Donnerstag, 31. August 2023

Das allmähliche Verschwinden der Heimat

Wenn nahe stehende Menschen sterben unterscheiden wir zwischen "davor" und "danach". Wir hatten vor etwa zehn Jahren, im Unglücksjahr 2013, einen regelrechten Schub. Da starben Großeltern, Onkels, Tanten aber auch Cousinen.

Jetzt scheint der Sensenmann wieder durch die Reihen zu gehen. Erst vorigen Sonntag waren wir zu einer Beerdigung in Gelsenkirchen. Die Eltern und Freunde waren immer ein Grund, ins Ruhrgebiet zu fahren. Aber so wie wir unsere Verwandten überleben geht es auch den alten Freunden. Und inzwischen gibt es die ersten, die gar keine Verwandten mehr im Ruhrgebiet haben.

Uns wird bewusst, dass es auch uns irgendwann so gehen wird. Dann kommen wir nicht mehr her. Dann fahren wir vielleicht einmal an Dortmund oder Gelsenkirchen vorbei und erinnern uns, das das mal unsere Heimat, unser Lebensmittelpunkt war. 

Ähnliche Gefühle hatte ich schon beim Anblick des abgerissenen RWE Hochhauses in Essen. Ich weiß noch, wie ich am 2. Mai 1996 hier meinen ersten Berufstag als Ingenieur antrat. Zwar kannte ich es schon aus meiner vorherigen Zeit als Werkstudent. Aber jetzt dachte ich: "Und das werde ich nun 40 Jahre machen?". Die vor mir liegende Zeit schien mir unendlich, unermessbar. Jetzt habe ich schon drei Viertel dieser Zeit hinter mir. Und sie schien mir nicht lang, weil fast dauernd etwas los war. 

Ich blättere zurück in meine Fotosammlung und sehe meine Eltern in meinem heutigen Alter. Ich sehe mich mit 20 oder 30 und halte mich da aus heutiger Sicht noch für ein Kind. Wie ambitioniert und obrigkeitshörig ich war. Wie lange ich brauchte, um vom Mitschwimmen zum Schwimmen in die eigene Richtung zu kommen. 

Und wie jung mir überhaupt Verwandte erscheinen, die ich damals für erwachsen und mitten im Leben hielt. Heute weiß ich von den meisten, wie passiv sie doch eigentlich durchs Leben gegangen sind. 

Umso heller strahlen die wenigen, die wirklich Spuren hinterlassen haben. Auch diese verwischt die Brandung im Sand allmählich. Aber sie waren zumindest mal da. Und es gab Leute, die da mitgemacht hatten, die es gesehen und anerkannt hatten. 

Mit diesen wenigen habe ich mich fast immer gut verstanden. Wir haben uns oft ausgetauscht. Und irgendwie entwickelten wir ähnliche Haltungen zum Leben. Man muss es nutzen, es selbst zu lenken versuchen - es greifen auch so schon genug andere ins Steuer. Und stolz sein auf alles was man gegen die Strömung schafft. Wir wussten und wissen es. Wir leben bewusst und schöpfen. 

Und irgendwann wussten wir um unsere eigene Sterblichkeit. Zunächst ein Schock, dann eine Art Befreiung. Dann kommt der Tod als der große Bruder des Schlafes.

Diese Menschen kann ich relativ leicht gehen lassen. Wenn da nichts Ungesagtes mehr gesagt werden wollte. Wenn man voneinander wusste. Ich kann dann ganz bewusst, und nicht so sehr überwältigt, Abschied nehmen. 

Am Sonntag verstand ich zum ersten Mal, warum es Trauer"Feier" heißt. Die beste Ehefrau von allen gestaltete den Tod ihres Vaters so, dass sie ihn noch einmal, in aller Sanftmut und mit den richtigen Klängen, hoch leben ließ. Das war würdig und schön. 

Natürlich verstand das nicht jeder. Und natürlich wissen die meisten Verwandten und Bekannten auch in höherem Alter immer noch nicht, was Würde und Anstand sind, was es heißt, aktiv zu leben. Ich habe mich früher immer gefragt, ob es diese Leute nicht auch in anderen Verwandtschaften gibt. Warum ließt man sie nie bei Hermann Hesse zum Beispiel? Heute weiß ich es: Man versaut sich nur den Tag und das eigene Erleben, wenn man sie wahrnimmt. 

Und so verließen wir am Sonntag unsere Heimat und sahen sie im Rückspiegel wieder etwas blasser werden.

Mittwoch, 16. August 2023

Zwei gern gehörte Experten sind zu früh verstorben

Am 03. August verstarb "langer und schwerer Krankheit" die Börsenjournalistin Katja Dofel. Sie wurde nur 52 Jahre alt. Ich erfuhr es auf dem Account ihres langjährigen Weggefährten Markus Koch. Sie gehörte zu den Journalisten, die mir Ende der 90er Jahre die Börse beigebracht haben. Ich sah sie bis vor kurzem genauso regelmäßig wie Markus Koch, Jens Korte und Anja Kohl.

Sie war eine sympathische Expertin, in meinem Alter und mir nur über die Medien vertraut. Deshalb ging mir die Nachricht von ihrem Tod nahe. Ich hatte mich einige Tage vorher mal halb bewusst gefragt, was sie eigentlich macht. Denn schon seit längerem war sie von der Bildfläche verschwunden. Und dann diese böse Nachricht.

Eine andere Todesnachricht ereilte mich gestern. Stefan Tilkov ist vorigen Donnerstag gestorben. Er war Mitinhaber einer IT-Dienstleistungsfirma (INOQ). Mir war er seit über zehn Jahren als sehr kompetente und angenehme Stimme in Heises Podcast "SoftwarearchitekTour" vertraut. Er war der erste, von dem ich fundierte Informationen über die Bedeutung von IT-Architekturen hörte und lernte. Auch er war in meinem Alter. Anders als Katja Dofel erwischte es ihn wohl mehr oder weniger aus heiterem Himmel.

Mich berührt das, weil ich beide einseitig kannte, weil sie gut waren, und weil sie in meinem Alter waren. Nichts schützt einen davor, dass es einen früh erwischt. 

Wieder einmal werde ich still. Mögen sie in Frieden ruhen.

Sonntag, 6. August 2023

Improvisation als Ausgangspunkt für Karrieren

Bei Walter Röhrl waren es die zu kleinen Radkästen seines Rallye Fiat 131. Bei Larry Mullen jr. das fehlende Geld für einen Schlagzeuglehrer. Und bei Jürgen Klopp war es zu wenig Zeit für eine Vorbereitung als Trainer. Um nur einige zu nennen. Alle drei machten aus einer Not eine Tugend und genau diese machte später die Unterschiede, die ihre Karrieren begründeten:

Walter Röhrl erkannte, dass er die Kurven nicht so anfahren konnte wie alle anderen, um entweder mit einem Powerslide oder einer Drift möglichst schnell durch zu kommen. Fiat Ingenieure hatten Räder und Radkasten nicht aufeinander abgestimmt und so blieb ihm nur ein sehr eingeschränkter Lenkwinkel. Er hätte das akzeptieren und als Entschuldigung für ausbleibende Erfolge nehmen können. Aber er tat das Gegenteil, er entwickelte einen alternativen Fahrstil: Die Ideallinie, bei der möglichst geringe Lenkwinkel benötigt werden. 

Larry Mullen Jr. offenbarte anlässlich seiner Auszeichnung für sein Lebenswerk durch seinen Schlagzeugausrüster Yamaha, dass er Schlagzeug nicht wie jeder andere gelernt habe, weil er keinen Schlagzeuglehrer hatte. Das habe bewirkt, dass bei ihm zwischen ersten Inspirationen für einen Song und dem späteren Werk nicht der Filter für das üblicherweise "Machbare" liege. Hätte er eine Schlagzeugschule besucht, wäre er so nie an den Song "Sunday, bloody Sunday" herangegangen.

Und Jürgen Klopp erzählte im Podcast "Hotel Matze", dass er völlig ohne Vorbereitung plötzlich Trainer wurde. Er sei zunächst so verunsichert gewesen, dass er ständig bei ihm bekannten Trainern angerufen hätte um sich Rat zu holen. Bis er die Erkenntnis hatte, er wolle keinen Mix aus ihm bekannten Trainern entwickeln sondern einen eigenen Stil. Geholfen habe ihm der Rat eines Trainers, dass die Unsicherheit am Anfang normal sei. Das wichtigste für seine Mannschaft sei aber, dass er so wirke als wisse er was er tue. Man müsse eh dauernd entscheiden, was man im Trainingsprogramm weglasse, niemand aber wisse, ob dies aus bewusster Taktik oder Unwissenheit passiere ;-).

Ich glaube, dass uns in Sport, Kunst, aber auch im Ingenieurwesen diese Fähigkeit zum zuversichtlichen Improvisieren fehlt. Wir sind auf Perfektionismus, vor allem aber auf Fehlerlosigkeit getrimmt. Achten ständig auf Rechtfertigbarkeit unserer Arbeit und sichern uns ab. So entsteht aber nichts Neues, jedenfalls nichts großartig Neues. Die Arbeit bleibt so ohne Unterschrift.

Samstag, 5. August 2023

DFB reagiert: Abschaffung des Wettbewerbprinzips im Jugendfussball

Nach dem Ersatz des objektiven durch das relative Leistungsprinzip bei den Bundesjugendspielen zieht der DFB nun nach. Ab 2024 findet der Jugendfußball nicht mehr als Liga mit Ergebnissen und Tabellen statt, sondern als Happening, bei denen jeder mal den Ball haben darf.

Kein Witz: Quelle

Das DFB Management um Präsident Neuendorf, den eine Karriere als SPD-Pressesprecher zu seinem Amt qualifiziert hatte, hat erkannt, wie ausgrenzend das Leistungsprinzip für die Jugend ist. Da werden Spieler ausgewechselt, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen. Sie werden an schlechten Tagen nicht angespielt. Usw.

Damit macht der DFB jetzt Schluss. Zitat:
Einsatzzeiten dürfen sich entsprechend nie nach Ergebnissen richten. Alle Kinder wollen und sollen spielen! Auch bei den F-Junior*innen sind Meisterschaftswettbewerbe demnach unangebracht! Die Kinder sollen sich frei und ohne Ergebniszwänge entfalten und entwickeln können. In vielen Kreisen wird hierfür auch mit der innovativen FairPlay-Liga gespielt. Das bedeutet, es gibt keine Schiedsrichter, und die Kinder entscheiden selbst!

Ist das nicht toll? Weiter heißt es:

Um den Leistungsdruck zu minimieren und die sportliche Entwicklung der Kinder stärker in den Vordergrund zu rücken, wird in der G- und F-Jugend keine Meisterschaftsrunde ausgetragen. Stattdessen sind Spielenachmittage und Festivals mit mehreren Mannschaften und Spielfeldern vorgesehen.

Integriert in die Spielformen ist ein Rotationsprinzip mit festen Wechseln der Spieler*innen, um allen Kindern Einsatzzeiten zu ermöglichen. Wichtigstes Ziel der Reform in den Altersklassen U 6 bis U 11 ist es, mit einer kindgerechten Art des Fußballs den Spaß am Spiel nachhaltig zu fördern. Den Spieler*innen werden mehr Aktionen und persönliche Erfolgserlebnisse ermöglicht.

Hätte es das doch bloß schon zu meiner E-Jugendzeit gegeben! Wir hatten damals einen Schleifer als Trainer, der Kondition gebolzt hat und vor Spieltagen knallharte Auslese betrieb. Der mich nach der Halbzeit einwechselte und schnell wieder rausnahm, weil ich bei einem langen Pass vom Anstoßkreis aufs eigene Tor den Seitenwechsel vergessen hatte. Heute würde der Trainer sagen: Macht nichts, Hauptsache Du warst auch mal am Ball!

Dabei sein ist alles sagen sich ja auch unsere Nationaltrainer schon lange. Und die Frauen stellen sich da den Männern absolut gleich. Ist doch klar: Es geht vor einer WM doch wirklich nicht um Ergebnisse und Titel. Sondern darum, für welche politische Botschaft wir die Aufmerksamkeit der Welt nutzen und dass Frauen endlich so hoch bezahlt werden müssen wir Männer, auch wenn gerade keine arabischen Mäzene zur Stelle sind.

Warum übertragen wir das nicht auch auf die Wirtschaft? Es geht nicht mehr ums Geld verdienen sondern ums Dabeisein? Ach, machen wir schon, meinen Sie? Ja, also. Mir war auch schon länger so, aber ich dachte bis heute, dass ich mich verhört hatte. Oder dass da einige wenige irr gegangen waren. Aber Sie haben schon recht, Deutschland geht da nur progressiv voran. Wir werden der Welt schon zeigen, dass es ohne Leistung, Druck und dafür mehr Spaß am Spiel und Achtsamkeit viel besser geht...!

Ich bin nur gespannt, ob die arabischen und türkischen Eltern das auch so sehen werden. Die greifen ja jeden Schiedsrichter, der die Mannschaft ihres Prinzen zur Niederlage pfeift tätlich an..

Freitag, 4. August 2023

Meine Filmkritik zu "Oppenheimer" (Aktualisiert)

Vielleicht kann man heute schon sagen, dass die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts das vorläufige Allzeithoch menschlicher Fähigkeiten gewesen ist. Aber auch das Allzeittief. 

