Donnerstag, 13. Mai 2010

Inflation

Was ich jetzt verstanden habe: Es gibt unterschiedliche Mechanismen der Inflation:

- Schwindendes Vertrauen der Bürger in ihre Währung: Wenn ich nicht weiß, was sich die EU morgen einfallen lässt, erhöhe ich lieber mal misstrauisch die EURO-Preise (nächster Schritt: Goldmünzen als Währung akzeptieren, den Preis in Gold aber konstant halten). Dann habe ich ein bisschen EURO-Puffer auf Vorrat, falls er abgewertet wird. War dieser Mechanismus die Ursache für die Preisanstiege nach der Umstellung aller Zahlungsmittel auf EURO?

- Wenn die Geldmenge schneller Wächst als die Gütermenge, bewirkt das eine Inflation. Dies ist seit längerem der Fall, auch in Deutschland. Diese Inflationsrate lag 2007 z.B. bei fast 9%. Zufällig stiegen die Abgeordnetendiäten in diesem besonders kräftigen Inflationsjahr ebenfalls um 9,4% (Link)... In den Konsumpreisen schlugen sich die 9% nicht eindeutig nieder. Diese Inflation blieb eher latent. Aber es ist interessant zu lesen, dass die aus der Differenz von Geldmengen- und Gütermengenwachstum berechnete Inflationsrate in den vergangenen fünf Jahren nie unter 6% lag: Link. Der sog. "Verbrauchpreisindex" wurde übrigens rd. 4 Prozentpunkte tiefer "berechnet". Ein gutes Argument für den, der an "Lohnzurückhaltung" apellieren will...

- Wenn die Einfuhrpreise steigen, ohne dass als Reaktion darauf auch die eigenen Preise und Löhne steigen, bewirkt das keine Inflation sondern einen Kaufkraftverlust. In Deutschland steigen die Konsumpreise, nicht aber die Löhne. Wir vermeiden also die Inflation durch Reallohnverzicht. Zur Freude der Industrie.

Es gibt nur ein Zahlungsmittel, dessen Kaufkraft sich selbst über Jahrzehnte kaum ändert: Gold. In Gold rennen immer mehr Anleger, obwohl sein Kurs schon stark gestiegen ist. Diese Kurssteigerungen spielen nur in einem Szenario keine Rolle: Wenn man glaubt, dass eine Währungsreform bevorsteht und der Goldkurs bis dahin immer nur steigen wird.

EURO-Kritiker wie Prof. Hankel, einer der Kläger gegen die Griechenlandhilfe vorm Verfassungsgericht, glaubt, dass dieses Szenario eintreten wird. Er warnt vor Anleihen in EURO, selbst vor deutschen.

In welche Werte sollten EURO-Bürger denn nun flüchten? Selbst Aktien scheinen kein sicherer Sachwertehafen, denn wenn es zu einer Währungsreform kommt, dann starten wir alle wieder knapp über 0, jedenfalls was unsere Ersparnisse in Bar angeht. Die Kaufkraft sinkt rapide und somit die Gewinne der Unternehmen. Nur "unterbewertete" Unternehmen scheinen dann den Kauf zu lohnen. Die Unterbewertung kann z.B. im Zuge von Börsenpaniken entstehen. Die Familie Quandt ist z.B. durch ein glückliches Händchen in panischen Zeiten reich geworden.

Also: Bargeld vor der Entwertung. Aktien und Rentenpapiere ebenfalls. Goldpreis auf dem Höchststand. Was bleibt?

Z.B. was einen politisch unangreifbaren Nutzwert hat: Eine selbst nutzbare Immobilie. Ein intaktes Auto. Verwertbare Grundstücke oder landwirtschaflich nutzbare Ländereien. Verbriefte Rechte an gewerblich nutzbarem Eigentum. Dazu gehören übrigens auch Patente!

In andere Währungen wie Dollar oder Pfund sollte nur gehen, wer diese Staaten für finanziell gesund hält. Aber wie soll man das messen? Wie soll man die wirkenden Mechanismen und angewandten Statistiken durchschauen?

