Dienstag, 28. April 2020

Wann schmeißt Merkel Chris Boos aus dem Digitalrat?

Wenn es um IT-Projekte des Bundes geht, kann man inzwischen ein Template anlegen und den Projektverlauf zuverlässig vorhersagen. Neuestes Beispiel: Die Corona Corona Tracing App.

Das Muster besteht aus folgenden Merkmalen:
  • Ein Minister oder Staatssekretär sieht eine Gelegenheit (positive Motivation) oder eine Erwartungshaltung (Negativmotivation) IT zur Lösung eines Problems einzusetzen oder sich als modern zu erweisen.
  • Er lässt sich von seinen engsten Beratern oder Lieferanten bequatschen schnell eine Entscheidung zu treffen - noch bevor er irgendetwas verstanden hat. In dieser Phase kann man ihn gut mit aktionistischen Kraftausdrücken beeindrucken, die anschließend auch gegen Kritiker gewandt werden (Beispiel: "Kryptographische Eleganz", "religiöse Kriege um Architektur").
  • Nach der Festlegung von Architektur und Lieferant, folgt die Diskussion der Anforderungen und Abhängigkeiten, und Zeitplanvorstellungen. (Beispiel: e-Rechnung, Corona Racing)
  • Dann stellt sich heraus: Geht gar nicht so, wie der Minister festgelegt hat. (Corona App, Apple)
  • Der Minister rudert zurück (Spahn) oder zieht sein Ding durch (Vitt).
Leute mit Persönlichkeitsdefiziten, die sich in übertriebenem, blinden Ehrgeiz äußern, sind in der Anstiegsphase empfänglich für Posierer und in der Abstiegsphase rachedurstig gegen Schuldigen.

Für Chris Boos ist es jetzt dumm gelaufen. Das HHI hat sich jetzt auch aus seinem PEPP-PT Projekt zurückgezogen, der ganze Ansatz ist vom Tisch und jetzt hat Boos auch noch juristische Probleme am Hals, wie der Stern berichtet. Boos soll seit 2017 keine Geschäftszahlen veröffentlicht und damit gegen Offenlegungspflichten verstoßen haben. Stattdessen soll er, insbesondere im Zusammenhang mit der Ernennung zum Digitalrat der Bundesregierung, beschönigt haben. Veröffentlichungen über aufgelaufene Schulden in Handelsblatt und Wikipedia bezeichnet er nicht als falsch, aber als "nicht autorisiert". Es gibt noch mehr Ungereimtheiten in dem Stern-Artikel.

Damit ist Boos neben Suder schon die zweite zweifelhafte Figur im Digitalrat der Bundesregierung.

Der Digitalrat wird an einer Stelle zitiert, man tage nicht öffentlich, damit man ganz offen Dinge aussprechen könne. Das sagen Leute, die bei uns um Vertrauen in zentrale Serverlösungen für Regierung und Verwaltung werben...

Montag, 27. April 2020

Grimmepreis Kampagne für Drosten und gegen Kekule

Die Nominierungen sind abgeschlossen, jetzt läuft das Voting für den Grimme Online Award (Link).

Und siehe da, da läuft eine Rezensionswelle bei "Podcasts" von Apple. Drosten wird mit allen Mitteln hochgelobt, Kekule wird diffamiert.

Dabei wäre es genau umgekehrt verdient: Professor Kekule ist ein Virologe der ganz wunderbar vermitteln kann, was jetzt gerade wichtig ist und welche Schlüsse man aus den verfügbaren Daten und den Erfahrungen ziehen kann. Er spricht klar, kurz und verständlich - so wie es Wolf Schneider immer gelehrt hat.

Drosten hingegen spricht nur in Schachtelsätzen, umständlich, bedingend, sich einschränkend, redundant und sich alle paar Wochen selbst widersprechend.

Drosten ist der Eitle, der uneitel tut. Bei Kekule ist es umgekehrt.

Hier eine Sammlung von Podcast Rezensionen. Zuerst die Abwertungen der Drosten Jünger beim Kekule Kompass:








Und jetzt die Drosten Lobhudeleien. Die Dichte der Rezensionen hat in den letzten Tagen (der Nominierung und des laufenden Votings) stark zugenommen:










Interessant übrigens am Rande, dass Drosten ja vor einigen Wochen in seinem Podcast abgestritten hatte, noch als Regierungsberater tätig zu sein. 

Freitag, 24. April 2020

Dürre und Windraddichte

Es ist sicher nur eine Co-Inzizenz, aber ich wollte sie mal gezeigt haben. Es gibt in Deutschland eine gute Übereinstimmung zwischen der Dichte von Windkraftanlagen und Dürregebieten.

Bild 1 ist einer Darstellung des MDR entnommen und zeigt die Entwicklung von Dürre in Deutschland in den letzten Jahren.

Bild 2 zeigt die Dichte von Windkrafterzeugung in Deutschland.


Natürlich habe ich aus dem Stand keine Erklärung dafür. Ich habe beim Googeln schon Hinweise gefunden, dass Windparks das Mikroklima beeinflussen, z. B. in dem sie Temperaturschichten in der Luft durcheinander wirbeln und dabei tendenziell den Boden mit Warmluft anreichern, was Verdunstung und Austrocknung forciert. Aber hat das eine Rückwirkung auf das Makroklima bzw. die Trajektorien von Wolkenformation? Wohl aber kann es eine Wirkung auf die Bildung von Wolken auf dem Land haben.

Auch fand ich den Hinweis, dass große Windparks wie ein mittlerer Gebirgszug auf eine ziehende Wolkenformation wirken können, so dass die Wolken ihre Niederschläge quasi abgeben, um den Windpark überwinden zu können (vereinfacht gesprochen).

Ich würde aus dem Stand denken, dass die größte Ursache für Dürre die Großwetterlage mit der Lage und Ausprägung von Hoch- und Tiefdruckgebieten sein muss. Mal (früher meist) wirbeln sie feuchte Luft aus Südwest heran. Und Wind von Osten oder Norden bringt trockene Kontinentalluft.

Die Theorie mit den Windparks als Gebirgsketten würde m. E. nur stimmen, wenn es vor großen Windparks in Europa, entlang der Windströmungen, vermehrte Niederschläge gäbe. Aber zumindest auf der Deutschlandkarte findet man Niederschläge vor allem in Südwest (passt) und im Süden allgemein (passt nicht). Das spräche für eine Hauptwindrichtung aus Süd-Südwest.

Wahrscheinlich ist es also nur Zufall.

Unabhängig davon richten große Windparks natürlich Immer mehr andere Schäden an, die mittelbar auch Einfluss aufs Klima und die Pegelstände des Grundwassers haben. "David" berichtet folgende Liste:

  • Bodenversiegelung (Einfluss aufs Grundwasser)
  • Waldrodungen
  • Flächenverbrauch

Donnerstag, 23. April 2020

Spahn, abhebend

Habe ich das jetzt richtig verstanden? Weil die verschnarchten, Faxen machenden Gesundheitsämter zu langsam sind, muss jetzt ein zentraler BMG Server aufgebaut werden, der von jedem wissen will, ob er infiziert ist?

Da hat der Digitalrat ja "einen tollen Job gemacht".

Aber warum sollte ich diese App benutzen? Ach so, ich weiß schon: weil mein Social Score sonst zu niedrig bleibt.

Dienstag, 21. April 2020

Werbebilder gehen zurück zu klassischen Motiven

Mir ist in den letzten Tagen aufgefallen, dass viele Unternehmenswebseiten ihre politisch-korrekten Werbeträger gegen klassische Modelle ausgewechselt haben. Zuerst fiel es mir bei Bahn.de auf, wo jetzt weniger blonde Frauen mit Rastafaris flirten. REWE wirbt mit deutschen Senioren. Bei der Deutschen Bank stehen wieder grauhaarige Männer für typische Geschäftskunden. Bei Siemens sitzt ein vollbärtiger, aber indigenen Nerd am Rechner. Bei Thalia sieht man sogar eine komplett weiße Familie und einen Appell an das traute Heim.

Nur vereinzelt trifft man noch hauptsächlich arabische Männer als sportliche Vorbilder, z. B. bei Adidas.de .

Übrigens sah man in den politisch korrekten Werbezeiten hauptsächlich arabische muskulöse Männer, die sich m. E. eher an das weibliche Publikum richteten. Junge hübsche Frauen vom Typ Bauchtänzerin sah man eher selten. Auch das spiegelte die Einwanderungswelle und ihre vorrangigen Protagonistinnen realistisch wieder. Es waren keine Männer, die einwandernde junge Frauen begrüßten. Es waren junge deutsche Frauen, die einwandernde arachische Männer begrüßten.

Es wird Zeit, die Motive der Handelnden einmal tiefer zu hinterfragen.

Der Wechsel zurück zu den klassischen Motiven erklärt sich m. E. mit einer neuen Wertschätzung des klassischen Ernährers. Des Mannes, der einen Beruf erlernt und Verantwortung für seine Familie übernimmt. Die Zeit der Abenteurer (für die man gern die dummen Aktiven zahlen lässt) geht zu Ende, man kehrt wieder heim und appelliert an die Ernährerpflichten des Jägers...

Authority Aligned Research a la Drosten

Prof. Drosten und andere (Meyer-Herman, Helmholtz) jagen in dieser Woche eine neue Sau durchs Dorf. Nachdem wir die Kurve tatsächlich verflacht haben und auch den R-Faktor (Anzahl der angesteckten Kontakte pro Infiziertem) <1 auch="" beiden="" das="" den="" ein:="" experten="" f="" haben="" jetzt="" llt="" nein="" nicht.="" noch="" p="" reicht="">
Jetzt fordern sie die Austrocknung des Virus. D. h. eine Fortdauer der Kontaktsperren solange bis wir bei R=0,3 sind.

Ihre Begründung: Das Gefühl der Bevölkerung, es sei nun vorbei. (Ihre nicht ausgesprochene Begründung: Weil Frau Merkel noch keine Lockerung will. Sie hat den Diskurs darüber ja als "Diskussionsorgie" beschrieben.)

Drosten ist ein nacheilender Prophet. Er findet immer Veröffentlichungen auf dem "Prä-Print"-Server, die die Meinung und Politik der Bundeskanzlerin bestätigen. Das war anfangs so mit der Verharmlosung von Norditalien und seiner Ablehnung einer Reisewarnung. Das war damals auch so mit seiner Antwort auf die Frage, was er konkret tue um sich zu schützen: "Nichts."

Danach erklärte er uns die Effekte und Notwendigkeit der Kurvenabflachung. Und dann den R0-Faktor, d. h. den dem Virus eigenen Reproduktions- (bzw. "Ansteckungs-") Faktor.