Die Entdeckungen, Entwicklungen und Schaffenskräfte in Wissenschaft, Kunst und Technik sind bis heute noch nicht ganz verstanden. Und leider verlieren wir allmählich auch die Fähigkeiten, sie vollends zu verstehen. Weil wir, zumindest im Westen und vor allem in Deutschland, dabei sind, Willen und Leistung zu diffamieren. Dazu gehört es, sich grundsätzlich auf den niedrigsten gemeinsamen Nenner einigen zu müssen und alles in einfacher Sprache ausdrücken zu sollen.

Und damit bin ich bei meiner rein persönlichen Kritik an dem Film "Oppenheimer", den wir gestern im Cineplex Kino in Berlin Spandau gesehen haben.

Denn auch dieser leidet darunter, mit viel "Haltung" und Spektakel auf viele Likes aus zu sein, aber dabei auch Wahrhaftigkeit und Qualität zu opfern.

Aber nähern wir uns dem Ganzen vom Groben ins Feine. Die Berliner Humboldt Universität war einmal, man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, das Labor der hellsten Geister aus Wissenschaft und Literatur. Etliche Nobelpreisträger, deren Portraits man im Foyer der Universität hängen, zeugen davon.

Was Einstein, Heisenberg, Planck, Schrödinger, Bohr und andere in Berlin und anderswo entdeckten, modellierten, entwickelten, testeten, interpretierten war in kurzer Zeit so viel Stoff über das Verständnis der Beschaffenheit unserer Welt, dass wir bis heute dabei sind, es zu verstehen und Nutzen daraus zu ziehen.

Die Gegenwart der Wissenschaftler war aber leider auch von der Dynamik in einer anderen Disziplin geprägt: politischen Ideologien als neuem Motiv oder auch Vorwand für imperialistische Kriege. 

Und so griffen die Machthaber in Deutschland, den USA und der Sowjetunion sogleich nach den Wissenschaftlern um ein Wettrennen um Atombomben und Raketen zu starten.

Man muss sich das klar machen: Die Grundlagen für die prägendsten Leistungen der Menschheit, die Atombombe und die Mondlandung, wurden in Berlin entwickelt. Die Umsetzung erfolgte aber in den USA (und der Sowjetunion).

Die USA profitierten zweimal von Deutschland: Während des Krieges nahmen sie geflüchtete Wissenschaftler aus Deutschland auf. Nach dem Krieg griffen sie Forschungs- und Entwicklungsergebnisse als Siegermacht aus den deutschen Laboren ab. Wernher von Braun wechselte vom V2-Programm in die NASA und bereitete den Weg zum Mond.

Aber davon handelt der Film von Christopher Nolan nicht. Nicht ganz. Sondern von dem Projektleiter und Atomphysiker Robert Oppenheimer in Los Alamos. Der Zwiespalt zwischen dem Reiz der Erkenntnis und der Verantwortung für den Missbrauch der Wissenschaft wurde bei uns schon in der Schule gelehrt, wo wir in den 80ern "In der Sache Robert Oppenheimer" lasen. Und schon damals war es die Stunde derjenigen, die es in Mathe und Physik nicht so weit brachten, die sich dann aber groß hervortaten, angehenden Physikern und Ingenieuren schon mal ihre moralischen Grenzen und Pflichten aufzeigen zu wollen. Unser linker SoWi-Lehrer verstieg sich zu der Bemerkung, die Mondlandung habe dem Normalverbraucher nur die Teflonpfanne gebracht. 
Dieses Niveau haben wir heute in Deutschland ja im XXL-Format.

Regisseur Nolan nimmt aber nicht exakt diese Richtung sondern passt sich noch mehr an unsere Zeit an. Denn seine Botschaft lautet:

Du sollst Deine Fähigkeiten nicht in den Dienst der bösen Russen stellen. Und: Du sollst den Weltfrieden nicht als Wirkung einer Sicherheitsarchitektur und Abrüstung betrachten sondern als Wirkung einer einzigen Supermacht mit Atomwaffen: Uns!

Denn die Russen kommen immer mit einer Verführung. In den 30er und 40er Jahren war es der Kommunismus (übrigens auch eine deutsche Erfindung). Und was man heute kaum noch weiß: Stalin hatte seine ersten Regierungsjahre dem Marketing der roten Ideologie gewidmet, indem er Moskau als Vorzeigegesellschaft herausputzte. Er beutete russische Städte und annektierte Länder aus um die Welt mit einem Schauspiel in Moskau zu täuschen. Inmitten von Armut, Hunger, Mangel gab es ein Moskau, dem es an nichts fehlte, das sogar glänzte. Journalisten, Intellektuelle und auch Wissenschaftler ließen sich davon blenden und anstecken (Filmtipp: "Red Secrets" von 2019).

Und so gab es auch in den USA kommunistische Bewegungen, die via neu gegründete Gewerkschaften auch helle Köpfe gewannen. So auch einige der Atomphysiker in amerikanischen Universitäten. Oppenheimer flirtet immer wieder mit dieser Ideologie und ihren Protagonisten und zieht keine harten Linien gegenüber nahe stehenden Personen. Weil er die Völker als Bewohner der gleichen Welt denkt und nicht nach ihren Regierungen und Systemen unterscheidet, ist ihm irgendwann die Nicht-Zündung einer Atombombe wichtiger als der Gewinner im Rennen um ihre erste Realisierung zu werden. Der Film wirft die Frage auf: Wenn die Sowjets auch fähig sind, eine Bombe zu bauen. Von wem haben sie das Knowhow? Hat Oppenheimer ein doppeltes Spiel gespielt? Oder jemand aus seinem Projekt?

Oppenheimer diskutiert mit Einstein und anderen die Frage. ob die Zündung einer genügend starken Atombombe, namentlich der Wasserstoffbombe, so außer Kontrolle geraten könnte, dass sich am Ende die ganze Atmosphäre entzündet. Wenn so, sei das ein Grund, sie nie zu bauen. Und so periodisiert er auch nicht Edward Tellers Vorschlag, von der Kernspaltungs- zur Fusionsbombe zu wechseln. Und auch das wird ihm später negativ ausgelegt.

In der Schule hörten wir die Botschaft: "Wenn Du unbedingt Physiker oder Ingenieur werden willst, werden wir Dir aber genau auf die Finger schauen. Im Zweifel solltest Du Deine Arbeit einstellen. Oder sie zumindest für die linke Sache einsetzen."

Die Botschaft von Nolans Film ist: "Bedenke das Wohl des Planeten und lasse Dich nie mit den Russen ein. Wenn die Regierung Dein Projekt sponsert, bestimmt sie auch, was sie mit den Ergebnissen Deiner Arbeit macht. Und die Russen sind die Bösen." Und als Resume: Ohne Oppenheimer hätten wir heute nichts, womit wir die bösen Russen in Schach halten können.

Aber der Kampf gegen die Sowjets war gar nicht Oppenheimers ursprüngliche Motivation. Sondern der Kampf gegen die Nazis, denn Oppenheimer war Jude. Und nach der Kapitulation Deutschlands versiegt Oppenheimers Motivation, die Bombe jemals zu zünden. Aber er wird unter Druck gesetzt und macht weiter. 

Von der "Sache Robert Oppenheimer" zu "Oppenheimer" verschiebt sich also die Botschaft von "Die Bombe an sich ist schlecht und die Wissenschaftler sind Schuld" hin zu "Gegen die Russen ist die Bombe  nicht so schlecht."

Leider blendet der Film viele der interessantesten Fragen gänzlich aus:
  • War der Einsatz von Waffen gegen die Zivilbevölkerung nicht schon damals ein Kriegsverbrechen? (Die Frage wird im Russland-Ukraine Konflikt auch diskutiert.). Inwieweit dürfen Völker für ihre Regierungen bzw. Diktatoren haftbar gemacht werden?
  • Hat der Einsatz zweier Atombomben durch seine Anschauung und abschreckende Wirkung langfristig mehr Menschenleben gerettet als er in Japan gekostet hat?
  • Welche Schuld haben die USA insgesamt durch Bomben auf Zivilbevölkerung auf sich geladen?

Gibt es irgendetwas Neues oder Reizvolles, was den Besuch eines Kinos für diesen Film rechtfertigen könnte? Ich meine: Nein:
  • Nichts rechtfertigt die Dauer von 3h. Ich habe sie als Zumutung empfunden.
  • Keine visuellen Effekte, die das Verständnis von der Zündung einer Atombombe weiter vertiefen. Man hat das so schon gesehen (auch wenn man anerkennen muss, dass Nolan hier auf Computeranimation verzichtet hat und stattdessen eine reale Explosion mit analogen Mitteln gekonnt in Szene gesetzt hat.).
  • Dass die Mc Carthy haften Repressalien Oppenheimers auf der Rache eines gekränkten Wissenschaftsfunktionärs beruhten, wusste ich noch nicht. Diese Erkenntnis nehme ich allerdings als neu mit.
  • Inquisitionen, Verhöre, Drangsalierungen hat man im Film schon x-mal gesehen. 
Meine Empfehlung:
Wen der Stoff interessiert (insbesondere das spannende Projektleben in der Cowboyartigen Stadt Los Alamos) ist mit der Serie "Manhattan" besser bedient.

PS: Interessantes Interview mit Charles, einem Enkel von Robert Oppenheimer: TIME

Mittwoch, 2. August 2023

Am nächsten Morgen mit rauher Laune

Die See wechselte über Nacht ihre Laune. Schon am nächsten Morgen wollte sie von unserem sonnigen Flirt nichts mehr wissen. So ist das mit den Hanseatentöchtern. Sie gab mir nicht mal die Hand sondern ließ rot-gelb flaggen. Was so viel hieß wie: Nichts für Anfänger, aber die Rettung wird da sein, wenn du zu sinken drohst.

ich weiß was Sie jetzt denken und Sie haben recht. Da muss man selbst auf Abstand gehen und das rein dokumentarische Interesse eines Chronisten vortäuschen. "Ich bin nur hier um dich mit kalter Neugier zu beobachten. Nicht mit Gefühl. Wenn es spektakulär wird, halte ich einfach drauf."


Und sie lebte ihren Rausch mit Rauschen. Eine Armada heftiger Vorwürfe (für was?). Salven tosender Wellen schmiss sie an Land und Brecher. Zuhören wollte sie nicht, sie wollte walten.


Wenn das Schicksal ungebremst seinen Lauf nimmt, dachte ich, kann ich das sogar noch beschleunigen. Das Jiu-Jitsu des Fotografen sind die Effektfilter. Und so schaltete ich um auf den Rausch am Spektakel und ließ sie gewähren. Schon heute Abend könnte sie sich ausgetobt haben und es sich wieder anders überlegen. Ich aber würde in meinem Fotolabor sitzen und mich daran erinnern was ihr vielleicht schon wieder peinlich sein könnte. Vielleicht aber auch nicht. Mein Eindruck war: Die See weiß nichts vom morgen und nichts vom gestern. Sie lebt im hier und jetzt. Und genau das macht sie so hinreißend!






Dienstag, 1. August 2023

Am sonnigen Ostseestrand

Das Dauertief über Nordeuropa hatte die Mecklenburger Bucht in Wallung gebracht. So kam es, dass wir Wellen und Gischt sahen (und hörten), als wir an den Strand von Ahrenshoop kamen. Wellen hatte ich an der Ostsee nur selten gesehen. Im Herbst vielleicht, wenn wir mal wieder für eine oder zwei Nächte in Warnemünde in der Nachsaison gebucht hatten.

Aber heute passte alles zusammen. Die Sonne schien. Die Tafel am DLRG-Turm am Strandzugang in den Dünen zeigte eine Wassertemperatur von 18° Celsius. Das ist nicht jedermanns Wohlfühltemperatur. Aber wir sind ein bisschen abgehärtet aus dem Havelland. Der Sand weiß, die Strandkörbe fast alle noch ungenutzt. Aber wie kommt man an den Schlüssel? Und schon kam eine Mitarbeiterin von unserem Hotel entlang und verkaufte uns den, den sie gerade in der Hand hatte. Und da kann mir einer sagen was er will: Die Dinger sind praktisch, wenn so ein Wind geht. Man dreht ihn in Richtung Sonne und kippt ihn in eine angenehme Lage. Und dann hinpflanzen und sehen, was die anderen machen. Niemand traute sich ins Wasser. Ok, es war auch noch etwas früh, quasi direkt nach dem Frühstück. Und plenum venter non natat libenter ;-).

Nachdem uns die Sonne windgeschützt etwas aufgeheizt hatte, machte ich den Anfang. Schwimmen im Meer ist das Höchste. Im See ist es auch schon schön. Man stößt sich von der Stehleiter am Steg ab und ist augenblicklich das Leben an Land los. Aber dort fehlt der Seegang. Und denn erfuhr ich nun. Die Gischt rauschte. Die Wellenausläufer leckten am Strandsand und man bekam die erste Temperaturprobe an den Füßen. Und sogleich entzog sich das Wasser dem Willigen wieder mit einer Sogwirkung. Jetzt hieß es weitergehen. Schön, dass hier weder Muscheln noch Seetang lagen, der Strand war gut gekämmt. Und schon war ich bis zu den Knien drin und die nächste Welle erledigte den Rest. Heißa, jetzt brauchte ich nicht mehr zu überlegen oder mich überwinden ganz reinzugehen, das war jetzt erledigt. Und es war nicht zu warm, es war ganz schön frisch. Die Luft wirkte sogleich viel wärmer. Noch ein paar Meter rein. Die Möwen auf den Wellenbrecherpfählen schauten mich an und ich konnte erkennen dass sie grinsten.

