zweite Bild dahinter, über das nicht gesprochen wurde, war das heimliche, vielleicht das eigentliche Skandalon des Jahres 1977: Nie zuvor hatte man in Deutschland einen SS-Mann leiden sehen."F.C. Delius (Danke an Dirk für das Zitat)
Darf man sich über den Tod von Tyrannen freuen? Aber sicher. Ich bin sogar der Meinung, wenn die UN militärische Maßnahmen gegen einen aggressiven Staat beschließt, dann muss sich das vor allem - wenn nicht ausschließlich- gegen dessen Regierung richten. Es hat den Anschein einer unausgesprochenen Absprache zwischen Herrschern und Organisationen, wenn diese einander nur Bauernopfer bringen.
Aber der Westen leistet sich eine Doppelmoral. Tyrannen werden solange geduldet, oder beschützt, solange sie nützliche Dienste leisten. Die nordafrikanischen Tyrannen haben unseren Regierungen jahrzehntelang eingeredet, dass sie uns Flüchtlingsströme aus afrikanischen Unrechtsstaaten vom Hals halten. Das wurde spätestens offensichtlich, als Gaddafi damit drohte, die Flüchtlingsschleusen nun zu öffnen und Berlusconi und Sarkozy darauf nahezu panisch reagierten..
Bin Laden ist tot und das ist gut so. Er hat uns mit dem Tod bedroht und sich stets und ausschließlich an wehrlosen Zivilisten vergriffen, wie Ruhrbaron Stefan Laurin unterstrichen hat.
Angela Merkel sagte sogar öffentlich, dass sie sich darüber freue. Da sprach sie sicherlich 95% der Deutschen aus der Seele. 5% diskutieren seitdem darüber, ob das politisch korrekt war und nicht die Grundannahme unseres Strafrechts in Frage stelle. Viele behaupten -ohne den Beweis zu führen- Strafe diene in unserem Lande vor allem der Besserung des Täters und nicht der Abschreckung vor Mord und Totschlag. Und schon gar nicht der Vergeltung. U.a. deshalb hätten wir hier auch keine Todesstrafe.
Ich bleibe dabei, mich über den Tod bin Ladens zu freuen. Vor allem die Islamisten selbst dürfen sich darüber nicht aufregen, denn auf sie wartet im Tode ja das Jungfrauenparadies.
Ich setze aber noch einen drauf: Hanns-Martin Schleyer war als SS-Funktionär und Industrieverbandsfunktionär für zigtausende, blutige Arisierungen in Böhmen und Mähren verantwortlich und bereicherte sich dort auch selbst (Quelle: "Villa Waigner", Erich Später) . Er war Teil eines verbrecherischen Systems, das für Massenmorde mit dem Ziel persönlicher Bereicherungen verantwortlich war. Nach dem Ende der Diktatur setzte er seine Karriere im Arbeitgeberverband fort. 1977 wurde er von Linksterroristen aufgegriffen, entführt und schließlich getötet. Gemäß der von Merkel vorgelebten Ethik muss auch darüber nun Freude erlaubt sein. Vor allem aber muss die neue Grün-rote Regierung Baden-Württembergs die Hans-Martin-Schleyer-Halle umbenennen.
04 Mai 2011
Berlin ist nicht dynamisch, sondern gefragt
Berlin wird teurer. D.h. in immer mehr Bezirken steigen die Immobilienpreise und Mieten. Makler berichten von europäischen Käufern, die tlw. ungesehen kaufen. Weil sie die Hyperinflation fürchten und weil Berlin immer noch vergleichsweise billig ist: "Eine Wohnung im Wedding kostet soviel wie ein Autostellplatz in guter Lage in Moskau. Sogar Kiew erlebt gerade einen Hype."
Auch die Lebenshaltungskosten steigen. Wasser und Strom sind schon teurer. Aber vor allem der Öffentliche Nahverkehr, Gastronomie und Lebensmittel werden laufend teurer. Eine Ursache dafür ist der gewaltig gewachsene Tourismus und seine Nachfrage. 20 Mio Übernachtungen verkaufen die Berliner Hotels inzwischen pro Jahr.
Da ensteht ein gewaltiges Trugbild. Man könnte meinen, Berlin sei im Aufschwung. Die SPD macht Wahlkampf mit 100.000 neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Sogar das Wort "Industrie" fiel voriges Jahr auf einer Ideenkonferenz der Arbeiterpartei. Aber das sind Tropfen auf heiße Pflastersteine. Am Werke ist nur Geld, das von außen in die Stadt getragen wird. Ein interessantes Gegenmodell zur produzierenden Exportwirtschaft: Berlin exportiert nicht viel, importiert dafür aber Menschen, die Geld ausgeben - so wie Disneyland.