Jetzt sucht Merkel nach Argumenten für eine Verlängerung über den 4. Mai hinaus und Drosten erforscht den Per-Print-Server.

Zusätzlich operiert er mit einer neuen Metapher: Der zweiten Welle, die sich unter der Decke der Maßnahmen ausbreite. Damit meint er die zunehmende Diffusion des Virus über die Hotspots hinweg. Er achtet nun auf die Unterschiede zwischen den Bundesländern: Solange die Ausprägungen noch die Startformation widerspiegelten (Bayern und NRW an der Spitze bei den erkannten Fällen pro Einwohner) solange seien wir in der 1. Welle. Durch Nachlässigkeit bei der Kontaktsperre verwischten sich die Unterschiede zwischen Bundesländern allmählich. Und wenn wir dann in den nächsten Herbst reinlaufen, bekämen wir italienische Verhältnisse.

Die unausgesprochene Frage im Raum: Wollt Ihr das?

Man wird Christian Drosten später vielleicht einmal als Beispiel für einen konformen Forscher im Westen nehmen. Einer der Mitspracherecht und Öffentlichkeit beanspruchte, aber nie einen Plan vorlegte, nie ein beständiges Ziel vorgab, um die Epidemie zumindest im eigenen Land zu überwinden. Der stattdessen aber immer neue Forschungsergebnisse fand, um den Kurs der Kanzlerin zu unterfüttern. Und dabei geflissentlich Studien von konkurrierenden Forschern auseinander nehmen, indem man an die Kollegen höhere Maßstäbe anlegt, als an sich selbst (Beispiel: nicht validierter Antikörpertest vs. nicht validierter Infektionstest).

Wie kann man das bezeichnen? Ich schlage vor: Authority Aligned Research (AAR).

Quellen:
Tagesspiegel vom 20.04.2020
NDR Corona Virus Update (33) vom 20.04.2020

Montag, 20. April 2020

Hinter den Kulissen der Corona Tracking Apps

Vorige Woche entwickelte sich das Thema Kontaktverfolgungs- / Contact Tracing App wie folgt:

  1. Apple und Google veröffentlichten Statements zur gemeinsamen Entwicklung eines Funktionsumfangs ihrer Betriebssysteme, der künftig die dezentrale, anonymisierten Sammlung von Kontakten ermöglicht und eine freiwillige (Opt-in) Bereitstellung dieser Kontakthistorie falls ein Smartphone Besitzer sich als infiziert profiliert.
  2. Die unkommentierte "Zur-Kenntnisnahme" dieser Statements durch die Mitglieder der Bundespressekonferenz am vorigen Freitag.
  3. Die Implosion des Projektes PEPP-PT, das maßgeblich von dem Unternehmer und Digitalratsmitglied Hans-Christian Boost gesteuert wird, durch den Abgang maßgeblicher Wissenschaftler, u. a. Marcel Salathe.

Streitpunkt ist, dass Boost die geplante Plattform in Richtung einer zentralen Architektur vorantreibe, d. h. mit weniger Freiwilligkeit und mehr Kontrolle des Staates. Salathe habe die Initiative PEPP-PT verlassen, nachdem Boost die dezentrale Alternative stillschweigend aus der Projektbeschreibung gestrichen hätte.

Mal abgesehen davon, dass die Sache damit den typischen Verlauf eines öffentlichen IT-Projektes zu nehmen scheint, nämlich zu scheitern, erfährt man nebenbei noch andere interessante Dinge:

Hans-Christian ("Chris") Boost ist Mitglied eines Digitalrates der Bundesregierung. Den Vorsitz dieses Rates hat -man glaubt es nicht -Katrin Suder. Weitere Mitglieder stammen von Fraunhofer FOKUS (die ich selbst schon als nicht so kompetent kennen gelernt habe) und Professoren namhafter US-Universitäten. Und auch eine Geisteswissenschaftlerin, die eine Softwareplattform für medizinische Anwendungen entwickelt, aber sie scheint nicht in die Kontaktverfolgungs App involviert zu sein. Etwas ironisch klingt das Merkelzitat in der Selbstbeschreibung des Digitalrates:
"Ein kleines, schlagkräftiges Gremium", wünscht sich Bundeskanzlerin Merkel. Mit Frauen und Männern aus der Praxis, "die uns antreiben, die uns unbequeme Fragen stellen".
Nicht aufgeführt, aber ebenfalls als Regierungsberater tätig ist ja Sandro Gaycken. 

Gaycken sagte im Interview mit Robin Alexander, er könne sich einen Deal "Daten gegen Freizügigkeit" vorstellen (Schritt 1). Christian Drosten sagte in mehreren NDR-Podcasts, solch eine App könnte einen großen Nutzen für die Eindämmung der Epidemie beitragen (Schritt 2). Und danach ändert Chris Boost die Spezifikation des PEPP-PT Projektes einseitig in Richtung zentrale Architektur (Schritt 3). 

Da klingeln doch gleich mehrere Alarmglocken:
  • Wie kann es sein, dass Katrin Suder, die in einem Untersuchungsausschuss des Bundestages auf der Zeugen-, wenn nicht Anklagebank sitzt, immer noch die Bundesregierung berät?
  • Wird jetzt nicht deutlich, dass die Bundesregierung hier mehr Kontrolle über die Smartphones von Bundesbürgern plant, als es die angekündigten Betriebssystem-Updates von Apple und Google es notwendig machen?
  • Und: Wird hier nicht wieder sinnlos Geld rausgeworfen, weil man schon bei der Definition der Anforderungen ungeschickt vorgeht?
Quellen:
Digitalrat der Bundesregierung

PK mit Spahn, Wieler, Broich, Cichutek (ab Minute 0:59h und 1:15h):

Freitag, 17. April 2020

Lassen Laschet/Spahn Prof. Streeck fallen?

Einen Tag nach Laschet‘s Niederlage in der Coronarunde der Kanzlerin + Ministerpräsidenten und 5 Tage nach Drostens Attacke auf seinen als Rivalen empfundenen Kollegen Streeck, wirbt Spahn wieder mit Drosten für „verlässliche Informationen“.

Es war auch Drosten, der gestern in Illners Runde saß.

Lässt Laschet als nächstes Streeck fallen? Sein Plan gat nicht geklappt und Streeck gilt im Berliner Inner Circle als verbrannt.



Dienstag, 14. April 2020

Drosten reviewed

Ich habe noch mal die Podcastfolgen 2 und 3 von den NDR Interviews mit Drosten nachgelesen. Dies stammen vom 27. und 28. Februar.

Unser Eindruck, dass er anfangs gezögert und verharmlost habe stammt von seiner grundsätzlichen Position, dass die Politik Maßnahmen immer erst post-mortem ergreifen sollte. Da bezog er sich selbst sogar ein. So sagte z. B. er würde selbst jetzt noch nach Italien fahren. Und er halte Einreiserestriktionen und Reisewarnungen für nicht angebracht.
Korinna HennigWir haben gestern darüber gesprochen: Sie haben gesagt, Reisewarnungen innerhalb von Europa ma- chen gar keinen Sinn. Wie ist es bei Ihnen persönlich? Würden Sie jetzt nach Italien reisen?
Christian DrostenJa, also, ich würde natürlich nach Italien reisen. Ich glaube nicht, dass die Infektionsdichte so hoch ist, dass man sich rein zufällig schnell infiziert. 
Er begründet das mit dem Unwissen über die Infektionsherde oder auch deren Größe. Für ihn stand nie die Vorsorge im Vordergrund sondern die Abwägung der Auswirkung einer Maßnahme gegenüber den Fallzahlen (und nicht deren Dynamik). Auch interessier ihn das Virus generell mehr als dessen Auswirkung.

So interessierte ihn Ende März die Quelle der Viren in Heinsberg, München und Norditalien mehr als die Dynamik der Verbreitung. Er wollte Ende Februar vor allem wissen, ob wir es in Europa mit eingeschleppten Viren aus China zu tun haben oder mit einer weiteren Virusquelle, z. B. in der Lombardei.

Und ähnlich seine Meinung zu Atemschutzmasken für die Bevölkerung. Er widerspricht sich da sogar selbst, ohne dass die Germanistin Korinna Hennig dem kritisch nachgeht: Er sagt einerseits, diese Masken seien unwirksam, andererseits fordert er diese Masken wegen ihrer Schutzwirkung exklusiv für das Krankenhauspersonal. Er benennt die Lieferschwierigkeiten, schiebt aber die Verantwortung dafür nicht auf staatliche Stellen und deren Versäumnisse sondern auf uns, die wir uns jetzt schützen wollen. Hier spricht dann nicht mehr nur der Wissenschaftler sondern jemand, der der Regierung nicht auf die Füße treten will.

Des weiteren benennt Drosten seine Konkurrenz zu den Epidemiologen (er selbst ist ja Virologe). Er wirft ihnen vor, darauf erpicht zu sein, ihre Datenmodelle möglichst schnell mit verfügbaren Daten füttern zu können, deren Ergebnisse sie dann an wissenschaftliche Journale senden können. Er bezeichnet das sogar als Modeerscheinung. Stattdessen fordert er die Praxis der "aufsuchenden Epidemiologie", die direkt an Patienten und Kontaktpersonen testet. Und genau das macht ja Prof. Streeck mit seinem Team in Heinsberg.
Christian Drosten  
.. Weiter und weiter gedacht, hat man es hier dann doch mit einer dramatischen Exponentialfunktion zu tun. Das ist aber ein sehr theoretischer Wert, der sich aus frühem Datengut erheben lässt. Aus wenigen schon bekann- ten Patienten kann man das ableiten. Und man muss nicht sehr systematisch epidemiologisch aufsuchend arbeiten. Also man muss nicht ganz systematisch die Patienten anschauen, sondern man kann das aus indi- rekten Daten, aus gemeldeten Daten ableiten.
Das hat einen unglaublichen wissenschaftlichen Charme für Krankheitsmodellierer, die nicht selber epidemiologisch tätig sind, sondern nur eine Weiter- verwendung von veröffentlichten Daten betreiben. Und wir haben in der Infektionsepidemiologie praktisch schon eine Modeerscheinung, dass die ersten gemel- deten Zahlen immer gleich von solchen Krankheits- modellierern genommen werden, um sie in schnelle wissenschaftliche Veröffentlichungen umzuwandeln, um diesen magischen Wert R0 zu ermitteln. 
Man muss dazu sagen, das ist natürlich erst mal so ein gewisses Geschäftsgebaren in der Wissenschaft. Jetzt haben alle Angst, und da sind die großen Wissen- schaftsjournale ganz empfänglich für die schnellen Paper.
Inhaltlich auf Distanz zu den Grünen geht er dann beim Vergleich mit der Influenza. Hier kritisiert die große Lücke zwischen einer eigentlich benötigten Impfrate von 70% und der weitaus niedrigeren in der Praxis. Bei den Grünen tummeln sich ja viele Impfgegner und es könnte der Grund sein, warum sich die Grünen in dieser Diskussion so zurückhalten: Die Verfügbarkeit eines Impfstoffes für das neuartige Coronavirus ist ja einer von drei Hoffnungsträgern, neben heilenden Medikamenten und einer sich ausbildenden Immunität.)
Auf Nachfrage gibt Drosten dann zu, dass die Impfmüdigkeit teilweise (Grüne sagen stets: "ein bisschen") durch eine breite Grundimmunität der Bevölkerung kompensiert werde.