Die nächste Welle nutzte ich, ich stieg ein und begann zurück an Land zu schwimmen. Herrlich! Sich den Kräften der Natur auszusetzen und einfach mitzugehen. Ein Wogen und Rauschen. Im Nu war ich zurück auf Kniehöhe und stand auf. Ich fühlte mich von Grund auf erfrischt! Gleich nochmal! Zurück ins Tiefe waten, gegen die Wellen schwimmen und dann irgendwann umkehren. Herrlich. Alles was größer ist als man selbst bindet die ganze Aufmerksamkeit und alles andere ist vergessen. So muss es sein. 

Irgendwann wurde es mir dann doch etwas frisch und ich ging zurück an Land. Meine Frau hielt ihr Smartphone noch auf mich gerichtet, sie hatte mich photographiert oder gefilmt, was weiß ich. Eine Fahrradklingel kündigte den Eiswagen an. "Like Ice In The Sunshine", der Tag war wirklich perfekt. 

Die Möwen schrien, lachten, flogen tief und lauerten auf das Langneseeis das rund um uns herum ausgepackt wurde. Die Brandung rauschte. Und ich dachte: Man muss doch wirklich nicht ans Mittelmeer fahren. Man muss einfach nur an der Ostsee die richtigen Tage erwischen. 

Donnerstag, 27. Juli 2023

Wissenschaft und Politik

Ab dem Moment, in dem eine Regierung ihre Machtausübung mit "der Wissenschaft" begründet, sind die Wissenschaftler in diesem Land nicht mehr unbefangen sondern gelenkt.

Das gilt ganz offensichtlich für Wissenschaftler, die direkt vom Staat oder regierungsnahen Organisationen finanziert werden, wie z. B. die Stiftung Wissenschaft und Politik, die vom Bundeskanzleramt finanziert wird (Quelle). Man darf hier plausibel von einer direkten Setzung von Themen und Bewertungen ausgehen.

Die zweite Stufe der staatlichen Lenkung besteht darin, bestimmte Forschungsthemen zu setzen und zu finanzieren, und andere nicht. Dies lenkt Forschungsaktivitäten sofort auf diese Themen und erzeugt blinde Flecken bei nicht finanzierten Themen. 

Forscher, die einmal Begründungen für Regierungsentscheidungen geliefert haben, werden dafür mit Prominenz belohnt. Ich vermeide bewusst den Begriff "Reputation", denn diese bezieht sich ja auf Anerkennung innerhalb der Fachwelt. Aber diese ist durch das Regierungshandeln inzwischen zweitrangig geworden. Der prominente Forscher dominiert nach dem Lob von der Regierung sein Metier und richtet andere, konform gesinnte oder finanziell abhängige Forscher nach seiner Linie aus.

Bekannte Forscher hierfür sind Drosten, Kemfert und Schellnhuber.

Je konformer und opportunistischer aber die Forschung danach wird, desto höher wird das Potenzial für eine neue Reputation durch qualifizierten Widerspruch. Wer sich traut, regierungstreuen Forschern zu widersprechen, sobald er belastbare Befunde oder Kritik an Interpretationen bestehender Beobachtungen hat, erarbeitet sich einen neuen Ruf. 

Beispiele hierfür sind Streeck und Sinn (ifo).

Es können Situationen entstehen, in denen die Regierungslinie und die ihnen zustimmenden Wissenschaftler nicht belegte Befunde und Bewertungen zum Stand "der Wissenschaft"erheben und die von konformen Massenmedien hierzu Zustimmung Volk erzeugen. Das ganze wird dann zu einer Wissenschaft, in der Erkenntnisse nicht mehr bewiesen und verteidigt werden müssen, sondern per Mehrheit entstehen.

Wissenschaftler, die an den hohen, bewährten Standards von Wissenschaftlichkeit festhalten, werden über kurz oder lang zu Dissidenten. Und nutzen irgendwann Chancen, ins Ausland zu gehen. So dass die Konzentration von konformistischen Wissenschaftlern im eigenen Land immer weiter zunimmt und die Qualität der Forschung abnimmt.

Ein subtile Form von Widerstand oder Kritik unter Forschern ist es, der Regierung nicht zu widersprechen, sondern "weiteren Forschungsbedarf" anzumelden und möglichen Zuspruch zur Regierungslinie nur anzudeuten. So antwortete mir ein Informatikprofessor für Geodaten einmal vor zehn Jahren auf die Frage, ob der menschengemachte Klimawandel inzwischen belegbar sei mit: "Die Zahlen geben das nicht her."

Somit spaltet sich die Wissenschaft in Forscher, die Zahlen, Daten und Fakten liefern und ihre Ergebnisse einander kritisch bewerten und solche, denen die Kritik anderer Forscher egal ist und die auf Parteien und Medien setzen. 

Die gleiche Spaltung droht der industriellen Forschung und Entwicklung. Natürlich gibt es die Unternehmen, die von der Regierungslinie profitieren. Die sogar vorher als Lobby auf die Regierung eingewirkt haben und sogar politische Gruppen aktivieren können (#MarchForScience #LetzteGeneration).

Beispiele hierfür: Habeck, Graichen, Spahn, Biontech, von der Leyen, Pfizer, Braun

Mutig auch hier die Unternehmen, die weiter in die Zukunft schauen und weiterhin auf belastbare Wissenschaft setzen. Sie wissen, man kann auf Lügen und Propaganda keine Produkte setze kann. Man kann zwar böswillig an gutgläubige Kunden verkaufen. Aber nur solange bis der Betrug sichtbar wird und das Gebäude zusammenbricht.

Beispiele: BMW (Technologieoffenheit), eFuels Hersteller

Die Politik entwertet somit einen ganzen Berufsstand. Und zwar genau den, mit dem Deutschland vor und nach zwei Weltkriegen sich einen guten Ruf und einen hohen Wohlstand erarbeitet hatte. Es gibt Leute, die daran nicht teilnahmen und die es kaum erwarten können, die Bildungs- und Leistungsträger endlich fallen zu sehen. So eine Verwahrlosung und Charakterlosigkeit gab es nicht einmal unter den Stalinisten..

Mittwoch, 26. Juli 2023

Unser Elektrikermeister denkt jetzt ans Aufhören

Unser Elektrikermeister, der unsere Ladebox für’s Elektroauto angeschlossen hatte, ist inzwischen Ende 50. Neulich trafen wir ihn wieder: 

Wir: "Elektroautos, Wärmepumpen - Sie müssen sich ja vor Aufträgen kaum retten können."

Er: "Hör'n se uff. Ja, Anfragen gibt es genug. Aber ich habe keine Leute dafür."

Wir: "Was ist mit den Schulabgängern? Und den Flüchtlingen?"

Er: "Hör'n se uff. Mit den Schulabgängern kann ich überhaupt nichts mehr anfangen. Die wissen nichts und können nichts. Unter den Flüchtlingen gibt es schon einige, die man mit Weiterbildung weiter bringen könnte. Aber: Sprachprobleme. Und oft dürfen die gar nicht arbeiten. Ich hatte einen, der durfte bei mir anfangen. Er kam aus der staatlichen Vollversorgung in meinen Betrieb. Und war motiviert und lernbereit. Er unterschrieb den Arbeitsvertrag mit Blick auf sein Bruttogehalt. Als er die erste Abrechnung bekam und seine Abzüge sah, hatte er keine Lust mehr! Staat ist Dieb, hat er gesagt."

Wir: "Oha. Und jetzt? Verkaufen Sie ihre Firma doch."

Er: "Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich will ja eigentlich nicht aufhören."

Wir: "Aber Ihre Firma ist intakt. Hat Kunden und Personal."

Er: "Ja, noch haben wir Personal. Einer meiner Besten hat neulich gekündigt und ist zu einer größeren Firma gewechselt, weil er dort mehr verdienen kann."

Wir: "Sehen Sie? Die Großen machen jetzt das Rennen. Jetzt ist bestimmt die Zeit, wo sie das meiste für Ihre Firma kriegen. Und wer weiß, was unsere Regierung den Mittelständlern noch alles reindrücken wird."

Er: "Darüber muss ich mal nachdenken. Danke für die Anregung.."

Freitag, 14. Juli 2023

Bester Arbeitstag des Jahres

Wenn Freitag der schönste Tag einer Arbeitswoche ist, dann ist der Freitag vor dem Urlaub der schönste Tag des Jahres. Der ganze Urlaub liegt noch vor einem. Es ist die präholidare Euphorie und diese Wortschöpfung ist von mir :-).

Und was haben wir dieses Jahr für einen Sommer, mit viel Sonne aber auch Regen. Ich bin neulich mit der U2 über den Gleisdreickpark in Kreuzberg gefahren. Und er war saftig grün. Ich habe den Park seit Jahren nur sonnenverdorrt gelb in Erinnerung. Jetzt wirkt er wie im April. 

Und die Temperaturen sind genau richtig. Man kann in Kurz herumlaufen, aber auch ohne Schweißband. Man kann etwas machen ohne zusammen zu brechen, aber man kann auch im Garten auf der Liege liegen. Ich finde das perfekt.

Wenn dann auch noch ein paar Tage Urlaub an der Ostsee gebucht sind, dann können die 3 Wochen Urlaub doch kommen. Schon ist es auch, wenn alle Kollegen gleichzeitig in Urlaub gehen. Genannt Werksurlaub. Diesem Tag freuen wir uns alle entgegen wie früher auf den letzten Schultag. Und zum Abschied spielt am Werkstor das Werksorchester. Eine der letzten Traditionen.

Jetzt liegt alles vor uns. Reisepläne, Bücher. Wir müssen erstmal runter kommen. Noch schwirrt alles in meinem Kopf: Budgetrunden, Steuerkreisagenden, Architekturabstimmungen. Jeder will am letzten Tag seinen Schreibtisch leer haben und jeden Ball weiter oder zurückgespielt haben, bevor er geht.

Gerade habe ich den Rechner herunter gefahren, der Rest läuft über das Smartphone. 

Nachher fahren wir erstmal einkaufen. Morgen soll es ja über 30 Grad geben, da planen wir erst einmal Garten - und nichts tun. Vielleicht die Gemüsebeete etwas nachdüngen. Ansonsten aber vor allem das nächste Buch vom Stapel nehmen. Jetzt kommt die Science Fiction dran: "2054". Aber vielleicht ist es auch keine Science Fiction.

Dienstag, 11. Juli 2023

Urkunden für alle - die Bundesjugendspiele senken ihre Maßstäbe

 Bei den Bundesjugendspielen kam ich erst spät auf den Geschmack. Da traten wir längst im Stadion Rote Erde an. Und ich hatte mich nach Jahren am Homecomputer doch mal durchgerungen, regelmäßig Sport zu treiben. Hauptsächlich Fußball. Irgendwann auch Tennis und Squash. Und ich ging mit Kumpels regelmäßig zu Borussia ins Westfalenstadion.

Vielleicht war es das Gefühl, einmal im Jahr selbst in einem Stadion auftreten zu können. Ich fühlte mich als "Mehrkämpfer". Denn über Sprint, Wurf und Weitsprung waren inzwischen auch Hürdenlauf und Hochsprung dazu gekommen. Und da war ich besser als viele erwartet hatten - vielleicht weil es hier auch auf Technik ankam?

In ganz jungen Jahren war es mir eher verhasst. Nie holte ich auch nur eine Siegerurkunde. Aber in den letzten Schuljahren dann doch irgendwann die erste. Und da freute ich mich wie Bolle, endlich auch mal dazu zu gehören. Das muss so um 1986 gewesen sein.

Das Punktesystem galt ja bundesweit. Man musste sich anstrengen. Und man strengte sich an. So wie auch unsere Vorbilder im Sport: Die Nationalmannschaft, die Tennisspieler und die Leichtathleten. Irgendwie war Deutschland (bzw. die Bundesrepublik) oft vorne dabei.

Das hat sich geändert. Nationalmannschaft? Nach dem Weltmeister 2014 mittlerweile aus drei Turnieren in der Vorrunde ausgeschieden. Tennis? Rausgeflogen - aber "mit mir zufrieden". Leichtathletik? Oft zwischen den großen Veranstaltungen gut, aber selten wenn es drauf ankommt. Und Wintersport?

Wir sind nicht mehr vorne. Aber wir sind immer noch zufrieden mit uns. Das höre ich ganz oft in Interviews nach einer Niederlage. Man misst sich nicht mehr mit der Welt, sondern nur noch mit sich selbst. Ähnlich wie in der Politik. 

