Es ist schon verblüffend, wie gut einige den Verlauf einer Epidemie wie Covid-19 vorhersagen konnten.
Da wäre zum einen der Roman "Die Pest" von Albert Camus von 1947, zum anderen die Bundesdrucksache 17/12051 "Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012" (Link).
Wer lieber Filme sieht, dem empfehle ich "Contagion" von 2011 oder "Outbreak" von 1995.
Man muss das nicht alles gelesen und gesehen haben. Ich aber habe und kann die Grundmuster von Epidemien inzwischen runterbeten. Was in den Podcasts von Drosten, Streeck und Kukule Transport wird, sind keine neuartigen Erkenntnisse. Auch sie folgen diesem Grundmuster.
Es geht bei jeder Epidemie darum, die Unbekannten einer mathematischen Formel zu bestimmen, eine Kurvendiskussion zu fahren, und daraufhin mehr oder weniger schwerwiegende Maßnahmen zu ergreifen.
Dazu teilt man die Bevölkerung eines Landes erstmal in Infizierte (I), Noch Infizierbare (S) und Resistente (R) auf: N = S+I+R (SIR-Modell).
Dann bildet man zeitliche Ableitungen um die zeitliche "Dynamik" zu beschreiben:
dS/dt
dI/dt
dR/dt
Dies kann man zunächst mal messen: Die Infizierten über Blutuntersuchung oder Rachenabstrich. Die Resistenten über Antikörperuntersuchungen, ebenfalls im Blut. dI/dt ergibt sich aus den andern beiden.
Dann versucht man allmählich Wahrscheinlichkeiten abzulesen:
alpha = P(Heilung), beta = P(Infektion)
y = P(Sterblichkeit), mü = P(Geburtenrate)
Solange die Wahrscheinlichkeit eines Infizierten zu genesen höher ist als die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren, bricht die Epidemie nicht aus.
Diese Beziehung bildet die R0-Rate:
R0 = beta/alpha
Wenn R0>1 ist (als Starbedingung), bricht die Epidemie aus, dann läuft die Infizierung schneller als die Genesung (und Aufbau der Immunität).
Im weiteren Verlauf versucht man, Einfluss auf alpha und beta zu nehmen, so dass alpha größer beta wird, so dass dI/dt negativ wird.
Alpha lässt sich nur mit Medikamenten (Heilung) beeinflussen, beta hingegen mit den Verhaltensregeln und dem Impfstoff. Die Verhaltensregeln haben wir sofort, den Impfstoff erst nach einiger Zeit.
y und mü spielen noch im großen Kontext eine Rolle. Wenn bei einer großen Verbreitung des Virus die Geburtenrate höher als die Sterblichkeitsrate des Virus ist, dämpft das die Wirkung der Epidemie.
In der realen Welt gibt es eine Rückwirkung der publizierten Kurve (dem Erfolg der Verhaltensmaßnahme) auf das Verhalten selbst. Deshalb sind wir solange in der Gefahr, rückfällig zu werden und eine neue Welle zu starten, bis ein Medikament und/oder Impfstoff zur Verfügung steht.
In der Bundesdrucksache ist das auch so beschrieben. Und zum Zeitpunkt ihrer Erstellung ging man noch von drei Jahren für die Entwicklung eines Impfstoffes aus. Jetzt redet man schon von nur noch einem Jahr.
Für mich folgt daraus: Solange wir weder ein Medikament noch einen Impfstoff haben, bleiben wir in dem Alarmmodus. Wir können die Zügel nur für immune Bürger lockern, die weder krank werden noch andere anstecken können.
Allerdings entnehme ich insbesondere Camus' Roman, wie schwer es ist, diesen Modus über längere Zeit durchzuhalten. Uns reicht es ja schon nach zwei Wochen, weil wir uns noch nicht daran gewöhnt haben. Aber ich gehe davon aus, dass ich als mittelalter Bürger noch eine Weile zu Hause bleiben muss.
Der Film "Contagion" handelt vom Einfluss der großen Interessen auf die Politik der WHO (wo ist die eigentlich im Moment?). Outbreak handelt von den militärischen Interessen an biologischen Waffen und dem Kampf gegen die Entwicklung eines Medikaments.
Dienstag, 7. April 2020
Wie sich meine Skepsis über Apple Chef Cook bewahrheitet
Schon Ende 2017 war ich skeptisch über die weitere Zukunft von Apple (Link). Tim Cook (Link), selbst Angehöriger einer Minderheit, schuf viele neue Konzernstellen für Soziologen. Die haben dann "Education Policy Programs" ins Leben gerufen. (Ein Trend, der inzwischen auch in Deutschland angekommen ist und Ingenieure täglich über ihre soziologischen und psychologischen Unzulänglichkeiten aufklären will.).
Inzwischen berichtet das Magazin "Mac & I" aus dem Hause Heise darüber, "Was an Apple nervt" (Link) und lässt insbesondere App-Entwickler zu Wort kommen.
Meine Prognose ist also eingetroffen. Die unzähligen iOS-Updates hat ja jeder Kunde mitgemacht. Und was unter Steve Jobs noch eine Seltenheit war, gehört bei Apple inzwischen dazu: Sicherheitslücken.
Vor einigen Jahren verfolgte ich auf Twitter, wie Apple dabei scheiterte OS X und iOS auf eine gemeinsame Plattform zu stellen.
All diese Initiativen und Rollenbezeichnungen für "Diversion", "Corporate Social Responsibility", "Integrity & Compliance" sind nur Ausdruck der Dekadenz, die lange Aufschwungphasen mit sich bringen. Wenn der Fachkräftemangel auch Unqualifizierte in Entwicklerrollen spült, diese dann scheitern und von dankbaren Soziologieberatern aufgehoben werden, geht es los mit Diffamierungen. Dann werden Sündenböcke für das eigene Scheitern gesucht und eins ist von vornherein klar: An der eigenen fehlenden Qualifikation kann es nicht gelegen haben.
Die kommende Rezession oder gar Depression wird das sicher wieder etwas gerade rücken.
Inzwischen berichtet das Magazin "Mac & I" aus dem Hause Heise darüber, "Was an Apple nervt" (Link) und lässt insbesondere App-Entwickler zu Wort kommen.
Meine Prognose ist also eingetroffen. Die unzähligen iOS-Updates hat ja jeder Kunde mitgemacht. Und was unter Steve Jobs noch eine Seltenheit war, gehört bei Apple inzwischen dazu: Sicherheitslücken.
Vor einigen Jahren verfolgte ich auf Twitter, wie Apple dabei scheiterte OS X und iOS auf eine gemeinsame Plattform zu stellen.
All diese Initiativen und Rollenbezeichnungen für "Diversion", "Corporate Social Responsibility", "Integrity & Compliance" sind nur Ausdruck der Dekadenz, die lange Aufschwungphasen mit sich bringen. Wenn der Fachkräftemangel auch Unqualifizierte in Entwicklerrollen spült, diese dann scheitern und von dankbaren Soziologieberatern aufgehoben werden, geht es los mit Diffamierungen. Dann werden Sündenböcke für das eigene Scheitern gesucht und eins ist von vornherein klar: An der eigenen fehlenden Qualifikation kann es nicht gelegen haben.
Die kommende Rezession oder gar Depression wird das sicher wieder etwas gerade rücken.
Sonntag, 5. April 2020
Die Andockstrategie des neuen Coronavirus
Ich war über diesen Punkt schon mehrmals hinweg. Aber Drostens letzter Podcast bringt mich schon wieder dorthin. Er beschreibt eine "Undercover"-Strategie von Viren gegen unser Immunsystem. Demnach würden diese ihre Proteine, mit denen sie die Wirtszelle angreifen, erst kurz vor dem Ziel zu erkennen geben. Bis dahin zeigten sie nach außen ein anderes Proteinmuster (in meinen einfachen Worten). Das verkürze somit die dem Immunsystem zur Verfügung stehende Reaktionszeit ganz erheblich. Das betreffe sowohl die Erkennung des Virus aber auch den Prozess zur Immunisierung.
Evolutions- und Mikrobiologen würden jetzt wieder sagen: So viel Raffinesse entsteht allein durch Versuch und Irrtum. Und ich sei es, der hier die Interpretation eines planvollen Vorgehens ergänzt.
Ja, das tue ich. Ich unterstelle, dass da mehr ist als Versuch und Irrtum. Auch wenn es Milliarden Exemplare des Virus sind und sie so viel Zeit haben wie sie für ihre Mutationen brauchen.
Meine Intuition sagt mir: Wenn wir da nur Versuch (Mutation) und Irrtum und Erfolg sehen, dann übersehen wir etwas Entscheidendes obwohl wir hingucken. Wir müssen irgendeinen blinden Fleck in unseren Sinnesorganen haben, der uns den wichtigen Unterschied zwischen organischer Chemie und Leben übersehen lässt.
Evolutions- und Mikrobiologen würden jetzt wieder sagen: So viel Raffinesse entsteht allein durch Versuch und Irrtum. Und ich sei es, der hier die Interpretation eines planvollen Vorgehens ergänzt.
Ja, das tue ich. Ich unterstelle, dass da mehr ist als Versuch und Irrtum. Auch wenn es Milliarden Exemplare des Virus sind und sie so viel Zeit haben wie sie für ihre Mutationen brauchen.
Meine Intuition sagt mir: Wenn wir da nur Versuch (Mutation) und Irrtum und Erfolg sehen, dann übersehen wir etwas Entscheidendes obwohl wir hingucken. Wir müssen irgendeinen blinden Fleck in unseren Sinnesorganen haben, der uns den wichtigen Unterschied zwischen organischer Chemie und Leben übersehen lässt.
Freitag, 3. April 2020
CO2-Entlastung gegen Coronabonds?
Meine Prognose für die nächste Debatte in der EU lautet: Wir bekommen eine Entlastung von zu harten CO2-Zielen (Autohersteller) gegen eine Zustimmung zu Coronabonds.
Die Argumente könnten lauten:
Wir brauchen keine verschärften CO2-Ziele für Autos, da wir dieses Jahr locker 10% CO2 einsparen.
Die Autohersteller haben sich als "sozialverantwortliche" Hersteller von Atemschutzgeräten und -masken erwiesen.
Die Industrie muss schnellst möglich wieder hochfahren. Dazu braucht sie die südeuropäischen Zulieferer.
Die Südeuropäer brauchen schnelle finanzielle Hilfen ohne Auflagen. Dies wären entweder Coronabonds oder ESM-Mittel ohne Auflagen.
Sollte Merkel aber ESM-ohne-Auflagen zustimmen, hätte sie einen weiteren Wortbruch begangen.
Die Argumente könnten lauten:
Wir brauchen keine verschärften CO2-Ziele für Autos, da wir dieses Jahr locker 10% CO2 einsparen.
Die Autohersteller haben sich als "sozialverantwortliche" Hersteller von Atemschutzgeräten und -masken erwiesen.
Die Industrie muss schnellst möglich wieder hochfahren. Dazu braucht sie die südeuropäischen Zulieferer.
Die Südeuropäer brauchen schnelle finanzielle Hilfen ohne Auflagen. Dies wären entweder Coronabonds oder ESM-Mittel ohne Auflagen.
Sollte Merkel aber ESM-ohne-Auflagen zustimmen, hätte sie einen weiteren Wortbruch begangen.
Mittwoch, 1. April 2020
Wie gut kann ein Handytracking sein?
Da das Projekt jetzt offenbar in Gang kommt: Spielen wir mal die Designoptionen für ein freiwilliges Handytracking von Verdachtsfällen durch.
Link:
Pan European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEP-PT)
Bluetooth hingegen ist verbreitet, aber seine Reichweite beträgt mehrere 10m und geht auch durch Wände.
Was wir aber brauchen ist eine Detektion von Kontakten im Abstand bis zu 1,50m.
Und damit haben wir eigentlich schon das Dilemma: Über Bluetooth wird das System auch meine Nachbarn detektieren (wenn die die App auch nutzen) und überhaupt alle, die sich zwar in meinem Gesichtskreis aufgehalten haben, auch wenn sie durch Wände oder Fenster oder Plexiglas von mir getrennt waren. Das erzeugt eine sehr weite Streuweite, zu weit finde ich.
Und NFC misst zu wenig.
Ok, da der Staat auch eine Meldepflicht durchsetzen will, hat er ein Interesse daran, mitzulesen. Aber für eine Kontrollfunktion sollte die Messung schon sehr genau sein und alle Kontakte mit Übertragungsweg von den Scheinbar-Kontakten unterscheiden können. Solange das unsicher ist, artet das nur in Meldeaktionismus aus.
Als freiwilliger, vom Staat unbeobachteter Service, den ich sozusagen als Bürger meinen Mitbürgern anbiete, lasse ich es mir schon eher gefallen.
Allerdings sehe ich hier dann ein großes Missbrauchspotenzial. Wie viele Idioten sich da draußen tummeln, haben wir in den letzten Wochen ja zu genüge gesehen. Wie viele Idioten würden die App also zur reinen Panikmache missbrauchen und Fake-Infektionen durchgeben?
Und in den Händen der Justizministerin will ich so einen "Service" überhaupt nicht wissen. Zumal wenn sie bislang nicht gerade mit Kompetenz geglänzt hat.
Gut finde ich aber, wenn der Bund generell mal an digitale Lösungen für Verwaltungsaufgaben oder Herausforderungen denkt.
Link:
Pan European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEP-PT)
NFC oder Bluetooth?
Wenn man ansteckungsrelevante Kontakte mittels Smartphone identifizieren will, kommt hierfür nur die Nahfeldkommunikation oder Bluetooth infrage. NFC ist meines Wissens nur in neueren Smartphones verbaut und hat eine Reichweite von wenigen cm Reichweite. Man kennt sie vor allem als kontaktlose Kartenleser zum Bezahlen.Bluetooth hingegen ist verbreitet, aber seine Reichweite beträgt mehrere 10m und geht auch durch Wände.
Was wir aber brauchen ist eine Detektion von Kontakten im Abstand bis zu 1,50m.
Und damit haben wir eigentlich schon das Dilemma: Über Bluetooth wird das System auch meine Nachbarn detektieren (wenn die die App auch nutzen) und überhaupt alle, die sich zwar in meinem Gesichtskreis aufgehalten haben, auch wenn sie durch Wände oder Fenster oder Plexiglas von mir getrennt waren. Das erzeugt eine sehr weite Streuweite, zu weit finde ich.
Und NFC misst zu wenig.
Server oder Peer-to-peer?
Warum muss diese Anwendung serverbasiertes laufen? Die Warnung ist doch eigentlich nur eine Angelegenheit zwischen mir und meinen Kontakten.Ok, da der Staat auch eine Meldepflicht durchsetzen will, hat er ein Interesse daran, mitzulesen. Aber für eine Kontrollfunktion sollte die Messung schon sehr genau sein und alle Kontakte mit Übertragungsweg von den Scheinbar-Kontakten unterscheiden können. Solange das unsicher ist, artet das nur in Meldeaktionismus aus.
Als freiwilliger, vom Staat unbeobachteter Service, den ich sozusagen als Bürger meinen Mitbürgern anbiete, lasse ich es mir schon eher gefallen.
Allerdings sehe ich hier dann ein großes Missbrauchspotenzial. Wie viele Idioten sich da draußen tummeln, haben wir in den letzten Wochen ja zu genüge gesehen. Wie viele Idioten würden die App also zur reinen Panikmache missbrauchen und Fake-Infektionen durchgeben?
Und in den Händen der Justizministerin will ich so einen "Service" überhaupt nicht wissen. Zumal wenn sie bislang nicht gerade mit Kompetenz geglänzt hat.
Gut finde ich aber, wenn der Bund generell mal an digitale Lösungen für Verwaltungsaufgaben oder Herausforderungen denkt.
Samstag, 28. März 2020
Drosten wirft Kollegen Konkurrenzverhalten bei Peer-Reviews vor
In der Freitagsausgabe des NDR Podcasts "Corona Update" (Link) wirft Prof. Drosten seinen Forscherkollegen tlw. bewusste Verzögerungen bei Peer-Reviews vor. Es gebe derzeit eine Flut von eingereichten Papiers aus China, die vermutlich wertvolle Erkenntnisse und Daten enthalten, die aber nur mit kritischen Verzögerungen publiziert werden, weil die Reviews so lange dauern.
"Es ist eine der grundsätzlichen Schwächen dieses Peer-Review Systems, dass Konkurrenzdenken die Publikationen verzögern kann."
Drosten sagt dies in der neuen Rolle des Leiters eines neuen Forschungsverbundes für das Coronavirus, für den er ebenfalls wirbt.
"Es ist eine der grundsätzlichen Schwächen dieses Peer-Review Systems, dass Konkurrenzdenken die Publikationen verzögern kann."
Drosten sagt dies in der neuen Rolle des Leiters eines neuen Forschungsverbundes für das Coronavirus, für den er ebenfalls wirbt.