Berlin erfreut sich keiner besonderen wirtschaftlichen Dynamik sondern ist schlicht und einfach gefragt. Und das ist nachteilig für die, die hier wohnen und Geld verdienen müssen. Unsere Gehälter steigen nämlich nicht in dem Maße, wie Mieten und Preise. Wer hier ein Leben führt, wie es anderswo als "normal" gilt, für den interessiert sich die Politik nämlich nicht. Die SPD hofiert allen voran ÖffDie's und Pensionäre, die wochentags nachmittags Zeit für Parteiveranstaltungen haben und in Wahlprogramm und Newslettern wimmelt es von nichtssagenden Bekenntnissen zu nachrangigen Themen. Sie nennt das kiezig "soziale Stadt". (Die Grünen nennen es noch unverbindlicher: "Eine Stadt für Alle"). Wer glaubt, dass sich in der Hauptstadt die Denktanks der deutschen Politik tummeln, die politisch Denkrichtungen entwickeln, Deutungen oder gar Antworten auf die Welt im Wandel geben, Künstler inspirieren, wird hart eines besseren belehrt. Hier wimmelt es von Politikberatern und Lobbyisten die sich auf unpolitische und überforderte Mandatsträger stürzen. Akademische Freiberufler, Anwälten und Ärzte, deren Praxen schlecht laufen. Die gehen -letzter Versuch, noch Karriere zu machen- in die Politik und geben sich die Schlammschlachten um Listenplätze.
Zum guten Ton in Wahlprogrammen gehört reichlich Toleranz: Z.B. für Leute, die sich Parks "aneignen" um zu grillen und Müllberge im Grünen zu hinterlassen. "Wo soll ich grillen, wenn ich es hier nicht mehr darf?!" fragte neulich einer in die RBB Kamera. Unter Privatisierung des Politischen bzw. Öffentlichen versteht man hier immer mehr, sein Wohnzimmer in Parks und U-Bahnen auszulagern - mit allen Gewohnheiten. Neulich wurde in Kreuzberg jemand OHNE Bierflasche in der Öffentlichkeit gesichtet. Es war eine Mutprobe.. (Dank an Werner für den Hinweis). Am 1. Mai stiegen weiße Schwaden aus dem Tiergarten: Es waren hunderte Grills im Einsatz. Es ist inzwischen normal, dass Leute ihr Frühstück oder Mittagessen in der U-Bahn einnehmen. Im ICE ist es normal, sich mit Rollkoffer und Kaffebecher in die Gänge zu quetschen, während man mit dem zwischen Schulter und Kinn eingeklemmten Smartphone telefoniert. Mit all so was wird man einfach belästigt.
Berlin ist nicht jugendlich, sondern infantil. Hat keine Schnauze mehr, sondern quengelt. Weiß mit seinem Leben wenig anzufangen und erhebt die einfallslose Beliebigkeit zur Kreativität. Ist nicht rau, sondern weich - oder kriminell.
Die SPD ist hier einfach zu lange am Ruder. Sie hat keine Ideen mehr. Wowereits Politik war es lange, obwohl selbst Westberliner, die alten Symbole Westberlins einzureißen. Die Stillegung von Bahnhof Zoo und Flughafen Tempelhof waren nur die prominentesten. Und als Nachnutzung zu Tempelhof fällt ihnen dann nur ein "Wiesenmeer" ein..
Wer ein normales Leben führt, erfährt viele Widerstände. Die Minderheit z.B. die einem Beruf nachgeht, kann mal zusehen, wie sie ins Büro, ins Werk oder zum Kunden kommt. Man wird behindert zu Lande, zu Wasser, zu Schiene und in der Luft sowieso. Als Autofahrer braucht man eine grüne Umweltplakette von der Zulassungsstelle, einen Parkausweis vom Bezirksamt, einen Wachmann, der aufpasst, dass das Auto nachts nicht abgefackelt wird und wenn man sein Auto tagsüber benutzen will, wird man nur ausgebremst. Wer nach Stillegung des Bahnhofs Zoo z.B. in die Nähe des neuen Hauptbahnhofs nach Mitte zog, kommt jetzt zwar zum Zug, weiß aber nicht, wo er sein Auto parken soll. Wer S-Bahn oder Bus benutzen will, wartet im Winter vergeblich. Das alles kümmert den Senat nicht, oder er ist sogar Verursacher der Misstände.