Und damit auch die Jugend in diese neue Vorstellung von Leistung reinwächst werden jetzt die Maßstäbe für die Urkunden bei Bundesjugendspielen geändert. Fortan muss man keinen objektiven Spitzenleistungen mehr bringen, sondern nur relative. Man muss nur noch zu den Besten der eigenen Schule gehören. Also so ähnlich wie beim SPD Programm "Abitur für alle".  „Bewegungsorientierter Wettbewerb“ statt „leistungsorientierter Wettkampf“. Damit sich weniger sportliche Schüler weniger diskriminiert fühlen. Und das Spektrum wird erweitert: Nicht mehr nur Weitwurf, sondern auch Zielwurf. 

Einige diskutieren schon, ob die Bundesjugendspiele überhaupt noch zeitgemäß seien. (Ist das nicht irgendwie Nazi?) Ulf Poschardt schlug dann gleich mal Urkunden fürs Rutschen und Rollerrennen vor. Oder für alle zum Abschluss der Skisaison. Ohne Urkunde für erfolgreiches morgens Aufstehen und in die Firma kommen verlangen ja auch schon einige.

Systematisch trainiert uns die Politik das Leistungsprinzip ab und suggeriert, Erfolg sei nur eine Frage der "Gerechtigkeit". Am besten auch einklagbar. Am Anfang mag das noch lustig sein. Aber irgendwann sickert das als Lebenseinstellung ein: Es muss reichen, dass ich hier bin.

Ein Kollege erzählte mir neulich, seine neue Kollegin im Bereich Forschung und Entwicklung sei Krankenschwester. Sie habe sich aus dem Gesundheitsdienst bei ihm in der Abteilung beworben, weil sie mal was anderes machen wollte. Und weil es keine anderen Bewerber (oder keine anderen weiblichen) gab, wurde sie genommen. "Es kommt doch nicht nur auf Qualifikation an, sondern auf Leidenschaft. Auf PASSION." Er müsse sie nur richtig anlernen, dann klappe das schon.

Ich weiß noch, wie ich 1979 aufs Gymnasium kam. Ich war stolz, ich war der erste aus der Familie. Aber von meinen Großeltern hörte ich die Frage, ob ich demnächst auf Matratzen gammeln und Hasch rauchen wolle? Ich verstand die Frage überhaupt nicht. Ich wusste nicht viel von den 68ern. Aber sie befürchteten  damals, was heute, 44 Jahre später, das Selbstverständnis von Schulen und Politikern geworden ist. Ich hätte das nie für möglich gehalten..


Sonntag, 9. Juli 2023

Wie Haupt- und einfache Abteilungsleiter die Digitalisierung lähmen

Bei uns geht es seit Anfang diesen Jahres in die Vollen. Prozesse, Methoden und Tools (IT-Systeme) sollen programmartig geplant und implementiert werden. Nicht mehr isoliert jeder kämpft für seins. Schnittstellen sollen an beiden Enden synchron finanziert und umgesetzt werden. Was wir eine Selbstverständlichkeit anmutet, ist für unsere Organisation eine kleine Revolution.

Bis vor kurzem waren dafür noch "ehrenamtliche" Fachkoordinatoren verantwortlich, die sich Zeit und Einsatz dafür von ihrer Kapa fürs eigene Projekt abknappsen mussten. Unsere Chefs sahen es aber nie gerne, wenn wir für eine Sache arbeiteten, die nicht nur ihnen selbst sondern ein bisschen auch anderen nützte. Wie oft hatte ich versucht, sie vom Sinn einer Programmplanung zu überzeugen. Wie oft versucht, Tools und Prozesse Hand in Hand anzugehen und dafür auch die Aufmerksamkeit unserer Bereichsleitung zu wecken? Es war ein mühseliges Geschäft.

Jetzt hat der Vorstand erkannt: Das ändert sich nur, wenn wir die HALs und ALs selbst in die Programmleitungen setzen. Gleichzeitig führen wir mehrere neue Vorgehensweisen ein, die in anderen Industrien seit Jahren und Jahrzehnten etabliert sind: Systems Engineering und das Scaled Agile Framework. 

Ich zog mit in die Programmleitung einer der Fachdomänen mit ein. Da die Herren aber sogleich mit der Absicherung ihrer Macht und weniger mit dem Verständnisaufbau wie es künftig gehen soll, beschäftigt waren, blieb die fachliche Arbeit sogleich bei genau einem Mitglied der Fachdomäne liegen: Bei mir. 

Und während ich mich durch den Parcour der Planungsrunde mühte und die sich umorganisierende IT gleich mit vertrat, überlegte es sich der Vorstand noch einmal anders. Vor kurzem verkündete er sein ORG Chart 2.0 und dazu auch gleich noch eine Liste gesetzter Tools, die wir bitte mit in die Planungsrunde zu nehmen hätten. Unser Finanzvorstand begleitete diese Mehrbedarfe parallel mit einer Budgetkürzung. 

Vorige Woche kam dann unsere Fachdomänenleitung zu dem Schluss, dass es für sie jetzt langsam ernst würde. Bald würden sie ihre neuen Organisationsrollen aufnehmen und vor allem spielen müssen. Unruhe machte sich breit. Und sie suchten Hilfe: Und anstatt zum ersten Mal ihre eigenen Fachleute einzubinden engagierten sie Unternehmensberater. Als die ihnen klar machten, was sie künftig können müssten, reagierten sie noch einmal: Jetzt suchen sie Mitarbeiter, an die sie die Sache delegieren können. Wohlgemerkt nur die Arbeit, nicht die Entscheidung und nicht ihre Vergütung. 

Wer für solche Leiter arbeitet, setzt nicht einfach Aufträge um. Er erklärt den Leitenden zuerst, worum es überhaupt geht. Erarbeitet dann Powerpointfolien mit Umsetzungsvorschlägen und läuft tagelang hinter diesen Leitenden für die Freigabe her. Und dann macht er sich an die Arbeit. Und sucht seine Pendants in den anderen Konzernmarken - wo ähnliches stattfindet. Am Ende haben wir die gleiche Organisation wie immer: Gremien, Regeltermine, Anträge, Freigaben und ein Ausmaß an Delegation, bei der die Führungskräfte am Ende glauben, nicht einmal verstehen zu müssen, was sie an ihre Mitarbeiter delegieren.

Lustig, wenn man dann am Wochenende wieder Artikel über die Digitalisierung in Deutschland liest, in denen Manager und Politiker betonen, dass dies ganz wichtige Themen in der "Transformation" seien...

Sonntag, 25. Juni 2023

Mit Erbschafts- und Schenkungssteuern delegimitiert sich der Staat

Der Staat ist schon lange Kostentreiber Nummer 1 in Deutschland: 
  • Energie- und künftig hohe CO2-Steuern auf Kraftstoffe.
  • Die Nullzinsphase im Rahmen der EURO-Rettungspolitik verteuerte Immobilien.
  • Die Einwanderungspolitik verteuert unsere Krankenkassen.
Der Staat drangsaliert uns von immer mehr Seiten. Er greift uns nicht mehr nur beim Konsum in die Taschen, er hat in großen Dimensionen Vermögen von deutschen Bürgern in überschuldete Eurostaaten gelenkt (was diese nicht selten für Steuersenkungen nutzten, z. B. Italien). Er hat Immobilienpreise auf Rekordniveau getrieben. Zum einen mit Niedrigzinsen, aber auch mit der Panik vor einem Zusammenbruch des Euro, die er mit seinem dilettantischen Verhalten schürte.

Und den Bürgern, die versuchen die Ersparnisse zu retten, mit denen sie privat für die Rente vorsorgen wollten, greift der Staat abermals in die Tasche. Bei innenfamiliären Angelegenheiten sitzt der Staat immer mit am Tisch und hält die Hand auf:
  • Ihr findet eine Regelung, bei der die Eltern ihr Vermögen allmählich ihren Kindern schenken, weil sich diese im Gegenzug um sie kümmern werden? Bitte sehr: Schenkungssteuer
  • Ihr habt ein Haus von Euren Eltern geerbt, und wisst noch nicht, was Ihr damit tun wollt? Der Staat weiß schon, was Ihr damit tun werdet: Ihr werdet es liquidieren, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können.
  • Das gleiche gilt beim Erbe von Unternehmensanteilen.
Natürlich gibt es da Freibeträge. Aber in den letzten Jahren musste man nicht zu den oberen 10.000 gehören, um diese mit einer Immobilie plus Auto plus Ersparnisse zu überschreiten. Und wie viele haben in der Vergangenheit genau deshalb Erbschaftssteuern gezahlt und erleben jetzt, wie Habeck und Lagarde den Wert der geerbten Immobilie abstürzen lassen?

Der gleiche Staat, der sich seinen zugesagten Pflichten entzieht (Krankenhäuser, Rettungsdienste, Pflegedienste, innere Sicherheit) zeigt übrigens keine Gnade beim Inkasso. Das geht bis zur Pfändung. Umgekehrt haben wir nur den mühseligen Klageweg durch die Instanzen, wenn überhaupt.

In meinen Augen sind das genügend Befunde, um festzustellen, dass sich der Staat gegenüber uns Bürgern  belegimitiert hat. Kein Reichsbürger belegimitiert ihn wirksam, aber er delegitimiert sich mit seinem Verhalten selbst. Denn sein Gewaltmonopol basiert auf Vereinbarungen wie Schutz und ehrbarem Handeln, Ein Betrüger, der die Hand aufhält, aber nicht liefert, ist kein ehrbarer Händler oder Schutzpatron.

Dieser Staat will im Grunde genommen den Kampf. Und testet eigentlich jedesmal aus, wie weit er gehen kann. Er holt sich stets da, wo er mit dem geringsten Widerstand etwas kriegen kann. Die Stimmung dafür besorgen ARD und ZDF für die der brave Michael auch nicht bezahlt. Bei den Deutschen kann er sehr weit gehen, die stellen den Staat nie in Frage. 

Freitag, 16. Juni 2023

Wie wir IT-Fachkräfte wieder mal von den Verwaltern gebremst werden..

Jetzt war ich endlich in meiner anvisierten Rolle angekommen: Im Programm-Management für die IT-Systeme unserer Projekt- und Produktdaten. Endlich konnte ich meinen Methodikvorschlag anbringen und umsetzen. Künftig würden wir ausgehend von fachlichen Prioritäten übergreifend vorausplanen. Anforderungen aufnehmen, in den Zusammenhang stellen, Abhängigkeiten erkennen und zu einer halbwegs vernünftigen Vorausplanung unserer Facharchitektur kommen. Schnittstellen zum Beispiel sollten künftig nicht an ihren beiden Enden in unterschiedlichen Quartelen oder gar Jahren eingeplant werden.

Freudig gingen wir in die Umsetzung. "Die IT" steuerte sogar ein Architekturmanagement Tool, das wie ein Wiki organisiert ist. Systeme werden dokumentiert und mit technischen und fachlichen und Statusattributen versehen. Als wir den ersten Stand hatten, generierte uns das Tool auf Basis einer ausgewählten Vorlage, vor allem aber auf Basis der gepflegten Attribute eine Facharchitektur, die man für verschiedene Blickwinkel filtern kann. Mal stehen die Farben der Boxen für den Finanzierungsstatus, mal für den Umsetzungsstatus, mal für die Geschäftskritkalität, mal für den erreichten Stand im Lebenszyklus.

"Mein" IT-Architekt und ich wollten gerade mit der ersten Planung beginnen und den dazu gehörenden Budgetanträgen, da wurden wir von oben gebremst:

  1. Der neue Vorstand für neue Geschäftsfelder (ein Maschinenbauer) gab uns eine Setzung für Tools rein, die er mit Unternehmensberatern erarbeitet hatte. Auf der letzten Folie stand: "Umsetzung erfolgt durch die Steuerungen der Fachdomänen".
  2. Diese von der Seite kommenden Setzungen sind nicht budgetiert. 
  3. Von der anderen Seite kam eine Targetsetzung, unser IT-Budgetdeckel. Gegenüber dem Vorjahr abermals hart reduziert.
  4. Und von oben kam die Ankündigung, die Organisation der Fachdomänen abermals umorganisieren zu wollen.
Seitdem:
  • Kümmern sich unsere Manager nur noch darum, in der künftigen Organisation auch ein Kästchen belegen zu können. Plötzlich sind sie alle "Business" oder "Product Owner".
  • Niemand interessiert sich mehr für unsere fachliche oder Budgetplanung bottom up.
  • Das einzige was wir von ihnen empfangen ist Termindruck für die Einstellung unserer Budgetanträge ins System.
Unsere Motivation fiel auf Null. Methodisch waren wir am Ziel. Als Berater hätten wir uns schon zurückziehen können. Aber wir wollen ja auch erleben, dass es fliegt.

In meiner vorherigen Rolle hatte ich all die Aufgaben, um die sich jetzt Manager kloppen, alleine inne. Und zwar als Ehrenamt nebenbei, ohne Mandat. Und ohne Interesse des oberen Management. Und trotzdem schaffte ich es mit einigen anderen Systemverantwortlichen wenigstens einige Schnittstellen besser zu planen.
Und ein übergreifendes Datenmodell einzuführen, das unserem Projektsteuerungsmodell entspricht. Und auf das wir uns über mehrere Systeme hinweg beziehen.

Um mich herum ist keiner mehr ansprechbar. Die süddeutschen Marken haben dauernd Feiertage, lange Wochenenden und Urlaub. Meine Manager sind unentwegt in Meetings. Der zugeordnete IT-Vertreter fragt mich, ob der Portfoliomanager, der zu seinem Team gehört (!), schon eine Urlaubsvertretung hat, um die Budgetzahlen rechtzeitig einzugeben. 