Streeck wird in Heinsberg die Sterblichkeitsrate messen
Laut dem gestrigen Interview "The Daily Streeck" in "IQ-Wissenschaft" des Bayerischen Rundfunks (Link) wird Prof. Streeck jetzt mit einem Team dichtere Tests durchführen. Er will feststellen, wie viele Einwohner heute schon Antikörper gebildet haben (also infiziert waren) und wie viele derzeit infiziert sind, ohne Symptome.
Er will diese Erhebung zensusartig durchführen. Das Ziel ist es, die Todesfälle auf die möglichst wahre Anzahl von Infizierten beziehen zu können um eine möglichst realitätsnahe Sterblichkeitsrate des SARS Covid-2 zu messen.
Ende Nächster Woche, also am 3.4.2020 will die Gruppe erstmalig berichten. Ich nehme an, dass die Uni Bonn damit in ihrer Bedeutung die Bundesbehörde RKI ablösen wird, die sich ja seit dieser Woche auf dem medialen Rückzug befindet.
Da ja nur mehr Infizierte hinzu kommen können ist die spannende Frage: wie viele? Und danach werden wir die Sterblichkeitsrate mit anderen Viren vergleichen können.
Zurückhaltend äußerte er sich zum von Bundesministerin Karlicek ausgerufenen Forschungsverbund, den Prof. Drosten von der Charite leiten wird: "Ich habe noch keine Informationen, wie das funktionieren wird."
Interessant auch noch die Sortierung der Forschungsschwerpunkte der Forscher, die sich an der öffentlichen Debatte beteiligen:
- Prof. Drosten, Berlin erforscht das Virus
- Prof. Herold, Gießen erforscht die Wirkung des Virus auf die Lunge
- Streeck, Bonn erforscht die Wirkung des Virus auf den Menschen
Er will diese Erhebung zensusartig durchführen. Das Ziel ist es, die Todesfälle auf die möglichst wahre Anzahl von Infizierten beziehen zu können um eine möglichst realitätsnahe Sterblichkeitsrate des SARS Covid-2 zu messen.
Ende Nächster Woche, also am 3.4.2020 will die Gruppe erstmalig berichten. Ich nehme an, dass die Uni Bonn damit in ihrer Bedeutung die Bundesbehörde RKI ablösen wird, die sich ja seit dieser Woche auf dem medialen Rückzug befindet.
Da ja nur mehr Infizierte hinzu kommen können ist die spannende Frage: wie viele? Und danach werden wir die Sterblichkeitsrate mit anderen Viren vergleichen können.
Zurückhaltend äußerte er sich zum von Bundesministerin Karlicek ausgerufenen Forschungsverbund, den Prof. Drosten von der Charite leiten wird: "Ich habe noch keine Informationen, wie das funktionieren wird."
Interessant auch noch die Sortierung der Forschungsschwerpunkte der Forscher, die sich an der öffentlichen Debatte beteiligen:
- Prof. Drosten, Berlin erforscht das Virus
- Prof. Herold, Gießen erforscht die Wirkung des Virus auf die Lunge
- Streeck, Bonn erforscht die Wirkung des Virus auf den Menschen
Freitag, 27. März 2020
Ich habe den Coronapodcast gewechselt
Ich bin jetzt vom NDR-Podcast mit Prof. Drosten zum BR Podcast "IQ -Wissenschaft" gewechselt. Dort interview -auch täglich- Jeanne Turczynski den Virologen Prof. Hendrik Streeck von Uniklinik Bonn (Link).
Ähnlich wie Prof. Kukule spricht auch Streeck Klartext und erklärt gut. Ich habe heute die beste Zusammenfassung der Begründung gehört, warum wir den derzeitigen Aufwand betreiben müssen, obwohl das neue Coronavirus für die meisten von uns keine Gefahr darstellt:
"Wir müssen eine kleine Risikogruppe schützen."
Wir unterbinden also die exponentielle Verbreitung des Virus, damit sie die (relativ kleine) Risikogruppe nicht erreicht.
Die Moderatorin befragte ihn auch, und das fand ich besonders gut, zu den Statements von Dr. Wolard (ohne diesen beim Namen zu nennen). Sie fragte ruhig, neutral, wie man es von einer Wissenschaftsjournalistin erwartet. Und Streeck antwortete sachlich. Er gestand auch zu, dass der Eindruck, hauptsächlich ältere Menschen seien bedroht, dadurch verfälscht werde, dass diese an anderen Ursachen sterben ("mit Corona, aber nicht an Corona").
Ähnlich wie Prof. Kukule spricht auch Streeck Klartext und erklärt gut. Ich habe heute die beste Zusammenfassung der Begründung gehört, warum wir den derzeitigen Aufwand betreiben müssen, obwohl das neue Coronavirus für die meisten von uns keine Gefahr darstellt:
"Wir müssen eine kleine Risikogruppe schützen."
Wir unterbinden also die exponentielle Verbreitung des Virus, damit sie die (relativ kleine) Risikogruppe nicht erreicht.
Die Moderatorin befragte ihn auch, und das fand ich besonders gut, zu den Statements von Dr. Wolard (ohne diesen beim Namen zu nennen). Sie fragte ruhig, neutral, wie man es von einer Wissenschaftsjournalistin erwartet. Und Streeck antwortete sachlich. Er gestand auch zu, dass der Eindruck, hauptsächlich ältere Menschen seien bedroht, dadurch verfälscht werde, dass diese an anderen Ursachen sterben ("mit Corona, aber nicht an Corona").
Donnerstag, 26. März 2020
Eine Zeit wie ein Karfreitag
Obwohl ich hier in letzter Zeit viel über Atheismus bzw. Agnostik geschrieben habe, kreuzt der christliche Glaube immer wieder meinen Weg. Ich meine nicht die 10 Gebote. Die sind ja in Gesetze geflossen und ich kreuze sie nicht, sondern bewege mich in ihnen.
Ich meine Jesus' Botschaften, die eher moralischer bis hin zu psychologischer Natur sind. Und obwohl sich Theologen gerne auf seine Moral stürzen (um sie als Mittel zur Machtausübung zu missbrauchen), ist dahinter noch etwas, was mit jedem einzelnen zu tun hat. Mehr introvers.
Nämlich: einen Weg zur inneren Freiheit zu zeigen. Das ist es, was ich an der christlichen Religion am interessantesten finde. Ergeben und vergeben. Und zwar gerade nicht im Sinne der Unterwerfung, nicht im politischen Sinn.
Sondern in dem Sinn, Dinge einfach hinzunehmen. Anzuerkennen, dass sie so sind. Bis zum Moment des Ergebens streiten und kämpfen wir. Performen wir. Spielen eine Rolle, als Mittel zum Zweck. Aber im Moment des Aufgebens werden wir davon befreit. Werden wir wir selbst. Gehen wir vom Platz und sagen "ich kann nicht anders". Aufgeben ist ein Moment des Vertrauens in uns selbst, vor allem des zu uns selbst stehen. In diesem Sinne ein Moment der Wahrheit. Und des Mutes.
Es ist einer der Momente, in dem wir etwas loslassen - und etwas Größeres zurückbekommen: eine Erkenntnis über uns selbst.
Mir wird das jetzt gerade klar. Wir sitzen alle in Isolationshaft und müssen es hinnehmen. Und wir können uns der Frage, ob wir das Virus haben, nur noch ergeben. Und wir kämpfen innerlich gegen die Akzeptanz dieses Ausgeliefert seins und wir kämpfen, weil wir hoffen, es noch verhindern zu können.
Und es macht die Runde, dass wir "bis Ostern" erstmal durchhalten müssen. Dass es dann vorbei sein könnte, mit diesem Ausgeliefertsein. Wir hoffen ein bisschen auf unsere eigene Wiederauferstehung ins normale Leben. Wir wollen den Stein wegrollen, ins Licht der Morgensonne treten und ausrufen: "Ich lebe!".
Aber diese Hoffnung liegt hinter dem Moment des Ergebens. Jetzt gerade nähere ich mich der Einsicht, dass es keinen Zweck mehr hat zu kämpfen. Bis zu dem Moment bis ich mich ins Homeoffice begab, war ich auf dem Feld. Seit einer Woche läuft die Zeit in der sich zeigt, ob ich es in mir habe.
Wir wandeln im nächtlichen Garten von Gethsemane und hoffen, dass Judas uns verschont.
Der Moment des Ergebens, des Aufgebens ist der Tiefpunkt, in dem unsere Persona und wir eins werden. Von da an werden wir richtig kämpfen. Keine Kraft mehr in Rolle, Maske und Performance verschwenden sondern mit dem kämpfen, was wir haben und sind. Der Moment nach der Erlösung.
Montag, 23. März 2020
Noch immer unsichere Einschätzung des tatsächlichen Risikos
Die Abrufbereit der globalen Fall/Tote-Statistik der WHO oder der John Hopkins Universität suggeriert, dass wir gerade die Erhöhung eines Risikos messen. Aber wichtige Zahlen für die Bildung persönlich relevanter Relationen haben wir immer noch nicht, wie David diese Woche ganz richtig erwähnte.
So kennen wir z. B. die Anzahl der Positivtests in jedem Land, Bundesland und jeder Stadt.
Was wir aber nicht wissen: Wie lauten die Relationen Positiv / Negativ? Und wie viele der positiv Getesteten erleben eine Krankheit? Und woran starben die Toten, die positiv getestet waren, tatsächlich?
Wir messen nur: 14.000 von 340.000 sind gestorben. Also 4% aller positiv Getesten sind gestorben. Aber 29% der positiv Getesteten sind inzwischen genesen.
Am 6. März hatte ich in Dortmund eigentlich einen Konzertbesuch in der Westfalenhalle geplant. Das Konzert fiel aus (wir wären aber eh nicht gegangen). 2 Wochen später kann ich abschätzen, wie groß das Risiko gewesen wäre. In der Annahme, dass es nur Besucher aus NRW gegeben hätte (weil der Musiker auch in anderen Bundesländern aufgetreten wäre) hätten sich in der 15.000 Zuschauer fassenden Halle 1 ca. 4-5 Infizierte befunden. Quasi in jeder Kurve 1. Mit diesem Wissen fühle ich mich bestätigt, dass es richtig gewesen wäre, nicht hinzugehen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit rein rechnerisch klein gewesen wäre. Denn ich kenne die Ansteckrisiken beim Benutzen der Halle nicht: Eingangsgedränge, Treppenaufgänge, Sitznachbarn. Das ganze 2x.
Wir sollten uns alle notieren, ab welchem Tag uns unsere Arbeitgeber Homeoffice gestattet haben. Und die dann veröffentlichte Statistik ebenfalls festhalten.
Denn das kann man schon mit Sicherheit sagen: Den Moment, in dem wir die Lawine hätten deutlich bremsen können, ließen viele Arbeitgeber und Leitenden verstreichen. Das kam erst in Gang, als das Kurzarbeitergeld verabschiedet war.
So kennen wir z. B. die Anzahl der Positivtests in jedem Land, Bundesland und jeder Stadt.
Was wir aber nicht wissen: Wie lauten die Relationen Positiv / Negativ? Und wie viele der positiv Getesteten erleben eine Krankheit? Und woran starben die Toten, die positiv getestet waren, tatsächlich?
Wir messen nur: 14.000 von 340.000 sind gestorben. Also 4% aller positiv Getesten sind gestorben. Aber 29% der positiv Getesteten sind inzwischen genesen.
Am 6. März hatte ich in Dortmund eigentlich einen Konzertbesuch in der Westfalenhalle geplant. Das Konzert fiel aus (wir wären aber eh nicht gegangen). 2 Wochen später kann ich abschätzen, wie groß das Risiko gewesen wäre. In der Annahme, dass es nur Besucher aus NRW gegeben hätte (weil der Musiker auch in anderen Bundesländern aufgetreten wäre) hätten sich in der 15.000 Zuschauer fassenden Halle 1 ca. 4-5 Infizierte befunden. Quasi in jeder Kurve 1. Mit diesem Wissen fühle ich mich bestätigt, dass es richtig gewesen wäre, nicht hinzugehen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit rein rechnerisch klein gewesen wäre. Denn ich kenne die Ansteckrisiken beim Benutzen der Halle nicht: Eingangsgedränge, Treppenaufgänge, Sitznachbarn. Das ganze 2x.
Wir sollten uns alle notieren, ab welchem Tag uns unsere Arbeitgeber Homeoffice gestattet haben. Und die dann veröffentlichte Statistik ebenfalls festhalten.
Denn das kann man schon mit Sicherheit sagen: Den Moment, in dem wir die Lawine hätten deutlich bremsen können, ließen viele Arbeitgeber und Leitenden verstreichen. Das kam erst in Gang, als das Kurzarbeitergeld verabschiedet war.
Samstag, 21. März 2020
Statistik-Tagebuch (China scheint gestoppt)
Infektionen / Todesfälle:
Global:
275.000 / 11.400
China: keine neuen Infektionen mehr
81.280 / 3.260
Italien:
47.000 / 4.30
Spanien:
21.600 / 1.090
Deutschland:
19.800 / 68
Global:
275.000 / 11.400
China: keine neuen Infektionen mehr
81.280 / 3.260
Italien:
47.000 / 4.30
Spanien:
21.600 / 1.090
Deutschland:
19.800 / 68
Riskante Rettungspakete
Jetzt werden wieder die "Bazookas" geladen. Sowohl Lagarde als auch Merkel haben ihre "Koste es was es wolle" - Reden gehalten und die Druckerpresse angeworfen.
Und ich gebe zu: Diesmal profitiere ich selbst davon. Denn das Kurzarbeitergeld für die Fabrikarbeiter entlastet uns auf der Fixkostenseite. Und die Empfänger werden weiterhin einkaufen gehen, also das Geld zurück in den Wirtschaftskreislauf speisen.
Aber genau darin liegt das Risiko: Anders als bei den Banken- und Staatenrettungen geht es diesmal um die Realwirtschaft. D. h. wenn die Gebildeten und Mitdenkenden schon damals vor Hyperinflation warnten, dann trat diese nicht so ein wie erwartet, denn sie betrag mehr den Anlagemarkt und nicht den Kreislauf in dem wir Gehalt bekommen und einkaufen gehen.
Es geht um Geld für Verbrauchsgüter, d. h. es entstehen auch keine Werte auf der Gegenseite. Und es werten auch keine Schulden getilgt (was man auch als relativen Wertzuwachs betrachten kann).
Sollte die Coronakrise länger dauern als unsere Schuldentragfähigkeit hergibt, bin ich nervös gespannt, was sie dann machen: Die Arbeitslosigkeit wachsen lassen oder weiter Schulden machen?
Wer jetzt noch Bargeld gespart hat, wird dann wieder nervös werden. Denn keiner weiß, wie die Kombination von Bazookas in beiden Geldkreisläufen wirken wird.
Altmaiers Versprechen von "es wird nicht einen Arbeitslosen wegen der Coronakrise geben" wird jetzt schon umgedeutet zur "Maßgabe". Denn keiner weiß, ob er es halten können wird.
Und ich gebe zu: Diesmal profitiere ich selbst davon. Denn das Kurzarbeitergeld für die Fabrikarbeiter entlastet uns auf der Fixkostenseite. Und die Empfänger werden weiterhin einkaufen gehen, also das Geld zurück in den Wirtschaftskreislauf speisen.
Aber genau darin liegt das Risiko: Anders als bei den Banken- und Staatenrettungen geht es diesmal um die Realwirtschaft. D. h. wenn die Gebildeten und Mitdenkenden schon damals vor Hyperinflation warnten, dann trat diese nicht so ein wie erwartet, denn sie betrag mehr den Anlagemarkt und nicht den Kreislauf in dem wir Gehalt bekommen und einkaufen gehen.
Es geht um Geld für Verbrauchsgüter, d. h. es entstehen auch keine Werte auf der Gegenseite. Und es werten auch keine Schulden getilgt (was man auch als relativen Wertzuwachs betrachten kann).
Sollte die Coronakrise länger dauern als unsere Schuldentragfähigkeit hergibt, bin ich nervös gespannt, was sie dann machen: Die Arbeitslosigkeit wachsen lassen oder weiter Schulden machen?
Wer jetzt noch Bargeld gespart hat, wird dann wieder nervös werden. Denn keiner weiß, wie die Kombination von Bazookas in beiden Geldkreisläufen wirken wird.
Altmaiers Versprechen von "es wird nicht einen Arbeitslosen wegen der Coronakrise geben" wird jetzt schon umgedeutet zur "Maßgabe". Denn keiner weiß, ob er es halten können wird.
Lektionen dieser Woche
Nachrichtenflut
Endlich Wochenende. In der vergangenen Woche habe ich in schneller Folge Nachrichten, Anweisungen, Abfragen bekommen. Die unternehmensinterne Kommunikation dreht sich derzeit um zwei Dinge: Drängen, dass alle Anweisungen befolgt werden. Und Ausgabenstopps.Bei uns werden auch gleichartige Nachrichten einzeln versendet. Zum Beispiel: Ab sofort hat die Kantine geschlossen. Ab sofort hat der Handyservice geschlossen. Ab sofort ist dieser oder jener nur noch telefonisch erreichbar.