Quelle: NRD Podcast 2, 27.2.2020

Was ich dann überhaupt nicht verstehe ist, warum Drosten für die Abschätzung der Fallsterblichkeit Zahlen aus den bis dato großen Epizentren China und Iran beiseite lassen will:
Und das ist bei diesem Virus so, dass ungefähr ein halbes Prozent Fallsterblichkeit vorliegt, zumindest nach Daten, die man für sich selbst bereinigen kann. Da muss man einige Korrekturen anstellen.
Zum Beispiel man muss erst mal alles rauslassen, was aus China kommt. Die chinesischen Zahlen sind auf mehrere Arten gefärbt, also wenn man jetzt wirklich eine Fallsterblichkeit für sich schätzen will, dann muss man die chinesischen Zahlen leider im Moment rauslassen. Dann ist es auch so, dass wir außerhalb von China schon ziemlich viel Fälle haben. Und was ich da im Moment mache, ist, dass ich auch die Fälle aus dem Iran streiche, weil es praktisch sicher ist, dass
im Iran die milden Fälle gar nicht erkannt werden, und weil es praktisch sicher ist, dass im Iran keine ausreichenden Diagnostik–Kapazitäten bestehen.
Das weiß ich nicht nur deswegen, weil für die Zahl der erkannten Fälle die Zahl der Todesfälle im Iran viel zu hoch ist in den Statistiken. (Die Toten fallen auf und die milden Fälle überhaupt nicht.) Ich weiß es aber auch deswegen, weil wir aus dem Iran ständig kontaktiert werden, mit der Bitte um technische Unterstützung oder um Beantwortung von Fragen hinsichtlich von Diagnostiktests. Und da sehe ich, dass ganz viele Labore im Iran das noch nicht können oder ganz am Anfang erst stehen.
Sollte man nicht stattdessen die realen Infektionsherde nutzen und dann versuchen, die Datenbasis zu verbessern? Gibt es da keinen Austausch unter Virologen, sei es bilateral oder in Arbeitsgruppen und Gremien? Er sagt selbst, die Iraner kämen auf ihn zu. Täten sie es nicht, hätten wir also keinen Austausch?

Und auch das RKI kriegt zu dieser Zeit, in der sich die Hackordnung der Virologen ausprägt, von ihm noch einen mit:
Korinna HennigStichwort „Zahlen“. Das Robert Koch Institut hat gestern von ein bis zwei Prozent Wahrscheinlichkeit gesprochen, am Corona–Virus zu sterben.
Christian DrostenDas Robert Koch Institut ist da in einer misslichen Lage. Das ist ein nationales Public Health Institut.
Die können nicht einfach, wie ich so als Universitätsprofessor, mal ganz nassforsch sagen: Ach, die Zahlen, die lassen wir mal weg. Und das hier wird auch wohl nicht stimmen. Und aus dem Rest ermitteln wir uns jetzt mal eine Fallsterblichkeitsrate, und da peilen wir mal so ein bisschen über einen Daumen. Das Robert Koch Institut ist ja eine Behörde. Die muss ja sagen, hier sind nun mal gemeldete Zahlen. 
Und es ist doch genau die Initiative, die Laschet und Streeck ergriffen haben: Den Herd im eigenen Land mal gründlich zu untersuchen und früh eine Debatte anzustoßen. Streeck ist der Projektleiter vor Ort, Drosten ist der Nerd, der zwischen Schreibtisch und Talkshows hin und her wandert.

Und dann kommt eine Einschätzung von Drosten, mit der sich meiner Meinung nach aus der Umlaufbahn schießt. Die Frage, wie er selbst derzeit mit dem Risiko umgehe:
Christian DrostenJa, also, ich kann Ihnen vielleicht sagen, was ich mache – oder auch meine Familie und mein Freundeskreis:
nämlich gar nichts. Es gibt im Moment überhaupt keinen Grund, irgendetwas zu machen oder sich irgendwelche Sorgen zu machen. Ich mache mir schon Sorgen über die Pandemie. Ich mache mir auch Sorgen über ein halbes Prozent Fallsterblichkeit und erst recht, wenn ich dann noch weiter rechne, dass
es vielleicht doch mehr als ein halbes Prozent, zum Beispiel ein Prozent, sein könnte – dann mach ich mir plötzlich große Sorgen. Aber die Sorgen, die ich mir mache, die mache ich mir nicht in meinem Alltag in den nächsten Wochen und Monaten, sondern mir geht es darum, was eigentlich so ungefähr in einem Jahr passiert. Also nächstes Jahr um diese Zeit, wo sind wir dann? Was kommt nach dem Sommer im Winter 2020 auf uns zu?
Ich fasse zusammen:
Drosten selbst erwartet eine kommende Pandemie. Er muss aus etlichen Quellen, eigentlich Allgemeinbildung in seinem Fach, den Verlauf kennen. Und vor allem die Bedeutung eines frühen Eingreifens um es gar nicht erst zu einer Pandemie kommen zu lassen. Das kann er aus dem Risikobericht für den Bundestag 2012 wissen, er könnte Albert Camus gelesen haben, aber vor allem hat er sich ja mit dem SARS Virus beschäftigt. Aber offenbar interessiert ihn das alles vor allem aus virologischer Sicht, also die Erforschung des Virus selbst. Es ist eigentlich schon eine falsche Medienstrategie, mit ihm eine solche Podcastreihe aufzulegen. Deshalb war es gut, dass MDR und BR schnell nachzogen mit ihren Interviews mit Streeck ("Daily Streeck" bei IQ Wissenschaft) und Keule ("Kekulas Corona Kompass" beim MDR).

Streeck betreibt nebenbei auch einen Twitteraccount. Dabei weiß man doch, wie zeitraubend Medienarbeit ist. Und genau deshalb kann man verstehen, dass Prof. Streeck in seinem Heinsberg Projekt da so wenig Zeit wie möglich aufbringen will. Er hat wenig Zeit und alle Hände voll zu tun. Eine PR-Agentur kommt auch nie auf die Idee a la Drosten zu sagen: Mir wird das jetzt alles zu viel, wenn das nicht aufhört mit den kritischen Fragen höre ich auf.

Das darf nur Drosten. Genau das macht er ja jetzt mit Streeck: Er hat "viele Fragen" an ihn während dieser bis zur Halskrause in Arbeit steckt.

Rückblickend kann man vielmehr sagen: Seine vorsichtigen Einschätzungen und die Vermeidung irgendwelche Handlungsforderungen an die Politik haben sich für ihn ja ausgezahlt. Die Bundesforschungsministerin ernannte ihn zum Leiter des neuen Forschungsnetzwerks.

Und es ist sicher kein Zufall, dass es da im vorigen Jahr eine Kooperationsvereinbarung mit der Bill & Melinda Gates Stiftung über die Erringung einer "Germany's Leadership in Global Health" der Bundesrepublik gegeben hat. Der Foliensatz des Kickoffs ist öffentlich bei der Charite abrufbar unter folgendem

Link: Charite

Und da liest man aus der Feder von Bill und Melinda und der Boston Consulting Group (aus welchen Mitteln eigentlich bezahlt?) vertraute Merkelpolitik: Selbstlose deutsche Heilsbringung für die Welt:
Germany has shown great political commitment to global health at the highest level over the past years. During the German G7/G20 Presidency, Chancellor Angela Merkel placed global health at the top of the agenda and gave important impetus for a stronger and strategic German engagement.
In addition to the consolidation of the topic in the coalition agreement and the establishment of „Global Health Hub Germany“ by the Federal Ministry of Health in February 2019, a new “Strategie der Bundesregierung zu Globaler Gesundheit” will be developed by the end of 2019.
Wer jetzt also angesichts einer Diekmann - PR-Agentur die Stirn runzelt, könnte ja auch mal nach den Netzwerken von Drosten Untersuchungen anstellen. Wenn das nicht zu viel verlangt ist.

Montag, 13. April 2020

Sechs Lektionen zu kommenden Schuldenkrise

"Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist." Jesus legitimierte damit nicht die Steuergesetze des römischen Reiches für Palästina. Sondern die Trennung von Kirche und Staat.

Heute müsste er sagen: "Gebt dem Volke, was des Volkes ist" und dabei in Richtung Regierungsbank schauen. Es wat ein lichter Moment, den Reichstag für alle sichtbar "dem deutschen Volke" zu widmen, auf dass es seine Souveränität weder vergesse noch leugne.

Aber wir werden sicher wieder erleben, wie uns nicht zurückgegeben wird, sondern genommen. Und zwar endgültig.

Kaiser Wilhelm finanzierte die deutsche Kriegsführung im ersten Weltkrieg durch Staatsanleihen, die er nach dem Krieg mittels einer Hyperinflation tilgen ließ. Die Gläubiger des Versailler Vertrages verzichteten dann mit einem Schuldenschnitt auf ihre Forderungen.
Hauptsächlich lief die Hyperinflation auf eine Enteignung der treuseligen deutschen Sparer und einiger Banken und Industrieunternehmen hinaus.

Lektion 1: Kaufe keine Staatsanleihen von überschuldeten Staaten. Deutschland gehört m. E. dazu, auch wenn es relativ besser dasteht als andere Staaten.

Lektion 2: Fokussiere Dich auf langlebige Sachanlagen mit Nutzwert und leicht zu liquidierende Werte - also z. B. Immobilien, Grundstücke, Aktien sowie Gold- und Silbermünzen. Unternehmensanleihen sind in meinen Augen übrigens keine Sachwerte.

Lektion 3: Tilge Deine Schulden. Verlasse Dich nicht darauf, dass der Staat für alle Schuldner die gleichen Regeln anwenden wird. Was Jupiter gebührt, ziemt sich nicht unbedingt für den Bauern. Heißt: Wenn sich der Staat über Inflation oder Währungsreform entschuldet, muss das für Deine Hypothek noch lange nicht gelten. Die machen sich die Gesetze am Ende so, wie sie sie brauchen. Eine vollständige Tilgung zahlt übrigens auch in Dein Rating bei der Schufa ein.