Ich empfinde das als dermaßen niveaulos. Für Ärger habe ich keine Muße mehr. Ich passe nur stets auf, dass ich nicht zu sehr verdumme und demotiviert werde. Wenn ich dann höre, dass von ganz, ganz oben "Effizienzprogramme" und "Entbürokratisierung" starten sollen, kann ich nicht einmal mehr lachen.. Ich weiß so viel: Ich muss das Ganze nicht ernster nehmen als meine Manager..

Sonntag, 4. Juni 2023

Friedrich Merz macht sich lächerlich

"Merz macht Gendern für AfD-Hoch verantwortlich" schreibt die Berliner Zeitung und zitiert einen Tweet von Merz..

Ja klar, Herr Merz. Nicht etwa der Niedergang unseres Landes. Die Grünflation. Die Korruption in Habecks Ministerium, Die Überfremdung. Die zusammenbrechende Infrastruktur.

Denn das kriegt ein Merz gar nicht mit. Da wohnt er nicht. Das juckt ihn nicht. Genauso wie Habeck und Baerbock. Und deshalb macht Merz nicht die Grüne Energie- und Ausländerpolitik verantwortlich, sondern ein Ärgernis, das zwar auch nervt, aber gerade nicht unsere Grundfesten bedroht.

Ich hatte vor Corona mal Hoffnungen auf Merz. Aber er ist von dem Stamme, von dem auch Graichen, Habeck und Baerbock sind: Reset und Transformation.

Die Ampel murkst rum. Aber ein Gespann Merz, Habeck, Baerbock wäre der Turbo für Arbeitslosigkeit und Hyperinflation. Gott bewahre!

Warum ich jetzt vom Fußball zum Tennis wechsle

Ich habe jetzt eine Woche über den Fußball nachgedacht und festgestellt, dass sie mich eigentlich kaum noch interessiert. Sie ist langweilig geworden und ich kann Reportagen im Radio kaum noch folgen.

Folgende Befunde:

  • Es gibt einen prozyklischen Geldfluss in der Liga, der bewirkt, dass die Erfolgreichen immer reicher werden und danach noch erfolgreicher.
  • Platzhirsche wie Bayern und Dortmund müssen schon aus eigenen Fehlern straucheln, damit andere doch mal eine Chance kriegen. Deshalb haben interne Tratschgeschichten bei diesen beiden auch so hohen Unterhaltungswert.
  • Was in den 80ern noch die Ausnahme war, ist heute die Regel. Und umgekehrt: Die Lizenzmannschaften bestehen zu 90% aus Spielern, die mit der Region des Vereins nichts zu tun haben. 54% stammen nicht mal aus Deutschland, gefühlt 30% nicht mal aus Europa.
  • Diese Legionäre wechseln ihre Mannschaften etwa alle 2 Jahre. Wenn es bis zur Winterpause einmal gut läuft, und ein Neueinkauf macht Schlagzeilen, geht es fortan in den Medien um die Frage, ob er denn bleibt oder schon mit Manchester oder Madrid verhandelt.
  • Somit gibt es in allen Mannschaften jedes Jahr viele neue, ausländische Namen. Meistens entdeckte "Talente" die neu in die Liga kommen. Ich kenne sie nicht und will mir die 20 - 30 Namen auch nicht merken.
  • Trotzdem gehen Radioreporter davon aus, dass wir die Namen alle kennen. Denn sie berichten nicht vom Angriff des RB Leipzig, sondern von Nkunku. Diesen Namen kenne ich gerade noch, weil er gegen Bayern und im Pokalfinale ein Tor geschossen hat. Ansonsten weiß ich fast nie, wer da gerade angreift, weil ich die Namen nicht zuordnen kann.
  • Die Nationalmannschaft entspricht der Linienvorgabe der Regierung. Die U17 sieht schon aus wie eine Weltauswahl. Inwiefern ist sie eine deutsche Nationalmannschaft?
  • Das woke Getue und Gedöns des DFB hat unsere Nationalmannschaft in die Bedeutungslosigkeit überführt. (Ähnlich den Funktionären, die unsere Auftritte beim ESC vergeigen.). 2014 war der Höhepunkt. Der Niedergang war auffallend synchron zum Niedergang Deutschlands unter Merkels Politik ab 2015.
All das hat mich vom Fußball entfremdet. Es ist alles eine auf Wertsteigerung von Spielern und Vermarktung angelegte Geldmacherei und funktioniert im Grunde wie der Oligarchenkapitalismus aus den Büchern von Soros und Konsorten: Weltweit Talente rekrutieren, die Vereine und Fans von ihren Wurzeln entfremden und das Ergebnis weltweit vermarkten.

Die Spitzengehälter und Ablösesummen für die so entstandenen Superstars sind aberwitzig. Und das lockt jede Menge Väter an die Jugendabteilungen von lokalen Fußballvereinen. Vorzugsweise solche Väter, die selbst nichts hinbekommen haben, aber von einer Karriere ihres Sohnes träumen. Diese Väter melden ihre Söhne an und sehen fortan im Trainer den Verantwortlichen für die Erfüllung ihrer Träume. Wehe, der taugt nichts! Und im Gegner und Schiedsrichter werden Feinde gesehen, die ihre "hochbegabten" Söhne von deren Karrieren abhalten wollen. Das Ganze artet derzeit fast in Fehden aus, wie sie zwischen kleinen und großen Drogendealern um Reviere ausgetragen werden. Es fliegen die Fäuste. Unnötig zu sagen, welche Kulturkreise sich hier besonders hervortun.

Daraus folgt, dass auch der Amateurfußball keine Lösung mehr ist. Ich kenne viele bayerische Fußballfans, die mit ihren Kindern schon lange nicht mehr zum FCB gehen, sondern zu ihrem Lokalverein. Aber da tobt jetzt der beinharte Kampf um die künftigen Karrieren von Einwanderersöhnen.

Und so wende ich mich komplett vom Fußball ab und wende mich dem Tennis zu. Warum ausgerechnet Tennis
  • Ich habe es schon den 8ßern gespielt.
  • Es ist ebenso technisch wie Fußball.
  • Man trifft manierliche Leute.
  • Jeder spielt für sich. Keine Verfälschbarkeit einer lokalen "Verwurzelung". Wo ich meinen Schläger auspacke da ist mein Verein.
  • Es gibt ein weltweites, punktbasiertes Ranking. Keine Nominierungen, keine Quoten.
  • Es macht Spaß!
  • Es ist auch im Fernsehen spannend zu verfolgen. 
  • Und: Ich bzw. wir spielen es wirklich auch selbst. Im Verein :-)

Montag, 29. Mai 2023

Generation Weichei begeht das Bundesligafinale

 Ich habe selten so viele Fußballspieler heulen gesehen wie an diesem Wochenende: Was mich dabei so abstößt ist die Kombination aus Leistungsverweigerung, Chancenvergabe und dann hemmungslosem Selbstmitleid: Dortmund verbaselt die Meisterschaft, Schalke steigt ab, Hertha sowieso. Und der HSV steigt nach dem Abpfiff des eigenen Spiels doch nicht auf, weil sein Rivale in der 93. und der 99. Minute seinen Spielstand ins Positive wendet. Resultat: Hemmungslose Tränen.

Als Grund für das Versagen wird der "Erwartungsdruck" genannt. Was früher einmal Ausdruck von Leistungswillen war, ja eigentlich der Zweck von Spiel und Saison, gilt jetzt als Negativem und Entschuldigung. Du vergeigst Deine Abutirprüfung? Sorry, der Erwartungsdruck. Du verschießt den Elfmeter? Sorry, Erwartungsdruck. Du hast Premiere und vergeigst sie? Tja, Erwartungsdruck.

Es muss noch nicht mal eine Spezialität von Deutschen sein, aber ich glaube, das Phänomen gibt es nur in Deutschland. Wer hier einwandert oder Gastspiele gibt, lernt es schnell. 

Oder bekommt es von deutschen Journalisten in den Mund gelegt. Und zwar nicht nur im Sport. Schon vor 35 Jahren lautete die erste Frage eines deutschen Musiksenders an eine Band, die gerade ihren Durchbruch geschafft hatte: "Wie geht Ihr jetzt mit dem Erwartungsdruck um?".

Die Deutschen haben nicht nur ein Problem mit sich selbst. Und sie neiden nicht nur anderen den Lohn für Schweiß und Risiken, die sie selbst nicht eingehen wollen. Auch wenn sie selbst mal am Drücker sind, boykottieren sie seich selbst und schieben die Schuld auf die anderen.

Was für diese Leute aber überhaupt nicht geht, ist: der Umgang mit Kritik. Vom FC Bayern schreibt der FOCUS heute, ein Grund für die Entlassung der beiden Bosse sei gewesen, dass sich die Spieler Sand und Gnabry von Oliver Kahn ungerecht kritisiert gefühlt hätten. Das haben sie ihm nicht etwa selbst gesagt. Sondern sie sind zum Oberboss petzen gegangen.

Die Generation Y (oder war es Z?) sucht den direkten Weg vom Wunsch zur Erfüllung. Der Schweiß treibende Teil dazwischen ist ihnen zu mühselig. Und die Abhängigkeiten von Glück und Gunst empfinden sie als Diskriminierung oder Gewalt.

In Köln gab es jetzt eine Sondersitzung von Juristen, weil sich einige Frauen über zu harte Rezensionen ihrer Veröffentlichungen beschwert hatten. Eine habe sogar ihren Beruf aufgegeben, weil sie mit ihrer Veröffentlichung gerne Reputation erworben hätte (Selfies auf LinkedIn wahrscheinlich, man kennt das..). Aber Kritik? Und dann noch scharfe? Das geht unter Juristen, deren Beruf die Führung des Schwertes mit dem Wort ist ja mal gar nicht. 

In Deutschland muss irgendjemand irgendetwas ins Trinkwasser mischen, dass kollektive Depressionen auslöst. Einen Krieg werden wir so nie gewinnen. Wir können froh sein, wenn sich die meisten morgens Kraft und Entschlossenheit aufbringen, sich selbst ihre Schuhe zu zu binden..

Mittwoch, 24. Mai 2023

Was ist wissenschaftlich?

 Ein Vorteil von LinkedIn gegenüber anderen Netzwerken ist: Bei politischen Diskussionen kann man sofort nachsehen, welchen Beruf ein Protagonist oder Diskutant hat.

Und siehe da: Der Zuspruch zu den Plänen von Robert Habeck ist umso höher, je niedriger die Fachkompetenz ist. Habeck bekommt Widerspruch von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Zuspruch bekommt er von Verwaltungs- und Politikwissenschaftlern, "Contentmanagern", PR-Beraterinnen und Leuten, die ihren Berufsabschluss lieber verbergen.

(Übrigens: Genauso interessant ist die Verfolgung der Berufsausbildung von Managern deutscher Softwarefirmen im Automobilsektor: Alles Maschinenbauer.)

Die Fachfremden haben keine Hemmungen, Habeck zuzustimmen. Sie verstehen sich ja als politische Menschen und "Betroffene". Die gleichen Leute hatten aber in den Coronadebatten kein Problem, alle als Schwurbler zu denunzieren, die keinen Doktor in Medizin haben.

Umgekehrt mischen wir Techniker und Naturwissenschaftler uns ja auch in politische Diskussionen wie den Ukrainekrieg. Und begründen es damit, dass wir ja mit Fakten und eigenen Schlüssen argumentieren. Die Geisteswissenschaftler in meinem Bekanntenkreis runzeln immer ihre Stirn,  wenn ich dann in Frage stelle, ob Geisteswissenschaften überhaupt Wissenschaften sind. Denn schließlich hantierten sie ja nur mit Artefakten und menschlichem Handeln. Und die Fakten liegen ja alle auf dem Tisch, oder? Eine Woche lang eine Zeitung lesen ersetzt ja Studium und Beruf, nicht wahr?

Nein. Ich habe es nach dem 11. September, in der Finanzkrise, in der Flüchtlingskrise aber auch damals bei der NATO Nachrüstung immer wieder so erlebt, dass ich schnell nicht mehr mitreden konnte, wenn sich die Profis die Argumente und Referenzen um die Ohren hauten. Für die Beurteilung der wahren US-Strategie in der NATO, den Rachegelüsten arabischer Gesellschaften, den Zusammenhängen zwischen Geostrategien und Volkswirtschaften ist so komplex, erfordert so viel Hintergrundwissen über den Unterschied zwischen Bewiesenem, Interpretiertem und Behauptetem, dass ich oft sagen würde. Diskutiert Ihr das mal aus, ich vertraue Euch und delegiere meine Stimme an Euch. Natürlich entmündige ich mich damit auch selbst. Aber würde ich selbst abstimmen, wäre das eine zufällige Stimme.

Ich bin damit also nahe bei der Wahl von Mittelsmännern und weit weg von Volksabstimmungen und direkter Demokratie.