In den USA veröffentlicht ein gewisser John Williams inzwischen eine Schattenstatistik Shadowstats.com, die eigene Berechnungen ins Verhältnis zu den öffentlichen Statistiken setzt. Es ist interessant, sich das einmal anzuschauen: Link

Es sind wirklich schwierige Zeiten..

9 Kommentare:

  1. Oje Oje Frank,
    Was hast Du denn wieder gelesen?
    Inflation ist sehr relativ ich könnte auch eine Inflation von 0,1% oder aber von 17% in den Raum stellen beide Zahlen wären genauso richtig oder genauso falsch wie Deine 9%.
    Übrigens der Goldpreis blieb über JAHRE ich glaube 15 Jahre weit unter der in der Wertentwicklung hinter der Inflation zurück.

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  2. Wie bitt? Ich kann Deiner Beliebigkeit in Sachen Inflation nicht folgen. Es geht doch gerade darum, sie richtig zu messen.

    Und der Goldpreis hat seine Kaufkraft nicht verändert. Du zahlst heute soviel Gold für einen Anzug oder ein Brot wie vor 30 oder 40 Jahren.

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  3. Genau richtig messen...
    Richtig messen liegt bei der Inflation eben genau im Auge des Betrachters.
    Mein Warenkorb ist eben ein anderer wie Deiner, und das was für Dich richtig ist ist gfür mich eben falsch.
    Zum Goldpreis: Im Augenblick ja, weil der Hype um Gold in den letzten 3 Jahren die Preise gewaltig steigen lassen hat. Vor 10 Jahren war dies noch komplett anders.

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  4. Anonym13.5.10

    Geld muss 3 Eigenschaften haben: es muss teilbar, haltbar und transportabel sein.
    Wenn ich Angst vor Inflation habe, dann habe ich Angst, dass Geld nicht haltbar ist. Diese Angst ist berechtigt.
    Doch Geld muss nicht nur haltbar sein, sondern auch tranportabel und teilbar: Ich kann nicht mit einem halben Schaf nach München fliegen und einen Cappuccino bezahlen, mit Geld kann ich das, es ist transportabel. Ich kann nicht mein Haus in Stücke schneiden und einen Urlaub bezahlen, mit Geld kann ich das, es ist teilbar.
    Bei allen Nachteilen der Inflation muss ich auch die Vorteile des Geldes ins Kalkül ziehen. Letztlich macht's die beste Mischung aus Haltbarkeit, Transportabilität und Teilbarkeit. Die Entscheidung ist für jeden individuell.
    cndr

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  5. @Anonym: Ja, alles richtig. Aber auch von Gold muss man keinen Barren mit sich herum schleppen. Erstens: schwer. Zweitens: Wenn es drauf ankommt: nicht liquide. Deshalb gibt es ja Goldmünzen.

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  6. Hallo Frank,
    Aber auch Gold muss jemand zu einer Tauschbaren Währung wechslen wollen.
    Mache doch mal den Veruch und gehe zu Deinem Bäcker mit ner Goldmünze und versuche zu bezahlen.
    Ich denke Du wirst keinen Erfolg haben.

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  7. Goldmünzen als Zahlungsmittel sind heute noch nicht nötig. Aber im Krisenfall?

    Es gibt auch hochoffizielle 10 EURO Silbermünzen, die gesetzliches Zahlungsmittel sind, aber von mancher Bäckereiverkäuferin nicht akzeptiert würden.

    PS: England akzeptiert übrigens ab heute keine 500 EURO Noten mehr... ;-)

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  8. Oje :)
    Da muss ich Extra nach Schottland fahren? Außerdem akzeptieren die Engländer ja ab und zu auch keine Nordirischen Banknoten.
    Daher kein Problem.
    Die Briten halt ...

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  9. Tom, Ihr habt damals gerufen: "Kommt die D-Mark bleiben wir. Kommt sie nicht, kommen wir zu ihr."

    Ich kann es inzwischen nachfühlen!

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