Lektion 4: Halte 3 Nettomonatsgehälter in bar vorrätig. Nicht nur unvorhergesehen Ausgaben. Auch wenn Du plötzlich in Kurzarbeit gerätst und Dein Arbeitgeber nicht aufstockt, kannst Du das brauchen. Deine Bank wird den verminderten Zahlungseingang sofort merken und Deine Kreditlinien evtl. überdenken.

Wir kommen jetzt wieder in eine Phase, in dem Regierungen enorme Geldmengen schöpfen werden. Und diesmal sind diese für die Realwirtschaft gedacht. Deshalb besteht die Gefahr einer inflationären Wirkung. Insbesondere wenn es demnächst irgendwelche Versorgungsengpässe gäbe.

Der zweite große Trend wird die Tendenz zur Selbstversorgung mit kritischen Gütern werden. Minister Altmaier hatte seine Phantasien für eine große Industrieplanwirtschaft ja schon vor der Coronakrise beschrieben. Jetzt sieht er die Gelegenheit, sie umzusetzen.

Damit einher könnten in der EU weitere Tendenzen zur Nationalisierung gehen. Hier wird sich zunehmend jeder selbst der Nächste werden. Ich halte nicht einmal rechtliche Güter wie z. B. eine Immobilie im Ausland für sicher, zumindest nicht für Deutsche. Deutsche könnten in einigen Jahren der Buhmann Europas werden. Und Piketty's Phantasien, wir Deutsche schuldeten Frankreich noch Zahlungen für den Versailler Vertrag können wir vergeben, sollten wir aber nicht vergessen. Außerdem ist "Krieg", wie Macron die Coronakrise bezeichnete, immer auch ein Vorwand, die Würfel neu werfen.

Lektion 5: Kaufe keine Immobilien in Ländern, die schon jetzt Brass auf Deutschland (Merkel) haben.

Und wenn die kommenden Staatsausgabenprogramme ein Kraftakt für Deutschland werden, was sollen dann erst die Regierungen in den Schuldenstaaten Griechenland, Zypern, Italien, Frankreich usw. sagen? Werden wir wieder über Schuldenschnitte sprechen? Solche betreffen ja nur die Gläubiger, also von uns nur diejenigen, die solche Staatsanleihen gekauft haben. Also auch die EZB und also dann doch irgendwie auch jeder von uns.

Die Erlösung werden die Eurobonds sein. Die Umschuldung auf die, die mit Geld umgehen können. Beginnen werden wir damit, Italien das Kurzarbeitergeld in Höhe von 100% zu finanzieren. Dass das deutsche Kurzarbeitergeld nur bei 60% liegt, soll ein Gegenargument sein? Sorry, aber dann haben sie Zeichen der Zeit immer noch nicht verstanden...

Aber sind Eurobonds wenigstens für die andere Seite, als Anleger, interessant? Ja klar, wenn die guten Schuldner so fest mit drin hängen werden, dass es für sie kein entkommen gibt. Wenn es gut läuft, wird es eine Mischung aus höheren Zinsen (wegen der höheren Ausfallrisiken) und einer 100%igen Rückzahlungsgarantie (wegen der Haftung der guten Schuldner).

Lektion 6: Wenn die Eurobonds kommen, lies das Kleingedruckte ganz genau. Wenn die Deutschen die Dummen sein sollten, dann könnten sie sich zumindest als Anleger lohnen :-)

Mittwoch, 8. April 2020

Brandenburg hat wieder einen Gesundheitsskandal

Zwei Jahre nach dem Rücktritt der Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) im Arzneimittelskandal (Link) hat Brandenburg wieder einen Gesundheitsskandal.

Weil Chefärzte und Geschäftsführer des kommunalen Ernst-von-Bergmann Klinikums in Potsdam versäumt haben, die ersten Coronafälle zu dokumentieren und zu melden, hat sich Potsdam zum Epizentrum Brandenburgs entwickelt. In dem Klinikum steigen die Fall- und Todesjahren nun rasant an: derzeit 88 infizierte Patienten (davon 14 auf Intensiv), 103 infizierte Mitarbeiter (von 2.380 Mitarbeitern) und 21 Todesfälle. Das ist Wahnsinn.

Potsdam kommt damit auf 27 Tote durch (oder mit) Corona, Berlin kam bis gestern auf 26. Potsdam ist damit in Ostdeutschland die Stadt mit der höchsten Todesrate pro Einwohner.

Wegen der nicht dokumentierten Informationen kann man auch nicht mehr nachvollziehen, ob und welche Corona-Infizierten innerhalb des Klinikums oder auf andere Krankenhäuser verlegt worden sind. Ein Ausbruchsmanagement hat quasi nicht stattgefunden.

Da kommt noch was...

Ein weiterer Skandal ist, dass der Havelländer Landrat (=Verwaltungschef) Roger Lewandowski (CDU) sich weiterhin weigert, die Fall- und Todeszahlen auf die Gemeinden des Havellandes aufzuschlüsseln. Er befürchtet "Gesprächsirritationen" zwischen seinen Kommunen. In allen anderen Kreisen und kreisfreien Städten werden diese Zahlen aufgeschlüsselt, um die Bürger zu informieren und auf Krankheitsschwerpunkte hinzuweisen. Roger Lewandowski macht sich mit dieser Intransparenz wieder einmal angreifbar.

Quellen:
RBB24 (7.4.2020)
PNN (7.4.2020)

Daten gegen Freizügigkeit - der neue Deal?

Das RKI hat eine App für Smartwatch-Nutzer veröffentlicht. Es ist nicht die Tracking-App, über die zuletzt diskutiert wurde. Sondern sie will die Meldedaten durch Anwenderdaten ergänzen, um Infektionsschwerpunkte besser und schneller erkennen zu können. Auch die Wirkung von Corona-Maßnahmen soll darüber erhoben werden - wenn genügend Leute mitmachen.

Die App greift natürlich im wesentlichen Gesundheits- bzw. Krankheitsbild relevante Sensordaten ab.  Diese sind  im Falle von Atemwegserkrankungen z. B. Ruhepuls, Schlaf und Abweichungen vom normalen Aktivitätsniveau.

Ich habe mal quer durchgeschaut bei Apple und Samsung, welche Sensoren deren Smart Matches denn so an Board haben. Am relevantesten fand ich da noch die Pulsmessung (Annahme: Piezokristall?).

Was ich nicht gefunden habe sind Temperatursensoren. Trotzdem sagt das RKI, mit der App könne es auch das vermehrte Auftreten von Fieber messen. Wie misst man Fieber ohne Temperatursensor?

Jedenfalls pseudonymisiert das RKI die Daten und ergänzt den Datensatz eines Anwenders durch dessen Eingabe noch um dessen Postleitzahl.

Dies ist offenbar die erste staatliche App, die Gesundheitsdaten von Bürgern sammeln will.
App Entwickler Thryve stammt übrigens aus Berlin und gehört zum Investmentportfolio von Carsten Maschmeyer.

Der Sinn der App wird den meisten Leuten einleuchten. Datenschutzbedenken sollen durch die Pseudonymisierung erreicht werden. Wie sicher diese ist, will ich hier jetzt nicht diskutieren, sondern wohin diese Reise noch gehen könnte.

In Steingarts Morning Briefing am 02.04.2020 interviewte Robin Alexander zum Thema Handytracking für die Frühwarnung von Kontakten eines Verdachtskandidaten den Gründer des Digital Society Instituts, ESTM, und den Regierungsberater Sandro Gaycken. Dieser erläuterte die Funktionsweise, die Erfassung von Kontakten über Bluetooth (Anm.: was seine Nachteile hat, weil BT eine große Reichweite hat und auch durch Mauern "sieht").
Interessant war auch, dass Gaycken die Nachfrage von Robin Alexander, ob ein Deal vorstellbar sei, dass man eine größere Bewegungsfreiheit genehmigt bekommen könne, wenn man diese Tracking App benutze, bejahte.

Funktional macht das aus meiner Sicht sogar Sinn. Denn die Strenge der allgemeinen Kontaktsperre und des Lockdown bemessen sich ja an den größten Risiken: den unbekannten Infizierten. Könnte man diese früh erkennen, ansprechen und isolieren, bliebe die gesunde Mehrheit geschützt.

Was mir daran nicht gefällt ist der Deal Freiheit gegen Daten. Denn was einmal, wenn auch für einen guten Zweck, funktioniert hat, könnte den Staat dazu verleiten, die Durchleuchtung generell zur Bedingung von Individueller Freiheit zu machen.

Wie würde der Staat meinen Teil des Deals dann messen? Müsste ich die App auf meinem Smartphone einem Polizisten zeigen müssen wie meinen Ausweis wenn ich mich in einer Gruppe befinde?
Und wie würde ich auf der Straße erkennen, wer die App ebenfalls nutzt und offenbar zu den Nicht-Infizierten zählt? Auf der Corona Map meines Smartphone oder Smart Watch?

Noch viele offene Fragen. Aber ich habe die leise Ahnung, dass Smart Watches jetzt zu einem breiteren Trend werden könnten: Gutes Tun, Daten melden und später dann die Belohnung des Staates: eine längere Leine.

Quellen:
RKI Pressemitteilung
RKI Website "Corona-Datenspende"
App Entwickler Thryve (bzw. mHealth Pioneers GmbH, Berlin)
Steingarts Morning Briefing vom 2.4.2020

Will das RKI nur unsere Ungegeduld zügeln?

Als das RKI gestern einen Wiederanstieg der Neuinfizierten meldete, war das genau die richtige Nachricht, um den ansteigenden Optimismus zu dämpfen.

Unsere Regierung kann vor Ostern keine Erfolgsmeldungen gebrauchen. Denn das Wetter draußen ist wie im Bilderbuch. Es zieht die Leute nach draußen, die ersten haben schon Urlaub. Würde man den Leuten jetzt eine "Entwarnung" signalisieren, gäbe es kein Halten mehr, die Disziplin bei der Kontaktsperre wäre schnell dahin.

Und auch die Wirtschaftsverbände machen jetzt vor Ostern Druck, endlich Pläne für die stufenweise Aufhebung des "Lockdown" aufzustellen und zu verkünden. Denn man braucht auch Vorlauf für Organisation und Logistik.

Meine Vermutung ist deshalb, dass das RKI jeden Spielraum nutzt, um Zahlen so zu melden, dass sie in die Strategie der Regierung passen. Da es ja bis heute keinen einheitlich getakteten Meldeprozess gibt, ist der Spielraum sogar noch größer. Man kennt das von Geschäftszahlen von börsennotierten Unternehmen..

Das fing schon mit der Ausdünnung der Pressekonferenzen an. Klar, wenn die Meldezahlen so unregelmäßig reinkommen, spiegelt man mit täglichen Pressekonferenzen und Zahlen eine übertriebene Genauigkeit vor. Aber man hätte auch seinen Prozess verbessern können, um weiterhin täglich berichten zu können. Denn wir wollen ja alle die Kurven diskutieren (s. u.).