Genauso weit weg von der eigenen Kompetenz sind aber auch die, häufig jungen, Leute, die fehlende Kompetenz ganz bewusst durch Meinung ersetzen. Die mit den Mächtigen (nicht den Widersprechenden) mitlaufen und Meinungsminderheiten angreifen. Die selbst unter Bildungsmangel leiden und es nicht wissen, weil man den Dummen nicht klar machen kann, dass sie dumm sind.

Unsere Regierungen haben jahrelang die Bildungsstandards heruntergefahren und die Angriffsflächen für Ängste gezüchtet. Es gibt in ihrem Sinn nun berechtigte Ängste, über die die Ungebildeten gelenkt werden sollen. Und es gibt berechtigte Ängste der Gebildeten, die gezielt als Phobien denunziert werden.

Wo die Intelligenz schweigen muss, damit sich die Dummen nicht provoziert fühlen, wird am Ende ein Totalitarismus herrschen, wie in "1984" vorgezeichnet.

Wenn die grüne Bundestagsabgeordnete Emilia Fester nichts vom Reichskanzler Bismarck weiß und es "witzig" findet, dass der nach einem Hering benannt wurde (!), und über die eigene Dummheit nur kichern kann... dann wissen die Gebildeten, wohin die Reise geht. Die Drahtzieher wissen das und es ist Teil unserer Demütigung, dass sie wissen, dass wir es wissen. So war das in der DDR auch: Verdummungspolitik ist bei der Intelligenz machtlos, aber die Demütigung liegt darin, dass die Kampagne in diesem Wissen trotzdem stattfindet, als Demonstration der Staatsmacht.

Wenn es opportun ist, rufen die Dummen natürlich trotzdem "die Wissenschaft" auf und veranstalten einen "March for Science", um für die Impfpflicht zu demonstrieren. Ein Jahr später wollen sie von grüner Gentechnik aber immer noch nichts wissen, weil es "Teufelszeug" ist.

Wer in den Krisen der letzten 15 Jahre immer schön Beweismittel gesammelt hat (Screenshots) wird spät rehabilitiert werden. Im Moment der Aktualität nützt es einem gar nichts gegen das Regierungsgetöse. Aber einige Jahre später gewinnen diese Beweise an Wert. Die Täter wissen das und denunzieren die eigene Überführung als "Nachtreten". Aber das zeigt nur, wie groß ihre Angst ist.

Es zeigt aber auch, und damit zurück zum Anfangsthema, wie schwierig es ist, heraus zu arbeiten, was gewesen ist oder was aktuell der Fall ist. Eine saubere Beweisführung erfolgt wie in einem Kriminalfall: Was ist wirklich passiert? Was könnte das Motiv gewesen sein? Wem nützt es? Wer kommt als Täter oder dessen Auftraggeber in Frage?

Und die Qualität, die hier gefordert ist, kann man m. E. auch als wissenschaftlich bezeichnen.

Freitag, 19. Mai 2023

Aus meinem Bücherstapel

Endlich! Die beste Zeit des Jahres erreicht. Die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten nehmen wir uns immer frei. Der Garten blüht, die Bundesliga geht in ihre Endphase und die Temperaturen übersteigen die Grillschwelle. 

Ich liege im Garten auf der Liege und lese. Ich lese seit vorigem Sommer überhaupt wieder viel. Was mir das letzten Endes ermöglichte war die Rückkehr zum Papierbuch. Die elektronischen Bücher verführen immer dazu, ins Internet zu schauen und zack ist man raus. Mit einem Buch in der Hand passiert mir das nicht.

Es hatte sich zunächst einiges angesammelt und ich sortierte den Bücherstapel nach Genres. Ich hangelte mich von Uwe Tellkamps "Schlaf in den Uhren" zu Jonathan Franzens "Crossroads". Nach beiden hat man  beeindruckende Einblicke in gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Deutschland und den USA. Croassroads kann man gut zwischen Advent und Ostern lesen, denn so spannt sich dort der zeitliche Bogen. Tellkamp passte gut in den Sommer, denn u.a. beschreibt er hervorragend den (wettermäßig) deutschen Sommer am Ostseestrand.

Weil ich in der Vergangenheit bleiben wollte und mich die Parallelen unserer Zeit mit der vor 100 Jahren immer mehr interessieren las ich danach Florian Illies "1913 - Ein Jahrhundertsommer", dann "Im Rausch des Aufruhrs 1923" von Christian Bommarius und Harald Jänners "Höhenrausch - Das kurze Leben zwischen den Kriegen". Sie alle behandeln das Leben vor und zwischen den Kriegen aus der Sicht des Alltags der normalen Leute und der von Künstlern und Wissenschaftlern. Die Lektüre dieser drei Bücher macht schmerzhaft bewusst, welche Höhe unser Land einmal gehabt hat. 

Und die Frage, wer uns eigentlich von unseren eigenen Stärken abgebracht hat, führte mich direkt zu Klaus von Dohnanyi's "Nationale Interessen". Ein Augenöffner für blinde Amerikagläubige so wie ich es war. Dohnanyi ist in einem Alter in dem man keine Bange mehr haben muss, die Wahrheit zu schreiben bzw. seine eigene Meinung kund zu tun. Allein das ist eine wohltuende Abwechslung zwischen all den angepassten Zeitungsartikeln über die Gewaltspirale in der Ukraine. Dohnanyi schloss sein Buch vor dem russischen Einmarsch ab und doch bringt er mit schlafwandlerischer Sicherheit passende Vergleiche zur Vorkriegszeit des 1. Weltkrieges bzw. seiner Anfangsphase.

Als Deutschland als Aufsteiger zu mächtig wurde sah England keine Chance mehr, es selbst aufhalten zu können. Sie gewannen den alten Verwandten, die USA, als Lieferanten von Waffen und Munition und als provozierend aufkreuzende Seemacht, die dem Handelsembargo gegen Deutschland half. Vergleiche zu unseren Sanktionen und Waffenlieferungen von heute sind nicht zufällig. Damals wie heute ging es darum, amerikanischen Einfluss auf Europa zu sichern und jeden zu stark wachsenden potenziellen Hegemon in die Schranken zu weisen. In der Provokation anderer den ersten Schuss zu tun haben die USA mehr als 100 Jahre Übung. Wenn man bedenkt, wie es die letzten beiden Male ausging, als die USA den Engländern halfen, eine neue Macht in Europa zu verhindern, kann einem Angst und Bange werden. Nicht nur, dass die Kriegsgefahr für uns so hoch ist wie seit 1945 nicht mehr. Es ist auch so, dass wir überhaupt nichts zu gewinnen haben. Einzige Gewinner bereits jetzt sind die USA, die Russland als unseren Gaslieferanten abgelöst haben. Und die Erweiterung der NATO auf Skandinavien. 

Deutschland hat seine Gasleitung zu Russland verloren, Europa hat seine Sicherheitsarchitektur verloren, weil es den USA immer blind gefolgt ist, auch gegen eigene Interessen. Vor der Ukraine war es Syrien, wo die USA völkerrechtswidrig eine der Bürgerkriegsparteien unterstützen und uns dafür fast 1 Mio Flüchtlinge aufgebürdet hat - zur Schwächung unserer Volkswirtschaft. 

Und seit 100 Jahren erzählen sie das gleiche Märchen: Dass es ihnen um "westliche Werte" gehe. Oder sogar um die Rettung des Planeten. Denn auf das russische Erdgas sollen wir auch verzichten, weil es schädlich für das Klima ist. Was aber schon für das amerikanische Flüssiggas komischerweise nicht gilt. 

Dohnanyi schreibt hierzu, die USA hätten mit europäischen Werten so wenig gemein, dass sie theoretisch nicht einmal in die EU aufgenommen werden könnten. Genauso wenig wir die Ukraine. Wohl aber teilen die USA und die Ukraine den "Wert" der Korruption. Das schreibt nicht Dohnanyi, sondern ich. Hunter Biden weiß das schon lange. Und die EU Führung auch. Und die Nachrichten über Festnahmen der obersten Richter in der Ukraine wegen Korruption haben uns diese Woche noch einmal daran erinnert. 

Auch wenn Dohnanyu Putin unterschätzt hat. Er hat Recht mit der Analyse, dass die EU hier vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Unfähigkeit zur Vertretung eigener Interessen steht. Wir sind schon stolz und zufrieden, dass wir uns nicht mehr untereinander bekriegen. Die EU ist aber auch ein Konstrukt, das die Formulierung und Wahrnehmung eigener Interessen auf der Welt verhindert. Für England und die USA ist das nützlich. Für Deutschland nicht. Wir bezahlen viel und haben wenig davon. Inzwischen nicht einmal mehr unsere Sicherheit.

Wenn ich mit der Politik durch bin, werde ich mich der Zukunft zuwenden. Denn auf meinem Bücherstapel liegen auch noch zwei Science Fiction Romane. Und George Orwell hat uns gelehrt, wie schnell die wahr werden können...

Montag, 15. Mai 2023

Teamrunde!

 Guten Morgen und willkommen zur wöchentlichen Teamrunde in unserem Programm:

  1. Bitte tragt rechtzeitig Eure Urlaubsanträge in UAS ein, so dass Sylvia sie rechtzeitig ins SAP übertragen kann.
  2. Bitte meldet Euch für einen der beiden angebotenen Arbeitssicherheitsunterweisungen ein.
  3. Bitte nehmt an den obligatorischen Compliance Seminaren teil.
  4. Bitte beachtet die neuen Regeln für die Beauftragung von Dienstleistungen.
  5. Das Oberdeck der Parkplätze wird für 1 Woche gesperrt.
  6. Die Freigabe der neuen zentralen, agilen Programmstruktur verzögert sich, bitte arbeitet provisorisch nach den alten Regeln aber meißelt nichts in Stein.
  7. Compliance hat die dienstliche Nutzung von chatGPT verboten.
  8. Diese Woche läuft die Diversity Awareness Kampagne von Konzern Compliance. Bitte nehmt nach Möglichkeit daran teil.
  9. Larissa geht ab Juni in Elternzeit, Heiner kommt zurück aus der Elternzeit. Wer kann ihn in Marissas Projekt einarbeiten?
  10. Björn wird uns zum 30.06. verlassen.
  11. Oh, die Zeit ist schon um. Für inhaltliche Fragen zu Programm und Projekten haben wir leider keine Zeit mehr.

Sonntag, 30. April 2023

Wie Chris und Larry das Geschäftsmodell "Transformation" erfanden

Lange Zeit waren Erfindungen unsere treibende Kraft für Wirtschaft und Wohlstand. Jedesmal wenn ein Gerät im Haushalt kaputt ging, oder neue Erwartungen nicht mehr erfüllte, wurde es durch ein besseres ersetzt. Es gab auch neuartige Produkte, die sofort einen Bedarf in uns weckten. Das gab es im Kleinen wie im Großen. Als Kleinkinder steckten uns Spielzeuge wie Mondauto und Saturnrateken an. Später Autos und Stereoanlagen. Dann Handies und Internet. Es gab immer etwas, was uns faszinierte, und was wir irgendwann einmal haben oder machen wollten.

Die Maxime in Marketingabteilungen hieß: Wie bringen wir die Leute dazu, unsere Produkte haben zu wollen?

Inzwischen ist das anders. Es gibt ein neues Geschäftsmodell, und es wird im ganz großen Stil aufgezogen. Seine Maxime lautet: Wir bringen wir die Umstände dazu, dass die Leute unsere Produkte kaufen müssen, obwohl sie noch gar nicht kaputt sind?

Der Ersatz funktionierender Produkte durch teure Produkte, die nicht mehr können, manchmal sogar weniger. In einer Marktwirtschaft würde so etwas nicht funktionieren. Deshalb haben die Leute, die es können, Einfluss auf die Politik genommen und dafür gesorgt, dass wir funktionierende Produkte durch teurere, schlechtere ersetzen MÜSSEN. 

Ihre PR-Berater dachten sich dafür neue Schlagworte aus, die heute wie ein Glaubensbekenntnis von ungebildeten Politikern und halb gescheiten Leuten wiederholt werden. Sie lauten:

Transformation und Planetenrettung

Es fing klein an. Zuerst wurden Glühbirnen verboten. Warmes Licht, das nach dem Einschalten sofort da war, wurde ersetzt durch kaltes Licht, das nach dem Einschalten eine halbe Sekunde braucht, wenn Du also schon in die erste Heftzwecke oder auf ein Playmobilmännchen Deiner Kinder getreten bist. Zum Zeichen seiner "Innovation" waren die neuen Leuchten 10x so teuer. Und es gab Leute, die zum Zeichen ihrer "Fortschrittlichkeit" sofort darauf ansprangen. 

Ein prächtiges Geschäft. Bedeutende Institutionen wie die EU-Kommissionen erkannten sofort das Potenzial für die eigene Machtsicherung. Und bedeutende Investoren das Potenzial für Geschäfte, die nicht mehr durch Forschung und Entwicklung zu betreiben waren, sondern durch Einflussnahme auf Regierungen.

Nach den Glühlampen kamen die Staubsauger. Der Schritt von den EURO-Produkten zu den zig  EURO Produkten.

Und dann hatten die, die am großen Rad drehen, die beste Idee: Lasst uns die mehrere, wenn nicht zig  tausend EURO Produkte, die Lebensanschaffungen, per Gesetz ersetzen. Autos und Heizungen.