Im Homeoffice hat zusätzlich zum eigentlichen Arbeitslaptop noch den eigenen Rechner am laufen, wo man sich über die wichtigsten Entwicklungen auf dem laufenden hält. Z. B. n-tv Livestream. Es kostet schon ziemlich Zeit, sich auf dem Laufenden zu halten.
Diebstahl
Ich musste gestern allerdings noch mal in die Firma fahren, weil der Tausch meines Firmenwagens anstand... Auf der Fahrt dorthin stellte ich fest, dass mir jemand die Scheibenwischer geklaut hatte. Ich parke den Wagen in einer Tiefgarage, zu der leider viele Leute einen Zugang haben. In meiner Wut dachte ich, dass jetzt schon Scheibenwischer geklaut werden, weil man bei ATU oder Bosch keine mehr bekommt? Zum Glück hatte das aber Autohaus geöffnet und ich bekam ein paar neue. Als ich sie auswechseln wollte, stellte ich fest, dass die alten nicht gestohlen, sondern herausgebrochen worden waren, so dass man diese sicher nicht mehr verwenden konnte.
Als ich den Wagen dann abgeben wollte, stellten wir fest, dass auch das vordere Nummernschild fehlte! Au weia. Ich rief meine Frau an, mal gucken zu gehen, ob am Stellplatz vielleicht Teile herum liegen. Sie stellte fest, nein. Aber an vielen anderen Autos fehlten auch die Nummernschilder. Da hatte sich offenbar einer eingedeckt.
Jetzt hatte ich auch noch Rennerei am Hals. Eine Anzeige bei der Polizei aufgeben. Den Beleg mit zur Abgabe bringen, viele Telefonate, bis die Sache endlich geregelt war. Auf vielen Telefonanschlüssen liefen veraltete Bandansagen. So hörte ich zum Beispiel bei einem Anruf um 11 Uhr "Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Wir sind telefonisch zwischen 10 und 12 Uhr erreichbar." Über die Servicenummern erreichte man gestern gar nichts. Dafür lief die Zeit ab, bis wann man überhaupt noch etwas erreichen konnte. Ich wollte unbedingt vermeiden, nächste Woche noch einmal fahren zu müssen.
Als ich den Wagen dann abgeben wollte, stellten wir fest, dass auch das vordere Nummernschild fehlte! Au weia. Ich rief meine Frau an, mal gucken zu gehen, ob am Stellplatz vielleicht Teile herum liegen. Sie stellte fest, nein. Aber an vielen anderen Autos fehlten auch die Nummernschilder. Da hatte sich offenbar einer eingedeckt.
Jetzt hatte ich auch noch Rennerei am Hals. Eine Anzeige bei der Polizei aufgeben. Den Beleg mit zur Abgabe bringen, viele Telefonate, bis die Sache endlich geregelt war. Auf vielen Telefonanschlüssen liefen veraltete Bandansagen. So hörte ich zum Beispiel bei einem Anruf um 11 Uhr "Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Wir sind telefonisch zwischen 10 und 12 Uhr erreichbar." Über die Servicenummern erreichte man gestern gar nichts. Dafür lief die Zeit ab, bis wann man überhaupt noch etwas erreichen konnte. Ich wollte unbedingt vermeiden, nächste Woche noch einmal fahren zu müssen.
Was für ein Bürokratiestress wieder einmal. Eine ältere Kollegin nahm die Sache schließlich in die Hand und telefonierte mit allen Beteiligten, deren Durchwühlen sie kannte, bis die Sache erledigt war. Allerdings kam die Sache erst ins Laufen, als ich der adretten Dame am Emfpangsschalter gesagt hatte, ich würde den alten Wagen nun am Eingangstor abstellen und stehen lassen und mich dann nicht mehr darum kümmern.
Im "ICE der Deutschen Bahn":
Man muss den Bürokraten immer klar machen, dass man nicht alles mit sich machen lassen wird. Genau so eine Szene gab es Anfang der Woche noch im ICE. Diese fahren inzwischen mit halber Kapazität, so dass die Passagierdichte trotz sinkender Passagierzahl gleich bleibt. Und seit Tagen fuhren diese auf der Hinfahrt ohne WLAN. Als an dem Morgen die Schaffnerin kam, fragte ich sofort nach dem WLAN. "Das ist wohl defekt." - "Dann reparieren Sie es doch." - "Das kann ich nicht, das macht die Werkstatt. Ihre Fahrkarte bitte!" - "Tut mir leid, erst das WLAN, dann die Fahrkarte." - "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das eine ist ein Zusatzservice das andere die eigentliche Beförderungsleistung." - "Das ist Ihre persönliche Sichtweise. Ich aber fahre nur deshalb mit dem ICE, weil Sie mit WLAN werben und ich dann im Zug arbeiten könne. Deshalb ist das WLAN bei mir Teil der Beförderungsleistung. Ich zeige Ihnen meine Fahrkarte, wenn das WLAN funktioniert." - "Dann muss ich Ihnen eine Rechnung über ein erhöhtes Beförderungsentgelt zeigen." - "Die werde ich aber nicht annehmen. Bitte schicken Sie diese an mein Büro." - "Dann müssen Sie am nächsten Bahnhof aussteigen." - "Das wollte ich sowieso. Und bestellen Sie am besten noch die Bundespolizei dorthin." - "Die sitzt schon im Zug." - "Ja, bitte holen Sie sie."
Entnervt ging sie davon. Es dauerte sie lange, bis jemand kam. Es war aber nicht die Bundespolizei, sondern der Zugchef: "Hier gibt es ein Problem?" Ich erklärte ihm alles noch einmal. Dann zeigte er auf sein Smartphone und sagte: "Funktioniert doch!" Und plötzlich funktionierte es.
Es war also nicht defekt, sondern das Personal hatte nur vergessen es einzuschalten, war aber zu faul, das überhaupt nur zu prüfen.
Meine Lektion der Woche:
- Die leeren Straßen ziehen jetzt Kriminelle an. Leute bleibt wachsam, überwacht Eure Stellplätze.
- Haltet gegen Bürokraten gegen. Auch wenn das in diesen Tagen mehr Kraft kostet, weil man innerlich sehr angespannt ist.
Donnerstag, 19. März 2020
Frühling lässt sein blaues Band...
Wieder unterwegs nach Feierabend. Man muss als Homeofficer aufpassen, kein Stubenhocker zu werden. Denn draußen ist Frühling... :-) Diese Tage sind fast surreal.
Statistik-Tagebuch
Infektionen / Todesfälle
Global
219.000 / 8.800
China:
81.100 / 3.250
Italien:
35.700 / 2.980
DE:
8.200 / 12
NRW:
2.370 / 6
Berlin:
391 / 0
Die Kurve für China stagniert seit einigen Tagen, da keine neuen Fällen mehr dazu kommen.
Global
219.000 / 8.800
China:
81.100 / 3.250
Italien:
35.700 / 2.980
DE:
8.200 / 12
NRW:
2.370 / 6
Berlin:
391 / 0
Die Kurve für China stagniert seit einigen Tagen, da keine neuen Fällen mehr dazu kommen.
Mittwoch, 18. März 2020
Leere Straßen
Nach Feierabend bin ich eine Runde mit der Kamera gegangen. Berlin sah aus, als wäre es Sonntagmorgen..:
Endlich im Homeoffice!
Mein Arbeitgeber hat gestern auch für ÖPNV-Pendler das Homeoffice freigegeben . aber immer noch müssen Chefs zustimmen. Und ich habe mit Kollegen gesprochen, die Kinder haben und den ÖPNV benutzen, deren Chefs ihnen Homeoffice nicht gestatteten. Das ganze Unternehmen ist so rückständig, dass es ersteinmal Kapazitäten für Access schaffen musste. Jetzt sind sie verfügbar und jetzt behauptet der Vorstand, er schicke uns "aus Verantwortung ins Homeoffice". Das stimmt halt nicht.
Ebenso wartete man erst einmal auf die Verabschiedung der Kurzarbeitergeldzusagen, bevor man jetzt in der Branche die Produktion runterfährt.
Ich habe gestern noch mit vielen Kollegen gesprochen. Etliche berichteten von ihren Kollegen, die jetzt noch Urlaubsreisen angetreten haben. Nach Mallorca, in die USA. Ein Heimkehrer berichtete, er sei in seinem Hotelzimmer nachts geweckt worden mit der Aufforderung, Koffer zu packen , es gehe heim. Heiko Maas' Flotte holt jetzt auf Steuerzahlerkosten überall diejenigen nach Hause, die ihren alten Urlaub nicht verfallen lassen wollten...
Als wir dann Feierabend machten, durchs Werkstor gingen, hatten wir alle ein mulmiges Gefühl. Wie lange werden wir wohl weg bleiben? Plötzlich bricht da ein starkes Gefühl der Identifikation aus. Die Firma ist wirklich ein Teil von einem selbst. Schon die Entschleunigung überall, die sich leeren Büros, Flure, Straßen. Plötzlich nimmt man das alles in seinem Ist-Zustand wahr und ist nicht in Gedanken bei dem anstehenden Termin oder iauf ein Kollegengespräch konzentriert.
Im Zug klappe ich meinen Laptop auf, sehe die Emails. Aber es kommt mir alles nicht mehr so wichtig vor. Alles nur gelbe Zettel, schon morgen erledigt.
Fühlt es sich so an, wenn man in Rente geht?
Zum Glück hat das Unternehmen Polster. Auch wir Älteren haben Polster. Aus meiner Sicht wäre es kein Problem, jetzt in Teilzeit zu gehen. Anstatt so tun zu müssen, als gebe es noch dringend zu erledigende Dinge. Denn alles von dem wir jetzt glauben, dass es noch weiterlaufen kann, wird schon morgen abgekündigt. Softwareentwicklung, Tests, Budgetierung (immer noch nicht erledigt).
1/12 Ausfall müssten doch alle verkraften können. Nein, entgegnete mir ein Kollege. Familien hätten so viele laufende Posten, dass 1 Monat Verdienstausfall sofort schmerzen würde.
Ich will mich nicht erheben. Aber meine (unsere) innerste Einstellung und Lebensführung ist es, für Eventualitäten immer ein Polster zu haben. Ich verinnerlichte früh dieses Vorsorgeprinzip "3 Monatsnettogehälter sollten auf der hohen Kante liegen". D. h. natürlich, dass man seinen Konsum nicht jeden Monat bis zum Anschlag fährt. Ich gebe zu, ich bin selten dabei wenn im Januar oder nach der Jahreszahlung ausgetauscht wird, was man sich angeschafft habe. In Werte ja, in sich verbrauchende Dinge eher weniger..
So, was schreiben die Zeitungen: BILD hat von der Leyen interviewt. Die hatte vor einer Woche noch Trump für sein Einreiseverbot für Europäer kritisiert. Und sie hatte Polen für seine Grenzschließung zu Deutschland kritisiert. Gestern verkündete sie dann die Schließung der EU-Außengrenze. Sie denkt dasselbe wie Trump, nur halt später.
Jens Spahn beschuldigt die Skifahrer, sie hätten das Virus in Europa verteilt. Er kritisiert nicht, die Bundeskanzlerin, die sich weigerte, die Grenzen zu Österreich und Schweiz zu schließen, oder zumindest Temperaturmessungen zu machen, so wie z. B. Tschechien es macht. Nö. Merkel "appellierte" ja neulich an Heimkehrer nicht am nächsten Tag zu einer Großveranstaltung zu gehen. Also weder hatte Merkel da Großveranstaltungen verboten noch die Einreisenden kontrolliert.
Schwer erträglich übrigens auch, wie das berufliche Netzwerk LinkedIn diesen Drosten abfeiert. Der hat doch nun nachweislich früh beschwichtigt und gehört auch denen, die alles erst später erkennen. Aber die Leute mögen es gern kuschelig und wuschelig. Unaufgeregt. Wer Merkel gewählt hat, findet auch den Drosten gut. Da kann man nichts mehr tun..
Ebenso wartete man erst einmal auf die Verabschiedung der Kurzarbeitergeldzusagen, bevor man jetzt in der Branche die Produktion runterfährt.
Ich habe gestern noch mit vielen Kollegen gesprochen. Etliche berichteten von ihren Kollegen, die jetzt noch Urlaubsreisen angetreten haben. Nach Mallorca, in die USA. Ein Heimkehrer berichtete, er sei in seinem Hotelzimmer nachts geweckt worden mit der Aufforderung, Koffer zu packen , es gehe heim. Heiko Maas' Flotte holt jetzt auf Steuerzahlerkosten überall diejenigen nach Hause, die ihren alten Urlaub nicht verfallen lassen wollten...
Als wir dann Feierabend machten, durchs Werkstor gingen, hatten wir alle ein mulmiges Gefühl. Wie lange werden wir wohl weg bleiben? Plötzlich bricht da ein starkes Gefühl der Identifikation aus. Die Firma ist wirklich ein Teil von einem selbst. Schon die Entschleunigung überall, die sich leeren Büros, Flure, Straßen. Plötzlich nimmt man das alles in seinem Ist-Zustand wahr und ist nicht in Gedanken bei dem anstehenden Termin oder iauf ein Kollegengespräch konzentriert.
Im Zug klappe ich meinen Laptop auf, sehe die Emails. Aber es kommt mir alles nicht mehr so wichtig vor. Alles nur gelbe Zettel, schon morgen erledigt.
Fühlt es sich so an, wenn man in Rente geht?
Zum Glück hat das Unternehmen Polster. Auch wir Älteren haben Polster. Aus meiner Sicht wäre es kein Problem, jetzt in Teilzeit zu gehen. Anstatt so tun zu müssen, als gebe es noch dringend zu erledigende Dinge. Denn alles von dem wir jetzt glauben, dass es noch weiterlaufen kann, wird schon morgen abgekündigt. Softwareentwicklung, Tests, Budgetierung (immer noch nicht erledigt).
1/12 Ausfall müssten doch alle verkraften können. Nein, entgegnete mir ein Kollege. Familien hätten so viele laufende Posten, dass 1 Monat Verdienstausfall sofort schmerzen würde.
Ich will mich nicht erheben. Aber meine (unsere) innerste Einstellung und Lebensführung ist es, für Eventualitäten immer ein Polster zu haben. Ich verinnerlichte früh dieses Vorsorgeprinzip "3 Monatsnettogehälter sollten auf der hohen Kante liegen". D. h. natürlich, dass man seinen Konsum nicht jeden Monat bis zum Anschlag fährt. Ich gebe zu, ich bin selten dabei wenn im Januar oder nach der Jahreszahlung ausgetauscht wird, was man sich angeschafft habe. In Werte ja, in sich verbrauchende Dinge eher weniger..
So, was schreiben die Zeitungen: BILD hat von der Leyen interviewt. Die hatte vor einer Woche noch Trump für sein Einreiseverbot für Europäer kritisiert. Und sie hatte Polen für seine Grenzschließung zu Deutschland kritisiert. Gestern verkündete sie dann die Schließung der EU-Außengrenze. Sie denkt dasselbe wie Trump, nur halt später.
Jens Spahn beschuldigt die Skifahrer, sie hätten das Virus in Europa verteilt. Er kritisiert nicht, die Bundeskanzlerin, die sich weigerte, die Grenzen zu Österreich und Schweiz zu schließen, oder zumindest Temperaturmessungen zu machen, so wie z. B. Tschechien es macht. Nö. Merkel "appellierte" ja neulich an Heimkehrer nicht am nächsten Tag zu einer Großveranstaltung zu gehen. Also weder hatte Merkel da Großveranstaltungen verboten noch die Einreisenden kontrolliert.
Schwer erträglich übrigens auch, wie das berufliche Netzwerk LinkedIn diesen Drosten abfeiert. Der hat doch nun nachweislich früh beschwichtigt und gehört auch denen, die alles erst später erkennen. Aber die Leute mögen es gern kuschelig und wuschelig. Unaufgeregt. Wer Merkel gewählt hat, findet auch den Drosten gut. Da kann man nichts mehr tun..
Dienstag, 17. März 2020
Politik und Wissenschaft
Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten begründen ihre nur stufenweise beschlossenen Maßnahmen mit den "Erkenntnissen der Wissenschaft, die sich dynamisch entwickeln".
D. h. da delegiert die Politik schonmal Verantwortung für den Lösungsraum an "die" Wissenschaft. Bezeugungen für "die" Wissenschaft kennen wir in Deutschland seit dem Hype um den Klimawandel. Wenn "die" Wissenschaft früher für Gentechnik warb, argumentierten Politiker aber eher moralisch. Mal so, mal so.
Das Problem ist jetzt aber: unsere Wissenschaftler, erst recht die prominenten, denken auch nicht schneller als die Politiker. Allen voran ein Professor Drosten. Der wiegelte in den ersten Wochen völlig ab. Unisono mit dem Leiter des RKI. Und deshalb verkündete Spahn: Deutschland ist bestens vorbereitet und das Virus stellt nur eine geringe Gefahr dar für Deutschland. Hätten ich keine Screenshots gemacht (siehe unten), würde ich es heute selbst nicht mehr glauben.