Die Bundeskanzlerin ist da knallhart. Sie hätte mit einer unehrlichen, frisierten Aufstellung der Zahlen die wenigsten Probleme. Ebenso Wirtschaftsminister Altmaier, der Druck nur ungern selbst aushält und dankbar ist, wenn ihm jemand anders Vorwände liefert.

Ich bin mir inzwischen fast sicher, dass wir die "frohe Botschaft" erst nach Ostern bekommen werden. Denn schon im "Epidemiologischen Bulletin" des RKI vom 01.04.2020 war zu lesen, dass man die positive Wirkung der Kontaktsperren bei den allgemeinen Stichproben im "GrippeWeb" ablesen konnte. Dieses erhebt unter freiwilligen Teilnehmern regelmäßig Abstriche für die Untersuchung auf Atemwegserkrankungen. Und man könnte aus der "stark gesunkenen" Zahl von Atemwegserkrankten auf die positive Wirkung auch auf die Verbreitung des Coronavirus schließen.

Quelle: RKI Bulletin

Dienstag, 7. April 2020

Wie es weitergeht steht in Romanen, Bundesdrucksachen und Drehbüchern

Es ist schon verblüffend, wie gut einige den Verlauf einer Epidemie wie Covid-19 vorhersagen konnten.

Da wäre zum einen der Roman "Die Pest" von Albert Camus von 1947, zum anderen die Bundesdrucksache 17/12051 "Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012" (Link).

Wer lieber Filme sieht, dem empfehle ich "Contagion" von 2011 oder "Outbreak" von 1995.

Man muss das nicht alles gelesen und gesehen haben. Ich aber habe und kann die Grundmuster von Epidemien inzwischen runterbeten. Was in den Podcasts von Drosten, Streeck und Kukule Transport wird, sind keine neuartigen Erkenntnisse. Auch sie folgen diesem Grundmuster.

Es geht bei jeder Epidemie darum, die Unbekannten einer mathematischen Formel zu bestimmen, eine Kurvendiskussion zu fahren, und daraufhin mehr oder weniger schwerwiegende Maßnahmen zu ergreifen.

Dazu teilt man die Bevölkerung eines Landes erstmal in Infizierte (I), Noch Infizierbare (S) und Resistente (R) auf: N = S+I+R (SIR-Modell).

Dann bildet man zeitliche Ableitungen um die zeitliche "Dynamik" zu beschreiben:

dS/dt
dI/dt
dR/dt

Dies kann man zunächst mal messen: Die Infizierten über Blutuntersuchung oder Rachenabstrich. Die Resistenten über Antikörperuntersuchungen, ebenfalls im Blut. dI/dt ergibt sich aus den andern beiden.

Dann versucht man allmählich Wahrscheinlichkeiten abzulesen:
alpha = P(Heilung), beta = P(Infektion)
y = P(Sterblichkeit), mü = P(Geburtenrate)

Solange die Wahrscheinlichkeit eines Infizierten zu genesen höher ist als die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren, bricht die Epidemie nicht aus.
Diese Beziehung bildet die R0-Rate:
R0 = beta/alpha
Wenn R0>1 ist (als Starbedingung), bricht die Epidemie aus, dann läuft die Infizierung schneller als die Genesung (und Aufbau der Immunität).

Im weiteren Verlauf versucht man, Einfluss auf alpha und beta zu nehmen, so dass alpha größer beta wird, so dass dI/dt negativ wird.
Alpha lässt sich nur mit Medikamenten (Heilung) beeinflussen, beta hingegen mit den Verhaltensregeln und dem Impfstoff. Die Verhaltensregeln haben wir sofort, den Impfstoff erst nach einiger Zeit.

y und mü spielen noch im großen Kontext eine Rolle. Wenn bei einer großen Verbreitung des Virus die Geburtenrate höher als die Sterblichkeitsrate des Virus ist, dämpft das die Wirkung der Epidemie.

In der realen Welt gibt es eine Rückwirkung der publizierten Kurve (dem Erfolg der Verhaltensmaßnahme) auf das Verhalten selbst. Deshalb sind wir solange in der Gefahr, rückfällig zu werden und eine neue Welle zu starten, bis ein Medikament und/oder Impfstoff zur Verfügung steht.

In der Bundesdrucksache ist das auch so beschrieben. Und zum Zeitpunkt ihrer Erstellung ging man noch von drei Jahren für die Entwicklung eines Impfstoffes aus. Jetzt redet man schon von nur noch einem Jahr.

Für mich folgt daraus: Solange wir weder ein Medikament noch einen Impfstoff haben, bleiben wir in dem Alarmmodus. Wir können die Zügel nur für immune Bürger lockern, die weder krank werden noch andere anstecken können.

Allerdings entnehme ich insbesondere Camus' Roman, wie schwer es ist, diesen Modus über längere Zeit durchzuhalten. Uns reicht es ja schon nach zwei Wochen, weil wir uns noch nicht daran gewöhnt haben. Aber ich gehe davon aus, dass ich als mittelalter Bürger noch eine Weile zu Hause bleiben muss.

Der Film "Contagion" handelt vom Einfluss der großen Interessen auf die Politik der WHO (wo ist die eigentlich im Moment?). Outbreak handelt von den militärischen Interessen an biologischen Waffen und dem Kampf gegen die Entwicklung eines Medikaments.

Wie sich meine Skepsis über Apple Chef Cook bewahrheitet

Schon Ende 2017 war ich skeptisch über die weitere Zukunft von Apple (Link). Tim Cook (Link), selbst Angehöriger einer Minderheit, schuf viele neue Konzernstellen für Soziologen. Die haben dann "Education Policy Programs" ins Leben gerufen. (Ein Trend, der inzwischen auch in Deutschland angekommen ist und Ingenieure täglich über ihre soziologischen und psychologischen Unzulänglichkeiten aufklären will.).

Inzwischen berichtet das Magazin "Mac & I" aus dem Hause Heise darüber, "Was an Apple nervt" (Link) und lässt insbesondere App-Entwickler zu Wort kommen.

Meine Prognose ist also eingetroffen. Die unzähligen iOS-Updates hat ja jeder Kunde mitgemacht. Und was unter Steve Jobs noch eine Seltenheit war, gehört bei Apple inzwischen dazu: Sicherheitslücken.

Vor einigen Jahren verfolgte ich auf Twitter, wie Apple dabei scheiterte OS X und iOS auf eine gemeinsame Plattform zu stellen.

All diese Initiativen und Rollenbezeichnungen für "Diversion", "Corporate Social Responsibility", "Integrity & Compliance" sind nur Ausdruck der Dekadenz, die lange Aufschwungphasen mit sich bringen. Wenn der Fachkräftemangel auch Unqualifizierte in Entwicklerrollen spült, diese dann scheitern und von dankbaren Soziologieberatern aufgehoben werden, geht es los mit Diffamierungen. Dann werden Sündenböcke für das eigene Scheitern gesucht und eins ist von vornherein klar: An der eigenen fehlenden Qualifikation kann es nicht gelegen haben.

Die kommende Rezession oder gar Depression wird das sicher wieder etwas gerade rücken.

Sonntag, 5. April 2020

Die Andockstrategie des neuen Coronavirus

Ich war über diesen Punkt schon mehrmals hinweg. Aber Drostens letzter Podcast bringt mich schon wieder dorthin. Er beschreibt eine "Undercover"-Strategie von Viren gegen unser Immunsystem. Demnach würden diese ihre Proteine, mit denen sie die Wirtszelle angreifen, erst kurz vor dem Ziel zu erkennen geben. Bis dahin zeigten sie nach außen ein anderes Proteinmuster (in meinen einfachen Worten). Das verkürze somit die dem Immunsystem zur Verfügung stehende Reaktionszeit ganz erheblich. Das betreffe sowohl die Erkennung des Virus aber auch den Prozess zur Immunisierung.

Evolutions- und Mikrobiologen würden jetzt wieder sagen: So viel Raffinesse entsteht allein durch Versuch und Irrtum. Und ich sei es, der hier die Interpretation eines planvollen Vorgehens ergänzt.

Ja, das tue ich. Ich unterstelle, dass da mehr ist als Versuch und Irrtum. Auch wenn es Milliarden Exemplare des Virus sind und sie so viel Zeit haben wie sie für ihre Mutationen brauchen.

Meine Intuition sagt mir: Wenn wir da nur Versuch (Mutation) und Irrtum und Erfolg sehen, dann übersehen wir etwas Entscheidendes obwohl wir hingucken. Wir müssen irgendeinen blinden Fleck in unseren Sinnesorganen haben, der uns den wichtigen Unterschied zwischen organischer Chemie und Leben übersehen lässt.

Freitag, 3. April 2020

CO2-Entlastung gegen Coronabonds?

Meine Prognose für die nächste Debatte in der EU lautet: Wir bekommen eine Entlastung von zu harten CO2-Zielen (Autohersteller) gegen eine Zustimmung zu Coronabonds.

Die Argumente könnten lauten:
Wir brauchen keine verschärften CO2-Ziele für Autos, da wir dieses Jahr locker 10% CO2 einsparen.

Die Autohersteller haben sich als "sozialverantwortliche" Hersteller von Atemschutzgeräten und -masken erwiesen.

Die Industrie muss schnellst möglich wieder hochfahren. Dazu braucht sie die südeuropäischen Zulieferer.

Die Südeuropäer brauchen schnelle finanzielle Hilfen ohne Auflagen. Dies wären entweder Coronabonds oder ESM-Mittel ohne Auflagen.

Sollte Merkel aber ESM-ohne-Auflagen zustimmen, hätte sie einen weiteren Wortbruch begangen.

Mittwoch, 1. April 2020

Wie gut kann ein Handytracking sein?

Da das Projekt jetzt offenbar in Gang kommt: Spielen wir mal die Designoptionen für ein freiwilliges Handytracking von Verdachtsfällen durch.

Link:
Pan European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEP-PT)

NFC oder Bluetooth? 

Wenn man ansteckungsrelevante Kontakte mittels Smartphone identifizieren will, kommt hierfür nur die Nahfeldkommunikation oder Bluetooth infrage. NFC ist meines Wissens nur in neueren Smartphones verbaut und hat eine Reichweite von wenigen cm Reichweite. Man kennt sie vor allem als kontaktlose Kartenleser zum Bezahlen.

Bluetooth hingegen ist verbreitet, aber seine Reichweite beträgt mehrere 10m und geht auch durch Wände.

Was wir aber brauchen ist eine Detektion von Kontakten im Abstand bis zu 1,50m.