Man müsste eine Wende einleiten. Sich mit grünen Aktien eindecken. Dann die Regierungen dazu bringen, die Produkte der grünen Unternehmen zur Pflicht zu machen. Und sich ebenfalls mit Aktien von Unternehmen eindecken, die diese Produkte kaufen müssen. Über die Stimmrechte bringen wir sie dazu. Warum nur Geschäfte mit Konsumenten machen, wenn man auch das B2B Geschäft kriegen kann? Und damit unsere Aktien auch sicher steigen, müssten wir andere Anleger dazu bringen, nur noch in grüne Aktien zu investieren.

Das bräuchte einen Plan, dachte sich Larry Fink, der Chef von Friedrich Merz bei der Firma Blackrock. Und Pläne kosten Zeit und Arbeit. Kann die Regierung diesen Aufwand nicht auch noch übernehmen? Ok,  sagte Ursula von der Leyen, wir beauftragen bei Euch eine Studie

"Hey!", rief Chris Hohn, ein Emporkömmling von Perry Capital, der es zu einem eigenen Fonds gebracht hatte, "ich bin auch noch da!" - "Kümmern Du Dich um den politischen Arm, wir übernehmen die Corporate Bonds.", beruhigte ihn Larry.

Wenige Jahre später war alles up and running:

  • Das Green Deal Programm der EU.
  • Eine politische Bewegung von Kindern mit einem neuen Kinderstar Greta Thunberg.
  • Beteiligungen sowohl an Ausrüstern der Wende, wie z. B. Carrier Global, und zu transformierenden Unternehmen wie Airbus, VW etc.
"Jetzt brauchen wir nur noch ein griffiges Schlagwort, das am besten in jeder Sprache der westlichen Wert gleich lautet." sagte Larry.
"Wie wäre es mit >Transformation<?", fragte Chris. Ds klingt groß und etwas mystisch, weil es keine Richtung hat.
"Oh, großartig." Larry war begeistert. Denn ihr neues Geschäftsmodell hatte in puncto Fortschritt in der Tat keine Richtung. Es würde ein Riesengetöse werden, ohne irgendeine Verbesserung zu bringen. 

Und sie legten los:
  • Chris finanziert über seinen Children's Investment Funds die Fridays for Future, Extinction Rebellion (die mit dem grünen Hakenkreuz und dem Desinteresse an Demokratie) und Letzte Generation.
  • Außerdem finanzierte er die Lobbyagentur Agora Energiewende. 
  • Und er stresste die Vorstände von Flugzeugherstellern, Fondsgesellschaften und Autoherstellern in Richtung Transformation. Der Dieselskandal war ihm ein nützlicher Vorwand, Vorstände komplett auszutauschen.
  • Die EU beschloss ein Verbot von Verbrennungsmotoren in Autos. Fortan brauchen Autohersteller neue Lieferanten und Autofahrer neue Autos.
  • Als die Grünen an die Regierung kamen, schickte er den Agora Gründer ins Klimaministerium. Und dessen Verwandtschaft und engste Freunde dazu. Dort arbeiteten sie ein Gesetz aus, das die Leute zum Kauf einer bestimmten Wärmequelle verpflichtet.
  • Larry arrangierte sich mit Friedrich Merz. Beteiligte Blackrock an Carrier Global und diese kaufte die Wärmepumpensparte von Deutschlands größtem Wärmepumpenhersteller. 
  • Fondsmanager, die den neuen ESG Pflichten nur formal folgen, aber Larry's und Chris' Aktienkurse in der Praxis doch nicht beflügeln, kriegen Stress. Die Leute bei DWS wissen, wovon ich rede.
Und siehe. "Transformation" war die beste Idee nach der Marktwirtschaft:

"Lass uns dafür sorgen, dass die Leute neue Produkte nicht mehr nur kaufen, weil die alten kaputt sind, oder es neue Innovationen gibt. Sondern weil sie es MÜSSEN. Und wer der neuen Pflicht als erstes folgt, ist ein moralischer Held. Wer sich widersetzt, wir geächtet."

Montag, 24. April 2023

Von der Klassensprecherin im Auswärtigen Amt zum Niedergang unserer Autoindustrie

Richard David Precht ist seit vorigem Jahr auf der Überholspur. Da publizierte er mit Harald Welzer ein Buch über den zunehmenden Konformismus deutscher Medien. Seitdem ist er auf der Liste der Linientreuen. 

In der aktuellen Episode seines Podcasts mit Markus Lanz geht er jetzt aufs Ganze und scheut keinen Gegenverkehr. Und das kam so:

Vor einigen Wochen hatte Precht den indischen Autor Pankaj Mishra zu Gast. Dieser erklärte, warum die aufstrebenden Großmächte Indien und China so empfindlich gegen moralische Belehrungen aus dem Westen sind. Und dass europäische Morallehren in der neuen Weltordnung eine schwindende Rolle spielen. Seine Kernthese ist, dass die früheren Kolonialherren bis heute nicht über ihre Verbrechen nachgedacht haben und sich ihren früheren Knechten bis heute überlegen fühlen. Mit einer Ausnahme: Deutschland. Kein Land habe seine Vergangenheit so gründlich aufgearbeitet wie Deutschland die Verbrechen der Nazis. (Wobei man nie vergessen sollte, dass die Nazis auch im inneren eine Diktatur waren. Die NSDAP trickste sich in die Regierung, hatte aber nie eine absolute Mehrheit.)

In dem Podcast mit Lanz führt Precht den Gedanken weiter. Anlass ist die wachsende Bevölkerung von Indien, die inzwischen China überholt hat. Statistisch gesehen ist nun jeder 2,5te Mensch ein Inder oder Chinese. China und Indien hätten in den letzten Jahrzehnten so viele Menschen aus der Armut geholt wie keine anderen. 

Precht (ab Minute 25): Während wir unsere Führungsrolle auf den Märkten an die neuen Supermächte verlieren und werden unsere politischen Protagonisten immer belehrender und überheblicher. Während diese uns, den Westen, eigentlich immer in Ruhe gelassen haben kommen wir ihnen mit Belehrungen und bezeichnen sie als "Systemrivalen". Unsere Regierung legt damit altes Denken aus dem Kalten Krieg nun über China. Als sei China ein kommunistisches Land. In Wahrheit sei es doch ein kapitalistisches Land, also ein Wettbewerber und kein "Systemrivale". Die Frage sei, wer hier eigentlich wen missioniere. Und warum.

Und dann kann sich Precht nicht mehr halten: 

"Warum können wir China nicht in Ruhe und sie ihren Weg gehen lassen. Unsere Außenministerin, hätte im Auswärtigen Amt unter normalen Umständen nicht mal ein Praktikum gekriegt. Und tritt auf der Weltbühne mit der Inbrunst einer Klassensprecherin auf.

Nur wer wirtschaftlich stark ist, wird von den Mächten ernst genommen. Wenn wir aber unsere wirtschaftliche Stärke aufs Spiel setzen, indem wir unsere Werte als Drohmittel einsetzen, riskieren wir neben unserer Glaubwürdigkeit auch unsere wirtschaftliche Stärke und unseren Wohlstand. .. 

Nur wer wirtschaftlich stark ist und seine dafür notwendigen Werte lebt, überzeugt auch andere. Man überzeugt andere nicht, indem man sie missioniert.. Wir erreichen damit genau das Gegenteil. Ich möchte keine Außenministerin sehen, die in der UNO den Chinesen droht. Diese 40-jährige junge Frau hat in ihrem Leben noch nichts geleistet. China hat Millionen aus der Armut geholt. Und hat eine Kultur der Altersweisheit. Dort wird man erst angesehen, wenn man im Leben etwas geleistet hat. Das einzige was an Baerbock grün ist, ist die Farbe hinter ihren Ohren." 

Genau! Und noch dümmer ist es, auf diese Mission westlicher Werte noch das Attribut "feministisch" zu setzen. Aber es wird noch interessanter:

Precht zieht dann noch folgenden Schluss:

"Wir sind von China so abhängig so abhängig, dass wir nur wegen ihnen unsere Automobilindustrie von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe umstellen. Und die chinesische Regierung stellt auf Elektroantriebe um, weil das weniger Knowhow erfordert und es dort leichter mitbieten kann. VW ist zum ersten Mal seit 40 Jahren nicht mehr Marktführer in China. Sein Marktanteil bei Elektromobilität liegt in China bei 2,5 Prozent."

Und genau dieser Abstieg ist es, den die Grünen, aber auch Marodeure wie Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident und Klimaheuchler Charles Michel, beabsichtigen. Eine Mischung aus Neid und Dekadenz, die Europas, und insbesondere Deutschlands Abstieg nach Kräften beschleunigt.



Sonntag, 23. April 2023

Berufliche Reiseflughöhe bereits verlassen...

Mein Diplom in Elektrotechnik an der Uni war hart erarbeitet. Dafür fühlte ich mich anschließend wie ein Allrounder Ingenieur. Genauer gesagt: Ein Ingenieur, der in allen Disziplinen mindestens prinzipiell mitreden könne. Bis heute hilft es mir, mich schnell in andere technische Themen einzuarbeiten. Bei Produkten wie dem Auto kommen inzwischen auch so gut wie alle Disziplinen vor.

Was ich aber schnell merkte: Projektmanagement und Entwicklungsmethoden kamen überhaupt nicht dran. Und sie vermisste ich nach einigen Jahren am meisten. 

Nicht in meinem ersten Job als Planungsingenieur im Corporate Netzwerk eines großen Energieversorgers. Da sagte der Lieferant aus München, wo es lang ging. Ich sorgte eigentlich nur für die Budgetierung, Beauftragung und Rechnungskontrolle. Das einzige Engineering war, dass ich die Reihenfolge und Ausstattung der Bauprojekte für unsere Netzstandorte mitbestimmen konnte. Aber zeitlich überwog das Kaufmännische. Ingenieure waren Ende der 90er Jahre auch eher verpönt, die Arbeitsmarktlage war nicht gut. 

Das änderte sich aber schnell mit der Liberalisierung und dem Fortschritt in Telekommunikation und  Internet. Hier zählte technisches Verständnis, am liebsten in Kombination mit fachlichem Anwenderwissen. 

Ich ging in die Beratung und lernte schnell: Ich habe kein Projektmanagement gelernt. Jeder schrieb einen Projektplan auf Basis seines Vorgängers. Die Vorgehensweisen Anfang der 2000er Jahre waren methodisch kein Vergleich mit den heutigen strukturierten Methoden. Trotzdem wurde ich Projektleiter. Weil ich ein Projekt bei einem Kunden aus meiner früheren Branche akquiriert hatte. Ich konnte gut die Zusammenhänge und das Ziel formulieren. Aber wirklich Ahnung von der Leitung eines IT-Projektes hatte ich nicht. Wir wurschtelten uns durch und schrieben Rechnungen, die ich haute auf Kundenseite nicht mehr akzeptieren würde.

Nicht viel besser bei meinem Start in der Automobilbranche, einer Elektronikstochter eines großen Herstellers. Ich kannte mich nun aus in elektrischer Energietechnik und den Basics von Softwareprojekten. So weit so gut. Aber ich kam nicht in ein Projekt, das meinen Kenntnissen entsprechend, sondern direkt ins Infotainment. In ein Standardisierungsprojekt. Das war noch mal die Steigerung von Spezifikationsarbeit, denn jetzt sollte sie für die Lieferkette gelten und zwischen allen Mitgliedern des Standards abgestimmt werden. Ich fragte mich immer wieder, warum Dienstleister und Berater so ticken, dass ihnen beim Einsatz ihrer Berater Verfügbarkeit über passendes Profil geht. 

Erst nach meinem Wechsel zum Hersteller wurde es besser. Hier gab es einen Produktentwicklungsprozess aus Meilensteinen. Endlich eine Orientierung. Und Projektmanagement gehörte hier zur obligatorischen Weiterbildung. Endlich! Technisch war mein Studium immer noch brauchbar, obwohl 15 Jahre vergangen waren. Aber methodisch lernte ich nun immens dazu. 

Und seitdem flutscht es - eigentlich. Wenn viele angesammelte Puzzleteile plötzlich ein Bild ergeben, dann geht es los. Und erst damit lernte ich, wie toll eigentlich der Ingenieursberuf ist. Es gibt nichts Erhebenderes als mit Systemarchitekten an der Tafel zu stehen und gemeinsam zu entwickeln, was wir brauchen, um etwas machen zu können. Und sich dabei gut zu verstehen. Am besten erlebte ich es im Ausland, in Schweden. Wir brachten eine Programmstruktur für ein komplexes, vernetztes Steuergerät zum Laufen.

Und seitdem, wieder zurück in Deutschland und den Grünen an der Regierung geht es leider schon wieder bergab. Ich erlebe um mich herum, wie Anforderungen an Personal und Vorgehensweisen abgesenkt werden. Nachdem ich nun selbst im Sattel bin und Reiten kann, erlebe ich wie von Management bis zum Nachwuchs fachliche Kompetenz wieder entwertet wird.