Drosten erzählt in seinem NDR Podcast fast nichts wissenschaftliches mehr. Er hetzt mit dem Mainstream gegen die Beschlüsse des US-Präsidenten und eine Woche später findet er es gut, wenn die EU nachzieht. Er hielt das Coronavirus anfangs für nicht gefährlicher als einen Schnupfen. Er selbst hatte gar keine Angst. Kurzum: Er hat es nicht ernstgenommen und die Politik war ihm dafür dankbar. Damit wurde er in den Innercircle aufgenommen und redete fortan den Spruch, den Merkel und Seibert am liebsten hören: Erst abwiegeln, Untätigkeit begründen und später, wenn die Lawine rollte, "an alle appellieren".
Es ist eine Wissenschaftlergeneration nachgewachsen, die der Gesellschaft und der Politik gefallen will.
D. h. da delegiert die Politik schonmal Verantwortung für den Lösungsraum an "die" Wissenschaft. Bezeugungen für "die" Wissenschaft kennen wir in Deutschland seit dem Hype um den Klimawandel. Wenn "die" Wissenschaft früher für Gentechnik warb, argumentierten Politiker aber eher moralisch. Mal so, mal so.
Das Problem ist jetzt aber: unsere Wissenschaftler, erst recht die prominenten, denken auch nicht schneller als die Politiker. Allen voran ein Professor Drosten. Der wiegelte in den ersten Wochen völlig ab. Unisono mit dem Leiter des RKI. Und deshalb verkündete Spahn: Deutschland ist bestens vorbereitet und das Virus stellt nur eine geringe Gefahr dar für Deutschland. Hätten ich keine Screenshots gemacht (siehe unten), würde ich es heute selbst nicht mehr glauben.
Drosten erzählt in seinem NDR Podcast fast nichts wissenschaftliches mehr. Er hetzt mit dem Mainstream gegen die Beschlüsse des US-Präsidenten und eine Woche später findet er es gut, wenn die EU nachzieht. Er hielt das Coronavirus anfangs für nicht gefährlicher als einen Schnupfen. Er selbst hatte gar keine Angst. Kurzum: Er hat es nicht ernstgenommen und die Politik war ihm dafür dankbar. Damit wurde er in den Innercircle aufgenommen und redete fortan den Spruch, den Merkel und Seibert am liebsten hören: Erst abwiegeln, Untätigkeit begründen und später, wenn die Lawine rollte, "an alle appellieren".
Es ist eine Wissenschaftlergeneration nachgewachsen, die der Gesellschaft und der Politik gefallen will.
Montag, 16. März 2020
Covid-19 Statistik-Tagebuch
Die Covid-19- Statistik am 15.03.2020 (gerundet)
Global:
Fälle: 170.000
Tote: 6.500
Genesene: 77.000
Deutschland:
Fälle: 4.800
Tote: 12
Bundesländer Fälle / Tote
NRW: 1.400 / 5
Bayern: 886 / 4
Ba-Wü: 827 / 3
Nds.: 287 / 0
Quelle: Argons
Global:
Fälle: 170.000
Tote: 6.500
Genesene: 77.000
Deutschland:
Fälle: 4.800
Tote: 12
Bundesländer Fälle / Tote
NRW: 1.400 / 5
Bayern: 886 / 4
Ba-Wü: 827 / 3
Nds.: 287 / 0
Quelle: Argons
Freitag, 13. März 2020
Von starken Händen und klarem Verstand
Dieses Jahr ist bis jetzt eine Lektion in Sachen kritisches Denken. Für die eigene Gesundheitsvorsorge wie für die Börse gilt: Nur wer sich vom Mainstream buchstäblich nicht anstecken lässt und vorsorgt während andere noch abwiegeln oder gar feiern geht gewappnet in die Krise.
Beispiele:
Beispiele:
- Als ich im Februar einmal mit aufgesetztem Mundschutz morgens ins Büro kamen, grinsten mich meine Kollegen an. Als ich ihnen erklärte und sagte, in ihren Städten seien diese Dinger bereits ausverkauft und auch online gebe es nichts mehr, wurden sie dann doch nachdenklich. Sie googelten und waren erleichtert zu lesen, dass sie doch nichts verpasst hatten. Denn unsere Regierungsstellen hatten verkünden lassen, diese seien unwirksam. Nur um anschließend dann selbst welche für sich selbst zu bestellen. Macron kündigte gar an, Atemschutzmasken beschlagnahmen zu lassen.
- Aktuell haben wir uns gegen Pneumokokken impfen lassen, obwohl wir noch keine 60 Jahre alt sind. Ich höre im privaten Umfeld, dass die Wachsamen unter uns, das auch gerade tun. Im Prinzip diejenigen, die sich mal mit der Wirkungsweise des Coronavirus und unseres Immunsystems beschäftigt haben. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Impfstoff in Deutschland in den nächsten Tagen oder Wochen knapp werden würde.
- An der Börse warnt Markus Koch seit fast einem Jahr davor, dass die Börsen gedopt sind. Dass alle volks- und finanzwirtschaftlichen Indikatoren seit Monaten die Kurse nicht mehr rechtfertigen. Er bekam das erste Mal recht im Sommer 2019. Danach ging es aber wieder nach oben. Und Anfang diesen Jahres ging es noch mal so richtig steil hoch. Viele in meinem Umfeld fingen wieder an, "Geheimtipps" für Aktien zu handeln. So etwas ist eine Stimmung von der man sich leicht anstecken lassen kann. Vor allem, wenn man etwas Geld über hat. Aber man muss hier auf seine innere Stimme der Vernunft hören. Es läuft an der Börse in solchen Fällen fast immer so, dass einer den Stecker zieht, wenn man am wenigsten damit rechnet. Wenn die Zahlen und Indikatoren sagen: Stopp! dann sollte man es nicht besser wissen. Für alle die ihr Pulver trocken gehalten haben, ist dies jetzt eine Traumkonstellation.
- Christine Lagarde gehört offenbar zu denen, die sich jetzt dem Konformismus entziehen. Sie "enttäuscht" gerade alle gedopten Marktteilnehmer, die auf eine "Bazooka" gehofft hatten. Wenn sie gestern in ihrer PK sagte, es sein nicht Aufgabe der EZB sondern der Fiskalpolitik, Banken und Unternehmen jetzt Luft zum Atmen zu geben, hat sie doch völlig recht. Hier steht nun ein Shake-Out im Finanzsektor an. Für die Zombies brechen jetzt schwere Zeiten an.
Wir Naturwissenschaftler, Ingenieure und Mathematiker, die wir auf Verstand und Fakten anstatt auf Moral und Wunschdenken setzen, erleben jetzt unsere Stärke. Die Guten von uns haben sich mit allem, was bald knapp werden könnte eingedeckt. Sollten auch bei uns bald Läden schließen (wie in Italien), dann brauchen wir nur in den Keller zu gehen. Und umgekehrt, alles was jetzt auf den Markt geschmissen wird, können wir zu Tiefstpreisen einkaufen.
Es wird natürlich nicht lange dauern, bis die Sozialisten uns auffordern werden mit den Langsam- und Wunschdenkenden zu "teilen". Ich freue mich auch auf diesen Shake-Out.
Und haben nicht die ersten Schlaumeier verkündet, dass Corona ein Segen für die CO2-Emissionen und Luftqualität sei? Und sich gefreut, wenn die Versorgungsflüge und -fahrten ausfallen? Wenn die Leute nicht zur Arbeit fahren können? Wie kann man so blöd sein, und nicht einmal die Schlussfolgerung ziehen, was das für die Supermärkte und Ladenregale von morgen bedeutet? Die Snowflakes jammern doch schon, dass jetzt -Menno!- Konzerte und Festivals ausfallen und Müssen geschlossen werden. Die Erasmusstudenten halten das "verglichen mit Influenza" für Panikmache. Sie, die von uns vor einem Jahr noch Panik forderten. Allerdings für ihre eigenen Phantasien und "Albträume".
Ich weiß, ich lehne mich gerade ein bisschen aus dem Fenster. Die Einschläge kommen auch mir näher und man kann nicht sicher sein, nicht infiziert zu sein. Aber ich wasche mir inzwischen selbst täglich mehrmals die Hände und abends desinfiziere ich sie auch. Wir hatten das Zeug schon gekauft, als es zum ersten Mal angeboten wurde. Da hielten Linke den Coronavirus noch für ein Medienvehikel für Rassisten. Da trug meine chinesische Kollegin aber bereits eine Atemschutzmaske.
Donnerstag, 12. März 2020
Merkel widersetzt sich WHO Empfehlungen
Die WHO hat COVID-19 gestern zur Pandemie erklärt und an ihre Empfehlung "robustes Containment (Quarantäne)" und "Kontrollaktivitäten" (bei der Einreise) erinnert. Link: WHO
Zur gleichen Zeit provozierte Merkel den WHO Vorsitzenden mit ihrer Pressekonferenz in Berlin mit der Aussage: "Man muss ja nicht, wenn man aus einem Risikogebiet zurückkommt am nächsten Tag zu einem Fußballspiel gehen."
Statt "Kontrollaktivitäten" also "man muss ja nicht". Mit ihrer sprachlichen Armut brachte sie gestern noch weitere Bonmots. Alles in allem ist die Coronakrise nur ein Anwendungsfall für Verwaltungsstrukturen und -prozesse. Den Rest müssen "die Menschen" von sich aus organisieren und "ihr Herz" füreinander entdecken.
Der Regierungssender Deutschlandfunk tutete sogleich in das Horn seiner Herrin. Volker Finthammer findet es supi. Er hält es für eine "richtige Entscheidung", dass die Regierung -anders als es die WHO fordert- keine Verbote ausspreche sondern auf einen "Lernprozess und rationales Verhalten der Bürger" setze.
Quelle: DLF
Zur gleichen Zeit provozierte Merkel den WHO Vorsitzenden mit ihrer Pressekonferenz in Berlin mit der Aussage: "Man muss ja nicht, wenn man aus einem Risikogebiet zurückkommt am nächsten Tag zu einem Fußballspiel gehen."
Statt "Kontrollaktivitäten" also "man muss ja nicht". Mit ihrer sprachlichen Armut brachte sie gestern noch weitere Bonmots. Alles in allem ist die Coronakrise nur ein Anwendungsfall für Verwaltungsstrukturen und -prozesse. Den Rest müssen "die Menschen" von sich aus organisieren und "ihr Herz" füreinander entdecken.
Der Regierungssender Deutschlandfunk tutete sogleich in das Horn seiner Herrin. Volker Finthammer findet es supi. Er hält es für eine "richtige Entscheidung", dass die Regierung -anders als es die WHO fordert- keine Verbote ausspreche sondern auf einen "Lernprozess und rationales Verhalten der Bürger" setze.
Quelle: DLF
Montag, 9. März 2020
Merkel schweigt weiterhin, RKI hält Risiko nach 2 Toten für "mäßig"
Vor einer Woche handelte Merkels Videobotschaft von "Rassismus und Integration". Da war das Coronavirus bereits im vollen Anmarsch auf Deutschland. Hamsterkäufe, ausverkaufte Schutzmasken machten die Runde. Aus Italien kamen üble Nachrichten über viele Todesopfer und die Abriegelung des Nordens. Von Merkel kam: nichts.
Inzwischen gibt es in Deutschland zwei Todesopfer. Und Merkels Videobotschaft handelte gestern vom Frauentag und Gleichberechtigung.
Aber immerhin: Die Bundesregierung hat die Krise inzwischen wenigstens zur Kenntnis genommen und als Topthema auf ihrer Website.
Erfährt der Bürger hier handfeste Informationen und Handlungsempfehlungen oder gar -anweisungen? Weiterhin sind Händewaschen und Niesetikette die "wichtigsten" Ratschläge des Gesundheitsministers. Dazu appelliert er an unsere "Eigenverantwortung". (Etwas was diese Bundesregierung ansonsten fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.)
Was Arbeitnehmer in ihren Betrieben erfahren, erfahren diese auch als Bürger: Appelle und "Empfehlungen". Damit können sich Autoritäten später immer gut aus der Affäre ziehen: Handelt man nicht und es erwischt einen, hat man gegen die "Empfehlung" gehandelt und ist selbst Schuld. Handelt man übertrieben vorsichtig, kann man sich ebenfalls nicht auf die Regierung berufen, den diese hatte ja nicht angewiesen sondern "empfohlen".
Das Robert-Koch-Institut stuft das Risiko für die Bevölkerung von "niedrig bis mäßig" nun hoch auf "mäßig":
Und schließlich noch - nur für Dokumentationszwecke- die Fallstatistik nach Bundesländern. Sachsen-Anhalt steht auf dieser Liste nicht. Denn es hat bis heute keinen einzigen Infektionsfall.
Randnotiz:
Die Börsen sind heute im Sturzflug gefallen. Die Panik ist nun da. Der DAX fiel um 8% auf 10.625.
Inzwischen gibt es in Deutschland zwei Todesopfer. Und Merkels Videobotschaft handelte gestern vom Frauentag und Gleichberechtigung.
Quelle: YouTube Kanal
Aber immerhin: Die Bundesregierung hat die Krise inzwischen wenigstens zur Kenntnis genommen und als Topthema auf ihrer Website.
Erfährt der Bürger hier handfeste Informationen und Handlungsempfehlungen oder gar -anweisungen? Weiterhin sind Händewaschen und Niesetikette die "wichtigsten" Ratschläge des Gesundheitsministers. Dazu appelliert er an unsere "Eigenverantwortung". (Etwas was diese Bundesregierung ansonsten fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.)
Was Arbeitnehmer in ihren Betrieben erfahren, erfahren diese auch als Bürger: Appelle und "Empfehlungen". Damit können sich Autoritäten später immer gut aus der Affäre ziehen: Handelt man nicht und es erwischt einen, hat man gegen die "Empfehlung" gehandelt und ist selbst Schuld. Handelt man übertrieben vorsichtig, kann man sich ebenfalls nicht auf die Regierung berufen, den diese hatte ja nicht angewiesen sondern "empfohlen".
Das Robert-Koch-Institut stuft das Risiko für die Bevölkerung von "niedrig bis mäßig" nun hoch auf "mäßig":
Und schließlich noch - nur für Dokumentationszwecke- die Fallstatistik nach Bundesländern. Sachsen-Anhalt steht auf dieser Liste nicht. Denn es hat bis heute keinen einzigen Infektionsfall.
Randnotiz:
Die Börsen sind heute im Sturzflug gefallen. Die Panik ist nun da. Der DAX fiel um 8% auf 10.625.
Flüchtlingsheime zu Quarantänestationen
Düsseldorf und Mülheim sind die ersten Städte, die Flüchtlingsheime zu Quarantänestationen umfunktionieren werden. Wie kann man da in Berlin noch Phantasien über die Aufnahme von Flüchtlingen pflegen?
Ich war am Wochenende im Ruhrgebiet. Wir machten am Samstagvormittag einen Spaziergang durch die Siedlung und den Schrebergärten. Meinem Vater fiel sofort auf, wie leer die Straßen und die Gärten sind. Trotz Sonnenschein. Die Autos standen vor den Häusern, von den Bewohnern war niemand zu sehen. Alle Hamsterkäufe waren schon unter der Woche erledigt worden. Begaben sich die Leute jetzt in freiwillige Quarantäne? Die Sicherheitsinstinkte greifen.
In Norditalien und Frankreich grassiert der Virus schon richtig und hat viele Tote gefordert. In deutschen Talkshows wechselt man täglich seine Meinung über unsere Nachbarländer und über das Risiko, das vom Virus ausgeht. Nur wenige begeben sich da aus ihrer moralischen und angelesenen fachlichen Überheblichkeit. Niemand fragt, warum Sachsen-Anhalt bisher überhaupt keine Infizierten hat, und warum es in Osteuropa auch besser aussieht als bei uns. Und dass Polen Grenzkontrollen für deutsche Reisebusse eingeführt hat.
Stattdessen fordern Habeck und Baerbock die Aufnahme von "unbegleiteten" Flüchtlingskindern. Erdogan unterstützt den IS in Syrien und entsendet die Opfer seiner Politik in die EU. Und die deutschen Gutmenschen unterwerfen sich sogleich. Ich habe von den Grünen noch kein Wort des Mitgefühls für Coronaopfer gehört. Aber den IS unterstützen sie völlig ungeniert.
In deutschen Aufnahmelagern wird es eng werden. Denn Grüne und Rote haben eine Denkschwäche wenn es um dynamische Entwicklungen geht. Weder haben sie ein Verständnis für Märkte, noch für Demographien noch für exponentielle Entwicklungen in der Medizin.
Als nächstes werden wir von denen sicher hören, dass man jetzt nicht "Geflüchtete" gegen Coronaopfer "ausspielen" darf. Syrische, afghanische und sonstige arabische Kinder stehen den Grünen näher als ihre eigenen im Kindergarten. Das ist der wahre Kulturbruch und Firnisriss in Deutschland: Der grüne Hass auf die eigene Familie, Verwandte, Nachbarn und Landsleute.