Und auch Wirtschaftspolitik betreibt der Senat nicht wirklich. Anfangs warb man anderen Städten noch die eine oder andere Konzernhauptverwaltung ab. Inzwischen ist aber selbst das zu mühselig. Berlin fremdelt mit Unternehmern und Unternehmen. Dabei ist SPD-Landesvorsitzender Müller ein gelernter Kaufmann und selbständiger Drucker. Er könnte als "Mister Mittelstand" auftreten und sich für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins stark machen. Aber man hat bei ihm leider oft den Eindruck eines Rufers in der Wüste. Er ruft eigentlich nicht einmal mehr sondern reiht sich ein in die soziale Stadt. Das Stichwort Industrialisierung (das eigentlich Re-Industrialisierung heißen müsste) verdanken wir sicher ihm.
Diese Woche gab es wieder eine Enttäuschung: Siemens hat sich für München als Standort für seine neue Sparte "Infrastruktur" entschieden. London wird auch noch etwas abbekommen. Von Wowereit und Wirtschaftssenator Wolf (Linke) hörte man zwar Töne in der Art, die Ansiedlung in Berlin sei eigentlich selbstverständlich. Aber um etwas kämpfen tun die nicht gerne. Die sind eher Spezialisten im Thema Förderprogramme.
Optisch tut sich derzeit viel in Berlin. Der Kudamm feiert sein 125 Jähriges. Am Zoo entsteht ein neues Hochhaus. Am Bahnhof Zoo sollen künftig wieder nicht nur Spielautomaten Kundschaft in den Bahnhof locken, sondern Reisende.
Aber da, wo es nach Arbeit riecht, wo die Potenziale sind, z.B. im Technologiepark Adlershof im Südosten, da sieht man Wolf nur selten. Nicht einmal vernünftige S-Bahn Anschlüsse gibt es dort.
Wenn schon also Industrie und Forschung Stiefkinder dieses Senates sind, wie steht es dann mit dem, für das viele Berlin halten: Ein kreatives Zentrum? Auch von Mode und Musik hört man nur selten, leider. Viele sind gut, haben sich einen Namen gemacht und halten sich über Wasser. Aber es wachsen keine kräftigen Äste.
Alles in allem ist Berlin ein Phänomen. Es weckt anscheinend viele Erwartungen, Phantasien und Sehnsüchte. Aber es erfüllt sie nicht. Nach zehn Jahren in Berlin ist es für mich schwer geworden mir vorzustellen, was Touristen in Berlin sehen. Ich habe es vor zwanzig Jahren mal als größer als mich selbst empfunden. Etwas, was schier unüberschaubar, undurchdringbar ist, in dem es 1.000 Chancen gibt und viele Bewegungen und Kräfte, die es voran bringen, die einen fordern. Aber da ist nichts mehr..
Auch die Lebenshaltungskosten steigen. Wasser und Strom sind schon teurer. Aber vor allem der Öffentliche Nahverkehr, Gastronomie und Lebensmittel werden laufend teurer. Eine Ursache dafür ist der gewaltig gewachsene Tourismus und seine Nachfrage. 20 Mio Übernachtungen verkaufen die Berliner Hotels inzwischen pro Jahr.
Da ensteht ein gewaltiges Trugbild. Man könnte meinen, Berlin sei im Aufschwung. Die SPD macht Wahlkampf mit 100.000 neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Sogar das Wort "Industrie" fiel voriges Jahr auf einer Ideenkonferenz der Arbeiterpartei. Aber das sind Tropfen auf heiße Pflastersteine. Am Werke ist nur Geld, das von außen in die Stadt getragen wird. Ein interessantes Gegenmodell zur produzierenden Exportwirtschaft: Berlin exportiert nicht viel, importiert dafür aber Menschen, die Geld ausgeben - so wie Disneyland.