Bachelors of Arts, vorzugsweise Geistes- und Sprach"Wissenschaftlerinnen" dominieren inzwischen unsere agilen Communities. Und fragen zum Einstieg, welches Tier wir heute sein wollen. Es sprießen AGs zu Diversity und Women in Leadership aus dem Boden. Es machen Leute Karriere, die vieles angefangen haben und schnell weiter befördert wurden und ihren Nachfolgern Chaos hinterlassen. Es ist binnen kurzer Zeit eine ganz andere Arbeitskultur aus Inkompetenzen geworden. Und man feiert sich sogar dafür. Man bietet sich in Vorstellungsgesprächen jetzt mit "Passion" statt Kompetenz an, denn man kann "ja alles lernen, wenn Sie es mir gut genug beibringen". In "Fucked-up Nights" protzt man mit an die Wand gefahrenen Projekten - und davon gibt es in Deutschland genug..

Das einzig Gute daran für mich haben Danisch und andere bereits geschrieben. Wir erledigen in diesen Umgebungen unsere Arbeit mit einem Bruchteil der geplanten Zeit. Ich höre die Frage, warum ich denn schon wieder unzufrieden sei, noch öfter. Denn wenn Langeweile mein einziges Problem sei, dann hätte ich gar keines. 

Tja, die Erfüllung wahren Schaffens ist jemandem schwer zu erklären, der es noch nie gemacht hat. Wenn ich bei uns erkläre, berichte und schwärme höre ich meist: "Ach komm, die kochen auch nur mit Wasser." Sie versuchen, mich auf ihr Niveau herunter zu ziehen. Manche warnen mich sogar, ich solle meine Unzufriedenheit und Kritik nicht all zu vernehmlich machen.

Ehrlich gesagt rechne ich in naher Zukunft mit "Angeboten" für die "teuren Spezialisten". Denn man hat jetzt zwei Programmierschulen eröffnet in denen man Quereinsteiger zu Softwareentwicklern weiterbildet. Voraussetzungen gibt es keine. "Bringe Passion mit, alles andere haben wir." Angelernte Programmierer für sicherheitsrelevante Funktionen?

Nee, wieder ein Grund, sich von den spannenden Projekten lieber fern zu halten. Gerade kam die Nachricht, dass voriges Jahr 2 Mio Deutsche ausgewandert sind, die meisten nach Portugal. Portugal habe ich auch im persönlichen Umfeld oft als Auswanderungsziel gehört. Sonne, Strand, die Eurorente kommt, und Amerika kann man am Horizont schon erahnen...


Samstag, 22. April 2023

Die schwindende Reife im Geschäftsleben

 Erste Szene:

"Ihr Termin zum Räderwechseln fällt leider aus. Der Radsatz ist nicht angekommen. Wir melden uns wieder."

Es vergehen anderthalb Wochen. Dann melde ich mich und frage, ob inzwischen ein Termin in Sicht sei. Antwort:

"Ja, der Radsatz ist schon seit langem da. Schön dass Sie sich melden, dann können wir einen Termin machen."

Zweite Szene:

Ein Kollege arbeitet eine Vorgehensweise für die Behördengenehmigung (Zulassung) von Produktbauteilen aus. Er lädt zig Verantwortliche ein, die den Begriff "Verantwortlicher" in ihrer Rollen- und Aufgabenbeschreibung haben, zu einer Inforveranstaltung ein. Er macht alle Informationen zugreifbar und verteilt "Einseiter", auf denen alles in Bildern erklärt ist. So weit so gut.

Melden sich nach der Veranstaltung mehrere "Verantwortliche" per Email bei meinem Kollegen: "Du, das ist ja sehr kompliziert. Bitte achte mit darauf, dass ich da nichts vergesse und melde Dich, wenn ich da etwas übersehe." Sie melden sich schriftlich, weil sie glauben, sich so abgesichert zu haben und die Verantwortung an den Kollegen abgeschoben zu haben.

Dritte Szene:

Deutsche Bahn. Antwort einer Zugchefin zu einem Kunden, der wegen der Zugverspätung einen Termin verpasst:

"Aber man weiß doch, dass wir Probleme mit der Pünktlichkeit haben, das muss man bei der Reiseplanung doch berücksichtigen."

Vierte Szene:

Hausverwaltung einer Eigentümergemeinschaft. Antrag eines Miteigentümers, die Zustimmung der ETG zum Austausch zweier Fenster auf die nächste Versammlungsagenda zu setzen. 

Antwort der Verwaltung, danach mischt sich noch ein Beirat ein::

"Haben Sie einen Beleg, dass Sie die Genehmigung brauchen?"

"Nein,, in Ihrem Onlinearchiv habe ich dazu nichts gefunden deshalb habe ich mich auf das WEG Gesetz  berufen. Wir müssen die Zustimmung und Kostenträgerschaft klären."

"Können Sie mir das Gesetz mal zu mailen?" (Es zu kennen, genau so wie die geltenden Regelungen der ETG, ist eigentlich Aufgabe der Hausverwaltung. Aber weil ich mir die Mühe der Recherche gemacht habe, kann ich die Absicherung des Vorgehens aus Sicht des Hausverwalters gleich ganz übernehmen. Aber das ist noch nicht alles, es meldet sich der Beirat.")

"Das brauchen wir nicht. Meine Fenster habe ich der früheren HV einfach zur Kenntnis und formalen Zustimmung gegeben."

"Wo steht, dass wir so vorgehen?"

"Das steht in einer Email des Mitbeirates an eine Miteigentümerin, als die die gleiche Frage hatte."

"Aber diese Email kennen nur Sie drei. Wo ist das geregelt?"

Schweigen. Seitdem herrscht Schweigen. Weitere Nachfragen wie es weitergeht, bleiben unbeantwortet.


All diesen Szenarien ist folgendes gemeinsam:

  1. Niemand fühlt sich mehr für irgendetwas verantwortlich - lässt sich für die Funktion aber gerne so beauftragen, ansehen und bezahlen.
  2. Jeder, auch ein mandatierter Funktionsträger, wurschtelt sich nur irgendwie durch. Die Mühe, Vorgehensweisen zu besprechen und zu verankern, um Rechts- und Investitionssicherheit zu schaffen, macht sich keiner mehr.
  3. Wenn es schwierig wird, taucht man ab. Oder hängt die Verantwortung jemanden um, der sich schon mehr als er müsste um die Sache gekümmert hat, weil er um die Unfähigkeit der anderen weiß.
  4. Die Unfähigkeit der Verantwortlichen wird als bekannt vorausgesetzt und zur Grundlage einer Verschiebung der Verantwortung vom Verantwortlichen auf den Gewissenhaften angesehen.
  5. Das Amt füllt die Leute aus, nicht mehr umgekehrt.

Montag, 3. April 2023

Immobilienmarkt

Markus Krall zitierte neulich einen Makler. Demnach sind die Immobilienpreise seit Jahresanfang 2023 um 30% eingebrochen. Der Absatz sei sigar um 80% zurückgegangen. Grund dafür ist natürlich die schnelle Zinsanhebung.

Was gerade passiert, und sich noch beschleunigen wird, ist doch folgendes:

  • Sukzessive laufen Zinsbindungsfristen aus. Da der Beginn der Nullzinspolitik schon etwa 10 Jahre zurück liegt, laufen auch langfristige Bindungen aus.
  • Die Anschlussfinanzierung fällt bedeutend teurer aus, da muss jeder Bankkunde erstmal neu rechnen.
  • Wer die neue Zinslast nicht stemmen kann, muss verkaufen.
  • Und dann kommt das neue Risiko: Die Preise fallen.
Nicht alle werden unter das Niveau ihres eigenen Kaufpreises zurückfallen. Die Immobilienblase hatte sich ja über die Jahre aufgebaut, nicht jeder fällt jetzt unter seinen damaligen Kaufpreis. Aber die Nebenkosten muss man auch noch bedenken.

Es wird also einen gewissen Anteil geben, der seine Hypothek auch bei einem Verkauf nicht mehr tilgen kann. Und da wird es ganz schwierig.

Bei Neubauprojekten kann es sogar zu einer regelrechten Kapitalvernichtung kommen. Nämlich dann, wenn eine wichtige Bauphase nicht mehr abgeschlossen werden kann und der Rohbau selbst Schäden oder Mängel erleidet. Dann kann man noch nicht mal mehr notverkaufen. Und vor veropuschten Rohbauangebiten sei gewarnt

Das wird private und gewerbliche Immobilienkunden treffen. Aber auch deren Banken. Denn die verlustbehafteten  Sicherheiten (Grundbuch) nutzen ihnen dann auch nur noch begrenzt.

Und da kommt es jetzt auf das individuelle Risikoprofil jeder einzelnen Bank an.

Für zahlungsfähige Interessenten an Bestandsimmobilien kommen jetzt interessante Zeiten. Da bin ich mal gespannt, wie viel Unterhaken und Zusammenhalt dann noch zählen...

Freitag, 31. März 2023

Trump Klage, Vulkan Files - womit Ihr Euch beschäftigen sollt

 Was n-tv, ARD, ZDF, SZ und ZEIT kaum beschäftigte:

  • Das Risikomanagement der gescheiterten Silicon Valley Bank war vor allem mit Diversion Events beschäftigt. Als Gläubiger hätte ich da jetzt Puls.
  • Die Twitter Files belegen, wie krass die US-Regierung Einfluss auf die Zensur bei Twitter genommen hat. Sie belegen alle Hinweise und Verdachtsmomente. Sie kehren die frühere Propaganda der "Democrats" um, Russland hätte Einfluss auf US-Wahlen genommen. Das Gegenteil ist wahr: US Demokraten nahmen massiv Einfluss auf Wahlen in den USA, indem sie Filter und Zensur bei populären Social Media Plattformen installierten und kontrollierten.
Beides wäre früher Recherchen, Berichte und Kommentare wert gewesen. Heute wird das in den dominierenden Medien einfach weggefiltert. Stattdessen werfen sie uns Meldungen hin, mit denen wir uns beschäftigen sollen:
  • Klage gegen Trump wegen einer Weitergeschickte.
  • Vulkan Files belegen irgendwas mit Putin und Hackern.
Seit den Rausschmissen linienuntreuer BILD Redakteure wissen wir: wer kritisch über linksliberale Politiker oder gar Minister schreibt, muss gehen. Oft finden sich "Zeuginnen", die sich nach Jahren plötzlich an sexuelle Übergriffe eines Redakteurs, am liebsten Chefredakteurs, erinnern. In den USA klagen Darstellerinnen haufenweise gegen Regisseure, an die sie sich mal rangemacht hatten, um irgendwo mal eine Rolle zu kriegen. Nachdem sie bekommen hatten was sie wollten, wollen sie heute ihren Einsatz zurück und ihrer verkümmerten Prominenz einen Opferschub geben. Dabei gehen reihenweise Lebensläufe und Rufe verdienter Regisseure drauf. Aber der dominierende Minderheitenmainstream hat da keine Gnade. Was geschaffen wurde, muss abgerissen werden. Was noch etwas Wert hat, muss ergaunert werden.

Das Silicon Valley scheint eines der Epizentren zu sein, wo Diversion über alles geht. Zum Beispiel auch über Qualität. Seitdem Tim Cook CEO von Apple ist, hat diese Firma eigentlich nichts Neues mehr herausgebracht. Stattdessen haben Qualitätsprobleme mit veröffentlichten Betriebssystem Updates massiv zugenommen. So können User, die die neueste MacOS Version Ventura installiert haben, häufig ihre über USB verbundene Peripherie (Monitore, externe Laufwerke,..) nicht mehr benutzen. Das gab es unter Steve Jobs nie. Unter seiner Führung war Software von Apple gehärtet wie ein Metallgehäuse. Heute sollst Du bei Produktupdates Ankündigen vor allem mitzählen, ob die auftretenden Unternehmensvertreter alle Minderheitenquoten erfüllen. Wirklich Neues verkünden sie kaum noch.



Donnerstag, 30. März 2023

Sie haben Dilbert abgeholt

 Die VDI Webseite Ingenieur.de hat die deutschsprachigen Dilbert Comic von ihrer Seite genommen. Bei Apple Books gibt es keine Bücher mehr von Scott Adams. Und bei Amazon gibt es nur noch englisch sprachige Bücher von Scott Adams.

Wer auch heute noch Dilbert Fan ist, sollte sich sputen. Einige deutsche Online Buchhändler bieten Scott Adams noch an. Aber ich weiß nicht, ob die Verlage sie weiterhin beliefern oder ob das schon Restbestände sind.

Was ist passiert?

Scott Adams soll sich im Februar 2023 "rassitisch" geäußert haben. Etwa in dem Sinne, man solle sich von bestimmten Leuten Fernhalten. Mehr weiß ich nicht und ich will es auch nicht wissen. Vielleicht wurde Scott nur ohne Kontext zitiert? Und wer weiß, was ich in einem Interview über Kreuzberg oder Neukölln sagen würde, wenn man mich kurz nach Silvester interviewen würde?

Ich weiß nicht, wie ich reagieren kann. Die Dilbert Streifen sprechen bis heute die Wahrheit. Auch über Maskenpflichten, die Scott Adams ohne Scheu aufs Korn genommen hatte. Aber wahrscheinlich setzte er sich genau damit auf die Fahndungsliste. Und dann kam das Ende.

Cancel ist keine Kultur. Cancel ist eine Vorstufe zu Faschismus. Bücher aus dem Sortiment zu nehmen, Comics von einer Webseite zu nehmen ist nicht so viel anders als Bücher zu verbrennen.