Als nächstes werden wir von denen sicher hören, dass man jetzt nicht "Geflüchtete" gegen Coronaopfer "ausspielen" darf. Syrische, afghanische und sonstige arabische Kinder stehen den Grünen näher als ihre eigenen im Kindergarten. Das ist der wahre Kulturbruch und Firnisriss in Deutschland: Der grüne Hass auf die eigene Familie, Verwandte, Nachbarn und Landsleute.
Freitag, 6. März 2020
Seehofer blockiert Aufklärungsarbeit zum Berliner Terroranschlag
Wenn ein Minister oder die Kanzlerin die "rückhaltlose Aufklärung" eines Terroranschlags verspricht, ist das fast immer die erste Lüge in diesem Fall.
So auch beim bisher größten der islamistischen Anschläge in Deutschland, dem an der Gedächtniskirche. Telepolis berichtete am 02.03.2020, wie Seehofer eine öffentliche Zeugenvernehmung des Berliner AH Untersuchungsausschuss kurzerhand für nicht-öffentlich erklären ließ.
Noch immer also sind unsere Geheimdienste und der "Verfassungsschutz" den Diensten anderer Länder mehr verpflichtet als dem eigenen Volk. Damit befinden sich unsere Geheimdienste aus meiner Sicht in einer Legitimationskrise. Selbst wenn man dem Kalkül von Kollateralschäden zustimmt um die Keimzellen der Terroristen zu vernichten (wie in diesem Fall geschehen) kann man nicht so mit unserer Verfassung umspringen und nach Gutsherrenart gesetzliche Regeln und Rechte außer Kraft setzen.
Dass unsere Medien -bis auf Telepolis- darüber NICHT berichteten, finde ich ebenso bezeichnend. Das einzige gute an diesem Fall: es wird jetzt sichtbar, wie Innenministerium und Dienst hemmenden Einfluss auf die Presse nehmen.
Quelle: Telepolis
So auch beim bisher größten der islamistischen Anschläge in Deutschland, dem an der Gedächtniskirche. Telepolis berichtete am 02.03.2020, wie Seehofer eine öffentliche Zeugenvernehmung des Berliner AH Untersuchungsausschuss kurzerhand für nicht-öffentlich erklären ließ.
Noch immer also sind unsere Geheimdienste und der "Verfassungsschutz" den Diensten anderer Länder mehr verpflichtet als dem eigenen Volk. Damit befinden sich unsere Geheimdienste aus meiner Sicht in einer Legitimationskrise. Selbst wenn man dem Kalkül von Kollateralschäden zustimmt um die Keimzellen der Terroristen zu vernichten (wie in diesem Fall geschehen) kann man nicht so mit unserer Verfassung umspringen und nach Gutsherrenart gesetzliche Regeln und Rechte außer Kraft setzen.
Dass unsere Medien -bis auf Telepolis- darüber NICHT berichteten, finde ich ebenso bezeichnend. Das einzige gute an diesem Fall: es wird jetzt sichtbar, wie Innenministerium und Dienst hemmenden Einfluss auf die Presse nehmen.
Quelle: Telepolis
Mittwoch, 4. März 2020
Konservatismus kann Leben retten
Bei CATO las ich, konservativ zu sein heiße, vor allem Verluste zu empfinden. Ich empfinde vor allem drohende Verluste. Man muss mehr verteidigen, als man noch gewinnen zu können glaubt. Die Jahre des Aufbaus, des Singens, des Sichfindens, Partner finden etc. liegen hinter einem Gott sei Dank, denn sie waren auch anstrengend. Man will die Ernte auch in die Scheune bringen.
Um so allergischer bin ich gegen alle geworden, die glauben, das Gleiche nur durch Anspruch, Forderung, Raub erreichen, oder gar mir wegnehmen zu können. Verachtung habe ich für die, die sich mit denen gemein machen, obwohl sie selbst beste Voraussetzungen haben, es mir nach zu tun. Die vor allem moralisch anderen gefallen wollen - aber auch insgeheim anders handeln.
Wenn der Berliner Virenforscher Droste jetzt sagt, nicht das Wohl des Einzelnen sei wichtig, sondern das der Gesellschaft, höre ich da die Stimme des Sozialismus. Die stets bereit ist, den Klugen den Dummen, den Fleißigen den Faulen zu opfern.
Ich verstehe heute viel besser den Widerstand von Patrioten gegen die Einführung der Demokratie 1918. Mag Wilhelm Zwo auch nicht die hellste Kerze auf der Torte gewesen sein und ebenso seine Generäle, die Deutschland ins Verderben führten. Aber man erinnerte sich auch an gute Beispiel und an den Wert einer handlungsfähigen Organisation. Eines funktionierenden Staates.
Vor allem aber erkannten sicher die, die ein Auge für Führungsqualität hatten, wer da vor den Toren Einlass begehrte. Wir haben die Scheidemanns und Eberts als Nationalhelden beigebracht bekommen. Aber wer von den Protagonisten hatte schon einmal Verantwortung und Führung bewiesen? "Gerechtigkeit" zu fordern ist das eine. Aber einen Laden am Laufen halten oder gar wieder auf die Beine bringen, erfordert mehr als zänkisch geforderte "Gerechtigkeit".
Solange da keine Fähigen sind, sind Demokratien -genau so wie Märkte- nur Theorie. Die Frage ist doch, welche Verhältnisse formen gute Köpfe? Die uns nach außen verteidigen wollen und nach innen ihr Land zum Blühen bringen können? Die dann auch Handel treiben. Aber dabei doch nicht zuerst das Wohl aller, sondern zuerst das der eigenen im Sinn haben.
Wenn ich es recht bedenke, führen wir uns mit Epochenbezeichnungen wie Nachkriegszeit, Nachwendezeit in die Irre. Das ist viel zu kurz gedacht. Wir müssten eigentlich auf einen Pfad der Stärke und des Wachstums kommen, den wir vor den beiden Weltkriegen hatten. Wissenschafts- und ingeneieursgetriebenen Wohlstand, Handel und eine Sicherheitsarchitektur.
Wie degeneriert muss man eigentlich sein, wenn man in intelligenten Patrioten wie Trump, Johnson, Kaczynski vor allem Nationalisten sieht? Weltpolitik ist doch kein Kindergarten mit Mutti.
Ich verstehe also den Zorn, den viele empfanden, weil sie die Linken nach 1918 für Verräter hielten. Aber nicht im Sinne der Dolchstoßlegende. Den Dolch hatten Kaiser und Generäle schon selbst geführt. So wie heute Merkel, de Maiziere und Seehofer. Aber im Sinne von Verrat an dem, was man mal hatte und woran man glaubte.
Nein, Konservatismus ist nicht Rückständigkeit. In der Evolution gibt es nur ganz wenig Experiment und vor allem Bewahrung. Alles was dem Überleben hilft wird genommen, alles andere verworfen. Vor allem aber stößt die Natur nicht viele Mutationen gleichzeitig an. So etwas führt schnell ins Chaos und Verderben. Wer sich aber danach sehnt, möge sich dem hingeben. Aber bitte still im eigenen Kämmerlein.
Einen Hauch von Selbstverteidigung und gesundem Volksempfinden erleben wir in diesen Tagen, wo die Bürger ihre Supermärkte leer kaufen. Einige und das sicher aus dummer Panik. Aber andere tun es auch strategisch - aus Mißtrauen in die Fähigkeiten unserer Regierung. Von Jens Spahn bis Dilek Kalayci.
Das sind, die ihr Gold im Garten vergraben und nicht auf Befehl der Regierung abliefern. Das sind die, die überleben werden.
Um so allergischer bin ich gegen alle geworden, die glauben, das Gleiche nur durch Anspruch, Forderung, Raub erreichen, oder gar mir wegnehmen zu können. Verachtung habe ich für die, die sich mit denen gemein machen, obwohl sie selbst beste Voraussetzungen haben, es mir nach zu tun. Die vor allem moralisch anderen gefallen wollen - aber auch insgeheim anders handeln.
Wenn der Berliner Virenforscher Droste jetzt sagt, nicht das Wohl des Einzelnen sei wichtig, sondern das der Gesellschaft, höre ich da die Stimme des Sozialismus. Die stets bereit ist, den Klugen den Dummen, den Fleißigen den Faulen zu opfern.
Ich verstehe heute viel besser den Widerstand von Patrioten gegen die Einführung der Demokratie 1918. Mag Wilhelm Zwo auch nicht die hellste Kerze auf der Torte gewesen sein und ebenso seine Generäle, die Deutschland ins Verderben führten. Aber man erinnerte sich auch an gute Beispiel und an den Wert einer handlungsfähigen Organisation. Eines funktionierenden Staates.
Vor allem aber erkannten sicher die, die ein Auge für Führungsqualität hatten, wer da vor den Toren Einlass begehrte. Wir haben die Scheidemanns und Eberts als Nationalhelden beigebracht bekommen. Aber wer von den Protagonisten hatte schon einmal Verantwortung und Führung bewiesen? "Gerechtigkeit" zu fordern ist das eine. Aber einen Laden am Laufen halten oder gar wieder auf die Beine bringen, erfordert mehr als zänkisch geforderte "Gerechtigkeit".
Solange da keine Fähigen sind, sind Demokratien -genau so wie Märkte- nur Theorie. Die Frage ist doch, welche Verhältnisse formen gute Köpfe? Die uns nach außen verteidigen wollen und nach innen ihr Land zum Blühen bringen können? Die dann auch Handel treiben. Aber dabei doch nicht zuerst das Wohl aller, sondern zuerst das der eigenen im Sinn haben.
Wenn ich es recht bedenke, führen wir uns mit Epochenbezeichnungen wie Nachkriegszeit, Nachwendezeit in die Irre. Das ist viel zu kurz gedacht. Wir müssten eigentlich auf einen Pfad der Stärke und des Wachstums kommen, den wir vor den beiden Weltkriegen hatten. Wissenschafts- und ingeneieursgetriebenen Wohlstand, Handel und eine Sicherheitsarchitektur.
Wie degeneriert muss man eigentlich sein, wenn man in intelligenten Patrioten wie Trump, Johnson, Kaczynski vor allem Nationalisten sieht? Weltpolitik ist doch kein Kindergarten mit Mutti.
Ich verstehe also den Zorn, den viele empfanden, weil sie die Linken nach 1918 für Verräter hielten. Aber nicht im Sinne der Dolchstoßlegende. Den Dolch hatten Kaiser und Generäle schon selbst geführt. So wie heute Merkel, de Maiziere und Seehofer. Aber im Sinne von Verrat an dem, was man mal hatte und woran man glaubte.
Nein, Konservatismus ist nicht Rückständigkeit. In der Evolution gibt es nur ganz wenig Experiment und vor allem Bewahrung. Alles was dem Überleben hilft wird genommen, alles andere verworfen. Vor allem aber stößt die Natur nicht viele Mutationen gleichzeitig an. So etwas führt schnell ins Chaos und Verderben. Wer sich aber danach sehnt, möge sich dem hingeben. Aber bitte still im eigenen Kämmerlein.
Einen Hauch von Selbstverteidigung und gesundem Volksempfinden erleben wir in diesen Tagen, wo die Bürger ihre Supermärkte leer kaufen. Einige und das sicher aus dummer Panik. Aber andere tun es auch strategisch - aus Mißtrauen in die Fähigkeiten unserer Regierung. Von Jens Spahn bis Dilek Kalayci.
Das sind, die ihr Gold im Garten vergraben und nicht auf Befehl der Regierung abliefern. Das sind die, die überleben werden.
Sonntag, 1. März 2020
Kollateralschäden
Das Miltärvideo, das Wikileaks berühmt machte zeigt einen Kollateralschaden im Krieg gegen den islamistischen Terrorismus. Es ist ein Krieg der USA, denn die Verbündeten trauen sich ja nicht. Die Verbündeten betrachten es viel mehr als ihre Rolle, die Amerikaner auf ihre Fehler bei der Rettung der zivilisierten Welt hinzuweisen. Ja, höre ich Sie jetzt fragen, geht es noch dekadenter?
Aber immer doch im rotgrünen Europa. Deutsche Linke von Gabriel über den Altliberalen Baum, die PKK-Abgeordnete der Linkspartei bis Wallraf genieren sich nicht, jetzt den Helden zu spielen, in dem sie "Freiheit für Julian Assange" fordern. Momentum gibt ihnen eine besondere Enthüllung, die diesmal nicht auf Wikileaks geleakt wurde, sondern von einem UM-Mitarbeiter direkt kommuniziert wurde: Dass die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange konstruiert waren.
Dies Enthüllung wirft m. E. viel mehr ein Licht auf diese #MeeToo Heizerinnen als auf die Amerikaner. Aber diese Gelegenheit lassen Wallraff und Genossen verstreichen.
Wenn deutsche Linke Partei für amerikanischer Whittle Blower ergreifen, ist Vorsicht vor der Parteinahme angebracht. Es geht denen nicht um Menschenrechte usw.. Dann würden sie ja auch pausenlos gegen islamistische Terroristen und Henker protestieren. Nee, es geht denen nur um ihren Antiamerikanismus.
Und deshalb mache ich da noch nicht mit. Arabische Kollateralschaden, die ja hier der Treiber des linken Protestes sind, interessiere mich eigentlich nicht. Wo sind Gabriel, Baum und Wallraff aber bei deutsch-amerikanischen Kollateralschaden auf dem Berliner Weihnachtsmarkt? Das war doch genau dasselbe? Verfassungsschutz, BKA und die LKA's von NRW und Berlin ließen Anis Amri freien Lauf, weil er sie auf die Spur zu IS-Camps in Libyen und Tunesien bringen sollte. Wo sind da die "Plädoyers für den Rechtsstaat"?
Die Idee von Wikileaks hat eine Schwäche, wenn da immer jemand zweierlei Maß anlegt bei der Entscheidung was veröffentlicht wird und was nicht.
Wo sind die Enthüllungen über Merkel? Ihre DDR-Vergangenheit, ihre Entscheidungen bei ihren Gesetzesverstößen? Wie kann es sein, dass über die seit 15 Jahren regierende Bundeskanzlerin, mächtigste Frau in Europa, Spalteten von Europa, Deutschland und der CDU nichts enthüllt wird? Doch sicher nicht, weil da nichts zu enthüllen ist?
Ich wünsche Assange einen fairen Prozess. Ich freue mich, dass die erfundenen Vergewaltigungsvorwürfe vom Tisch sind. Und wir alle merken uns, wie schnell so etwas aus der Luft gegriffen wird, wenn es opportun ist. Aber Geheimnisverrat bleibt Geheimnisverrat. Und arabische Kollateralschaden im Kampf gegen islamistischen Terrorismus, der mich in meiner Heimat oder in befreundeten Ländern bedroht, sind für mich sekundär.
Aber immer doch im rotgrünen Europa. Deutsche Linke von Gabriel über den Altliberalen Baum, die PKK-Abgeordnete der Linkspartei bis Wallraf genieren sich nicht, jetzt den Helden zu spielen, in dem sie "Freiheit für Julian Assange" fordern. Momentum gibt ihnen eine besondere Enthüllung, die diesmal nicht auf Wikileaks geleakt wurde, sondern von einem UM-Mitarbeiter direkt kommuniziert wurde: Dass die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange konstruiert waren.
Dies Enthüllung wirft m. E. viel mehr ein Licht auf diese #MeeToo Heizerinnen als auf die Amerikaner. Aber diese Gelegenheit lassen Wallraff und Genossen verstreichen.
Wenn deutsche Linke Partei für amerikanischer Whittle Blower ergreifen, ist Vorsicht vor der Parteinahme angebracht. Es geht denen nicht um Menschenrechte usw.. Dann würden sie ja auch pausenlos gegen islamistische Terroristen und Henker protestieren. Nee, es geht denen nur um ihren Antiamerikanismus.
Und deshalb mache ich da noch nicht mit. Arabische Kollateralschaden, die ja hier der Treiber des linken Protestes sind, interessiere mich eigentlich nicht. Wo sind Gabriel, Baum und Wallraff aber bei deutsch-amerikanischen Kollateralschaden auf dem Berliner Weihnachtsmarkt? Das war doch genau dasselbe? Verfassungsschutz, BKA und die LKA's von NRW und Berlin ließen Anis Amri freien Lauf, weil er sie auf die Spur zu IS-Camps in Libyen und Tunesien bringen sollte. Wo sind da die "Plädoyers für den Rechtsstaat"?
Die Idee von Wikileaks hat eine Schwäche, wenn da immer jemand zweierlei Maß anlegt bei der Entscheidung was veröffentlicht wird und was nicht.
Wo sind die Enthüllungen über Merkel? Ihre DDR-Vergangenheit, ihre Entscheidungen bei ihren Gesetzesverstößen? Wie kann es sein, dass über die seit 15 Jahren regierende Bundeskanzlerin, mächtigste Frau in Europa, Spalteten von Europa, Deutschland und der CDU nichts enthüllt wird? Doch sicher nicht, weil da nichts zu enthüllen ist?
