Montag, 19. April 2010

Asche machen

Werner sagt: Was soll die Aufregung um die Flugasche? Über die Kokereien des Ruhrgebiets sind sie doch früher auch geflogen ;-) (Link).

Für Autovermieter und die Bahn herrscht jetzt aber erstmal Sonderkonjunktur:


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Und siehe da: Dem Aktienkurs von Sixt hilft's:


Kurse: comdirect

Die Fluglinien (Entschuldigung, dass ich immer noch altmodisch von "Fluglinien" spreche. Ich sage auch immer noch "Flughafen"...) aber grollen und kritisieren das generelle Flugverbot der letzten Tage. In einem ZDF spezial jedoch zeigte Verkehrsminister Ramsauer dem Sprecher der Lufthansa, wo der Hammer hängt (Link zur ZDF Mediathek): "Normalerweise spreche ich mit Vertretern aus der ersten Reihe, z.B. vom Verband." Lufthansa und Airberlin werfen Ramsauer vor, die Flugverbote basierten nur auf Simulationsrechnungen. Ramsauer verweist auf gemessene Daten. "Mit mir ist eines nicht zu machen: Dass man Umsatzausfälle abwägt gegen das Risiko von Leib und Leben von Passagieren. Das wäre zynisch." (Link)

Damit ist klar, dass Ramsauer dem Druck nicht nachgeben wird. Den Druck leitet er aber auch weiter an die Landesverkehrsminister, z.B. mit dem Vorschlag einer zeitweisen Aufhebung von Nachtflugverboten.

Hiergegen hat jedoch Winfried Herrmann, verkehrspolitischer Sprecher der GRÜNEN, Widerstandt angekündigt. Er sagte dem Deutschlandradio, dies sei nicht nötig, da es genügend Kapazitäten bei der Bahn gebe. Die Auslastung der ICEs betrage im Durchschnitt nur 40%. Deshalb könne man die gestrandeten Flugpassagiere alle locker mit der Bahn nach Hause oder ans Ziel bringen..

Also, so kann nur ein Theoretiker argumentieren, der selbst nicht Bahn fährt. Die Hauptachsen der ICE-Strecken, und auf diesen liegen die Großflughäfen, sind rund um die Uhr hoch ausgelastet. Die Bahn ist bereits im Normalbetrieb überlastet, weil sie immer noch ihren Wartungsstau abbaut. Wer täglich Bahn fährt, weiß, dass man ohne Reservierungen im Gang stehen muss. Die Bahn wäre mit der Übernahme dieser Aufgabe völlig überfordert.

Dazu kommt, dass heute die Hannovermesse beginnt, also ohnehin mit hoher Auslastung aus allen Himmelsrichtungen in Richtung Hannover zu rechnen ist.

Naja, aber den Bundesverkehrsminister würde es schon freuen, wenn von den Flugsperren vor allem die Bahn profitieren würde, oder? Mal sehen, wann Airberlin Aufsichtsrat Mehdorn dieses Argument ins Spiel bringen wird...

Airberlinchef Hunoldt fordert mehr Wetterballone in der Luft, damit die Flugverbote nicht nur auf Simulationsdaten beruhen. Ramsauer: "Wetterballone messen nur Wetterdaten, aber keine Flugasche. Diese messen wir mit Lasertechnik."

Was wäre also unterm Strich die typisch deutsche Lösung für die Fluglinien? Na klar, staatliche Ausgleichszahlungen für die Umsatzausfälle. Vorher Stimmung machen gegen den Bundesverkehrsminister, mit dem Tenor, die Sperren seien unnötig. Klagen androhen. Und dann Remis anbieten. Ramsauer hingegen fordert in der BILD: "Was wir brauchen, sind Regen und Wind."

Und wer vertritt die Sicht der betroffenen Flugpassagiere? Vielleicht hilft es, dass am Wochenende auch die Bundeskanzlerin und der Verteidigungsminister betroffen waren.

Nur einer hatte mit all dem Stress mal wieder nichts zu tun: Bundespräsident Köhler flog per Hubschrauber zur Trauerzeremonie nach Polen:

3 Kommentare:

  1. Der Lufthansa-Chef sah im ZDF heute-Journal auch nicht gerade souverän aus. Ramsauer ist sicher nicht mein Fall, aber den Fight hat er gewonnen: Sicherheit vor Gewinnen! Und der LH-Chef konnte den wichtigsten Punkt nicht machen: nur simulieren reicht nicht, man muss auch messen.

    Übrigens gibt es Gerüchte, dass es gar kein Vulkan sei, sondern Helmut Schmidt auf Besuch in Island sich doch mal wieder eine angesteckt habe...

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  2. Kohle machen auch die Hotels..
    100km rund um München war das günstigste Bett 500EUR für ** ...
    Na dann mal viel Spaß.
    Ich saß in Insbruck fest.
    Hatte wenigestens ein schönes WE in Österreich und bin gestern mit nem Bus zurück. Auch o.k...
    Für die Fluggesellschaften (und nicht Fluglinie Fluglinie ist das was ein Linienflieger fliegt :-)) ist es eine echte Tragik. ein Absturz ist nicht direkt GuV wirksam und versichert. Glaube kaum das diesen Mist hier eine Versicherung übernimmt.
    Im übrigen halte ich das Riskio für überschaubar. Immerhin fliegt ja heute wieder alles in einer Flughöhe unter 3000m zurück.

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  3. Tom, da siehst Du, dass die MwSt.-Erleichterung eben nicht an die Kunden weitergegeben wird ;-)

    Aber Hauptsache, Du schaffst es irgendwie zurück. Und Innsbruck, hast Du wenigstens Apres gehabt?

    DoubleUB: Ja, der Ramsauer hat den gar nicht in Fahrt kommen lassen. Wenn er so auch gegen den Bahnchef vorgeht, dann gefällt er mir allmählich :-)

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