Berlin erfreut sich keiner besonderen wirtschaftlichen Dynamik sondern ist schlicht und einfach gefragt. Und das ist nachteilig für die, die hier wohnen und Geld verdienen müssen. Unsere Gehälter steigen nämlich nicht in dem Maße, wie Mieten und Preise. Wer hier ein Leben führt, wie es anderswo als "normal" gilt, für den interessiert sich die Politik nämlich nicht. Die SPD hofiert allen voran ÖffDie's und Pensionäre, die wochentags nachmittags Zeit für Parteiveranstaltungen haben und in Wahlprogramm und Newslettern wimmelt es von nichtssagenden Bekenntnissen zu nachrangigen Themen. Sie nennt das kiezig "soziale Stadt". (Die Grünen nennen es noch unverbindlicher: "Eine Stadt für Alle"). Wer glaubt, dass sich in der Hauptstadt die Denktanks der deutschen Politik tummeln, die politisch Denkrichtungen entwickeln, Deutungen oder gar Antworten auf die Welt im Wandel geben, Künstler inspirieren, wird hart eines besseren belehrt. Hier wimmelt es von Politikberatern und Lobbyisten die sich auf unpolitische und überforderte Mandatsträger stürzen. Akademische Freiberufler, Anwälten und Ärzte, deren Praxen schlecht laufen. Die gehen -letzter Versuch, noch Karriere zu machen- in die Politik und geben sich die Schlammschlachten um Listenplätze.
Zum guten Ton in Wahlprogrammen gehört reichlich Toleranz: Z.B. für Leute, die sich Parks "aneignen" um zu grillen und Müllberge im Grünen zu hinterlassen. "Wo soll ich grillen, wenn ich es hier nicht mehr darf?!" fragte neulich einer in die RBB Kamera. Unter Privatisierung des Politischen bzw. Öffentlichen versteht man hier immer mehr, sein Wohnzimmer in Parks und U-Bahnen auszulagern - mit allen Gewohnheiten. Neulich wurde in Kreuzberg jemand OHNE Bierflasche in der Öffentlichkeit gesichtet. Es war eine Mutprobe.. (Dank an Werner für den Hinweis). Am 1. Mai stiegen weiße Schwaden aus dem Tiergarten: Es waren hunderte Grills im Einsatz. Es ist inzwischen normal, dass Leute ihr Frühstück oder Mittagessen in der U-Bahn einnehmen. Im ICE ist es normal, sich mit Rollkoffer und Kaffebecher in die Gänge zu quetschen, während man mit dem zwischen Schulter und Kinn eingeklemmten Smartphone telefoniert. Mit all so was wird man einfach belästigt.
Berlin ist nicht jugendlich, sondern infantil. Hat keine Schnauze mehr, sondern quengelt. Weiß mit seinem Leben wenig anzufangen und erhebt die einfallslose Beliebigkeit zur Kreativität. Ist nicht rau, sondern weich - oder kriminell.
Die SPD ist hier einfach zu lange am Ruder. Sie hat keine Ideen mehr. Wowereits Politik war es lange, obwohl selbst Westberliner, die alten Symbole Westberlins einzureißen. Die Stillegung von Bahnhof Zoo und Flughafen Tempelhof waren nur die prominentesten. Und als Nachnutzung zu Tempelhof fällt ihnen dann nur ein "Wiesenmeer" ein..
Wer ein normales Leben führt, erfährt viele Widerstände. Die Minderheit z.B. die einem Beruf nachgeht, kann mal zusehen, wie sie ins Büro, ins Werk oder zum Kunden kommt. Man wird behindert zu Lande, zu Wasser, zu Schiene und in der Luft sowieso. Als Autofahrer braucht man eine grüne Umweltplakette von der Zulassungsstelle, einen Parkausweis vom Bezirksamt, einen Wachmann, der aufpasst, dass das Auto nachts nicht abgefackelt wird und wenn man sein Auto tagsüber benutzen will, wird man nur ausgebremst. Wer nach Stillegung des Bahnhofs Zoo z.B. in die Nähe des neuen Hauptbahnhofs nach Mitte zog, kommt jetzt zwar zum Zug, weiß aber nicht, wo er sein Auto parken soll. Wer S-Bahn oder Bus benutzen will, wartet im Winter vergeblich. Das alles kümmert den Senat nicht, oder er ist sogar Verursacher der Misstände.
Und auch Wirtschaftspolitik betreibt der Senat nicht wirklich. Anfangs warb man anderen Städten noch die eine oder andere Konzernhauptverwaltung ab. Inzwischen ist aber selbst das zu mühselig. Berlin fremdelt mit Unternehmern und Unternehmen. Dabei ist SPD-Landesvorsitzender Müller ein gelernter Kaufmann und selbständiger Drucker. Er könnte als "Mister Mittelstand" auftreten und sich für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins stark machen. Aber man hat bei ihm leider oft den Eindruck eines Rufers in der Wüste. Er ruft eigentlich nicht einmal mehr sondern reiht sich ein in die soziale Stadt. Das Stichwort Industrialisierung (das eigentlich Re-Industrialisierung heißen müsste) verdanken wir sicher ihm.