Und damit haben wir eigentlich schon das Dilemma: Über Bluetooth wird das System auch meine Nachbarn detektieren (wenn die die App auch nutzen) und überhaupt alle, die sich zwar in meinem Gesichtskreis aufgehalten haben, auch wenn sie durch Wände oder Fenster oder Plexiglas von mir getrennt waren. Das erzeugt eine sehr weite Streuweite, zu weit finde ich.

Und NFC misst zu wenig.

Server oder Peer-to-peer?

Warum muss diese Anwendung serverbasiertes laufen? Die Warnung ist doch eigentlich nur eine Angelegenheit zwischen mir und meinen Kontakten.
Ok, da der Staat auch eine Meldepflicht durchsetzen will, hat er ein Interesse daran, mitzulesen. Aber für eine Kontrollfunktion sollte die Messung schon sehr genau sein und alle Kontakte mit Übertragungsweg von den Scheinbar-Kontakten unterscheiden können. Solange das unsicher ist, artet das nur in Meldeaktionismus aus.

Als freiwilliger, vom Staat unbeobachteter Service, den ich sozusagen als Bürger meinen Mitbürgern anbiete, lasse ich es mir schon eher gefallen.
Allerdings sehe ich hier dann ein großes Missbrauchspotenzial. Wie viele Idioten sich da draußen tummeln, haben wir in den letzten Wochen ja zu genüge gesehen. Wie viele Idioten würden die App also zur reinen Panikmache missbrauchen und Fake-Infektionen durchgeben?

Und in den Händen der Justizministerin will ich so einen "Service" überhaupt nicht wissen. Zumal wenn sie bislang nicht gerade mit Kompetenz geglänzt hat.

Gut finde ich aber, wenn der Bund generell mal an digitale Lösungen für Verwaltungsaufgaben oder Herausforderungen denkt.

Samstag, 28. März 2020

Drosten wirft Kollegen Konkurrenzverhalten bei Peer-Reviews vor

In der Freitagsausgabe des NDR Podcasts "Corona Update" (Link) wirft Prof. Drosten seinen Forscherkollegen tlw. bewusste Verzögerungen bei Peer-Reviews vor. Es gebe derzeit eine Flut von eingereichten Papiers aus China, die vermutlich wertvolle Erkenntnisse und Daten enthalten, die aber nur mit kritischen Verzögerungen publiziert werden, weil die Reviews so lange dauern.

"Es ist eine der grundsätzlichen Schwächen dieses Peer-Review Systems, dass Konkurrenzdenken die Publikationen verzögern kann."

Drosten sagt dies in der neuen Rolle des Leiters eines neuen Forschungsverbundes für das Coronavirus, für den er ebenfalls wirbt.

Streeck wird in Heinsberg die Sterblichkeitsrate messen

Laut dem gestrigen Interview "The Daily Streeck" in "IQ-Wissenschaft" des Bayerischen Rundfunks (Link) wird Prof. Streeck jetzt mit einem Team dichtere Tests durchführen. Er will feststellen, wie viele Einwohner heute schon Antikörper gebildet haben (also infiziert waren) und wie viele derzeit infiziert sind, ohne Symptome.

Er will diese Erhebung zensusartig durchführen. Das Ziel ist es, die Todesfälle auf die möglichst wahre Anzahl von Infizierten beziehen zu können um eine möglichst realitätsnahe Sterblichkeitsrate des SARS Covid-2 zu messen.

Ende Nächster Woche, also am 3.4.2020 will die Gruppe erstmalig berichten. Ich nehme an, dass die Uni Bonn damit in ihrer Bedeutung die Bundesbehörde RKI ablösen wird, die sich ja seit dieser Woche auf dem medialen Rückzug befindet.

Da ja nur mehr Infizierte hinzu kommen können ist die spannende Frage: wie viele? Und danach werden wir die Sterblichkeitsrate mit anderen Viren vergleichen können.

Zurückhaltend äußerte er sich zum von Bundesministerin Karlicek ausgerufenen Forschungsverbund, den Prof. Drosten von der Charite leiten wird: "Ich habe noch keine Informationen, wie das funktionieren wird."

Interessant auch noch die Sortierung der Forschungsschwerpunkte der Forscher, die sich an der öffentlichen Debatte beteiligen:
- Prof. Drosten, Berlin erforscht das Virus
-  Prof. Herold, Gießen erforscht die Wirkung des Virus auf die Lunge
- Streeck, Bonn erforscht die Wirkung des Virus auf den Menschen

Freitag, 27. März 2020

Ich habe den Coronapodcast gewechselt

Ich bin jetzt vom NDR-Podcast mit Prof. Drosten zum BR Podcast "IQ -Wissenschaft" gewechselt. Dort interview -auch täglich- Jeanne Turczynski den Virologen Prof. Hendrik Streeck von Uniklinik Bonn (Link).

Ähnlich wie Prof. Kukule spricht auch Streeck Klartext und erklärt gut. Ich habe heute die beste Zusammenfassung der Begründung gehört, warum wir den derzeitigen Aufwand betreiben müssen, obwohl das neue Coronavirus für die meisten von uns keine Gefahr darstellt:

"Wir müssen eine kleine Risikogruppe schützen."

Wir unterbinden also die exponentielle Verbreitung des Virus, damit sie die (relativ kleine) Risikogruppe nicht erreicht.

Die Moderatorin befragte ihn auch, und das fand ich besonders gut, zu den Statements von Dr. Wolard (ohne diesen beim Namen zu nennen). Sie fragte ruhig, neutral, wie man es von einer Wissenschaftsjournalistin erwartet. Und Streeck antwortete sachlich. Er gestand auch zu, dass der Eindruck, hauptsächlich ältere Menschen seien bedroht, dadurch verfälscht werde, dass diese an anderen Ursachen sterben ("mit Corona, aber nicht an Corona").

Frühling am Halleschen Ufer

Ich bin heute nach Feierabend mal wieder mit meiner Olympus eine Runde um den Block gegangen:










Donnerstag, 26. März 2020

Eine Zeit wie ein Karfreitag

Obwohl ich hier in letzter Zeit viel über Atheismus bzw. Agnostik geschrieben habe, kreuzt der christliche Glaube immer wieder meinen Weg. Ich meine nicht die 10 Gebote. Die sind ja in Gesetze geflossen und ich kreuze sie nicht, sondern bewege mich in ihnen.

Ich meine Jesus' Botschaften, die eher moralischer bis hin zu psychologischer Natur sind. Und obwohl sich Theologen gerne auf seine Moral stürzen (um sie als Mittel zur Machtausübung zu missbrauchen), ist dahinter noch etwas, was mit jedem einzelnen zu tun hat. Mehr introvers. 

Nämlich: einen Weg zur inneren Freiheit zu zeigen. Das ist es, was ich an der christlichen Religion am interessantesten finde. Ergeben und vergeben. Und zwar gerade nicht im Sinne der Unterwerfung, nicht im politischen Sinn.

Sondern in dem Sinn, Dinge einfach hinzunehmen. Anzuerkennen, dass sie so sind. Bis zum Moment des Ergebens streiten und kämpfen wir. Performen wir. Spielen eine Rolle, als Mittel zum Zweck. Aber im Moment des Aufgebens werden wir davon befreit. Werden wir wir selbst. Gehen wir vom Platz und sagen "ich kann nicht anders". Aufgeben ist ein Moment des Vertrauens in uns selbst, vor allem des zu uns selbst stehen. In diesem Sinne ein Moment der Wahrheit. Und des Mutes.

Es ist einer der Momente, in dem wir etwas loslassen - und etwas Größeres zurückbekommen: eine Erkenntnis über uns selbst.

Mir wird das jetzt gerade klar. Wir sitzen alle in Isolationshaft und müssen es hinnehmen. Und wir können uns der Frage, ob wir das Virus haben, nur noch ergeben. Und wir kämpfen innerlich gegen die Akzeptanz dieses Ausgeliefert seins und wir kämpfen, weil wir hoffen, es noch verhindern zu können. 

Und es macht die Runde, dass wir "bis Ostern" erstmal durchhalten müssen. Dass es dann vorbei sein könnte, mit diesem Ausgeliefertsein. Wir hoffen ein bisschen auf unsere eigene Wiederauferstehung ins normale Leben. Wir wollen den Stein wegrollen, ins Licht der Morgensonne treten und ausrufen: "Ich lebe!".

Aber diese Hoffnung liegt hinter dem Moment des Ergebens. Jetzt gerade nähere ich mich der Einsicht, dass es keinen Zweck mehr hat zu kämpfen. Bis zu dem Moment bis ich mich ins Homeoffice begab, war ich auf dem Feld. Seit einer Woche läuft die Zeit in der sich zeigt, ob ich es in mir habe. 

Wir wandeln im nächtlichen Garten von Gethsemane und hoffen, dass Judas uns verschont. 

Der Moment des Ergebens, des Aufgebens ist der Tiefpunkt, in dem unsere Persona und wir eins werden. Von da an werden wir richtig kämpfen. Keine Kraft mehr in Rolle, Maske und Performance verschwenden sondern mit dem kämpfen, was wir haben und sind. Der Moment nach der Erlösung.

Montag, 23. März 2020

Noch immer unsichere Einschätzung des tatsächlichen Risikos

Die Abrufbereit der globalen Fall/Tote-Statistik der WHO oder der John Hopkins Universität suggeriert, dass wir gerade die Erhöhung eines Risikos messen. Aber wichtige Zahlen für die Bildung persönlich relevanter Relationen haben wir immer noch nicht, wie David diese Woche ganz richtig erwähnte.

So kennen wir z. B. die Anzahl der Positivtests in jedem Land, Bundesland und jeder Stadt.

Was wir aber nicht wissen: Wie lauten die Relationen Positiv / Negativ? Und wie viele der positiv Getesteten erleben eine Krankheit? Und woran starben die Toten, die positiv getestet waren, tatsächlich?

Wir messen nur: 14.000 von 340.000 sind gestorben. Also 4% aller positiv Getesten sind gestorben. Aber 29% der positiv Getesteten sind inzwischen genesen.

Am 6. März hatte ich in Dortmund eigentlich einen Konzertbesuch in der Westfalenhalle geplant. Das Konzert fiel aus (wir wären aber eh nicht gegangen). 2 Wochen später kann ich abschätzen, wie groß das Risiko gewesen wäre. In der Annahme, dass es nur Besucher aus NRW gegeben hätte (weil der Musiker auch in anderen Bundesländern aufgetreten wäre) hätten sich in der 15.000 Zuschauer fassenden Halle 1 ca. 4-5 Infizierte befunden. Quasi in jeder Kurve 1. Mit diesem Wissen fühle ich mich bestätigt, dass es richtig gewesen wäre, nicht hinzugehen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit rein rechnerisch klein gewesen wäre. Denn ich kenne die Ansteckrisiken beim Benutzen der Halle nicht: Eingangsgedränge, Treppenaufgänge, Sitznachbarn. Das ganze 2x.