Ich wünsche Assange einen fairen Prozess. Ich freue mich, dass die erfundenen Vergewaltigungsvorwürfe vom Tisch sind. Und wir alle merken uns, wie schnell so etwas aus der Luft gegriffen wird, wenn es opportun ist. Aber Geheimnisverrat bleibt Geheimnisverrat. Und arabische Kollateralschaden im Kampf gegen islamistischen Terrorismus, der mich in meiner Heimat oder in befreundeten Ländern bedroht, sind für mich sekundär.
Samstag, 29. Februar 2020
NDR Podcast mit Christian Drosten
Auf Platz 1 der Podcast Charts ist der NDR Podcast mit Christian Drosten, Virologe an der Charite, gesprungen (Link).
Drosten ist einer der zwei öffentlichen Protagonisten, der andere ist der Chef des Robert Koch Institutes und Tierarzt (!) Lothar Wieler.
Die Reporterin kommt gleich zur Sache und fragt, welche Todesfallrate denn aktuell gelte. Das RKI publiziere derzeit 1-2%. Drosten selbst kommuniziert 0,5%. Den Unterschied erklärt er so: Das RKI ist eine Behörde, die muss sich an die offiziellen Zahlen und Rechenwege halten. Er selbst rechne China und Italien raus, weil er den Zahlen nicht glaube, und komme dann auf eine höchstens halb so hohe Sterblichkeitsrate wie das RKI. Er müsse sich für seinen Rechenweg gar nicht rechtfertigen, denn als Universitätsprofessor unterliege er nicht den Vorschriften einer Behörde sondern der freien Forschung..
Drosten ist damit in der öffentlichen Debatte der Optimist. Auf die Frage, was er denn derzeit privat tue um seine Familie zu schützen: Nichts.
Von Atemschutzmasken (wie sie sich die Bundesregierung bestellt hat) hält er: Nichts.
Von Desinfektionsmitteln am Handwaschbecken hält er: Nichts.
Was mir an dieser Haltung unverständlich ist sein Umgang mit Unbekannten. Wenn man ein Risiko abschätzen will, muss man doch gerade die Evidenzen, also die Länder mit hohen Fallzahlen, pessimistisch abschätzen. Und nicht ausklammern.
Der junge, wuschelige Professor aus Berlin passt in den Zeitgeist, den deutschen zumindest. Während andere Länder ihre Grenzen schließen, fragt unser Innenminister: Wie denn? Wenn andere Länder Städte abriegeln, sagt er: Kann ich nichts zu sagen, ich weiß zuwenig.
Jens Spahn und sein Krisenstab hat gestern u. a. folgendes beschlossen und kommuniziert:
Drosten ist einer der zwei öffentlichen Protagonisten, der andere ist der Chef des Robert Koch Institutes und Tierarzt (!) Lothar Wieler.
Die Reporterin kommt gleich zur Sache und fragt, welche Todesfallrate denn aktuell gelte. Das RKI publiziere derzeit 1-2%. Drosten selbst kommuniziert 0,5%. Den Unterschied erklärt er so: Das RKI ist eine Behörde, die muss sich an die offiziellen Zahlen und Rechenwege halten. Er selbst rechne China und Italien raus, weil er den Zahlen nicht glaube, und komme dann auf eine höchstens halb so hohe Sterblichkeitsrate wie das RKI. Er müsse sich für seinen Rechenweg gar nicht rechtfertigen, denn als Universitätsprofessor unterliege er nicht den Vorschriften einer Behörde sondern der freien Forschung..
Drosten ist damit in der öffentlichen Debatte der Optimist. Auf die Frage, was er denn derzeit privat tue um seine Familie zu schützen: Nichts.
Von Atemschutzmasken (wie sie sich die Bundesregierung bestellt hat) hält er: Nichts.
Von Desinfektionsmitteln am Handwaschbecken hält er: Nichts.
Was mir an dieser Haltung unverständlich ist sein Umgang mit Unbekannten. Wenn man ein Risiko abschätzen will, muss man doch gerade die Evidenzen, also die Länder mit hohen Fallzahlen, pessimistisch abschätzen. Und nicht ausklammern.
Der junge, wuschelige Professor aus Berlin passt in den Zeitgeist, den deutschen zumindest. Während andere Länder ihre Grenzen schließen, fragt unser Innenminister: Wie denn? Wenn andere Länder Städte abriegeln, sagt er: Kann ich nichts zu sagen, ich weiß zuwenig.
Jens Spahn und sein Krisenstab hat gestern u. a. folgendes beschlossen und kommuniziert:
- Ab jetzt werden die "Prinzipien" des RKI für die Bewertung von Risiken angelegt.
- Diese Prinzipien sind ziemlich theoretisch und brauchen Input, der nicht immer vorliegt.
- Und deshalb hat das Bundesgesundheitsministerium die Anwendung dieser Prinzipien an die privaten Veranstalter und Gesundheitsämter delegiert!
D. h. überall in Deutschland versuchen jetzt Angestellte von Gesundheitsämtern Informationen über die Belüftung von Konzert- und Messehallen und der Herkunft der Besucher zu bekommen um entscheiden zu können, ob sie eine Absagung erzwingen. Damit geraten sie in mehrfachen Stress: Sie machen Überstunden, denn diese Ämter sind schon mit anderen Problemen ausgelastet. Bei zu pessimistischer Vorgehensweise werden die Veranstalter Gegendruck machen. Agieren sie zu lasch, werden sie von ihren Bürgermeistern kritisiert werden.
Aber der Jens Spahn sagte gestern im Ersten, er habe "ganz viel Respekt" für die überlasteten Mitarbeiter, an die er die Verantwortung delegiert habe. Und auch in der Welt würde sich Deutschland damit hohes Ansehen erarbeiten (das ist ja bei der Vertretung deutscher Interessen immer das Wichtigste: was die anderen über uns denken..).
Boris Johnson hat den Coronavirus zur "Government's Top Priority" erklärt. Er sagte das dem Guardian. Als ich nach entsprechenden Statements der Bundeskanzlerin suchte fand ich: Nichts. Ein Blick in ihren Kalender vermittelt aber, welche Prioritäten sie gerade pflegt. (n-tv und WELT behaupten heute, Merkel habe sich gestern bei einem Auftritt in Stralsund geäußert. Was ich glaube ist: Merkel ist schon seit längerem in ärztlicher Behandlung. Aber nicht wegen Corona.)
Boris Johnson hat den Coronavirus zur "Government's Top Priority" erklärt. Er sagte das dem Guardian. Als ich nach entsprechenden Statements der Bundeskanzlerin suchte fand ich: Nichts. Ein Blick in ihren Kalender vermittelt aber, welche Prioritäten sie gerade pflegt. (n-tv und WELT behaupten heute, Merkel habe sich gestern bei einem Auftritt in Stralsund geäußert. Was ich glaube ist: Merkel ist schon seit längerem in ärztlicher Behandlung. Aber nicht wegen Corona.)
Also wir müssen uns mal wieder selber helfen, sollen dabei aber nicht in Panik geraten, weil wir dann die Schwachstellen unseres staatlichen Gemeinwesens offenlegen würden. Die Experten betreiben Beschwichtigung oder haben zu wenig Ahnung, weil sie in ihren Chefsessel nicht aufgrund ihrer Eignung geraten sind.
Die Regale mit Konserven und Hygieneartikel waren in unserem Lidl gestern schon leer gefegt. Die Leute sind nicht dumm wie der Bankkaufmann aus Ahaus es für seine Bewerbung um den CDU Vizevorsitz gebrauchen könnte..
Donnerstag, 27. Februar 2020
Spahn vermittelt autoritären Aktionismus
Nur der Dokumentation wegen: Die Bundesregierung aktualisiert jetzt öfter ihre Websiteinhalte zum Coronavirus. Aber trotz der wachsenden Ausbreitungsgeschwindkeit versucht sie immer noch zu beschwichtigen. Jens Spahn spricht von einer "geänderten" Lage, nicht von einer verschlechterten. Er sagt, am Geld sollen die Tests nicht scheitern, aber man solle auch nicht mit jeden Husten und Schnupfen zum Arzt gehen.

Meine Damen und Herren, wer in den letzten Wintern eine Arztpraxis aufgesucht hat, der weiß wer bei "jedem Husten und Schnupfen" zum Arzt geht, wenn nicht zur Notaufnahme. Die meisten erkälteten Deutschen schleppen sich auch mit Husten und Schnupfen zur Arbeit.
Spahn sagt zusammengefasst: Er hat untersucht, wie die Bürokratien in Deutschland bei einer Krise zusammenarbeiten müssen und hat dazu Emailverteiler und Telefonlisten angelegt. Ja und die telefonieren jetzt täglich. Klingt ja gut zu sagen: Ich stehe täglich in Kontakt.
Aber vor allem verweist Spahn für alles Konkrete auf die Gesundsminister der Länder und die Gesundheitsheitsämter der Städte. Und auf die Website des Robert Koch Instituts, das mit Kleinbuchstaben und Langtext seine Sicht der Dinge darstellt. Aber was man konkret tun muss, wenn man zur Risikogruppe gehört und Symptome einer Grippe hat, steht da nicht. Bzw. steht da: "Finden Sie es gemeinsam mit Ihrem Hausarzt heraus!".
Spahn vermittelt autoritären Aktionismus. Und sagt schon jetzt. Wenn etwas Entscheidendes schief gehen wird, dann wird es an den Akteuren in den Ländern und Städten gelegen haben.
Ich prophezeie schon jetzt: Auf dem CDU Sonderparteitag wird dieser Mann wie ein Mühlstein um den Hals von Laschet hängen. Und das ist das einzig Gute an dieser Person.

Meine Damen und Herren, wer in den letzten Wintern eine Arztpraxis aufgesucht hat, der weiß wer bei "jedem Husten und Schnupfen" zum Arzt geht, wenn nicht zur Notaufnahme. Die meisten erkälteten Deutschen schleppen sich auch mit Husten und Schnupfen zur Arbeit.
Spahn sagt zusammengefasst: Er hat untersucht, wie die Bürokratien in Deutschland bei einer Krise zusammenarbeiten müssen und hat dazu Emailverteiler und Telefonlisten angelegt. Ja und die telefonieren jetzt täglich. Klingt ja gut zu sagen: Ich stehe täglich in Kontakt.
Aber vor allem verweist Spahn für alles Konkrete auf die Gesundsminister der Länder und die Gesundheitsheitsämter der Städte. Und auf die Website des Robert Koch Instituts, das mit Kleinbuchstaben und Langtext seine Sicht der Dinge darstellt. Aber was man konkret tun muss, wenn man zur Risikogruppe gehört und Symptome einer Grippe hat, steht da nicht. Bzw. steht da: "Finden Sie es gemeinsam mit Ihrem Hausarzt heraus!".
Spahn vermittelt autoritären Aktionismus. Und sagt schon jetzt. Wenn etwas Entscheidendes schief gehen wird, dann wird es an den Akteuren in den Ländern und Städten gelegen haben.
Ich prophezeie schon jetzt: Auf dem CDU Sonderparteitag wird dieser Mann wie ein Mühlstein um den Hals von Laschet hängen. Und das ist das einzig Gute an dieser Person.
Friedrich Merz beim Politischen Aschermittwoch
Das war schlau von Friedrich Merz, seine Aschermittwochrede in Thüringen zu halten. Dem Gegenpol zu Kreuzberg und Prenzlauer Berg. Und Apolda ist die Heimatstadt von Mike Mohring.
Denn nur in Thüringen kann Merz symbolisieren, wie er das größte Problem der CDU lösen will: Indem er enttäuschte Wähler von der AfD zurückholt.
Merz zeigt Loyalität und bekennt sich zum Bürgertum. Und zum Antikommunismus.Und schon ist er bei Ramelow. Der keine Mehrheit mehr hat aber vehement beansprucht, als MP wiedergewählt zu werden.
"Der eigentliche Fehler war die Arroganz, die Überheblichkeit zu sagen: Ich stelle mich hier zur Wahl, und erwarte dass andere mitstimmen, obwohl sie es im Wahlkampf anders gesagt haben. Das war der eigentliche Auslöser."
Dann knöpft er sich die Linkspartei vor. "die mit unserem Land nichts am Hut hat. Da gibt es eine Gruppe, die nennt sich Marx21. Eine Gruppe von Trotzkisten, alle vom Verfassungsschutz beobachtet. Und da zieht sich eine gerade Linie von denen die als Biedermann daher kommen bis zu den Krawallen und Ausschreitungen in Leipzig Connewitz. Und da gibt es eine Abgeordnete im Sächsischen Landtag, die stellt diesen Chaoten noch das vom Steuerzahler bezahlte Wahlkreisbüro zur Verfügung, damit die ihre Logistik vorbereiten können. Mit so einer Partei hat die CDU nichts zu tun."
So eine Haltung interpretieren die Praktikanten von ZEIT und Süddeutscher natürlich als "rechts". Und deshalb ist genau das ein Grund zu sagen: Ja, ich denke rechts. Denn rechts heißt: Anstand, Rechtsstaatlichkeit, Distanzierung von Gewalt.
Denn nur in Thüringen kann Merz symbolisieren, wie er das größte Problem der CDU lösen will: Indem er enttäuschte Wähler von der AfD zurückholt.
Merz zeigt Loyalität und bekennt sich zum Bürgertum. Und zum Antikommunismus.Und schon ist er bei Ramelow. Der keine Mehrheit mehr hat aber vehement beansprucht, als MP wiedergewählt zu werden.
"Der eigentliche Fehler war die Arroganz, die Überheblichkeit zu sagen: Ich stelle mich hier zur Wahl, und erwarte dass andere mitstimmen, obwohl sie es im Wahlkampf anders gesagt haben. Das war der eigentliche Auslöser."
Dann knöpft er sich die Linkspartei vor. "die mit unserem Land nichts am Hut hat. Da gibt es eine Gruppe, die nennt sich Marx21. Eine Gruppe von Trotzkisten, alle vom Verfassungsschutz beobachtet. Und da zieht sich eine gerade Linie von denen die als Biedermann daher kommen bis zu den Krawallen und Ausschreitungen in Leipzig Connewitz. Und da gibt es eine Abgeordnete im Sächsischen Landtag, die stellt diesen Chaoten noch das vom Steuerzahler bezahlte Wahlkreisbüro zur Verfügung, damit die ihre Logistik vorbereiten können. Mit so einer Partei hat die CDU nichts zu tun."
So eine Haltung interpretieren die Praktikanten von ZEIT und Süddeutscher natürlich als "rechts". Und deshalb ist genau das ein Grund zu sagen: Ja, ich denke rechts. Denn rechts heißt: Anstand, Rechtsstaatlichkeit, Distanzierung von Gewalt.
Mittwoch, 26. Februar 2020
Rudi's Rotte
Rudi sagt: Reicht jetzt mit dem Gerede. Der Reichtum im Berliner Speckgürtel muss neu verteilt werden. Er will keine Anträge schreiben, er will "umsetzen".
In Stahnsdorf haben er und seine Rotte jetzt wieder zugeschlagen und ein Haus mit Garten besetzt. Die Hausherrin sagte der Presse: Ich dachte die wollten raus aus dem Garten und ich müsste nur das Gartentor öffnen. Aber auf halbem Wege griffen mich die beiden größten Tiere der Rotte an. Und dann merkte ich: die wollen nicht raus aus dem Garten. Die wollen rein in unser Haus!
Und was spräche dagegen? Ich meine, PETA-Petitionen unterschreiben ist das eine. Aber es müssen Taten folgen. Und jetzt bitte nicht davon reden, wie man sie wieder los wird. jetzt sind sie nunmal hier. Es wäre so Nazi, jetzt mit Pfeil und Bogen Wildschweine zu jagen.
In Stahnsdorf haben er und seine Rotte jetzt wieder zugeschlagen und ein Haus mit Garten besetzt. Die Hausherrin sagte der Presse: Ich dachte die wollten raus aus dem Garten und ich müsste nur das Gartentor öffnen. Aber auf halbem Wege griffen mich die beiden größten Tiere der Rotte an. Und dann merkte ich: die wollen nicht raus aus dem Garten. Die wollen rein in unser Haus!
Und was spräche dagegen? Ich meine, PETA-Petitionen unterschreiben ist das eine. Aber es müssen Taten folgen. Und jetzt bitte nicht davon reden, wie man sie wieder los wird. jetzt sind sie nunmal hier. Es wäre so Nazi, jetzt mit Pfeil und Bogen Wildschweine zu jagen.
Dienstag, 25. Februar 2020
Jens Spahn folgt der Merkel'schen Beschwichtungskommunikation
Coronavirus? Für die Bundesregierung ist am Rosenmontag noch gar nichts passiert. Auf ihrer Website stehen als Primärthemen der Amoklauf von Hanau und die Diskussion um die Grundrente. Man muss runter scrollen, zu den Sekundärthemen, um das Thema Virus (unten links) zu finden:
Um diese Zeit ist Norditalien schon abgeriegelt. Für alles Weitere (also für "Interessierte", Experten und so weiter) wird auf die Website des Kollegen Spahn verwiesen.