Diese Woche gab es wieder eine Enttäuschung: Siemens hat sich für München als Standort für seine neue Sparte "Infrastruktur" entschieden. London wird auch noch etwas abbekommen. Von Wowereit und Wirtschaftssenator Wolf (Linke) hörte man zwar Töne in der Art, die Ansiedlung in Berlin sei eigentlich selbstverständlich. Aber um etwas kämpfen tun die nicht gerne. Die sind eher Spezialisten im Thema Förderprogramme.
Optisch tut sich derzeit viel in Berlin. Der Kudamm feiert sein 125 Jähriges. Am Zoo entsteht ein neues Hochhaus. Am Bahnhof Zoo sollen künftig wieder nicht nur Spielautomaten Kundschaft in den Bahnhof locken, sondern Reisende.
Aber da, wo es nach Arbeit riecht, wo die Potenziale sind, z.B. im Technologiepark Adlershof im Südosten, da sieht man Wolf nur selten. Nicht einmal vernünftige S-Bahn Anschlüsse gibt es dort.
Wenn schon also Industrie und Forschung Stiefkinder dieses Senates sind, wie steht es dann mit dem, für das viele Berlin halten: Ein kreatives Zentrum? Auch von Mode und Musik hört man nur selten, leider. Viele sind gut, haben sich einen Namen gemacht und halten sich über Wasser. Aber es wachsen keine kräftigen Äste.
Alles in allem ist Berlin ein Phänomen. Es weckt anscheinend viele Erwartungen, Phantasien und Sehnsüchte. Aber es erfüllt sie nicht. Nach zehn Jahren in Berlin ist es für mich schwer geworden mir vorzustellen, was Touristen in Berlin sehen. Ich habe es vor zwanzig Jahren mal als größer als mich selbst empfunden. Etwas, was schier unüberschaubar, undurchdringbar ist, in dem es 1.000 Chancen gibt und viele Bewegungen und Kräfte, die es voran bringen, die einen fordern. Aber da ist nichts mehr..
02 Mai 2011
"Alle Pötte in den Pott!"

JAWOLL, Dortmund ist Meister!! Das am 30. April, am 32. Spieltag, war seit langem mal wieder ne euphorisierende Schlusskonferenz im Radio (Hier nochmal zum genießen). Als das 2-0 für Köln gemeldet wurde, flutete Adrenalin den Körper! Wohl auch bei Sabine Töpperwien, die -so klang sie jedenfalls- am liebsten mit dem Mikro mit auf dem dem Zaun der Südtribüne gesessen hätte :-)
(2002 hielt ich die Liveberichte zu Hause nicht mehr aus und joggte mit Radioknopf im Ohr eine Runde um den Lietzensee in Charlottenburg. Dortmund lag 0-1 hinten gegen Bremen und alle Dortmunder warteten auf das 1-1. Und da brach ich fast zusammen, als Manfred Breukmann in der Halbzeitkonferenz in die Runde rief: "Zweii..." (NEIN!! 2-0 für Bremen??)... "Zweii, zweiii Meter misst der Jan Koller und nur deshalb kommt er an diesen Ball heran...")
Dortmund jubelt und atmet durch. Es hat hingehauen. Dieser Trainer, der dieser jungen Mannschaft das Fussball"spielen" eingeimpft hat, die haben das verdient. Was Löw bei der Nationalmannschaft schon länger als Parole ausgegeben hat, haben Kloppo und seine Mannen in Reinstkultur umgesetzt: Spielen, Passen, Anspielen und Verwandeln. Wenn einer besser postiert steht, abgeben!
Wer Dortmund spielen gesehen hat, der kann sich bei anderen höchstens an Leidenschaft und Dramatik hochziehen. Aber nicht an Spielklasse. Das sage ich ganz besonders in Richtung Süden. Nicht Geld (FC Bayern), Eitelkeit (FC Bayern) oder Managementpowerpointfolien (VfB Stuttgart) schießen Tore, sondern Können, Leidenschaft und Mannschaftsgeist.
Ich freue mich tierisch auf die Meisterfeier in Dortmund. Und eine Woche drauf kommen die Schalker nach Berlin zum Pokalfinale. Dann heißt es, denn dann kennen wir nur noch Pöttler: "ALLE PÖTTE IN DEN POTT!"
Und vielleicht geht ja sogar diese Woche noch was in Manchester? ;-)
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