Wir sollten uns alle notieren, ab welchem Tag uns unsere Arbeitgeber Homeoffice gestattet haben. Und die dann veröffentlichte Statistik ebenfalls festhalten.

Denn das kann man schon mit Sicherheit sagen: Den Moment, in dem wir die Lawine hätten deutlich bremsen können, ließen viele Arbeitgeber und Leitenden verstreichen. Das kam erst in Gang, als das Kurzarbeitergeld verabschiedet war.

Samstag, 21. März 2020

Statistik-Tagebuch (China scheint gestoppt)

Infektionen / Todesfälle:

Global:
275.000 / 11.400

China: keine neuen Infektionen mehr
81.280 / 3.260

Italien:
47.000 / 4.30

Spanien:
21.600 / 1.090

Deutschland:
19.800 / 68

Riskante Rettungspakete

Jetzt werden wieder die "Bazookas" geladen. Sowohl Lagarde als auch Merkel haben ihre "Koste es was es wolle" - Reden gehalten und die Druckerpresse angeworfen.

Und ich gebe zu: Diesmal profitiere ich selbst davon. Denn das Kurzarbeitergeld für die Fabrikarbeiter entlastet uns auf der Fixkostenseite. Und die Empfänger werden weiterhin einkaufen gehen, also das Geld zurück in den Wirtschaftskreislauf speisen.

Aber genau darin liegt das Risiko: Anders als bei den Banken- und Staatenrettungen geht es diesmal um die Realwirtschaft. D. h. wenn die Gebildeten und Mitdenkenden schon damals vor Hyperinflation warnten, dann trat diese nicht so ein wie erwartet, denn sie betrag mehr den Anlagemarkt und nicht den Kreislauf in dem wir Gehalt bekommen und einkaufen gehen.

Es geht um Geld für Verbrauchsgüter, d. h. es entstehen auch keine Werte auf der Gegenseite. Und es werten auch keine Schulden getilgt (was man auch als relativen Wertzuwachs betrachten kann).

Sollte die Coronakrise länger dauern als unsere Schuldentragfähigkeit hergibt, bin ich nervös gespannt, was sie dann machen: Die Arbeitslosigkeit wachsen lassen oder weiter Schulden machen?

Wer jetzt noch Bargeld gespart hat, wird dann wieder nervös werden. Denn keiner weiß, wie die Kombination von Bazookas in beiden Geldkreisläufen wirken wird.

Altmaiers Versprechen von "es wird nicht einen Arbeitslosen wegen der Coronakrise geben" wird jetzt schon umgedeutet zur "Maßgabe". Denn keiner weiß, ob er es halten können wird.

Lektionen dieser Woche

Nachrichtenflut

Endlich Wochenende. In der vergangenen Woche habe ich in schneller Folge Nachrichten, Anweisungen, Abfragen bekommen. Die unternehmensinterne Kommunikation dreht sich derzeit um zwei Dinge: Drängen, dass alle Anweisungen befolgt werden. Und Ausgabenstopps.

Bei uns werden auch gleichartige Nachrichten einzeln versendet. Zum Beispiel: Ab sofort hat die Kantine geschlossen. Ab sofort hat der Handyservice geschlossen. Ab sofort ist dieser oder jener nur noch telefonisch erreichbar.

Im Homeoffice hat zusätzlich zum eigentlichen Arbeitslaptop noch den eigenen Rechner am laufen, wo man sich über die wichtigsten Entwicklungen auf dem laufenden hält. Z. B. n-tv Livestream. Es kostet schon ziemlich Zeit, sich auf dem Laufenden zu halten.

Diebstahl

Ich musste gestern allerdings noch mal in die Firma fahren, weil der Tausch meines Firmenwagens anstand... Auf der Fahrt dorthin stellte ich fest, dass mir jemand die Scheibenwischer geklaut hatte. Ich parke den Wagen in einer Tiefgarage, zu der leider viele Leute einen Zugang haben. In meiner Wut dachte ich, dass jetzt schon Scheibenwischer geklaut werden, weil man bei ATU oder Bosch keine mehr bekommt? Zum Glück hatte das aber Autohaus geöffnet und ich bekam ein paar neue. Als ich sie auswechseln wollte, stellte ich fest, dass die alten nicht gestohlen, sondern herausgebrochen worden waren, so dass man diese sicher nicht mehr verwenden konnte.

Als ich den Wagen dann abgeben wollte, stellten wir fest, dass auch das vordere Nummernschild fehlte! Au weia. Ich rief meine Frau an, mal gucken zu gehen, ob am Stellplatz vielleicht Teile herum liegen. Sie stellte fest, nein. Aber an vielen anderen Autos fehlten auch die Nummernschilder. Da hatte sich offenbar einer eingedeckt.

Jetzt hatte ich auch noch Rennerei am Hals. Eine Anzeige bei der Polizei aufgeben. Den Beleg mit zur Abgabe bringen, viele Telefonate, bis die Sache endlich geregelt war. Auf vielen Telefonanschlüssen liefen veraltete Bandansagen. So hörte ich zum Beispiel bei einem Anruf um 11 Uhr "Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Wir sind telefonisch zwischen 10 und 12 Uhr erreichbar." Über die Servicenummern erreichte man gestern gar nichts. Dafür lief die Zeit ab, bis wann man überhaupt noch etwas erreichen konnte. Ich wollte unbedingt vermeiden, nächste Woche noch einmal fahren zu müssen. 

Was für ein Bürokratiestress wieder einmal. Eine ältere Kollegin nahm die Sache schließlich in die Hand und telefonierte mit allen Beteiligten, deren Durchwühlen sie kannte, bis die Sache erledigt war. Allerdings kam die Sache erst ins Laufen, als ich der adretten Dame am Emfpangsschalter gesagt hatte, ich würde den alten Wagen nun am Eingangstor abstellen und stehen lassen und mich dann nicht mehr darum kümmern.

Im "ICE der Deutschen Bahn":

Man muss den Bürokraten immer klar machen, dass man nicht alles mit sich machen lassen wird. Genau so eine Szene gab es Anfang der Woche noch im ICE. Diese fahren inzwischen mit halber Kapazität, so dass die Passagierdichte trotz sinkender Passagierzahl gleich bleibt. Und seit Tagen fuhren diese auf der Hinfahrt ohne WLAN. Als an dem Morgen die Schaffnerin kam, fragte ich sofort nach dem WLAN. "Das ist wohl defekt." - "Dann reparieren Sie es doch." - "Das kann ich nicht, das macht die Werkstatt. Ihre Fahrkarte bitte!" - "Tut mir leid, erst das WLAN, dann die Fahrkarte." - "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das eine ist ein Zusatzservice das andere die eigentliche Beförderungsleistung." - "Das ist Ihre persönliche Sichtweise. Ich aber fahre nur deshalb mit dem ICE, weil Sie mit WLAN werben und ich dann im Zug arbeiten könne. Deshalb ist das WLAN bei mir Teil der Beförderungsleistung. Ich zeige Ihnen meine Fahrkarte, wenn das WLAN funktioniert." - "Dann muss ich Ihnen eine Rechnung über ein erhöhtes Beförderungsentgelt zeigen." - "Die werde ich aber nicht annehmen. Bitte schicken Sie diese an mein Büro." - "Dann müssen Sie am nächsten Bahnhof aussteigen." - "Das wollte ich sowieso. Und bestellen Sie am besten noch die Bundespolizei dorthin." - "Die sitzt schon im Zug." - "Ja, bitte holen Sie sie." 
Entnervt ging sie davon. Es dauerte sie lange, bis jemand kam. Es war aber nicht die Bundespolizei, sondern der Zugchef: "Hier gibt es ein Problem?" Ich erklärte ihm alles noch einmal. Dann zeigte er auf sein Smartphone und sagte: "Funktioniert doch!" Und plötzlich funktionierte es.
Es war also nicht defekt, sondern das Personal hatte nur vergessen es einzuschalten, war aber zu faul, das überhaupt nur zu prüfen.

Meine Lektion der Woche:
  1. Die leeren Straßen ziehen jetzt Kriminelle an. Leute bleibt wachsam, überwacht Eure Stellplätze.
  2. Haltet gegen Bürokraten gegen. Auch wenn das in diesen Tagen mehr Kraft kostet, weil man innerlich sehr angespannt ist.






Donnerstag, 19. März 2020

Frühling lässt sein blaues Band...

Wieder unterwegs nach Feierabend. Man muss als Homeofficer aufpassen, kein Stubenhocker zu werden. Denn draußen ist Frühling... :-) Diese Tage sind fast surreal.





Statistik-Tagebuch

Infektionen / Todesfälle

Global
219.000 / 8.800

China:
81.100 / 3.250

Italien:
35.700 / 2.980

DE:
8.200 / 12

NRW:
2.370 / 6

Berlin:
391 / 0

Die Kurve für China stagniert seit einigen Tagen, da keine neuen Fällen mehr dazu kommen.

Mittwoch, 18. März 2020

Leere Straßen

Nach Feierabend bin ich eine Runde mit der Kamera gegangen. Berlin sah aus, als wäre es Sonntagmorgen..:








Endlich im Homeoffice!

Mein Arbeitgeber hat gestern auch für ÖPNV-Pendler das Homeoffice freigegeben . aber immer noch müssen Chefs zustimmen. Und ich habe mit Kollegen gesprochen, die Kinder haben und den ÖPNV benutzen, deren Chefs ihnen Homeoffice nicht gestatteten. Das ganze Unternehmen ist so rückständig, dass es ersteinmal Kapazitäten für Access schaffen musste. Jetzt sind sie verfügbar und jetzt behauptet der Vorstand, er schicke uns "aus Verantwortung ins Homeoffice". Das stimmt halt nicht.

Ebenso wartete man erst einmal auf die Verabschiedung der Kurzarbeitergeldzusagen, bevor man jetzt in der Branche die Produktion runterfährt.

Ich habe gestern noch mit vielen Kollegen gesprochen. Etliche berichteten von ihren Kollegen, die jetzt noch Urlaubsreisen angetreten haben. Nach Mallorca, in die USA. Ein Heimkehrer berichtete, er sei in seinem Hotelzimmer nachts geweckt worden mit der Aufforderung, Koffer zu packen , es gehe heim. Heiko Maas' Flotte holt jetzt auf Steuerzahlerkosten überall diejenigen nach Hause, die ihren alten Urlaub nicht verfallen lassen wollten...

Als wir dann Feierabend machten, durchs Werkstor gingen, hatten wir alle ein mulmiges Gefühl. Wie lange werden wir wohl weg bleiben? Plötzlich bricht da ein starkes Gefühl der Identifikation aus. Die Firma ist wirklich ein Teil von einem selbst. Schon die Entschleunigung überall, die sich leeren Büros, Flure, Straßen. Plötzlich nimmt man das alles in seinem Ist-Zustand wahr und ist nicht in Gedanken bei dem anstehenden Termin oder iauf ein Kollegengespräch konzentriert.