Doch dessen Website ist morgens nicht erreichbar und zeigt ein genauso verwirrtes Bild wie der Minister selbst:
Im Staatsfernsehen (RBB Abendschau) hören wir den Virologen von der Charite sagen, dass es vor allem Alte treffe. (Und blitzartig denkt man: ach so, "alte weiße Männer". Die belasten nach Neo-linker Lesart eh nur die Rente und hetzen gegen das Neue Deutschland)
Jens Spahn wird ins Gewitter geraten, weil er keinen Plan hat. Wenn er davon spricht, dass "alles vorbereitet" sei, dann meint er damit nicht Medikamente und Krankenhauskapazitäten. Sondern, dass alles zwischen EU, Bund und Ländern "koordiniert" sei. Damit wiederum meint er, dass man Emailadressen ausgetauscht und Verteiler erstellt hat. Wenn mal was ist.. Die gegenüberliegenden Stellen bei EU und Land Brandenburg bestätigten das gestern eindrucksvoll mit Pressekonferenzen: "Wir sind gut vorbereitet, weil wir Koordinationsverbindungen hergestellt haben."
Wen es dann noch selbst trifft, der muss selber Schuld sein.
Um diese Zeit ist Norditalien schon abgeriegelt. Für alles Weitere (also für "Interessierte", Experten und so weiter) wird auf die Website des Kollegen Spahn verwiesen.
Doch dessen Website ist morgens nicht erreichbar und zeigt ein genauso verwirrtes Bild wie der Minister selbst:
Sucht man weiter findet man die FAQ's der Bundesregierung und liest wörtlich:
"Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung hierzulande durch die neue Atemwegserkrankung aus China ist aktuell weiterhin gering - trotz der bekannten einzelnen Fälle von Corona-Infizierte in Deutschland."
Um diese Zeit, als das Coronovirus ernsthaft in Europa angekommen ist, beschäftigen sich die CDU Spitzen mit der verlorenen Hamburg-Wahl, mit der Kandidatur des Gesundheitsministers für den CDU-Vorsitz und mit ihrem Streit mit der Thüringischen CDU. Die Nochvorsitzende AKK hält den Zeitpunkt für gekommen, jetzt mal die SPD anzugreifen. Wegen des Wahlkampfs in Hamburg.
Unser Bundespräsident, dessen Amt man ja auch irgendwie mit dem "Wohl des deutschen Volkes" verbindet, weilt zur Zeit in Afrika.
Jens Spahn wird ins Gewitter geraten, weil er keinen Plan hat. Wenn er davon spricht, dass "alles vorbereitet" sei, dann meint er damit nicht Medikamente und Krankenhauskapazitäten. Sondern, dass alles zwischen EU, Bund und Ländern "koordiniert" sei. Damit wiederum meint er, dass man Emailadressen ausgetauscht und Verteiler erstellt hat. Wenn mal was ist.. Die gegenüberliegenden Stellen bei EU und Land Brandenburg bestätigten das gestern eindrucksvoll mit Pressekonferenzen: "Wir sind gut vorbereitet, weil wir Koordinationsverbindungen hergestellt haben."
Wen es dann noch selbst trifft, der muss selber Schuld sein.
Sonntag, 23. Februar 2020
Richard Feynman und wie er die Quantenphysik sah
Wenn Sie glauben, Sie verstehen die Quantentheorie... dann verstehen Sie die Quantentheorie nicht.Richard Feynman (Physiker)
Dieses Zitat habe ich bei Richard Dawkins gefunden. In dem Zusammenhang erklärt er einen wichtigen Unterschied zwischen Wissenschaft und Technologie aus Sicht unserer Sinneswahrnehmung und unseres Verständnisses der Welt - man könnte auch sagen: unserer inneren Modellierung der Welt. Demnach haben wir die großen wissenschaftlichen Erkenntnisse anfangs kaum verstanden. Weil sie kontraintuitiv waren. Dies wiederum, weil unsere Sinneswahrnehmung der physischen Welt einen kleineren Schlitz vom Gesamtspektrum darstellt als die Sehschlitze einer Burka oder Ku-Klux-Klan Umhangs von der sichtbaren Welt erfassen..
Wissenschaft tut -anders als Technologie- dem gesunden Menschenverstand ganz allgemein Gewalt an.Richard Dawkins
Manche Erkenntnisse wollen wir aber auch nicht wahrhaben, weil sie unseren Interessen und Absichten widersprechen. So erinnere ich mich an eine tiefgehende Enttäuschung im Physik-Leistungskurs. Wir lernten, dass Atome ganz überwiegend aus leerem (im materiellen Sinne) Raum bestehen. Und dass das was wir als Körper und als Berührung eines Körpers wahrnehmen, nicht dem Stofflichen dieses Körpers entspricht, sondern den Feldkräften, die in ihm und um ihn herum wirken. Ich stellte mir also vor, dass ich meine Freundin niemals wirklich berühre. Sondern nur erlebe, wie die Elektronen auf den Außenbahnen ihrer Hautatome die Elektronen um meine Hautatome abstoßen.. Als ich das meinen damaligen Freunden zu erklären versuchte, lachten sie nur. Ich interpretierte ihr Lachen als "selbst Schuld, wenn Du Dich so sehr um Aufklärung bemühst".
Ich erinnere mich auch, wie ich in einer anderen Physikstunde über Wahrscheinlichkeitswellen mit meinem Banknachbarn über die Interpretation von Aufenthaltswahrscheinlichkeiten diskutierten. Er war ein Einserkandidat, ich ein Zweierkandidat. Er fand die Interpretation in unsere Erfahrungswelt gar nicht so wichtig, er nahm sie rein mathematisch. Mir aber war Verständnis einer Sache Bedingung für die Akzeptanz einer Sache. Und ich fragte unseren Lehrer, ob man sagen könne. Wahrscheinlichkeit sei hier nur die Projektion eines Gruppenverhaltens auf ein Element dieser Gruppe. Das bejahte er, ergänzte aber auch: "Wir verstehen die wenigsten Dinge von der Physik. Wir gewöhnen uns nur an sie, halten das aber für Verständnis."
Diese "Erkenntnis" über die menschliche Aufnahmefähigkeit von der Welt nahm ich wiederum mit in meinen Philosophiekurs und konfrontierte uns dort damit. Ich erinnere mich grob daran, dass unser bester Schüler in dem Kurs eine bessere Antwort parat hatte als unser Lehrer. (Daran erkannte ich den Unterschied zwischen Philosophieren und der bloßen Wiedergabe der Philosophien anderer Leute.."
Mit solchen Themen kann man gute Abende bei einem Bier oder zwei verbringen. Aber es zeigt auch, wie viel Arbeit wissenschaftliche Erkenntnis ist. Und selbst wenn man wissenschaftliche Daten in einer Qualität hat, die einem genügen, ist die Interpretation der zugehörigen Mathematik ein großer zweiter Schritt.
Oft dachte ich, wie gut dass ich in dieser Zeit lebe, wo wir die wichtigsten Erkenntnisse alle schon haben. Man kann rückwirkend über die Verteidigungskämpfe von Kirchen und Fürsten lächeln. Dass sie nicht hinnehmen wollten, dass die Erde eine rotierende Kugel ist und sich um die Sonne dreht. "Woran hätten sie die Wahrheit erkennen sollen - sie ist ja kontraintuitiv? Wie hätte eine Erfahrung sein sollen, die die Erde rotieren und um die Sonne ziehen lässt?" zitiert Dawkins die alten Philosophen. Und sagt, dass es dazu keine Antwort gab weil wir keine entsprechende Sinneswahrnehmung haben.
Also dazu hätte ich eine prompte Antwort gehabt: Daran, dass wir weder Fahrtwind noch eine Beschleunigung spüren, hätte ich "erkannt", dass die Erde nicht rotiert oder um die Sonne läuft. Wenn ich im Auto oder im Bus eine Kurve fahre, bemerke ich einen kleinen ausgleichenden Wind. Ich hätte das also auch von einer fahrenden und rotierenden Erde erwartet..
Dawkins sagt, der wandernde Sternenhimmel sei ein weiterer Hinweis auf die Rotation der Erde gewesen. Aber deren Deutung lag wiederum in der Hoheit der Mächtigen...
So wie heute das Klima. Auch hier bin ich mir ganz sicher: in nur wenigen Jahren werden wir die heutige Hysterie nicht mehr verstehen. Wir werden sie als Symptom der westlichen Dekadenz deuten. Einer Gesellschaft, die an sich selbst satt geworden war. Die verhätschelt, verwöhnt, überfüttert wurde vom Wohlstand, den ihre Väter und Großväter begründet hatten. Die sich neuen Faschisten unterwarf, die -wie früher die Hexen- Andersdenkende für das Wetter, für verhagelte Ernten und Überschwemmungen verantwortlich machen wird.
Ich bin einerseits froh, den Höhepunkt der freiheitlichen Welt miterlebt zu haben. Aber ich bin ratlos und weiß noch nicht wohin, angesichts unseres sich abzeichnenden kulturellen Niedergangs.
Dienstag, 18. Februar 2020
Verpönte Eigeninteressen
Manches läuft seit längerem schräg in unserem Land. Nicht nur die Konformität der Altparteien und Medien. Auch andere Beobachtungen erkläre ich mir mit Konformismus, sinkender Bildung und Feigheit:
- Die Autolobby VDA hatte absolut nichts unternommen gegen die willkürlich festgelegten NOx-Grenzwerte und die CO2-Grenzwerte.
- Die Arbeitgeberverbände wehren sich nicht gegen die Deindustrialisierung.
- Die IG Metall will in der Automobilbranche auf Tarifforderungen verzichten - trotz allseits proklamierten Fachkräftemangel.
- Vom Bund der Steuerzahler hört man nur noch 1x im Jahr: wenn sie ihr Schwarzbuch vorstellen.
Die Vertretung vitaler Eigeninteressen ist inzwischen völlig verpönt. Fachkräfte wehren sich weder gegen ihre Gewerkschaften noch gegen die Rekordabgabenlast. Und Unternehmer wehren sich nicht mehr gegen staatliche Repressionen - sondern tragen jeden schädlichen Unsinn der Regierung mit.
Stattdessen nehmen es alle hin, dass sich die GroKo-Parteien vier Jahre mit sich selbst beschäftigen.
Stattdessen nehmen es alle hin, dass sich die GroKo-Parteien vier Jahre mit sich selbst beschäftigen.
Montag, 17. Februar 2020
Polen ist mein neues Berlin
Ich habe mir gestern eine App für einen Polnisch-Kurs gesucht und herunter geladen. Vor über zehn Jahren hatte ich schon einmal angefangen Polnisch zu lernen. Damals -nach der EU-Osterweiterung- interessierte uns das Land als geographische Heimat unserer Großeltern (aus Schlesien). Als als Land der Vergangenheit. Inzwischen könnte Polen für uns auch das Land der Zukunft sein.
Wir planen noch nichts Reales. Nicht die Bewegung dorthin. Aber konkreter wird die "Roadmap" dorthin. Und die Sprache zu lernen ist eine Conditio-sine-qua-non.
Sagen wir so: So utopisch (und richtig) meine Vision 1987 war, irgendwann nach Berlin zu ziehen, so etwa ist heute unsere Vision, kurz hinter die Grenze zu ziehen. Ein Wunsch, der weit weg scheint.
Nach Berlin kam ich mit etlicher Verspätung, insbesondere verpasste ich den Mauerfall. In Polen werden wir sein müssen, bevor wieder eine Mauer gebaut ist..
Wir planen noch nichts Reales. Nicht die Bewegung dorthin. Aber konkreter wird die "Roadmap" dorthin. Und die Sprache zu lernen ist eine Conditio-sine-qua-non.
Sagen wir so: So utopisch (und richtig) meine Vision 1987 war, irgendwann nach Berlin zu ziehen, so etwa ist heute unsere Vision, kurz hinter die Grenze zu ziehen. Ein Wunsch, der weit weg scheint.
Nach Berlin kam ich mit etlicher Verspätung, insbesondere verpasste ich den Mauerfall. In Polen werden wir sein müssen, bevor wieder eine Mauer gebaut ist..
Samstag, 15. Februar 2020
Rezension von Richard Dawkins' "Gotteswahn"
In "Der Gotteswahn" führt der Evolutionsbiologe Richard Dawkins einen eindrucksvolles Beweis gegen die Weltreligionen und für seinen atheistischen Standpunkt. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, dass mich intellektuell so beeindruckt hat.
Es ist natürlich naheliegend, dass ein Evolutionsforscher alle Argumente gegen naiven Glauben und insbesondere die Kreationisten, die Zweifler an der Evolution, zur Hand hat. Aber Dawkins beleuchtet den Glauben, wie wir ihn als Kind gelernt und als Erwachsene aus Angst weitergeführt haben, von allen Seiten.
Es fängt recht harmlos an mit Gedanken, die wir alle schon mal hatten: Wie kann Gott alles wissen und lenken und gleichzeitig nicht verantwortlich sein? Wie können Leute zu ihm beten und um Bevorzugung zulasten anderer Gläubiger bitten?
Er greift vor allem die Überhöhung der sogenannten heiligen Schriften an. Er liest allen Weltreligionen die Leviten, indem er brutale Zitate für seine Klage gegen die Prediger und Religionsoberhäupter heranzieht. So zieht er z. B. nicht minder gegen den Koran zu Felde als ein gewisser Thilo Sarrazin in "Feindliche Übernahme". Aber genau so zieht er gegen das Alte und das Neue Testament und findet die brutalen Stellen, die auch wir teilweise noch kennen. Da gibt es Brandopfer für Gott, ganze Städte werden in Schutt und Asche gelegt vom rächenden Gott.
Alle Religionen fangen ihre Gläubigen schon als Kinder. In die Kinder wird die Angst vor dem strafenden Gott gepflanzt. Diese Ängste beherrschen manche Leute ihr ganzes Leben lang. So regieren die Kirchen und die Imame. Und das andere Extrem ist das Versprechen des ewigen Lebens und im Koran sogar die soundsovielten Jungfrauen für Märtyrer.
Kein Wunder, dass sich Herrscher diese Ängste und Verheißungen, an die sie in der Regel selbst nicht glauben, zunutze machten und machen. Dawkins zitiert: "Der Dumme verfällt dem Glauben, der Intelligente lehnt ihn ab und der Herrscher missbraucht ihn."
So kommt Dawkins auch zum islamischen Terrorismus. Er geht so weit zu sagen: Die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ist sinnlos, denn die Islamisten berufen sich auf die gleiche Schrift wie alle anderen Muslime. Und es gibt keine muslimische Instanz die hier redaktionell oder exegetisch eingreift. Man lasse dem Islamvirus freien Lauf, wenn man den Terrorismus nur auf eine Überinterpretation einer Schrift zurückführe, die auch ihre schönen Stellen habe. Der Glaube an sich sei das Problem.
Eine seiner konkreten Forderungen ist die Verhinderung, Minderjährige zu Mitgliedern von Religionen zu machen. Das solle jeder selbst entscheiden, wenn er zurechnungsfähig ist.
Er bringt ein Gegenbeispiel: Man stelle sich eine Gruppe von Kindergartenkindern vor, in denen sich einige als Atheisten, Agnostiker oder säkulare Humanisten bezeichnen würden. Da würde jeder lachen. Aber vierjährige Christen, Juden oder Moslems gelten als normal...
Mich hat er rational vollends überzeugt. Allerdings empfinde ich es doch als schwierig, mich von jedweder Religiosität (oder wie ich es benennen soll) zu distanzieren. Aus meiner Sicht führt Dawkins einen Beweis gegen die Überhöhung der alten Schriften und dem was irdische Führer und Ideologen daraus gemacht haben.
Er führt keinen Beweis gegen das Staunen, die Ehrfurcht und die Freude über die Welt, die Natur, das Universum. Ich muss sagen, der Anblick des Sternenhimmels oder Aufnahmen von Raumsonden faszinieren mich mit einer Intensität, die andere wohl beim Anblick des Papstes, des Kreuzes, der Thora oder des Quaders in Mekka empfinden.
Es ist natürlich naheliegend, dass ein Evolutionsforscher alle Argumente gegen naiven Glauben und insbesondere die Kreationisten, die Zweifler an der Evolution, zur Hand hat. Aber Dawkins beleuchtet den Glauben, wie wir ihn als Kind gelernt und als Erwachsene aus Angst weitergeführt haben, von allen Seiten.
Es fängt recht harmlos an mit Gedanken, die wir alle schon mal hatten: Wie kann Gott alles wissen und lenken und gleichzeitig nicht verantwortlich sein? Wie können Leute zu ihm beten und um Bevorzugung zulasten anderer Gläubiger bitten?