Im Zug klappe ich meinen Laptop auf, sehe die Emails. Aber es kommt mir alles nicht mehr so wichtig vor. Alles nur gelbe Zettel, schon morgen erledigt.

Fühlt es sich so an, wenn man in Rente geht?

Zum Glück hat das Unternehmen Polster. Auch wir Älteren haben Polster. Aus meiner Sicht wäre es kein Problem, jetzt in Teilzeit zu gehen. Anstatt so tun zu müssen, als gebe es noch dringend zu erledigende Dinge. Denn alles von dem wir jetzt glauben, dass es noch weiterlaufen kann, wird schon morgen abgekündigt. Softwareentwicklung, Tests, Budgetierung (immer noch nicht erledigt).

1/12 Ausfall müssten doch alle verkraften können. Nein, entgegnete mir ein Kollege. Familien hätten so viele laufende Posten, dass 1 Monat Verdienstausfall sofort schmerzen würde.

Ich will mich nicht erheben. Aber meine (unsere) innerste Einstellung und Lebensführung ist es, für Eventualitäten immer ein Polster zu haben. Ich verinnerlichte früh dieses Vorsorgeprinzip "3 Monatsnettogehälter sollten auf der hohen Kante liegen". D. h. natürlich, dass man seinen Konsum nicht jeden Monat bis zum Anschlag fährt. Ich gebe zu, ich bin selten dabei wenn im Januar oder nach der Jahreszahlung ausgetauscht wird, was man sich angeschafft habe. In Werte ja, in sich verbrauchende Dinge eher weniger..

So, was schreiben die Zeitungen: BILD hat von der Leyen interviewt. Die hatte vor einer Woche noch Trump für sein Einreiseverbot für Europäer kritisiert. Und sie hatte Polen für seine Grenzschließung zu Deutschland kritisiert. Gestern verkündete sie dann die Schließung der EU-Außengrenze. Sie denkt dasselbe wie Trump, nur halt später.

Jens Spahn beschuldigt die  Skifahrer, sie hätten das Virus in Europa verteilt. Er kritisiert nicht, die Bundeskanzlerin, die sich weigerte, die Grenzen zu Österreich und Schweiz zu schließen, oder zumindest Temperaturmessungen zu machen, so wie z. B. Tschechien es macht. Nö. Merkel "appellierte" ja neulich an Heimkehrer nicht am nächsten Tag zu einer Großveranstaltung zu gehen. Also weder hatte Merkel da Großveranstaltungen verboten noch die Einreisenden kontrolliert.

Schwer erträglich übrigens auch, wie das berufliche Netzwerk LinkedIn diesen Drosten abfeiert. Der hat doch nun nachweislich früh beschwichtigt und gehört auch denen, die alles erst später erkennen. Aber die Leute mögen es gern kuschelig und wuschelig. Unaufgeregt. Wer Merkel gewählt hat, findet auch den Drosten gut. Da kann man nichts mehr tun..



Dienstag, 17. März 2020

Politik und Wissenschaft

Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten begründen ihre nur stufenweise beschlossenen Maßnahmen  mit den "Erkenntnissen der Wissenschaft, die sich dynamisch entwickeln".

D. h. da delegiert die Politik schonmal Verantwortung für den Lösungsraum an "die" Wissenschaft. Bezeugungen für "die" Wissenschaft kennen wir in Deutschland seit dem Hype um den Klimawandel. Wenn "die" Wissenschaft früher für Gentechnik warb, argumentierten Politiker aber eher moralisch. Mal so, mal so.

Das Problem ist jetzt aber: unsere Wissenschaftler, erst recht die prominenten, denken auch nicht schneller als die Politiker. Allen voran ein Professor Drosten. Der wiegelte in den ersten Wochen völlig ab. Unisono mit dem Leiter des RKI. Und deshalb verkündete Spahn: Deutschland ist bestens vorbereitet und das Virus stellt nur eine geringe Gefahr dar für Deutschland. Hätten ich keine Screenshots gemacht (siehe unten), würde ich es heute selbst nicht mehr glauben.

Drosten erzählt in seinem NDR Podcast fast nichts wissenschaftliches mehr. Er hetzt mit dem Mainstream gegen die Beschlüsse des US-Präsidenten und eine Woche später findet er es gut, wenn die EU nachzieht. Er hielt das Coronavirus anfangs für nicht gefährlicher als einen Schnupfen. Er selbst hatte gar keine Angst. Kurzum: Er hat es nicht ernstgenommen und die Politik war ihm dafür dankbar. Damit wurde er in den Innercircle aufgenommen und redete fortan den Spruch, den Merkel und Seibert am liebsten hören: Erst abwiegeln, Untätigkeit begründen und später, wenn die Lawine rollte, "an alle appellieren".

Es ist eine Wissenschaftlergeneration nachgewachsen, die der Gesellschaft und der Politik gefallen will.

Statistik-Tagebuch

Fälle / Tote

Global: 182.000 / 7.200

DE: 6.012 / 13

Montag, 16. März 2020

Covid-19 Statistik-Tagebuch

Die Covid-19- Statistik am 15.03.2020 (gerundet)

Global:
Fälle: 170.000
Tote: 6.500
Genesene: 77.000

Deutschland:
Fälle: 4.800
Tote: 12

Bundesländer Fälle / Tote
NRW: 1.400 / 5
Bayern: 886 / 4
Ba-Wü: 827 / 3
Nds.: 287 / 0

Quelle: Argons

Freitag, 13. März 2020

Von starken Händen und klarem Verstand

Dieses Jahr ist bis jetzt eine Lektion in Sachen kritisches Denken. Für die eigene Gesundheitsvorsorge wie für die Börse gilt: Nur wer sich vom Mainstream buchstäblich nicht anstecken lässt und vorsorgt während andere noch abwiegeln oder gar feiern geht gewappnet in die Krise.

Beispiele:

  • Als ich im Februar einmal mit aufgesetztem Mundschutz morgens ins Büro kamen, grinsten mich meine Kollegen an. Als ich ihnen erklärte und sagte, in ihren Städten seien diese Dinger bereits ausverkauft und auch online gebe es nichts mehr, wurden sie dann doch nachdenklich. Sie googelten und waren erleichtert zu lesen, dass sie doch nichts verpasst hatten. Denn unsere Regierungsstellen hatten verkünden lassen, diese seien unwirksam. Nur um anschließend dann selbst welche für sich selbst zu bestellen. Macron kündigte gar an, Atemschutzmasken beschlagnahmen zu lassen.
  • Aktuell haben wir uns gegen Pneumokokken impfen lassen, obwohl wir noch keine 60 Jahre alt sind. Ich höre im privaten Umfeld, dass die Wachsamen unter uns, das auch gerade tun. Im Prinzip diejenigen, die sich mal mit der Wirkungsweise des Coronavirus und unseres Immunsystems beschäftigt haben. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Impfstoff in Deutschland in den nächsten Tagen oder Wochen knapp werden würde.
  • An der Börse warnt Markus Koch seit fast einem Jahr davor, dass die Börsen gedopt sind. Dass alle volks- und finanzwirtschaftlichen Indikatoren seit Monaten die Kurse nicht mehr rechtfertigen. Er bekam das erste Mal recht im Sommer 2019. Danach ging es aber wieder nach oben. Und Anfang diesen Jahres ging es noch mal so richtig steil hoch. Viele in meinem Umfeld fingen wieder an, "Geheimtipps" für Aktien zu handeln. So etwas ist eine Stimmung von der man sich leicht anstecken lassen kann. Vor allem, wenn man etwas Geld über hat. Aber  man muss hier auf seine innere Stimme der Vernunft hören. Es läuft an der Börse in solchen Fällen fast immer so, dass einer den Stecker zieht, wenn man am wenigsten damit rechnet. Wenn die Zahlen und Indikatoren sagen: Stopp! dann sollte man es nicht besser wissen. Für alle die ihr Pulver trocken gehalten haben, ist dies jetzt eine Traumkonstellation.
  • Christine Lagarde gehört offenbar zu denen, die sich jetzt dem Konformismus entziehen. Sie "enttäuscht" gerade alle gedopten Marktteilnehmer, die auf eine "Bazooka" gehofft hatten. Wenn sie gestern in ihrer PK sagte, es sein nicht Aufgabe der EZB sondern der Fiskalpolitik, Banken und Unternehmen jetzt Luft zum Atmen zu geben, hat sie doch völlig recht. Hier steht nun ein Shake-Out im Finanzsektor an. Für die Zombies brechen jetzt schwere Zeiten an.
Wir Naturwissenschaftler, Ingenieure und Mathematiker, die wir auf Verstand und Fakten anstatt auf Moral und Wunschdenken setzen, erleben jetzt unsere Stärke. Die Guten von uns haben sich mit allem, was bald knapp werden könnte eingedeckt. Sollten auch bei uns bald Läden schließen (wie in Italien), dann brauchen wir nur in den Keller zu gehen. Und umgekehrt, alles was jetzt auf den Markt geschmissen wird, können wir zu Tiefstpreisen einkaufen. 

Es wird natürlich nicht lange dauern, bis die Sozialisten uns auffordern werden mit den Langsam- und Wunschdenkenden zu "teilen". Ich freue mich auch auf diesen Shake-Out.

Und haben nicht die ersten Schlaumeier verkündet, dass Corona ein Segen für die CO2-Emissionen und Luftqualität sei? Und sich gefreut, wenn die Versorgungsflüge und -fahrten ausfallen? Wenn die Leute nicht zur Arbeit fahren können? Wie kann man so blöd sein, und nicht einmal die Schlussfolgerung ziehen, was das für die Supermärkte und Ladenregale von morgen bedeutet? Die Snowflakes jammern doch schon, dass jetzt -Menno!- Konzerte und Festivals ausfallen und Müssen geschlossen werden. Die Erasmusstudenten halten das "verglichen mit Influenza" für Panikmache. Sie, die von uns vor einem Jahr noch Panik forderten. Allerdings für ihre eigenen Phantasien und "Albträume".

Ich weiß, ich lehne mich gerade ein bisschen aus dem Fenster. Die Einschläge kommen auch mir näher und man kann nicht sicher sein, nicht infiziert zu sein. Aber ich wasche mir inzwischen selbst täglich mehrmals die Hände und abends desinfiziere ich sie auch. Wir hatten das Zeug schon gekauft, als es zum ersten Mal angeboten wurde. Da hielten Linke den Coronavirus noch für ein Medienvehikel für Rassisten. Da trug meine chinesische Kollegin aber bereits eine Atemschutzmaske.