Er greift vor allem die Überhöhung der sogenannten heiligen Schriften an. Er liest allen Weltreligionen die Leviten, indem er brutale Zitate für seine Klage gegen die Prediger und Religionsoberhäupter heranzieht. So zieht er z. B. nicht minder gegen den Koran zu Felde als ein gewisser Thilo Sarrazin in "Feindliche Übernahme". Aber genau so zieht er gegen das Alte und das Neue Testament und findet die brutalen Stellen, die auch wir teilweise noch kennen. Da gibt es Brandopfer für Gott, ganze Städte werden in Schutt und Asche gelegt vom rächenden Gott.
Alle Religionen fangen ihre Gläubigen schon als Kinder. In die Kinder wird die Angst vor dem strafenden Gott gepflanzt. Diese Ängste beherrschen manche Leute ihr ganzes Leben lang. So regieren die Kirchen und die Imame. Und das andere Extrem ist das Versprechen des ewigen Lebens und im Koran sogar die soundsovielten Jungfrauen für Märtyrer.
Kein Wunder, dass sich Herrscher diese Ängste und Verheißungen, an die sie in der Regel selbst nicht glauben, zunutze machten und machen. Dawkins zitiert: "Der Dumme verfällt dem Glauben, der Intelligente lehnt ihn ab und der Herrscher missbraucht ihn."
So kommt Dawkins auch zum islamischen Terrorismus. Er geht so weit zu sagen: Die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ist sinnlos, denn die Islamisten berufen sich auf die gleiche Schrift wie alle anderen Muslime. Und es gibt keine muslimische Instanz die hier redaktionell oder exegetisch eingreift. Man lasse dem Islamvirus freien Lauf, wenn man den Terrorismus nur auf eine Überinterpretation einer Schrift zurückführe, die auch ihre schönen Stellen habe. Der Glaube an sich sei das Problem.
Eine seiner konkreten Forderungen ist die Verhinderung, Minderjährige zu Mitgliedern von Religionen zu machen. Das solle jeder selbst entscheiden, wenn er zurechnungsfähig ist.
Er bringt ein Gegenbeispiel: Man stelle sich eine Gruppe von Kindergartenkindern vor, in denen sich einige als Atheisten, Agnostiker oder säkulare Humanisten bezeichnen würden. Da würde jeder lachen. Aber vierjährige Christen, Juden oder Moslems gelten als normal...
Mich hat er rational vollends überzeugt. Allerdings empfinde ich es doch als schwierig, mich von jedweder Religiosität (oder wie ich es benennen soll) zu distanzieren. Aus meiner Sicht führt Dawkins einen Beweis gegen die Überhöhung der alten Schriften und dem was irdische Führer und Ideologen daraus gemacht haben.
Er führt keinen Beweis gegen das Staunen, die Ehrfurcht und die Freude über die Welt, die Natur, das Universum. Ich muss sagen, der Anblick des Sternenhimmels oder Aufnahmen von Raumsonden faszinieren mich mit einer Intensität, die andere wohl beim Anblick des Papstes, des Kreuzes, der Thora oder des Quaders in Mekka empfinden.
Freitag, 14. Februar 2020
Beyond Budgetierung
Schönster Tag der Woche :-) Aber auch: was für eine Woche.. Als ich Anfang der Woche eine Initiative startete um mal die Geheimnisse unseres Budgeting zu lüften, kam denn doch schnell "Feedback".
Einladung an den Veranstalter. Seine schriftliche Rückfrage: Worum soll es hier gehen, ich verstehe nicht...
Meine schriftliche Antwort: Wir sind es, die nicht verstehen. Aber wir wollen verstehen. Und das Reizwort: Transparenz
Danach kam die Reaktion telefonisch: Gereizte Stimme, so wie wenn man sich angegriffen fühlt.
Die Stimme erklärte mir, alles sei sehr komplex, und fragte, ob ich schon mal dabei gewesen sei. Jedenfalls seien die Aussichten für eine Initiative aussichtslos... Aber man könne mich mal einladen zur nächsten Veranstaltung..
Am nächsten Tag schon änderten sich die Rahmenbedingungen. Wer von der Hauptversammlung beim süddeutschen Luxusautohersteller gelesen hat, weiß was dieses Jahr ansteht: Die deutschen Autohersteller werden das Appeasement unserer Regierung gegenüber den EU-Vorgaben ausbaden. Das erste Jahr, in dem Strafzahlungen für CO2-Flottengrenzwertüberchreitungen Realität werden.
Wäre es da nicht sinnvoll investiertes Geld, wenn man die positiven Treiber deshalb so schnell wie möglich "auf die Straße brächte"?
"Nein, das Budget hat nichts mit unseren Bedarfen zu tun." -
"Ich dachte wir gehen gerade voran mit Digitalisierung usw.?" -
"Schon, aber wir müssen mit dem auskommen, was man uns gibt."
"Also die ganze Darstellung unserer Kosten-Nutzen-Effekte dient nicht der Finanzplanung sondern nur der Verteilung dessen, was man uns gibt?"
Leute, wir sind offenbar nicht nur nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Ich habe Bedenken, ob wir überhaupt schon irgendwo angekommen sind. Ich weiß nicht ganz genau, ob wir näher am Kreml oder am Hofstaat sind. Aber die Lage ist ganz sicher noch nicht ernst genug, um an den Bedarf eines Wandels wirklich zu glauben. Denn man lebt ihn nicht nur nicht vor, man lehnt es brüsk ab, sich selbst für adressiert zu halten.
Daimler bricht ein, Tesla nutzt das Allzeithoch seiner Aktie für eine Kapitalerhöhung. China meldet einen Autoabsatzeinbruch von 20%. Aber Gemach, das ist doch kein Weckruf für "uns", sondern für "euch".
Ich bin gespannt, wie lange der Einstellboom für "Bachelors of fine arts" noch geht und Geld für solche unproduktiven Projekte da sein wird.
Einladung an den Veranstalter. Seine schriftliche Rückfrage: Worum soll es hier gehen, ich verstehe nicht...
Meine schriftliche Antwort: Wir sind es, die nicht verstehen. Aber wir wollen verstehen. Und das Reizwort: Transparenz
Danach kam die Reaktion telefonisch: Gereizte Stimme, so wie wenn man sich angegriffen fühlt.
Die Stimme erklärte mir, alles sei sehr komplex, und fragte, ob ich schon mal dabei gewesen sei. Jedenfalls seien die Aussichten für eine Initiative aussichtslos... Aber man könne mich mal einladen zur nächsten Veranstaltung..
Am nächsten Tag schon änderten sich die Rahmenbedingungen. Wer von der Hauptversammlung beim süddeutschen Luxusautohersteller gelesen hat, weiß was dieses Jahr ansteht: Die deutschen Autohersteller werden das Appeasement unserer Regierung gegenüber den EU-Vorgaben ausbaden. Das erste Jahr, in dem Strafzahlungen für CO2-Flottengrenzwertüberchreitungen Realität werden.
Wäre es da nicht sinnvoll investiertes Geld, wenn man die positiven Treiber deshalb so schnell wie möglich "auf die Straße brächte"?
"Nein, das Budget hat nichts mit unseren Bedarfen zu tun." -
"Ich dachte wir gehen gerade voran mit Digitalisierung usw.?" -
"Schon, aber wir müssen mit dem auskommen, was man uns gibt."
"Also die ganze Darstellung unserer Kosten-Nutzen-Effekte dient nicht der Finanzplanung sondern nur der Verteilung dessen, was man uns gibt?"
Leute, wir sind offenbar nicht nur nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Ich habe Bedenken, ob wir überhaupt schon irgendwo angekommen sind. Ich weiß nicht ganz genau, ob wir näher am Kreml oder am Hofstaat sind. Aber die Lage ist ganz sicher noch nicht ernst genug, um an den Bedarf eines Wandels wirklich zu glauben. Denn man lebt ihn nicht nur nicht vor, man lehnt es brüsk ab, sich selbst für adressiert zu halten.
Daimler bricht ein, Tesla nutzt das Allzeithoch seiner Aktie für eine Kapitalerhöhung. China meldet einen Autoabsatzeinbruch von 20%. Aber Gemach, das ist doch kein Weckruf für "uns", sondern für "euch".
Ich bin gespannt, wie lange der Einstellboom für "Bachelors of fine arts" noch geht und Geld für solche unproduktiven Projekte da sein wird.
Montag, 10. Februar 2020
Ein Tag im Leben eines Projektleiters
Tja, gestern noch in Polen und heute konnten sie mir alle gestohlen bleiben.. Wegen des Sturms machte ich Homeoffice. Ich kochte früh eine Kanne Kaffee mit unserer Melitta Filterkaffeemaschine. Und nach dem ersten Skype gab es einen Knall, der mich zusammenzucken ließ. Es klang irgendwie hart, fast elektrisch. Aber alle elektrischen Geräte in meinem Arbeitszimmer schienen heile.
Irgendwann trug ich die Kaffeekanne in die Küche und wunderte mich über ein Geräusch darin: Siehe da, der Thermoglaskolben lag in Scherben. Wie jetzt: nach einem Jahr geht die Kanne kaputt? Markenprodukt Melitta? Ich ging auf die Webseite, wo ich das Ding für etwas über 70 EUR gekauft hatte. Und siehe da: da hatten sich schon andere Kunden beschwert, denen das gleiche passiert war. Und Melitta hat die Kaffeemaschine inzwischen als "Auslaufmodell" um 50% reduziert, was ich originell finde..
Was ich aber eigentlich erzählen wollte: Unsere Branche ist wieder vorsichtig geworden und kürzt deshalb die Budgets. Auch für IT-Proujekte. Gut, kann man machen, aber nicht ohne Folgen. Erst recht nicht, wenn erheblich gekürzt wird. Und dann ging es los. Der Versuch, zu "eskalieren" (neben der Wunderwaffe "Taskforce" der zweite Lieblingsbegriff von Automobilmanagern). "Wir müssen klar machen, was die Kürzungen bewirken werden." schrieb ein Kollege. "Ja, aber das haben wir doch schon im Projektsteckbrief beschrieben, was passiert, wenn ein Umfang nicht finanziert wird."
- "Ja, aber anscheinend lesen die das nicht." schrieb der Organisator der Budgetrunde, in der die freigebenden Mittel auf Projekte verteilt werden. "Und deshalb sollten wir jetzt nochmal die Steckbriefe in eine Powerpoint packen und ihr solltet alle noch mal überlegen, wofür Ihr Geld beantragt habt."
Ich dachte: Wie? Weil es vom Vorstand nicht gelesen oder nicht verstanden wurde, sollen wir das gleiche noch mal tun?
Und da flatterte auch schon die nächste Email rein: "Auch seitens Fachbereiche müssen wir auf Bereichsleiterebene noch mal klar machen, was das bedeutet." Und dann brauchen wir auch noch ein Blatt für die Markenvorstände und dann für die Konzernvorstandsrunde, die sich aus den Markenverostandsvorsitzenden zusammen setzt."
Ich brach innerlich schon zusammen. Und eruierte erstmal, wie dieses Gremium da eigentlich so tickt, Wer geht da rein, was machen die und warum funktioniert das nicht?
Kam raus, dass wir Stille Post Bottom-Up spielen: Wir schreiben 19 Projektsteckbriefe in denen wir Umfänge verargumentieren und diese Steckbriefe liest irgendwer dem Vorstand vor bis dieser einnickt... Kein Mensch versteht so etwas.
"Warum haben wir keinen Top-Ansatz, der von den Marken- und Bereichszielen ausgeht, diese dann auf benötigte fachliche Fähigkeiten herunterreicht und darunter hängen wir dann die benötigten Entwicklungsumfänge?" fragte ich in die Runde. "So etwas braucht man ja nicht nur für Budgetanträge, sondern jedesmal wenn man jemandem erklären will, was wir hier machen und wozu wir es machen. Zweck und Zusammenhang." Woanders nennt man es Facharchitektur: Wie die Struktur eines IT-Systems die Struktur einer Organisation unterstützt.
Da ich Glück mit meinen Chefs habe, bekam ich sofort Unterstützung und wir luden den Kopf unserer "Antragsgruppe", die jährlich die genehmigten Gelder aufteilt. Sofort kam die Rückfrage, worum es denn gehe und ob man nicht die IT dafür brauche...
Es ist ganz offensichtlich, dass hier seit Jahren etwas intransparent vor sich hingewurschtelt hat und nie hat es jemanden interessiert, wie die Entscheidungen eigentlich zustande kommen. Und vermutlich hat es stets genügt, einem Vorstand irgendwelche Buzzwords vorzulesen und nie hat der verstanden, was er da eigentlich genehmigt. Aber genau so leiden die Entwicklungsabläufe seit Jahren unter inkonsistenten Datenflüssen, also nicht fertiggebauten Autobahnabschnitten, neu genehmigten Landstraßen als Workarounds usw.
Mit dem Spruch "Von Software verstehe ich nichts." kokettiert man auf höchsten Ebenen immer noch lustig in Verwaltung und DAX-Konzernen. Es wird Zeit, dass wir das ändern..!
Irgendwann trug ich die Kaffeekanne in die Küche und wunderte mich über ein Geräusch darin: Siehe da, der Thermoglaskolben lag in Scherben. Wie jetzt: nach einem Jahr geht die Kanne kaputt? Markenprodukt Melitta? Ich ging auf die Webseite, wo ich das Ding für etwas über 70 EUR gekauft hatte. Und siehe da: da hatten sich schon andere Kunden beschwert, denen das gleiche passiert war. Und Melitta hat die Kaffeemaschine inzwischen als "Auslaufmodell" um 50% reduziert, was ich originell finde..
Was ich aber eigentlich erzählen wollte: Unsere Branche ist wieder vorsichtig geworden und kürzt deshalb die Budgets. Auch für IT-Proujekte. Gut, kann man machen, aber nicht ohne Folgen. Erst recht nicht, wenn erheblich gekürzt wird. Und dann ging es los. Der Versuch, zu "eskalieren" (neben der Wunderwaffe "Taskforce" der zweite Lieblingsbegriff von Automobilmanagern). "Wir müssen klar machen, was die Kürzungen bewirken werden." schrieb ein Kollege. "Ja, aber das haben wir doch schon im Projektsteckbrief beschrieben, was passiert, wenn ein Umfang nicht finanziert wird."
- "Ja, aber anscheinend lesen die das nicht." schrieb der Organisator der Budgetrunde, in der die freigebenden Mittel auf Projekte verteilt werden. "Und deshalb sollten wir jetzt nochmal die Steckbriefe in eine Powerpoint packen und ihr solltet alle noch mal überlegen, wofür Ihr Geld beantragt habt."
Ich dachte: Wie? Weil es vom Vorstand nicht gelesen oder nicht verstanden wurde, sollen wir das gleiche noch mal tun?
Und da flatterte auch schon die nächste Email rein: "Auch seitens Fachbereiche müssen wir auf Bereichsleiterebene noch mal klar machen, was das bedeutet." Und dann brauchen wir auch noch ein Blatt für die Markenvorstände und dann für die Konzernvorstandsrunde, die sich aus den Markenverostandsvorsitzenden zusammen setzt."
Ich brach innerlich schon zusammen. Und eruierte erstmal, wie dieses Gremium da eigentlich so tickt, Wer geht da rein, was machen die und warum funktioniert das nicht?
Kam raus, dass wir Stille Post Bottom-Up spielen: Wir schreiben 19 Projektsteckbriefe in denen wir Umfänge verargumentieren und diese Steckbriefe liest irgendwer dem Vorstand vor bis dieser einnickt... Kein Mensch versteht so etwas.
"Warum haben wir keinen Top-Ansatz, der von den Marken- und Bereichszielen ausgeht, diese dann auf benötigte fachliche Fähigkeiten herunterreicht und darunter hängen wir dann die benötigten Entwicklungsumfänge?" fragte ich in die Runde. "So etwas braucht man ja nicht nur für Budgetanträge, sondern jedesmal wenn man jemandem erklären will, was wir hier machen und wozu wir es machen. Zweck und Zusammenhang." Woanders nennt man es Facharchitektur: Wie die Struktur eines IT-Systems die Struktur einer Organisation unterstützt.
Da ich Glück mit meinen Chefs habe, bekam ich sofort Unterstützung und wir luden den Kopf unserer "Antragsgruppe", die jährlich die genehmigten Gelder aufteilt. Sofort kam die Rückfrage, worum es denn gehe und ob man nicht die IT dafür brauche...
Es ist ganz offensichtlich, dass hier seit Jahren etwas intransparent vor sich hingewurschtelt hat und nie hat es jemanden interessiert, wie die Entscheidungen eigentlich zustande kommen. Und vermutlich hat es stets genügt, einem Vorstand irgendwelche Buzzwords vorzulesen und nie hat der verstanden, was er da eigentlich genehmigt. Aber genau so leiden die Entwicklungsabläufe seit Jahren unter inkonsistenten Datenflüssen, also nicht fertiggebauten Autobahnabschnitten, neu genehmigten Landstraßen als Workarounds usw.
Mit dem Spruch "Von Software verstehe ich nichts." kokettiert man auf höchsten Ebenen immer noch lustig in Verwaltung und DAX-Konzernen. Es wird Zeit, dass wir das ändern..!
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